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Bundesregierung streitet über Tageslicht in Firmentoiletten

2015

 

Wir haben es geschafft, das Tageslicht steht im Fokus der politischen Auseinandersetzungen. Den Vogel hat soeben RP Online geschafft abzuschießen: "Bundesregierung streitet über Tageslicht in Firmentoiletten" lautet die Meldung von 10:20. Es geht um die Novelle der Arbeitsstättenverordnung.

Die Reaktionen aus der Politik beweisen, dass der Entzug von Tageslicht akut zu den befürchteten Folgen führt und nicht erst als Spätfolge (Krebs, Alzheimer u.ä.) in Erscheinung tritt. So muss ein gewisser Ingo Kramer seit seiner Wahl ins Amt des Präsidenten der BDA in November 2013 seine Zeit im Dunkeln verbracht haben. Denn Herrn Kramer soll am 22. Januar 2015 plötzlich aufgefallen sein, dass die Arbeitsstättenverordnung der Bundesrepublik Deutschland novelliert werden soll. Doch die Vorarbeiten zu der Novelle waren da längst angelaufen, als er sein Amt antrat. Auch die Meldungen, dass das Bundeskabinett den Entwurf verabschiedet hätte, haben ihn nicht wecken können. Aber jetzt! (Bitte: zu den tatsächlichen Umständen unten den vorletzten Absatz lesen)

Er soll sich letzten Donnerstag über manche Bestimmungen der neuen Arbeitsstättenverordnung mokiert haben (zu lesen in der Stuttgarter Zeitung hier): "Wirtschaft schüttelt über Arbeitsschutzregeln den Kopf". Die Zeitung fragt sich "Blendet daheim die Sonne?" Gemeint ist, dass der Arbeitgeber für die häuslichen Arbeitsplätze seiner Telearbeiter (natürlich auch für die der Telearbeiterinnen) verantwortlich sein soll. Es müsse beispielsweise geklärt werden, ob dort die Sonne blende … Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände fühle sich an Schilda erinnert und in Absurdistan. Stimmt! Ich fühle mich auch so. Denn wer auch immer als Person der BDA vorsteht, wird über wichtige Vorhaben der Politik, die Einfluss auf Arbeitsbedingungen haben könnten, zeitig offiziell informiert, sofern ihm seine Helferlein nicht bereits im Vorfeld die Warnzeichen übermittelt haben sollten. Oder er selbst hat die Änderungen angeregt. Was im vorliegenden Fall eigentlich nicht von der Hand zu weisen ist, weil die deutschen Arbeitgeber seit mindestens zwei Jahrzehnten fleißig an der Bildschirmarbeitsverordnung sägen. Genau dies soll mit der Novelle der Arbeitsstättenverordnung aber geschehen. Entweder hat der Präsident der BDA dazu nichts gesagt oder der Presse ist's lieber, seine Empörung über Vorschriften zu Kleiderhaken zu Papier zu bringen. Die Sache mit dem Tageslicht in Firmentoiletten war ein längst ausgemerzter Fehler im Text gewesen, den die Presse hätte bereits letztes Jahr merken können. Hat aber nicht. 

Die Echos in der Medienwelt ließen nicht lange auf sich warten. Bereits am Sonntag meldete sich Michael Fuchs, der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag. "DEUTSCHLAND Unionsfraktionsvize Fuchs empört über neue Arbeitsstättenverordnung" steht es in Zeitonline (hier), als Replik der in der Märkischen Allgemeinen Zeitung bereits am Sonntag gemeldeten Empörung (hier "CDU wirft Nahles Regulierungswut vor"). Mit einiger Verspätung folgten die üblichen Verdächtigen, Focus, NOZ, Yahoo.com u.ä. Auch der Donaukurier hat sich nicht lumpen lassen. Man kann die diversen Variationen des Unfugs hier und dort und da und da lesen. Man merke: getretener Quark wird breit aber nicht stark. 

Auffällig ist, dass die meisten Medien die Nachricht von Ingo Kramer auf Freitag datieren, obwohl sie bereits am Donnerstag in der WELT zu lesen war (hier). Von Freitag hatte später ein Nachrichtenportal gesprochen. Viele scheinen zu kopieren, ohne zu zitieren. Kramer wird auch nicht mehr so häufig zitiert, sondern ein angeblicher Koalitionskrach, der interessanter zu sein scheint als die Meinung des Präsidenten der BDA zu gesetzlichen Regelungen über Arbeitsstätten. Die heißeste Nummer hat Focus Online geschafft: "Unions-Fraktionsvize: "Irrsinn stoppen" Neue Verordnung: Nahes will Handflächen-Freiraum vor PC-Tastatur vorschreiben" Nahles will überhaupt nichts! Die Vorschrift gibt es seit 1990 in der EU-Bildschirmrichtlinie. Als deutsche gesetzliche Bestimmung in der Bildschirmarbeitsverordnung seit 1996. Was das Ministerium von Frau Nahles will, ist die Abschaffung dieser Verordnung und deren Eingliederung in die Arbeitsstättenverordnung. Dabei darf die deutsche Gesetzgebung eine Bestimmung der EU-Richtlinie nicht außer Kraft setzen. So einfach ist es. Mehr Cakir CuA_15_01.

Während die erste Meldung in der WELT mit Zitaten und Anmerkungen des BDA Präsidenten noch ganz nüchtern klangen, ist vier Tage später ein Skandal, aber zumindest ein Skandälchen geworden. Ich denke, ein Skandal. Denn ein hoher Funktionär (Präsident der BDA) kommt in den Verdacht, seine Aufgaben verschlafen zu haben. Ebenso die Politik, weil sie ihn hätte rechtzeitig informieren müssen. Und die Täter? Entweder der Politiker, der den Sturm im Fingerhut verursacht hat, oder die Presse (online, offline, Gott-weiß-was-line), die schneller kopiert als Nachrichten entstehen. Wenn ich alle Beiträge mir Revue passieren lasse, wundert mich das Wissen von Journalisten über politische Usancen in dieser Republik. Ob, das Unwissen wollte ich schreiben.

Wie dem auch sei. Die Öffentlichkeit wird aus allen Richtungen mit Meldungen versorgt, die sich mit Tageslicht und Sichtverbindung nach außen beschäftigen. Wer als Politiker oder Journalist an der Sichtverbindung rührt, den trifft zwar nicht der Blitz. Aber viel besser geht es ihm bestimmt nicht, wenn die Leute merken, woran diese herumkritteln. Als Strafe muss man nicht die Peitsche herausholen. Es genügt, die Herrschaften einige Tage ohne Tageslicht zu lassen.
(Anm.: Diese Strafe gab es tatsächlich in Alcatraz als ultimative Strafe für die schlimmsten Verbrecher der USA, die man dort konzentrierte. Der prominenteste Häftling, den man durch Lichtentzug läutern wollte, hieß Al Capone. Später wurde sie insbesondere wegen dessen Bestrafung abgeschafft, weil sie sehr inhuman gewesen sein soll. Inhuman zu Al Capone! Das will was heißen …)  

Ministerin hat Kopfschmerzen

Wie gefährlich!

2014

 

Gestern erreichte mich die Anfrage von einer Privatperson, die ihre Wohnung mit LED-Leuchten beleuchten möchte. Den Fragen entnehme ich, dass sie viel über die Gefährlichkeit von LED gelesen hat. An sich keine schlechte Haltung, wenn man sich erkundigt, ob man sich nicht den Teufel ins Haus holt. Leider erkannte ich aus den Fragen, dass die öffentliche Diskussion schlimme Folgen haben kann, wie z.B. einst die Frage nach den Strahlungsschäden  durch Bildschirme. Damals haben sich viele von den Gewerkschaften bis hin zur Financial Times gewaltig blamiert; eine echt anständige Organisation, die bei der Nobelpreisvergabe dabei ist, eine beschämende Figur abgegeben, und viele seltsame Menschen sogar halbe Volksaufstände unter Belegschaften riskiert, um ein paar "Strahlungsfilter" zu verkaufen. Nicht zu vergessen, der "strahlungsfressende Kaktus" und die Bildschirmkäppi mit Bleieinlage im Schirm. Selbst Bildschirmjacken mit Bleiplatten drin gab es zu kaufen.

Was war die Realität? Erstens war die "Strahlung" meistens keine, sondern nur ein statisches elektrisches Feld. Zweitens, gab und gibt es die überall. Und drittens, Millionen von Menschen arbeiten unter elektromagnetischen Feldern, deren Stärke die der damaligen Bildschirme um den Faktor eine Million oder mehr überstieg. Mir selbst haben Menschen viele Ausführungen zu sonstigen Aspekten geglaubt, manchmal etwas ungläubig abgenommen, aber nie die Dinge, die etwas mit Strahlung haben sollen. Dabei hatte ich mit zwei Kollegen die Angelegenheit im Jahre 1979 in einem Buch - für mich abschließend - behandelt.

Lass die Leute doch ihre Angst ausleben? Leider kann man so nicht handeln, wenn es sich um eine wichtige Technologie handelt. das sieht man an dem Nachlass der einstigen Strahlungshisterie. Menschen schieben auch heute noch ihre Bildschirme an das andere Ende des Tisches, erleiden Rückenschmerzen oder Augenbeschwerden - ggf.  beides -, ohne zu merken, warum sie so handeln. Und LED? Damit werden wir leben - nicht nur müssen, sondern auch wollen -, weil die Technologie viel Neues und Positives bietet. Wir müssen nur aus dem Schatten der Leuchtstofflampe treten.

Und dieser ist gewaltig. Sie ist eine weltumspannende Technologie, die sich seit den 1930er Jahren entwickelt hat. Sie hat das Arbeitsleben vollständig umgekrempelt. Und sie war selten geliebt, weil man sie nicht mit den Benutzern entwickelt hat, sondern sogar gewollt gegen sie. Wer sie kritisierte, wurde niedergemacht, durfte auf Kongressen nicht reden, wurde von Fachleuten bestenfalls milde belächelt. Den Ruf "Neonlicht" verlor sie nie. Uns selbst hat man geglaubt, als wir schrieben, dass Beleuchtungen mit der Leuchtstofflampe nur bei 20% Akzeptanz finden. Hingegen wurden die Artikel über Beleuchtungen, die bei bis zu 90% Akzeptanz fanden, eher skeptisch gelesen. Auch mit der Leuchtstofflampe …

Man sollte alles tun, damit die LED nicht in den Geruch kommt, Neonlampe 2.0 zu sein.

Mein Ampelmann

Licht und Arbeit

28.08.2014

Die Zeiten, die ändern sich …

Der Grund, warum ich mich mit der Bildschirmarbeit beschäftigte, war die Augenbeschwerden, die Bildschirme verursachten. Tatsächlich! Bis zu 85% der Mitarbeiter, die ich in 30 Unternehmen befragte, hatten Augenbeschwerden. Die unterste Stufe war 45%. Immerhin. 

Woran liegt es, wenn Menschen Augenbeschwerden haben? Richtig! An der Beleuchtung. Oder Fast überall, wo Menschen Augenbeschwerden bei der Arbeit haben, gibt es Beleuchtung. Ergo? Dann ist die Beleuchtung an den Beschwerden schuld. Da fällt mir eine Geschichte ein, mit der ein Statistikbuch beginnt. Es gibt danach eine eindeutige Beziehung zwischen der Abnahme der Geburten in einem Land und der Abnahme der Zahl von Störchen. Noch nie hatte jemand besser nachweisen können, dass Babys von Störchen gebracht werden.

Mein Job war allerdings anfänglich nicht, die Beleuchtung als Missetäter zu identifizieren, sondern den Bildschirm. Dass nachher doch die Beleuchtung der Bösewicht wurde, hing mit den Geschäften einer großen Firma zusammen. Die verkaufte z.B. viel Beleuchtung und wäre folgerichtig böse geworden, wenn ich diese beschuldigt hätte, armen Computernutzern die Augen zu martern. Unter anderen Umständen wäre die große Firma wirklich ganz groß böse auf mich geworden - aber da war noch etwas. Die Sozialpolitiker der großen Firma erzählten dem Vorstand, dass die große Firma eine große Zahl von Computernutzern beschäftigen täte. Wenn die Sache mit den Augenbeschwerden nicht der Beleuchtung angelastet würde, würde sie den Bildschirmen in die Schuhe geschoben werden. Da könne man aber nicht viel machen, weil die Bildschirme auch von der großen Firma hergestellt werden. Und die anderen Kunden der großen Firma, würden die Bildschirme womöglich woanders kaufen oder mieten. Ergo? Die Suche nach der Ursache der Augenbeschwerden musste geschäftsfördernd  modifiziert werden..

Nun war die große Firma so groß, dass sie die Obleute der Normenausschüsse stellte, die Normen über Beleuchtung wie solche über Bildschirme erarbeiteten. Zudem war sie in der Sozialpolitik der Arbeitgeber groß unterwegs. Man sprach vom Hauptarbeitgeber Deutschlands. Ergo? Man stoppte die Normungsarbeit für eine Weile und überlegte sich, was man machen müsse. Der Vorstand trommelte die betroffenen Obleute zusammen und blies ihnen den Marsch: Auf welchem Wege kann die große Firma aus der Misere den größten Gewinn ziehen?

Der Obmann der Lichtleute sang: "Heureka! Wir haben doch schon eine Lösung, die ein Problem sucht. Also konstruieren wir das Problem." So kam es zu der Lösung mit den BAP-Leuchten. Sie leuchten, erstens, und leuchten nicht so stark, dass man sie auf dem Bildschirm sieht, zweitens. Dass man sie auch sonst nicht sieht, sodass die Leute irritiert sind, würde man später merken - nachdem man das Problem, Pardon, die Lösung installiert hatte. Beleuchten, um nicht zu beleuchten (siehe hier), damit nichts blendet. Das ist eine wahre Kunst.

Die wahren Künstler lebten und arbeiteten aber woanders. Die großen Beschwerden, denen abgeholfen werden musste, gesichert per Tarifvertrag, von den Schriftsetzern, die vom Bleisatz zu Bildschirm übergewechselt waren. Hier ein Bild über ihre frühere Arbeitsumgebung:Das war bei Tage, wie man sieht. Was man nicht sieht, sind die Sehobjekte. Das sind kleine Bleiklötzchen, auf denen Buchstaben wie gegossen prangen, die noch kleiner sein können als diese Schrift. Und die wahre Umgebung sah, wenn die Funzeln an der Decke brannten, eher so aus:Oder noch dunkler. Realistisch anzunehmen ist ca. 5 lx (!) und das sehr ungleichmäßig verteilt. Das Bild lügt also erheblich. Es wurde nämlich in der Setzerei einer Abendzeitung aufgenommen. Die meisten Zeitungen erscheinen aber morgens und werden nachts gesetzt. Und die Setzer haben nicht selten ein Utensil aufsetzen müssen, weil die Lampen - im Bild ausgeschaltet, ordentlich blendeten. Zu guter Letzt mussten die Jungs auch noch sehr kontrastarme Schrift verspiegelt lesen.

Später sollten die Arbeitsräume z.B. so aussehen:

Kann man sich vorstellen, dass viele Leute heute noch Augen- und/oder Kopfschmerzen bei der Bildschirmarbeit haben? Eigentlich nicht, wenn man nicht viel arbeitet. Bei den Arbeitnehmern rangieren Augen- und Kopfschmerzen aber recht oben auf der Skala. Und es liegt nicht selten an der Beleuchtung - das Bild oben lügt auch, es ist ein seltenes Exemplar - , z.B. wenn man noch die Lösung der großen Firma betreibt.

Im Wesentlichen liegt es aber an der Hetzarbeit am Computer, der wir uns - nach Feierabend - zusätzlich freiwillig widmen. Und davor wird uns keine große Firma schützen können.

Licht und Arbeit

28.08.2014

Die Zeiten, die ändern sich …

Der Grund, warum ich mich mit der Bildschirmarbeit beschäftigte, war die Augenbeschwerden, die Bildschirme verursachten. Tatsächlich! Bis zu 85% der Mitarbeiter, die ich in 30 Unternehmen befragte, hatten Augenbeschwerden. Die unterste Stufe war 45%. Immerhin. 

Woran liegt es, wenn Menschen Augenbeschwerden haben? Richtig! An der Beleuchtung. Oder Fast überall, wo Menschen Augenbeschwerden bei der Arbeit haben, gibt es Beleuchtung. Ergo? Dann ist die Beleuchtung an den Beschwerden schuld. Da fällt mir eine Geschichte ein, mit der ein Statistikbuch beginnt. Es gibt danach eine eindeutige Beziehung zwischen der Abnahme der Geburten in einem Land und der Abnahme der Zahl von Störchen. Noch nie hatte jemand besser nachweisen können, dass Babys von Störchen gebracht werden.

Mein Job war allerdings anfänglich nicht, die Beleuchtung als Missetäter zu identifizieren, sondern den Bildschirm. Dass nachher doch die Beleuchtung der Bösewicht wurde, hing mit den Geschäften einer großen Firma zusammen. Die verkaufte z.B. viel Beleuchtung und wäre folgerichtig böse geworden, wenn ich diese beschuldigt hätte, armen Computernutzern die Augen zu martern. Unter anderen Umständen wäre die große Firma wirklich ganz groß böse auf mich geworden - aber da war noch etwas. Die Sozialpolitiker der großen Firma erzählten dem Vorstand, dass die große Firma eine große Zahl von Computernutzern beschäftigen täte. Wenn die Sache mit den Augenbeschwerden nicht der Beleuchtung angelastet würde, würde sie den Bildschirmen in die Schuhe geschoben werden. Da könne man aber nicht viel machen, weil die Bildschirme auch von der großen Firma hergestellt werden. Und die anderen Kunden der großen Firma, würden die Bildschirme womöglich woanders kaufen oder mieten. Ergo? Die Suche nach der Ursache der Augenbeschwerden musste geschäftsfördernd  modifiziert werden..

Nun war die große Firma so groß, dass sie die Obleute der Normenausschüsse stellte, die Normen über Beleuchtung wie solche über Bildschirme erarbeiteten. Zudem war sie in der Sozialpolitik der Arbeitgeber groß unterwegs. Man sprach vom Hauptarbeitgeber Deutschlands. Ergo? Man stoppte die Normungsarbeit für eine Weile und überlegte sich, was man machen müsse. Der Vorstand trommelte die betroffenen Obleute zusammen und blies ihnen den Marsch: Auf welchem Wege kann die große Firma aus der Misere den größten Gewinn ziehen?

Der Obmann der Lichtleute sang: "Heureka! Wir haben doch schon eine Lösung, die ein Problem sucht. Also konstruieren wir das Problem." So kam es zu der Lösung mit den BAP-Leuchten. Sie leuchten, erstens, und leuchten nicht so stark, dass man sie auf dem Bildschirm sieht, zweitens. Dass man sie auch sonst nicht sieht, sodass die Leute irritiert sind, würde man später merken - nachdem man das Problem, Pardon, die Lösung installiert hatte. Beleuchten, um nicht zu beleuchten (siehe hier), damit nichts blendet. Das ist eine wahre Kunst.

Die wahren Künstler lebten und arbeiteten aber woanders. Die großen Beschwerden, denen abgeholfen werden musste, gesichert per Tarifvertrag, von den Schriftsetzern, die vom Bleisatz zu Bildschirm übergewechselt waren. Hier ein Bild über ihre frühere Arbeitsumgebung:Das war bei Tage, wie man sieht. Was man nicht sieht, sind die Sehobjekte. Das sind kleine Bleiklötzchen, auf denen Buchstaben wie gegossen prangen, die noch kleiner sein können als diese Schrift. Und die wahre Umgebung sah, wenn die Funzeln an der Decke brannten, eher so aus:Oder noch dunkler. Realistisch anzunehmen ist ca. 5 lx (!) und das sehr ungleichmäßig verteilt. Das Bild lügt also erheblich. Es wurde nämlich in der Setzerei einer Abendzeitung aufgenommen. Die meisten Zeitungen erscheinen aber morgens und werden nachts gesetzt. Und die Setzer haben nicht selten ein Utensil aufsetzen müssen, weil die Lampen - im Bild ausgeschaltet, ordentlich blendeten. Zu guter Letzt mussten die Jungs auch noch sehr kontrastarme Schrift verspiegelt lesen.

Später sollten die Arbeitsräume z.B. so aussehen:

Kann man sich vorstellen, dass viele Leute heute noch Augen- und/oder Kopfschmerzen bei der Bildschirmarbeit haben? Eigentlich nicht, wenn man nicht viel arbeitet. Bei den Arbeitnehmern rangieren Augen- und Kopfschmerzen aber recht oben auf der Skala. Und es liegt nicht selten an der Beleuchtung - das Bild oben lügt auch, es ist ein seltenes Exemplar - , z.B. wenn man noch die Lösung der großen Firma betreibt.

Im Wesentlichen liegt es aber an der Hetzarbeit am Computer, der wir uns - nach Feierabend - zusätzlich freiwillig widmen. Und davor wird uns keine große Firma schützen können.

Licht und Wissenschaft

14.07.2014

Caveat Emptor

Heute las ich in dem Buch eines der größten Koryphäen der Lichttechnik. Interessant ist zum einen, dass er geschrieben hat, die letzte Ausgabe des Buchs hätte er erst 2002 geschrieben und hätte keine so schnelle Überarbeitung geplant gehabt. Nu wäre so viel geschehen in den letzten 12 Jahren … Toll, dass man auf einem Fachgebiet so schön planen kann, dass wichtige Bücher alle 20 oder mehr Jahre überarbeitet werden müssen. Man konnte auch sagen, es passiert nicht viel. Aber diesmal ist auf dem Gebiet der Lichttechnik doch was passiert.

Es wäre ja noch zu ertragen, wenn auf einem Fachgebiet  wenig passiert. Was mich aber am Buch interessiert hat – das war der Grund für die Beschaffung – war, was er zu einem bestimmten Thema zu sagen hatte. Das Thema heißt: Können Umadaptationen zwischen dem Bildschirm und anderen Sehobjekten (Papier) den Menschen irgendwie beeinträchtigen. Denn von der Antwort auf diese Frage hing einst die gesamte Computertechnologie ab. Diese hatte den elektronischen Monitor, vulgo Bildschirmterminal, als Zugang zu den Tiefen des gespeicherten Wissens entdeckt. Da die Bildschirme aber nur mit 50 Hz oder 60 Hz betrieben wurden, musste die leuchtende Fläche klein gehalten werden. So kam man auf die Idee mit heller Schrift auf dunklem, häufig sogar schwarzem, Hintergrund. Diese Abbildung war genau das Gegenteil des beschrifteten Papiers, das die Menschen neben dem Bildschirm zu benutzen hatten. Das Leuchtdichteverhältnis zwischen den beiden betrug 1:20 bis 1:100. Die Weisheit der Lichttechnik besagte, dass die wichtigen Sehobjekte etwa die gleiche Leuchtdichte haben müssen. Deren Umgebung durfte dunkler sein (max. 1:3). Die weitere Umgebung durfte noch dunkler sein (max. 1:10)

So hatte ich die Frage, ob die Umadaptationen zwischen dem Bildschirm und anderen Sehobjekten den Menschen beeinträchtigen, 1976 ohne Zögern mit Ja beantwortet. Erstens hatte ich gelernt, dass Umadaptationen viel geringeren Ausmaßes, so etwa wenn ein Fußballspieler vom Feld zur Tribüne guckt, und nur zeitweilig geschehen, so maximal 2 Stunden, Spiel + Verlängerung, zur Ermüdung führen. Deswegen hatten die größten Hersteller von Flutlichtanlagen eine Norm gemacht, die die Beleuchtung der Tribünen auf das gleiche Niveau heben sollte wie auf dem Feld. 

Wenn die armen Spieler davon ermüden, dass sie einmal die Woche 2 Stunden auf dunklere Tribünen schielen, was macht ein Büromensch, der am Tage 33.000 Mal zwischen einem hell beleuchteten Papier und einem praktisch schwarzen Bildschirm hin und her guckt? Die Zahl hatten wir berechnet, nachdem wir die Blickbewegungen bei der Arbeit gefilmt und ausgezählt hatten. Und die Augenbeschwerden? Bei den Menschen, die tatsächlich ihre 33.000 Blickbewegungen am Tage hatten, hatten 85% Augenbrennen bis Tränen in den Augen. Wer nur auf dem Bildschirm arbeitete oder nur auf dem Papier, beschwerte sich halb so häufig. So das Ergebnis von 30 Feldstudien mit über 1.000 Beteiligten.

Da die Reaktion darauf für mich klar zu erwarten war, hatte ich keine Messgeräte benutzt, die die Zählung automatisch machten, sondern Aufnahmen von den Augen gemacht, damit man auch später sehen konnte, was mit ihnen dabei passiert. Meine Schlussfolgerung aus dem Ganzen war: Bildschirme müssen einen hellen Hintergrund haben, und auch deren Gehäuse und Tastaturen müssen etwa die gleiche Leuchtdichte aufweisen. Wenn nicht, gibt es ständig erzwungene Pupillenbewegungen im Sekundentakt. Präzise gesagt etwa alle 0,8 Sekunden. So oft guckte eine Datentypisrin oder eine Schreibkraft hin und her.

Aus heutiger Sicht kann sich keiner vorstellen, was die Hersteller dazu bewog, diese Idee heftigst zu bekämpfen. Die Sache ist gegessen. Einfach: Die Hersteller konnten nicht und sie wollten sich nicht nachsagen lassen, Geräte zu verkaufen, die die Menschen belasten. Ergo? Was macht der Hersteller, wenn er nicht kann? Ich kannte die lange Geschichte des Arbeitsschutzes nur zu gut und wusste ziemlich genau, was kommen würde.

Zuerst macht er die Methode madig, die zu der unerfreulichen Erkenntnis geführt hat. Das versuchte ein großer deutscher Hersteller – er stellt heute nichts mehr her, was Menschen benutzen, nur noch Industriegüter - mit einer großen Trickserei. Die von ihr in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass die Sache tatsächlich stimmt, aber erst bei einem Verhältnis von 1:100 zwischen Bildschirm und Papier. Da kein Gerät so dunkel war – falls es doch sein sollte, half eine Prüfstelle etwas mit der Messung nach - war die Sache für diesen Hersteller gegessen.

Ein deutscher Prof. profilierte sich fortan mit den Ergebnissen international und vergaß anzugeben, dass der Auftrag von einem Hersteller gekommen war und das gewünschte Ergebnis erbracht hatte. So etwas nennt man funktionelle Amnesie! In der Community der Wissenschaft wird sie allerdings mit Ächtung bestraft. Wer Interessenkonflikte verheimlicht und Auftragsarbeit als Wissenschaft ausgibt, ist meist bald raus. 

Der richtige Widerstand kam aber von einem internationalen Hersteller. Der hatte damals Ergonomie-Labore, deren Experten meine Methoden anzweifelten und daher eigene Studien anstellten. Mein Angebot, sie mögen die Studien Studie sein lassen und sich die Filme angucken, schlugen sie aus. Dann hätten sie das gesehen:

Die hellen und dunklen Objekte in diesem Video unterscheiden sich in der Leuchtdichte nur um den Faktor 3, und das Auge ist helladaptiert wie im richtigen Leben, während der Faktor in der Realität 10 bis 30 betrug. Dass bei solchen Verhältnissen zumindest die Pupille in heftige Bewegungen gerät, konnte man berechnen, vorhersagen oder eben filmen. Die Firma weigerte sich, meine Filme anzusehen. 

Die Sache habe ich später verstanden. Hätte sie die Filme offiziell angenommen, hätte sie sehen müssen, dass unterschiedliche Helligkeiten eine erzwungene physiologische Reaktion auslösen. Dann hätte sie ihre Geräte nicht verkaufen dürfen, während die Konkurrenz - so ahnungslos, wie sie war - munter weiterverkaufen durfte. Solche Probleme haben wir in Deutschland zum Glück nicht. 

Meine Erkenntnisse kamen zuerst in die Sicherheitsregeln der BG, später sogar in die Gesetzgebung (Bildschirmrichtlinie der EU). Seit 2014 sind sie in der Arbeitsstättenverordnung. Alles schien in Ordnung, so etwa 25 Jahre, während einer Periode, in der auch der besagte internationale Hersteller gelernt hatte, helle Bildschirme zu bauen. Was denn sonst?

Es störte aber immer noch, dass auch die Geräte hell sein sollten und ihre Tastaturen auch. Da kam der Hersteller mit zwei Studien, die zeigen sollten, dass die Anforderung unbegründet war. Zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass dieser Hersteller die Studien als seine Auftragsarbeit präsentiert hat, während andere durch die Landschaft ziehen und sich Profs. aussuchen, die die passenden Ergebnisse liefern. Bis sie einen finden, der die Sache so dreht und wendet, dass sie passt. Ein anderer Hersteller hat sogar einen britischen Professor gefunden, der nachwies, dass ein Gerät nicht glänze, obwohl es zum Glänzen gemacht worden war. Da man nicht nur bei diesem Thema ähnliche Vorgänge erwarten darf, haben wir die Sache gründlich und wissenschaftlich untersucht (mehr hier BAuA Forschungsbericht 1066 und 1067 Einfluss von optischen Oberflächeneigenschaften von IT-Produkten auf Benutzer)

Wie man in diesen Berichten in drei Sprachen lesen kann, zeigte, dass die eine Studie, die der Hersteller präsentiert hatte, das Geld nicht wert war, weil die Randbedingungen so waren, dass eigentlich das Gegenteil des Erwünschten herausgekommen war. Die zweite Studie war besser ausgeführt, weil der Forschungsleiter die besagte Koryphäe war. Seine Schlussfolgerung kurz und bündig: Die Leuchtdichten der Gehäuse der Geräte braucht man überhaupt nicht zu beachten. Alle Stellen, die diesbezügliche Regeln aufgestellt haben, werden aufgerufen, diese wieder zu beseitigen.

Diese Erkenntnis widersprach aber dem, was die Koryphäe in den Jahrzehnten davor veröffentlicht hatte. Und meine ursprüngliche Erkenntnis baute auf den Weisheiten solcher Leute auf. Was sagt unsere Koryphäe nun in seinem Buch dazu? Erstens: Er zitiert sich 30 Mal in dem Buch, und die Zeitschrift, deren Chef er ist, etwa 200 Mal. Die besagte Studie wird aber nicht zitiert. Dafür eine andere von anderen Autoren. Und die besagt? Was so etwa seit 35 Jahren gilt. Was sonst?

Je größer das Helligkeitsverhältnis zwischen dem Bildschirm und dem Papier, desto schlimmer die Augenbeschwerden. Dieses Ergebnis, abgebildet in einem Buch aus dem Jahr 2014, hatte ich 1976 aus dem Wissen abgeleitet, das ich als Student der Lichttechnik erhalten hatte. Warum ein (fast) Krieg über vier Jahrzehnte, in dem u.a. drei Professoren aus drei Ländern Forschungsberichte schrieben, die ihren veröffentlichten Werken widersprachen? 

Was bedeutet eigentlich caveat emptor? Das habe ich seinem Buch entnommen, dort, wo er die Studien bemängelt, die eine Verbindung zwischen Leistung und Beleuchtung nachweisen sollten. Der Begriff kommt aus dem Römischen Recht und bedeutet, „Möge der Käufer sich in Acht nehmen“ (ein Rechtsgrundsatz, wonach beim Kaufvertrag der Käufer das Risiko dafür trägt, dass der Kaufgegenstand frei von offenen Sach- und Rechtsmängeln ist. Konnte sie der Käufer erkennen, ist eine Mängelhaftung des Verkäufers ausgeschlossen). Im Volksmund würde man sagen „Wer’s glaubt, wird selig!“

Oder: Augen auf, später hilft Dir keiner! Oder man findet sich einen Prof., der  …