Posts in Category: Farbe

Nicht nur Lichttechnik leicht gemacht

04.10.2026

Warum einfach und verständlich erklären, wenn man sein Ego auch
hinter Satzkonstruktionen in Überlänge verstecken kann?
der Blogger

Im Internet bin ich bei der Suche nach eingängigen Bildern und Definitionen für lichttechnische Größen auf die Website  Heizung, Lüftung, Elektrizität der Autoren Christoph H. Schmid, Thomas Baumgartner, Jürg Nipkow, Christian Vogt und Jobst Willers gestoßen. Der Inhalt entspricht einem Buch mit dem gleichen Titel "Heizung / Lüftung / Elektrizität", das in der 6. Auflage vorliegt (ISBN: 978-3-7281-4020-8). Mehr Info hier .

Die lichttechnischen Größen und Begriffe, die mich interessierten, sind klar, einfach, aber trotzdem korrekt erklärt. Aber auch alles andere, was mit der gebauten Umwelt zu tun hat, wird sehr erfrischend klar behandelt. Unten finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Buches mit Links, die die Autoren gesetzt haben. Beim Klicken auf einen der Links kommt man auf die Website mit der Version 1.0 . 

Das Stichwortverzeichnis, das in einem gedruckten Buch mühsames Blättern bedeutet, ist in der Online-Version eine große Hilfe, die einem auch das Auffinden von Sachverhalten erleichtert, an die man nicht denkt. Wenn man z.B. ein relativ allgemeines Wort wie Beleuchtung eingibt, wundert man sich, in welchen Abschnitten es überall vorkommt. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Déjà-vu - Uralte Bekannte wieder getroffen

04.10.2026

100 Jahre Licht- und Sehforschung,
aber das LED-Licht blendet dich nachts
trotzdem zuverlässiger als die Sonne selbst.
der Blogger

In einem neuen Beitrag in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wird die Problematik der heutigen Flutlichtbeleuchtung behandelt, die der von den 1970er-Jahren sehr ähnlich ist. Hier die Kurzfassung:

Dieser  Beitrag  in Genesis 2.0-Schöpfung der elektrischen Sonne verbindet eine persönliche Erinnerung mit einer höchst aktuellen Kritik an der Stadionbeleuchtung. Die Erinnerung reicht bis ins Jahr 1968 zurück, als ich an der Planung der Beleuchtung der Olympiasportstätten mitarbeitete. Der Auftrag hatte zunächst nichts mit der elektrischen Beleuchtung zu tun, sondern mit der Tagesbeleuchtung. Die XIX. Olympischen Sommerspiele 1968 hatten vom 12. bis 27. Oktober in Mexiko-Stadt stattgefunden. Das (in Europa) neu erfundene Farbfernsehen hatte grausliche Bilder aus Mexiko übertragen müssen, weil sich die Kameras bei Sprintwettbewerben nicht schnell genug von Licht auf Schatten umstellen konnten. Beim Übergang von der Sonne in den Schatten liefen die Athleten rot an, als hätte sie der Schlag getroffen. So entwickelte ein ehemaliger Kollege, Udo Fischer, die glänzende Idee, wonach das Dach des Olympiastadions aus Plexiglas gebaut werden sollte. Die Idee verfing prima beim Architekten Günter Behnisch, der damals Professor an der TU Darmstadt war, an dem Ort, an dem der Hersteller von Plexiglas, pardon Acrylglas, die Firma Röhm ansässig war. Nun wollte Behnisch, dass alle Dächer auf dem Olympiagelände aus Acrylglas gebaut werden sollten. So kam mein Professor an der TU Berlin zu dem Auftrag, alles zu begutachten, was mit Licht zu tun hatte, auch die elektrische Beleuchtung des Stadions. Im Anschluss daran sollte ich im Rahmen meiner Dissertation untersuchen, ob das schöne neue Licht, vom Fernsehen diktiert, doch nicht zu grell für die Fans und die Spieler war.

Anfang 1972 interviewte ich den Torhüter Sepp Maier für meine Doktorarbeit zur Beleuchtung des Münchner Olympiastadions. Mehr als fünf Jahrzehnte später erkenne ich dieselben Probleme in den Aussagen des Lichtplaners Daniel Petry wieder: mangelhafte Abnahmekontrollen, Blendung und unzureichende Farbwiedergabe.

Meine alten Untersuchungen zeigten, dass die Interessen von Zuschauern, Spielern und Fernsehen bei der Feldbeleuchtung grundsätzlich vereinbar sind: Hohe Sichtqualität führt nicht zwangsläufig zu mehr Blendung. Moderne LED-Systeme bieten gegenüber früheren HQI-Lampen große Vorteile, etwa hohe Effizienz, präzise Steuerbarkeit, Farbwechsel und flimmerfreien Betrieb für Zeitlupenaufnahmen. Dennoch können ihre kleinen, sehr leuchtdichten Flächen eine stärkere Blendwirkung erzeugen, wenn Planung und Ausschreibung vor allem Beleuchtungsstärken und Kosten berücksichtigen.

Auch die Farbwiedergabe der LED wird unzureichend bewertet. Petry beanstandet diese als einen wichtigen Faktor. Der verbreitete allgemeine Farbwiedergabeindex Ra basiert überwiegend auf blassen Pastellfarben; gesättigtes Rot und Hauttöne werden nicht erfasst. Dieser Umstand entstand 1964, als dieser Index eingeführt wurde, und blieb bis heute unverändert. Zudem fehlt den üblichen weißen LEDs die UV-Strahlung, die optische Aufheller aktiviert und auch für Pflanzen bedeutsam ist. In der Allianz Arena mussten deshalb zusätzliche UV-Leuchten installiert werden. Dass Vereinsfarben unter Flutlicht verfälscht erscheinen können, ist somit kein unvermeidbares technisches Defizit, sondern eine Folge ungeeigneter Qualitätskriterien.

Im Zentrum steht meine Kritik an einem missverstandenen Begriff der Wirtschaftlichkeit. Normen für Beleuchtung stellen Wirtschaftlichkeit neben Sehkomfort, Ergonomie, Sicherheit und Lichtqualität, obwohl Planer fast immer nur Kosten, nicht aber den wirtschaftlichen Nutzen einer Anlage bestimmen können. So hätte ein Planer, der die Sache 1970 beim Baubeginn ernst genommen hätte, beim Olympiastadion München pro Spiel 50.000 DM vom Fernsehen anrechnen müssen. Die TV-Sender zahlen heute für die Liveübertragung von Champions-League-Spielen im Durchschnitt zwischen 1,5 und 5 Millionen Euro pro Partie. Vergleichbare Anlagen hatten 1972 etwa 1,0 bis 2,5 Mio. DM gekostet. Wie sähe eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine solche Anlage aus?

Man könnte sich vom Lachen nicht einkriegen, wären da nicht die Konsequenzen für die Beleuchtung, die niemand beabsichtigt: Werden messbare Mindestwerte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage, setzt sich der billigste normgerechte Entwurf gegen die tatsächlich bessere Lösung durch – selbst bei Stadien und Übertragungen für ein Milliardenpublikum. Die Schlussfolgerung lautet daher: Nicht die LED-Technik verursacht zwangsläufig eine schlechte Beleuchtung. Sie kann hervorragendes, blendarmes und farbtreues Licht liefern. Dieses Licht kann für Fußballspiele früheren Techniken weit überlegen sein, weil es eine ruckelfreie Aufnahme schnellster Vorgänge ermöglicht, die keine frühere Technik geschafft hätte. Entscheidend sind daher anspruchsvolle Ausschreibungen, geeignete Messgrößen und die Bereitschaft der Auftraggeber, Qualität ausdrücklich zu verlangen und angemessen zu bezahlen. Der technische Fortschritt ist vorhanden; überkommene Bewertungsmaßstäbe und kurzfristiges Kostendenken verhindern jedoch, dass sein Potenzial vollständig genutzt wird.

Blendung reloaded, kurzgefasst

03.10.2026

100 Jahre Licht- und Sehforschung,
aber das LED-Licht blendet dich nachts
trotzdem zuverlässiger als die Sonne selbst.
der Blogger

Die Blendung durch Licht will man seit über 100 Jahren bekämpfen. Die wichtigsten Methoden dafür wurden in den 1940er Jahren entwickelt, weil die Einführung einer neuen Lampe bevorstand, die der Leuchtstofflampe. In den 1990er Jahren wurde aus ihnen auf dem Papier eine vereinheitlichte Methode entwickelt, das UGR-Verfahren. So wie es aussieht, wird man in der Lichttechnik bestenfalls erst in den 2030er Jahren eine brauchbare Methode für die Blendungsbekämpfung einführen können, wenn die Revision von DIN EN 12464-1 ansteht. Wer nicht bis dahin warten möchte, um in einer störungsfreien Umgebung arbeiten zu dürfen, und auch keine Lust hat, eine persönliche Abdunkelungsmaßnahme zu realisieren, kann zu professionellen Produkten greifen (rechts: ein Schutzdach der Firma Cubeshield). 

In einem neuen Beitrag in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wird die Problematik der Blendung behandelt. Hier die Kurzfassung:

Der Beitrag untersucht die wissenschaftliche Aussagekraft etablierter Verfahren zur Bewertung psychologischer Blendung in Innenräumen, insbesondere des Unified Glare Rating (UGR). Ausgangspunkt ist die methodische Unterscheidung zwischen Reliabilität, also der Zuverlässigkeit und Wiederholbarkeit einer Messung, und Validität, das heißt ihrer inhaltlichen Gültigkeit. Historisch entstand UGR aus älteren nationalen Modellen wie BGI, VCP und dem Söllner-Verfahren, um eine international einheitliche Bewertung zu ermöglichen. Der Index berücksichtigt Hintergrundleuchtdichte, mittlere Leuchtdichte, Größe und Position von Leuchten. Seine tabellarische Anwendung setzt jedoch standardisierte Raumgeometrien, Reflexionsgrade und regelmäßige Anordnungen eines Leuchtentyps voraus.

Die Analyse zeigt erhebliche Anwendungsgrenzen: Sehr kleine, großflächige oder inhomogen leuchtende Quellen sowie indirekte Beleuchtung werden unzureichend erfasst. Zudem ist UGR keine reine Leuchteneigenschaft, sondern von Raum, Anlage und Beobachterposition abhängig. Besonders problematisch sind große interindividuelle Streuungen in Probandenstudien, die Genauigkeit und Wiederholbarkeit der Blendungsurteile begrenzen. Damit wird bereits die Reliabilität infrage gestellt; ohne hinreichende Reliabilität ist eine Validierung des Verfahrens methodisch nicht möglich. Untersuchungen berichten darüber hinaus eine geringe Übereinstimmung vorhandener Blendindizes mit subjektiven Bewertungen, insbesondere bei komplexen Mehrleuchtensituationen und LED-Systemen.

Die praktischen Folgen reichen über momentanes Unbehagen hinaus. Beschäftigte verändern Beleuchtung, Arbeitsplätze oder Körperhaltung, um Direkt- und Reflexblendung zu vermeiden; mögliche Konsequenzen sind visuelle Ermüdung, Beschwerden des Bewegungsapparats und eine geringe Akzeptanz konventioneller Bürobeleuchtung. Ergebnisse aus Arbeitsumgebungen deuten darauf hin, dass formal gut entblendete Direktbeleuchtung dennoch stärkere Belastungen hervorrufen kann als indirekte oder individuell beeinflussbare Systeme. Eine ausschließlich auf UGR-Grenzwerte gestützte Planung unterschätzt daher die Wechselwirkungen zwischen Blendung, Kontrast, Reflexionen, Flimmern, spektraler Lichtwirkung, Bildschirmarbeit und fehlender Nutzerkontrolle. Erforderlich sind neue Bewertungsansätze, die reale Arbeitsaufgaben, zeitabhängige Belastungen, individuelle Unterschiede und weitere visuelle Stressoren integrieren. Bis zu einer solchen Neuformulierung sollten UGR-Werte nicht als präzise oder universell gültige Komfortkennzahlen interpretiert werden, sondern lediglich als begrenzte Planungsindikatoren innerhalb ihres definierten Anwendungsbereichs.

04.08.2026

Warum man in Betrieben dauernd Zombies begegnet
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Das ist eine leicht bearbeitete Fassung eines Beitrags aus dem Jahr 2016. Die damals kritisierte Norm DIN EN 12464-1 wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Die neue Fassung von 2021 zeigt den Fortschritt in 10 Jahren - Eine neue Tabelle, aber alles beim Alten.

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In 2016 hiess es:

Wer sich wundert, dass ihm im Betrieb nur Kolleginnen und Kollegen begegnen, die wie Zombies aussehen, möge sich die folgenden Zahlen angucken. Selbst Mitmenschen, die im eigenen Arbeitsraum ganz passabel aussehen, können so einen Zombie ergeben:

verkehrszonen

Das sind die (Kenn)Zahlen, die die Qualität der Beleuchtung in den Fluren und Gängen von professionell genutzten Gebäuden beschreiben. Sie sind entnommen DIN EN 12464-1 und der fast identischen CIE S 008, also Normen, die für Europa und für den Rest der Welt gelten.

In 2021 in EN 12464-1 (und in 2025 in ISO/CIE 8995-1) sieht die entsprechende Angabe so aus:

Die erste Spalte gibt, wie immer, die Beleuchtungsstärke an. Statt UGRL haben wir jetzt RUGL . Also Jacke wie Hose. Es sind einige neue Beleuchtungsstärken hinzugekommen. Aber an der Kritik musste ich nichts ändern:

Was bedeutet 100? Das sind 100 lx 20 cm über dem Fußboden gemessen, horizontal. Im schlimmsten Fall steht der Kollege direkt unter der Leuchte, der Kopf nicht einmal einen halben Meter tiefer, und sieht aus eben wie ein Zombie mit tiefen Augenschatten und einer glänzenden Nase. Den noch schlimmeren Fall, Beleuchtung von unten, findet man zum Glück aus praktischen Gründen nur in bestimmten Bereichen. (So werden z.B. Hexen im Theater gemacht).

ugr-scaleWas bedeutet 28? Das ist die sog. "psychologische" Blendung. Für Büroräume gilt "19", und das ist zufriedenstellend für 47 % der fiktiven Benutzer. Was der Rest denkt, ist der Lichttechnik erst einmal egal. Was ist denn 28? Das lässt sich in gutem Deutsch schlecht ausdrücken. So wird die Zahl von der CIE kommentiert: Uncomfortable. Auf Deutsch: einfach störend. Ende der Skala. Wie kann eine Norm für Arbeitsstätten allen Fluren in Europa eine störende Beleuchtung verschreiben?

Und die letzte Zahl 40? Das ist die Güte der Farbwiedergabe. Für Büros wird meistens 80 empfohlen, was für mich eine ziemlich miserable Farbwiedergabe bedeutet. (Wer es besser haben möchte, muss leider viel mehr Watt in die selbe Menge Lux stecken.) Was die 40 bedeutet, kann man wohl so schlecht demonstrieren, dass man in der Literatur keine prägnanten Bilder oder sonstige Abbildungen findet. Das liegt vermutlich daran, dass Lampen mit einer solchen Farbwiedergabe in Gebäuden unüblich sind. Daher zeige ich erst, wo die Lampen zu finden sind, die eine solche Farbwiedergabe ermöglichen (!)

ra.

Wer in etwa einen Eindruck von dieser Farbqualität haben will, ist auf seine Fantasie angewiesen. Dazu muss man wissen, dass auch Ra von 100 nicht bedeutet, dass ausgeprägte gesättigte Farben so wiedergegeben werden wie bei Tageslicht. Keine einzige gesättigte Farbe wird bei einer solchen Beleuchtung wiedergegeben. Bei Ra = 90 spricht man von einer sehr guten Farbwiedergabe, was man gelten lassen kann. Wenn der Wert bei 80 liegt, muss man wissen, dass er so hingebogen wurde, dass auch Dreibandenlampen noch ein "Gut" bekommen, obwohl sie die meisten Farben gar nicht so gut wiedergeben. Das kann aber kein Mensch nachvollziehen, weil die Testfarben nicht mehr verfügbar sind. Die waren wohl irgendwann mal in den 1960ern diesseits der Realität zu verorten gewesen. 

Und ein Ra von 40 war etwas, wogegen sich mein Chef mit Händen und Füßen gewehrt hatte (s. hier). Offensichtlich hat er nur verhindern können, dass solche Leuchtmittel in Büros selber verbaut werden, aber nicht in Bürohäusern. Also, wenn man die genormte Qualität vom Licht auf den Fluren von Büros vorstellen will, muss man auf dem unteren Bild den Unterschied von CRI = 90 und CRI = 50 nach unten verlängern und ...

cri-comparison.

Was man auch will, niemand wäre vermutlich imstande, sich ein Bild von der Flurbeleuchtung zu machen, die nur die geschriebenen Anforderungen erfüllen würde. Es lässt sich vermutlich auch kein Planer finden, der eine solche Beleuchtung entwerfen würde. Wenn - dann nicht mehr lange, denn bei einem solchen Referenzobjekt wäre es sein letztes Projekt gewesen.

Dennoch: Selbst wenn nur eine der "Qualitätsmerkmale" der Beleuchtung, Konzentrieren auf nur horizontale Beleuchtungsstärke, Beschränken der Blendung nur so weit wie erforderlich, Begrenzen der Farbwiedergabe auf die Fähigkeiten unterhalb der einer Quecksilberdampf-Hochdrucklampe, realisiert würde, entstünde eine Beleuchtung, deren Urheberschaft kein Lichtplaner gerne zugeben würde. Und solche Objekte gibt es zuhauf.

Ergo: Wenn Sie demnächst auf dem Flur einem Zombie begegnen, handelt es sich nicht um einen verzauberten Prinzen oder eine verzauberte Prinzessin. Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen.

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Nun zu den Neuigkeiten: Es gibt jetzt eine zylindrische Beleuchtungsstärke. Schafft es ein Lichtplaner, diese zu realisieren, werden die Zombies freundlicher aussehen. Dazu muss der Lichtplaner diese erst einmal schaffen. Ich habe in keinem Betrieb eine zylindrische Beleuchtungsstärke gemessen, die halb so groß war wie die horizontale. Jetzt müssen auch Wände und Decken von Korridoren und Verkehrsflächen beleuchtet werden. Die ließen sich realisieren, so die Verkehrsfläche Wände oder eine Decke in kleiner Höhe hat. Vor 10 Jahren hatte ich geschrieben: "Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen." Das gilt immer noch. 

Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen

09.04.2026

Die Vergangenheit ist nicht tot,
sie ist nicht einmal vergangen.
William Faulkner

Die Wissenschaft versteht sich als fortwährende Suche nach Wahrheit, wobei anerkannt wird, dass absolute Wahrheit unerreichbar bleibt. Dennoch ist der Prozess der Erkenntnisgewinnung geprägt von der Hoffnung, durch neue Einsichten bestehende Annahmen zu überwinden. In der Beitragsserie Phantome, die unser Wissen beherrschen beschreibe und kommentiere ich Wissen, das man gerne als “überkommen” bezeichnet. Das negative Urteil stimmt aber nicht immer. Ähnlich häufig darf man das Wissen überliefert oder tradiert bezeichnen. Mein Urteil über alles fällt eher neutral aus. Manchmal handelt es sich dabei um Grundwissen, das man besser nicht in Frage stellt. Zuweilen hat es längst ausgedient und niemand hatte Zeit, um es auszuräumen. Es kann auch sein, dass das Wissen ein Hindernis für neues Wissen darstellt. Meine Phantome geistern in der Lichttechnik, obwohl ihre Zeit längst abgelaufen ist.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Ersten

Phantom: Viel Licht bedeutet mehr Helligkeit

Mehr Licht führt nicht automatisch zu einem helleren Raum oder besserem Sehen. Entscheidend ist weniger die gemessene Beleuchtungsstärke (Lux) auf der Arbeitsebene als die Verteilung und Richtung des Lichts: Ungünstige Leuchtdichteverhältnisse zwischen Sehaufgabe, näherer Umgebung und Raumflächen können trotz höherer Luxwerte zu Blendung oder sogar zu einem „dunkleren“ Helligkeitseindruck führen (Faustregel 10:3:1). Die einst als modern angesehene, stark auf die Arbeitsebene gerichtete Beleuchtung kann Wände und Decke unterbelichten und damit die Raumwirkung verschlechtern. Beispiele aus Innenräumen und der Natur zeigen, dass vertikale Flächen und reflektierendes Licht das Helligkeitserleben prägen; folgerichtig berücksichtigen neuere Normen auch Wand- und Deckenbeleuchtung und legen eigentlich nahe, stärker mit Leuchtdichten statt nur mit Beleuchtungsstärken zu planen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Zwoten

Phantom: Beleuchtung von Arbeitsstätten muss i.S. des Arbeitsschutzes reguliert werden.

Der Beitrag zeichnet die über 110-jährige Geschichte von Beleuchtungsregelungen im Arbeitsschutz nach und stellt die Frage, ob solche Vorgaben heute noch nötig sind oder ob sie – wie bei anderen technischen Entwicklungen – obsolet werden könnten. Er unterscheidet dabei zwischen Not-/Sicherheitsbeleuchtung (deren Bedeutung eher zugenommen hat) und Regeln zur visuellen Umgebung, die trotz stark veränderter Lichtverhältnisse nur unvollständig abgedeckt ist (u. a. durch Landesbauordnungen, ArbStättV und ASR A3.4). Kritisiert werden besonders vage oder unzureichende Vorgaben etwa zur Blendung sowie Inkonsistenzen zwischen staatlichen Regeln, DGUV-Veröffentlichungen und der Norm DIN EN 12464-1 (z. B. bei Flimmern und Tageslicht). Die Praxis steht dadurch vor dem Dilemma, dass sich Betriebe in der Gefährdungsbeurteilung auf Normwerte stützen sollen, deren Schutzwirkung arbeitsrechtlich fraglich sein kann, während neue Themen wie nichtvisuelle/circadiane Lichtwirkungen kaum regelbar sind. Quintessenz: Trotz vieler Regelwerke fehlt eine konsistente, wissenschaftlich sauber begründete und praxisgerechte Gesamtsystematik der Beleuchtungsanforderungen in Arbeitsstätten.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Dritten

Phantom: Künstliche Beleuchtung bildet das Tageslicht nach

Der Beitrag zeichnet nach, wie seit Edison und Luckiesh die Idee verfolgt wird, Tageslicht technisch zu ersetzen – und warum diese Gleichsetzung von natürlichem und künstlichem Licht (in Innenräumen) auf einem grundlegenden Irrtum beruht. Zentral ist die These, dass nicht nur Spektrum und Farbtemperatur zählen, sondern vor allem die in Innenräumen prinzipiell nicht erreichbare Lichtmenge sowie die enorme Vielfalt realer Tageslichtbedingungen. Daraus folgen Fehlannahmen in Normung, Praxis und in heutigen Konzepten „biologisch wirksamen“ Lichts.

  • Seit Edison zielt Lichttechnik darauf, die Nacht „zum Tag“ zu machen; Luckiesh radikalisierte dies zur Vision einer jederzeit verfügbaren „elektrischen Sonne“ in bester Qualität.
  • Der Grundirrtum lautet: Menschen würden Licht in Innenräumen bei gleicher physikalischer Qualität so erleben wie in der Natur.
  • Experimentell ist diese Gleichsetzung kaum prüfbar, weil ein entscheidender Parameter nicht nachbildbar ist: die Quantität des Tageslichts (Natur bis ca. 100.000 lx vs. Innenraum typischerweise Größenordnung < 1% davon).
  • „Das Tageslicht“ gibt es nicht: Direkt-/Himmelslicht, Wolken, Wasserdampf, Ort, Tagesverlauf, UV/Wärme und Umgebungsfarben (z.B. Wald/Regenwald) erzeugen stark variierende Spektren und Dynamiken, die technisch nicht realistisch zu reproduzieren sind.
  • Normlichtarten (D50/D65/D75) sind primär für standardisierte Sehbedingungen und Farbmessung definiert, nicht als Blaupause für Raumbeleuchtung.
  • Praxis und Normung weichen der Festlegung der „richtigen“ Lichtfarbe aus; zugleich zeigt die (umstrittene) Kruithof-Idee: Hohe Farbtemperaturen werden eher nur bei hoher Beleuchtungsstärke als angenehm empfunden.
  • Der Text problematisiert, dass heutige Konzepte nicht-visueller/„biologischer“ Lichtwirkungen häufig D65 als Referenz setzen und Wirkungen auf melanopische Aspekte verengen, statt das breitere Wirkungsfeld (Auge, Haut, Psyche) zu berücksichtigen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Vierten

Phantom: In einer Beleuchtung dürfen nicht unterschiedliche Lichtfarben sein

Der Beitrag kritisiert die hartnäckige, aber schlecht begründete Behauptung (u. a. nach Hartmann 1977), dass in einem Raum keine Lichtquellen unterschiedlicher Lichtfarbe oder Farbwiedergabe kombiniert werden dürften, weil dies angeblich „Zwielicht“ und Augenbeschwerden verursache. Er zeigt, wie der Zwielicht-Begriff auf Tageslicht-Ergänzung und gemischte Lichtfarben ausgeweitet wurde, obwohl die zugrunde liegende Theorie heute als widerlegt gilt. Trotzdem prägt sie weiterhin die Beleuchtungspraxis (z. B. „neutralweiß“, Verdrängung von Tischleuchten, Argumente für fensterlose Räume), bevor der Text mit dem Fazit des ehemaligen Vorstandes der LiTG Hajo Richter schließt: „Es gibt kein Zwielicht in Innenräumen.”
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Fünften

Phantom: Gleiches Licht für alle

Dieser Beitrag behandelt die Entwicklung und Bedeutung von Lichtkonzepten im Arbeitsumfeld, insbesondere die Entstehung des Begriffs „Allgemeinbeleuchtung“ und dessen historische Wurzeln. Es wird erläutert, wie sich die Beleuchtung von lokalen Lichtquellen zu einer gleichmäßigen Grundbeleuchtung wandelte, und welche Rolle technische Fortschritte sowie gesetzliche Regelungen dabei spielten. Darüber hinaus werden verschiedene Arten der Beleuchtung, wie Allgemeinbeleuchtung und Platzbeleuchtung, beschrieben und deren jeweilige Funktionen für Sicherheit und Arbeitsaufgaben im Raum herausgestellt.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Sechsten

Phantom: Sonnenlicht ist gesund

Der Beitrag beschreibt das „Phantom“, die bis heute verbreitete Vorstellung, dass Sonnenlicht grundsätzlich gesund sei. Diese Idee entstand im Zuge der Industriellen Revolution, als Städte im Dunkel von Smog lagen und Menschen das Bedürfnis nach Licht hatten. Lichttechniker nutzten dies für künstliches „Tageslicht“, während Reformbewegungen wie die Progressiven versuchten, natürliche Helligkeit in Städte und Wohngebiete zu bringen. Dadurch wandelte sich weltweit das Schönheitsideal: Gebräunte Haut wurde zum Zeichen von Wohlstand und Gesundheit.

Heute besteht ein Spannungsfeld zwischen den Vorteilen und Gefahren der Sonne. UV-Strahlung ist lebenswichtig für die Vitamin‑D‑Produktion, kann aber gleichzeitig schädlich wirken und Haut- sowie Augenerkrankungen auslösen. Besonders im Sommer führt übermäßige Sonnenexposition zu akuten Belastungen wie Sonnenbrand, Hitzeerschöpfung oder Sonnenstich. Arbeitgeber werden vom Arbeitsschutz verpflichtet, Beschäftigte vor UV-Strahlen zu schützen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Siebten

Phantom: Tageslichtquotient als Maß für das Tageslicht

Der Tageslichtquotient (D) beschreibt das Verhältnis zwischen der Beleuchtungsstärke im Innenraum und derjenigen im Freien unter einem komplett bedeckten Himmel. Entwickelt wurde das Konzept Ende des 19. Jahrhunderts von Alexander Pelham Trotter, um Innenraumbeleuchtung trotz ständig wechselnder Tageslichtbedingungen vergleichbar zu machen.

Obwohl der Ansatz seit 1895 nahezu unverändert existiert und in vielen Regelwerken weiterhin genutzt wird (z. B. DIN 5034, ASR A3.4, DGNB, LEED, BREEAM), ist er aus heutiger Sicht stark veraltet.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Achten

Phantom Allgemeiner Farbwiedergabeindex Ra

Der klassische Farbwiedergabeindex CRI/Ra basiert auf nur 8 blassen Testfarben und einem veralteten Farbraum. Er bildet reale Farbwahrnehmung schlecht ab, besonders gesättigte Farben wie Rot (R9). Moderne Lichtquellen wie LEDs können dadurch trotz hohen CRI schlechte Farbwiedergabe haben.

Neue Methoden wie IES TM‑30‑20 mit 99 Testfarben, Rf (Fidelity) und Rg (Gamut) liefern wesentlich präzisere und realistischere Ergebnisse. TM-30 zeigt realitätsnahe und differenzierte Ergebnisse – wichtig für Museen, Handel, Architektur und LED-Technik. Dennoch bleibt CRI in vielen Normen, einschließlich ISO/CIE 8995-1:2025, weiterhin vorgeschrieben. Das Phantom kann man eher als Zombie beschreiben.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Neunten

Phantom: Lambertscher Strahler

Der Beitrag erläutert, warum das Lambertsche Gesetz – ein mathematisches Modell für ideal diffuse Reflexion – in der realen Beleuchtungspraxis häufig zu Fehlinterpretationen führt. Ein Lambert-‚Strahler würde in alle Richtungen gleich hell erscheinen, doch kein reales Material verhält sich exakt so. Trotzdem wird dieser Idealzustand in vielen Normen und Berechnungen vorausgesetzt. Viele Normen und Regelwerke (z. B. DIN-Normen zu Arbeitsstätten, Sportstättenbeleuchtung, Bildschirmarbeitsplätzen) basieren auf Annahmen, die physikalisch nicht zutreffen. Sogar eine Grundgröße wie die Beleuchtungsstärke oder eine wichtige Größe wie der Reflexionsgrad machen nur Sinn, wenn man von einer Lambertschen Reflexion ausgeht.

Vorschriften zur Leuchtenanordnung und zum Arbeitsraum führten zu teils absurden Anforderungen (z. B. ausschließlich matte Oberflächen, stark eingeschränkte Raumzonen für Arbeitsplätze). Viele Anforderungen sind praktisch nicht erfüllbar und werden daher ignoriert – zu Lasten der Benutzer. Man hätte besser mehr diffuses Licht statt direkter Beleuchtung vorsehen sollen, entspiegelte Bildschirme statt Vorschriften zu deren Aufstellung. Man muss anerkennen, dass das Lambert-Modell ein hilfreiches Ideal ist, aber keine reale Grundlage für praktische Normen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Zehnten

Das fundamentale Phantom

In der Lichttechnik wird Helligkeit bis heute mit einer Standardkurve (V(λ)) bewertet, die vor rund 100 Jahren aus Messungen an wenigen, jungen erwachsenen Männern abgeleitet wurde.

Diese Kurve steckt hinter fast allen wichtigen Lichtangaben wie Lumen und Lux – und verleitet dazu zu glauben, sie beschreibe die Hellempfindung „des Menschen“ allgemein. Tatsächlich sehen ältere Menschen, Kinder und auch viele Tiere oder Pflanzen Licht anders, sodass gleiche Messwerte in der Praxis sehr unterschiedliche Wirkungen haben können.

Neuere Kennzahlen wie „melanopische“ Beleuchtungsstärken sollen biologische Effekte des Lichts besser erfassen, sind aber ebenfalls von Alter und Lichtspektrum abhängig und dadurch kompliziert zu verwenden. Mit der Einführung melanopischer Kenngrößen (CIE S 026/E:2018) wird die Problematik sichtbar verschärft: Melanopische Beleuchtungsstärken (z. B. mel-EDI) sind explizit alters- und spektralabhängig; ein Zahlenwert gilt nur für definierte Referenzbedingungen (u. a. ein Referenzalter), während herkömmliche lichttechnische Größen diese Unterschiede nicht erfassen.

Die zentrale Botschaft ist: Lichtmesswerte sind keine einfache „Physiologie in Zahlen“, und gute Beleuchtung muss stärker auf unterschiedliche Menschen und Anwendungsfälle abgestimmt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Licht valide gemessen wird, d.h. ein bestimmter Wert entspricht einer bestimmten Wirkung.