Posts Tagged: Farbwiedergabe

Nicht nur Lichttechnik leicht gemacht

04.10.2026

Warum einfach und verständlich erklären, wenn man sein Ego auch
hinter Satzkonstruktionen in Überlänge verstecken kann?
der Blogger

Im Internet bin ich bei der Suche nach eingängigen Bildern und Definitionen für lichttechnische Größen auf die Website  Heizung, Lüftung, Elektrizität der Autoren Christoph H. Schmid, Thomas Baumgartner, Jürg Nipkow, Christian Vogt und Jobst Willers gestoßen. Der Inhalt entspricht einem Buch mit dem gleichen Titel "Heizung / Lüftung / Elektrizität", das in der 6. Auflage vorliegt (ISBN: 978-3-7281-4020-8). Mehr Info hier .

Die lichttechnischen Größen und Begriffe, die mich interessierten, sind klar, einfach, aber trotzdem korrekt erklärt. Aber auch alles andere, was mit der gebauten Umwelt zu tun hat, wird sehr erfrischend klar behandelt. Unten finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Buches mit Links, die die Autoren gesetzt haben. Beim Klicken auf einen der Links kommt man auf die Website mit der Version 1.0 . 

Das Stichwortverzeichnis, das in einem gedruckten Buch mühsames Blättern bedeutet, ist in der Online-Version eine große Hilfe, die einem auch das Auffinden von Sachverhalten erleichtert, an die man nicht denkt. Wenn man z.B. ein relativ allgemeines Wort wie Beleuchtung eingibt, wundert man sich, in welchen Abschnitten es überall vorkommt. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Déjà-vu - Uralte Bekannte wieder getroffen

04.10.2026

100 Jahre Licht- und Sehforschung,
aber das LED-Licht blendet dich nachts
trotzdem zuverlässiger als die Sonne selbst.
der Blogger

In einem neuen Beitrag in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wird die Problematik der heutigen Flutlichtbeleuchtung behandelt, die der von den 1970er-Jahren sehr ähnlich ist. Hier die Kurzfassung:

Dieser  Beitrag  in Genesis 2.0-Schöpfung der elektrischen Sonne verbindet eine persönliche Erinnerung mit einer höchst aktuellen Kritik an der Stadionbeleuchtung. Die Erinnerung reicht bis ins Jahr 1968 zurück, als ich an der Planung der Beleuchtung der Olympiasportstätten mitarbeitete. Der Auftrag hatte zunächst nichts mit der elektrischen Beleuchtung zu tun, sondern mit der Tagesbeleuchtung. Die XIX. Olympischen Sommerspiele 1968 hatten vom 12. bis 27. Oktober in Mexiko-Stadt stattgefunden. Das (in Europa) neu erfundene Farbfernsehen hatte grausliche Bilder aus Mexiko übertragen müssen, weil sich die Kameras bei Sprintwettbewerben nicht schnell genug von Licht auf Schatten umstellen konnten. Beim Übergang von der Sonne in den Schatten liefen die Athleten rot an, als hätte sie der Schlag getroffen. So entwickelte ein ehemaliger Kollege, Udo Fischer, die glänzende Idee, wonach das Dach des Olympiastadions aus Plexiglas gebaut werden sollte. Die Idee verfing prima beim Architekten Günter Behnisch, der damals Professor an der TU Darmstadt war, an dem Ort, an dem der Hersteller von Plexiglas, pardon Acrylglas, die Firma Röhm ansässig war. Nun wollte Behnisch, dass alle Dächer auf dem Olympiagelände aus Acrylglas gebaut werden sollten. So kam mein Professor an der TU Berlin zu dem Auftrag, alles zu begutachten, was mit Licht zu tun hatte, auch die elektrische Beleuchtung des Stadions. Im Anschluss daran sollte ich im Rahmen meiner Dissertation untersuchen, ob das schöne neue Licht, vom Fernsehen diktiert, doch nicht zu grell für die Fans und die Spieler war.

Anfang 1972 interviewte ich den Torhüter Sepp Maier für meine Doktorarbeit zur Beleuchtung des Münchner Olympiastadions. Mehr als fünf Jahrzehnte später erkenne ich dieselben Probleme in den Aussagen des Lichtplaners Daniel Petry wieder: mangelhafte Abnahmekontrollen, Blendung und unzureichende Farbwiedergabe.

Meine alten Untersuchungen zeigten, dass die Interessen von Zuschauern, Spielern und Fernsehen bei der Feldbeleuchtung grundsätzlich vereinbar sind: Hohe Sichtqualität führt nicht zwangsläufig zu mehr Blendung. Moderne LED-Systeme bieten gegenüber früheren HQI-Lampen große Vorteile, etwa hohe Effizienz, präzise Steuerbarkeit, Farbwechsel und flimmerfreien Betrieb für Zeitlupenaufnahmen. Dennoch können ihre kleinen, sehr leuchtdichten Flächen eine stärkere Blendwirkung erzeugen, wenn Planung und Ausschreibung vor allem Beleuchtungsstärken und Kosten berücksichtigen.

Auch die Farbwiedergabe der LED wird unzureichend bewertet. Petry beanstandet diese als einen wichtigen Faktor. Der verbreitete allgemeine Farbwiedergabeindex Ra basiert überwiegend auf blassen Pastellfarben; gesättigtes Rot und Hauttöne werden nicht erfasst. Dieser Umstand entstand 1964, als dieser Index eingeführt wurde, und blieb bis heute unverändert. Zudem fehlt den üblichen weißen LEDs die UV-Strahlung, die optische Aufheller aktiviert und auch für Pflanzen bedeutsam ist. In der Allianz Arena mussten deshalb zusätzliche UV-Leuchten installiert werden. Dass Vereinsfarben unter Flutlicht verfälscht erscheinen können, ist somit kein unvermeidbares technisches Defizit, sondern eine Folge ungeeigneter Qualitätskriterien.

Im Zentrum steht meine Kritik an einem missverstandenen Begriff der Wirtschaftlichkeit. Normen für Beleuchtung stellen Wirtschaftlichkeit neben Sehkomfort, Ergonomie, Sicherheit und Lichtqualität, obwohl Planer fast immer nur Kosten, nicht aber den wirtschaftlichen Nutzen einer Anlage bestimmen können. So hätte ein Planer, der die Sache 1970 beim Baubeginn ernst genommen hätte, beim Olympiastadion München pro Spiel 50.000 DM vom Fernsehen anrechnen müssen. Die TV-Sender zahlen heute für die Liveübertragung von Champions-League-Spielen im Durchschnitt zwischen 1,5 und 5 Millionen Euro pro Partie. Vergleichbare Anlagen hatten 1972 etwa 1,0 bis 2,5 Mio. DM gekostet. Wie sähe eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine solche Anlage aus?

Man könnte sich vom Lachen nicht einkriegen, wären da nicht die Konsequenzen für die Beleuchtung, die niemand beabsichtigt: Werden messbare Mindestwerte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage, setzt sich der billigste normgerechte Entwurf gegen die tatsächlich bessere Lösung durch – selbst bei Stadien und Übertragungen für ein Milliardenpublikum. Die Schlussfolgerung lautet daher: Nicht die LED-Technik verursacht zwangsläufig eine schlechte Beleuchtung. Sie kann hervorragendes, blendarmes und farbtreues Licht liefern. Dieses Licht kann für Fußballspiele früheren Techniken weit überlegen sein, weil es eine ruckelfreie Aufnahme schnellster Vorgänge ermöglicht, die keine frühere Technik geschafft hätte. Entscheidend sind daher anspruchsvolle Ausschreibungen, geeignete Messgrößen und die Bereitschaft der Auftraggeber, Qualität ausdrücklich zu verlangen und angemessen zu bezahlen. Der technische Fortschritt ist vorhanden; überkommene Bewertungsmaßstäbe und kurzfristiges Kostendenken verhindern jedoch, dass sein Potenzial vollständig genutzt wird.

04.08.2026

Warum man in Betrieben dauernd Zombies begegnet
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Das ist eine leicht bearbeitete Fassung eines Beitrags aus dem Jahr 2016. Die damals kritisierte Norm DIN EN 12464-1 wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Die neue Fassung von 2021 zeigt den Fortschritt in 10 Jahren - Eine neue Tabelle, aber alles beim Alten.

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In 2016 hiess es:

Wer sich wundert, dass ihm im Betrieb nur Kolleginnen und Kollegen begegnen, die wie Zombies aussehen, möge sich die folgenden Zahlen angucken. Selbst Mitmenschen, die im eigenen Arbeitsraum ganz passabel aussehen, können so einen Zombie ergeben:

verkehrszonen

Das sind die (Kenn)Zahlen, die die Qualität der Beleuchtung in den Fluren und Gängen von professionell genutzten Gebäuden beschreiben. Sie sind entnommen DIN EN 12464-1 und der fast identischen CIE S 008, also Normen, die für Europa und für den Rest der Welt gelten.

In 2021 in EN 12464-1 (und in 2025 in ISO/CIE 8995-1) sieht die entsprechende Angabe so aus:

Die erste Spalte gibt, wie immer, die Beleuchtungsstärke an. Statt UGRL haben wir jetzt RUGL . Also Jacke wie Hose. Es sind einige neue Beleuchtungsstärken hinzugekommen. Aber an der Kritik musste ich nichts ändern:

Was bedeutet 100? Das sind 100 lx 20 cm über dem Fußboden gemessen, horizontal. Im schlimmsten Fall steht der Kollege direkt unter der Leuchte, der Kopf nicht einmal einen halben Meter tiefer, und sieht aus eben wie ein Zombie mit tiefen Augenschatten und einer glänzenden Nase. Den noch schlimmeren Fall, Beleuchtung von unten, findet man zum Glück aus praktischen Gründen nur in bestimmten Bereichen. (So werden z.B. Hexen im Theater gemacht).

ugr-scaleWas bedeutet 28? Das ist die sog. "psychologische" Blendung. Für Büroräume gilt "19", und das ist zufriedenstellend für 47 % der fiktiven Benutzer. Was der Rest denkt, ist der Lichttechnik erst einmal egal. Was ist denn 28? Das lässt sich in gutem Deutsch schlecht ausdrücken. So wird die Zahl von der CIE kommentiert: Uncomfortable. Auf Deutsch: einfach störend. Ende der Skala. Wie kann eine Norm für Arbeitsstätten allen Fluren in Europa eine störende Beleuchtung verschreiben?

Und die letzte Zahl 40? Das ist die Güte der Farbwiedergabe. Für Büros wird meistens 80 empfohlen, was für mich eine ziemlich miserable Farbwiedergabe bedeutet. (Wer es besser haben möchte, muss leider viel mehr Watt in die selbe Menge Lux stecken.) Was die 40 bedeutet, kann man wohl so schlecht demonstrieren, dass man in der Literatur keine prägnanten Bilder oder sonstige Abbildungen findet. Das liegt vermutlich daran, dass Lampen mit einer solchen Farbwiedergabe in Gebäuden unüblich sind. Daher zeige ich erst, wo die Lampen zu finden sind, die eine solche Farbwiedergabe ermöglichen (!)

ra.

Wer in etwa einen Eindruck von dieser Farbqualität haben will, ist auf seine Fantasie angewiesen. Dazu muss man wissen, dass auch Ra von 100 nicht bedeutet, dass ausgeprägte gesättigte Farben so wiedergegeben werden wie bei Tageslicht. Keine einzige gesättigte Farbe wird bei einer solchen Beleuchtung wiedergegeben. Bei Ra = 90 spricht man von einer sehr guten Farbwiedergabe, was man gelten lassen kann. Wenn der Wert bei 80 liegt, muss man wissen, dass er so hingebogen wurde, dass auch Dreibandenlampen noch ein "Gut" bekommen, obwohl sie die meisten Farben gar nicht so gut wiedergeben. Das kann aber kein Mensch nachvollziehen, weil die Testfarben nicht mehr verfügbar sind. Die waren wohl irgendwann mal in den 1960ern diesseits der Realität zu verorten gewesen. 

Und ein Ra von 40 war etwas, wogegen sich mein Chef mit Händen und Füßen gewehrt hatte (s. hier). Offensichtlich hat er nur verhindern können, dass solche Leuchtmittel in Büros selber verbaut werden, aber nicht in Bürohäusern. Also, wenn man die genormte Qualität vom Licht auf den Fluren von Büros vorstellen will, muss man auf dem unteren Bild den Unterschied von CRI = 90 und CRI = 50 nach unten verlängern und ...

cri-comparison.

Was man auch will, niemand wäre vermutlich imstande, sich ein Bild von der Flurbeleuchtung zu machen, die nur die geschriebenen Anforderungen erfüllen würde. Es lässt sich vermutlich auch kein Planer finden, der eine solche Beleuchtung entwerfen würde. Wenn - dann nicht mehr lange, denn bei einem solchen Referenzobjekt wäre es sein letztes Projekt gewesen.

Dennoch: Selbst wenn nur eine der "Qualitätsmerkmale" der Beleuchtung, Konzentrieren auf nur horizontale Beleuchtungsstärke, Beschränken der Blendung nur so weit wie erforderlich, Begrenzen der Farbwiedergabe auf die Fähigkeiten unterhalb der einer Quecksilberdampf-Hochdrucklampe, realisiert würde, entstünde eine Beleuchtung, deren Urheberschaft kein Lichtplaner gerne zugeben würde. Und solche Objekte gibt es zuhauf.

Ergo: Wenn Sie demnächst auf dem Flur einem Zombie begegnen, handelt es sich nicht um einen verzauberten Prinzen oder eine verzauberte Prinzessin. Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen.

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Nun zu den Neuigkeiten: Es gibt jetzt eine zylindrische Beleuchtungsstärke. Schafft es ein Lichtplaner, diese zu realisieren, werden die Zombies freundlicher aussehen. Dazu muss der Lichtplaner diese erst einmal schaffen. Ich habe in keinem Betrieb eine zylindrische Beleuchtungsstärke gemessen, die halb so groß war wie die horizontale. Jetzt müssen auch Wände und Decken von Korridoren und Verkehrsflächen beleuchtet werden. Die ließen sich realisieren, so die Verkehrsfläche Wände oder eine Decke in kleiner Höhe hat. Vor 10 Jahren hatte ich geschrieben: "Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen." Das gilt immer noch. 

Wenn Farben mal gleich sind und mal nicht 

26.03.2026

Falsche Farben brauchen
ein ganz bestimmtes Licht,
um echt zu wirken.
d. Blogger

Auf licht-formt-leben.de wird das Thema der falsch gesehenen Farben behandelt. Diese heißen metamer oder bedingt gleich. Das Problem ist bereits schon sehr lange bekannt und wird seiner Bedeutung entsprechend bekämpft. Dennoch sind große Bereiche der Industrie und des Handels davon betroffen. Hier geht es um eine Übersicht der am meisten betroffenen Branchen und um eine kurze Erklärung der Gründe. Ich nenne jeweils eine Folge. Meist gibt es mehrere. Und mehrere Effekte können gemeinsam auftreten. Der Beitrag kann hier aufgerufen werden: Wenn die Farben täuschen – Ein altes Problem mit neuer Bedeutung.

  1. Automobilindustrie (Interieur & Exterieur)

Dies ist wohl der anspruchsvollste Bereich. Ein Auto besteht aus Hunderten Einzelteilen von Dutzenden Zulieferern. Im Laufe seines Lebens wird es öfter mal teilweise lackiert.

  • Das Problem: Die Stoßstange (Kunststoff), die Motorhaube (lackiertes Blech) und die Spiegelkappen müssen unter prallem Sonnenlicht und unter der gelblichen Natriumdampf-Straßenbeleuchtung identisch aussehen. Zudem sollen die nachlackierten Teile möglichst unter allen Lichtbedingungen in der gleichen Farbe erscheinen.
  • Folge: Weicht die Pigmentierung zwischen den Zulieferern ab, „kippt“ die Farbe nachts, und das Auto wirkt wie aus Flicken zusammengesetzt. Es sieht im Laden anders aus als auf der Straße.
  1. Mode- und Textilindustrie

Textilien sind extrem anfällig für Metamerie, da Farbstoffe auf Naturfasern (Baumwolle) anders reagieren als auf Synthetik (Polyester).

  • Das Problem: Ein Anzug besteht oft aus verschiedenen Stoffen (Sakko-Stoff, Futter, Knöpfe, Nähgarn). Im hellen Licht des Geschäfts sieht alles perfekt abgestimmt aus. Draußen im natürlichen Licht wirkt das Garn plötzlich rötlich und das Futter grünlich.
  • Folge: hohe Retourenquoten im E-Commerce und Unzufriedenheit im stationären Handel.
  1. Möbel- und Innenarchitektur

Hier treffen oft sehr unterschiedliche Oberflächen aufeinander.

  • Das Problem: Eine Küchenfront aus Hochglanz-Lack muss farblich zu einer Arbeitsplatte aus Schichtstoff (Laminat) und einer Wandfarbe passen.
  • Herausforderung: Da die chemische Basis von Wandfarbe, Holzlasur und Kunststoffbeschichtung völlig verschieden ist, ist eine identische Pigmentierung fast unmöglich. Hier muss mit extrem engen Toleranzen im Metamerie-Index gearbeitet werden.
  1. Verpackungsindustrie und Markendesign

Markenfarben (z. B. das „Telekom-Magenta“ oder das „Ferrari-Rot“) sind heilige Kühe des Marketings.

  • Das Problem: Das Logo auf einem Pappkarton (Saugfähigkeit!) muss genauso aussehen wie auf einer Plastikflasche oder in einer Magazinanzeige (Druckfarben). Da die Farben bei gleicher Pigmentierung immer von der Oberfläche abhängen, auf der sie aufgebracht sind, sehen sie ggf. unterschiedlich aus.
  • Folge: Wenn das Marken-Grün im Supermarktregal unter LEDs plötzlich „giftig“ oder „fahl“ wirkt, leidet das Markenimage.
  1. Zahnmedizin (Prothetik)

Ein oft unterschätzter, aber hochsensibler Bereich.

  • Das Problem: Zahnersatz (Keramik oder Komposit) muss perfekt zu den natürlichen Zähnen passen, weil man sie sehr nahe beieinander sieht. Bei dieser Situation reagiert das Auge sehr empfindlich auf Farbunterschiede. Natürliches Zahnmaterial hat eine komplexe Fluoreszenz und Remissionskurve.
  • Folge: Ein künstlicher Zahn kann in der Zahnarztpraxis perfekt aussehen, aber im UV-Licht der Disco oder bei Kerzenschein im Restaurant als „Fremdkörper“ hervorstechen.

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Vom Unsinn Beleuchtung zu normen, ohne den Raum festzulegen

14.01.2026
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Eine schwitzende Stirn ist nicht das Kriterium für die 
Qualität einer neuen Idee
Pavel Kosorin

Leute, die Beleuchtung normen, wissen es spätestens seit 1972. Es macht keinen Sinn, nur die relevanten Größen für die Lichtquellen festzulegen, man muss auch den Raum berücksichtigen. Ich gebe das Jahr 1972 an, weil damals Reflexionsgrade für Raumoberflächen und wichtige Möbel in die Norm aufgenommen wurden. Auch früher hat man bei der Planung die Eigenschaften des Raums in die Berechnung einbezogen. So gesehen, könnte man die Berücksichtigung der Raumeigenschaft bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen. 

Wie kann es dann sein, dass man eine Beleuchtung auf der Basis der Bestimmung einer Norm beanstanden kann? Gemeint ist die Treppe links im Bild, deren Beleuchtungsplanung vom Auftraggeber beanstandet wurde. Sie hätte gemäß DIN EN ISO 12464-1 eine bestimmte Beleuchtungsstärke haben müssen. Das war wohl nicht der Fall. Das Bild entspricht etwa meinem visuellen Eindruck, der sich von dem erforderlichen (Bild rechts) weitgehend unterscheidet. Die Treppe im rechten Bild stammt von Baunetz. Der Auftraggeber hatte eine solche Erscheinung im Sinn. 

Wir haben den Auftrag, die geplante Beleuchtung zu messen, ordnungsgemäß erledigt. Die Beleuchtungsstärke auf dieser Treppe war fast doppelt so hoch wie gefordert. Warum sie dennoch so dunkel ausschaut, muss man wohl nicht erklären. Der Lichtplaner hatte den Auftrag bekommen, eine normgerechte Beleuchtung für eine schwarze Treppe zu planen. Und eben diesen Auftrag ausgeführt. 

Das Büro, das den Auftrag ausgeführt hatte, war zum Glück sehr erfahren und hatte das offensichtliche Problem, die zu dunkle Treppe, durch die Gestaltung ausgeglichen. Die Beleuchtung bestand aus kleinen Leuchten, die die Treppenstufen klar erkennbar markierten. Der Lichtplaner war aber lediglich verpflichtet gewesen, 100 lx auf der Treppe zu erzeugen. Hätte der Auftraggeber die Gewerbeaufsicht mit der Messung beauftragt, hätte diese die Beleuchtung nicht beanstandet, obwohl sie eine Unfallgefahr darstellte. 
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Ein solcher Unsinn würde nie zustande kommen, wenn die Normen statt Beleuchtungsstärken zu fordern, die physiologisch keinen Sinn machen, Leuchtdichten fordern würden. Diese bestimmen, wie gut man sieht. 

Ich habe Verständnis dafür, dass eine Lichtplanung auf der Basis von Leuchtdichten schwierig ist. Dies wurde aber schon in den 1970er-Jahren behauptet, als man in der Straßenbeleuchtung die Leuchtdichtetechnik einführte. Die Erkenntnis, dass für Autofahrer nicht entscheidend ist, wie viel Licht auf der Straße ankommt, sondern wie viel Licht von der Straße in Richtung ihrer Augen reflektiert wird, hatte sich wissenschaftlich in den 1960er Jahren durchgesetzt. Die CIE hat dann 1977 mit der CIE 12.2 die Leuchtdichte als primäre Planungsgröße für Hauptverkehrsstraßen festgelegt.

Dies war  möglich, weil in der Straßenbeleuchtung die Sehgeometrie vorgegeben ist. Man muss nicht alle Leuchtdichten um einen herum planen. Vor allem muss man sie nicht messen. Man muss es auch nicht mehr, weil spätestens mit dem Aufkommen der Computer in der Lichtplanung man in der Lage war, die Leuchtdichteverteilung in jeder beliebigen Szenerie zu berechnen und zu visualisieren. 
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Heute ist es eher nicht möglich, alle geforderten Beleuchtungsstärken zu messen. So werden diese in der Arbeitsebene, drumherum, an den Wänden und an der Decke gefordert. Zudem müssten sog. zylindrische Beleuchtungsstärken gemessen werden. Ich möchte denjenigen Planer sehen, der all dies messen kann. Es ist höchste Zeit,  mit der Praxis aufzuhören.