Posts Tagged: Farbwiedergabe

Warum wir nicht sobald eine behagliche Beleuchtung bekommen werden

20.10.2026

High-Tech-Licht
mit Steinzeit-Maßstab messen.
der Blogger

In dem Beitrag Behaglichkeit der Bürobeleuchtung habe ich dargelegt, wie ich mir eine behagliche Beleuchtung für Büros vorstelle. Dazu gehört immer eine gute Farbwiedergabe.

Was heißt es eigentlich, wenn einer einen Artikel über ein Thema schreibt? Ich habe es in diesem Fall getan, weil die meisten Menschen Bürobeleuchtung nicht für behaglich halten. Beim Schreiben guckte ich in der gültigen Beleuchtungsnorm nach, was diese über eine behagliche Beleuchtung sagt:

“4.7.3 Farbwiedergabe
Für die Sehleistung und ein Gefühl der Behaglichkeit und des Wohlbefindens müssen die Farben der Umgebung, der Objekte und der menschlichen Haut, entsprechend den in Abschnitt 6 genannten Aufgabenanforderungen mit ausreichender Genauigkeit wiedergegeben werden.”

Was steht im Abschnitt 6 Verzeichnis der Beleuchtungsanforderungen? Bezüglich der Farbwiedergabe liest man da: “Spalte 6 enthält die Mindestwerte der Farbwiedergabe-Indizes (Ra)” Aber: Egal, welchen Wert von Ra der Lichtplaner auch wählt, die Wiedergabe der Farbe der menschlichen Haut wird davon nicht erfasst. Dazu gibt es sogar eine plausible Erklärung:
„Dass der klassische Farbwiedergabeindex (CRI oder Ra) die menschliche Haut nicht optimal abbildet, liegt an seiner mathematischen Definition. Für die Berechnung des standardmäßigen Ra-Wertes werden nämlich nur die ersten acht Testfarben (R₁ bis R₈) herangezogen, bei denen es sich ausschließlich um ungesättigte Pastelltöne handelt.“

Die Folge ist das Fehlen von gesättigtem Rot (R₉): Die menschliche Haut ist stark von Blutgefäßen durchzogen. Damit eine Lichtquelle (besonders LEDs) Haut lebendig und gesund wirken lässt, benötigt sie einen hohen Anteil an tiefen, gesättigten Rottönen. Dieser Rotwert wird über die spezielle Testfarbe R₉ gemessen. Da R₉ jedoch nicht im standardmäßigen Ra eingerechnet ist, kann ein Leuchtmittel einen hervorragenden CRI von 90 aufweisen, während der R₉-Wert bei fast Null liegt. Die Folge: Gesichter wirken unter diesem Licht fahl, blass oder gar grünlich.

Wenn wir in dem Farbenkatalog die weiteren 8 Farben durchsehen, stoßen wir auf eine weitaus größere Hürde: In den erweiterten Testfarben (R₉ bis R₁₅) existiert zwar eine Messfarbe für Hauttöne, das ist die Farbe R₁₃ („Kaukasische[1] Hautfarbe“). Dieses System stammt aus den 1960er Jahren und bringt zwei fundamentale Probleme mit sich:

  • Keine Relevanz für den Basis-CRI: Genau wie R₉ wird auch R₁₃ nicht in die normale Ra-Bewertung einbezogen.
  • Rassistischer Bias in der Normierung: Der historische Index zieht als Referenz lediglich einen hellen, europäischen Hautton heran. Die enorme und fließende Vielfalt globaler Hauttöne, Pigmentierungen und Melatinstufen wird von dieser einzelnen Testfarbe überhaupt nicht abgedeckt.

Da der Fehler erkannt wurde, hat man eine weitere Farbe für die Wiedergabe der menschlichen Haut R15 eingeführt. Die Testfarbe R13 wurde in “Skin colour light” umbenannt. Nach dieser Umbenennung wurde R15 zu „Skin colour medium“. Für dunklere Hauttöne kennt die übliche Bestimmung des Farbwiedergabeindex immer noch keine Testfarbe.

Irgendwann mal soll in der Beleuchtung das amerikanische System TM-30 eingeführt werden. Bis dahin verlässt man sich bezüglich der Wiedergabe von dunklen Hauttönen auf die Testfarbe R9 die auch für die Wiedergabe von Tomaten nützlich ist.

Wenn also für ein Gefühl der Behaglichkeit und des Wohlbefindens die Farben der Umgebung, der Objekte und der menschlichen Haut richtig wiedergegeben werden müssen, müssen wir auf die nächste Ausgabe von EN 12464-1 in etwa acht Jahren warten, bis behagliches Licht genormt wird.

[1] Kaukasisch sagt Europäern nicht viel. Das Wort ist die amerikanische Bezeichnung für die weiße Rasse, wonach sich die Menschen von Kaukasien aus ihren Weg in die weite Welt gemacht haben, Je weiter sie kamen, desto dunkler wurde ihre Haut. Der Begriff stammt vom deutschen Historiker Christoph Meiners, der ihn 1785 prägte.

Salutogenes Licht - Licht und heilende Architektur in der Geschichte

13.10.2026

Von Sokrates’ Sonnenhaus
zum evidenzbasierten Klinikerbe:
Die Evolution des heilenden Lichts.
der Blogger

In einem neuen Beitrag in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wird die Rolle des Lichts und der Verbindung zur Natur über Jahrhunderte behandelt. Hier die Kurzfassung:

Licht ist in der heilenden Architektur weit mehr als ein Mittel zur Sichtbarkeit: Es beeinflusst biologische Rhythmen, Wohlbefinden, Orientierung und möglicherweise den Genesungsverlauf. Die Idee hat eine lange Geschichte. Bereits antike Solarien und sonnenorientierte Stadtanlagen nutzten Licht und Wärme zur Gesundheitsförderung. Im 19. Jahrhundert prägten Licht, Luft und Abstand den Pavillonbau von Krankenhäusern. Die Moderne führte diesen Ansatz fort: Sanatorien wie Paimio von Alvar Aalto und Zonnestraal von Jan Duiker wurden konsequent auf Tageslicht, Aussicht, Hygiene und den Kontakt zur Natur ausgerichtet.

Seit Roger S. Ulrichs Studie von 1984 wird die Wirkung räumlicher Bedingungen zunehmend wissenschaftlich untersucht. Seine Beobachtung, dass Patienten mit Blick ins Grüne günstiger genesen können, gab dem Evidence-Based Design entscheidende Impulse. Forschungsübersichten verbinden Tageslicht, Aussicht, Akustik, Luftqualität, Orientierung und Raumaufteilung mit Ergebnissen wie Stressreduktion, geringerer Fehler- und Sturzgefahr, Infektionskontrolle sowie besseren Arbeitsbedingungen für das Personal.

Heilende Architektur ersetzt keine medizinische Behandlung. Sie ergänzt diese, indem sie Umgebungen schafft, die Gesundheit stabilisieren und Belastungen mindern. Besondere Bedeutung hat der circadiane Rhythmus: Tageslicht und angemessen geplantes Kunstlicht können Schlaf-Wach-Zyklen unterstützen; Dunkelheit gehört ebenso zum Konzept.

Klinische Lichttherapie, etwa bei saisonal abhängiger Depression, ist jedoch nicht mit allgemeiner Architekturbeleuchtung gleichzusetzen. Die Studienlage zu circadianer Beleuchtung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bleibt uneinheitlich. Gründe können begrenzte Messbarkeit, praktische Umsetzungsprobleme oder unterschiedliche Studiendesigns sein. Deshalb müssen Finanzierung, Methodik und mögliche Interessenkonflikte bei den Projekten transparent geprüft werden. Insgesamt zeigt sich: Gute heilende Architektur verbindet Tageslicht, Naturbezug, Akustik, Luftqualität, Farbe und klare Raumstrukturen zu einem Gesamtkonzept. Ihr Ziel ist es, Genesung, Wohlbefinden und Arbeitsbedingungen zu fördern – im Krankenhaus ebenso wie in Pflegeeinrichtungen, Wohnungen und anderen Räumen, in denen Menschen viel Zeit verbringen.

Nicht nur Lichttechnik leicht gemacht

04.10.2026

Warum einfach und verständlich erklären, wenn man sein Ego auch
hinter Satzkonstruktionen in Überlänge verstecken kann?
der Blogger

Im Internet bin ich bei der Suche nach eingängigen Bildern und Definitionen für lichttechnische Größen auf die Website  Heizung, Lüftung, Elektrizität der Autoren Christoph H. Schmid, Thomas Baumgartner, Jürg Nipkow, Christian Vogt und Jobst Willers gestoßen. Der Inhalt entspricht einem Buch mit dem gleichen Titel "Heizung / Lüftung / Elektrizität", das in der 6. Auflage vorliegt (ISBN: 978-3-7281-4020-8). Mehr Info hier .

Die lichttechnischen Größen und Begriffe, die mich interessierten, sind klar, einfach, aber trotzdem korrekt erklärt. Aber auch alles andere, was mit der gebauten Umwelt zu tun hat, wird sehr erfrischend klar behandelt. Unten finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Buches mit Links, die die Autoren gesetzt haben. Beim Klicken auf einen der Links kommt man auf die Website mit der Version 1.0 . 

Das Stichwortverzeichnis, das in einem gedruckten Buch mühsames Blättern bedeutet, ist in der Online-Version eine große Hilfe, die einem auch das Auffinden von Sachverhalten erleichtert, an die man nicht denkt. Wenn man z.B. ein relativ allgemeines Wort wie Beleuchtung eingibt, wundert man sich, in welchen Abschnitten es überall vorkommt. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Déjà-vu - Uralte Bekannte wieder getroffen

04.10.2026

100 Jahre Licht- und Sehforschung,
aber das LED-Licht blendet dich nachts
trotzdem zuverlässiger als die Sonne selbst.
der Blogger

In einem neuen Beitrag in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wird die Problematik der heutigen Flutlichtbeleuchtung behandelt, die der von den 1970er-Jahren sehr ähnlich ist. Hier die Kurzfassung:

Dieser  Beitrag  in Genesis 2.0-Schöpfung der elektrischen Sonne verbindet eine persönliche Erinnerung mit einer höchst aktuellen Kritik an der Stadionbeleuchtung. Die Erinnerung reicht bis ins Jahr 1968 zurück, als ich an der Planung der Beleuchtung der Olympiasportstätten mitarbeitete. Der Auftrag hatte zunächst nichts mit der elektrischen Beleuchtung zu tun, sondern mit der Tagesbeleuchtung. Die XIX. Olympischen Sommerspiele 1968 hatten vom 12. bis 27. Oktober in Mexiko-Stadt stattgefunden. Das (in Europa) neu erfundene Farbfernsehen hatte grausliche Bilder aus Mexiko übertragen müssen, weil sich die Kameras bei Sprintwettbewerben nicht schnell genug von Licht auf Schatten umstellen konnten. Beim Übergang von der Sonne in den Schatten liefen die Athleten rot an, als hätte sie der Schlag getroffen. So entwickelte ein ehemaliger Kollege, Udo Fischer, die glänzende Idee, wonach das Dach des Olympiastadions aus Plexiglas gebaut werden sollte. Die Idee verfing prima beim Architekten Günter Behnisch, der damals Professor an der TU Darmstadt war, an dem Ort, an dem der Hersteller von Plexiglas, pardon Acrylglas, die Firma Röhm ansässig war. Nun wollte Behnisch, dass alle Dächer auf dem Olympiagelände aus Acrylglas gebaut werden sollten. So kam mein Professor an der TU Berlin zu dem Auftrag, alles zu begutachten, was mit Licht zu tun hatte, auch die elektrische Beleuchtung des Stadions. Im Anschluss daran sollte ich im Rahmen meiner Dissertation untersuchen, ob das schöne neue Licht, vom Fernsehen diktiert, doch nicht zu grell für die Fans und die Spieler war.

Anfang 1972 interviewte ich den Torhüter Sepp Maier für meine Doktorarbeit zur Beleuchtung des Münchner Olympiastadions. Mehr als fünf Jahrzehnte später erkenne ich dieselben Probleme in den Aussagen des Lichtplaners Daniel Petry wieder: mangelhafte Abnahmekontrollen, Blendung und unzureichende Farbwiedergabe.

Meine alten Untersuchungen zeigten, dass die Interessen von Zuschauern, Spielern und Fernsehen bei der Feldbeleuchtung grundsätzlich vereinbar sind: Hohe Sichtqualität führt nicht zwangsläufig zu mehr Blendung. Moderne LED-Systeme bieten gegenüber früheren HQI-Lampen große Vorteile, etwa hohe Effizienz, präzise Steuerbarkeit, Farbwechsel und flimmerfreien Betrieb für Zeitlupenaufnahmen. Dennoch können ihre kleinen, sehr leuchtdichten Flächen eine stärkere Blendwirkung erzeugen, wenn Planung und Ausschreibung vor allem Beleuchtungsstärken und Kosten berücksichtigen.

Auch die Farbwiedergabe der LED wird unzureichend bewertet. Petry beanstandet diese als einen wichtigen Faktor. Der verbreitete allgemeine Farbwiedergabeindex Ra basiert überwiegend auf blassen Pastellfarben; gesättigtes Rot und Hauttöne werden nicht erfasst. Dieser Umstand entstand 1964, als dieser Index eingeführt wurde, und blieb bis heute unverändert. Zudem fehlt den üblichen weißen LEDs die UV-Strahlung, die optische Aufheller aktiviert und auch für Pflanzen bedeutsam ist. In der Allianz Arena mussten deshalb zusätzliche UV-Leuchten installiert werden. Dass Vereinsfarben unter Flutlicht verfälscht erscheinen können, ist somit kein unvermeidbares technisches Defizit, sondern eine Folge ungeeigneter Qualitätskriterien.

Im Zentrum steht meine Kritik an einem missverstandenen Begriff der Wirtschaftlichkeit. Normen für Beleuchtung stellen Wirtschaftlichkeit neben Sehkomfort, Ergonomie, Sicherheit und Lichtqualität, obwohl Planer fast immer nur Kosten, nicht aber den wirtschaftlichen Nutzen einer Anlage bestimmen können. So hätte ein Planer, der die Sache 1970 beim Baubeginn ernst genommen hätte, beim Olympiastadion München pro Spiel 50.000 DM vom Fernsehen anrechnen müssen. Die TV-Sender zahlen heute für die Liveübertragung von Champions-League-Spielen im Durchschnitt zwischen 1,5 und 5 Millionen Euro pro Partie. Vergleichbare Anlagen hatten 1972 etwa 1,0 bis 2,5 Mio. DM gekostet. Wie sähe eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine solche Anlage aus?

Man könnte sich vom Lachen nicht einkriegen, wären da nicht die Konsequenzen für die Beleuchtung, die niemand beabsichtigt: Werden messbare Mindestwerte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage, setzt sich der billigste normgerechte Entwurf gegen die tatsächlich bessere Lösung durch – selbst bei Stadien und Übertragungen für ein Milliardenpublikum. Die Schlussfolgerung lautet daher: Nicht die LED-Technik verursacht zwangsläufig eine schlechte Beleuchtung. Sie kann hervorragendes, blendarmes und farbtreues Licht liefern. Dieses Licht kann für Fußballspiele früheren Techniken weit überlegen sein, weil es eine ruckelfreie Aufnahme schnellster Vorgänge ermöglicht, die keine frühere Technik geschafft hätte. Entscheidend sind daher anspruchsvolle Ausschreibungen, geeignete Messgrößen und die Bereitschaft der Auftraggeber, Qualität ausdrücklich zu verlangen und angemessen zu bezahlen. Der technische Fortschritt ist vorhanden; überkommene Bewertungsmaßstäbe und kurzfristiges Kostendenken verhindern jedoch, dass sein Potenzial vollständig genutzt wird.

04.08.2026

Warum man in Betrieben dauernd Zombies begegnet
.

Das ist eine leicht bearbeitete Fassung eines Beitrags aus dem Jahr 2016. Die damals kritisierte Norm DIN EN 12464-1 wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Die neue Fassung von 2021 zeigt den Fortschritt in 10 Jahren - Eine neue Tabelle, aber alles beim Alten.

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In 2016 hiess es:

Wer sich wundert, dass ihm im Betrieb nur Kolleginnen und Kollegen begegnen, die wie Zombies aussehen, möge sich die folgenden Zahlen angucken. Selbst Mitmenschen, die im eigenen Arbeitsraum ganz passabel aussehen, können so einen Zombie ergeben:

verkehrszonen

Das sind die (Kenn)Zahlen, die die Qualität der Beleuchtung in den Fluren und Gängen von professionell genutzten Gebäuden beschreiben. Sie sind entnommen DIN EN 12464-1 und der fast identischen CIE S 008, also Normen, die für Europa und für den Rest der Welt gelten.

In 2021 in EN 12464-1 (und in 2025 in ISO/CIE 8995-1) sieht die entsprechende Angabe so aus:

Die erste Spalte gibt, wie immer, die Beleuchtungsstärke an. Statt UGRL haben wir jetzt RUGL . Also Jacke wie Hose. Es sind einige neue Beleuchtungsstärken hinzugekommen. Aber an der Kritik musste ich nichts ändern:

Was bedeutet 100? Das sind 100 lx 20 cm über dem Fußboden gemessen, horizontal. Im schlimmsten Fall steht der Kollege direkt unter der Leuchte, der Kopf nicht einmal einen halben Meter tiefer, und sieht aus eben wie ein Zombie mit tiefen Augenschatten und einer glänzenden Nase. Den noch schlimmeren Fall, Beleuchtung von unten, findet man zum Glück aus praktischen Gründen nur in bestimmten Bereichen. (So werden z.B. Hexen im Theater gemacht).

ugr-scaleWas bedeutet 28? Das ist die sog. "psychologische" Blendung. Für Büroräume gilt "19", und das ist zufriedenstellend für 47 % der fiktiven Benutzer. Was der Rest denkt, ist der Lichttechnik erst einmal egal. Was ist denn 28? Das lässt sich in gutem Deutsch schlecht ausdrücken. So wird die Zahl von der CIE kommentiert: Uncomfortable. Auf Deutsch: einfach störend. Ende der Skala. Wie kann eine Norm für Arbeitsstätten allen Fluren in Europa eine störende Beleuchtung verschreiben?

Und die letzte Zahl 40? Das ist die Güte der Farbwiedergabe. Für Büros wird meistens 80 empfohlen, was für mich eine ziemlich miserable Farbwiedergabe bedeutet. (Wer es besser haben möchte, muss leider viel mehr Watt in die selbe Menge Lux stecken.) Was die 40 bedeutet, kann man wohl so schlecht demonstrieren, dass man in der Literatur keine prägnanten Bilder oder sonstige Abbildungen findet. Das liegt vermutlich daran, dass Lampen mit einer solchen Farbwiedergabe in Gebäuden unüblich sind. Daher zeige ich erst, wo die Lampen zu finden sind, die eine solche Farbwiedergabe ermöglichen (!)

ra.

Wer in etwa einen Eindruck von dieser Farbqualität haben will, ist auf seine Fantasie angewiesen. Dazu muss man wissen, dass auch Ra von 100 nicht bedeutet, dass ausgeprägte gesättigte Farben so wiedergegeben werden wie bei Tageslicht. Keine einzige gesättigte Farbe wird bei einer solchen Beleuchtung wiedergegeben. Bei Ra = 90 spricht man von einer sehr guten Farbwiedergabe, was man gelten lassen kann. Wenn der Wert bei 80 liegt, muss man wissen, dass er so hingebogen wurde, dass auch Dreibandenlampen noch ein "Gut" bekommen, obwohl sie die meisten Farben gar nicht so gut wiedergeben. Das kann aber kein Mensch nachvollziehen, weil die Testfarben nicht mehr verfügbar sind. Die waren wohl irgendwann mal in den 1960ern diesseits der Realität zu verorten gewesen. 

Und ein Ra von 40 war etwas, wogegen sich mein Chef mit Händen und Füßen gewehrt hatte (s. hier). Offensichtlich hat er nur verhindern können, dass solche Leuchtmittel in Büros selber verbaut werden, aber nicht in Bürohäusern. Also, wenn man die genormte Qualität vom Licht auf den Fluren von Büros vorstellen will, muss man auf dem unteren Bild den Unterschied von CRI = 90 und CRI = 50 nach unten verlängern und ...

cri-comparison.

Was man auch will, niemand wäre vermutlich imstande, sich ein Bild von der Flurbeleuchtung zu machen, die nur die geschriebenen Anforderungen erfüllen würde. Es lässt sich vermutlich auch kein Planer finden, der eine solche Beleuchtung entwerfen würde. Wenn - dann nicht mehr lange, denn bei einem solchen Referenzobjekt wäre es sein letztes Projekt gewesen.

Dennoch: Selbst wenn nur eine der "Qualitätsmerkmale" der Beleuchtung, Konzentrieren auf nur horizontale Beleuchtungsstärke, Beschränken der Blendung nur so weit wie erforderlich, Begrenzen der Farbwiedergabe auf die Fähigkeiten unterhalb der einer Quecksilberdampf-Hochdrucklampe, realisiert würde, entstünde eine Beleuchtung, deren Urheberschaft kein Lichtplaner gerne zugeben würde. Und solche Objekte gibt es zuhauf.

Ergo: Wenn Sie demnächst auf dem Flur einem Zombie begegnen, handelt es sich nicht um einen verzauberten Prinzen oder eine verzauberte Prinzessin. Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen.

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Nun zu den Neuigkeiten: Es gibt jetzt eine zylindrische Beleuchtungsstärke. Schafft es ein Lichtplaner, diese zu realisieren, werden die Zombies freundlicher aussehen. Dazu muss der Lichtplaner diese erst einmal schaffen. Ich habe in keinem Betrieb eine zylindrische Beleuchtungsstärke gemessen, die halb so groß war wie die horizontale. Jetzt müssen auch Wände und Decken von Korridoren und Verkehrsflächen beleuchtet werden. Die ließen sich realisieren, so die Verkehrsfläche Wände oder eine Decke in kleiner Höhe hat. Vor 10 Jahren hatte ich geschrieben: "Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen." Das gilt immer noch.