Licht und Wissenschaft

21.07.2014

Frag' den Experten - der Experte weiß Rat …

… und nicht die Maus. Ich wollte mal sehen, ob durch die Klimakatastrophe die Welt dunkler geworden ist. Wie man weiß, oder zu wissen glaubt, produziert die Menschheit Gase, die die Atmosphäre aufheizen. Manchmal sind es eher Kühe, aber die gehören ja auch den Menschen. Eigentlich müsste die Luft dicker geworden sein, mit der Folge, dass weniger Strahlung auf die Erde kommt. Wie so was geht, hatte ich vor einigen Jahren in Peking erlebt. Wie so etwas aussieht, habe ich vor einigen Wochen hoch über Seoul fotografiert.Also, wie sieht es mit Zahlen aus? Ist die Welt nu dunkler geworden oder nich? Auf den ersten Blick heißt die Antwort: ja. Hier sind die Tabellen eines Experten aus der zweiten und dritten Auflage eines weltberühmten Buches:

Der Himmel hat damals (vor 12 Jahren) 150.000 lx gebracht und der Rasen hatte eine Leuchtdichte von 2.900 cd/m². Wie sieht es 2014 aus? Hier ist die gleiche Tabelle aus der 3. Auflage:Der Himmel bringt nur noch 100.000 lx, was meine Theorie unterstützt. Der Rasen ist aber heller geworden, so um 10%. Langsam zum Mitschreiben: Das Licht der Sonne ist um 33% weniger geworden, der Rasen um 10% heller. Spielt der Autor jetzt Golf? Könnte sein. Denn sein Gras unter dem bedeckten Himmel ist jetzt fast doppelt so hell wie früher, und das bei gleicher Beleuchtungsstärke. Scheint eine neue Grassorte zu sein … Oder hat jemand während der Messung Gras geraucht?

Wunder über Wunder! Im Maschinenbau nennt man so etwas „Double precision“! Wie man es bei einem renommierten Standardwerk in dritter Auflage nennen soll, kann man in gutem Deutsch nur schlecht ausdrücken. Denn die Beleuchtungsstärke bei klarem Himmel gilt in der Lichttechnik als eine Art Naturkonstante. Wer sein Büro für zu hell hält oder sich geblendet fühlt, muss sich anhören, dass es draußen 100.000  lx gibt. Äh, für 12 Jahre waren es 150.000 lx, bevor sich der Himmel verdunkelte und das Gras aufhellte. 

Zum Glück gibt der Mond nicht weniger Licht ab, und der Asphalt hat die gleiche Leuchtdichte wie vor 12 Jahren bei Vollmond. Hat schon mal jemand eine Leuchtdichte von Asphalt bei Vollmond gemessen? Ich bestimmt nicht. An solchen Nächten denke ich an andere Sachen, z.B. Tanz der Vampire. Als Lichttechniker hätte ich eher an ein Verbot von Asphalt gedacht, denn eine Straße mit einer Betondecke ist 100-mal heller bei Mondschein. 

Caveat emptor! Oder „green green grass of my home“

Wie falsche Normung die Autoindustrie behinderte

12.09.2026

Die gute Lösung von heute
kann die Innovationsbremse von morgen sein.

Wie falsche Normung die Autoindustrie behinderte – und was die Lichtnormung davon lernen kann, kurzgefasst

Der Beitrag in Genesis 2.0, Schöpfung der elektrischen Sonne, erläutert die Behinderung der Innovation beim US-amerikanischen Autobau, die durch die Normung der vorderen Scheinwerfer erfolgt ist.

Eine Norm kann Sicherheit schaffen – oder Fortschritt verhindern. Das zeigt die US-amerikanische Sealed-Beam-Vorschrift. Ab 1940 mussten Autos zwei runde und identische standardisierte, versiegelte Scheinwerfereinheiten tragen. Die Regel löste zunächst reale Probleme: Ersatzteile wurden überall verfügbar, Reflektoren blieben vor Feuchtigkeit und Schmutz geschützt, die Lichtqualität wurde berechenbarer. Doch die Norm schrieb nicht nur das Ergebnis vor. Sie diktierte auch Form, Größe und Technik.

Damit wurde aus einer vernünftigen Schutzmaßnahme ein Innovationsverbot. Mehr als vier Jahrzehnte lang mussten Hersteller ihre Fahrzeuge um runde Standardscheinwerfer herum konstruieren. Europäische und japanische Modelle erhielten für den US-Markt entstellte Frontpartien. Aerodynamische Lösungen, asymmetrisches Abblendlicht und Kurvenlicht wurden blockiert. Der Schaden war nicht nur gestalterisch: geringere Sichtweite, schlechtere Fahrbahnausleuchtung, mehr Streulicht und stärkere Blendung verschlechterten die Verkehrssicherheit. Die Norm konservierte den Stand von 1940 – und machte ihn zum Maßstab für die Zukunft.

Deutschland wählte den wirksameren Weg: das Leistungsprinzip. Vorgeschrieben wurde nicht, wie ein Scheinwerfer auszusehen hatte, sondern was er leisten musste. Solange Grenzwerte für Ausleuchtung und Blendung eingehalten wurden, blieben Form und Technik offen. So konnten Breitband-, Halogen- und später Xenonscheinwerfer eingeführt werden, ohne das Regelwerk jedes Mal neu zu erfinden.

Die Lehre für heutige Beleuchtungsnormen ist eindeutig: Normen müssen Ziele sichern, nicht Lösungen einfrieren. Die aktuelle Normung listet Hunderte Arbeitsplatztypen und konkrete Beleuchtungsstärken auf, legt aber kaum nachvollziehbar dar, welches Schutzziel damit erreicht werden soll. Wer eine bessere Lösung entwickelt, kann deshalb nur schwer beweisen, dass sie gleichwertig ist. Sinnvoller wären wenige klare Leitsätze, überprüfbare Qualitätskriterien und Freiheit bei der Umsetzung – wie bereits in DIN 5035 von 1935 angelegt. Gute Normung definiert Wirkung, Sicherheit und Qualität. Sie vertraut Fachleuten bei der Wahl der Mittel. Sobald sie eine einzige technische Lösung festschreibt, schützt sie nicht mehr vor Risiken, sondern vor Innovation. Genau davor warnt das Sealed-Beam-Beispiel.

Licht, Effizienz und Unfallrisiko

19.08.2026

Mehr Licht führt zu mehr Sicherheit? Schön wär's.
Die Studie beweist vor allem eines: Je heller man die Variablen anstrahlt,
desto blinder wird man vor lauter Komplexität..

Licht, Effizienz und Unfallrisiko, kurzgefasst

Der Beitrag in Genesis 2.0, Schöpfung der elektrischen Sonne, beleuchtet die Vorstellung, dass man mit gutem Licht nicht nur die Sehbedingungen verbessert, sondern auch zu weniger Fehlern bei der Arbeit beiträgt. Neuere Vorstellungen gehen davon aus, dass man mit gutem Licht die circadianen Rhythmen des Menschen stabilisiert und dadurch nicht nur zu einer besseren Gesundheit beiträgt, sondern ebenso seine Handlungen sicherer macht.

Der Beitrag untersucht die Frage, ob und wie Licht das Unfallrisiko beeinflusst. Ausgangspunkt ist ein Vortrag aus dem Jahr 2008, dessen Aussagen vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse der Lichtforschung erneut betrachtet werden. Zwar wird Sicherheit auch in aktuellen Beleuchtungsnormen als Ziel genannt, doch ein belastbarer empirischer Nachweis direkter Zusammenhänge zwischen Beleuchtung und Unfallgeschehen bleibt schwierig. Die Gründe liegen vor allem in der Komplexität der Wirkungen: Licht beeinflusst nicht nur das bewusste Sehen, sondern auch circadiane Rhythmen, Wachheit, Motivation, Ermüdung, Gesundheit und das Zusammenspiel mit der Arbeitsumgebung.

Der Beitrag zeigt, dass klassische lichttechnische Größen wie Beleuchtungsstärke nur begrenzt geeignet sind, sicherheitsrelevante Wirkungen zu beschreiben. Bei vielen Tätigkeiten – insbesondere an Bildschirmen, in Warten oder bei reflektierenden Oberflächen – kann eine bloße Erhöhung der Beleuchtungsstärke sogar störend wirken. Entscheidend sind vielmehr Sehgeometrie, Blendung, Reflexe, Spektrum, Tageszeit, individuelle Unterschiede und die konkreten Anforderungen der Aufgabe. Auch die circadianen Wirkungen des Lichts sind bedeutsam, aber schwer zu messen und praktisch zu beherrschen, weil sie zeitabhängig sind, nachwirken und von der biologischen Uhr des Einzelnen abhängen.

Die zentrale Schlussfolgerung lautet daher: Licht kann Sicherheit fördern, wenn es differenziert geplant und auf Aufgabe, Mensch und Umgebung abgestimmt wird. Es ist jedoch kein einfaches Mittel zur Unfall- oder Fehlervermeidung. Die Hoffnung, durch mehr Licht automatisch bessere Leistung oder höhere Sicherheit zu erzielen, ist überholt. Stattdessen müssen visuelle, biologische und organisatorische Wirkungen gemeinsam betrachtet werden. Auch ohne eindeutigen statistischen Nachweis sollte Licht als möglicher sicherheitsrelevanter Faktor ernst genommen und vorsorglich in die Arbeitsgestaltung einbezogen werden.

04.08.2026

Warum man in Betrieben dauernd Zombies begegnet
.

Das ist eine leicht bearbeitete Fassung eines Beitrags aus dem Jahr 2016. Die damals kritisierte Norm DIN EN 12464-1 wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Die neue Fassung von 2021 zeigt den Fortschritt in 10 Jahren - Eine neue Tabelle, aber alles beim Alten.

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In 2016 hiess es:

Wer sich wundert, dass ihm im Betrieb nur Kolleginnen und Kollegen begegnen, die wie Zombies aussehen, möge sich die folgenden Zahlen angucken. Selbst Mitmenschen, die im eigenen Arbeitsraum ganz passabel aussehen, können so einen Zombie ergeben:

verkehrszonen

Das sind die (Kenn)Zahlen, die die Qualität der Beleuchtung in den Fluren und Gängen von professionell genutzten Gebäuden beschreiben. Sie sind entnommen DIN EN 12464-1 und der fast identischen CIE S 008, also Normen, die für Europa und für den Rest der Welt gelten.

In 2021 in EN 12464-1 (und in 2025 in ISO/CIE 8995-1) sieht die entsprechende Angabe so aus:

Die erste Spalte gibt, wie immer, die Beleuchtungsstärke an. Statt UGRL haben wir jetzt RUGL . Also Jacke wie Hose. Es sind einige neue Beleuchtungsstärken hinzugekommen. Aber an der Kritik musste ich nichts ändern:

Was bedeutet 100? Das sind 100 lx 20 cm über dem Fußboden gemessen, horizontal. Im schlimmsten Fall steht der Kollege direkt unter der Leuchte, der Kopf nicht einmal einen halben Meter tiefer, und sieht aus eben wie ein Zombie mit tiefen Augenschatten und einer glänzenden Nase. Den noch schlimmeren Fall, Beleuchtung von unten, findet man zum Glück aus praktischen Gründen nur in bestimmten Bereichen. (So werden z.B. Hexen im Theater gemacht).

ugr-scaleWas bedeutet 28? Das ist die sog. "psychologische" Blendung. Für Büroräume gilt "19", und das ist zufriedenstellend für 47 % der fiktiven Benutzer. Was der Rest denkt, ist der Lichttechnik erst einmal egal. Was ist denn 28? Das lässt sich in gutem Deutsch schlecht ausdrücken. So wird die Zahl von der CIE kommentiert: Uncomfortable. Auf Deutsch: einfach störend. Ende der Skala. Wie kann eine Norm für Arbeitsstätten allen Fluren in Europa eine störende Beleuchtung verschreiben?

Und die letzte Zahl 40? Das ist die Güte der Farbwiedergabe. Für Büros wird meistens 80 empfohlen, was für mich eine ziemlich miserable Farbwiedergabe bedeutet. (Wer es besser haben möchte, muss leider viel mehr Watt in die selbe Menge Lux stecken.) Was die 40 bedeutet, kann man wohl so schlecht demonstrieren, dass man in der Literatur keine prägnanten Bilder oder sonstige Abbildungen findet. Das liegt vermutlich daran, dass Lampen mit einer solchen Farbwiedergabe in Gebäuden unüblich sind. Daher zeige ich erst, wo die Lampen zu finden sind, die eine solche Farbwiedergabe ermöglichen (!)

ra.

Wer in etwa einen Eindruck von dieser Farbqualität haben will, ist auf seine Fantasie angewiesen. Dazu muss man wissen, dass auch Ra von 100 nicht bedeutet, dass ausgeprägte gesättigte Farben so wiedergegeben werden wie bei Tageslicht. Keine einzige gesättigte Farbe wird bei einer solchen Beleuchtung wiedergegeben. Bei Ra = 90 spricht man von einer sehr guten Farbwiedergabe, was man gelten lassen kann. Wenn der Wert bei 80 liegt, muss man wissen, dass er so hingebogen wurde, dass auch Dreibandenlampen noch ein "Gut" bekommen, obwohl sie die meisten Farben gar nicht so gut wiedergeben. Das kann aber kein Mensch nachvollziehen, weil die Testfarben nicht mehr verfügbar sind. Die waren wohl irgendwann mal in den 1960ern diesseits der Realität zu verorten gewesen. 

Und ein Ra von 40 war etwas, wogegen sich mein Chef mit Händen und Füßen gewehrt hatte (s. hier). Offensichtlich hat er nur verhindern können, dass solche Leuchtmittel in Büros selber verbaut werden, aber nicht in Bürohäusern. Also, wenn man die genormte Qualität vom Licht auf den Fluren von Büros vorstellen will, muss man auf dem unteren Bild den Unterschied von CRI = 90 und CRI = 50 nach unten verlängern und ...

cri-comparison.

Was man auch will, niemand wäre vermutlich imstande, sich ein Bild von der Flurbeleuchtung zu machen, die nur die geschriebenen Anforderungen erfüllen würde. Es lässt sich vermutlich auch kein Planer finden, der eine solche Beleuchtung entwerfen würde. Wenn - dann nicht mehr lange, denn bei einem solchen Referenzobjekt wäre es sein letztes Projekt gewesen.

Dennoch: Selbst wenn nur eine der "Qualitätsmerkmale" der Beleuchtung, Konzentrieren auf nur horizontale Beleuchtungsstärke, Beschränken der Blendung nur so weit wie erforderlich, Begrenzen der Farbwiedergabe auf die Fähigkeiten unterhalb der einer Quecksilberdampf-Hochdrucklampe, realisiert würde, entstünde eine Beleuchtung, deren Urheberschaft kein Lichtplaner gerne zugeben würde. Und solche Objekte gibt es zuhauf.

Ergo: Wenn Sie demnächst auf dem Flur einem Zombie begegnen, handelt es sich nicht um einen verzauberten Prinzen oder eine verzauberte Prinzessin. Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen.

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Nun zu den Neuigkeiten: Es gibt jetzt eine zylindrische Beleuchtungsstärke. Schafft es ein Lichtplaner, diese zu realisieren, werden die Zombies freundlicher aussehen. Dazu muss der Lichtplaner diese erst einmal schaffen. Ich habe in keinem Betrieb eine zylindrische Beleuchtungsstärke gemessen, die halb so groß war wie die horizontale. Jetzt müssen auch Wände und Decken von Korridoren und Verkehrsflächen beleuchtet werden. Die ließen sich realisieren, so die Verkehrsfläche Wände oder eine Decke in kleiner Höhe hat. Vor 10 Jahren hatte ich geschrieben: "Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen." Das gilt immer noch. 

FemInLight - Eine Initiative der LiTG

14.07.2026

Wenn der Kampf für Rechte in einen Kampf um Nuancen umschlägt,
verliert die eigentliche Botschaft ihre Kraft.
der Blogger

Die letzte Light + Building wurde von einem seltenen Ereignis begleitet. Die LiTG veranstaltete beim LiTG-Campus LICHT ein Netzwerktreffen von Lichtfrauen. Es moderierten Johanna Stückler und Paula Longato einen offenen Austausch mit der Frage, wie Frauen* einander mehr in der Branche unterstützen können. (Der Stern ist unten erklärt.)

Aus dem positiven Feedback und dem Ziel, das „Zusammen“ zu erarbeiten, zu fördern und zu leben, ist nun eine Linkedin-Gruppe entstanden, die als Plattform zum Austauschen, Vernetzen, Fragen und Sichtbarwerden dienen soll. Die Gruppe ist unter https://www.linkedin.com/groups/18570021/ erreichbar. (hier)

Mir ist die Meldung eine eigene Meldung wert, weil ich viele Lichtdesignerinnen kenne, die wunderbare Arbeiten erstellt haben. 

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Ich bin nur durch den Stern irritiert. Den erklärt die LiTG so:
*Mit Frauen meinen wir alle Personen, die von Sexismus bzw. geschlechtsspezifischer Benachteiligung betroffen sind, darunter cis Frauen, trans Frauen sowie weitere Personen, die sich als Frauen identifizieren oder sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen.

Die Links sind im Original vorhanden und führen zu Wikipedia-Artikeln, die die jeweiligen Geschlechtlichkeiten erklären.