04.10.2026
Warum einfach und verständlich erklären, wenn man sein Ego auch
hinter Satzkonstruktionen in Überlänge verstecken kann?
der Blogger
Im Internet bin ich bei der Suche nach eingängigen Bildern und Definitionen für lichttechnische Größen auf die Website Heizung, Lüftung, Elektrizität der Autoren Christoph H. Schmid, Thomas Baumgartner, Jürg Nipkow, Christian Vogt und Jobst Willers gestoßen. Der Inhalt entspricht einem Buch mit dem gleichen Titel "Heizung / Lüftung / Elektrizität", das in der 6. Auflage vorliegt (ISBN: 978-3-7281-4020-8). Mehr Info hier .
Die lichttechnischen Größen und Begriffe, die mich interessierten, sind klar, einfach, aber trotzdem korrekt erklärt. Aber auch alles andere, was mit der gebauten Umwelt zu tun hat, wird sehr erfrischend klar behandelt. Unten finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Buches mit Links, die die Autoren gesetzt haben. Beim Klicken auf einen der Links kommt man auf die Website mit der Version 1.0 .
Das Stichwortverzeichnis, das in einem gedruckten Buch mühsames Blättern bedeutet, ist in der Online-Version eine große Hilfe, die einem auch das Auffinden von Sachverhalten erleichtert, an die man nicht denkt. Wenn man z.B. ein relativ allgemeines Wort wie Beleuchtung eingibt, wundert man sich, in welchen Abschnitten es überall vorkommt.
1 Grundlagen
1.1 Nachhaltigkeit
1.2 Behaglichkeit
1.3 Planungsvorgehen
1.4 Energiehaushalt
1.5 Heizleistungsbedarf
2 Wärmeerzeugung
2.1 Bemessungsfragen
2.2 Gas- und Ölfeuerung
2.3 Holzfeuerung
2.4 Wärmepumpen
2.5 Aktive Solarsysteme
2.6 Wärme-Kraft-Kopplung
2.7 Heizzentrale
2.8 Systemvergleich
3 Wärmeverteilung
3.1 Pumpe und Netz
3.2 Hydraulische Schaltungen
3.3 Verteilsysteme
4 Wärmeabgabe
4.1 Heizkörper
4.2 Fussbodenheizung
4.3 Wahl Wärmeabgabesystem
5 Lüftung
5.1 Luftbedarf
5.2 Lüftungssysteme
5.3 Luftführung im Raum
5.4 Komponenten
5.5 Wohnungslüftung
6 Kälte- und Klimatechnik
6.1 Klimakältebedarf
6.2 Kälteerzeugung
6.3 Kälteabgabe
6.4 Kühlanlagen
7 Warmwasserversorgung
7.1 Übersicht
7.2 Wassererwärmung und Warmwasserspeicherung
7.3 Warmwasserverteilung
7.4 Planung
8 Elektrische Energie
8.1 Begriffe beim Wechselstrom
8.2 Elektroinstallation
8.3 Bedarfsanalyse und Verbrauchskontrolle
8.4 Geräte
8.5 Fotovoltaik
10 Gebäudeautomation
10.1 Aufgaben der Gebäudeautomation
10.2 Grundlagen Messen, Steuern, Regeln
10.3 Regelkonzepte
10.4 Leittechnik
11 Anhang
11.1 Literatur
11.2 Formelzeichen und Abkürzungen
11.3 Symbole für Installationen [SIA 410, EN 1861, EN 12792]
11.4 Temperaturhäufigkeitsdiagramme
11.5 p,h-Diagramme von Kältemitteln
11.6 h,x-Diagramm für feuchte Luft
11.7 Leuchtenbetriebswirkungsgrad und Raumwirkungsgrad
11.8 Grössen und Einheiten
11.9 Stichwortverzeichnis
04.10.2026
100 Jahre Licht- und Sehforschung,
aber das LED-Licht blendet dich nachts
trotzdem zuverlässiger als die Sonne selbst.
der Blogger
In einem neuen Beitrag in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wird die Problematik der heutigen Flutlichtbeleuchtung behandelt, die der von den 1970er-Jahren sehr ähnlich ist. Hier die Kurzfassung:
Dieser Beitrag in Genesis 2.0-Schöpfung der elektrischen Sonne verbindet eine persönliche Erinnerung mit einer höchst aktuellen Kritik an der Stadionbeleuchtung. Die Erinnerung reicht bis ins Jahr 1968 zurück, als ich an der Planung der Beleuchtung der Olympiasportstätten mitarbeitete. Der Auftrag hatte zunächst nichts mit der elektrischen Beleuchtung zu tun, sondern mit der Tagesbeleuchtung. Die XIX. Olympischen Sommerspiele 1968 hatten vom 12. bis 27. Oktober in Mexiko-Stadt stattgefunden. Das (in Europa) neu erfundene Farbfernsehen hatte grausliche Bilder aus Mexiko übertragen müssen, weil sich die Kameras bei Sprintwettbewerben nicht schnell genug von Licht auf Schatten umstellen konnten. Beim Übergang von der Sonne in den Schatten liefen die Athleten rot an, als hätte sie der Schlag getroffen. So entwickelte ein ehemaliger Kollege, Udo Fischer, die glänzende Idee, wonach das Dach des Olympiastadions aus Plexiglas gebaut werden sollte. Die Idee verfing prima beim Architekten Günter Behnisch, der damals Professor an der TU Darmstadt war, an dem Ort, an dem der Hersteller von Plexiglas, pardon Acrylglas, die Firma Röhm ansässig war. Nun wollte Behnisch, dass alle Dächer auf dem Olympiagelände aus Acrylglas gebaut werden sollten. So kam mein Professor an der TU Berlin zu dem Auftrag, alles zu begutachten, was mit Licht zu tun hatte, auch die elektrische Beleuchtung des Stadions. Im Anschluss daran sollte ich im Rahmen meiner Dissertation untersuchen, ob das schöne neue Licht, vom Fernsehen diktiert, doch nicht zu grell für die Fans und die Spieler war.
Anfang 1972 interviewte ich den Torhüter Sepp Maier für meine Doktorarbeit zur Beleuchtung des Münchner Olympiastadions. Mehr als fünf Jahrzehnte später erkenne ich dieselben Probleme in den Aussagen des Lichtplaners Daniel Petry wieder: mangelhafte Abnahmekontrollen, Blendung und unzureichende Farbwiedergabe.
Meine alten Untersuchungen zeigten, dass die Interessen von Zuschauern, Spielern und Fernsehen bei der Feldbeleuchtung grundsätzlich vereinbar sind: Hohe Sichtqualität führt nicht zwangsläufig zu mehr Blendung. Moderne LED-Systeme bieten gegenüber früheren HQI-Lampen große Vorteile, etwa hohe Effizienz, präzise Steuerbarkeit, Farbwechsel und flimmerfreien Betrieb für Zeitlupenaufnahmen. Dennoch können ihre kleinen, sehr leuchtdichten Flächen eine stärkere Blendwirkung erzeugen, wenn Planung und Ausschreibung vor allem Beleuchtungsstärken und Kosten berücksichtigen.
Auch die Farbwiedergabe der LED wird unzureichend bewertet. Petry beanstandet diese als einen wichtigen Faktor. Der verbreitete allgemeine Farbwiedergabeindex Ra basiert überwiegend auf blassen Pastellfarben; gesättigtes Rot und Hauttöne werden nicht erfasst. Dieser Umstand entstand 1964, als dieser Index eingeführt wurde, und blieb bis heute unverändert. Zudem fehlt den üblichen weißen LEDs die UV-Strahlung, die optische Aufheller aktiviert und auch für Pflanzen bedeutsam ist. In der Allianz Arena mussten deshalb zusätzliche UV-Leuchten installiert werden. Dass Vereinsfarben unter Flutlicht verfälscht erscheinen können, ist somit kein unvermeidbares technisches Defizit, sondern eine Folge ungeeigneter Qualitätskriterien.
Im Zentrum steht meine Kritik an einem missverstandenen Begriff der Wirtschaftlichkeit. Normen für Beleuchtung stellen Wirtschaftlichkeit neben Sehkomfort, Ergonomie, Sicherheit und Lichtqualität, obwohl Planer fast immer nur Kosten, nicht aber den wirtschaftlichen Nutzen einer Anlage bestimmen können. So hätte ein Planer, der die Sache 1970 beim Baubeginn ernst genommen hätte, beim Olympiastadion München pro Spiel 50.000 DM vom Fernsehen anrechnen müssen. Die TV-Sender zahlen heute für die Liveübertragung von Champions-League-Spielen im Durchschnitt zwischen 1,5 und 5 Millionen Euro pro Partie. Vergleichbare Anlagen hatten 1972 etwa 1,0 bis 2,5 Mio. DM gekostet. Wie sähe eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine solche Anlage aus?
Man könnte sich vom Lachen nicht einkriegen, wären da nicht die Konsequenzen für die Beleuchtung, die niemand beabsichtigt: Werden messbare Mindestwerte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage, setzt sich der billigste normgerechte Entwurf gegen die tatsächlich bessere Lösung durch – selbst bei Stadien und Übertragungen für ein Milliardenpublikum. Die Schlussfolgerung lautet daher: Nicht die LED-Technik verursacht zwangsläufig eine schlechte Beleuchtung. Sie kann hervorragendes, blendarmes und farbtreues Licht liefern. Dieses Licht kann für Fußballspiele früheren Techniken weit überlegen sein, weil es eine ruckelfreie Aufnahme schnellster Vorgänge ermöglicht, die keine frühere Technik geschafft hätte. Entscheidend sind daher anspruchsvolle Ausschreibungen, geeignete Messgrößen und die Bereitschaft der Auftraggeber, Qualität ausdrücklich zu verlangen und angemessen zu bezahlen. Der technische Fortschritt ist vorhanden; überkommene Bewertungsmaßstäbe und kurzfristiges Kostendenken verhindern jedoch, dass sein Potenzial vollständig genutzt wird.
04.08.2026
Das ist eine leicht bearbeitete Fassung eines Beitrags aus dem Jahr 2016. Die damals kritisierte Norm DIN EN 12464-1 wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Die neue Fassung von 2021 zeigt den Fortschritt in 10 Jahren - Eine neue Tabelle, aber alles beim Alten.
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In 2016 hiess es:
Wer sich wundert, dass ihm im Betrieb nur Kolleginnen und Kollegen begegnen, die wie Zombies aussehen, möge sich die folgenden Zahlen angucken. Selbst Mitmenschen, die im eigenen Arbeitsraum ganz passabel aussehen, können so einen Zombie ergeben:

Das sind die (Kenn)Zahlen, die die Qualität der Beleuchtung in den Fluren und Gängen von professionell genutzten Gebäuden beschreiben. Sie sind entnommen DIN EN 12464-1 und der fast identischen CIE S 008, also Normen, die für Europa und für den Rest der Welt gelten.
In 2021 in EN 12464-1 (und in 2025 in ISO/CIE 8995-1) sieht die entsprechende Angabe so aus:

Die erste Spalte gibt, wie immer, die Beleuchtungsstärke an. Statt UGRL haben wir jetzt RUGL . Also Jacke wie Hose. Es sind einige neue Beleuchtungsstärken hinzugekommen. Aber an der Kritik musste ich nichts ändern:
Was bedeutet 100? Das sind 100 lx 20 cm über dem Fußboden gemessen, horizontal. Im schlimmsten Fall steht der Kollege direkt unter der Leuchte, der Kopf nicht einmal einen halben Meter tiefer, und sieht aus eben wie ein Zombie mit tiefen Augenschatten und einer glänzenden Nase. Den noch schlimmeren Fall, Beleuchtung von unten, findet man zum Glück aus praktischen Gründen nur in bestimmten Bereichen. (So werden z.B. Hexen im Theater gemacht).
Was bedeutet 28? Das ist die sog. "psychologische" Blendung. Für Büroräume gilt "19", und das ist zufriedenstellend für 47 % der fiktiven Benutzer. Was der Rest denkt, ist der Lichttechnik erst einmal egal. Was ist denn 28? Das lässt sich in gutem Deutsch schlecht ausdrücken. So wird die Zahl von der CIE kommentiert: Uncomfortable. Auf Deutsch: einfach störend. Ende der Skala. Wie kann eine Norm für Arbeitsstätten allen Fluren in Europa eine störende Beleuchtung verschreiben?
Und die letzte Zahl 40? Das ist die Güte der Farbwiedergabe. Für Büros wird meistens 80 empfohlen, was für mich eine ziemlich miserable Farbwiedergabe bedeutet. (Wer es besser haben möchte, muss leider viel mehr Watt in die selbe Menge Lux stecken.) Was die 40 bedeutet, kann man wohl so schlecht demonstrieren, dass man in der Literatur keine prägnanten Bilder oder sonstige Abbildungen findet. Das liegt vermutlich daran, dass Lampen mit einer solchen Farbwiedergabe in Gebäuden unüblich sind. Daher zeige ich erst, wo die Lampen zu finden sind, die eine solche Farbwiedergabe ermöglichen (!)
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Wer in etwa einen Eindruck von dieser Farbqualität haben will, ist auf seine Fantasie angewiesen. Dazu muss man wissen, dass auch Ra von 100 nicht bedeutet, dass ausgeprägte gesättigte Farben so wiedergegeben werden wie bei Tageslicht. Keine einzige gesättigte Farbe wird bei einer solchen Beleuchtung wiedergegeben. Bei Ra = 90 spricht man von einer sehr guten Farbwiedergabe, was man gelten lassen kann. Wenn der Wert bei 80 liegt, muss man wissen, dass er so hingebogen wurde, dass auch Dreibandenlampen noch ein "Gut" bekommen, obwohl sie die meisten Farben gar nicht so gut wiedergeben. Das kann aber kein Mensch nachvollziehen, weil die Testfarben nicht mehr verfügbar sind. Die waren wohl irgendwann mal in den 1960ern diesseits der Realität zu verorten gewesen.
Und ein Ra von 40 war etwas, wogegen sich mein Chef mit Händen und Füßen gewehrt hatte (s. hier). Offensichtlich hat er nur verhindern können, dass solche Leuchtmittel in Büros selber verbaut werden, aber nicht in Bürohäusern. Also, wenn man die genormte Qualität vom Licht auf den Fluren von Büros vorstellen will, muss man auf dem unteren Bild den Unterschied von CRI = 90 und CRI = 50 nach unten verlängern und ...
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Was man auch will, niemand wäre vermutlich imstande, sich ein Bild von der Flurbeleuchtung zu machen, die nur die geschriebenen Anforderungen erfüllen würde. Es lässt sich vermutlich auch kein Planer finden, der eine solche Beleuchtung entwerfen würde. Wenn - dann nicht mehr lange, denn bei einem solchen Referenzobjekt wäre es sein letztes Projekt gewesen.
Dennoch: Selbst wenn nur eine der "Qualitätsmerkmale" der Beleuchtung, Konzentrieren auf nur horizontale Beleuchtungsstärke, Beschränken der Blendung nur so weit wie erforderlich, Begrenzen der Farbwiedergabe auf die Fähigkeiten unterhalb der einer Quecksilberdampf-Hochdrucklampe, realisiert würde, entstünde eine Beleuchtung, deren Urheberschaft kein Lichtplaner gerne zugeben würde. Und solche Objekte gibt es zuhauf.
Ergo: Wenn Sie demnächst auf dem Flur einem Zombie begegnen, handelt es sich nicht um einen verzauberten Prinzen oder eine verzauberte Prinzessin. Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen.
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Nun zu den Neuigkeiten: Es gibt jetzt eine zylindrische Beleuchtungsstärke. Schafft es ein Lichtplaner, diese zu realisieren, werden die Zombies freundlicher aussehen. Dazu muss der Lichtplaner diese erst einmal schaffen. Ich habe in keinem Betrieb eine zylindrische Beleuchtungsstärke gemessen, die halb so groß war wie die horizontale. Jetzt müssen auch Wände und Decken von Korridoren und Verkehrsflächen beleuchtet werden. Die ließen sich realisieren, so die Verkehrsfläche Wände oder eine Decke in kleiner Höhe hat. Vor 10 Jahren hatte ich geschrieben: "Das Wesen könnte bei ordnungsgemäßer Lichtplanung tatsächlich zauberhaft aussehen." Das gilt immer noch.
12.05.2026
Wo einst der Ruß die Sterne stahl und Nacht den Tag bezwang,
bricht nun das Licht durch Nebelqualm und kalten Eisengang.
Nicht länger beugt das Dunkel sich der Schornsteine Diktat –
der Mensch entzündet hell die Welt, die er verfinstert hat.
Dieses Kapitel zeichnet die Geschichte des elektrischen Lichts nicht als isolierte Erfindung eines einzelnen Genies nach, sondern als Ergebnis eines langen, vielschichtigen historischen Prozesses im „Langen 19. Jahrhundert“.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass sich mit der Industrialisierung, der Urbanisierung und dem Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft auch die Bedeutung des Lichts grundlegend veränderte. Während frühere Gesellschaften weitgehend vom natürlichen Sonnenlicht lebten, entstanden im 19. Jahrhundert neue Arbeits- und Lebensformen, die dieses Licht immer weniger verfügbar machten. Fabrikarbeit, lange Arbeitszeiten, dichte Bebauung, Rauch, Ruß und Luftverschmutzung verdunkelten die Städte und ließen künstliche Beleuchtung zu einer sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Notwendigkeit werden.
Zugleich macht das Kapitel deutlich, dass die Geschichte des Lichts eng mit den politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts verbunden ist. Er verweist auf die Folgen der Französischen Revolution, die Einführung des metrischen Systems, die napoleonische Neuordnung Europas, die industrielle Expansion in England, Westeuropa und den USA sowie die Entstehung moderner Wissenschaft und Technik.
In diesem Zusammenhang erscheint elektrisches Licht als Teil eines umfassenden Modernisierungsprozesses, der neue Formen des Messens, Produzierens, Bauens und Forschens hervorbrachte. Entwicklungen wie die Bogenlampe, frühe Glühversuche und schließlich die elektrische Glühlampe werden deshalb nicht nur als technische Stationen beschrieben, sondern als Produkte einer Epoche, in der Energie, Licht und Fortschritt immer stärker miteinander verschmolzen.
Ein zentrales Thema des Textes ist die „Verdunkelung“ der modernen Stadt. Die massenhafte Zuwanderung in Industriezentren, die engen Mietskasernen, die schlechte Belüftung und der Mangel an Tageslicht führten zu Wohn- und Arbeitsverhältnissen, die als gesundheitlich zerstörerisch wahrgenommen wurden. In dem Kapitel wird ausführlich geschildert, wie Menschen in Städten wie London, Berlin, New York oder Chicago in dunklen, feuchten und überfüllten Räumen lebten, in denen Licht und Luft fehlten. Diese Bedingungen wurden mit Krankheiten wie Tuberkulose und Rachitis verbunden. Licht wurde dadurch nicht mehr nur als Mittel zur Sichtbarkeit verstanden, sondern als Voraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ein menschenwürdiges Leben. Die Reformen im Bereich Arbeitsschutz, Sozialgesetzgebung, Wohnungsbau und Stadtplanung erscheinen deshalb im Text auch als Reaktionen auf den Mangel an Licht und auf die gesundheitlichen Folgen der industrialisierten Umwelt.
Besonders ausführlich zeigt dieses Kapitel, dass der Kampf gegen die Finsternis auf zwei Wegen geführt wurde. Der erste Weg bestand darin, die Sonne wieder in die Städte hineinzulassen. Sozialreformer, Ärzte, Hygieniker und Stadtplaner forderten größere Fenster, bessere Abstände zwischen Gebäuden, offene Schulformen, luftige Wohnungen und neue Regeln für die Stadtentwicklung. In den USA verband sich dies mit der Progressive Ära, in Europa mit Reformen des Wohnungsbaus, des Arbeitsschutzes und der öffentlichen Gesundheit. Tageslicht wurde als medizinisch, moralisch und sozial wertvolle Ressource behandelt. Die Regulierung von Mietskasernen, Bauordnungen, Zoning-Gesetze und Anforderungen an Belichtung und Belüftung waren daher nicht nur technische Vorschriften, sondern Ausdruck eines neuen Verständnisses von Gesundheit und urbanem Leben.
Der zweite Weg bestand darin, das fehlende Sonnenlicht technisch zu ersetzen. Hier setzt die Idee der „elektrischen Sonne“ ein, die im Text als entscheidender Schritt zur Moderne erscheint. Wenn echtes Sonnenlicht in den verdichteten Städten nicht mehr ausreichend verfügbar war, sollte künstliches Licht nicht nur Helligkeit schaffen, sondern auch die als heilsam verstandenen Wirkungen der Sonne nachahmen.
Deshalb behandelt dieses Kapitel ausführlich die Verbindung von Lichttechnik, Medizin und Industrie: von der Glühlampe Edisons über Lichttherapie, UV-Forschung und die Bekämpfung von Rachitis bis hin zu Produkten wie UV-durchlässigem Glas und späteren künstlichen Lichtquellen mit gesundheitlichem Anspruch. Insgesamt zeigt der Text, dass die Geschichte des elektrischen Lichts weit über Technikgeschichte hinausgeht. Sie ist eine Geschichte von Industrialisierung und Umweltveränderung, von sozialer Ungleichheit und Reformpolitik, von Medizin, Wissenschaft und wirtschaftlichen Interessen.
Elektrisches Licht erscheint damit als Antwort auf eine von Menschen selbst geschaffene Finsternis — und zugleich als Symbol für die Hoffnung, die Defizite der modernen Stadt mit technischen Mitteln zu überwinden.
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11.05.2026
Erst gezähmt als Feuer,
dann geformt aus Wachs,
schließlich gebändigt im Glas –
Licht ist der Pinselstrich der Zivilisation.
der Blogger
Das Kapitel beschreibt die Geschichte der künstlichen Beleuchtung als Entwicklung in vier Epochen.
Licht 1.0 beruht auf brennbaren Stoffen wie Kienspan, Fackel, Öllampe, Kerze und Gaslicht. Diese Lichtquellen waren mit vielen Nachteilen verbunden: kurze Brenndauer, ständige Überwachung, Wärme, Rauch, Ruß, Brandgefahr und geringe Effizienz. Trotzdem prägten sie über Jahrtausende das Leben der Menschen und ihre Kultur.
Mit Licht 2.0 begann die Epoche des elektrischen Lichts aus glühenden Materialien, vor allem der Glühlampe. Sie verringerte viele Probleme früherer Lichtquellen, etwa Rauch, Ruß und offene Flammen, und machte Beleuchtung bequemer, sicherer und massentauglich. Zugleich veränderte sie Wirtschaft, Städtebau, Arbeitswelt und Alltag grundlegend, weil sie Stromnetze, Industrialisierung und eine von Tageslicht unabhängige Gesellschaft förderte. Das Ende der Glühlampe kam nicht durch technische Überholung allein, sondern auch durch politische Verbote ineffizienter Leuchtmittel.
Licht 3.0 steht für Licht aus Plasma bzw. Gasentladung, insbesondere Leuchtstofflampen und andere Entladungslampen. Diese Technik ermöglichte eine effiziente Beleuchtung großer Flächen und förderte fensterlose Arbeitsräume sowie die 24/7-Gesellschaft. Gleichzeitig brachte sie neue Probleme mit sich, etwa fragwürdige Vorstellungen vom Ersatz des Tageslichts, gesundheitliche und architektonische Folgen sowie die Nutzung von Quecksilber.
Mit Licht 4.0 beginnt die Ära der Halbleiter, der LED. Sie ist sehr effizient, vielseitig steuerbar und eröffnet zahlreiche neue Anwendungen in Beleuchtung, Displays und Technik. Doch auch sie ist nicht frei von Nachteilen: Probleme wie Blauanteil im Spektrum, Flimmern, thermische Probleme und mögliche Auswirkungen auf Wahrnehmung, Gesundheit und Umwelt zeigen, dass jede neue Lichttechnik nicht nur Vorteile, sondern auch neue Herausforderungen mit sich bringt.
Insgesamt zeigt das Kapitel , dass die Geschichte des künstlichen Lichts nicht nur eine Abfolge technischer Verbesserungen beim Lichterzeugen ist. Jede Epoche verändert auch Kultur, Architektur, Arbeit, Gesellschaft und das Verhältnis des Menschen zu Licht und Dunkelheit. Alte Lichtformen verschwinden dabei nicht vollständig, sondern bestehen neben neuen Technologien weiter. Ihre Bedeutung insgesamt nimmt aber ab.
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