18.04.2026
Das Licht ist nicht dazu da,
die Dunkelheit zu besiegen,
sondern um dem Leben
Raum und Rhythmus zu geben.
Anonymus
Gestern schrieb ich zusammen, was eine KI aus meinen Beiträgen der letzten 15 Jahre zum Licht und zur Beleuchtung extrahiert hatte (Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren). Kurz gesagt, soll ich einen radikal nutzerzentrierten Ansatz verfolgt haben und auf folgende Aspekte Wert gelegt:
Nun wollte ich wissen, ob man diese Denke auch mit der Methode eines antiken Philosophen vermitteln kann. Eigentlich sind es zwei, die sich ergänzen. Sokrates war der Gelehrte, der sich weigerte, seine Gedanken schriftlich zu verfassen. Sein Schüler Platon vermittelte die Lehren an die Nachfahren, auch schriftlich, sodass wir viel von Sokrates wissen. Platon hielt aber nicht allzu viel von Abhandlungen und behandelte die Ideen lieber in Dialogen. Ich fragte die KI, ob man dies auch mit Licht tun kann. Nachfolgend die Reaktion der KI ohne redaktionelle Änderungen.
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Das ist eine faszinierende Idee. Um den Bogen zwischen der antiken Philosophie und der modernen Ergonomie zu schlagen, stellen wir uns ein Gespräch zwischen Sokrates (als Suchendem) und Ahmet (als dem Experten für das Licht) vor.
Ort: Ein schattiger Platz unter einer Platane, während die Sonne langsam sinkt.
Der Dialog: Über das Wesen des wahren Lichts
Sokrates: Sage mir, Ahmet, du, den sie den Meister der Strahlen nennen: Wenn wir ein Haus bauen für jene, die im Überfluss leben, müssen wir dann nicht das hellste Licht wählen, damit sie ihren Reichtum in jedem Winkel bestaunen können? Ist Licht nicht einfach die Abwesenheit von Dunkelheit?
Ahmet: (lächelt) Du stellst die Frage so, als wäre das Auge ein bloßer Becher, den man mit Photonen füllen muss, bis er überläuft. Aber sage mir, Sokrates: Wenn du ein Festmahl genießt, schüttest du dann alle Weine und Speisen zu einem einzigen Brei zusammen, nur damit der Bauch schneller voll werde?
Sokrates: Bei den Göttern, nein! Das wäre ein Gräuel. Die Vielfalt und die Abfolge der Speisen machen doch erst das Mahl aus.
Ahmet: Und doch verfahren die Menschen in ihren Palästen des Handels – jenen Orten, die sie „Büros“ nennen – genau so. Sie gießen einen Teppich aus Licht über alles, gleichmäßig und starr, fünfhundert Einheiten stark, vom Sonnenaufgang bis tief in die Nacht. Sie nennen es „Norm“, ich aber nenne es visuelle Tyrannei.
Sokrates: Du sprichst von Tyrannei? Das ist ein hartes Wort für eine Lampe.
Ahmet: Ist es nicht tyrannisch, dem Auge die Ruhe zu rauben? Das Auge, Sokrates, ist ein Jäger. Es braucht Kontraste, um die Welt zu verstehen. Ein Raum ohne Schatten ist ein Raum ohne Wahrheit. Er ist flach wie eine Lüge. Die ideale Beleuchtung in deinem luxuriösen Haus darf niemals ein Teppich sein. Sie muss eine Landschaft sein.
Sokrates: Eine Landschaft? Erkläre mir das.
Ahmet: In der Natur gibt es das Licht unter dem Baum, das glitzernde Wasser und die dunkle Höhle. Der Mensch fühlt sich dort wohl, wo er wählen kann. In einem edlen Hause sollte das Licht dort sein, wo die Tat ist – hell über dem Buche, sanft am Ruheplatz und verborgen in den Nischen. Wer das Licht überall gleich stark macht, macht es überall gleich wertlos.
Sokrates: Ich verstehe. Aber was ist mit der Farbe des Lichts? Die Sophisten sagen, weißes Licht sei das reinste, da es der Mittagssonne gleicht.
Ahmet: Die Sophisten vergessen die Zeit, Sokrates. Die Sonne ist eine Wanderin. Am Mittag ist sie kühl und fordernd, doch wenn sie sich dem Horizont neigt, wird sie golden und zärtlich. Ein Licht, das am Abend noch so weiß strahlt wie am Mittag, ist ein Betrug an der Natur des Menschen. Es flüstert dem Körper zu: „Wache auf!“, während die Seele nach Schlaf dürstet. Das ist die Wurzel vieler Übel und Krankheiten.
Sokrates: Also ist das ideale Licht jenes, das mit uns altert über den Tag?
Ahmet: Genau so. Und noch eines: Es muss dem Menschen gehorchen. Ein Haus, in dem das Licht von Geisterhand – sie nennen es heute „Automatik“ – an- und ausgeht, ohne dass der Bewohner es will, raubt ihm die Freiheit. Der Mensch muss Herr über seinen Schein sein.
Sokrates: So ist die ideale Beleuchtung also eine Mischung aus Schatten und Glanz, aus Wärme und Kühle, stets dem Wandel der Zeit und dem Willen des Bewohners folgend?
Ahmet: Du hast es erfasst. Das Licht ist nicht dazu da, die Dunkelheit zu besiegen, sondern um dem Leben Raum und Rhythmus zu geben. Wer das versteht, baut keine Häuser mit Lampen, sondern erschafft Orte für die Seele.
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Wahnsinn, was die KI aus einem technischen Blog so alles macht. Einst glaubte man an den Turing-Test, wonach der Tag der Singularität gekommen wäre, wenn man eine Frage stellt und aus der Antwort nicht schließen kann, ob ein Mensch geantwortet hat oder eine Maschine. Der obige Text verstärkt den Eindruck, dass wir die Singularität weit hinter uns haben.
Umso schlimmer finde ich es, in welchem Maße unser Wissen von Phantomen beherrscht wird, von Geistern von gestern. Diese habe ich ausführlich für die Lichttechnik, aber auch allgemein für die Wissenschaft beschrieben (s. Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen, und Die Phantome der anderen). Dass Maschinen den Turing-Test immer leichter bestehen, war der Technologie zu verdanken. Dass wir uns nicht von Gestern lösen können, verdanken wir den Schwächen der Menschen, die solche Technologien schaffen können.
09.04.2026
Die Vergangenheit ist nicht tot,
sie ist nicht einmal vergangen.
William Faulkner
Die Wissenschaft versteht sich als fortwährende Suche nach Wahrheit, wobei anerkannt wird, dass absolute Wahrheit unerreichbar bleibt. Dennoch ist der Prozess der Erkenntnisgewinnung geprägt von der Hoffnung, durch neue Einsichten bestehende Annahmen zu überwinden. In der Beitragsserie Phantome, die unser Wissen beherrschen beschreibe und kommentiere ich Wissen, das man gerne als “überkommen” bezeichnet. Das negative Urteil stimmt aber nicht immer. Ähnlich häufig darf man das Wissen überliefert oder tradiert bezeichnen. Mein Urteil über alles fällt eher neutral aus. Manchmal handelt es sich dabei um Grundwissen, das man besser nicht in Frage stellt. Zuweilen hat es längst ausgedient und niemand hatte Zeit, um es auszuräumen. Es kann auch sein, dass das Wissen ein Hindernis für neues Wissen darstellt. Meine Phantome geistern in der Lichttechnik, obwohl ihre Zeit längst abgelaufen ist.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Ersten
Mehr Licht führt nicht automatisch zu einem helleren Raum oder besserem Sehen. Entscheidend ist weniger die gemessene Beleuchtungsstärke (Lux) auf der Arbeitsebene als die Verteilung und Richtung des Lichts: Ungünstige Leuchtdichteverhältnisse zwischen Sehaufgabe, näherer Umgebung und Raumflächen können trotz höherer Luxwerte zu Blendung oder sogar zu einem „dunkleren“ Helligkeitseindruck führen (Faustregel 10:3:1). Die einst als modern angesehene, stark auf die Arbeitsebene gerichtete Beleuchtung kann Wände und Decke unterbelichten und damit die Raumwirkung verschlechtern. Beispiele aus Innenräumen und der Natur zeigen, dass vertikale Flächen und reflektierendes Licht das Helligkeitserleben prägen; folgerichtig berücksichtigen neuere Normen auch Wand- und Deckenbeleuchtung und legen eigentlich nahe, stärker mit Leuchtdichten statt nur mit Beleuchtungsstärken zu planen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Zwoten
Der Beitrag zeichnet die über 110-jährige Geschichte von Beleuchtungsregelungen im Arbeitsschutz nach und stellt die Frage, ob solche Vorgaben heute noch nötig sind oder ob sie – wie bei anderen technischen Entwicklungen – obsolet werden könnten. Er unterscheidet dabei zwischen Not-/Sicherheitsbeleuchtung (deren Bedeutung eher zugenommen hat) und Regeln zur visuellen Umgebung, die trotz stark veränderter Lichtverhältnisse nur unvollständig abgedeckt ist (u. a. durch Landesbauordnungen, ArbStättV und ASR A3.4). Kritisiert werden besonders vage oder unzureichende Vorgaben etwa zur Blendung sowie Inkonsistenzen zwischen staatlichen Regeln, DGUV-Veröffentlichungen und der Norm DIN EN 12464-1 (z. B. bei Flimmern und Tageslicht). Die Praxis steht dadurch vor dem Dilemma, dass sich Betriebe in der Gefährdungsbeurteilung auf Normwerte stützen sollen, deren Schutzwirkung arbeitsrechtlich fraglich sein kann, während neue Themen wie nichtvisuelle/circadiane Lichtwirkungen kaum regelbar sind. Quintessenz: Trotz vieler Regelwerke fehlt eine konsistente, wissenschaftlich sauber begründete und praxisgerechte Gesamtsystematik der Beleuchtungsanforderungen in Arbeitsstätten.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Dritten
Der Beitrag zeichnet nach, wie seit Edison und Luckiesh die Idee verfolgt wird, Tageslicht technisch zu ersetzen – und warum diese Gleichsetzung von natürlichem und künstlichem Licht (in Innenräumen) auf einem grundlegenden Irrtum beruht. Zentral ist die These, dass nicht nur Spektrum und Farbtemperatur zählen, sondern vor allem die in Innenräumen prinzipiell nicht erreichbare Lichtmenge sowie die enorme Vielfalt realer Tageslichtbedingungen. Daraus folgen Fehlannahmen in Normung, Praxis und in heutigen Konzepten „biologisch wirksamen“ Lichts.
Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Vierten
Der Beitrag kritisiert die hartnäckige, aber schlecht begründete Behauptung (u. a. nach Hartmann 1977), dass in einem Raum keine Lichtquellen unterschiedlicher Lichtfarbe oder Farbwiedergabe kombiniert werden dürften, weil dies angeblich „Zwielicht“ und Augenbeschwerden verursache. Er zeigt, wie der Zwielicht-Begriff auf Tageslicht-Ergänzung und gemischte Lichtfarben ausgeweitet wurde, obwohl die zugrunde liegende Theorie heute als widerlegt gilt. Trotzdem prägt sie weiterhin die Beleuchtungspraxis (z. B. „neutralweiß“, Verdrängung von Tischleuchten, Argumente für fensterlose Räume), bevor der Text mit dem Fazit des ehemaligen Vorstandes der LiTG Hajo Richter schließt: „Es gibt kein Zwielicht in Innenräumen.”
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Fünften
Dieser Beitrag behandelt die Entwicklung und Bedeutung von Lichtkonzepten im Arbeitsumfeld, insbesondere die Entstehung des Begriffs „Allgemeinbeleuchtung“ und dessen historische Wurzeln. Es wird erläutert, wie sich die Beleuchtung von lokalen Lichtquellen zu einer gleichmäßigen Grundbeleuchtung wandelte, und welche Rolle technische Fortschritte sowie gesetzliche Regelungen dabei spielten. Darüber hinaus werden verschiedene Arten der Beleuchtung, wie Allgemeinbeleuchtung und Platzbeleuchtung, beschrieben und deren jeweilige Funktionen für Sicherheit und Arbeitsaufgaben im Raum herausgestellt.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Sechsten
Der Beitrag beschreibt das „Phantom“, die bis heute verbreitete Vorstellung, dass Sonnenlicht grundsätzlich gesund sei. Diese Idee entstand im Zuge der Industriellen Revolution, als Städte im Dunkel von Smog lagen und Menschen das Bedürfnis nach Licht hatten. Lichttechniker nutzten dies für künstliches „Tageslicht“, während Reformbewegungen wie die Progressiven versuchten, natürliche Helligkeit in Städte und Wohngebiete zu bringen. Dadurch wandelte sich weltweit das Schönheitsideal: Gebräunte Haut wurde zum Zeichen von Wohlstand und Gesundheit.
Heute besteht ein Spannungsfeld zwischen den Vorteilen und Gefahren der Sonne. UV-Strahlung ist lebenswichtig für die Vitamin‑D‑Produktion, kann aber gleichzeitig schädlich wirken und Haut- sowie Augenerkrankungen auslösen. Besonders im Sommer führt übermäßige Sonnenexposition zu akuten Belastungen wie Sonnenbrand, Hitzeerschöpfung oder Sonnenstich. Arbeitgeber werden vom Arbeitsschutz verpflichtet, Beschäftigte vor UV-Strahlen zu schützen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Siebten
Der Tageslichtquotient (D) beschreibt das Verhältnis zwischen der Beleuchtungsstärke im Innenraum und derjenigen im Freien unter einem komplett bedeckten Himmel. Entwickelt wurde das Konzept Ende des 19. Jahrhunderts von Alexander Pelham Trotter, um Innenraumbeleuchtung trotz ständig wechselnder Tageslichtbedingungen vergleichbar zu machen.
Obwohl der Ansatz seit 1895 nahezu unverändert existiert und in vielen Regelwerken weiterhin genutzt wird (z. B. DIN 5034, ASR A3.4, DGNB, LEED, BREEAM), ist er aus heutiger Sicht stark veraltet.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Achten
Der klassische Farbwiedergabeindex CRI/Ra basiert auf nur 8 blassen Testfarben und einem veralteten Farbraum. Er bildet reale Farbwahrnehmung schlecht ab, besonders gesättigte Farben wie Rot (R9). Moderne Lichtquellen wie LEDs können dadurch trotz hohen CRI schlechte Farbwiedergabe haben.
Neue Methoden wie IES TM‑30‑20 mit 99 Testfarben, Rf (Fidelity) und Rg (Gamut) liefern wesentlich präzisere und realistischere Ergebnisse. TM-30 zeigt realitätsnahe und differenzierte Ergebnisse – wichtig für Museen, Handel, Architektur und LED-Technik. Dennoch bleibt CRI in vielen Normen, einschließlich ISO/CIE 8995-1:2025, weiterhin vorgeschrieben. Das Phantom kann man eher als Zombie beschreiben.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Neunten
Der Beitrag erläutert, warum das Lambertsche Gesetz – ein mathematisches Modell für ideal diffuse Reflexion – in der realen Beleuchtungspraxis häufig zu Fehlinterpretationen führt. Ein Lambert-‚Strahler würde in alle Richtungen gleich hell erscheinen, doch kein reales Material verhält sich exakt so. Trotzdem wird dieser Idealzustand in vielen Normen und Berechnungen vorausgesetzt. Viele Normen und Regelwerke (z. B. DIN-Normen zu Arbeitsstätten, Sportstättenbeleuchtung, Bildschirmarbeitsplätzen) basieren auf Annahmen, die physikalisch nicht zutreffen. Sogar eine Grundgröße wie die Beleuchtungsstärke oder eine wichtige Größe wie der Reflexionsgrad machen nur Sinn, wenn man von einer Lambertschen Reflexion ausgeht.
Vorschriften zur Leuchtenanordnung und zum Arbeitsraum führten zu teils absurden Anforderungen (z. B. ausschließlich matte Oberflächen, stark eingeschränkte Raumzonen für Arbeitsplätze). Viele Anforderungen sind praktisch nicht erfüllbar und werden daher ignoriert – zu Lasten der Benutzer. Man hätte besser mehr diffuses Licht statt direkter Beleuchtung vorsehen sollen, entspiegelte Bildschirme statt Vorschriften zu deren Aufstellung. Man muss anerkennen, dass das Lambert-Modell ein hilfreiches Ideal ist, aber keine reale Grundlage für praktische Normen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Zehnten
In der Lichttechnik wird Helligkeit bis heute mit einer Standardkurve (V(λ)) bewertet, die vor rund 100 Jahren aus Messungen an wenigen, jungen erwachsenen Männern abgeleitet wurde.
Diese Kurve steckt hinter fast allen wichtigen Lichtangaben wie Lumen und Lux – und verleitet dazu zu glauben, sie beschreibe die Hellempfindung „des Menschen“ allgemein. Tatsächlich sehen ältere Menschen, Kinder und auch viele Tiere oder Pflanzen Licht anders, sodass gleiche Messwerte in der Praxis sehr unterschiedliche Wirkungen haben können.
Neuere Kennzahlen wie „melanopische“ Beleuchtungsstärken sollen biologische Effekte des Lichts besser erfassen, sind aber ebenfalls von Alter und Lichtspektrum abhängig und dadurch kompliziert zu verwenden. Mit der Einführung melanopischer Kenngrößen (CIE S 026/E:2018) wird die Problematik sichtbar verschärft: Melanopische Beleuchtungsstärken (z. B. mel-EDI) sind explizit alters- und spektralabhängig; ein Zahlenwert gilt nur für definierte Referenzbedingungen (u. a. ein Referenzalter), während herkömmliche lichttechnische Größen diese Unterschiede nicht erfassen.
Die zentrale Botschaft ist: Lichtmesswerte sind keine einfache „Physiologie in Zahlen“, und gute Beleuchtung muss stärker auf unterschiedliche Menschen und Anwendungsfälle abgestimmt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Licht valide gemessen wird, d.h. ein bestimmter Wert entspricht einer bestimmten Wirkung.
08.04.2026
Innovation ist oft nur das Wissen von gestern,
das heute an einem Ort angewendet wird,
an dem es vorher noch nie war.
d. Blogger
Die Forschung um die Lichtwirkungen auf die Biorhythmen des Menschen liefert eine neue Facette, die zunächst die Forschung selbst betrifft: Wie messe ich die Körperzeit eines Menschen? Danach kommt die praktische Anwendung: Studien zufolge kann die Tageszeit, zu der beispielsweise bestimmte Krebsimmuntherapien verabreicht werden, deren Wirksamkeit entscheidend beeinflussen. Man weiß es im Prinzip schon sehr lange, dass der gleiche Wirkstoff morgens anders wirkt als abends. Dass man das Prinzip präzise auf das Individuum herunterbricht, ist hingegen neu
Dies meldete der Berliner Tagespiegel am 08. April 2026. Anders als die UTC, Coordinated Universal Time, die für alle Menschen gilt, oder GMT, die nur noch für die Briten gilt, gilt die Körperzeit für ein einzelnes Individuum. Zwar synchronisiert das Licht der Sonne die circadianen Rhythmen aller Menschen mit dem Rhythmus von 24 Stunden. Aber das Individuum behält seinen Takt. Diesen individuellen Takt der inneren Uhr in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, ist Ziel der sogenannten circadianen Medizin, auch genannt Chronopharmazie.
Die Bestimmung der Körperzeit erfolgt bislang meistens im Speichel. Die Meldung im Tagesspiegel besagt, dass sie nur bei schwachem Licht über mehrere Stunden ermittelt werden kann. Das liegt an der Praxis der Schlafforschung. Der neuartige Test soll die Bestimmung an Haarproben ermöglichen.
Der Protagonist der Studie an der Charité Berlin, Prof. Achim Kramer, steckt hinter Bodyclock, einem Team, das diesen Test auch vermarktet. Das Produkt nennt es “weltweit ersten RNA-Haartest zur Bestimmung der inneren Uhr” : Dieser einzigartige Test hilft unseren Kunden dabei, ihre innere Uhr und ihren Schlaftyp (Chronotyp) kennenzulernen und mit personalisierten Empfehlungen den Schlaf zu verbessern, die Gesundheit zu stärken und Krankheiten zu vermeiden.
In diesem Blog meide ich alles, was nach Werbung aussieht oder klingt. Im vorliegenden Fall erinnere ich mich aber an zwei Personen, die mehrere Monate nicht schlafen konnten. Ihnen wurde mit der circadianen Medizin derart gründlich geholfen, wie ich es eher für gelogen gehalten hätte. Daher gebe ich die Webadresse gerne weiter. Man kann sich dort ausführlich über circadiane Rhythmen und ihre Bedeutung informieren.
Das folgende Video ist vom ZDF und wird auf der Website von Bodyclock zitiert. Das nächste Video fand ich informativ. Das letzte Video erklärt alles spielerisch-sachlich.
11.03.2026
Das Experiment war ein voller Erfolg.
Lediglich die Realität hat sich
geweigert, mitzuspielen.
d. Blogger
Vor 5 Jahren überraschte die internationale Elite der Chronobiologen die Lichtwelt mit einer Erklärung[1]. Sie verordnete allen Menschen ein biologisches Lichtregime, auf dass ihre Körperrhythmen mit dem Verlauf des Tages schwingen mögen.

Screenshot
In einem Beitrag zum 13. Symposium Licht und Gesundheit 2026, mit dem Titel “Wie viel Licht erreicht uns wirklich? Erkenntnisse aus der Dortmunder MeLiDos-Studie”, stellten Kai Broszio, Johannes Zauner und Manuel Spitschan vor, wie die melanopische Beleuchtungswirkung am Standort Dortmund aussieht.
Es wurden drei Größen betrachtet:
Die Anforderung der Chronobiologen hieße >TAT250 von 06:00 bis 19:00 Uhr. In Klarschrift: Biologisch gesund ist die lichte Umgebung, wenn das melanopisch wirksame Licht zwischen 06:00 und 19:00 Uhr 250 lx überschreitet. Das sind „melanopische“ Lux und werden nach einer Geheimformel, Pardon nach einer CIE-Norm, berechnet. Die Forschenden wollten aber echte Werte wie im echten Leben messen.
[1] Timothy M. Brown, George C. Brainard, Christian Cajochen, Charles A. Czeisler, John P. Hanifin, Steven W. Lockley, Robert J. Lucas, Mirjam Münch, John B. O’Hagan, Stuart N. Peirson, Luke L. A. Price, Till Roenneberg, Luc J.M. Schlangen, Debra J. Skene, Manuel Spitschan, Céline Vetter, Phyllis C. Zee, Kenneth P. Wright Jr Recommendations for healthy daytime, evening, and night-time indoor light exposure
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Das Ergebnis fällt sehr ernüchternd aus.
| Melanopische Beleuchtungsstärken (mel-EDI) | |
| Tageszeit 08:00–18:00 | ca. 90 lx – 130 lx |
| Mittagsfenster 11:00–14:00 | ca. 120 lx – 180 lx |
| Abend 18:00–22:00 | ca. 5 lx – 15 lx |
Der Grenzwert von 250 lx wurde 0,8 h – 1,4 h/Tag (Median) überschritten, und nicht etwa täglich für 11 Stunden. Melanopische Beleuchtungsstärken von über 1000 lx sahen die Probanden 0,2 h/Tag. An den meisten Arbeitstagen wurden 1000 lx nie überschritten.
In einem Beitrag in licht-formt-leben.de kommentiere ich die Projektergebnisse und erkläre, warum sie zu erwarten waren. Es gibt auch eine Erklärung dafür, warum die Chronobiologie so falsch liegen könnte. Allerdings liegt sie nur mit dem Konzept der Belichtung falsch. Viel mehr Licht als in Innenräumen vorhanden brauchen wir trotzdem.
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09.03.2026
Ein Bild sagt 1000 Worte.
Mir genügt eins.
d. Blogger
Heute habe ich einen Artikel gelesen, in dem erklärt wird, wie HCL wirkt. Damit auch solche Leute wie ich die Sache verstehen, hat der Autor netterweise sein Modell mit einem Bild klar gemacht. Die Legende des Bildes macht einen wirklich neugierig: "Theorie- und befundbasiertes HCL-Wirkmodell nach Wessolowski. Das Modell ist empirisch testbar, mittels Strukturgleichungsmodellen optimierbar und konzeptionell erweiterbar. Die numerisch dargestellten Literaturhinweise sind in Wessolowski (2024) sowie in Wessolowski & Ostrowski (2025) dokumentiert."

Um dieses Bild zu verstehen, muss man nur noch zwei Artikel vom Autor lesen und 40 Artikel an 17 Stellen des Diagramms inhaltlich zuordnen. Schon ist man in der Lage, das Ganze mit Strukturgleichungsmodellen zu optimieren. Der Autor hat nur vergessen anzugeben, wofür oder für wen.
Mit dem Optimieren würde ich erst einmal mit den Farben anfangen. Leider wurde die Norm DIN 66234-5:1978 abgeschafft, in der angegeben wurde, welche Farben für die Schrift gewählt werden dürfen, wenn der Hintergrund dunkelblau oder dunkelgrau ist. Das sieht zwar ein Blinder mit dem Krückstock, aber nicht unbedingt einer, der die gesundheitlichen Wirkungen von Licht modelliert.
Der Autor schreibt: "Licht ist mehr als ein rein visueller Reiz; es moduliert Aufmerksamkeit und kognitive Prozesse." Meine Aufmerksamkeit ist derart moduliert, dass ich schlecht schlafen kann, bis ich die 40 Artikel richtig zuordnen kann.