Posts in Category: OLED

Licht und Fortschritt

30.07.2014

Osram kürzt im Lichtbereich …

Es ist nicht lange her, dass hier berichtet wurde, dass Osram im Lichtbereich kürzt. Heute steht wieder in der Presse, dass es 7.800 Arbeitsplätze sind, die wegfallen. Von 35.000 = 22%! Dabei sollte das Jahr 2015 das UN-Jahr des Lichts werden. Und einer der größten auf der Welt kürzt? Müssen wir mit weniger Licht rechnen?

Ich denke nein. Es wird mehr Licht geben - allerdings nicht mehr von den üblichen Verdächtigen. Warum ich so denke? Das will ich mit einer Statistik erklären. Die Daten stammen aus der Analyse der Festschrift, die die 100 Jahre des Bestehens der LITG dokumentierte:
Als die Lichttechnische Gesellschaft Deutschlands 2012 eine Bilanz der 100 Jahre ihres Bestehens zog, enthielten die Vorträge das Wort Leuchtstofflampe, die Technologie, die Osram und ähnliche großgezogen hatten, 93-mal. Hingegen war LED 1385-mal zu lesen. Und LEDs werden in anderen Küchen gekocht als in den alteingesessenen Laboren der Lichttechnik, wie man sie bei Osram bewundern konnte.

Ich habe die Statistik nach Begriffen gesucht, die mit Licht in engem Zusammenhang stehen. Daraus kann man ableiten, woran man bei der Festschrift nicht gedacht hat, und was vermutlich die nächste Generation zu versäumen gedenkt: 

  • Arbeit: Ohne die Produkte der Lichttechnik – keine 24/7-Gesellschaft, keine Nacht- und Schichtarbeit! In 100 Jahren hat die Technologie des künstlichen Lichts das menschliche Leben auf den Kopf gestellt. Es sind nicht nur die Lampen, die das Arbeiten in der dunklen Zeit ermöglichen, sondern auch Milliarden Lampen und Anzeigen in Geräten und Maschinen. Ohne künstliches Licht – keine moderne Arbeitsorganisation, keine moderne Technik, keine weltweiten Kommunikationsnetze. Was haben die Vorträge darüber erzählt? Nichts!
  • Barrierefreiheit - Jeder darf am öffentlichen Leben teilhaben, jeder darf jedes Gebäude, jeden Raum nutzen, so er will. Die Barrierefreiheit hat ihre Karriere 1965 in den USA in öffentlichen Gebäuden begonnen, im Internet noch lange nicht beendet. Ohne Licht - kein Raum! Stimmt. Wie schafft man aber Raum, damit jeder ihn nutzen kann? Das Wort kam während des ganzen Kongresses nicht einmal vor. Im Tagungsband exakt 0-mal.
  • Wohlbefinden: Licht soll ein Wohlfühlfaktor sein, das Leben und Arbeiten erleichtern, zuweilen überhaupt möglich machen. Ergo soll es zur Arbeitsleistung beitragen. Immerhin wurde das Wort einmal benutzt. Dabei soll es angenehm sein. Das Wort „Annehmlichkeit“ kam 0-mal vor. Ebenso häufig war von Behaglichkeit die Rede – 0-mal!
  • Arbeitsschutz: Der Arbeitsschutz gibt die Zauberformel für das Marketing her, das Licht über Beleuchtungsnormen verkauft - nicht seit gestern, sondern seit etwa 1935! Dieser wurde nicht vergessen - zweimal wurde er in drei Tagen genannt. Immerhin! Noch nie hat die Lichttechnik so klar demonstriert, was sie vom Arbeitsschutz hält: nichts!

Was dürfen wir von einer Branche erwarten, deren 100-Jahre-Bilanz 1.501-mal eine kräftig gepuschte, noch nicht ausgereifte Technik enthält (LED+OLED), aber Komfort nur 10-mal und Behaglichkeit überhaupt nicht?

Die Zukunft hat begonnen. Heute hat mich das Jahrbuch 2013 der besagten Firma erreicht. Dort steht „Licht ist Leben … Licht ist OSRAM“. Und wo gibt es Licht? Z.B. in Sportstätten:Ob es bei Osram noch einen Lichttechniker gibt? Schwer zu sagen. Wenn er da war, hat er bei dem Verfassen des Spruchs oben geschlafen. 

Licht und Dusche

20.05.2013

Energiesparen mit LED - aber clever!

Hier soll nicht die gängige Geschichte erzählt werden, dass der LED die Zukunft gehöre, weil sie Energie spare beim Leuchten. Bei dieser Sache spielt die LED eine mittelbare Rolle. Mich fasziniert diese aber, weil damit ein persönliches Problem gelöst wird, das mich seit meiner Kindheit quält. Die Einsparung an Energie kommt als Zusatz obendrauf. Mindestens zweifach, der ökologische Nutzen.

Das Problem, mit dem ich lange gekämpft hatte, bestand in Thermen und Badezimmeröfen, die bekanntlich ihr wohliges Warmwasser nicht am Wasserhahn produzieren, sondern woanders. Von da muss es an den Wasserhahn kommen, bzw. aus demselben. Zu meiner Kindheit sah das so aus, dass ein höher gelegener Wasserkasten das kalte Wasser in den Ofen drückte, und dieser das warme Richtung Hahn. Bei mir war es meistens die Dusche. An der Mischbatterie drückte aber das Stadtnetz das kalte Wasser auch dahin.

Sofern alle Verhältnisse gleich bleiben, kann der duschende Mensch die Mischung einstellen und sich in aller Seelenruhe einseifen. Die bleiben aber nicht so. Wenn der Nachbar seine durchaus menschlichen Bedürfnisse von sich gegeben hat, und diese nun endgültig entsorgen will, bekommt der Duschende einen Schock, einen heißen. Umgekehrt, einen eiskalten, wenn er die Mischbatterie eingestellt hatte, als der Nachbar …

Später hatte unsere Familie eine Therme, die in den Jahren nach 1973 „druckgesteuert“ hieß. Vorher hieß sie gar nichts, weil alle Thermen immer druckgesteuert waren. Man musste das Verhältnis zwischen kalt und warm in einer Weise einstellen, die kein Mensch verstehen kann. Also, man versucht, seine Wunschtemperatur einzustellen, indem man schnell kalt und warm auf- und zu dreht. Dummerweise kommt die Nachricht bei der Therme mit einer Zeitverzögerung an, die ihr Wasser mit einer weiteren an den Hahn abgibt. Wenn die Nachricht überhaupt als die gemeinte Wunscherklärung ankommt, ist man ja noch zufrieden. Wenn man nämlich von einer Wassersorte - kalt oder warm - zu viel gibt, denkt die Therme, d.h. ihre Drucksteuerung, man hätte den Wasserhahn zugedreht. Daher stellt sie die Produktion von Warmwasser ein. Schock! Eiskalte Dusche! Dies passiert auch mal, wenn man sein Haar eingeseift hat. Da nützt einem die Beleuchtung im Bad nichts, weil man mit geschlossenen Augen durch die Gegend wankt. Solche Dinge passieren einem häufiger, wenn die Nachbarn etwa gleichzeitig duschen oder in die Badewanne steigen. Man kann zwar deren Gepflogenheiten studieren, um den günstigsten Zeitpunkt für das eigene Duschen auszubaldowern. Das gilt aber als nicht fein. Womöglich erfährt man, dass die Störungen unter der eigenen Dusche ausbleiben, weil die Nachbarn gar nicht …

Wie unangenehm die Sache auch sein mag, unangenehmer ist die Nebenwirkung, dass man jede Menge Wasser und Energie verbraucht, bis  die Therme geregelt ist. Oder zeitweilig richtig eingestellt. Dies wurde in der ersten Energiekrise des Jahres 1973 erkannt. Rufe nach dem Thermentod wurden laut. Irgendwann hat ein Ingenieur das Problem so gelöst, dass man die Therme sogar im Voraus für Mann und Frau getrennt einstellen kann, und auch gradgenau. Und die Regelung findet in der Therme statt, elektronisch. Seine geistige Leistung erspart uns bestimmt mehr CO2 als das ganze Glühlampenverbot.  Trotzdem wird man kein Denkmal zu seinen Ehren finden. Ingenieure „ehrt“ man nur, wenn sie Mist gebaut haben. Oder kennt etwa jemand ein Denkmal mit dem Namen des Mannes, der die Zwangskühlung von Automotoren abgeschafft hat? Er hatte gemessen, dass etwa 5% der Motorenleistung von Autos auf den Propeller entfielen, der sich unablässig drehte. Seit etwa 1970 dreht dieser sich nur, wenn er gebraucht wird. Und das passiert sehr selten. Bis dato hatte man das Problem übersehen, weil die führende Autonation die Leistung von Motoren ohne Nebenaggregate maß. Das ist so, als wenn man die Effizienz von Lampen ohne Vorschaltgeräte misst. (Nehme zurück, schlechtes Beispiel).

Durch die Leistung unseres unbekannten Ingenieurs reduzierte sich der Verlust an Wasser und Energie drastisch, aber nicht ganz. Mich ärgerte es immer noch, dass ich erst das Wasser anstellte und wartete, bis es warm genug war. Ich könnte vorher unter die Dusche gehen und warten, bis das Wasser warm wird. Das tun aber nur wenige Hartgesottene. Ich schätze, ich verliere etwa drei Liter Warmwasser zu diesem Zweck. Es scheint wenig zu sein, ist aber nicht. Denn man kann sich mit etwa 10 l Wasser sauber bekommen, wenn man sparen muss. Ein Verlust von 30% ist nicht gerade wenig. Auch sonst braucht man nicht viel mehr Wasser, um sauber zu werden. Wenn man mehr verbraucht, ist es Luxus.

Das Tüpfelchen auf dem I lieferte ein - wieder - unbekannter Ingenieur. Seine LEDs leuchten kalt, wenn die Dusche kalt ist. Man sieht, wie das Wasser warm wird, und kann so seine Schritte in die Duschkabine vorausplanen. Und den Strom produziert der Duschkopf selbst. Dazu nimmt er dem Wasserstrahl etwas Energie weg, was aber keinen Verlust bedeutet.  Denn der Strahl wirkt sanfter. Wenn man vom Nass getroffen wird, ist es ein Wohliges. Fehlt nur noch, dass der Duschkopf die „Forelle“ einstimmt. Genug Energie hat er ja. Es lohnt sich, sich einen Kopf zu machen.

Die ultimative Lösung meines Problems mit der Therme verdanken wir einer Eigenschaft der LED, die kaum eine andere Lichtquelle bieten kann: Eine Nano-LED misst 0,00009 mm (90 nm). Eine Subminiatur-Glühlampe aus dem Modellbau ist mit 1,5 bis 3,0 mm etwa 33.000-mal größer. Die kleinste LED ist somit etwa so groß wie ein Virus und kann mit dem bloßen Auge nicht gesehen werden. Auch ein Novum: Eine Lichtquelle, die man nicht sehen kann. 

Licht und Seltene Erden

01.09.2011

AUF SELTENEN ERDEN GEWACHSEN

Was zeichnet einen Industriekapitän aus, um eben als Kapitän tituliert zu werden? Z.B.: Weitsicht? Ja, er sieht die Felsen, bevor sie am Horizont auftauchen. Vorsicht? Ja, er umschifft die Felsen weiträumig. Wer weiß, vielleicht fällt die Maschine gerade dann aus, wenn man in der Nähe der Felsen ist. Umsicht? Ja, er erfasst die Stimmungslage aller um ihn herum und tariert die Interessen aus. Rücksicht? Ja, er ist stets bedacht, die Betroffenen nicht dumm aussehen zu lassen. Weise Voraussicht? Ja, sonst wäre er ja nicht lange Kapitän und säße auf dem nächsten Felsen.

Wie kommt man an einem 1. September auf die Idee, über Kapitäne und Industrie zu sinnieren? Weil dieser 1. September nicht wie jeder andere ist. Seit 00:00 Uhr morgens, ich meine Mitternacht, ist die Glühlampe weg. Nicht ganz, aber fast. Und just zu diesem Zeitpunkt tickerte die DPA die Nachricht, dass OSRAM die Preise für „Energiesparlampen“ kräftig erhöhe, so um 25% nach "Financial Times Deutschland". Und die Dinger heißen laut Spiegel online jetzt „Öko-Leuchten“.

Den OSRAM-Chef trifft da keine Schuld. Schuld sind die Seltenen Erden. Und an deren Knappheit ist schuld: China! Diese Kommunisten kontrollieren die meisten Vorräte der Welt und wollen das Zeug nicht mehr umsonst verteilen. Das alles hat sich in der Nacht zwischen Mittwoch und Donnerstag herausgestellt oder überhaupt ereignet. Man hätte ja gar nicht vorstellen können, dass die Nachfrage nach dem Öko-Licht so plötzlich aufflammen würde. Denn der Preisaufschlag bei Festplatten, auch Verbraucher Seltener Erden, beträgt nur 5%. 25 % Aufschlag auf den Endpreis wegen Rohstoffen? Das gibt es nicht mal beim Bäcker, wenn sich der Mehlpreis verdoppelt. Da muss jede Menge Seltene Erden in jeder Öko-Lampe stecken. Offensichtlich sind sie nicht so selten. Da wundert es nicht, dass der NDR im April berichtet hatte, Energiesparlampen gäben beim Leuchten giftige Gase ab. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Lampen im Betrieb womöglich Dämpfe freisetzten, darunter insbesondere Phenol - ein Stoff, der im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Die Prüfer hätten in den Lampen "einen ganzen Cocktail an giftigen Substanzen" ausfindig gemacht. Muss man das durch eine Prüfung ermitteln? Nein! Das Umweltbundesamt hat nämlich flugs eingesprochen, dass es zu erwarten gewesen sei, dass Lampen beim Betrieb Gase freisetzten. Aber die Konzentrationen in den Wohnräumen blieben vernachlässigbar gering. So ist unser UBA. Schützt zuverlässig die Umwelt, die industrielle.

Die DPA meldet weiter: „Auch beim niederländischen Konzern Philips sind für Deutschland durchschnittliche Preissteigerungen zwischen 20 und 25 Prozent geplant, sagte ein Sprecher des Unternehmens.“ Die Niederländer sind eben so. Bis die merken, dass die Rohstoffpreise in einer Nacht tsunamiartig anschwellen, dauert es ein Weilchen. Oder haben die etwa einen Wink von einem niederländischen Ölkonzern bekommen, dass Preiserhöhungen mehrerer Firmen im Gleichtakt die Kartellwächter aus dem Tiefschlaf holen? Die haben ja noch nicht einmal das Lichtkartell von 1924 gerochen. Nu soll man nicht gleich neue Lunte unter die Nase reiben.

Die Politik, die so große Stücke auf die „Energiesparlampe“ hielt, dass mancher Parteichef in seinem Wahlkampf die „Öko“-Lampen verteilen ließ, damit es weniger Quecksilber über Deutschland regnet, und andere Parteichefs im Fernsehen einträchtig die CO2-arme Zukunft herbeigetalkt haben, steht ganz schön dumm da. Den Aphorismus von gestern, „Wer den Zeitgeist heiratet, wird bald Witwer sein.“, lasse ich heute stehen. Wer sich von einem Industriekapitän die Zukunft zusammenbasteln lässt, kann froh sein, wenn er auf einem Felsen aufläuft. Besser als einfach absaufen.

Was, wenn die Chinesen ihre Seltenen Erden ganz für sich behalten? Muss uns Angie die Kernkraftwerke wieder anfahren lassen und Glühlampen als Notration verteilen, damit wir nicht in CO2 untergehen?

Nur böse Zungen behaupten, es habe ein Kartell namens Phoebus gegeben, das Lampenhersteller 1924 ins Leben gerufen hätten, um der Glühlampe ihre Lebensdauer zu verkürzen. Ich denke, das ist genauso gelogen wie die Preiserhöhung für Energiesparlampen im Gleichschritt. 

Licht und OLED

31.08.2011

LED-NACHFOLGER KOMMT - FRAGT SICH WANN

Heute, am letzten Tag der 60 W Birne, die durch die Energiesparlampe ersetzt werden sollte, die durch LEDs ersetzt werden sollte, berichtet die Presse, dass OSRAM in LED-Nachfolger investiere. Der Berliner Tagesspiegel fängt die Meldung so an: „Noch heißt das Zauberwort bei den Lichtkonzernen LED – das Geschäft mit Leuchtdioden boomt.“ Nun, ja. Boomen tut da was mit LED, das sind die Meldungen. Ein Erfolg jagt die anderen, auf dem Papier. Indes, Geld macht man damit noch nicht. Deswegen steckt Philips in Schwierigkeiten, und Siemens muss OSRAM verkaufen. Ansonsten machen erst einmal andere Kasse, Anwälte, die Patentstreitigkeiten anfachen. Jeder lässt dem anderen den Verkauf von Produkten verbieten, wenn er gewinnt. Vorbild: die Branche mit den intelligenten Telefonen und mitunter weniger intelligenten Ingenieuren. Die sollen mit bis zu 250.000 Patenten geschützt sein, die Telefone. Die Ingenieure, die intelligenten, sind Urheber oder Mitarbeiter, zuweilen ungeschützt. Ein Leckerbissen für Patentanwälte.

Aber ehe sich das Geschäft in ein bread-and-butter-Geschäft verwandelt, sieht man sich bereits nach einem Nachfolger um. Es ist OLED! Der Chef von OSRAM hat - fast merkellike - große Worte in den Lichthimmel fliegen lassen: „Wir erleben einen dramatischen Wandel, wie ihn der Lichtmarkt vielleicht in den letzten 100 Jahren nicht erlebt hat“.

Stimmt. Vor hundert Jahren (und etwas mehr) hat sich Siemens mit Hilfe von Licht zu seinem Kerngeschäft verholfen: Verkauf von Generatoren und Stromkabeln. Denn es gab keine anderen Stromverbraucher. Und OSRAM war ein Warenzeichen der Deutschen Gasglühlichtanstalt. An dem Objekt beteiligten sich später Siemens, AEG und General Electric Company. Erst viel, viel später kaufte Siemens alles auf, weil nicht nur AEG, sondern auch OSRAM hatten angefangen, streng zu riechen. Als dann Siemens anfing, alle Bereiche abzustoßen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, wurde die Lichtsparte an eine Heuschrecke verkauft, während OSRAM wohl zum Kerngeschäft gehörig erkannt und behalten wurde.

Und nun das! OSRAM wird verkauft. Vielleicht um die LEDs besser und schneller zu entwickeln? Ja und nein. Die gestern gestartete Produktion von OLEDs (organische LEDs) ist wahrlich eine Revolution, weil diese Produkte eine scheinbar unaufhaltsame Entwicklung in der Technik der Leuchtmittel total umkehren. Das Gegenstück zu „immer größer, stärker, schneller“ in der Autotechnik hieß in der Lichtbranche immer heller, immer stärker. Je kleiner eine Einheit, aus der man den gleichen Lichtstrom rausholt, und je größer der Lichtstrom, den man aus der gleichen Menge Energie erzeugt, desto stolzer der Entwickler. Bis zur Ankunft der LED, meistens ein Physiker.

Was ist daran zu bemängeln? Das erfahren Leute, die unter einer Leuchtstofflampe arbeiten müssen. Von der einstigen T12-Lampe (Durchmesser 38 mm) zur T5-Lampe wuchs die Leuchtdichte von einigen Tausend auf etwa 40.000 cd/m², also um den Faktor 20. Da die Blendung etwa mit dem Quadrat der Leuchtdichte ansteigt, ist es kein Wunder, dass nur die Techniker die T5-Lampe offen genießen wollen. Für den Rest der Welt gehört die hinter einen Schleier. Der schluckt aber Licht. Die Lampe ist effizienter, eine Beleuchtung damit nicht unbedingt.

Die LEDs gehören in dieser Hinsicht in die gleiche Linie. In ihrem Kern weisen sie Leuchtdichten bis in siebenstellige Höhe auf. Deren Beherrschung ist weniger den Physikern als den Elektronikern übertragen. Die können natürlich vom Beruf Physiker sein. Und auch deren Kern-Kunst ist gefragt, weil das Beherrschen der Thermik derzeit die Hauptaufgabe ist.

Worin besteht die Revolution? Die OLEDs sind flächige Elemente, die sehr niedrige Leuchtdichten aufweisen und somit völlig andere Wege in der Beleuchtung aufzeigen. Das ist die eine Seite der Revolution. Die andere liegt in der Technik der LED, die verhältnismäßig kleine Lumenpakete erlaubt. Somit kann man auch flächig verteilte Beleuchtung realisieren, aber mit Punkten mit hoher Leuchtdichte. So kann man mit der einen Technik. OLED,  gleichmäßige Lichtschleier erzeugen, ohne jemanden zu blenden, und mit der anderen, LED, Glanzpunkte setzen.

Der OSRAM-Chef wird vermutlich Recht behalten. Ob sein bisheriges Personal seine Arbeit behalten kann, ist indes fraglich. LED, mit oder ohne O davor, verlangt nach anderen Fachleuten sowohl in der Technik der Leuchtmittel, als auch in der Technik der Leuchten. Derzeit besteht es vornehmlich aus Elektronik und Kühlkörpern. Es sind halt neue Zeiten.

Licht und Lügen drumherum

15.06.2011

LED - EINE MÄRCHENHAFTE LICHTQUELLE

Kann man die Unwahrheit sagen, ohne zu lügen? Oder lügen, indem man die Wahrheit sagt? Normalerweise nicht, aber bei „neuen“ Technologien schon. Das hatten wir z.B. in den 1980er Jahren, als die neuen IuK-Technologien (Informations- und Kommunikationstechnologien) über uns hereingebrochen waren. Was wurde da nicht gelogen! Telex, Teletex, Pattex … Alles Geschichte. Bei dem Internet hingegen ging die Sache so rasant vor sich, dass man nicht selber lügen konnte, man brauchte Profis dafür. Die Blase wuchs so schnell, dass allen schwindelig wurde, und sogar echte Profis von der Wirtschaft mussten sich als „Old Economy“ belächeln lassen. Pffft! Die Blase ging etwa im Jahr 2000 aus.

Ob wir bei LED auch mit einer Blase zu tun haben, kann man nicht sagen. Schwindelig wird einem aber dennoch, weil die ganze Lichttechnik nichts anderes mehr kennt. Heute fand ich eine köstliche Abhandlung darüber, deren Titel so aussieht:Der Autor, ein gewisser Dr. John W. Curran, zieht die Sache treffsicher durch den Kakao. Aber, Vorsicht! Der Mann kennt die Technologie wirklich gut. Kakao zubereiten auch.

So beschreibt er, dass die Lichtausbeute der LEDs, die oberhalb von 25 °C in die Knie geht, hervorragende Aussichten für eine Zukunft für Freilicht(!)-Anwendungen (nachts) und tiefgekühlte Räume (auch tagsüber) verspricht.

Aber auch andere bekommen ihr Fett ab, so z.B. diejenigen, die ein Leuchtmittel nur an seiner Lichtausbeute bewerten. Da sehen „alte“ Technologien eventuell viel besser aus, aber nicht, wenn man die Systemleistung betrachtet. Da macht es sich bemerkbar, dass LEDs viel kleiner sind als herkömmliche Lampen, und dadurch nicht nur andere Anwendungen möglich machen, sondern dass auch Berechnungen der Wirtschaftlichkeit üblicher Art schwach aussehen lassen können. Also können die, die solche Berechnungen anstellen, lügen, ohne dass sie etwas Falsches sagen bzw. sagen wollen.

Aber auch diejenigen, die die neuen Leuchtmittel über den grünen Klee loben, können lügen, ohne es zu merken. So können LEDs auf den Netzen solche Oberwellen erzeugen, dass man bei einer Übertragung von 1 W Wirkleistung (Glühlampe) ein Vielfaches davon im Netz hin- und herschiebt. Was daraus bei den sog. „Energiesparlampen“ entsteht, hatte ich in Dezember beschrieben:

Zum genauen Studium die Quelle: http://www.elektropraktiker.de/download/ep-2009-6-476-478-48502.html und hier eine eingelesene Version (leider mit OCR-Fehlern) Elektropraktiker Blum Glühlampe Netzbelastung.pdf

Was ist aber eine LED? Wovon reden wir? Curran gibt an, die würden als Laser eingestuft (EN 60825 Klasse 2), weil er vermutlich noch nicht wusste, dass sie in eine andere Norm geschoben würden als Lampe. Na, ja - man kann sie auch als Leuchte einstufen, wie das Bild zeigt. Nur nicht als heat-bulb, wie zwei witzige Ingenieure mit den Glühlampen gemacht haben. Denn LEDs erzeugen keine Wärme … sagt man. Jedenfalls strahlen sie in der Hauptrichtung keine IR-Strahlung. Aber warum ist das Gebilde rechts so komisch geformt?

LED und Wärme - das ist wohl der Knackpunkt. Jeder Fachmann, dem ich erzähle, ich hätte LEDs gesehen, die kaputt wären, obwohl sie bestimmt keine 50.000 Stunden betrieben worden sind, murmelt was von thermischen Problemen. Deswegen können die Herrschaften, die die Angaben zur Lebensdauer machen, beliebige Zahlen auspusten, ohne zu lügen. Alle sind richtig - oder alle falsch - wie man es betrachtet.

Besonders raffiniert gehen die echten Fachleute vor. Sie ändern über Nacht die Berechnungsgrundlage für die Lebensdauer, von der es sowieso nicht nur eine gibt. So lässt sich die Lebensdauer einer LED auf 50.000 h berechnen, aber auch auf 100.000 h, wenn man die Latte nur ein bisschen verschiebt. Denn die Lichtausbeute einer LED geht gaaanz langsam in die Knie. Und wenn man den Schnittpunkt einer fast waagrechten Linie mit einer echt waagrechten ermittelt, ergeben kleine Fehler große Änderungen.

Keine Sorge - es sind viele Normen in Vorbereitung, manche auch abgeschlossen. Man wird schon Wege finden, ein Licht mit Blaustich in die Farbwiedergabestufe 1b zu schmuggeln, die Farbtemperatur so lange hin- und herzuschieben, bis die gewünschte Zahl erscheint u.v.a.m.

Wer solche Aussagen für übertrieben hält, kann seine LEDs en gros über Alibaba.com bestellen (eine Handels- und Kommunikationsplattform für Unternehmen (B2B)) oder einzeln über Taobao ersteigern (ebay auf Chinesisch) und mit Alipay (paypal auf Chinesisch) bezahlen. Wenn die Lichtqualität einem dann spanisch vorkommt, sollte man sich in aller Demut bei den Levantinern entschuldigen für die Vorwürfe wg. ihrer Handelsmethoden und schräger Zahlenangaben. Gegenüber der Präzision heutiger technischer Kataloge waren deren kapitale Sünden nur kleine Ausrutscher. 

Wie dem auch sei, neben LEDs, die wahre 50.000 Stunden durchhalten, gibt es welche, die nicht einmal 500 Stunden alt werden. Das liegt meistens an der Thermik. Aber die fleißig erfundenen Märchen können auch gefährlich werden. So glauben viele Betriebe, sie müssen ihre Sicherheitseinrichtungen wie Fluchtweganzeiger warten. Wenn man hinguckt, sind viele schon durchgebrannt. Wer der geringen Energieaufnahme vertraut, kann auch Brandgefahren hervorrufen. Zwar verbrauchen die LED wirklich wenig Strom zum Lichterzeugen. Sie können aber trotzdem schön heiß werden.