Posts Tagged: Leuchte

Wussten Sie schon, was EPL ist? Ihre Augen werden Ihnen danken.

 

Augenschonendes Licht mit 3 Jahre Garantie? Sofort zugreifen, zumal es am Ende einer Broschüre mit dem Titel erscheint. Wir haben es mit der Sonne zu tun. 

Wie kann man eine Beleuchtung zum Schutz der Sehkraft realisieren? So etwa wie Schotten ihre Spiegel vor übermäßigen Abnutzung schützen? Immer etwas davor hängen. Ich lese in der Broschüre, man hätte eine patentierte Technologie. Die Sonne kann es ja nicht sein, weil der Konstrukteur davon sein Patent in der Sintflut verloren hat.

Hinter dem Patent müssen tolle Erkenntnisse stecken: "Bis zum 20. Jahrhundert spielten die Zapfenzellen die wichtigste Rolle, deshalb wurde die Wellenlänge von RGB (rot, grün, blau) als die wichtigsten Komponenten in der Theorie der menschlichen Sehkraft aufgefasst." Das literarische Werk liest sich so wunderbar spannend an wie Bedienungsanleitungen billiger asiatischer Uhren. Aber es wird noch besser: "Im Jahr 1996 wurde der für Computergraphiken verwendete Bildkompressions Algorithmus auf der Grundlage von Gegenfarbtheorien, anstatt auf der Grundlage von RGB, entwickelt und das Max Planck Forschungsinstitut in Deutschland entdeckte 1999 den Stäbchen-Zapfen-Verlauf, der veranlasste, dass sowohl Stäbchenzellen als auch Zapfenzellen in der Theorie der Sehkraft des 21. Jahrhunderts als äußerst wichtig betrachtet werden." Will sagen, die Lichtforschung in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Wozu ist das Patent gut? Unglaublich aber wahr:

Der mir vorliegende Bericht (wenn Sie hier  klicken, liegt der Ihnen auch vor) sagt: "Der Test zeigt, dass der Einsatz der XXX Lampen, eine Konzentration fördernde Wirkung auf einen Großteil der Probanden hat. Das bestätigt die Auswertung der Tests." Und es geht noch besser "Des Weiteren ist eine motivierende Wirkung des Lichts auf das Arbeitsverhalten zu erkennen. Da 71% der Teilnehmer das Licht als motivierend empfunden haben."

Wer die Wundermittel, Pardon Leucht-, beschaffen will, müsste sich den Bericht lesen. Dort stehen die Bezeichnungen. Wer die Wirkung nicht glaubt, kann sich ja eine der getesteten Lampen kaufen und den Bericht unter deren Licht noch einmal lesen. Da der wissenschaftliche Befund sicherlich reproduzierbar ist, kann man sich über die Wirkung vergewissern, indem man die Lampe für exakt den gleichen Zweck benutzt: "… andere Probanden nutzen die Lampe als Arbeitsleuchte bzw. als Näh- und Strickleuchte." Noch ein Riesen-Schritt in der Geschichte des Lichtmachens. Die Strickleuchte. Um die zu bezahlen, muss eine alte Oma allerdings viel länger stricken als mit der ollen Glühbirne. Ob das den Augen gut tut?

Anm.: Falls die Motivation der Lampe nicht ausreicht, hier finden Sie das Lied "Cast on baby ………… der Gute Laune Song zum stricken und häkeln".

  • Es hilft gegen Depressionen und Melancholie
  • Verbessert die Arbeitskonzentration, z.B. Verringerung der Ablenkung, Verbesserung der Schulleistung
  • Steigerung der Arbeitseffizienz, Reduzierung des Cortisol (Stresshormon) Spiegels
  • Steigerung der Umsätze im Laden, durch längeres Verweilen im Verkaufsräumen
  • Schutz der Sehkraft, Reduzierung der Augenermüdung
  • Vorbeugung bei Hautallergie

Das Wundermittel heißt Beleuchtung mit Tageslicht. Da man dasselbe aber nicht verkaufen kann, weil der Hersteller es jeden Abend wieder zusammen rollt und weglegt, dann bitte "Beleuchtung mit Vollspektrum-Tageslicht sehr nahe dem Sonnenlicht". Da haben wir´s. Die ganze Story von dem 20. Jahrhundert bis jetzt dreht sich also um die Vollspektrumlampe. Aber halt - hier ist ein LED Produkt gemeint. Die besagte Vollspektrumlampe war eine Schöpfung des seligen John Ott, der damit die Kürbisse für den Wagen von Aschenputtel zum rasanten Wachstum angeregt hatte. Aber seine modernen Nachfahren geben sich mit Kürbissen nicht mehr ab. Bei denen ging es um wichtigere Arbeiten, wie man aus einer Anmerkung zur Untersuchung der Wirkung auf den Menschen ablesen kann: "Die Strahler Leuchte 12 W (PXXX) wurde für Arbeiten wie nähen, stricken, löten, feinmechanische Arbeiten und schreiben besonders positiv hervorgehoben." Offensichtlich wurde das gesamte Spektrum der täglichen Verrichtungen eines Menschen wie Stricken, Nähen, Löten und Schreiben zur Bewertung benutzt. Lesen findet sich leider nicht darunter.

Sag' mir wo die Leuchten sind, wo sind sie gebleiben?

 

In Licht 7/2018 fand ich eine kleine Meldung, die - hätte man sie in den 1980ern gelesen, einem Erdbeben gleich gekommen wäre. Jedenfalls in der Lichttechnik. Die kleine Meldung ist betitelt: "Verkauf des Leuchtengeschäfts". Na und? Es werden so viele Leuchtengeschäfte verkauft, dass eine Meldung in Licht schon übertrieben klingt. Der Chef des verkaufenden Unternehmens erklärt in dürren Worten eine (beinah) Pleite, aber richtig geschönt, wie Wirtschaftsleute so von sich geben, wenn was nicht rund läuft. Es heißt "Dank zahlreicher Maßnahmen hat sich die Ertragslage der Geschäftseinheit XX deutlich stabilisiert, sodass wir nun einen geordneten Verkaufsprozess anstoßen." Will sagen, wir sind an der Pleite vorbei geschrammt. Nun wollen wir den Laden endlich verkloppen. So drückt sich natürlich kein Industriekapitän aus, jedenfalls ohne viel viel Bier. Das Bier will er sich noch verdienen durch neue lukrativere Arbeit: "Wir werden künftig einen noch stärkeren Fokus auf wachstumsstarke Zukunftsgeschäfte haben." So kann man sich auch ausdrücken, wenn man nicht sagen will, man habe seine Zeit bislang leider mit Pillepalle vergeudet. Was diese neuen wachstumsstarken Zukunftsgeschäfte sein sollen, hat er nicht verraten. Hoffentlich macht er nicht das, was Nixdorf & Co., also das gesamte deutsche Computergeschäft einschließlich der einstigen Muttergesellschaft, betrieben haben, bis ihnen die Luft ausging: Zukunft verkaufen, wenn Leute funktionierende Computer brauchen. Heute.

Die Rede ist von einem Leuchtengeschäft, das in Traunreut getrieben wird. Als die Welt noch in Ordnung war, saß dort das Siemens Leuchtenwerk. Und ist wohl sitzengeblieben. Nur der Name hatte sich zwischendurch im Jahr 1997 modernisiert: SiTeCo hieß die Firma, seit Siemens glaubte, das Leuchtengeschäft gehöre nicht mehr zum Kerngeschäft. - Was das ist, will gerade der Konzernchef Jo Kaeser feststellen. - Sie fühlt sich der Tradition des Lichts verpflichtet. Und gibt ihren Daseinszweck so an: "Als richtungweisendes Unternehmen mit einer rund 150-jährigen Erfahrung hat Siteco die Beleuchtungstechnik entscheidend geprägt. Heute verbindet die Marke Siteco technologische Ideen mit Dienstleistermentalität und dem Gespür für das Machbare." Ich weiß leider nicht, ob bei den Scheidungspapieren stand, dass die die 150-jährige Tradition miterben durften. Könnte sein, denn die Mutter hat die nicht mehr.

Die neuen Herren im Hause waren nicht in der Tradition des Lichts. Nach Müntefering eher dem Profit zugetan. Er nannte solche Unternehmungen Heuschrecken, die weltweit Schrecken verbreiten, weil sie nur nach Heu aus sind. Dass der alten Mutter die Dienstleistermentalität in die Wiege gelegt wurde, womit sie das neue Kind sozusagen mit der Muttermilch aufgezogen hat, wird man leider auch nicht behaupten können. Sie war Teil eines Oligopols in Licht, das ist eine Form der Markbeherrschung, wenn es zu einem Duopol oder gar Monopol nicht reicht. Einige interessante Aspekte hatte ich bereits kommentiert (hier oder da). Da man einen Teil davon ziemlich eigenständig betreiben wollte, hat man das Geschäft säuberlich aufgeteilt: Das Leuchtmittel stellt Osram her, was darüber kommt, bestimmt die Lichttechnik. Und Siemens Lichttechnik wollte natürlich so ziemlich alles bestimmen, was und wie in Deutschland leuchtete. Das tat sie derart gründlich, dass die Jahrestagungen der Lichttechnischen Gesellschaft zu einer Art Katalog-Lesung mutierten. Für viele Jahre war für mich Tagung = Tiefschlaf, und sofort bei Beginn der ersten Diashow fielen mir die Augen zu. Übrigens: Einst benutzte man statt Diaprojektoren Epidiaskope. Man konnte den Katalog gleich darunter stellen, das Licht im Saal nicht nur Dimmen, sondern ganz schlafen legen. Das Auditorium tat dies von selbst.

Doch eines schönen Tages war das Geschäft mit Leuchten nicht mehr Kerngeschäft. So wurde SiTeCo geboren. Die Firma wurde noch einmal verkauft und kam 2011 … zu Osram. Seitdem baut Osram alles, d.h. Leuchte wie Leuchtmittel. Sagen wir mal, nahezu alles. Denn die LED wurden an Chinesen verkauft (Ledvance). Osram nannte sich zwischendurch Full Solution Provider (hier). Solutions (intern Lighting Solutions LS) leistete wohl Siteco, die auf den vielen neuen Websites von Osram immer weiter nach hinten gerückt ist. Jetzt hat wohl der Chef die Schnauze full. Lighting Solutions sollen nicht mehr mit Digital Lighting Solutions & Systems zusammen berichtet werden. Macht wohl schlechten Eindruck.

Langsam zum Mitschreiben: Osram baut keine Leuchten mehr. Ist wohl dann nicht mehr Full Solution Provider. In November soll der Vorstand am Kapitalmarkttag dem Verkauf die Ab-Solution erteilen. Schade. Einst war das jetzige Verkaufsobjekt so mächtig, dass lichttechnische Kongresse, wie gesagt, eher Lesungen aus ihrem Leuchtenkatalog ähnelten. Und das Wort des großen Vorsitzenden klang so kräftig, das auch die taubsten in der Branche hinhörten. So z.B. gab es in Deutschland nur ein Lichtkonzept: Allgemeinbeleuchtung. Das hieß in seiner Lesart, dass in einer großen Halle überall die selbe Beleuchtung herrschen möge, wenn auch nur ein einziger Arbeitsplatz die benötige. Sonst würden die unterschiedlichen Leuchtdichteverhältnisse zu einer Ermüdung der Mitarbeiter führen. Mitarbeiter*Innen waren mitgemeint. Gott verhüt's! Ermüdung muss immer vorgebeugt werden! Geniale Absatzstrategie. Die natürlich nicht so liefe ohne kräftigen Schub vom Gesetzgeber. Dafür mussten diverse Dokumente so formuliert werden, dass der Eindruck entstand, lichttechnische Normen seien so etwas wie Gesetze.

Das Genialste sollte aber noch kommen, Leuchten, die nicht leuchten. Dark Light hieß die Technik, die man schwupps in Bildschirmarbeitsplatzleuchte umtaufte. Die Branche moserte zunächst, weil sie eloxiertes Aluminium nicht so schnell biegen konnte. Als sie es gelernt hatte, war der Widerstand weg. Und es wurde Licht, Pardon, Norm. Und sie würden so glücklich mit ihrer Technik weiter so leben, wäre da nicht eine Diskrepanz zwischen Postulat und Physik: Mit den Leuchten kann man keine  Allgemeinbeleuchtung produzieren. Ach was, so wichtig ist die Sache nun auch nicht. Dann heißt der Krempel halt arbeitplatzorientierte Allgemeinbeleuchtung. Und sie ist derart gründlich arbeitsplatzbezogen, dass in der Mitte des Arbeitsplatzes weniger Licht ankommt als am Ende.

Zu seiner Ehre muss ich aber hinzufügen, dass er die Pros und Cons der Technik veröffentlichte, bevor sie allgemein verfügbar war. Die Quelle liest nicht Erika Mustermann und auch nicht ihr Gatte Anton Mosermann, mosern taten die fachkundigen Leser aber auch nicht. Ganz dumm, dass ich einer davon war. Offensichtlich nicht ganz so fachkundig.

Man kann alle Leute einige Zeit
zum Narren halten und einige Leute allezeit;
aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.
Abraham Lincoln 

Visueller Komfort - Vom Bla Bla zur Messbarkeit

 

Kann man durch sich selbst lernen? Vielleicht. Ich habe heute erlebt, dass es geht. Ich suchte im Internet nach dem Begriff "visueller Komfort" und fand nur bla bla. In meiner Verzweiflung bemühte ich meine Suchmaschine Houdahspot auf dem eigenen Rechner (leider nur für Macs verfügbar) und fand Erleuchtung. Man kann visuellen Komfort tatsächlich messbar machen. Und Gebäude danach beurteilen.

Das leuchtende Wunder hat - kaum zu glauben - ein Ministerium fertiggebracht. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Natürlich nicht allein, denn Bundesministerien sind Köpfe, die auch Hände und Füße brauchen, um eine Krebbel zu backen. Na ja, etwas Verstärkung für das Gehirn muss auch dabei sein. Die Helfer waren das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB). Das gesamte Konzept, wie es heute aussieht, findet man hier (sehr empfehlenswert). Den Teil, der den visuellen Komfort angeht, hatte ich vor Jahren in einem Artikel kommentiert. Das Manuskript findet sich hier Visueller Komfort. Die Version des BNB, die meinem Artikel zugrunde lag, findet sich BNB_BN_315-2011.

Wo ist der Unterschied zu bla bla? Das Ministerium wollte einen Leitfaden entwickeln, wonach man bestehende Gebäude auf Nachhaltigkeit prüfen bzw. die Planung neuer auf Nachhaltigkeit trimmen kann. Da hilft es nichts, zu fordern, dass ein Bürogebäude menschengerecht sein möge. Man muss es messbar machen. Und so, dass einer weiß, wann er besser handelt. Gut handeln geht leider nicht, denn man kann nicht alles erfüllen, was einem zum Thema Nachhaltigkeit oder menschengerechter Gestaltung einfallen könnte.

Der "visuelle Komfort ist Teil der „ Soziokulturellen und funktionalen Qualität“ und deren Untergruppe „Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit“, was naturgemäß Teil des Gesamtkonzepts ist. Von den 100 Punkten gehen 16 für die „Tageslichtverfügbarkeit Gesamtgebäude“, 14 Punkte für die „Tageslichtverfügbarkeit ständige Arbeitsplätze“ …

Im Rahmen der Bewertungsliste werden die folgenden Teilkriterien beurteilt:

  1. Tageslichtverfügbarkeit Gesamtgebäude (quantitativ)
  2. Tageslichtverfügbarkeit ständige Arbeitsplätze (quantitativ)
  3. Sichtverbindung nach außen (quantitativ)
  4. Blendfreiheit Tageslicht (qualitativ)
  5. Blendfreiheit Kunstlicht (quantitativ)
  6. Lichtverteilung (qualitativ)
  7. Farbwiedergabe (quantitativ)

Welche künstliche Beleuchtung erfüllt das Kriterium am besten? Hier die Bewertungsliste:

  1. 14 Kombinierte Beleuchtung aus direktem und indirektem Anteil mit individueller Einzelplatzregelung
  2. 10 Kombinierte Direkt-Indirektbeleuchtung
  3. 7  Einhaltung der Normen
  4. 0  Keine individuelle Beleuchtung

Ach ja! Gerade habe ich eine Beleuchtung begutachtet, die mit Schwarmintelligenz arbeitet. Man kann sie weder ein- noch ausschalten, sie regelt sich selbst. Niemand sagt aber, wie. Sie ist nur in einer einzigen Position über dem Tisch blendfrei, und das nur dann, wenn man aufrecht sitzt und nach unten guckt. Das Lichtniveau bestimmt die Handtasche, wenn man sie auf dem Tisch dort platziert, wo eigentlich nichts sein sollte. Der Tageslichtsensor erfasst einen kleinen Bereich, wo der Tisch erfahrungsgemäß leer ist. Wenn man die Handtasche dorthin packt, bekommt man mehr Licht. Packt man ein Blatt Papier dorthin, weniger. Wer traut sich, den visuellen Komfort bei einer solchen Beleuchtung zu bewerten. Kleiner Tipp für die Weiterentwicklung des BNB Bewertungssystems: Man kann Punkte auch abziehen.

Wer die Prinzipien manipuliert, verschaukelt sich selbst

 

Den Altvorderen der Lichttechnik ist etwas gelungen, das in der Technik selten gelingt. Sie schufen einst die erste Norm der Beleuchtungsgeschichte und wussten aber, dass die Technik nicht das war, was sie sich vorstellten. Was macht man denn da? Ich lernte zwei Professoren kennen, die beide den Weg zum Gelingen einer weltweiten Technologie vorgezeichnet hatten, wohl wissend, dass der Zustand - wohlwollend gesagt - entwicklungsfähig war. Ist das so wichtig? Und ob! Denn bei jeder Technik muss man davon ausgehen, dass sie bald zum "alten Eisen" wird. Man kann hiervon für Morgen lernen, obwohl die Herren noch vor dem 2. Weltkrieg gewirkt hatten.

Was haben die gemacht? Beschrieben, wie mies die Technik war? Das wäre fatal. Der eine hat mit die Grundsätze festgelegt, nach denen das internationale Telefonnetz von ein paar Teilnehmern in ein paar Ländern zum globalen Netz entwickelt hat. Das war in den 1920er Jahren. Das Netz funktioniert nach 100 Jahren besser als als die ach so modernen Mobilfunknetze. Der andere wirkte an der DIN 5035 von 1935 mit, eine Norm, die man heute noch anwenden könnte, wäre sie nicht durch die Dusseligkeit eines ehemaligen DIN-Mitarbeiters verloren gegangen.

Das Besondere daran? Die Norm gab zwei globale Ziele an: “Die künstliche Beleuchtung von Innenräumen muß den Forderungen der Gesundheit und Schönheit entsprechen, dabei zweckmäßig und wirtschaftlich sein.” Punkt! Und setzte Qualitätsmerkmale, dort genannt Gütekriterien. Die von 1935 könnte man, etwas in Neusprech übersetzt, immer noch sehr gut gebrauchen, zumal die Erneuerer, die Autoren der Nachfolgenorm DIN EN 12464-1, Gütekriterien ganz vergessen haben.

Ist doch wunderbar! Wo liegt das Problem? Hätten die Nachfahren ihre Technik den einst gesetzten Prinzipien nachgefahren, wäre die Welt des Lichts heute - meine Meinung - in bester Verfassung. Man müsste nur das Ziel Schönheit, damals vorgegebenen durch den Staat, durch Anmutungsqualität oder ähnlich ersetzen. Gesundheit kann bleiben. Und Zweckmäßigkeit? Was denn sonst? Steht seit langem sogar in der Arbeitsstättenverordnung.

In der letzten "Voll" Ausgabe von DIN 5035 hieß es aber: “In Arbeitsräumen muß die Beleuchtung ein müheloses Erkennen der Sehobjekte ermöglichen.” Es gab keine andere Anforderung. Und die Gütemerkmale? Die muss man dem Ziel entsprechend auslegen. Oder? Seit etwa 1970 weiß man, dass das angegebene Ziel für die meisten Arbeitsplätze nicht relevant war. Und die seitenlangen Listen für Beleuchtungsstärken in DIN 5035-2 und später DIN EN 12464-1 gar keine Basis hatten, weil das Ziel irrelevant war. (siehe hier und da). Sie wurden, je nach Lesart, nach Gutdünken festgelegt oder nach Expertenwissen bestimmt. Die Sehleistung als Basis für die Festlegung von Beleuchtungsstärken in Normen ist der Stoff, aus dem moderne Märchen gemacht werden.

Wer so etwas für verwerflich hält, liegt allerdings falsch. Denn nicht nur die Lichtwerte werden so festgelegt. Verwerflich ist, wenn man gegen die festgelegten Gütekriterien handelt, um neuen technischen Produkten zum Erfolg zu verhelfen. So geschehen in DIN 5035-7, in der ein neuer, völlig überflüssiger Grundsatz, Gütekriterium "Vermeidung von Spiegelungen auf dem Bildschirm" eingeführt wurde. Das Gütekriterium diente allein dem Absatz von tiefstrahlenden Leuchten (siehe hier und da). Einen Nutzen entfalteten sie nie, verpassten den Arbeitsräumen einen Höhlenlook und erhöhten Störungen durch Reflexblendung. Letzendlich konnten wir nachweisen, dass sie dem Arbeitsschutz widersprechen (hier).

Zweckmäßig waren sie nicht, weil das meiste Licht nicht dort landete, wo nichts oder nichts Bedeutendes zu sehen ist. Am Tischrand oder auf dem Teppich. Heute könnten wir den Unsinn toppen und sogar zwei uralten Gütekriterien zuwider handeln. Was dies bedeutet, sieht man (zur einen Hälfte) auf dem folgenden Bild aus einem Werbekatalog. Ich habe dieses Bild gewählt, weil man vergessen hat, die Mängel der Beleuchtung wegzuretuschieren. Alle anderen Produkte mit ähnlichen Design sind in ähnlicher Weise betroffen.

Gemeint ist das Gütekriterium Schattigkeit, das mit Lichtrichtung bzw. mit der Gerichtetheit von Licht zusammenhängt. Man sieht auf diesem Bild viele Gegenstände auf dem Tisch, die es gar nicht gibt. Es sind die Schatten davon. Sie sollen aber nicht sein. Wer sich über die Bedeutung von Lichtrichtung und Schattigkeit informieren möchte, kann sich die LiTG Publikation zu Lichtqualität anlesen (hier und da kommentiert und auch dort), oder gar DIN EN 15193 ansehen, die verschiedene Güteklassen der Beleuchtung anführt. Die höchste Klasse – nach dieser Norm mit drei *** ausgezeichnet – unterscheidet sich von der darunter nur in zwei Aspekten: „Besondere Beachtung der gegenseitigen Blickkommunikation durch beleuchtete Gesichter” und “Besondere Beachtung von gesundheitlichen Belangen”. Um diesen Aspekten Rechnung zu tragen, muss man laut Norm je nach Einsatzort bis zu 100% mehr Energie aufwenden. Und? Bei der gezeigten Anordnung der Beleuchtung bleiben die Gesichter eher im Dunklen (s. Lichtkegel an der Wand). Und Direkt- und Reflexblendung ist höher als bei vielen anderen Beleuchtungen. Zudem fließt ein großer Teil des Lichts in die Mitte der Tische – nutzlos.

Bei der abgebildeten Leuchte muss übrigens kein Benutzer mit den Problemen leben, man kann den Direktanteil einfach abschalten oder reduzieren. Es ist nur eine Frage der Energieeffizienz, wenn man nur die Horizontalbeleuchtungsstärke bewertet. Bei anderen Produkten gibt es die Möglichkeit einfach nicht.

Was das obige Bild nicht zeigt, ist Flimmern. LED sind superschnelle Elemente, die eben superschnell flimmern. Dieser nimmt stark zu, wenn man sie dimmt. Allerdings muss niemand dies akzeptieren, weil es die geeignete Technik gibt. Allerdings kostet sie Geld. Die billigere Lösung haben zwei Professoren der Lichttechnik gefunden. Sie hatten eine neue LED Beleuchtung begutachtet, das Flimmern gesehen. Und? Sie urteilten, die wäre nicht so schlimm, weil das künstliche Licht nur tagsüber benutzt würde. Dazu sagte DIN 5035 im Jahre 1935: "Ruhe der Beleuchtung - ... es dürfen aber, von vorübergehenden Unregelmäßigkeiten abgesehen, keine mit dem Auge wahrnehmbaren Schwankungen der Beleuchtung als Folge zeitlicher Änderungen eintreten." Die meinten wohl das Flackern der Flamme der Petroleumlampe. LED ist modern und arbeitet ohne Flamme.

Was ist eine melanopisch wirksame Beleuchtung?

 

Dieses Bild aus Licht 6/2018* soll eine melanopisch wirksame Beleuchtung zeigen. Tut es das? Man kann in dem Artikel lesen, wie die Studie zur Klärung der Frage verlaufen ist. Man muss aber nicht. Die Antwort kann man auch so geben. (*Das Bild ist von KI nachgezeichnet.)

Der Raum ist etwa 5 m hoch und ist mit Fenstern fast bis zur Decke versehen. Zudem wird er über zwei Oberlichter buchstäblich taghell beleuchtet. Die künstliche Beleuchtung integriert sich in den Raum so, dass man tagsüber die Leuchten nicht bemerkt. Wenn ich richtig sehe, werden sie nachts großflächig leuchten. Dass so etwas gut geht oder gehen muss, hatten wir schon im Jahr 2000 analysiert und begründet (hier).

Was ist daran so gut? Die Fenster spenden nicht nur Tageslicht, sondern eine gute Sichtverbindung nach außen. Wenn man das Licht messen würde, würde man feststellen, dass blendfreies Licht bis mehrere Tausend Lux (zuweilen) vorhanden ist. Das Verhältnis von Horizontal- zur Vertikalbeleuchtungsstärke ist besser als man mit jeder künstlichen Beleuchtung (außer Bühnenbeleuchtung) erreichen kann. Und die künstliche Beleuchtung wird eine geringe Leuchtdichte haben, wodurch sie weniger oder keine Reflexblendung verursachen wird.

Ergo: Was eine melanopisch wirksame Beleuchtung ist, weiß - ich glaube - wohl jeder. Leider sind übliche Büros nur halb so hoch, wodurch man Probleme mit der Lichtverteilung bekommt. Deren Beleuchtung ist auf Horizontalbeleuchtungsstärke getrimmt, was schon lange keinen Sinn mehr macht (s. hier oder da). Leider, leider kann man Dachoberlichter eben nur auf dem Dach einrichten.