Blaues Licht am Morgen sorgt für gute Schulerfolge – Warum wir keinen Nachweis dafür erbringen werden können
04.11.2026
Licht, das mitdenkt: Dynamische Beleuchtung
für wache Köpfe und besseres Lernen.
mit freundlicher Hilfe der Sonne
der Blogger
In Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne ist der Beitrag „Blaues Licht am Morgen sorgt für gute Schulerfolge – Warum wir keinen Nachweis dafür erbringen werden können“ erschienen. Darin wird am Beispiel einer vielzitierten Studie zu den nicht-visuellen Wirkungen der Beleuchtung gezeigt, auf welchem wackeligen Fundament der experimentelle Nachweis der Wirkungen ruht. Das Experiment wurde mit "Dynamischem Licht", also mit einer veränderlichen künstlichen Beleuchtung, ausgeführt. Irgendwo in der Beschreibung taucht plötzlich ein gut versteckter Satz auf, der den Forschungsgegenstand ändert. Dynamisches Licht ist eine Mischung aus (nicht kontrolliertem) Tageslicht und variabler künstlicher Beleuchtung.
Hier die Kurzfassung des Beitrags:
In diesem Beitrag begründe ich, warum dynamische Beleuchtung trotz weitreichender Versprechen bislang keinen überzeugenden Nachweis für bessere schulische Leistungen erbracht hat. Im Mittelpunkt steht eine Hamburger Schulstudie, deren öffentlich verbreitete Ergebnisse eine höhere Lesegeschwindigkeit, weniger Fehler und deutlich geringere motorische Unruhe nahelegen. Der Beitrag kritisiert nicht grundsätzlich die mögliche Wirkung von Licht, sondern die Aussagekraft dieser Untersuchung und ihre Vermarktung.
Ein zentraler Einwand betrifft den unklar definierten Forschungsgegenstand. Unter „dynamischem Licht“ werden unterschiedliche Konzepte verstanden; im untersuchten Fall konnten Lehrkräfte vorgegebene Lichtprogramme umschalten. Die tatsächlichen Beleuchtungsbedingungen sind jedoch unzureichend dokumentiert. Insbesondere das Tageslicht durch große Fenster, die Sitzpositionen der Kinder und mögliche Unterschiede in der Blendung erschwerten es, beobachtete Veränderungen eindeutig der künstlichen Beleuchtung zuzuordnen. Einzelne Messungen in der Raummitte könnten die räumlichen und zeitlichen Unterschiede der Lichtexposition nicht ausreichend erfassen.
Weitere Kritik richtet sich gegen die Methodik und die Interpretation der Leistungstests. Der Beitrag bemängelt fehlende ausdrücklich formulierte Hypothesen sowie eine Vermischung von Methodenbeschreibung und Ergebnissen. Beim wiederholten d2-Test müssten Übungseffekte, tätigkeitsbedingte Aktivierung und tageszeitliche Schwankungen berücksichtigt werden. Verbesserte Testergebnisse dürften deshalb nicht vorschnell als spezifischer Lichteffekt oder als Beleg für bessere Schulerfolge gelten.
Auch die Stichprobe wirft Fragen auf. Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschieden sich hinsichtlich ihrer biologischen Rhythmen und Lichtempfindlichkeit. Die Übertragbarkeit zwischen diesen Gruppen sei daher begründungsbedürftig. Zusätzlich problematisiert der Beitrag den Ausschluss einer Schule, widersprüchliche Teilnehmerzahlen und nachträglich veränderte Ergebnispräsentationen, die exakt gleichgeblieben sind, obwohl ein Drittel der Stichprobe entfernt werden musste. Schließlich sehe ich keine transparente Offenlegung des Auftragsverhältnisses und möglicher Interessenkonflikte mit dem Beleuchtungshersteller.
Die Quintessenz lautet: Biologische Lichtwirkungen verdienen ernsthafte Forschung. Belastbare Aussagen über schulische Vorteile erfordern jedoch klar definierte Interventionen, nachvollziehbare Vergleichsbedingungen, geeignete Messverfahren und transparente Berichte. Werbeversprechen können diese Anforderungen nicht ersetzen. Meine Kritik richtet sich damit gegen unzureichende Belege, nicht gegen das Potenzial einer wissenschaftlich fundierten Beleuchtung.
Die besagte Studie wurde in diesem Blog mehrfach kommentiert:
KINDER ALS VERSUCHSOBJEKT NOCH EINMAL
BLAULICHT HIN IN HH - AD ACTA? NICHT DOCH!
BLAULICHT IN HH - AD ACTA?
Licht und Legendenbildung