Posts in Category: Lichtqualität

Licht und Heilung

29.05.2012

WUNDER GIBT ES IMMER WIEDER

Im März 2012 wollte ich unbedingt einen Beitrag schreiben, den ich aber leider vergessen habe. Heute wurde ich daran erinnert. Die Sache liest sich wie eine Wunderheilung. Ein Wunder ist es schon, aber ein reales. Mit Licht gegen den Schmerz, heißt die Devise.

Auf der Tagung „Licht und Gesundheit“ der TU Berlin wurde der Arnold Rikli-Preis für photobiologische Forschung an einen Medizinprofessor verliehen, Prof. Suschek, der dazu einen sehr netten Vortrag gehalten hat. Was er vorgetragen hat, hört sich wirklich wie eine Wunderheilung an. Sie erfolgt über die Haut und mit Hilfe von blauen LEDs. Und dient der Behandlung der Schwachstelle des menschlichen Körpers - nein, nicht seines Denkvermögens, sondern des Rückens. Der Preis für den aufrechten Gang, den wir entrichten müssen, fällt in diesem Fall sehr hoch aus. Rückenschmerzen sind der Fluch der aufrechten Haltung.

Die Wirkung erfolgt über die Anregung von körpereigenen Prozessen und völlig ohne fremde Substanzen. Für mich ist es das zweite Wunder nach der Therapie mit roten LEDs, das mir bekannt wurde. Die setzt man von der Knochenheilung bis zur Krebstherapie zu vielen Behandlungen ein.

Am besten liest man über das Wundermittel die Originalquellen. Die sind zwar mit dem Namen einer Firma versehen, womit ich hier Werbung für sie mache. Diese wird aber nicht bezahlt. Warum soll man nicht für eine Idee Werbung machen, auch wenn andere damit Geld verdienen? Die Ehre, aus einer Anzeigelampe ein Heilmittel gemacht zu haben, muss doch gepriesen werden.

Hier ist die Forschungshistorie, die mehr als nur Rückenschmerzen anführt
http://www.led-schmerztherapie.de/forschungshistorie-blaues-led-licht/

Hier findet man Presseinformationen
http://www.led-schmerztherapie.de/publikumspresse/

Hier können sich Ärzte einloggen
http://www.led-schmerztherapie.de/aerzte-fachpresse/

Hier erklärt Prof. Suscheck sein Rezept
https://www.zukunftstechnologien.info/life-sciences/mit-licht-gegen-den-schmerz/

 

Licht und Farbe

28.05.2012

LEBEN AN EINER LEICHE ERKLÄREN

Kann ein Pathologe anhand der vielen Leichen, die er seziert hat, erklären, wie das Leben funktioniert? Bestimmt nicht. Er sagt im Krimi immer aus, wie einer zu Tode gekommen ist - umgekehrt geht es wohl nicht. (Für Freunde der korrekten Ausdrucksweise: Dieser Pathologe ist ein Forensiker)

In der Technik versucht man es doch. Man teilt etwas Ganzes in seine Bestandteile auf und behandelt jedes Element für sich. So kann der eine Ingenieur erklären, wie ein Kolben funktioniert, der andere wie eine Kurbelwelle. Kann man aus beiden lernen, wie ein Auto funktioniert? Nein. Man muss alle Teile gemeinsam betrachten können. Der Pathologe könnte seinen Beruf nie ausüben, ohne lebende Menschen studiert zu haben. Und der Kolbenbauer wird nie ein guter, wenn er sich nicht verinnerlicht hat, wie ein Motor funktioniert. Man wird zuerst Mediziner bzw. Konstrukteur, um später Pathologe oder Kolbenbauer zu werden.

So ähnlich geht es in der Beleuchtung zu. Ein Lichtplaner, der Architektur studiert hat, wird zum einen wissen, wie Farben entstehen. Und zum anderen, wie man Formen und Oberflächen beleuchtet, damit sie gefällig aussehen. Helligkeit, Form, Farbe und Glanz, sind für den Architekten wie für den Autodesigner eins, so sie den Umgang mit der visuellen Kommunikation gelernt haben. (Wenn nicht, gibt es andere Berufe, die man in Erwägung ziehen sollte.)

Was aber, wenn man die vier Aspekte (Form, Helligkeit, Farbe und Glanz) zerlegt und jeweils einer Gruppe von Menschen zuordnet, für die der Rest - sagen wir mal unfein - schnuppe ist? Das ist just der Zustand, den wir in der Beleuchtung tagtäglich erleben:

  • Für die Normen für Beleuchtung ist Form wirklich schnuppe. Woher soll denn einer wissen, was später in dem von ihm beleuchteten Raum steht? (Wie man es macht, wenn man es weiß, kann man z.B. an der Beschreibung der Planung des Neuen Museums in Berlin, Beleuchtung für Nofretete, lesen). 
  • Glanz ist zwar nicht völlig schnuppe, aber Teufelszeug. Dazu sagt man apodiktisch, nichts darf glänzen, alles muss matt sein. Wenn es doch nicht so sein sollte, bitte die Leuchten so aufstellen, dass nichts glänzen kann. Da man einmal verbaute Leuchten doch nicht verrücken kann, ordnet man an, dass Millionen von Leuchten immer in Bändern links und rechts über den Bürotischen hängen. (Dass es Leuchten gibt, die man verrücken kann, spricht sich langsam herum, aber sehr sehr langsam.) Ganz schlaue Experten wenden die Weisheit sogar auf Industriehallen an. Wie man polierte Oberflächen, Wellen und Werkzeuge matt kriegen soll? Wenn nicht, dann die Maschinen zwischen den Leuchtenreihen aufstellen. Dann müsste man allerdings viele glänzende Maschinenteile platt kriegen. Was vermutlich niemandem gelingen wird. 

  • Farbe? Da man ihre Existenz nicht verleugnen kann, muss was dafür getan werden. Bei den Lampen gibt man die Farbtemperatur an, die unter brutaler Vergewaltigung des Planckschen Strahlungsgesetzes berechnet wird. Ob die stimmt, kann der Laie nicht berechnen. Der Fachmann übrigens auch nicht, fast immer nicht. Außerdem muss noch die Farbwiedergabe angegeben werden. Dummerweise sieht der dazu verwendete Index wie eine Prozentangabe aus, so dass auch Fachleute zuweilen glauben, dass z.B. ein Index von 90 irgendwie bedeuten müsste, dass 90% der Farben wiedergegeben werden. Oder alle Farben zu 90%? Oder ähnlich, aber nie richtig. Farben gibt es nämlich nicht physikalisch. Daher bezieht sich der Index auf eine Referenzquelle und Testobjekte, und von der Referenzquelle gibt es mindestens zwei. So können zwei total unterschiedliche Erscheinungsbilder vom gleichen Objekt von zwei Lichtquellen erzeugt werden, die beide stolz sind auf den höchsten Farbwiedergabeindex von 100. Geben sie wenigstens alle Farben wieder? Kann sein, muss aber nicht. Denn der Index wird mit den (Test-)Farben berechnet, die ein US-Maler namens Munsell zu Beginn des letzten Jahrhunderts festgelegt hatte. Von diesen kann man manche nur noch theoretisch herstellen, ergo nur noch auf dem Rechner. Und alle Testfarben sind Pastellfarben. Frische, gesättigte Farben kann eine Lampe wiedergeben, muss aber nicht. Wie dem auch sei: Der Lichttechniker sieht es nicht als seine Aufgabe an, welche Farben in einer Umgebung benutzt werden. Das ist auch gut so. Die soll derjenige bestimmen, der den Raum gestaltet. Übrigens: Farbenerkennen gehört nicht zur Sehleistung. (Zum Thema Farben auf dem Rechner möge man sich nur die Klimmzüge ansehen, die Grafiker und Druckereien sich leisten müssen, um ein Werk auf dem Rechner und auf dem Papier gleich aussehen zu lassen.) 

  • Helligkeit: Der vierte im Bunde ist die Domäne der Lichttechnik. Die Effizienz ihrer Produkte (Lampen) wird an der Erzeugung von Helligkeit bestimmt. Alles, was zu Sehleistung gehören soll, wird an dieser Größe gemessen. Dumm nur, dass es auch die Helligkeit nicht gibt. Sie ist eine Empfindung, die schwer zu beschreiben ist. Daher behauptet man, dass die Leuchtdichte die beste Annäherung dazu sei. Kann sein. Eine gute Annäherung ist sie aber nicht, wie weiter unten gezeigt wird.

Trotzdem: Würde man in den Normen nach dieser Größe verfahren, würde uns Vieles erspart bleiben. Man tut es nicht, obwohl man weiß, dass es besser wäre. Denn für die Außenbeleuchtung ist der Maßstab die Leuchtdichte. Für die Innenbeleuchtung aber nicht. Man unterteilt die Leuchtdichte noch einmal in Reflexionsgrad und Beleuchtungsstärke. Nicht weil dies viel Sinn macht, sondern weil die Lichtindustrie keine Farbeimer verkauft, sondern Lampen und Leuchten. Einst hat man die Vorgaben für Beleuchtungsstärke immer an den Reflexionsgrad gekoppelt. Seit langem nicht mehr, die Reflexionsgrade werden nur noch pauschal empfohlen. (Hier wäre noch einmal das Wort Schnuppe angebracht. Ist aber nicht, denn für den Umsatz des Herstellers  ist es nicht schnuppe, ob man die Leuchtdichte oder die Beleuchtungsstärke zum Maßstab macht.)

Was hat das Ganze mit der Leiche zu tun? Viel. So wie man an der sezierten Leiche nicht verstehen kann, wie das Leben funktioniert, kann man auch aus Beleuchtungsstärke und Reflexionsgrad nicht auf Helligkeit schließen, schon gar nicht auf Farbe. Ob gar ein beleuchteter möblierter Raum die gewünschte Anmutungsqualität aufweisen wird, wird man nicht einmal näherungsweise anhand technischer Größen bestimmen können. Übrigens, einer sehr weit verbreiteten Mär zufolge kann man an der Beleuchtungsstärke ablesen, wie hell ein Raum erscheint. Sie bleibt eine Mär, auch wenn viele Leute daran glauben.

Wie die technische Zerlegung der für die Empfindung wichtigen Aspekte uns in die Irre führt, kann man an zwei Beispielen erkennen:

  • Zunächst das häufiger bekannte Beispiel: Ein Stück Kohle ist bei Tage (physikalisch) „heller“ als weißes Papier bei Nacht. Trotzdem wird Kohle immer dunkler eingestuft als Papier. Eines der Konstanzphänomene. Auch optische Täuschung genannt. Und da täuscht man sich.
  • Jetzt das kaum bekannte: Welche Farbe haben Schäfchenwolken, das sind die hübschen kleinen Schönwetterwolken, und welche die schlimmen Gewitterwolken? Eigentlich eine ganz dumme Frage. Jeder weiß es doch!

Wenn man sich zur Beantwortung der Frage nicht die Wolken anschaut, sondern so vorgeht wie in der Beleuchtungstechnik - Beleuchtungsstärke und Reflexionsgrad getrennt beobachten -, wird man unweigerlich zu der echt überraschenden Feststellung kommen, dass die Schäfchenwolken und die Gewitterwolken ohne Beleuchtung gleich aussehen, nur die Beleuchtungsstärke ist unterschiedlich. Beide Wolken sind Wasserdampf plus kondensierte Wassertröpchen und würden, in Proben aufgeteilt, im Labor ähnlich aussehen. Die echte Schäfchenwolke ist aber dünn und lässt viel Licht durch, während die Gewitterwolke bis zu 10 km hoch sein kann. Das schluckt Licht. Ihre gruselige Erscheinung ist also überhaupt nicht wahr, erwiesenermaßen, lichttechnisch. Auch eine optische Täuschung?

Es ist an der Zeit, mit der Täuschung aufzuhören. Beleuchtungsnormen dienen nicht vornehmlich den Interessen der „Beleuchteten“, also der Menschen, die unter einer Beleuchtung leben und arbeiten müssen, sondern - jetzt fein gesagt - Partikularinteressen. Wer die „Partikulären“ sind, kann man schnell anhand der Teilnehmerlisten von Sitzungen bestimmen, in denen die Normen gemacht werden. Die Teilnehmer an Sitzungen, in denen Beleuchtungsnormen festgelegt werden, sind zu etwa 70% Angestellte von Herstellern oder Lobbyorganisationen. Unser Pech ist, dass sie Dinge festlegen, die in der realen Welt jeder anders sieht, aber jeder gleich sehen soll. 

Dass Regeln meistens den Interessen derer dienen, die sie setzen, wird sich nicht vermeiden lassen. Man kann ihnen das nicht einmal verübeln. Wenn diese aber ihre Regeln so festlegen, dass anderen das Handwerk erschwert wird oder gar unmöglich gemacht, sollte man sich überlegen, ob die Interessen aller bei der gerade formal zuständigen Truppe noch hinreichend berücksichtigt sind. Wie das gehen kann, kann man am Schicksal des Normenausschusses Bürowesen studieren. War NBü einst auf seinem Gebiet mächtiger als der Staat - der hätte sich nie getraut, DIN A4 als Maß für alle Lebensbereiche festzulegen oder die Länge der Tischbeine für die Hälfte der Arbeitsbevölkerung auf Millimeter genau vorzuschreiben oder gar der ganzen deutschen Bevölkerung vorzugeben, wie man in ein Diktiergerät spricht, so gibt es ihn seit 2007 nicht mehr. Bereits früher waren die Büromöbel Sache eines Ausschusses, der vom Thema Holz dominiert wurde. Na, bitte. Das sind doch gute Aussichten!

An den beiden Vorhaben, die Tischbeinlänge auf Millimeter genau festlegen und vorgeben, wie man in ein Diktiergerät spricht, kann man gute und schlechte Normen lernen auseinanderzuhalten. Die Beine der Tische müssen unterschiedlich  lang sein, weil auch die Menschen, die daran sitzen, unterschiedlich lange Beine haben. Hingegen gibt es nur eine Möglichkeit, Briefe in ein Gerät zu diktieren, wenn die Briefe mit den Gepflogenheiten der Wirtschaft konform sein sollen. 

Etwas ganz Besonderes stellt die Festlegung von DIN A4 dar. Das DIN-A4-Format wurde 1922 im Standard DIN 476 von Walter Porstmann festgelegt (heute weltweit als ISO 216 bekannt). Seine Entstehung löste ein enormes Chaos unterschiedlichster regionaler Papierformate ab. Beim Bogenoffsetdruck entstehen kaum Schnittabfälle (Verschnitt), da die Formate perfekt ineinander aufgehen. Die Vorteile sind derart  vielfältig, dass das DIN-A4-Format (international als ISO 216 standardisiert) in über 140 Ländern der Welt der alleinige offizielle Standard für Verwaltung, Wirtschaft und Bildung ist. Rechnet man alle Staaten hinzu, die ISO 216 als maßgebliche Norm anerkannt haben, nutzen über 190 Länder das Format – das betrifft fast die gesamte Weltbevölkerung.

Wie viele Länder wohl die deutsche Norm für die Beleuchtung übernommen haben? Man frage sich, warum.

Licht und Energieeffizienz

25.03.2012

FASSADEN GEPANZERT

In der Urzeit waren menschliche Behausungen ohne Fenster. Nur ein Eingang bildete die Verbindung zwischen Höhle und Außenwelt. Später als die Höhlen von Menschenhand gestaltet wurden, ließ man gerade so viel offen, wie der Auszug des Rauchs sowie der Ein- und Auszug der Menschen es erforderte. Die Anasazi in Arizona haben sich in die Höhlen eingemauert. Ihre Nachfolger, die Navajos, bauen Hogans, die auch ziemlich „zu“ sind. Kein Wunder, Energie war knapp, und in 2000 m Höhe gibt es bitterkalte Winter. Nicht so die Flachlandtiroler.

Nachdem das Glas erfunden wurde und für die Spiegel und Fenster schön geplättet, bauten sie ihre Wohn- und Arbeitsstätten luftig offen. So wollte z.B. Mies van der Rohe 1922 dieses Glashaus in Berlin bauen. Ein Glück, dass er es niemals bauen durfte. Denn das Konzept funktioniert von der Energieseite her etwa wie die Zylinder eines luftgekühlten Motors. Da das Gebäude offenbar keine Speichermassen besitzen sollte, Leichtbauweise, könnte es nur mit Hilfe von aktiver Klimatisierung funktionieren. Und was das bedeutet, sieht man an den Gebäuden der 1970er Jahre. Das Gewerk „Heizung Klima“ war der große Gewinner des Tages. Ca. 30% beim Ausbau, und nicht weniger als 25 % beim Betrieb des Gebäudes, damit war man dabei. Zwei solche Häuser stehen in Bonn. In denen waren einst die Ministerien BMFT und BMJ untergebracht. Als der Chef des zweiten Ministeriums, H.J. Vogel, besser bekannt als der OB von München während des Aufbaus der Olympiasportstätten, die Energierechnung seines Hauses sah, soll ihm die Hutschnur geplatzt sein. Dabei kannte er von den Olympiabauern bereits, wie man mit Energie aasen konnte. Wir hatten zu der Zeit den Auftrag, das Befinden der Menschen in diesen Bauten zu erforschen. Was das Ergebnis erbracht haben kann, kann man an einem anderen Ereignis sehen: Als den Ministerien der Raum knapp wurde, baute man barackenartige Pavillions, in die man einen Teil der Mitarbeiter überreden wollte, umzuziehen. Nicht nötig. Alle wollten dorthin ziehen. Glashäuser nicht nur teuer, sondern auch nicht akzeptabel …

Was lernte man daraus? Erst einmal nichts. Man baute sie, die Glashäuser weiter, als hätte die Energiekrise von 1973 auf einem anderen Planeten stattgefunden. Und das Glashaus von Mies stand beim Wiederaufbau des Stadtkerns von Berlin wieder zur Debatte.

Die heißgeliebte EU hat mit ihrer Energiepolitik, hier Energieeffizienz für Gebäude, die Wende eingeläutet. Mit der gleichen Vehemenz, mit der man in das Glashausbau eingestiegen war, steigt man wieder aus. Pardon, eigentlich um. Jetzt werden sogar Mauern mit Glas gegen Wärmeverlust isoliert. Die Gebäude bekommen eine „Klimahülle“ - aus Glas naturgemäß.  Und was verspricht man sich davon? Viel! Sehen wir uns die Beleuchtung an: „Hochwertige Tagesbelichtung am Arbeitsplatz mit witterungsunabhängiger, individueller Regelbarkeit von Außenbezug, Sonnen- bzw. Blendschutz.“ (Auszug aus einem Konzept der Architekten Lichtblau und Sick zur Sanierung eines Gebäudes aus 1972). Warum die Sanierung erfolgen muss, wird so erklärt: „ Die Fakten 25 Jahre später:

-    Der Heizenergiebedarf liegt mit ca. 220 kWh/m²a etwa dreimal so hoch wie die zulässigen Werte nach WSVO 1995.
- Wasserdurchlässige und zugige Rahmensysteme führen zu gesundheitsschädlichem Raumklima und energietreibender Überhöhung der Raumlufttemperatur.“

Also raus aus den Kartoffeln, sanieren und dazu eine „hochwertige Tagesbelichtung“ erzielen. Ganz im Trend der Zeit. Ich hatte mich auch gefreut, als man in Deutschland endlich das Tageslicht als Beleuchtung anerkannt hatte. So nach 8.000 Jahren Bauwesen hatte man in Deutschland, Bundesrepublik D., das Tageslicht in seine Schranken gewiesen und die künstliche Beleuchtung als alleinige gesetzlich anerkannt. Das war - nicht zufällig - 1975! Seit 2004 - raus aus den Kartoffeln - ist das anders. Die Architektur ist also ganz im Trend.

Wer beurteilen möchte, warum die Architekten die Verglasung nun hochwertig nennen, tut gut daran, die Dicke des vorgehängten Glases zu messen und sich anzuschauen, was das Glas aus dem Tageslicht macht.

Während ein einlagiges dünnes Glas wirklich nur den Wind abgehalten hat, beim Licht aber nur etwas dämpfend gewirkt hat, werden heute Fassaden mit Glaspanzern formidabler Dicke versehen. Beim oben abgebildeten Fall sind es zwei Scheiben mit etwa 30 mm Gesamtdicke und 4 Grenzschichten, von denen jede mindestens 4 % Licht schluckt. Beim Glas selbst kommt es auch noch auf die Färbung an.

Beim sanierten Gebäude kommen also höchstens 40% des Lichts an den Fenstern an, die jetzt nur noch doppelscheibig ausgeführt werden, und noch einmal etwa 30 % von dem Rest schlucken. Und das nicht gleichmäßig. Grün kommt bevorzugt durch, während Rot und Blau noch einmal halbiert werden. Wer so viel Grünstich hochwertig nennt, hat wohl denselben ohne Grün.

Das zum Thema hochwertige Tagesbelichtung! Ich weiß nicht, wie das von Lichtblau und Sick sanierte Gebäude aussieht. Hingegen weiß ich von anderen Gebäuden, dass in ihnen eine grünstichige Aquariumatmosphäre herrscht, während das Grün der Büropflanzen wegen des Infrarotmangels angeleuchtet werden muss, damit es überlebt. Ein Glück für die Bürobotanik. Für die gibt es nämlich eine VDI-Richtlinie. Für Menschen etwa nicht? Ganz bestimmt nicht.

Warum nicht gleich dicke Mauern bauen und Gucklöcher hier und da bohren? Da kommt wenigstens ungefiltertes Licht durch.

Wie sähen wohl unsere Fakten in 2037, also 25 Jahre von heute, aus? Verrottete Fassaden voll Wasser in deren Wärmeisolierung sich die Vögel mit Nestern breit gemacht haben? Auch wenn dies sehr umweltfreundlich ausfällt und auch exotischen Vögeln eine Chance lässt - Sittiche und Aras als Asylanten in Nordeuropa? -, in der Haut der Vögel, die nicht rechnen können, möchte ich nicht stecken, wenn die alten Herrschaften mit ihren Krücken auf die einschlagen, denen sie ihre Glasknochen zu verdanken haben. Hinter deren Glasfassaden gibt es keine Strahlung, die beim Aufbau von Vitamin D hilft. Wer sich dahinter warm und gemütlich verborgen fühlt, darf sich die Krücken jetzt schon bestellen. Ihm ist ein Oberschenkelhalsbruch im hohen Alter so gut wie sicher. Es sei denn, er/sie fährt im Winter nach Malle oder so - und sitzt dort nicht auch hinter Glas. Schuld sind nämlich nicht immer die anderen.

Licht und Energiesparlampen

22.03.2012

ACH,JA! ENERGIEEFFIZIENZ …

Als was könnte man ein Treffen von Politikern, die sich mit Energie beschäftigen, und Lobbyisten der Lichtindustrie noch bezeichnen? Pow Wow, wenn jeder für jede Lüge eine Minute rot werden würde. So nennt man die Palaververanstaltungen von Rothäuten. Man möge mir die politische Incorrectness verzeihen, erstens, es gibt keine Indianer, und zwotens, ihre Haut ist nicht rot. Dieses Bild habe ich vor einigen Stunden am Flughafen in München aufgenommen. Es zeigt drei der Wunderdinge, die uns die Überflutung der Norddeutschen Tiefebene infolge der CO2-Emissionen ersparen sollen. Vor zwei Jahren hatte ich Gabriel (nicht den Erzengel) herausposaunend dargestellt, wie die Energiesparlampe uns einen frühen nassen Abgang in die ewigen Jagdgründe ersparen würde. Das obige Bild zeigt deutlich, was Sache ist. Eine der Lampen leuchtet, was das Zeug hält. Die Rechte hingegen hat es vorgezogen, Gabriels Botschaft zu widerlegen. Die Lebensdauer von 10.000 Stunden hat sie wohl nicht erreicht. Die mittlere lebt zwar noch, aber gerade noch … Da soll mir einer sagen, die sei energieeffizient. 10.000 Stunden gibt es die Dinger doch nicht? Immerhin sind sie besser als die LED, die 30 Jahre halten sollen, aber auch in ähnlicher Dreisamkeit erwischt werden könnten.

Was das Bild nicht zeigt, sieht man unten. In München ist gerade die Zeit abgelaufen, zu der man Münchnern Weißwürstl serviert (Zuagroaste ausgenommen). Und die Sonne scheint bis Sizilien.

Und? Wozu braucht ein Mensch bei Sonnenschein an einem 4 m hohen Fenster an einem direkt am Südfenster angeordneten Tisch Licht von Energiesparlampen? Eigentlich müssen die Lampen überhaupt nicht brennen, weil die Dekoleuchte genügend Licht von der Sonne einsammelt.

Noch ein Wort zur Lebensdauer. Bei uns haben drei Lampen nach wenigen Wochen ihren Geist aufgegeben. Sie wurden nicht standesgemäß beerdigt, sondern an den Hersteller zurückgeschickt. Der hat sich entschuldigt, weil irgendwelche Transistoren kaputtgegangen seien. Transistoren? Ich war ein Jüngling, als es die noch gab, und der Kaiser hatte noch nicht angefangen, Fußball zu spielen, weil die Windeln so drückten. Keine Sorge, der Hersteller ist so unmodern nicht. Sein Computer hat uns drei neue Lampen der billigsten Sorte zugeschickt. Wir hatten ihm aber so ziemlich die teuersten reklamiert. Er, der Hersteller, hat sich entschuldigt, und schickt drei Richtige. Die anderen dürfen wir behalten. Wozu aber?

Irgendwie erinnert mich die ganze Geschichte an meine sehr frühe Jugend. Da gab es Gelehrte, denen man glauben konnte, und Polizisten, die den Missetätern auf die Finger klopften. In England hieß der Hauptdarsteller sogar Mr. Punch, weil er jedem, der Unsinn erzählte, einen auf die Fr.… gab. Schade, eigentlich…

Licht und Unfug

 

19.03.2012

HERR, LASS HIRN REGNEN!

Heute hatte ich die große Ehre, der Einladung einer Ministerin zu folgen, die es sich nicht nehmen ließ, das Thema selbst vorzustellen und die Sache so lange zu verfolgen, bis das Amt des Ministers sie wieder in Anspruch nahm. Immerhin war sie etwa einen halben Tag dabei. Das Thema war „psychische Gesundheit“ in den Betrieben, die Ministerin Frau Dr. von der Leyen, der Bundesminister für Arbeit und Soziales. Es trug eine handverlesene Gruppe von Experten vor einer handverlesenen Gruppe von weiteren Experten vor. Gute Veranstaltung. Ich vermisste allerdings die Thematisierung von Licht.

Das Vergessen von Licht als psychische Belastung ist bestimmt nicht der Ministerin oder ihren Fachleuten anzulasten, denn auf Weltkongressen der Ergonomen, das sind Leute, die glauben, die bessere Arbeitswelt zu schaffen, zumindest aber das Schlechte an der existierenden zu analysieren, tragen zuweilen bis zu 2000 Experten vor - und nichts über Licht. Wenn Leute, die alle Aspekte der Arbeitswelt beleuchten, dies ohne Erwähnung von Licht tun, warum sollte eine Ministerin die Sache bei der psychischen Gesundheit hervorheben?

Nach der Veranstaltung trottete ich Richtung U-Bahn und sah eine Schlüsselszene in Sachen Energieeffizienz, die durch das tätige Ignorieren von Licht und dem Bedarf des Menschen nach Licht durch andere entstanden war.

Das Bild zeigt eine Büroetage in voller künstlicher Beleuchtung und mit vorgelagerter „Klimafassade“, die Wärmeverluste eindämmen soll, aber Licht mit eindämmt. In der Bildmitte unten sieht man die Reflexion eines Gebäudes auf der anderen Straßenseite. Zur Verdeutlichung habe ich dieses Gebäude auch getrennt fotografiert. Man sieht den klaren, etwas bewölkten Himmel und den Sonnenschein. Wetten, dass weder der Lichtplaner noch der Architekt wussten, dass die Verglasung einen Farbwiedergabeindex hat? Und diese Verglasung hat garantiert einen schlechten. Solche Fassaden schneiden alle Strahlungen außer Licht vollständig ab. 

Man muss also den permanenten Verlust des Tageslichts mit künstlicher Beleuchtung ausgleichen, was zwar die Bilanzen von OSRAM & Co. vergoldet, aber für Umweltschützer ein pechschwarzes Zeugnis ausstellt. Den gleichen Unfug gibt es bereits sehr lange, aber nur im Zusammenhang mit Jalousien. Von Neuseeland bis Taka Tuka Land (Schweden) kann man Leute finden, die ihre Jalousien herunterlassen und Licht einschalten. Die neue Qualität besteht darin, dass man die dummen Scheiben, die man für eine intelligente Lösung für die Klimakatastrophe hält, ständig vor der Nase hat. Und nicht nur die. Das viele Metall, das zur Befestigung benötigt wird, scheint so zwar nicht viel abzuschatten. Wenn man die dadurch verlorene Lichtmenge rechnet, kommt aber allerhand zusammen.

Wie man sich bei solchen Abschätzungen irren kann, weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich hatte mit drei Kollegen zusammen das Dach rechts berechnet. Es sollte ein filigranes Gebilde werden und das olympische Feld von 1972 nur gegen Wind und Regen schützen. Das Licht sollte ungefiltert durchdringen. Wie viel Licht da durch kommt, kann man abschätzen, wenn man die grauen Felder gegen den Himmel (rechts im oberen Bild, in der Mitte im unteren Bild) vergleicht. Es wird nur noch ca. 50 % transmittiert, aber noch dazu wird das Blau des Himmels in Grau verwandelt.

Weiterhin interessant sind die Randfassung (fast einen Meter breit) sowie das Netzwerk zur Befestigung der Acrylglasplatten. An dem Modell, mit dem Behnisch den Auftrag bekommen hat, war dies alles nicht vorhanden, weil das Dach aus einem „Damenstrumpf“ bestanden hatte. Das Gewebe wurde von filigranen Stäbchen gespannt, die im endgültigen Bau die Abmessungen aber auch die Eleganz von Schiffsladebäumen aufweisen.

Man sollte alle, die von Energieeffizienz u.Ä. reden, zertifizieren lassen, bevor sie reden dürfen. Und vorher einer obligatorischen Rechenstunde unterwerfen, die so lange dauert, bis die Herren wissen, was Qualität und was Effizienz bedeuten. Sonst bauen sie immer noch Windmühlen auf der Nordsee und überlassen die Übertragung des Stroms nach Bayern einem WLAN.

 

Mein Ampelmann