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Woran HCL auch zerschellte

26.01.2026

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Licht ist die Medizin,
die man nicht schlucken muss.
Anonymus

Vorgestern erläuterte ich die wichtigsten Gründe, die die Industrie zwangen, HCL leise zu begraben. Das waren insbesondere Gründe, die man in der Praxis erlebt hatte. Aber es gab ein größeres Hindernis gegen eine erfolgreiche Einführung der circadianen Beleuchtung nach den Vorstellungen der Industrie. Das war die Haltung der deutschen Arbeitgeber. In deren Auftrag habe ich u.a. den ersten Entwurf von ISO/TR 21783 Light and lighting — Integrative lighting — Non-visual effects:2018 geprüft. Mit diesem Entwurf sollten die grundsätzlichen Vorteile einer "integrativen" Beleuchtung alias HCL festgeklopft werden. 

In diesem Beitrag kommentiere ich den Abschnitt 4.2 "Avoidance of risks", der mit einer solchen Beleuchtung verbundene Probleme und Risiken beschreibt und was man dagegen vornehmen muss. In der endgültigen Fassung des Standards ist von Risiken keine Rede mehr. Dazu aber später. 

Der Abschnitt beginnt mit:
"Wie bereits erwähnt, ist die Abwägung von Chancen und Risiken eine wichtige Aufgabe bei der Planung und Inbetriebnahme einer Beleuchtungsanlage. Insbesondere für bestimmte Anwendungen und Beleuchtungssituationen können Risikopräventionsmaßnahmen empfohlen werden."

Lichteinwirkung während rotierender Nachtschichten kann die Melatoninausschüttung verringern und den Schlafrhythmus beeinträchtigen.
Dies führt zu gesundheitsschädlichen Auswirkungen und muss vermieden werden.

Wenn jemand eine neue Technologie einführen will, ist dieser Aspekt bereits tödlich. Niemand zweifelt daran, dass Nacharbeit gesundheitsschädlich ist. Und niemand hat bislang eine Medizin dagegen gefunden.

Die Exposition gegenüber hellem Licht oder hohen Farbtemperaturen während (wechselnder) Nachtschichten kann schwerwiegende gesundheitsschädliche Auswirkungen haben.
Dies muss vermieden werden.

Eine solche Feststellung ist zwar ehrlich, aber würde jeden Betrieb davon abhalten, HCL einzuführen. Lichtplaner sind ihrem Auftraggeber verpflichtet, solche Risiken zu benennen. Wenn sie ihrer Verpflichtung nachkommen, werden sie kaum einen Auftrag bekommen.

Wenn Nachtarbeit unvermeidbar ist, sollten warme Farbtemperaturen und eine möglichst geringe Beleuchtungsstärke im Rahmen der normativen Vorgaben zur Unterstützung der Sehaufgaben verwendet werden.
zusätzliche Informationen, Einschränkungen usw., falls erforderlich

Jeder Betrieb muss die Normen für die Beleuchtung einhalten. Und diese besagen auch im Jahr 2026, dass nachts dieselbe Beleuchtungsstärke vorgegeben ist wie am Tage. Warme Farbtemperaturen können z.B. bei Monitoren nicht eingehalten werden. Bei der Beleuchtung hat man bis heute kaum Fortschritte erzielen können.

Die Verwendung von künstlicher Beleuchtung sollte die Wirkung des Tageslichts unterstützen. Sie darf nicht als gleichwertiger Ersatz für Tageslicht verstanden werden.
zusätzliche Informationen, Einschränkungen usw.

Das ist in Deutschland Vorschrift. Ausnahmen darf der Staat festlegen und nicht ein Betrieb oder gar ein Lichtplaner. Die Ausnahmen sind in der ArbStättV und in ASR A3.4 beschrieben und begründet. 

Eine hochintensive, blau angereicherte Beleuchtung am Nachmittag und in den frühen Abendstunden kann zu geringfügigen Störungen des circadianen Systems führen.
zusätzliche Informationen, Einschränkungen usw., falls erforderlich

Wer soll denn solche Informationen geben und deren Beachtung überwachen? 

Eine Aktivierung, die über das derzeit optimale Anregungsniveau hinausgeht, kann Stress verursachen und sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken.
Dies muss vermieden werden.

Wer vermeidet das? Der Betriebsarzt oder der Elektriker? Das Argument kann als Totschlagsargument gegen jede Planung angeführt werden. 

Sehr intensives, blau angereichertes Licht kann als Zeitgeber mit natürlichem Licht konkurrieren. Dies kann der saisonalen Anpassung der biologischen Uhr entgegenwirken. Daher sollte die Dynamik der Beleuchtung, die auf biologische Effekte abzielt, saisonale Veränderungen der natürlichen Lichteinstrahlung berücksichtigen.

Saisonale Veränderungen der natürlichen Lichteinstrahlung berücksichtigen? Bislang steht die Dynamik der Beleuchtung eher in solchen Papieren denn im betrieblichen Alltag. Wer übernimmt diese Aufgabe? Und warum? Die Chronobiologen haben ein Lichtregime für den Tag empfohlen, das keine jahreszeitlichen Schwankungen vorsieht. 

Bei der Aktivierung durch Licht am Morgen müssen der tatsächliche und der saisonale Tageslichtverlauf berücksichtigt werden, um einen höheren Synchronisationsaufwand für das circadiane System zu vermeiden.
zusätzliche Informationen, Einschränkungen usw., falls erforderlich

Wer kennt den tatsächlichen und saisonalen Verlauf des Tageslichts? Wie baut man ein solches Wissen in die Beleuchtungsplanung ein? Beleuchtung als jahreszeitlicher Follower der Sonne? Warum nicht alle morgens eine Viertelstunde vor die Tür schicken?

Unter besonderen Umständen kann Licht als Dopingmittel wirken (z. B. im Profisport), indem es die Leistungsfähigkeit über die gesunden physiologischen Fähigkeiten hinaus steigert.
Dies muss vermieden werden.

Welcher Arbeitgeber möchte eine Beleuchtung in Auftrag geben, die u.U. als Doping verstanden werden kann?

Mitarbeiter, die die Beleuchtung steuern können und nicht ordnungsgemäß über die Auswirkungen des eingesetzten Beleuchtungssystems informiert wurden, können dieses möglicherweise nicht sinnvoll nutzen.
Daher sollten Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Einweisung und Warnmechanismen in die Konstruktion integriert werden, wenn eine individuelle Steuerung möglich ist.

Muss ein Betrieb Lichtbeauftragte ausbilden, die das Licht für die Kollegen steuern, die so aktiviert werden? Wer bildet die aus?

Die Befugnis der Arbeitgeber, über den Zeitpunkt und die Dauer der Aktivierung zu entscheiden, kann zu Problemen bei der Akzeptanz der Beleuchtung führen.
Dies sollte bei der Einführung eines Beleuchtungssystems angemessen berücksichtigt werden; siehe den letzten Punkt oben.

Da es offensichtlich um die Gesundheit der Beschäftigten geht, muss der Arbeitgeber gemäß BetrVG eine Mitbestimmung einleiten. Man stelle sich vor, die Mitarbeitenden wollen warmes Licht und der Betrieb setzt kaltes Licht ein, weil es "gesund" sei. Alternativ muss der Betrieb bei warmem Licht die Beleuchtungsstärke verdoppeln. 

Interindividuelle Unterschiede (z. B. Chronotypen) können nicht vollständig berücksichtigt werden, da eine räumliche Trennung am Arbeitsplatz in der Regel nicht möglich ist.
Dies muss bei der Lichtplanung und den Steuerungssystemen berücksichtigt werden.

Diese Feststellung ist zwar nicht falsch. Dummerweise darf der Arbeitgeber nicht einmal fragen, welcher Chronotyp ein Mitarbeitender ist. Es ist bis dato nicht gelungen, Altersunterschiede in der Lichtplanung angemessen zu berücksichtigen, obwohl deren Wirkung bekannt gewesen ist, bevor es die Lichttechnik gab.

Es kann zu Zielkonflikten zwischen biologischer Wirksamkeit und visueller und ästhetischer Lichtgestaltung kommen.
Diese müssen vom Planer so gelöst werden, dass keine der beiden Eigenschaften des Beleuchtungssystems beeinträchtigt wird.

Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das Problem kann kein Planer lösen, u.a. weil die biologische Wirksamkeit nach den Beleuchtungsnormen erst nachrangig berücksichtigt werden darf. 

Wechselwirkungen zwischen dem circadianen System und der Sicherheit am Arbeitsplatz sollten berücksichtigt werden.

Erstens müsste es heißen, diese Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden. Und zweitens beschäftigt sich ein erheblicher Teil der Arbeitsmedizin just mit dieser Aufgabe. Dazu gibt es sogar eine Leitlinie "Gesundheitliche Aspekte und Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit". Dummerweise steht auch darin keine Lösung. 

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Die kommentierten Risiken sind alle richtig dargestellt worden. Sie waren in diversen Sitzungen mit Experten vorgebracht worden bzw. in der Literatur geäußert worden. Meine Kommentare sollten dazu dienen, die Chancen zu beleuchten, die solche Konzepte in der Praxis haben. 

Das zitierte Papier wurde in mehrjährigen Verhandlungen entschärft. In der endgültigen Fassung ist keine Rede mehr von Risiken und von Risikovermeidung. Damit werden die Probleme nicht weniger, sondern halb unter den Teppich gekehrt. Die Risikofaktoren heißen jetzt "Implementation considerations" wie "Überlegungen zur Umsetzung". Trotz mehrfacher Warnungen meinerseits blieben Empfehlungen wie aus dem Wolkenkuckucksheim. So z.B. 

"Es kann zu Konflikten zwischen unterschiedlichen Anforderungen (derselben oder verschiedener Nutzer in einem Raum) kommen. Diese müssen vom Planer so gelöst werden, dass die Lichtqualität nicht beeinträchtigt wird."

Wie soll ein Lichtplaner die Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichen Chronotypen berücksichtigen, wenn er nicht wissen darf, wen er vor sich hat? Und was ist Lichtqualität und wann wird sie beeinträchtigt? 

Licht für New Work

29.01.2026

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Nicht ist mächtiger als eine Idee.
deren Zeit gekommen ist.
Victor Hugo

New Work ist die Bezeichnung für einen alten Traum des österreichischen Sozialphilosophen und Anthropologen Frithjof Bergmann (1930–2021), geträumt in Ann Arbor, USA. Bergmann entwickelte das Konzept bereits Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre.

In diesem Beitrag kommentiere ich die Konsequenzen für die Beleuchtung von Büros aus der Sicht einer kommenden internationalen Norm, deren Ziel Activity Based Working ist. Diese gilt als die beste Reflexion der Idee von New Work. Statt einen Büroraum für Heerscharen von Menschen mit gleichartigen Tätigkeiten zu gestalten, richtet man zonenweise unterschiedliche Bereiche ein, in denen sich Akustik, Klima, Licht nach der jeweiligen Tätigkeit richten.

Kurz gesagt: In einem klassischen Büro geht es meist nur darum, den Raum hell genug zu bekommen (die typischen 500 Lux). Bei New Work ändern sich aber die Tätigkeiten – wir arbeiten nicht mehr acht Stunden starr am selben Platz. Es wird kollaboriert, entspannt, konzentriert, fokussiert und agil präsentiert.

Zur Illustration habe ich KI gefragt, mir eine konventionelle Beleuchtung für eine Modernisierung eines Büros zu zeichnen.  Das Ergebnis steht hier.

Danach sollte die KI zeichnen, wie sich ein New Worker sein Büro vorstellt. Und dies hat KI produziert.

In der Realität werden sich die modernen Büros irgendwo zwischen diesen beiden Enden finden. Mehr zu lesen.

Licht für New Work

 

Wunden, die Licht heilt

 

21.01.2026

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Licht ist die Medizin,
die man nicht schlucken muss.
Anonymus

Nachdem ich gestern den Beitrag zu Melatonin und seinen Wirkungen geschrieben hatte, wollte ich mich noch daran erinnern, womit Licht noch in unser Leben greift. Bei Licht haben wir gelernt, immer an Beleuchtung zu denken, was wir den selbstlosen Bemühungen der Industrie verdanken. Aber es muss nicht immer Beleuchtung sein. 

Licht wirkt in so viele Lebensvorgänge hinein, dass manches sprichwörtlich geworden ist, so auch die Heilwirkungen. „Dove non va il sole, va il medico“ (Wo die Sonne nicht hingeht, geht der Arzt hin) hieß alten schon im Antiken Rom. Auch das große Epochenwerk des deutschen Naturalismus, „Vor Sonnenaufgang“ von Gerhart Hauptmann (1889), thematisiert den starken Einfluss des Lichts auf den Menschen.

Besonders raffiniert ist die Methode, die Dienste eines Leuchtmittels für die Krebsbekämpfung in Anspruch zu nehmen. Die Methode nennt sich PDT (Photodynamic Therapy). Ihre Wurzeln gehen zurück auf den Anfang des 20. Jahrhunderts.

Mit Licht lassen sich auch Wunden schneller und erfolgreicher heilen. Die Methode hört auf den Namen Photobiomodulation. Eine raffinierte Methode der Durchblutungsförderung , die eben zu einer schnelleren Wundheilung führt.

Erst richtig wunderhaft sind die nicht-physikalischen Wirkungen. Diese Heilung geht über die Nachricht, die das Licht des Tages in die Krankenzimmer führt. Die wichtigste und bahnbrechende Studie dazu stammt von dem schwedischen Architekturprofessor Roger Ulrich aus dem Jahr 1984. Sie ist bis heute in 10140 wissenschaftlichen Artikeln zitiert worden. Die Studie von Ulrich und weitere Studien führten zu der Entwicklung von "Heilende Architektur". Bei genauem Hinsehen fiel mir ein, dass wir in Berlin mindestens zwei Krankenhäuser haben, die man zur "Heilenden Architektur" zählen darf. Beide wurden in den 1890er Jahren gebaut. Nett, dass die Wissenschaft uns zeigt, dass unsere Urgroßväter richtig bauen konnten. Was wir von unseren Vätern nicht sagen können. Zu deren Zeiten sprach die Wissenschaft von unterirdischen Bauten, die massiv an Energie und Lärm sparen würden. Zum Glück haben nicht viele auf die Wissenschaft gehört.

Insgesamt zeichnet sich die Heilende Architektur durch folgende Merkmale aus:

Licht                     Synchronisation der inneren Uhr durch Tageslicht.
Luft                       Natürliche Belüftung und gute Raumluftqualität.
Farbe                    Warme, erdige Töne statt klinischem Weiß/Blau.
Soziales               Räume, die Begegnung mit der Familie fördern (Social Support).

Wunden, die Licht heilt

„Was MDER für meine Beleuchtung bedeutet - Oder vom Wissen biologischer Wirkungen des Lichts

Wasser tut’s freilich
höher jedoch steht die Luft,
am höchsten das Licht!
Arnold Rikli

15.01.2026

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Heute überraschte mich eine Meldung, die sich so las: “What MDER Means for Your Lighting“. Sinngemäß übersetzt: „Was MDER für deine Beleuchtung bedeutet“. Jemand wollte mich wohl informieren, dass es wichtige Neuheiten auf unserem Fachgebiet gibt. Verpasse ich was, wenn ich die Meldung ignoriere?

Ich weiß leider nicht, was MDER ist, und fragte deswegen einen allwissenden Kollegen, der Tag und Nacht alle dämlichen Fragen von mir ohne Widerrede aufklärt. Der schrieb: „Der MDER-Wert hilft Lichtdesignern dabei, zu bestimmen, ob ein Licht „stimulierend“ genug ist, um Menschen tagsüber wachsam zu halten, oder „ruhig“ genug, um Entspannung zu ermöglichen.“ Dass Lichtdesigner dafür verantwortlich sind, ob ich tagsüber wachsam bin, ist mir tatsächlich neu. Aber wichtig scheint die Sache zu sein.

Da müsste doch jemand wissen, was MDER nun ist! Die Suche im Internet hilft nicht weiter, sie ergibt immer wieder MDR = Mitteldeutscher Rundfunk. Das ist der deutsche Fernsehsender für die Jahre „Zwischen Volksfest und Vorruhestand“. Der MDR hat das Kunststück vollbracht, ein Programm zu kreieren, bei dem man sich bereits mit 35 Jahren fragt, ob man versehentlich im Wartezimmer eines Orthopäden gelandet ist. Bei „Ruinen-Raten mit Gunther Emmerlich“ – Prominente müssen am Geruch von altem Linoleum erkennen, in welcher sächsischen Kreisstadt sie sich befinden." Kann das gemeint sein? Stimulierend ist der Geruch vom Linoleum, oder?
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Nach einer Weile fand ich die Auflösung des Rätsels. MDER heißt ausgeschrieben „Melanopic Daylight Efficacy Ratio” und ist “eine wichtige Kennzahl im modernen Lichtdesign, die quantifiziert, wie gut eine künstliche Lichtquelle unsere natürlichen circadianen Rhythmen (Schlaf-Wach-Zyklen) im Vergleich zu natürlichem Tageslicht (insbesondere CIE D65) unterstützt. Höhere MDER-Werte weisen auf eine stärkere biologische Wirkung auf Wachsamkeit, Konzentration und allgemeines Wohlbefinden hin und helfen Designern dabei, gesündere und effizientere Umgebungen zu schaffen, indem sie möglicherweise weniger Lichtquellen einsetzen, um den gewünschten biologischen Effekt zu erzielen, so Yuji Lighting und Fagerhult. “ Fagerhult kenne ich seit Jahrzehnten. Yuji Lighting?

Der allwissende Kollege erzählte weiter:
Die Skala: * MDER = 1,0: Das Licht hat dieselbe biologische Wirkung wie natürliches Tageslicht.
Hoher MDER-Wert (z. B. 0,8+): Stärkere biologische Wirkung; ideal für den Vormittag und Mittag in Büros oder Schulen, um die Aufmerksamkeit und Konzentration zu steigern.
Niedriger MDER (z. B. 0,3–0,5): geringere biologische Wirkung; besser für die Abendstunden geeignet, um den Körper auf den Schlaf vorzubereiten.

Es werde zur Berechnung der MEDI (Melanopic Equivalent Daylight Illuminance) verwendet, also der tatsächlichen „biologischen“ Lichtstärke, die das Auge erreicht, heißt es weiter. Nach einer Weile wurde mir klar: Ich hatte diese Berechnung vor langer Zeit in diesem Blog illustriert: Wie zirkadian wirksam ist mein Licht?

Dumm nur, dass sich die CIE mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dass nur noch die Farbtemperatur bestimmt, was bei Licht circadian wirksam sein soll. Vor allem “biologisch wirksam”. Wie bringt es ein Lichtdesigner fertig, dieselben biologischen Wirkungen wie Tageslicht zu erzeugen? 
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Und ich wehre mich nicht weniger vehement dagegen, dass die gemeinte Wirkung der biologischen gleichgesetzt wird. Schon vor Jahrzehnten, im Jahr 1983, hatte der selige Kollege Rikard Küller den Begriff NIF = non-image forming geprägt. Damit waren alle Wirkungen des Lichts außer dem Sehen gemeint. Und diese reichen vom Zahnwachstum in der Kindheit bis zum Oberschenkelhalsbruch im hohen Alter. In den Jahren dazwischen kann Licht allerlei Wirkungen auf den Körper und auf die Psyche ausüben, wie Rikard Küller penibel ermittelt hat.

Diese hatte ich hier kommentiert: Wie man sich in 100 Jahren an das Licht herantastet

Doch Küller war beileibe nicht der erste Protagonist, der sich um biologische Wirkungen des Lichts kümmerte. Da waren einige vor ihm, so z.B. Prof. Hollwich von den 1940ern bis in die 1990er Jahre. Aber auch Hollwich war nicht der Urheber, der Idee, dass Licht stark etwas mit der Gesundheit zu tun hätte. Das haben die Väter der ersten deutschen Beleuchtungsnorm 5035 im Jahre 1935 schon getan. So endet der hier erwähnte Beitrag, den ich im November 2020 geschrieben hatte. Da war mir das Buch von Luckiesh und Pacini noch nicht gut bekannt, das genau vor 100 Jahren als “Light and Health” das Licht der Welt erblickt hatte.

Aber auch Luckiesh war nicht der Urheber der Vorstellung, dass Licht wichtige physiologische Wirkungen auf den Menschen hätte. Pioniere wie Niels Finsen (Nobelpreis 1903) nutzten Licht zur Heilung von Krankheiten wie Hauttuberkulose. War er wirklich der Pionier? Da fällt mir ein gewisser A. J. Pleasonton ein, vom Beruf General. Er argumentierte, dass Farbe enorme biologische Wirkungen entfalte und dem blauen Licht elektromagnetische Kräfte innewohnten, die in der Lage wären, den Körper zu heilen und Widerstandskräfte gegen Krankheiten aufzubauen. Das war kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Seine Geschichte(n) kommentierte ich in Genesis 2.0 zusammen mit allen zum Umgang mit Blau: Geheimnisse in Blau
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Viele Jahrzehnte später lernte ich Filter zu bauen, die dazu dienten, die Heilkraft des blauen Lichtes auf Neugeborene zu messen. Im Jahr 1956 hatte im Rochford General Hospital in Essex, England, die Oberschwester der Frühgeborenenstation, Sister Jean Ward, festgestellt, dass die Gelbfärbung der Haut (verursacht durch Bilirubin) bei Babys, die am Fenster im Sonnenlicht lagen, deutlich schneller verblasste. Zwei Jahre später war die Wirkung wissenschaftlich belegt. Zehn Jahre später verdiente ich als Student ein Zubrot mit den besagten Filtern. Man hatte herausgefunden, dass Bilirubin Licht am effizientesten im blau-grünen Spektrum (Wellenlänge ca. 460 nm) absorbiert. MDER soll die Wirkung des Lichts auf Melatonin quantifizieren. Dazu gehört die Wellenlänge von 460 nm bis 480 nm. Nicht allzu weit von dem wirksamen Licht für Babys.

Hundert Jahre oder gar 150 , um auf die schlichte Formel zu kommen, die biologische Wirkung der Lichts an seiner Farbtemperatur zu messen …

Das Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wurde mit folgenden Beiträgen weiter kommentiert, die darlegen, wie man das Entstehen von neuem Wissen auf dem Gebiet Licht und überhaupt in der Wissenschaft auch mit wissenschaftlichen Methoden verhindert:

 

12.01.2026

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Warum man Gesetze und Normen zu Licht am Arbeitsplatz nicht ändern kann

Zum 100. Jahr der Veröffentlichung des Buches Light and Health von Luckiesh und Pacini und zum 25. Jahr nach der Entdeckung eines neuen Sensors im menschlichen Auge wolle ich eine Bilanz ziehen bzw. deren zwei. 

Luckiesh und Pacini haben LIcht als Quelle der Gesundheit etablieren und in die Häuser und Arbeitsstätten bringen. Was aus ihrem Konzept nach 100 Jahren geworden ist, habe ich in dem Beitrag 

Ein Jahrhundert Light and Health von Luckiesh und Pacini

dargelegt. Deren Arbeit hatte weitreichende Konsequenzen für unseren heutigen Alltag, obwohl die Autoren längst vergessen sind. 

Der neue Sensor im Auge gab der Lichtforschung einen ungeahnten Aufschwung. Ich vermute, dass die Wirkungen des Lichts auf den Menschen noch nie derart intensiv erforscht worden sind. Führende Köpfe wiederholten unwissend eine Weisheit aus dem Buch Light and Health: "Licht - Mehr als nur Sehen". Die gesamte Lichttechnik, all unser Lichtwissen, sollte neu geschrieben werden. Dazu sollten die Normen für die Beleuchtung komplett geändert werden. Auch die Vorschriften des Arbeitsschutzes. 

Ein Vierteljahrhundert später stellt sich die Situation sehr ernüchternd dar. Ich selbst hatte seit 2011 den Auftrag, die ergonomische Norm DIN EN ISO 9221-6:1999 zu revidieren. Stattdessen schrieb ich eine Erklärung, den Standard ISO/TR 9241-610, der beschreibt, warum die Lichttechnik nicht die grundlegenden Bestimmungen geliefert hat. Für die nächsten 10 Jahre wird es nicht mehr dazu kommen. Der gesamte Beitrag 

Warum es derzeit nicht möglich ist, Gesetze und Normen mit Bestimmungen zu Licht zu revidieren

ist in licht-formt-leben.de  zu lesen.