Posts in Category: Lichtverschmutzung

Licht und Dunkelheit

31.07.2013

Entleuchtungsbirne

Als ich den gestrigen Beitrag mit Realsatiren schrieb, fiel mir ein Buch ein, in dem solche Dinge, allerdings als Satire klar erkennbar, von Wissenschaftlern geschrieben werden, im Journal der Unwiederholbaren Experimente. Für solche Taten gibt es seit einigen Jahren auch einen Nobelpreis. Damit man den nicht mit dem echten Preis verwechselt, heißt er „Ig Noble Prize“. Wie ernst die Sache genommen wird, sieht man daran, dass die Laudatio von echten Nobelpreisträgern gehalten wird. Weniger ernst sieht das Ende mancher Veröffentlichungen aus: Man faltet Papierflugzeuge daraus und lässt sie im Saal steigen.

Eine der prämierten Erfindungen heißt Schwarzbirne, die man zur Entleuchtung von Räumen einsetzt, in denen zu viel Licht installiert ist. Gestresste Bewohner von Großraumbüros, die keinen Besenstiel ergattern können, um die Lampen über ihrem Kopf kaputtzuschlagen, können aufatmen: Die Entleuchtungsbirne gibt es bald zu kaufen. Man installiert sie an passenden Stellen im Raum und hat so seine Ruhe.

Ich kenne viele Leute, die beim Anblick dieser Zeilen den Kopf schütteln werden. So'n Unsinn! Stimmt! Wird aber seit Jahrzehnten von dem Lieblingskonzept der Lichttechnik, der Allgemeinbeleuchtung, überboten. Man hat zwar den Namen getilgt, aber nicht geschafft, das Konzept zu killen. Seit mehr als 10 Jahren heißt es „raumbezogene Beleuchtung“. Damit keiner auf die Idee kommt, davon abweichen zu dürfen, erweitert man die zu beleuchtenden Flächen so, dass am Ende bei jedem Konzept dasselbe herauskommt (mehr dazu: selbstwachsende Flächen).

Wer Praktikern Konzepte verkauft, bei denen der überwiegende Teil des im Raum installierten Lichts auf den Teppich fließt, und der auf den Tisch fallende Teil vornehmlich an beiden Tischenden landet, darf sich über fade Scherze nicht aufregen. Dass die Studien, die zu solchen Konzepten geführt haben sollen, das o.g. Journal bereichern könnten, kann ich mir nicht vorstellen. Wenn die Redakteure unter einer entsprechenden Beleuchtung zu arbeiten haben, werden sie sich verbitten, Scherze über ihr Elend zu treiben.

Licht und Überfluss

18.05.2013

Story einer Beleuchtung, die niemand mag

In einem verwunschenen Labor sitzt ein freundlicher Chemiker und forscht vor sich hin: Wann denkt ein Stoff von sich, denkt er, dass er zum Leuchten auserkoren ist? Irgendwann ruft er Heureka („ich hab's“ auf Griechisch, εὕρηκα, ausgesprochen [hɛːǔ̯rɛːka]). Nicht der Stoff, sondern der Chemiker. Der Stoff würde zwar ab und an mal gerne leuchten, aber nicht immer. Das soll der Chemiker ändern. Nun gesellt sich ein Physiker dazu. Er weiß, wie man den Stoff elektrisieren kann, damit er dauernd leuchtet. Und zwar immer dann, wenn der Benutzer es so will. Irgendwann mal rufen beide Heureka. Das ist auch Griechisch. (In Wirklichkeit ist diese Geschichte etwas langwieriger, weil die beiden eine ganze Giftküche elektrisieren müssen, bis etwas ordentlich leuchtet. Wenn man alles erzählen würde, käme es manchem Spanisch vor.)

Wenn auch noch ein Dritter sich hinzugesellt, ein Lampenentwickler, und mit den beiden zusammen hɛːǔ̯rɛːka ruft, ist es so weit. Aus dem Stoff ist ein Lampenprototyp geworden.

Wenn in den oberen Etagen der Firma O. bzw. Ph. viele Leute auch Heureka rufen, wird aus dem Lampenprototypen eine Lampe.

Die meisten Lampen denken aber nicht daran, so zu leuchten, wie man bzw. frau will. Sie streuen ihr Licht womöglich in alle Himmelsrichtungen und müssen daher lernen, nur noch dahin zu leuchten, wo sie rechnerisch den größten Effekt hervorrufen. In der Lichttechnik nennt sich das die Arbeitsebene. Nicht dass alle Leute in dieser - horizontalen - Ebene arbeiten würden - das tun nur Angehörige bestimmter Berufe, über die man ungern redet, öffentlich jedenfalls - nein, weil sich die Ebene am besten rechnet. Damit unser Stoff, der nunmehr eine Lampe geworden ist, pflichtgemäß leuchtet, bekommt er eine Verkleidung. Nennt sich Leuchte. Nicht weil man alle Ideengeber für eine solche hält, sondern weil die Lampe nur in ihr leuchten darf. Sonst ist sie, die Lampe, womöglich grell.

Das darf sie aber nicht sein! Damit unsere Lampe nicht die ganze Arbeitswelt mit ihrer ungebremsten Lust am Leuchten belästigt, muss sie, die gemeine Lust der Lampe an der Gemeinheit, gebremst werden. Das nennt sich Blendungsbegrenzung. In der vornehmen Welt der Lichttechnik gibt es das Wort grell nämlich nicht, obwohl mittlerweile die Autos einen bereits tagsüber am Verstand des Chemikers bzw. des Physikers zweifeln lassen. LED nennt sich ihr neuestes Spielzeug, das noch ungebremst leuchten darf. Am schlimmsten vorne an den teuersten Autos.

Da die Blendungsbegrenzung nicht jede Dumpfbacke in seiner Arbeitsstube selbst vornehmen darf, hat man eine Reihe fein ziselierter Kurven ausgedacht, die den Namen des Erfinders aus dem Labor der Firma Ph. tragen. Diese erzählen dem Entwickler, wie er das Blech der Leuchte biegen muss, damit keiner behauptet, das Licht der Lampe käme grell daher. Fertig ist die Leuchte. Jetzt darf sie über den Köpfen der arbeitenden Bevölkerung an die Decke.

Leider nicht ganz. Denn in anderen Ländern sitzen andere Lichttechniker, die anders denken als der Erfinder der Kurven aus der Firma Ph. Sagen wir mal, sie sind in der Firma G.E. tätig. Die benutzen eine Formel, die den Leuchten den Giftzahn ziehen soll. Da Leuchten später ohne Rücksicht auf Landesgrenzen leuchten sollen, muss eine neue Formel her. Dummerweise fällt die etwas kompliziert aus, sodass es Probleme mit dem, sagen wir höflich, begrenzten Auffassungsvermögen der Praktiker gibt. Ergo packt man die Kurven der Firma Ph. in einen großen Topf, gibt die Formel von dem Autor aus der Firma G.E. dazu, und schüttelt so lange, bis eine feine Tabelle herauskommt. Die nennt sich UGR = Unified Glare Rating. Der Leuchte ordnet man nun eine Zahl zu. Sagen wir 19. Die erscheint in der entsprechenden Beleuchtungsnorm, und dort heißt es, wenn eine Leuchte einen UGR-Wert unter 19 hat, darf sie in einem deutschen Büro leuchten. Zwar ist dann höchstens die Hälfte der so Erleuchteten zufrieden. Das macht aber nix. Sie sollen froh sein, dass sie der zufriedenen Hälfte gehören. (Wer Freund von weniger lustig, dafür mit vollem Ernst vorgetragenen Fakten ist, kann hier fündig werden. Der Autor hat mir persönlich geraten, mich nicht mit Blendung zu befassen, weil ich entweder in die Irre geführt werde, oder irre.)

Fertig? Leider immer noch nein! Es gibt nämlich Leute, die darüber befinden, wie viel Licht unsere Leuchte auf die Arbeitsebene werfen muss. Und die kennen unseren Chemiker nicht. Den Physiker übrigens auch nicht. Und der Leuchtenbieger kennt die hier gemeinten Herrschaften nicht. Babel lässt grüssen. Weil der Physiker nicht weiß, was der Leuchtenbieger braucht, und dieser noch weniger weiß, was die Praktiker brauchen, und die Herren über die Menge des Lichts nicht vollends über die Technik aufgeklärt sind, kommt am Ende aus der Leuchte nicht genug Licht raus. So jedenfalls nach der Meinung der Leute, die die Menge des Lichts in deutschen Arbeitsstätten bestimmen.

Und? Man kann ja deren mehr an die Decke hängen. Dem stehen aber die Gepflogenheiten deutscher Unternehmen entgegen, den Büroraum für Menschen zu rationieren. Ziemlich dumm, aber leider nicht anders machbar! Soll man etwa mehr Raum bieten, damit dessen Himmel mehr von den Leuchten aufnehmen kann? (Wer es nicht glaubt, dass die Sache wirklich so läuft, soll sich mal die Beleuchtungsnormen angucken.) Bei einer Norm hat der Modellraum für eine Person hochgerechnet 45 m² bis 80 m², im realen Büro von 4 m² bis maximal 45 m² bei Vorständen und Staatssekretären. Da muss man aber schon mindestens Staatssekretär sein.) Der „normale“ Mensch im Büro, so z.B. ein Beamter, beansprucht eine Bürofläche mit einer Achsbreite, nennt sich Beamtenachse, mal Tiefe des Raums, so etwa 12 m². In diese Achsbreite passt meistens nur eine Leuchte hinein. Wie soll man da 20% mehr Leuchte installieren, wenn die Beleuchtungsstärke um 20% erhöht wird? (Große Konzerne beschäftigen kluge Berater, die die Beamtenachse so verbiegen, bis nur noch 7 m² übrig bleiben sollen.) Das Dokument war im Internet erhältlich und hieß „Auf dem Weg zum Büro mit Zukunft“. Wo hängt man dann die Leuchte hin? Die Berater kennen weder Lichttechnik, noch Beamte. Sind halt Berater, die vom Beraten leben. Später beraten sie den Kunden über psychische Belastungen. Sie wissen ja, wo die herkommen.)

Geht also nicht! Geht nicht, gibt's nicht - in der Technik. Es gibt nämlich Physiker, die aus der gleichen Länge Lampe viel mehr Licht herausholen. Fehlt nur noch der Elektroniker, der die Vorschaltgeräte so macht, dass sie mehreren Lampen in der gleichen Länge dienen können. Ihr Name: Multiwatt. Die Lampen mit der bombigen Leistung heißen dann High Output oder ähnlich, alles zusammen wird als „effiziente“ Lichttechnik verkauft.

Damit kann man über einem Mitarbeiter mit rationierter Fläche zwar nicht mehr Leuchte aufhängen, auch nicht mehr Lampe, aber mehr Licht aus denen herauskitzeln. Soweit, so gut.

Leider hat die Sache einen Denkfehler: Der vermaledeite UGR-Wert stimmt nicht. Die Leuchte blendet mehr als sie darf. Da der UGR-Wert aber den meisten Bauherren schnuppe ist, weil er ihnen nichts sagt, erzählt der letzte im Glied, der Elektroplaner, ihm überhaupt nichts von der Story. Er installiert, was das Zeug hält. Es ist nämlich so, dass der Planer auf eigene Kosten nachrüsten müsste, wenn man ihm nachweist, dass er zu wenig installiert hat. Wenn er zu viel installiert …? Kann er nicht! Weil in der Norm steht, dass alle angegebenen Werte Mindestwerte sind.

Wenn ein normaler Mensch wissen will, wieso denn solche Vorgaben gemacht werden, erzählt ihm Dr. O. aus der Firma Ph., oder Dr. Ph. aus der Firma O., dass draußen mittags 100.000 lx herrschen, während die mickrigen 500 lx im Büro …, na ja, wirklich mickrig sind. In diesem Metier misst man sein Produkt nämlich am Zentralgestirn unserer Galaxie und nicht an kleinkrämerischen Zahlen. (Leute, die ähnlich dachten, gingen in der griechischen Tragödie in der Antike tragisch unter; im Mittelalter wurden sie auf den Scheiterhaufen gestellt. Und heute?)

Wenn die Leute weder Dr. O. noch Dr. P. glauben wollen, weil ihre Brötchengeber, Lichtfirmen, ein Eigeninteresse an mehr Lux im Büro haben, findet sich bestimmt ein Prof. F. aus Uni G., der die gleiche Geschichte erzählt. Der hat bestimmt kein Eigeninteresse an … Eigentlich braucht man weder Doktoren noch Professoren, die die Story erzählen. Ein kleiner Stud.-ing. reicht dicke. Der nimmt nämlich meine ewig erzählte Geschichte sozusagen mit der Muttermilch auf. So etwa im dritten Semester. Sie ist ja älter als die Väter der heute lebenden Professoren und Doktoren.

Am Ende sitzen die Mitarbeiter*innen in Büros, deren Beleuchtung zwei- bis viermal überdimensioniert ist, und…? Sie schalten die Lampen ab, solange sie noch etwas sehen können. Der Fachmann würde sagen, dies stimme nicht; die Leute würden die Leuchten abschalten. Na, schön. Wenn sich die Leuchten nicht abschalten lassen, dreht man die Lampe aus der Fassung. Abschalten, damit man Ruhe hat. Ruhe vor dem Licht, das so niemand gewollt hat. 

Wer mag denn so komisch denken und handeln? Anscheinend nicht wenige. So besagt eine Studie des Onlinedienstes Linkedin aus dem Jahre 2012, in dem weltweit Führungskräfte vernetzt sind, dass der mit Abstand sehnlichste Wunsch ist, in einer Umgebung ohne künstliche Lichtquellen zu werkeln und zu arbeiten. Für 37% der deutschen Führungskräfte hat ihr Traumarbeitsplatz nur Tageslicht. Wer keine Führungskraft ist, bedient sich des Schalters.

EPILOG: Wer diese Erzählung für eine erfundene Story hält, muss nicht sehr lange suchen, bis er doch die Bestätigung findet. Vielleicht muss man gar nicht suchen, sondern nur nach oben gucken. Von mir kann er Einsicht in Messprotokolle in reichlicher Zahl bekommen, die ihm auf die Sprünge helfen. Der freundliche Herr aus der Firma Ph. ist mittlerweile gestorben und kann deswegen nicht reagieren. Den Forscher der Firma G.E. gibt es leider auch nicht mehr. Die anderen aber sind alle noch da und werkeln, bis ihnen die Klimakatastrophe das Handwerk legt. Vielleicht nicht als biologische Person, weil deren Laufzeit begrenzt ist. Aber als Ideenträger bestimmt. Am Ende wird allen ein Lichtlein aufgehen. Die Studie von LinkedIn findet sich hier. (Anm.: Für die „Stummtaste“, die das Geschwätz der Leute in der Umgebung abstellen kann, interessierten sich nur 21%.)

Für alle, die trotz allem künstliches Licht brauchen oder wollen: Aus der Küche des Chemikers, des Physikers und des Leuchtenbiegers gibt es Produkte, die Indirektleuchten heißen. Die stehen nicht in der UGR-Tabelle, weil ihr UGR-Wert 0 (= blendet überhaupt niemanden) beträgt bzw. bedeutet. Man hätte sie in die Tabelle aufnehmen können, hat aber nicht. Angeblich ist das UGR-Verfahren auf Indirektbeleuchtung nicht anwendbar. Angeblich! Honi soit qui mal y pense [ɔni swa ki mal i pɑ̃s]

Licht und Untergang

11.05.2013

INSELN VERSENKEN MIT LICHT

Die Welt hat verstanden: Wenn man weiterhin mit fossilen Brennstoffen die Atmosphäre voll CO2 pumpt, steigt der Meeresspiegel. Am Himalaya wird sich das vielleicht nicht auswirken, außer dass der Mount Everest zwei Meter weniger über N.N. messen wird. Aber das Land, das gerade 1,5 m über dem Wasser rausguckt, wird es nicht mehr geben. Gluck! Es handelt sich um eine der schönsten Atolllandschaften der Erde, die Inselwelt der Malediven.

Der Präsident der dem Untergang geweihten Republik hat die Sache mit einer spektakulären Aktion publik gemacht: Das Kabinett tagte 2009 unter Wasser (mehr hier). Eigentlich kaum vorstellbar, dass so etwas bei uns passiert – Kabinett Merkel unter Wasser. Man sieht, wie einzelne Minister heiße Luft ablassen statt Weisheiten. Die Betonfrisur einer Ministerin gerät durcheinander, was aber nicht weiter auffällt, weil das Make-up stärker derangiert wird. Und über allem schwebt Mutti nebst ihrem Umweltminister, der neulich den uneitelsten Spruch von sich gegeben hat, den je ein Politiker ausgesprochen haben dürfte: Auf die Frage, wie er sich die Speicherung der sommerlichen Sonnenenergie für das winterliche Heizen vorstellt, guckte er kurz auf seinen Bauch und sagte, an der allgemeinen Lösung würden seine Fachleute derzeit arbeiten. Die private Lösung sei ihm aber bereits gelungen. Bei dem Mann kann ich mir vorstellen, dass er auch als Manta über'm Riff schweben würde, ohne an Würde zu verlieren.

Leider ist der Anlass von diesem Blogbeitrag weniger lustig als der humorvolle Minister: Heute wurde auf Mauna Loa die höchste CO2-Konzentration der letzten 2 Millionen Jahre gemessen. Die Menschen haben nur 55 Jahre benötigt, wofür die Natur 2 Mio. Jahre verplempert hat. Soll der Präsident der Malediven demnächst die Tauchgeräte an den Rest seines Volkes austeilen?

Ich denke, das sollte er sofort tun. Denn die Inselwelt könnte viel eher versinken als durch die Erhöhung des Meeresspiegels, die noch 50 oder 100 Jahre auf sich warten lässt. Und die Korallen können in der Zeit weiterwachsen, womit die Republik weiterbestehen könnte, sogar auf einem höheren Niveau. Doch die Korallen benötigen zum Wachstum Nachwuchs, den sie wie viele andere Spezies über sexuelle Kontakte bewerkstelligen. Da die dummen Tiere aber nicht gelernt haben, sich bewegliche Häuser zu bauen wie Schnecken, bleiben sie für immer in der Behausung stecken, die sie mal als Larve ausgesucht haben. Wie läuft ein junger Kerl einer hübschen Schnecke nach, wenn er in einem Zimmer gefangen lebt, und sie auch, aber in einem anderen?

Bei den Korallen geht die Sache recht gut, weil sie nicht an der Luft leben, sondern im Wasser. Die Korallenfrauen lassen ihre Eier einfach ins Wasser, die Korallenmänner die Samen. Fehlt nur noch die Organisation des Zusammentreffens, Speed-Dating für ortsgebundene Riffbewohner – Einsamer sucht Einsame; zum Einsamen reicht nicht. Der Einsame und die Einzusamende müssen sich zum gleichen Zeitraum im gleichen physikalischen Raum treffen - Ei und Samen. Und dafür sorgt der Mond mit seinem Licht.

Einmal im Jahr sehen die Riffe nachts aus, als wären sie in Nebel verhüllt. Man sieht aber deutlich, dass es sich nicht um Nebel bzw. Verschmutzung handelt. Es ist die Hochzeitsnacht der Korallen. Wer in dieser Nacht keinen Partner gefunden hat, treibt am nächsten Tag oben tatsächlich als eine Art Verschmutzung, während die Glücklichen ihr Larvenleben beginnen, indem sie abtreiben. An einem anderen Ort. Keimzelle eines neuen Riffs?

Und was ist mit dem Untergang? Eine Hochzeitsnacht unter'm Vollmond ist doch was Tolles? Stimmt! Allerdings dürfen nicht 365 Nächte im Jahr Vollmond sein. Auf den Malediven ist aber die Sache so weit gediehen. In der einstigen Wildnis gibt es kaum Ecken, wo es nachts noch dunkel wird. (mehr hier: http://www.walkabout-talkabout.de/Malediven/Nacht_weg.html oder http://www.lichtundgesundheit.de/cyberlux/?p=617 ) 

Wenn Korallen 365 Nächte im Jahr Hochzeit feiern (müssen), können sie ihre Eier und Samen jederzeit in die Fluten feuern. Das Ergebnis - bezüglich des Nachwuchses - dürfte wie bei den Menschen ausfallen: sehr geringe Trefferquote. Als Folge verkalken die menschlichen Gesellschaften. Bei dieser Republik kracht es im Gebälk, weil die Malediven keinen einzigen Stein ihr eigen nennen, sondern nur auf Korallenkalk aufgebaut sind. Die Inseln sind ständig im Auf- und Abbau begriffen und brechen auch ohne Weltuntergang in der Mitte durch, wo dann eine Lagune entsteht - und ein Mini-Atoll drumherum. Andernorts wächst dann ein Thila oder Giri langsam nach oben und bildet die nächste Inselgeneration.

Damit ist Sense, wenn die einstige Wildnis als neue Partymeile nächtlich  in Lichterglanz erstrahlt. Keine Koralle ohne Korallenhochzeit - Keine Insel, ohne neue Koralle. Es ist, als ob man im ersten Stock wohnt und zugucken muss, wie Keller und Parterre abgetragen werden. Toter Kalk löst sich hervorragend im Wasser.

Wer beanstandet hatte, dass durch das primitive Verbrennen fossiler Brennstoffe sowie Abfackeln tropischer Wälder der Weltuntergang nur schleppend herbeigezauert werden kann, kann lernen, wie man das schneller und gründlicher bewerkstelligen kann. Titanic lässt grüßen. Ein leuchtendes Vorbild!

 

Licht und Dauerlicht

15.03.2013

ES IST ERREICHT - DAS LICHT BRENNT DURCH

In den letzten Tagen geschah Unerhörtes. Als so viel los war mit dem alten und neuen Papst, über die so lange berichtet werden musste, ich meine im Öffentlichen, bis dass selbst eingefleischte Feinde des Action-Fernsehens, ich meine des Privaten, lieber Pro7 eingeschaltet haben, als ständig Kardinäle in allerlei Posen zu bewundern, rutsche eine Nachricht ziemlich unbewundert durch: Die erste Arbeitsstätte der Welt, die nach dem Traum des Deutschen Arbeitsschutzes beleuchtet ist, steht, und das Licht brennt durch - ich meine, durchgehend. Es ist der Zukunftsflughafen der Hauptstadt BER, dessen Zukunft in den Wolken geschrieben steht. Steht doch einem Flughafen gut – die Zukunft in den Wolken?

Erst einmal zum Traum: Jeder erwachsene Deutsche, dem ein Arbeitsplatz zugewiesen worden ist, hat per EURO-Norm ein Anrecht auf eine Mindestbeleuchtungsstärke zu seiner Er…, pardon, Beleuchtung. In der zuständigen Norm wird das Recht so definiert: „Die im Abschnitt 5 angegebenen Werte sind Wartungswerte der Beleuchtungsstärke im Bereich der Sehaufgabe auf der Bewertungsfläche, die horizontal, vertikal oder geneigt sein kann. Unabhängig vom Alter und Zustand der Beleuchtungsanlage darf die mittlere Beleuchtungsstärke für die jeweilige Aufgabe nicht unter den im Abschnitt 5 angegebenen Wert fallen.“ Es gibt Experten, die dem so beleuchteten Menschen das Recht absprechen, sogar im Falle übermäßiger Lichtfülle durch die Natur die Beleuchtung zu dimmen oder gar abzuschalten. Zu ihrem Schutz, natürlich. Dass diese den Sinn dieses Schutzes nicht verstehen und einfach zum Schalter greifen, ist unerheblich. Lux muss sein, vor allem 500.

Da eine Norm kein Recht begründet, hat die Arbeitsministerin eine ASR veröffentlicht, die das Ganze nochmals in Beton gießt: „An keiner Stelle im Bereich des Arbeitsplatzes darf das 0,6-fache der mittleren Beleuchtungsstärke unterschritten werden.“ So! Basta! Einen besseren Dienst für das Lichtmarketing hat noch nie eine Bundesministerin erweisen können. 

Bislang haben es deutsche Unternehmen versäumt, dieses Recht in die Praxis umzusetzen. Bisher! Neulich stand in der Zeitung, dass in BER das Licht durchbrennt, weil niemand es abschalten kann. Zwar ist es mit den Arbeitsplätzen noch nicht so weit. Vorglühen wird man doch dürfen … Niemand weiß heute, wann ein Verantwortlicher den Lichtschalter finden wird. Bis dahin wird das Hauptterminal des BER Tag und Nacht hell erleuchtet bleiben.

Licht und Verschmutzung

18.01.2013

MAL DEN HIMMEL PUTZEN

Nach meiner letzten Tauchreise auf die Malediven wollte ich den dortigen Präsidenten anschreiben und ihn bitten, das, was er von anderen Staaten erwartet, nämlich mit Energie nicht zu aasen, damit sein Reich noch über das Wasser guckt, selbst zu realisieren. Zwei Wochen lang gab es in der einstigen Wildnis keine Nacht. Das Meer war voller Scheinwerfer, die in die dunkle Nacht zeigten, in der sich nichts bewegte; die Schiffe ließen die ganze Nacht massenweise Lichter brennen. Und die Inseln hatten mittlerweile Straßenlaternen, ohne dass es nachts Verkehr oder Menschen gab. Leider hat es mit dem Schreiben nicht geklappt, weil der Präsident gestürzt wurde, ehe ich schreiben konnte.

Weiß einer in Deutschland, dass dort über 9 Millionen Laternen Nacht für Nacht bis zum Morgengrauen brennen und auf Fußgänger warten? Auf neun Deutsche kommt eine Straßenlaterne! Sie stehen in der Landschaft herum und warten, bis einer vorbeikommt, um sich den Weg beleuchten zu lassen. Sie beleuchten sogar Straßen, auf denen man nachts Zeitung lesen kann, Kudamm, Kö und so. Da waren die alten Römer intelligenter. Wollte ein Bürger einen anderen zu später Stund´ besuchen, bestellte er einen Laternarius. Dieser trug ihm die Laterne voran. Leider können wir uns keinen Laternarius mehr leisten, der ein Sklave war. Und Sklaven pflegten auch, einen Sklavenaufstand zu wagen, wenn der Auftrag zu blöd war. Einen Laternenaufstand brauchen wir nicht zu befürchten. Sie stehen eh schon in der Landschaft herum.

Und die Dinger beleuchten nicht nur die Straßen. Man kann sie auch von Satelliten aus fotografieren. Das Bild da oben zeigt eine Stadt, in der man um Mitternacht hat Dinge mit bewegtem Meerwasser beleuchten können (Meeresleuchten reichte zum schematischen Sehen aus). Interessant sind die Lichter links unten im Schwarzen (Meer). Das sind Schiffe, die vor Anker liegen. Und die brauchen eigentlich nur ein kleines Licht oder zwei, je nach Größe. Jetzt kann man sie auf Satellitenbildern gegenüber einer Großstadt noch erkennen.

Wie wäre es damit, den Himmel zu putzen? Licht nur dahin, wo man etwas sehen will? Wie und was man machen kann, kann man z.B. beim Sternenpark in der Schwäbischen Alb lesen. Z.B. Städte ohne Lichtverschmutzung. Zur Schwäbischen Alb einfach hier klicken

Eine recht alte Abhandlung des Themas gibt es hier: Lichtverschmutzung – Die Dunkle Seite des Lichts
Wer sich nicht bis zur Schwäbischen Alb bewegen will, kann auch über Frankfurt und Lichtverschmutzung hier lesen.
Hier ist eine ganze Website dem Thema gewidmet.
Und hier gibt es Infos in Deutsch, Englisch und Niederländisch zu den Einflüssen auf das Leben.

Wer das alles für überflüssig hält, sollte sich überlegen, wann er das letzte Mal eine dunkle Nacht gesehen hat. Und mehr als paar Sterne.