Posts in Category: Energieeffizienz

Verlust der Nacht

Wer hätte das gedacht! Die Zahl derer, die die Nacht, also das Dunkle, retten wollen, ist Legion. Was ist denn passiert? Eigentlich das, was alle wollten, Licht, immer wenn ich will. So stehen in Deutschland 9 Millionen Straßenlaternen Nacht für Nacht sich die Beine in den Bauch - Pardon, den Sockel in die Erde - und warten darauf, dass einer mal vorbeischaut. Selbst auf den Malediven, wo es keine richtigen Straßen gibt und auch keine Fußgänger nach dem Nachtgebet, stehen die Dinger rum und leuchten aufs offene Meer. Man kann viele Autos nachts vom Flieger aus sehen, weil sie den Himmel beleuchten. Und unsere Städte verwandeln sich langsam aber sicher in Mini-Las-Vegas.

Seit langem hatte ich hier vor der Lichtverschmutzung gewarnt, spätestens dann, als ich 1.000 km off Manila auf einer einsamen Insel nachts habe die Überschriften der Zeitung klar lesen können. Hunderte Fischerboote, jedes bestückt mit einer Lampe entsprechend einer Leistung von ein kW, ließen den Himmel hell leuchten. (hier, da und dort). Heute fand ich zufällig Nachrichten über eine Konferenz zum Verlust der Nacht u.v.a.m. Wer sich interessiert, kann die unten angegebenen Websites besuchen (und sich die Nächte um die Ohren schlagen). Die Konferenz heißt ALAN (artificial light at night) und wird September 2016 in Cluj/Transsilvanien stattfinden, nicht weit weg von einem Schloss, dessen Hausherr seine nächtlichen Flüge wegen des vielen Lichts hat einschränken müssen. (mehr zur Konferenz hier)

In dieser Stadt habe ich als Jugendlicher nachts auf meinem Boot einen Eimer Wasser ausgeschüttet, um etwas zu erkennen, auch wenn nur schemenhaft. Das Meeresleuchten hat für kurze Zeit gereicht. Jetzt quillt das Licht bis zur ISS. Dass die Astronauten dort schlafen können, geht nur, weil das Wummern der Discos es nicht zum Himmel schafft. Und wo die lila Lichter ihr Unwesen treiben, konnte man in der Ferne die Hagia Sofia sehen.

NASA_Istanbul-at-Night

Wie viele Sterne gibt es am Himmel? Astronomen würden sagen, unendlich viele. Ein Dorfbewohner in Deutschland wird sie auf viele Tausend schätzen. Ein armer Großstädter sieht meistens einige blasse Pünktchen, wenn er Glück hat. Aber auch auf fernen Inseln kann man erleben, dass die Leute kaum Sterne sehen, weil die Lichter von Ferienresorts oder Fischereiflotten die Nacht zum Tag machen. Nach einer Stunde im Dunkeln und am Wasser, besser noch im Wasser, darf man mit Fug und Recht behaupten, man hätte doppelt so viele Sterne gesehen wie die Astronomen, weil diese den Sternenschein im Wasser nicht ins Visier nehmen. Eine dunkle tropische Nacht im oder auf dem Wasser beschert einem eine mit riesigen Diamanten besetzte Himmelskuppel und deren Ebenbild im Wasser. Wenn man 10.000 und mehr bunte LEDs einem vor die Nase setzt, ziehen sich die Sterne indigniert zurück und überlassen die Bühne der schreienden künstlichen Konkurrenz.

http://www.verlustdernacht.de/ http://www.verlustdernacht.de/Loss_of_the_Night_App/articles/loss-of-the-night-app.html

http://www.cost-lonne.eu/ http://www.cost-lonne.eu/publication-2/993/ http://www.cost-lonne.eu/images/

http://www.zukunftsprojekt-erde.de/mitmachen/verlust-der-nacht.html

https://de-de.facebook.com/loss.of.the.night/

Kann die Stadtreinigung den neuen Müll beseitigen?

  
Dummerweise nicht. Wir sind zwar vor Immissionen geschützt, aber nicht, wenn Licht einer "guten" Sache dient, nämlich dem Kommerz. Und wenn ein Normalbürger die Fassade seines Hauses mit LED verschönert, greift der Immissionsschutz vermutlich nicht, wenn er nicht übertreibt. Unsere Städte sehen langsam eh aus, als wären wir im Himmel und der Tag ewig.

Ottawa-Church

Licht-aus-Spott-an

Ende-der-NachtLicht-in-der-Nacht-behindert-Brustkrebsbehandlung 
Vielleicht sind wir bald da oben, aber bestimmt nicht im Himmel. Wer so mit natürlichen Ressourcen und Menschen umgeht, fällt bei der Aufnahmeprüfung durch und kommt an einen wärmeren Ort, geheizt mit der Restwärme der unnütz betriebenen Kraftwerke.

Wie man mit Licht Dunkel schafft

 
Vor einigen Tagen war ich in einem eigentlich schönen Hotel mit einem Jugendstil Ambiente. Z.B. über dem Salon mit den Tageszeitungen und Sesseln zum Lesen ist ein Oberlicht, das die Leserei zum Vergnügen macht. Viel Licht, keine Störung. Wenn man aber das Hotel betritt oder verlässt, kommt man an einer Wand vorbei, die der Betreiber, eine schottische Hotelkette, zur Demonstration der nationalen Symbole benutzt. Bei Schotten denkt man ja oft, was sie wohl unter dem Rock tragen. Egal, bei dem Licht wird man dies auch dann nicht sehen, wenn der Rock geliftet wird.

image

 
Der Hauptschuldige bei diesem Bild ist nicht Licht sondern eher dessen Verwendung. Man schafft eher Dunkel denn Licht, eher Blendung denn Erhellung. Im Übrigen, dieses Bild habe ich benutzt, weil ein viel schlimmeres Exemplar aus einem anderen Hotel als Demonstration weniger geeignet ist. Das Bild zeigt die Bar eines Hotels in Dortmund, das aus dem ehemaligen Hauptquartier einer Brauerei entstanden ist. Die ganze sichtbare Front ist mit einem edlen Marmor in edler Farbe ausgestattet. Leider ist die edle Farbe schwarz und man kann schwarz beleuchten, wie man will. Effekte lassen sich hervorrufen, wie man aus Fotos von schwarzen Gesichtern kennt. Aber eine lichte Umgebung lässt sich damit nicht herstellen.

Energiesparlampe und Halogen-Leuchten ade!
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Energiesparlampe ade.

Normalerweise sagt man, die Börse nehme die Zukunftsaussichten vorweg, zuweilen halt nicht so nobel. Die Sache erinnert mich an den Witz darüber, wie man Chef eines kleinen Unternehmens werden kann. Antwort: Indem man ein großes übernimmt und es zugrunde wirtschaftet. Niemand wird davon verschont bleiben, selbst ein Weltmarktführer wie IBM nicht. Einst war die Firma in mehr als 190 Ländern Marktführer zwischen 60% und 80% Marktanteil bis alleiniger Monopolist. Dann kam ein kleines Männchen mit einer dafür umso großen Brille. Angeblich ausgesucht, weil er keinen Bart hatte. Der sollte dem Personal Computer, nach eigener Version Erfindung des Hauses, die Seele einhauchen. Nennt sich Betriebssystem, OS unter Nerds & Co. Er kaufte sich ein Produkt, das sich seinen Namen echt verdiente: QDOS alias Quick&Dirty Operating System, ließ das Q weg. Fertig war das Betriebssystem DOS. Da das Ding sich eher für Programmierer und Nerds denn für den Normalbürger aus Fleisch und Blut eignete, konnte es dem großen IBM nicht allzu gefährlich werden. Dann bekam aber das kleine Männchen den Auftrag, QDOS, Pardon DOS, den Menschen anzupassen. Das Ergebnis schmeckte den Oberen von IBM ganz und gar nicht. So beschlossen sie, die Freundschaft zu beenden und das neue System selber zu Ende zu führen. Der Name: OS/2, für Kenner: OS-halbe. Man könnte es als ein Fast-Betriebssystem nennen oder eben halbes. Das Männchen durfte seine Version davon frei vermarkten, weil sie nach der Meinung der Oberen der obersten Instanz in Sachen EDV, einst Vorbild für einen Computer, der besser denken kann als der Mensch, HAL 7000*, eh keine Chance hatte. Das Produkt des Männchens hieß und heißt Windows. Von IBM hingegen hört der Normalbürger nicht mehr viel. Die Firma macht in Server mit einem OS entwickelt von einem Amateur, das er verschenkt hat, Linux. So ähnlich könnte es mit dem Osramischen Weltreich werden, dem Reich, in dem die Sonne nie aufgeht, damit irgendwo immer ein Lichtlein brennt?
  

Energiesparlampe ade
Mich stört diese Meldung am meisten. Was haben wir für Kämpfe wegen der Energiesparlampe geführt, die keine war! (s. hier und da und dort). Kaum hat sich der Staub auf dem Kampffeld gelegt, verschwand das Ding aus dem Vokabular, weil das neue "Buzzword" LED wurde. Und LED spart wirklich was, z.B. an Gemütlichkeit, die sich in der Lichtbranche irre lange gehalten hatte. Bei Tagungen der LiTG wurden Kataloge verlesen, für mehrere Jahrzehnte Konzepte aus den 1930er Jahren gepflegt (Allgemeinbeleuchtung), Gemeinplätze ausgetauscht, Tausend-und-eine Geschichte aus dem Osramischen Reich rezitiert, während man wahrlich revolutionäre Ideen wie die von Hollwich niedermachte, weil er mal ein Leuchtmittel nicht Dingsbums-Lampe nannte, wie es sich gehört, sondern Dingsbums-Röhre. Jetzt geht es buchstäblich ans Eingemachte. Mal sehen, wer in die Röhre guckt.

 

* HAL 9000 Computer war in Odyssee 2001 von Stanley Kubrick der Gegenspieler des Menschen, der bereits in dessen Gesichtszügen erkannte, was dieser dachte. Was sich mit HAL hat, kann man ausrechnen, wenn man die Buchstaben durch den jeweils nächsten im Alphabet ersetzt.  😎 

HAL 9OOO and Dave

Dave

Abenteuer LED bei Fluchtwegkennzeichnung

  
Es ist vollbracht: Selbst skeptische Journalisten halten LED für effizient. Mag sein. Darum geht es hier nicht. Vielmehr um den Begriff "Effizienz". Nach Adam Riese ist etwas effizient, wenn ich damit mein Ziel mit möglichst geringem Aufwand erreichen kann. So z.B. ein Besenstiel bei der Kindererziehung, schlicht, einfach … und effizient?

  
Hier ist ein Bild, das zeigt, was man bei einer Fluchtwegbeschilderung erreichen muss: Das Objekt leuchtet mit den vorgeschriebenen Eigenschaften. Wer die nicht einhält, kann sich warm anziehen, insbesondere im Falle eines entsprechenden Vorfalls, bei dem dieses kaum beachtete Schild im Mittelpunkt des Interesses steht.

  
So sieht die LED (retrofit)-Version davon aus. Ich denke mal, nicht ganz so vorschriftsmäßig. Die leuchtet zwar schön, aber nur nicht dort, wo nötig. Dafür umso stärker dort, wo man eher nichts sieht. Verhindert sogar das Sehen der wichtigeren Teile.

  
O.K. Nächste Tür, nächstes Schild. Die leuchtet da, wo am es besten leuchten sollte, falls nicht überall. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Also erspare ich mir den Rest.

  
Wem dies nicht gefällt, kann sich die nächste Variante aussuchen. Die leuchtet zur Abwechslung mal auf der anderen Seite. Hat jemand was dagegen?

  
Wem dies immer noch nicht reicht, kann sich die leere Stelle rechts angucken, dort sind die Schilder (nicht) zu sehen, deren LEDs durchgebrannt sind. Und das waren bei einer Besichtigung fast alle, die in entlegenen Ecken angebracht waren. Niemand hat sie gesehen. Und niemand wollte sie inspizieren, weil die Trommeln der Industrie was von 50.000 Stunden Lebensdauer in die Gegend posaunen. 50.000 Stunden! Das sind fast sechs Jahre ununterbrochener Betrieb. Warum soll man Objekte mit einer solchen Lebensdauer inspizieren? Außerdem: Wie viele Stunden im Jahr ist unser Büro in Betrieb?

 
Dummerweise bringt man die Schilder dort an, damit sich die Leute bei einem Brand oder sonstigen unangenehmen Ereignissen möglichst schnell den Weg ins Freie bahnen können. Zudem müssen die ständig in Betrieb sein. LEDs sind Abenteuer, die manchmal ins Auge gehen können. So jedenfalls, liebe Leute, geht es nicht. Die hier gezeigten Objekte stammen nicht aus üblen Kaschemmen oder alten Kasematten, sondern aus Häusern, auf die man stolz ist. Sie sind nur wenige Jahre alt - und haben wohl die 50.000 h schnell hinter sich gebracht. Bei der Qualität der Ausführung kann die Lebensdauer schneller vergehen als 500 Stunden.

Wie bin ich bloß vorhin auf Besenstiel und Erziehung gekommen?

Fluchtwegkennzeichnung