Kein Quecksilber auf deutsches Land

Deutsche für Kohleausstieg – Sorge um Quecksilber-Emissionen

Heute wurde eine Emnid-Befragung zum Kohleausstieg veröffentlicht. Danach sind 80% der Deutschen für einen Ausstieg aus Kohle, auch wenn Gewerkschaften für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen. Etwas sind sie sauer auf den Vizekanzler. Wie böse sie auf ihn wären, wenn sie wüssten, wer ihnen das hauptsächliche Argument für den Kohleausstieg eingebrockt hat? Quecksilber! (zum Lesen bitte hier oder da). Vor allem da, denn diese Quelle ist garantiert unverdächtig als grün-angehaucht oder gar gewerkschafts-freundlich.

Bis vor wenigen Jahren wusste ich zwar, wie man Strom aus Kohle macht und wieder Kohle mit Strom - das habe ich studiert -, aber nie und nimmer haben uns unsere Profs. erzählt, dass wir mit dem Verstromen von Kohle Quecksilber in die Luft pusten. Das lernte ich durch den damaligen Umweltminister - heute aufgestiegen zum Vizekanzler, der Mann mit dem erzengelhaften Namen (die Beiträge in diesem Blog z.B. hier und dort). Der erklärte uns, in dem Kohlenerz läge das Quecksilber gefangen, so etwa seit dem Erdaltertum. Holt man die Erze an die Oberfläche und schmeißt sie in den Ofen, kommt oben Quecksilber raus. Das hat er natürlich nicht etwa erzählt, um den Hersteller der Kohlekraftwerke anzuschwärzen. Herrn Minister ging es darum, dass man die Energiesparlampe durchsetzt. Die Logik: wenn man die böse Glühlampe durch die gute Energiesparlampe ersetzt, spart man ein Kohlekraftwerk, und pustet damit weniger von dem ebenso bösen Quecksilber über Deutschland. Dass in der sog. Energiesparlampe auch Quecksilber vor sich hin werkelt …? Geschenkt! Denn die Industrie, die ihm die Story mit der Kohle und dem Quecksilber aufgeschwatzt hatte, hatte die wundervolle "Energiesparlampe" nur als "Übergangstechnologie" in der Argumentenkiste. Deswegen war ihr recht, dass man die Quecksilberstory aus der Mottenkiste holte und unter´s Volk brachte. Man wollte der LED den Weg ebnen. 

Dumm gelaufen. Die Tochter der Firma, die LED verkaufen sollte, wurde selber verkauft, weil die Mutter keine Kohle mehr aus Licht machen will. Eben diese Mutter, die die Kraftwerke gebaut hat, und vermutlich noch kräftig baut, steht dumm da als Landschaftsverschmutzer. 

Noch dümmer ist die Sache wohl für die Umweltengel gelaufen, Greenpeace. Die hatte die Kampagne mit der Energiesparlampe angestoßen, ein Gutachten in Auftrag gegeben, um anschließend den Auftragnehmer anzuschwärzen, einen honorigen Dokumentarfilmer. Der hatte nämlich die Energiesparlampe sinngemäß als den größten Umweltverschmutzer ermittelt. Jetzt heißt es: "Greenpeace sieht das Quecksilber-Thema als Kampagnenfokus der nächsten Zeit - und die Studie als Beleg für die Notwendigkeit." (s. FAZ von heute)

SchweinEberhardKopf

Schlot mit Quecksilberfahne
Schlot mit Quecksilberfahne

Erstellt: April 8, 2015 um 9:57

4 Comments

  1. Antworten

    […] Was haben wir für Kämpfe wegen der Energiesparlampe geführt, die keine war! (s. hier und da und dort). Kaum hat sich der Staub auf dem Kampffeld gelegt, verschwand das Ding aus dem Vokabular, […]

    • Antworten
      Betti 13. Dezember 2015

      Ich würde glaube ich niemals komplett auf Energiesparlampen umsteigen. Auch wenn Hersteller anderes behaupten, sie haben ein kälteres Licht. Und die Modelle mit warmen licht, haben immer noch den Nachteil, dass sie nicht so schnell die volle Leistung bringen, und man teilweise höhere Wattzahlen braucht als von denen mit kaltem Licht damit man etwas sieht. Deswegen tut mir zB Australien Leid wo ja nur noch Energiesparlampen erlaubt sind (Ausnahmen sind Scheinwerfer von Autos, Backofenlämpchen etc..)Ich finde eine gesunde Mischung aus Energiespar und normalen Leuchten ist die Lösung. Wobei ich mich gerade frage, wie es mit dem Energieverbrauch von den kleinen Strahlerchen aussieht, die ja immer so schön hinter ihrem Trafo hängen (Seilsystem und sowas)? Weil ich finde die geben ein Herrliches Licht, aber ich hab immer das Gefühl da jede Menge Geld in die Steckdose zu blasen.

      • ahmetpro
        Antworten
        ahmetpro 14. Dezember 2015

        Ja, Betti, die Hersteller reden viel und sagen wenig. So sind die sog. Energiesparlampen nicht die sparsamsten, weil die 10% mehr Strom für dasselbe Licht verbrauchen als Stablampen. Die kann man natürlich nicht in jede Lampenfassung schrauben, weil sie 1m bis 1,50 m lang sind.

        Die Strahlerchen, die man nur über ein Trafo betreiben kann, sollte man nur hinter einem Schalter betreiben, damit der Trafo nicht ständig die Wohnung heizt. Auch im Sommer.

        Mit der Wahl vom Mix liegen Sie richtig. Das Verbot war einfach blödsinnig. Hat der Industrie aber gefallen, weil die eh LED bauen und verkaufen wollten. Nu bauen aber die Asiaten die LED und OSRAM und Philips gucken in die Röhre. Es gibt übrigens tolle LED, leider zu tollen Preisen.

  2. Antworten

    […] ging mir gestern ins Netz, etwa zu der Zeit, als die SPD den großen Propagandisten (s. hier) der Lampe abwatschte. Es ist tatsächlich in Gebrauch! Wie verzweifelt müssen die Leute sein, die […]

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