Posts Tagged: Lichtqualität

Licht und Glamour

30.03.2014

Glööckler macht in Licht - die Normung auch …

Was tut ein Mensch, der den Allmächtigen trifft? Früher warf man sich hin und wälzte sich im Staub. Ich schätze, heute wäre das nicht angemessen. Als ich heute dem Meister der Verkleidung begegnet bin, wartete die größte Menschenschar auf der Messe Licht und Bildung, nein, Light & Building, auf eine Erscheinung. Dann kam ER und erteilte seinem Gastgeber, einem Leuchtenhersteller,  seinen Segen. „Sie haben Ahnung vom Leuchten, ich bin Meister des Glamours …“ Oder so ähnlich! Ich dachte, das Standpersonal hätte mir Vodka in das Mineralwasser gemischt, und bekniff mich an der Wade. Nein, ich war nüchtern und von dieser Welt. Harald Glööckler präsentierte sein Licht.

Warum eigentlich nicht? Weniger gefährlich für die Gesundheit ist seine Beleuchtung als die TÜV-08/15-Laternen für Arbeitsräume allemal. Auch weniger gefährlich für die allgemeine Kultur als seine Store-Eröffnung (bitte nur anklicken, wenn Sie eine gestandene Persönlichkeit sind, Kinder und Ältere müssen davor geschützt werden.) Die Bild-Zeitung hat dem Event eine ganze Seite gewidmet, wobei oben eine Warnung (oder Entschuldigung?) stand: „Bitte nicht erschrecken, wir erfüllen unseren Bildungsauftrag."

Was man auch von der ganzen Geschichte halten mag. Mir gefiel sein Motto: Jede Frau ist eine Prinzessin und hat ein Recht darauf, gut auszusehen. In Deutschland warten so etwa 11 Millionen Prinzessinnen darauf, dass ihr Büro so beleuchtet wird, dass man sie nicht für Testpiloten in einer Besenfabrik hält. Natürlich ist diese Vorstellung recht übertrieben. Nicht alle 11 Millionen sehen aus, als würden sie sich auf die Walpurgisnacht vorbereiten. Aber alle würden besser aussehen, wenn die Beleuchtung nicht der „Sehaufgabe“ gälte, sondern den Menschen oder ihrer Umgebung. Ist das nicht schon jetzt so? Anscheinend nicht, denn in der Norm EN 15193-1 "Energetische Bewertung von Gebäuden – Energetische Anforderungen an die Beleuchtung – Teil 1: Spezifikationen, Modul M9“ lese ich, dass es drei Klassen der Güte der Beleuchtung gibt: * oder ** oder *** . Bei nur einem * geht es um die „ einfache Erfüllung der Anforderungen“, während ** „gute Erfüllung der Anforderungen“ bedeutet. Erst mit *** ausgezeichnete Beleuchtungen erfüllen die Anforderungen umfassend. Woher die Anforderungen kommen, steht leider nicht zu lesen.

Worin unterscheiden sich ***- von **-Anlagen? Die Norm sagt dazu „Besondere Beachtung der gegenseitigen Blickkommunikation durch beleuchtete Gesichter (Ezylindrisch)“ und „Besondere Beachtung von gesundheitlichen Belangen“. Ergo: Wenn ich gesund bleiben und gesund aussehen soll, muss meine Beleuchtung mit *** ausgezeichnet sein. Dazu muss man den Energieaufwand von 42,1 kWh pro Quadratmeter und Jahr auf 67,1 kWh erhöhen. Also einen Mehraufwand von 59,4% betreiben. Das ist gesund. Dass die Blickkommunikation Wunder bewirken kann, war mir schon bekannt. Dass sie aber 60% mehr Energie kosten muss, ist mir hingegen ganz neu.

Da unsere Beleuchtungsnormen derzeit nicht einmal einfache Anforderungen erfüllen und niemand noch 60% darauf legen möchte, damit die gegenseitige Blickkommunikation gefördert wird, wird es mit dem Aussehen unserer Prinzessinnen nicht allzu gut aussehen. Apropos Blickkommunikation: 60% mehr Energieaufwand heißt auch 60% mehr Leuchten im Raum. Ob die vielen Leuchten dem Blickkontakt zu neuen Höhenflügen verhelfen? Wenn 11 Millionen Prinzessinnen im Büro eine Verschönerung durch die zylindrische Beleuchtungsstärke erfahren sollen, kostet die Sache in Jahr 2.200.000.000,00 kWh (bei einem Verbrauch von 200 kWh/Prinzessin). 

Licht und Heilung

25.03.2014

Auch healing genannt …

Heute stieß ich auf einen Artikel in einer Zeitschrift, der von „healing“, also Heilung durch Licht, handelt. Gemeint ist nicht eine Lichttherapie, sondern die Wirkung visueller Umwelt - Sichtverbindung nach außen z.B. - auf den Menschen, der in einem Klinikzimmer liegt.

Mir sind zwei Studien bekannt, die man etwa so zusammenfassen kann: Je angenehmer die Aussicht vom Krankenzimmer, desto schneller die Heilung - und desto geringer der Schmerzmittelkonsum. Es gibt zwar mehr davon, aber diese beiden haben es in sich. Sie sind keine Interventionsstudien, bei denen man etwas ändert und guckt, wie sich die Änderungen auswirken. Alle diese Studien sind potenzielle Opfer eines ungeliebten Effekts: Hawthorne-Effekt. Tatsächlich stammt dieser Effekt, der insbesondere die Sozialwissenschaften traumatisiert, aus der Forschung zu Lichtwirkungen. Die von mir bevorzugten Studien sind aber retrospektiv erstellt worden. D.h., man hat bestimmte Wirkungen hypothetisiert, die die Umgebung erzeugen sollen, und frühere Patientendaten ausgewertet. Daher sind diese Studien für mich einfach zuverlässiger, weil das Verhalten der Patienten nicht nachträglich durch die Studie manipuliert werden kann. 

Mehr zum Thema Heilen mit oder durch Licht, Beispiele …
hier zu Roger S. Ulrich, der die Heilwirkung der Aussicht aus dem Krankenzimmer erforscht hat
hier zu Heilwirkung des Lichts bei Kniearthrose
hier Umfassende Übersicht über die biochemischen Kaskaden (ROS-Bildung, NO-Freisetzung, ATP-Steigerung) bei der Gewebereparatur durch rotes und nah-infrarotes Licht

Licht und Stuhl

24.03.2014

Allgemeinbestuhlung als Kunst

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Konzept aus der Lichttechnik in anderen Bereichen Akzeptanz findet. Der letzte Fall, der mir bekannt ist, war die Übernahme des Begriffs Raumwinkel in die Theoretische Elektrotechnik. Der Professor, der ihn übernahm, fand ihn genial. Dieser selbst war nicht minder genial. Trotzdem war weder ihm noch jemandem anders das Konzept eingefallen. Er hat es zufällig von unserem Lichttechnikprofessor beim Kaffee  erfahren. Man darf sich nicht wundern, wenn ein Wissenschaftler aus einem anderen Fachbereich in 100 Jahren Heureka schreit, weil er die Normierung der Außenwelt auf eine Kugel um den Punkt des Interesses herum erfunden haben will. Der wird kurz danach die alten Vorlesungsskripte vom 20. Jahrhundert hassen lernen, die ihm das Patent vermiesen werden.

Ein weiteres Konzept harrte seiner Entdeckung seit den 1930ern. Leider fand sich bis gestern keiner dazu bereit. Die Rede ist von der Allgemeinbeleuchtung. Irgend ein Forscher soll vor etwa 80 Jahren herausgefunden haben, dass Menschen mehr Leistung abgeben, wenn die Beleuchtung um sie herum gleichmäßig ist. Hurra – nicht Heureka – rief das Amt für Schönheit der Arbeit (Deutsche Arbeitsfront) und verkündete einen Slogan – damals noch Lösung genannt – nach Art des Hauses: Gleiches Licht für alle Volksgenossen. Eigentlich nicht falsch, denn  „Gleiches Licht für alle Volksgenossen“ sollte bedeuten, dass an jedem Arbeitsplatz die gleichen visuellen Bedingungen herrschen sollten, sofern die Arbeitsaufgaben und damit auch die Sehaufgaben gleich waren. Falsch wurde die Sache dadurch, dass man sagte, überall müsse die gleiche Beleuchtungsstärke vorhanden sein, wenn man den Zweck des Arbeitsraums und dessen Nutzung nicht kenne. Will heißen: Wenn man nicht weiß, wo man in einem Raum was sehen will oder muss, muss der ganze Raum ausgeleuchtet sein. Und immer in vorauseilendem Gehorsam - weil niemand beim Bau eines Gebäudes wissen kann, wie ein Raum in 20 oder 40 Jahren benutzt wird.

Das Ganze heißt glücklicherweise nicht mehr „Allgemeinbeleuchtung“, sondern „Raumbezogene Beleuchtung“ (übrigens sind die Erfinder dieser Beleuchtungsart ein Freund und ich). In der Normensprache (DIN 5035-7) heißt es: „Unter dem Beleuchtungskonzept .Raumbezogene Beleuchtung. wird eine gleichmäßige Beleuchtung des Raumes oder von Raumzonen verstanden, die an allen Stellen etwa gleiche Sehbedingungen schafft.

Das Beleuchtungskonzept .Raumbezogene Beleuchtung. wird empfohlen
-- …
--  wenn Arbeitsbereiche in der Planungsphase örtlich nicht zugeordnet werden können
--  wenn die räumliche Ausdehnung der Arbeitsbereiche in der Planungsphase nicht bekannt ist,
--  wenn eine flexible Anordnung der Bildschirmarbeitsplätze vorgesehen ist.

Ehrlich unter uns gesagt: Bitte immer „Raumbezogene Beleuchtung“ alias Allgemeinbeleuchtung! Wer weiß bei einer Planungsphase eines Bürohauses, welche Arbeitsbereiche wie groß sein werden? Wer weiß, wann eine flexible Anordnung der Bildschirmarbeitsplätze vorgesehen ist? Eigentlich jeder, denn niemand will eine unflexible Anordnung der Arbeitsplätze.  

Genau diesen Gedanken hat der chinesische Künstler Ai Weiwei aufgegriffen und lässt im Lichthof des Gropius Baus in Berlin 6.000 Hocker aufstellen, als Allgemeinbestuhlung sozusagen. Das Konzept lässt sich auf die Bestuhlung aller Büros anwenden: Weiß man beim Bau eines Raums nicht, wo die Insassen sitzen werden, stellt man ihn mit Stühlen voll. Dann kann jeder überall sitzen. Ist doch logisch?

Oh, Weiwei!

Anm.: Kann mir einer erklären, warum mir bei lichttechnischen Diskussionen immer dieses Buch einfällt: The Inmates Are Running the Asylum? (Auf Deutsch etwa: Die Irren sind los. oder Die Insassen haben die Anstalt übernommen.

Licht und Open Space

23.03.2014

Mit Zitronen gehandelt

Heute las ich das Heft Nummer 1/2014 der Zeitschrift „dasbüro“, das „Magazin für Office-Excellence“. Meiner Meinung nach dürfte es sie nicht geben, weil wir das exzellente Office bereits Anfang der 1970er Jahre erfunden hatten. Warum gibt es eine offensichtlich überflüssige Zeitschrift immer noch? Oder wieder? Das steht in dem gerade gelesenen Heft auf Seite 6 unter News. Für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die wichtige Nachricht gescannt:Nanu? Warum wollen sie denn nicht dorthin? Nur 1 % der Büromitarbeiter wollen ins Großraumbüro. Wieso fragt man die Menschen nach etwas, das es nicht gibt? Ich wundere mich, weil es bekanntlich nur noch das Open Space gibt. Und das ist nach führender Meinung von Büroexperten zukunftsträchtig. Das Wort Großraumbüro ist als Begriff verbrannt. Deswegen wollen die Kreativen nur noch Open Space bauen. (Die Bilder von alten Großraumbüros stammen alle von dem Architekten, der sie gebaut hatte. Er meint, dass sie schöne Bürolandschaften darstellen.

So dachten wir in der Lichttechnik Ende der 1960er auch. Nur hieß das Traumbüro damals Großraum. Führende Bürohausarchitekten, führende Büroplaner, führende … – ach, was alles, was führend war, kam damals zusammen und war sich darin einig, dass die Zukunft des deutschen Büros im Großraum liegt. Ob wir die Einsicht von oben bekommen hatten, oder eher als Folge der eigenen Unwissenheit über die Geschichte des Büros selbst generiert, sei dahingestellt. Ich denke, der wahre Grund war: Ein Großraumbüro würde ohne Technik nicht funktionieren, und ich war in einem Fachgebiet tätig, in dem führende Köpfe der nötigen Techniken (technische Akustik, Klimatechnik, Lichttechnik, Architektur etc.) führend tätig waren. Es würde für uns viel zu tun geben, und wir fingen früher an, als die Leute das Kommende erahnen konnten.

Wir wollten nicht nur das Herkömmliche nachahmen, so wie es die „Vorfahren“ taten, so z.B. die, die diese Idee entwickelten:oder jene, auch nicht schlecht:

Nein, es sollte alles besser werden, als die Natur es hergibt. Als Erstes sollten die Fenster abgeschafft werden, weil man ohne sie besser klimatisieren und beleuchten kann. Wozu braucht man Fenster? Die einen sagten, für die Sichtverbindung nach außen. Die anderen sagten, die braucht man nicht, man ist ja zum Arbeiten da, nicht um herumzugucken.

Stimmt. So wurde etwa 1970 prophezeit, in fünf Jahren würden alle deutschen Büromenschen in Großraumbüros arbeiten. Das hat nicht einmal diejenige Organisation in Frage gestellt, die für die Sicherheit und Gesundheit der Büromenschen in Deutschland zuständig ist: Die Berufsgenossenschaft der Banken und Versicherungen (VBG). Sie saß selber in einem der Bürohäuser, die nach den damaligen Ideen top waren: In Hamburg, City Nord, Überseering. So wie City Nord sollte es später in ganz Deutschland aussehen.

An dem, was später kam, lässt sich begründen, warum sich nur 1 % der deutschen Büromenschen nach einem Großraumbüro sehnen: Die VBG zog aus City Nord in die Innenstadt, in das Levante Haus, mit einem Paternoster als Hebezeug für alle. Später zog sie in einen Neubaukomplex mit kleinen Zellenbüros. Keine ihrer Dienststellen in der Republik ist in einem Großraumbüro untergebracht.

Und was macht ihr altes Bürohaus? In Wikipedia steht: „2002 gab es einen Senatsbeschluss zur Wiederbelebung der Bürostadt. …“ Und vorher: „Die Veränderung von Arbeitsabläufen, insbesondere durch die Einführung von Bildschirmarbeitsplätzen hervorgerufen, gilt das Konzept des Großraumbüros weitgehend überholt. In den 90er Jahren erlebte die City Nord, deren Gebäude zum Großteil auf Großraum ausgelegt waren, einen Imageverlust. Unternehmen zogen weg, es kam zu größeren Leerständen. Die Eigentümer reagierten mit großen Investitionen in ihre Häuser. Vielorts ist der Großraum Einzelbüros gewichen. Nicht erhaltenswerte Gebäude wurden abgerissen, Neubauten entstanden

Wo lag eigentlich das Problem? Was haben wir damit zu tun? Langsam zum Mitschreiben: Die Klimatechnik behauptete seinerzeit, die Bedürfnisse des Menschen seien etwa 1935 bekannt gewesen, es ginge nur um die Umsetzung in Technik. Die Lichttechnik frönte ebenfalls einem Konzept aus den 1930ern: Allgemeinbeleuchtung. Und die Akustik wurde erst gar nicht gefragt. Büroplanung findet traditionell ohne sie statt, sie kommt erst später dran. Und kann daher entsprechend wenig ausrichten.

Was fehlt dem Menschen in Open Space, Pardon, im Großraumbüro: Ich denke: Kontrolle, d.h. effektive Einflussnahme auf relevante Umgebungsbedingungen nach individuellen Bedürfnissen.

Wie bringt man das bloß Leuten bei, dass die Hersteller durch die Normung selbst den Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Gebäude entziehen wollen?

Licht und Farbqualität

12.07.2013

Mache Farbe zu Lebensqualität 

Nachdem ich mich gestern noch über Lux = Lebensqualität aufgeregt hatte, hatte ich das Beste aus der Meldung von licht.de unter den Tisch fallen lassen. Hier noch einmal langsam zum Mitschreiben: Lichtquellen mit bester Farbwiedergabe sorgen dafür, dass Farben richtig erkannt werden. Stimmt. Wann wird es aber so weit sein? Müssen wir alle neuen schönen LEDs wieder einstampfen?

Irgendwie muss jemand bei licht.de zu der falschen Feder gegriffen haben. Oder der Teufel hat dem Pressesprecher die Feder geführt. Es ist nämlich so, dass praktisch alle Mitglieder von licht.de fieberhaft LED entwickeln, einkaufen oder verkaufen. Das ist gut so. Nicht so gut ist indes deren Farbwiedergabe. Unter LED-Licht sieht nicht nur Käse nach seinem Namen aus.

Man wird die Sache irgendwann mal in den Griff bekommen. Aber hoffentlich nicht so wie bei den Leuchtstofflampen. Als man ihnen einen Schub an Lichtausbeute verpassen wollte, so etwa 1975, und die Dreibandenlampe entwickelte, schob man die Testfarben so lange hin und her, bis für die Wunderlampen ein Farbwiedergabeindex von 80 herauskam. Davon wird zwar die Farbwiedergabe nicht besser, aber deren Angabe im Katalog. Nun liest sich 80 wie 80% an, und der unbedarfte Leser lässt sich vorgaukeln, dass damit 80% der Farben gemeint sein könnten. Doch ein allgemeiner Farbwiedergabeindex von 80 bedeutet eine ganz schön miese Farbwiedergabe. Wie mies das sein kann, lässt sich im Vergleich der Spektren von Sonnenlicht und einer Lampe mit Ra = 83 beurteilen:

Da nach Adam Riese nur solche Farben wiedergegeben werden, für die die Beleuchtung die entsprechenden spektralen Anteile bereithält, kann man sich doch gut vorstellen, was die Lampe (rechts im Bild) gegenüber der Sonne (links im Bild) so alles wiedergibt. Nur nicht die Farben, die man sehen möchte. Vor allem: Die Wiedergabe der menschlichen Haut findet bei der Prüfung keine Berücksichtigung.

Für die Arbeitsplätze genügt ein Wert von 80, sagt die Industrie. Damit die Dreibandenlampe über die Marke von 80 kam, wurde, wie gesagt, kräftig mit den Testfarben jongliert. Damit die Allgemeinheit keinen Wind bekommt, wurde dann die Farbwiedergabestufe "IB" erfunden. 

Für Leute, die mit Farbe umgehen, sind Lampen, die in unseren Büros rumhängen, weder IA noch IB, sondern schlicht drittklassig. Wieso empfiehlt dann die Industrie diese? Die Antwort heißt schlicht: Lux! Oder: Je besser die Farbwiedergabe, desto schlechter der Wirkungsgrad. So bietet die Industrie zu den Lampen wie oben sog. „de Luxe“ -Versionen an, die ein aufgefülltes Spektrum aufweisen, und damit eine bessere Farbwiedergabe. Sie verbrauchen aber für dieselbe Menge an „Lux“ bis zu 60% mehr Strom. Ich schätze mal, viele Planungen auf der Basis von „Lux“ würden mit de-Luxe-Lampen nicht aufgehen, weil der Himmel über den Büromenschen bereits jetzt voller Leuchten hängt (mehr unter Story einer Beleuchtung, die niemand mag). Man könnte mit weniger Lux, aber mit besserer Farbwiedergabe bei gleichem Verbrauch vielleicht besser leben. Das darf ein deutscher Büromensch aber nicht.

Meine Aussage, der Teufel könnte dem Schreiber der obigen Meldung die Feder geführt haben, kommt nicht von ungefähr. Wer Farbwiedergabe in den Vordergrund stellt, argumentiert schön ketzerisch. In der Lichttechnik zählt Quantität, nicht Qualität. Die kommt an dritter Stelle.

Wie schaut es aber mit den LEDs aus? Verbrauchen LEDs mit besserer Farbwiedergabe auch mehr Strom pro Lichteinheit? Möglicherweise nein. Denn LEDs funktionieren anders als Leuchtstofflampen. Es kann sogar sein, dass LEDs mit einer besseren Farbwiedergabe einen besseren Wirkungsgrad aufweisen, sodass das Licht aus einer Richtung kommt, in der man was sehen kann. Bei manchen LED-Anwendungen wären Glühlampen besser, weil ihr Licht wärmer. So wie rechts. Man fühlt es, wenn man sich darauf setzt.

Schau´n mer mal!