Posts Tagged: Lichtqualität

Licht und Raumgestaltung

25.06.2014

LED wieder

Heute Morgen trete ich verschlafen in einen Zug ein, so verschlafen wie man sein kann, wenn man eine Sitzung um 9 Uhr in einer 600 km entfernten Stadt besuchen will, und dazu noch eine Stunde Bahn fahren muss. Mit dieser Bahn fahre ich öfter vom Flughafen nach Stuttgart zum Hauptbahnhof. Vorher fliege ich von Berlin zum dortigen Flughafen. Diese Flieger nennt man Pyjamabomber, weil sie voll Leute sind, aus deren Anzug unten die Pyjama-Jacke noch rausguckt. Arbeitermaschine nennt man sie auch, weil Touristen und Lustreisende so früh nicht aus dem Bett kommen.

Die S-Bahn präsentiert sich immer in Form eines ratternden Ungeheuers. Heute ist sie aber ganz anders. Ein neuer Zug. Was macht ihn aber so angenehm? Ich musste nicht lange rätseln. Die Waggons sind mit LED beleuchtet. Von jemandem, der Ahnung hat, nicht nur von Beleuchtung. Diese beherrscht das ganze Design, ohne allerdings vorzuherrschen. Sie gestaltet den Raum. Beleuchten tut sie auch.

Leuchten und Beleuchten - Das ist, was die LED besser kann als andere Leuchtmittel, nicht nur etwas besser!

Den wahren Wert erkenne ich, als ich abends zurückfahre. Ein guter alter Zug mit einer wunderbaren Beleuchtung mit Leuchtstofflampen. Ich wollte nicht einmal den Zug betreten. Eine wahre Trauerveranstaltung. Frisches Licht war heute Morgen gewesen.

(Anm.: So schön die Bilder auch sind, das Original sieht um Längen besser aus.)

Licht und Schlauheit

24.04.2014

Was macht schlau?

Keine Ahnung! Ich kenne nur den Spruch „Blau macht schlau“. In der Schule kannten wir die Sache in anderer Form: „Sei schlau, mach blau!“ Seit es einigen „Forschern“ gelungen ist, mit unhaltbaren Methoden dem Rest der Welt weiszumachen, dass ein hoher Blauanteil im Licht Schüler schlauer machen soll, schwelgt die Presse in hohen Tönen von Lichtwirkungen wundersamer Art. Eigentlich müsste man die Forscher und die Berichterstatter dazu verdonnern, ein paar Tage unter Blaulicht zu arbeiten. Und dann die Zunahme an Schlauheit, Pardon, Intelligenz messen.

Wenn der Pfeil den Bogen verlassen hat, ist er schwer wieder einzuholen. Eigentlich arbeiten Forscher seit langem an den jetzt verballhornisierten Wirkungen des Lichts. Ein gewisser Hollwich, Professor für Augenheilkunde in der Stadt, aus dem gleich zwei erfolgreiche Krimireihen kommen (Tatort in der ARD und Wilsberg im ZDF), hatte bereits in den 1940er Jahren ermittelt, dass wichtige Körperfunktionen von dem Licht in der Umgebung beeinflusst wurden. Licht und Strahlung als Therapie waren schon viel früher bekannt. Einen Bezug von Krebserkrankungen und Licht hatte man bereits in den 1950er Jahren vermutet. Dass viele Störungen des Menschen in der Arbeitswelt mit Licht zusammenhingen, hatte Hollwich in den 1960er Jahren mit der Leuchtstofflampe begründet.

Aktiv etwas mit Licht zu verbessern, anstatt sich mit Störungen zu beschäftigen, das hatten die Forscher vor, die 1984 nachgewiesen hatten, dass man mit künstlichem Licht die zirkadiane Rhythmik beim Menschen verstellen kann. Damit wollte man die Schichtarbeit, insbesondere in der Kerntechnik, „sicherer“ machen. Leider wären die Mittel zu brachial; man hätte 10.000 lx in die Augen knallen müssen, damit der Mitarbeiter noch morgens um 03:00 Uhr wach bleibt. Mittlerweile ist der „Bedarf“ an Licht, um die Bestrahlten wach zu halten, drastisch gesunken. Man hat sich darauf geeinigt, dass „blau“ im Licht ausreicht, um wundersame Wirkungen auszulösen. Allerdings glauben die Protagonisten wohl selbst der Story nicht, was man deutlich aus ihren Versuchsanordnungen ablesen kann. Sie verändern nämlich die ganze Gestaltung der Beleuchtung, nennen aber später nur die Lichtfarbe als Ursache der von ihnen - angeblich - festgestellten Wirkungen. (links Ausgangssituation, rechts die Testanordnung).Kann einer von diesen Bildern schlau werden? Die Forschenden wollen die unterschiedliche Wirkung der beiden Szenarien damit erklären, dass der Raum rechts im Bild bläulicheres Licht erhalten hat. Ansonsten nichts? Was ist mit den grellen Lichtleisten auf dem linken Bild? Und die dunkle Decke, die die Blendung steigert? UNten sieht man noch eine andere Szene, ausnahmsweise nicht aus einem Büro: Wenn es nicht gesagt worden wäre: Wer würde annehmen, dass es sich bei diesen Bildern um die gleiche Warte handelt? Hier sollte nachgewiesen werden, dass eine circadian optimierte Beleuchtung ein Arbeiten ohne Unterdrückung der Melatoninproduktion ermöglicht. 

Manche Wirkungen sind tatsächlich erklärungsbedürftig, denn sie beruhen angeblich auf der Melatoninunterdrückung, was man sich nachts gut vorstellen kann; sie treten aber tagsüber auf, wo im Blut kein Melatonin vorhanden ist. Bei dem letzten Bilderpaar würde ich behaupten, die Wirkung beruhe auf der hellen Decke und auf der insgesamt helleren Raumerscheinung. 

Mich erinnert die ganze Sache fatal an die Äthertheorie. Diese wurde von hochrangigen Wissenschaftlern wie Huygens oder Newton hochgehalten. Der Äther (griech. αἰθήρ [„aithḗr“], der (blaue) Himmel‘) ist eine hypothetische Substanz, die im ausgehenden 17. Jahrhundert als Medium für die Ausbreitung von Licht postuliert wurde. Man konnte nämlich nicht erklären, warum sich Licht im Universum ausbreiten konnte, denn nach dem damaligen Wissen musste dafür Materie vorhanden sein. So erfand man einen Stoff, der vollkommen durchsichtig war, und elastischer als Stahl, aber die Planeten ungehindert ziehen ließ. Und Gewicht hatte diese Materie auch nicht. Trotz aller Rückschläge in der Erklärung verwarf Newton die Theorie nicht und schrieb lediglich: „Denn was der Äther ist, weiß ich nicht.“. Der war doch der blaue Himmel! Newton und andere haben etwas beobachtet, was sie mit ihrem Wissen nicht erklären konnten. So haben sie den Äther erfunden, den es nicht geben kann, um die Erklärung wissenschaftlich zu untermauern.

Wir wissen häufig nicht, was wir tun. Das aber mit höchster Präzision. Wer sich dafür interessiert, was die Medien daraus machen, kann sich hier amüsieren oder nach Formulierungen wie „Digitaler Jetlag“, „Das blaue Display-Monsterchen“ oder „Schlaflos durch Smartphones“ googeln. Wer die Sache ernst nimmt, kann meine Beiträge in Licht zu den DIN-Expertensymposien lesen, die jährlich stattgefunden haben, und von dort aus die Literatur der angeführten Experten suchen.  

Licht und Lichtfarbe

21.04.2014

Wer macht die Lichtfarbe?

Dumme Frage! Die Lichtfarbe macht doch die Lichtquelle … oder? Wenn man den Angaben in den Normen glaubt, wird die Lichtfarbe davon bestimmt, wie das Leuchtmittel aus Strom Licht macht. Wenn man dann für seine Arbeitsplätze Lampen sucht, kann man zwischen ww, nw oder tw aussuchen. Echt?

Ich denke, eher nicht! Ein Leuchtmittel ist doch ein physikalisches Objekt, das immer das macht, was man ihm befiehlt. Es ist aber immer noch von der Physik seiner Umgebung abhängig. So sehen Menschen in verschiedenen Teilen der Welt - bei gleichem Leuchtmittel = Sonne - unterschiedliche Farben, wenn sie ins Wasser glotzen. Schlimmer noch, wenn sie in der Brühe schwimmen und fotografieren. Das Meer ist mal schwarz, mal rot. Das kannten schon die alten Römer, daher haben wir das Schwarze Meer und das Rote. Und deren liebstes Meer - Mare Nostrum - leuchtete so blau wie nie ein anderes Meer. Das Geheimnis? Plankton bzw. der Mangel davon! Und als der Nil so komisch mit seinen Farben aussah - Abteilung biblische Plagen - war kurz davor die Insel Santorini in die Luft geflogen.  Auch der Name vieler Berge in der Türkei (lila) oder einer Bergkette in Australien (Blue Mountains) steht für die Abhängigkeit der Farbe von der Physik der Umgebung. Die schönen Abendszenen von William Ashcroft in über 500 farbenfrohen Aquarellen waren Folge des Ausbruchs des Krakatau am 27. August 1883. Sogar der „Schrei“ von Munch soll Folge dieser Katastrophe sein.

Lange her? Vor ein paar Tagen habe ich den Nachweis fotografiert, dass die Lichtfarbe in einem Arbeitsraum eher von Dreck bestimmt wird. Wie das? Einfach: Menschen auf der Welt haben sich daran gewöhnt, dass das Licht immer funktioniert  – na, ja, fast immer. Auf die Idee, dass Licht einer Wartung bedarf, kommen nur idiotische Fachleute, auf die man nicht hört. Recht so, Fachleute sind eh immer bisschen …

Die Bilder zeigen zwei Räume, in denen die gleiche Beleuchtung installiert ist. In dem einen Raum wurden vor der Aufnahme die Lampen und Leuchten geputzt. Den anderen haben wir seinem Schicksal überlassen. Beide Fotos sind garantiert unphotoshopped und mit der gleichen Kamera in der gleichen Einstellung aufgenommen. Ich schätze mal, dass etwa 1000 K in der Farbtemperatur zusammenkommen. (Wie viele kWh, besser GWh, jagen wir in die Luft, indem wir unsere Lampen nicht putzen? Dabei hat es schon Goethe gewusst, dass die Lampen geputzt werden müssen.

Licht und Wohlbefinden

19.04.2014

Glück für 10.000 …

… Lux. So ähnlich titulierte die Journalistin Stefanie Maeck ihren Artikel in Spiegel Online vom März 2013. Eigentlich zur Unzeit ist der Artikel erschienen, denn März ist die Saison für Artikel über schlimme Wirkungen der Sonne, Hautkrebs u.ä. Die werden nämlich durch die Industrie der Sonnenmilch gesponsert. Licht gegen Winterdepression hat in November Saison wie die Feiertage, an denen die Tanzveranstaltungen früher immer abgesagt wurden. Die große Frage, der die Journalistin nachging, lautete: „… gibt es auch künstliches Licht, das uns glücklich und gesund macht?

Offensichtlich ja. Aber der Artikel beginnt mit einer ketzerischen Bemerkung: „Experten empfehlen morgens möglichst viel helles Licht, einen Spaziergang als Wachmacher oder auf dem Weg zur Arbeit.“ Spaziergang auf dem Weg zur Arbeit? Das ist wirklich etwas, was keiner braucht! Ich meine, keiner, der mit Licht Geschäfte machen will. Ansonsten kann ich die Empfehlung nur empfehlen. Ich kenne die Sache nämlich aus früherer Erfahrung aus meiner Schulzeit. Eine Gruppe Schüler meiner Schule musste zunächst einen morgendlichen Spaziergang zum Dampfer machen, dann dort eine Weile auf die Fähre warten. Danach fuhr man etwa 40 Minuten bei Wind und Wetter, um noch einmal 15 Minuten zu Fuss in die Schule zu hetzen. Ach, wie haben wir unsere Mitschüler beneidet, die nur die 15 Minuten von zu Hause in die Schule brauchten. Später habe ich begriffen, dass deren Tag in einem vollen Bus begann, der sie kurz vor dem Schuleingang ausspuckte. Sie sahen manchmal tatsächlich wie ausgespuckt aus. Wir hingegen waren voll Licht und Luft, als wir durch das Schultor spazierten.

Da man die Vorteile der Torturen, die wir erlitten haben, erst viel später erkennt, verbringen wir den Anfang des Tages in Hetze, nicht selten im Stau - Hetze und Stillstand! Und dann brauchen wir die Produkte der Lichtstimmungsmacher. So z.B.: „Die ...-Forscher entwickeln derzeit einen Prototypen, bei dem sich die Lichtfarbe sogar der Stimmung anpasst. Die Idee dahinter: Ein vollbepackter Outlook-Terminkalender könnte ein Indiz für viel Stress und Aufregung sein. Entsprechend könne man ein beruhigendes Licht am Bürohimmel anbieten, erklärt ... Ist der Mitarbeiter müde, könnte das eine Gesichtserkennungssoftware registrieren - zur Aufmunterung würde blaues Licht verabreicht. Auch rosa Licht könnte helfen: Untersuchungen mit besonders aggressiven Häftlingen ergaben, dass diese in einer rosa Zelle "friedlich wie Lämmchen" wurden.

Man sollte den Artikel schnellstmöglich ins Amerikanische übersetzen. Dann kann man in Guantánamo waterboarding durch lightboarding ersetzen. Grimmige Taliban mit Licht in sanfte Lämmer verwandeln? Ganz neu ist die Sache indes nicht. Ich hatte die Idee bei einem Vortrag vor drei Jahren hübsch illustriert angeboten. Allerdings handelte es sich damals um Satire. Lichtforscher kennen offenbar keine Pietätsfristen, denn zwischen Satire – z.B. Meldung über Bananenzucht in Norwegen in Extra 3 – und der Beschließung von EU-Subventionen für Bananenzüchter in Irland müssen mindestens 5 Jahre vergehen.

Auch ohne ethische Bedenken berichtet Frau Maeck über die nicht totzuschlagende Studie aus Hamburg-Eppendorf mit Grundschülern, die man mit Licht konditioniert haben will, damit sie Pisa-gerecht werden: „Wurden Farbtemperatur und Lichtintensität optimal auf Situationen und Anforderungen im Klassenraum eingestellt, verbesserten sich die Leistungen der Schüler. Unter sehr hellem, bläulichem Licht waren die Schüler schneller beim Lesen und machten weniger Fehler. Durch Beigabe von gelbem Licht konnten sie sich schneller beruhigen. Per Knopfdruck konnte die Lehrerin das passende Ambiente für die Schüler wählen: "Aktivieren", „Beruhigen" oder "konzentriertes Arbeiten". Bald hatten die Schüler sogar Lieblingslichtstimmungen.

Der Artikel schließt mit einer Bemerkung, die jedem Lichttechniker das Herz höher schlagen lässt: „Licht könnte ein Glücks-Medikament der Zukunft sein.“ Könnte? Ist doch schon längst bei denen, die mit LED handeln. Dummerweise werden die, die das Geschäft heute betreiben, vermutlich morgen zu den Opfern der Revolution zählen. Denn LED braucht zu ihrer Durchsetzung die Künste der Elektroniker eher als die der Lichttechniker. Am Ende könnten die Letzteren in die Röhre gucken. (Hier darf ich ausnahmsweise von Röhre statt Lampe sprechen, ohne gleich exkommuniziert zu werden.)

(Die Sache mit den Kindern wurde in diesem Blog mehrfach behandelt. Z.B. 
hier Kinder als Versuchsobjekt noch einmal
hier Blaulicht in HH - AD Acta
hier Kinder als Versuchsobjekt
Wer den Link zu dem Film erfahren möchte, in dem ein Forscher einem Millionenpublikum erklärt, wie man Kinder mit Licht manipuliert, muss mich anschreiben, da der Film nicht öffentlich verfügbar ist. Der Clip ist garantiert nicht manipuliert. Ob er Sachinformation wiedergibt oder eher den realen Irrsinn XXL, muss man selber entscheiden. Ob man nur den Schreiber von solchen Artikeln oder den Chefredakteur gleich mit unter Lichteinfluss setzen soll, muss wohl der Richter entscheiden. Ganz so straffrei dürften die Verfasser solcher Artikel nicht ausgehen, bei aller Liebe zur Pressefreiheit.)

 

Licht und Gemüse

14.04.2014

Licht im Eimer

Die Wochenzeitung Die Zeit gehört nicht zur Lieblingslektüre deutscher Kabarettisten. Zu Unrecht, wie man jetzt leicht feststellen kann. Zwar trägt auch heute der Herausgeber H. Schmidt, seines Zeichens Bundeskanzler, der Bundeskanzler, mit seinem Zigarettenkonsum erheblich zur Erheiterung der Republik bei. Die Sketchreihe „Loki und Smoky“ musste aber aus traurigem Anlass eingestellt werden.

Im letzten Zeitmagazin fand sich eine sehr bemerkenswerte Lösung des Lichtproblems im Büro, die jeder nach Kräften publik machen sollte. Ich gehe mit gutem Beispiel voran:
ZItat Ende! Den Text habe ich hier als Bild eingesetzt, damit keiner auf die Idee kommt, dem Link zu folgen. Der führt nämlich zu einem Artikel, dessen Titel so aussieht:

Wer also sein Büro angemessen beleuchten will, muss eine blaue Stehleuchte in einen grünen Pflanzentrog stecken. Ich habe die Redaktion gebeten, mir mitzuteilen, ob ich die Leuchte mit dem Kopf oder mit dem Fuss in die Tonne hauen soll. Frau Groll reagierte ihrem Namen entsprechend.

In der BRD wird die Presse durch das Grundgesetz geschützt. Und wer schützt uns vor der Presse? Vielleicht kann die GROKO den Schutzschirm für die Presse etwas lockern, damit uns der Tod durch Lachanfall erspart bleibt.