30.05.2014
Über Kinderfahrräder, die bereits am Tage bei Sonnenschein blenden, wurde in diesem Blog schon mehrfach berichtet. Nicht soo schlimm - nur ein bisschen unangenehm? Über die schlimmen Folgen des LED-Hype wurde allerdings nichts erzählt, weil die über das „nicht-so-schlimm“ weit hinausreichen.
Die Rede ist vom Tagfahrlicht, einer Sache. die entschieden schien. Sie kam aus dem Norden zu uns, wo man zu bestimmten Zeiten Tag von der Nacht nicht unterscheiden kann. Also fuhren die Autos dort mit Licht. Später sagte man sich: „Warum nicht immer?“. So wurde das Tagfahrlicht geboren. Dagegen hielten nur diejenigen, die um die Sicherheit der Motorradfahrer besorgt waren. Diese nämlich waren die einzigen Teilnehmer am öffentlichen Verkehr, die auch tagsüber mit Licht fuhren, damit man sie gleich erkennt. Fahren alle Teilnehmer mit Licht, fallen die Motorräder weniger auf bzw. gar nicht. Ach, ja, Motorradfahren ist eh gefährlich. Was machen ein paar Tote mehr schon aus?
Nun will - nein, muss - alles Volk tagsüber mit Licht fahren. Natürlich, sofern man dies kann. Abgesehen von der Schweiz, wo man auch Pferde mit bunten Stopplichtern versehen haben soll, gibt es in Europa Verkehrsteilnehmer, die kein Tagfahrlicht tragen wollen oder können. Dazu gehören Fussgänger, darunter Kinder. Wo liegt das Problem?
Licht ist gut - mehr Licht ist besser … Helles Licht ist gut, helleres Licht ist viel besser … und so weiter, weiter… Am Ende kommt LED oder richtiges Laserlicht – heller, besser, effizienter. Damit kann man Autos so ausstaffieren, dass auch der Dööfste im schlimmsten Tohuwabohu auf der Straße einen sofort sieht. Das steigert die Verkehrssicherheit – so die herrschende Meinung!
Dummerweise gibt es auch eine Theorie über den Informationsgehalt von Objekten, die besagt: „Je seltener ein Ereignis, desto größer der Gehalt an Information“. Will sagen, was seltener vorkommt als andere, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Davon leben z.B. die schrillen Typen, die sich bewusst anders anziehen als das „Volk“ - Paris Hilton oder Boy George oder ähnliche Figuren. Zudem gibt es noch eine Erkenntnis aus dem Fach „Populationsstereotypie“ oder schlicht Ergonomie, die besagt: „heller bzw. kontrastreicher ist bedeutsamer“. So fallen auf unseren Straßen die Autos mit den schicken neuen LEDs oder Lasern jedem sofort auf, was durchaus den Intentionen der Hersteller und deren Käufer entspricht. Zu dumm nur, dass nicht alle gleichzeitig auffallen können. Siehe Informationstheorie bzw. Las Vegas Effekt. Wenn alle glitzern, fällt keiner mehr auf. Oder alle gleichzeitig.
Noch dümmer: Die gefährlichsten Objekte im Straßenverkehr sind nicht notwendigerweise die Autos der Reichen, sondern viele andere Vehikel, die (noch nicht) mit dem gleißenden Licht ausgestattet sind. So z.B. kann ein Fahrrad tödlicher sein als ein Auto, weil man erstens das Fahrrad nicht hört und zweitens dessen Lenker keinen Führerschein besitzt. Zudem fährt dieser womöglich auf dem Bürgersteig und denkt nicht an brüderliches (schwesterliches) Teilen. So scheint es plausibel, dass die schönen hellen Lichter der Autos bei Tage die Verkehrssicherheit untergraben statt zu fördern. Unbeleuchtete Kinder, die zudem in gleißendes Laserlicht schauen, morgens auf dem Schulweg, scheinen doppelt gefährdet.
Eine Initiative, die dies stoppen will, begründet ihre Argumente hier (Link führt zu Lightmare). Artikel zur Förderung der Verkehrsunsicherheit finden Sie da. Warum ein Professor für Augenheilkunde der LED den Heiligen Krieg erklärt hat, kann man hier gut verstehen lernen (Link führt zu Videos über Lichtverschmutzung).
LED - eine strahlende Zukunft? Erst einmal gefährdet sie den Verkehr und die Kinder. So steht es geschrieben. Wer sich ein genaues Bild machen will, kann von diesen Adressen aus weiter forschen:
hier lightmare.org
hier Tirol Kompetenzzentrum für Lichtverschmutzung und Nachthimmel
Wer nicht forscht, kann bald der Dumme sein: Wer den Zeitgeist heiratet, ist bald Witwe(r).
11.05.2014
Dieser Kandelaber hängt in einem der ältesten Vereine von Deutschland.
Den Ehrenplatz in diesem Blog hat er aber nicht wegen seines Alters ergattert, sondern wegen des Alters der Lampen, die sich dieses Biotop teilen. Vor einigen Jahren, als es in war, die Ökologie der künstlichen Helligkeit im Wahlkampf zu missbrauchen und die Energiesparlampe heilig zu sprechen, wurden darin die Glühlampen ausgetauscht. Deren Ökobilanz soll miserabel sein, während die Energiesparlampe allein wegen ihrer Lebensdauer alle schlägt, ähhh…, schlagen soll. Die betrug nach unserem jetzigen Vizekanzler 10.000 Stunden.
Zurück zu unserem Kandelaber. Darin sind 6 Lampen eingeschraubt, von denen eine bereits das Zeitliche gesegnet hat, wie man sieht. Die kann aber unmöglich schon 10.000 h hinter sich gebracht haben. Jedenfalls nicht in aktivem Zustand. Die anderen 4 leuchten recht unterschiedlich hell. Heißt: Sie sind unterschiedlich gealtert. Wie kann denn das sein, wenn sie noch recht jung sind? Hier ist mir die Frage egal, denn es geht um die 6. Lampe: Offenbar war die 6. Lampe recht vor kurzem ausgefallen und ist durch eine LED-Kreation ersetzt worden. Die lebt bekanntlich 50.000 Stunden. Alle Facility Manager oder Lampeneinschrauber sind entzückt: Da 50.000 h aktives Leben für eine Lampe z.B. in einem Bürohaus 170 Jahren Betrieb entsprechen (Grundlage: 4 h am Tag, 220 Tage im Jahr), und die heutigen Bürohäuser nicht einmal 70 Jahre überleben, muss man keine Lampen mehr ausschrauben. Einschrauben, anwerfen, glücklich beleuchtet sein, bis das Haus zusammenkracht. Was das bedeutet, erkläre ich ein andermal.
Wann bricht das Lügengebilde um die Lebensdauer von LEDs zusammen? Ich glaube, nie. Die Leute wollen die Story einfach glauben. Oder würden Sie sich das antun? ("Grundlagen ingenieurwissenschaftlichen Arbeitens (GIA), von Dr.-Ing. Viga") Oder die diversen Abhandlungen über MTBF oder Systemlebensdauer? Ganz ernste Ingenieure schreiben: L70 B10 C10 F10. Was das bedeutet, erkläre ich ein andermal.
24.04.2014
Keine Ahnung! Ich kenne nur den Spruch „Blau macht schlau“. In der Schule kannten wir die Sache in anderer Form: „Sei schlau, mach blau!“ Seit es einigen „Forschern“ gelungen ist, mit unhaltbaren Methoden dem Rest der Welt weiszumachen, dass ein hoher Blauanteil im Licht Schüler schlauer machen soll, schwelgt die Presse in hohen Tönen von Lichtwirkungen wundersamer Art. Eigentlich müsste man die Forscher und die Berichterstatter dazu verdonnern, ein paar Tage unter Blaulicht zu arbeiten. Und dann die Zunahme an Schlauheit, Pardon, Intelligenz messen.
Wenn der Pfeil den Bogen verlassen hat, ist er schwer wieder einzuholen. Eigentlich arbeiten Forscher seit langem an den jetzt verballhornisierten Wirkungen des Lichts. Ein gewisser Hollwich, Professor für Augenheilkunde in der Stadt, aus dem gleich zwei erfolgreiche Krimireihen kommen (Tatort in der ARD und Wilsberg im ZDF), hatte bereits in den 1940er Jahren ermittelt, dass wichtige Körperfunktionen von dem Licht in der Umgebung beeinflusst wurden. Licht und Strahlung als Therapie waren schon viel früher bekannt. Einen Bezug von Krebserkrankungen und Licht hatte man bereits in den 1950er Jahren vermutet. Dass viele Störungen des Menschen in der Arbeitswelt mit Licht zusammenhingen, hatte Hollwich in den 1960er Jahren mit der Leuchtstofflampe begründet.
Aktiv etwas mit Licht zu verbessern, anstatt sich mit Störungen zu beschäftigen, das hatten die Forscher vor, die 1984 nachgewiesen hatten, dass man mit künstlichem Licht die zirkadiane Rhythmik beim Menschen verstellen kann. Damit wollte man die Schichtarbeit, insbesondere in der Kerntechnik, „sicherer“ machen. Leider wären die Mittel zu brachial; man hätte 10.000 lx in die Augen knallen müssen, damit der Mitarbeiter noch morgens um 03:00 Uhr wach bleibt. Mittlerweile ist der „Bedarf“ an Licht, um die Bestrahlten wach zu halten, drastisch gesunken. Man hat sich darauf geeinigt, dass „blau“ im Licht ausreicht, um wundersame Wirkungen auszulösen. Allerdings glauben die Protagonisten wohl selbst der Story nicht, was man deutlich aus ihren Versuchsanordnungen ablesen kann. Sie verändern nämlich die ganze Gestaltung der Beleuchtung, nennen aber später nur die Lichtfarbe als Ursache der von ihnen - angeblich - festgestellten Wirkungen. (links Ausgangssituation, rechts die Testanordnung).
Kann einer von diesen Bildern schlau werden? Die Forschenden wollen die unterschiedliche Wirkung der beiden Szenarien damit erklären, dass der Raum rechts im Bild bläulicheres Licht erhalten hat. Ansonsten nichts? Was ist mit den grellen Lichtleisten auf dem linken Bild? Und die dunkle Decke, die die Blendung steigert? UNten sieht man noch eine andere Szene, ausnahmsweise nicht aus einem Büro:
Wenn es nicht gesagt worden wäre: Wer würde annehmen, dass es sich bei diesen Bildern um die gleiche Warte handelt? Hier sollte nachgewiesen werden, dass eine circadian optimierte Beleuchtung ein Arbeiten ohne Unterdrückung der Melatoninproduktion ermöglicht.
Manche Wirkungen sind tatsächlich erklärungsbedürftig, denn sie beruhen angeblich auf der Melatoninunterdrückung, was man sich nachts gut vorstellen kann; sie treten aber tagsüber auf, wo im Blut kein Melatonin vorhanden ist. Bei dem letzten Bilderpaar würde ich behaupten, die Wirkung beruhe auf der hellen Decke und auf der insgesamt helleren Raumerscheinung.
Mich erinnert die ganze Sache fatal an die Äthertheorie. Diese wurde von hochrangigen Wissenschaftlern wie Huygens oder Newton hochgehalten. Der Äther (griech. αἰθήρ [„aithḗr“], der (blaue) Himmel‘) ist eine hypothetische Substanz, die im ausgehenden 17. Jahrhundert als Medium für die Ausbreitung von Licht postuliert wurde. Man konnte nämlich nicht erklären, warum sich Licht im Universum ausbreiten konnte, denn nach dem damaligen Wissen musste dafür Materie vorhanden sein. So erfand man einen Stoff, der vollkommen durchsichtig war, und elastischer als Stahl, aber die Planeten ungehindert ziehen ließ. Und Gewicht hatte diese Materie auch nicht. Trotz aller Rückschläge in der Erklärung verwarf Newton die Theorie nicht und schrieb lediglich: „Denn was der Äther ist, weiß ich nicht.“. Der war doch der blaue Himmel! Newton und andere haben etwas beobachtet, was sie mit ihrem Wissen nicht erklären konnten. So haben sie den Äther erfunden, den es nicht geben kann, um die Erklärung wissenschaftlich zu untermauern.
Wir wissen häufig nicht, was wir tun. Das aber mit höchster Präzision. Wer sich dafür interessiert, was die Medien daraus machen, kann sich hier amüsieren oder nach Formulierungen wie „Digitaler Jetlag“, „Das blaue Display-Monsterchen“ oder „Schlaflos durch Smartphones“ googeln. Wer die Sache ernst nimmt, kann meine Beiträge in Licht zu den DIN-Expertensymposien lesen, die jährlich stattgefunden haben, und von dort aus die Literatur der angeführten Experten suchen.
19.04.2014
… Lux. So ähnlich titulierte die Journalistin Stefanie Maeck ihren Artikel in Spiegel Online vom März 2013. Eigentlich zur Unzeit ist der Artikel erschienen, denn März ist die Saison für Artikel über schlimme Wirkungen der Sonne, Hautkrebs u.ä. Die werden nämlich durch die Industrie der Sonnenmilch gesponsert. Licht gegen Winterdepression hat in November Saison wie die Feiertage, an denen die Tanzveranstaltungen früher immer abgesagt wurden. Die große Frage, der die Journalistin nachging, lautete: „… gibt es auch künstliches Licht, das uns glücklich und gesund macht?“
Offensichtlich ja. Aber der Artikel beginnt mit einer ketzerischen Bemerkung: „Experten empfehlen morgens möglichst viel helles Licht, einen Spaziergang als Wachmacher oder auf dem Weg zur Arbeit.“ Spaziergang auf dem Weg zur Arbeit? Das ist wirklich etwas, was keiner braucht! Ich meine, keiner, der mit Licht Geschäfte machen will. Ansonsten kann ich die Empfehlung nur empfehlen. Ich kenne die Sache nämlich aus früherer Erfahrung aus meiner Schulzeit. Eine Gruppe Schüler meiner Schule musste zunächst einen morgendlichen Spaziergang zum Dampfer machen, dann dort eine Weile auf die Fähre warten. Danach fuhr man etwa 40 Minuten bei Wind und Wetter, um noch einmal 15 Minuten zu Fuss in die Schule zu hetzen. Ach, wie haben wir unsere Mitschüler beneidet, die nur die 15 Minuten von zu Hause in die Schule brauchten. Später habe ich begriffen, dass deren Tag in einem vollen Bus begann, der sie kurz vor dem Schuleingang ausspuckte. Sie sahen manchmal tatsächlich wie ausgespuckt aus. Wir hingegen waren voll Licht und Luft, als wir durch das Schultor spazierten.
Da man die Vorteile der Torturen, die wir erlitten haben, erst viel später erkennt, verbringen wir den Anfang des Tages in Hetze, nicht selten im Stau - Hetze und Stillstand! Und dann brauchen wir die Produkte der Lichtstimmungsmacher. So z.B.: „Die ...-Forscher entwickeln derzeit einen Prototypen, bei dem sich die Lichtfarbe sogar der Stimmung anpasst. Die Idee dahinter: Ein vollbepackter Outlook-Terminkalender könnte ein Indiz für viel Stress und Aufregung sein. Entsprechend könne man ein beruhigendes Licht am Bürohimmel anbieten, erklärt ... Ist der Mitarbeiter müde, könnte das eine Gesichtserkennungssoftware registrieren - zur Aufmunterung würde blaues Licht verabreicht. Auch rosa Licht könnte helfen: Untersuchungen mit besonders aggressiven Häftlingen ergaben, dass diese in einer rosa Zelle "friedlich wie Lämmchen" wurden.“
Man sollte den Artikel schnellstmöglich ins Amerikanische übersetzen. Dann kann man in Guantánamo waterboarding durch lightboarding ersetzen. Grimmige Taliban mit Licht in sanfte Lämmer verwandeln? Ganz neu ist die Sache indes nicht. Ich hatte die Idee bei einem Vortrag vor drei Jahren hübsch illustriert angeboten. Allerdings handelte es sich damals um Satire. Lichtforscher kennen offenbar keine Pietätsfristen, denn zwischen Satire – z.B. Meldung über Bananenzucht in Norwegen in Extra 3 – und der Beschließung von EU-Subventionen für Bananenzüchter in Irland müssen mindestens 5 Jahre vergehen.
Auch ohne ethische Bedenken berichtet Frau Maeck über die nicht totzuschlagende Studie aus Hamburg-Eppendorf mit Grundschülern, die man mit Licht konditioniert haben will, damit sie Pisa-gerecht werden: „Wurden Farbtemperatur und Lichtintensität optimal auf Situationen und Anforderungen im Klassenraum eingestellt, verbesserten sich die Leistungen der Schüler. Unter sehr hellem, bläulichem Licht waren die Schüler schneller beim Lesen und machten weniger Fehler. Durch Beigabe von gelbem Licht konnten sie sich schneller beruhigen. Per Knopfdruck konnte die Lehrerin das passende Ambiente für die Schüler wählen: "Aktivieren", „Beruhigen" oder "konzentriertes Arbeiten". Bald hatten die Schüler sogar Lieblingslichtstimmungen.“
Der Artikel schließt mit einer Bemerkung, die jedem Lichttechniker das Herz höher schlagen lässt: „Licht könnte ein Glücks-Medikament der Zukunft sein.“ Könnte? Ist doch schon längst bei denen, die mit LED handeln. Dummerweise werden die, die das Geschäft heute betreiben, vermutlich morgen zu den Opfern der Revolution zählen. Denn LED braucht zu ihrer Durchsetzung die Künste der Elektroniker eher als die der Lichttechniker. Am Ende könnten die Letzteren in die Röhre gucken. (Hier darf ich ausnahmsweise von Röhre statt Lampe sprechen, ohne gleich exkommuniziert zu werden.)
(Die Sache mit den Kindern wurde in diesem Blog mehrfach behandelt. Z.B.
hier Kinder als Versuchsobjekt noch einmal
hier Blaulicht in HH - AD Acta
hier Kinder als Versuchsobjekt
Wer den Link zu dem Film erfahren möchte, in dem ein Forscher einem Millionenpublikum erklärt, wie man Kinder mit Licht manipuliert, muss mich anschreiben, da der Film nicht öffentlich verfügbar ist. Der Clip ist garantiert nicht manipuliert. Ob er Sachinformation wiedergibt oder eher den realen Irrsinn XXL, muss man selber entscheiden. Ob man nur den Schreiber von solchen Artikeln oder den Chefredakteur gleich mit unter Lichteinfluss setzen soll, muss wohl der Richter entscheiden. Ganz so straffrei dürften die Verfasser solcher Artikel nicht ausgehen, bei aller Liebe zur Pressefreiheit.)
31.07.2013
Als ich den gestrigen Beitrag mit Realsatiren schrieb, fiel mir ein Buch ein, in dem solche Dinge, allerdings als Satire klar erkennbar, von Wissenschaftlern geschrieben werden, im Journal der Unwiederholbaren Experimente. Für solche Taten gibt es seit einigen Jahren auch einen Nobelpreis. Damit man den nicht mit dem echten Preis verwechselt, heißt er „Ig Noble Prize“. Wie ernst die Sache genommen wird, sieht man daran, dass die Laudatio von echten Nobelpreisträgern gehalten wird. Weniger ernst sieht das Ende mancher Veröffentlichungen aus: Man faltet Papierflugzeuge daraus und lässt sie im Saal steigen.
Eine der prämierten Erfindungen heißt Schwarzbirne, die man zur Entleuchtung von Räumen einsetzt, in denen zu viel Licht installiert ist. Gestresste Bewohner von Großraumbüros, die keinen Besenstiel ergattern können, um die Lampen über ihrem Kopf kaputtzuschlagen, können aufatmen: Die Entleuchtungsbirne gibt es bald zu kaufen. Man installiert sie an passenden Stellen im Raum und hat so seine Ruhe.
Ich kenne viele Leute, die beim Anblick dieser Zeilen den Kopf schütteln werden. So'n Unsinn! Stimmt! Wird aber seit Jahrzehnten von dem Lieblingskonzept der Lichttechnik, der Allgemeinbeleuchtung, überboten. Man hat zwar den Namen getilgt, aber nicht geschafft, das Konzept zu killen. Seit mehr als 10 Jahren heißt es „raumbezogene Beleuchtung“. Damit keiner auf die Idee kommt, davon abweichen zu dürfen, erweitert man die zu beleuchtenden Flächen so, dass am Ende bei jedem Konzept dasselbe herauskommt (mehr dazu: selbstwachsende Flächen).
Wer Praktikern Konzepte verkauft, bei denen der überwiegende Teil des im Raum installierten Lichts auf den Teppich fließt, und der auf den Tisch fallende Teil vornehmlich an beiden Tischenden landet, darf sich über fade Scherze nicht aufregen. Dass die Studien, die zu solchen Konzepten geführt haben sollen, das o.g. Journal bereichern könnten, kann ich mir nicht vorstellen. Wenn die Redakteure unter einer entsprechenden Beleuchtung zu arbeiten haben, werden sie sich verbitten, Scherze über ihr Elend zu treiben.