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LED away - oder
Gone with the wind of change

2015

LED away - ein neues Wort macht die Runde. Harte Zeiten bei OSRAM - Gewinne fallen, CEO geht von der Brücke - so ähnlich lauten die Kommentare in luxreview. Irgendwie erinnert mich das Ganze an die 1970er Jahre, als es bei OSRAM so düster aussah, dass die Arbeitsrichter den Klägern gegen die Kündigungen von OSRAM im Falle eines positiven Urteils sagten: "Ich kann die Firma verurteilen, Sie an ihrem alten Arbeitsplatz weiter zu beschäftigen. Wollen Sie das wirklich?" Kurz danach kam die Mutter Siemens und sanierte OSRAM. Die Produktpalette wurde bereinigt - und OSRAM war Spitze. Diesmal bereinigt nicht die Mutter die Produktpalette, sondern OSRAM selbst. Die Mutter hat das einst hochgepäppelte Kind schon längst verstoßen. Und die Bereinigung? Sie lautet, schmeiß weg, Alles was Dich groß gemacht hat, mach in LED! Oder so.

Noch in November trommelte OSRAM auf die Brust: Deutsche erleuchten Sixtinische Kapelle. Kurz danach zog der CEO die Reißleine und verließ OSRAM. Der Kommentar: Nach Frank Sinatras Schlager "Riding high in April, shot down in May". Ja, die Beleuchtung von Sixtina war von der EU-Kommission gefördert worden. Die fördert aber LED, und nicht OSRAM.

LED away - noch einer geht weg, Philips CEO sagt "We´re off target for 2016". Heißt so viel wie, wir sind von der Rolle. Die gemeinte Rolle war die oder eine Führungsrolle in der Lichttechnik. Wie früher dargestellt (hier), dachte ich einst immer an Philips, wenn ich an Licht dachte. Mein letzter Blog dazu heißt hingegen "Philips auf der Suche nach dem Licht". Letztes Jahr hat die LED-Sparte 20% mehr Umsatz gemacht, die "konventionelle" 14% weniger. Macht zusammen - 3%. Philips verkauft Licht, will heißen, Philips trennt sich von Licht?

Irgendwie hatte ich recht früh geahnt, was kommen würde, wenn Bauern nicht nur alle Eier in denselben Korb legen, sondern auch ihre Legehennen schlachten. Wie das? Eine Analyse des Tagungsbandes Licht 2012, veranstaltet zum 100. Geburtstag der LiTG, (veröffentlcht in Licht) hatte mir die Augen geöffnet:

Themen_Licht-2012

Man stelle vor, eine Gesellschaft zieht Bilanz zum 100jährigen Bestehen. Und diese Gesellschaft steht nicht zufällig für künstliches Licht, dessen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung weltweit bestimmt mehr beigetragen hat als die viel besungenen Computer. Z.B. dadurch, dass die Arbeitszeit von wenigen Stunden am Tage auf 24 x 365 erweitert wurde. Wie häufig kommt in der Bilanz der 100 Jahre Nachtarbeit vor? Exakt 0 Mal. Man stelle sich vor, eine Technik soll die Arbeitsleistung des Menschen fördern, behauptet man. Wie häufig kommt dies in der Bilanz vor? Exakt 0 Mal. Man kann die Liste der nicht benutzten Wörter, die man aber insbesondere hätte erwähnen müssen, beliebig fortsetzen. Mir ist aber die Spucke weggeblieben, als ich sah, dass die Leuchtstofflampe, die OSRAM und Philips, und damit auch Licht, groß gemacht hatten, 93 Mal erwähnt wurde, während LED (zuzüglich OLED) 1501 Mal vorkam. Da bleibt kein Platz für Behaglichkeit übrig. Wäre auch bei dem Blaustich der meisten LEDs zynisch, wenn man mit Annehmlichkeit oder Behaglichkeit argumentieren würde.

Das kommt davon!

 

Frau mit Kopfschmerzen
Frau mit Kopfschmerzen

Product Placement vom Feinsten - Ein leuchtendes Beispiel

2014

"Exklusiv-Konzerte für den Porsche-Club, Product Placement für LED-Leuchten: Die Sixtinische Kapelle sorgt mit neuen Vermarktungsstrategien für Befremden. Dabei ließe sich das vatikanische Gotteshaus für noch viel tollere PR-Aktionen nutzen."
So lautet der Kommentar von Stefan Schultz vom 31.10.2014 zum Thema deutsches Licht in der Sistina. Und es geht so weiter: "Die Sixtinische Kapelle durchläuft dieser Tage einen bemerkenswerten Wandel. Eine betuchte Reisegruppe des Porsche Travel Clubs mietete das weltberühmte Gotteshaus unlängst als exklusiven Konzertsaal. Und die Münchner Firma Osram nutzt es neuerdings als Showroom für 7000 LED-Lampen, die UV-frei, energiesparend und PR-trächtig das Tonnengewölbe des Heiligtums erleuchten."

Hier kann man den ganzen Artikel lesen, der als Glosse klassifiziert wurde. Ich denke eher nicht. Er endet so: Und im Tonnengewölbe wäre neben all den Osram-Leuchten sicher noch Platz für eine Dunstabzugshaube von Whirlpool. Slogan: "Entfernt weißen Rauch - und schwarzen auch. Whirlpool, Ihr Partner für jede Konklave." (Rechtschreibung original).

Mir ist egal, wofür ein Heiligtum vermarktet wird, sofern es nicht zerstört wird. Was hatte Michelangelo Buonarroti im Sinn, als er die Kapelle bemalte? Was hatten die anderen Künstler im Hinterkopf, als sie sich hier verewigten? Sandro Botticelli, Pietro Perugino, Domenico Ghirlandaio, Cosimo Rosselli, Biagio d’Antonio und Luca Signorelli … Er soll jedenfalls keine künstlerischen Helfer akzeptieren wollen, sondern nur Handlanger. Ich denke, die waren auch Maler - gewerbliche. 520 Quadratmeter über Kopf gemalt! Hat er jemals daran gedacht, dass alles mit 7000 Lampen angeleuchtet würde? Oder eher an Kerzen und Fackeln? Botticelli und LED?

Fackeln
Teufel

Kardinäle hellwach durch LED

2014

 

Wer kennt das Bild nicht: Viele alte Männer ziehen in einen Kirchenraum (Sixtinische Kapelle) ein, um einen noch älteren Mann zu krönen, Pardon, zum Papst zu wählen. Niemand darf aus dem Konklave berichten. Alle Handys werden von Zerberussen am Eingang abgenommen. Nicht einmal das iNet (die intergalaktische Version von Internet) kann die Störsender im doppelten Boden durchdringen. Von besonderer Bedeutung sind die zwei kleinen gusseisernen Öfen in einer Ecke der Kapelle. In einem werden nach jedem Wahlgang die Stimmzettel verbrannt, in dem anderen mit Hilfe von Chemikalien der weiße oder schwarze Rauch erzeugt. Der Rauch zeigt der Außenwelt das Ergebnis des Wahlgangs an. Durch ein Ofenrohr und den eigens montierten Schornstein auf dem Dach der Kapelle wird dieser nach draußen geleitet (hier). Zwar haben alle Teilnehmer (Kardinäle) einen direkten Draht nach oben. Aber der Herr, der über uns weilt, denkt nicht daran, die Presse zu informieren. (Auch wenn manche Vertreter der Presse anderer Meinung sind.) Nur solchen bizarren Persönlichkeiten wie George W. Bush soll er Nachrichten direkt zukommen lassen.

Kein Wunder, dass niemand weiß, wie es im Innern zugeht. Ich kann es mir vorstellen. In Rom ist es häufig sehr heiß. Die Sixtinische Kapelle hatte früher nicht einmal eine Klimaanlage. Die letzte, die 1994 eingebaut worden war, hat öfter mal die Waffen gestreckt. oder sie wurde abgeschaltet, weil einige der alten Herren sich über Zugluft beklagten. Das alles wäre nicht so schlimm, aber das Schummerlicht. Der alte Leonardo, Kollege von Michelangelo,  hatte zwar alles Mögliche erfunden, elektrisch Licht hatte er aber ausgelassen. So schummerte die Kapelle vor sich hin, und mit ihr die Kardinäle. Manchmal 1005 Tage lang (längstes Konklave). Man kann sich vorstellen, wie sich die Riege der alten Männer langsam seitwärts in die Trance bewegt haben muss.

Vorbei! Wie Bild vorgestern berichtet hat, erleuchtet jetzt deutsches Licht die sixtinische Kapelle (hier oder dort). Und wo es was auch immer erleuchtet, werden alte wie junge Geister hellwach. So hat sich eine Lichtfirma auf Altenheime spezialisiert, wo sie mit viel Licht den Alltagsmief vertreibt, während eine andere sich Schüler vorgeknöpft hat, die durch blaues Licht intelligenter und agiler werden. Es finden sich "Wissenschaftler", die das Ganze auch noch in wissenschaftliche Journale schmuggeln.

Künftig werden die Kardinäle nicht mehr rammdösig ihre Stimmzettel ausfüllen, die anschließend verbrannt werden. Die Kapelle ist mit deutschem Licht erleuchtet, und das macht bekanntlich intelligent. (siehe. z.B. hier und dort). Wer Papst werden will, muss entweder einen Kursus im Präsentieren absolvieren (einschließlich Powerpoint) und vor dem Auftritt stundenlang in die Maske gehen, und/oder eine starke Brille ins Gesicht setzen (s. Alexander Dobrindt vor und nach seiner neuen Brille).

Es steht zu befürchten, dass die Kardinäle nur noch jung-dynamische Figuren auf den Papstthron erheben. Es könnte sogar noch schlimmer kommen, dass sie eine Frau wählen. (soll zwar vorgekommen sein, aber die Päpstin Johanna hat ihr Geschlecht genauso versteckt wie die Pharaonin Hatshepsut oder die Piratin Anne Bonny). Während die Kirche gelernt hat - sie führte die Papstprobe auf einem Stuhl mit einem Loch in der Sitzfläche ein -, arbeiten die Piraten immer noch nach ihrem alten Muster. Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.

Was noch alles anders wird, wenn die Kardinäle durch bläuliches Licht aufgeweckt werden, kann man kaum ausmalen. Wenn man John Ott glaubt, das ist der Erfinder von true light, hatte das Flimmern der Fernsehbilder Ende der 1960er Jahre den Aufstand der Jugend in den USA gegen den Vietnam Krieg verursacht (kein Scherz, steht in seinem Buch geschrieben). Als man dann andere Röhren einsetzte, war es aus mit dem Aufstand. Was der amerikanischen Jugend recht ist könnte der katholischen Altersgarde billig sein. Übrigens, die Firma, die Personal Light anbietet, hat ein Panel zum Steuern des Verhaltens mitgeliefert. Darauf steht …Aktivieren … Konzentrieren … Beruhigen!

Wie man an unserem geliebten Verkehrsminister erkennen kann, kann man auch ohne blaues Licht intelligenter werden. Ob er die Einsicht in die schwierigste Materie, die je ein deutscher Minister zu lösen hatte, Ausländer zur Kasse, Pardon zur Maut, bitten, ohne Ausländer zu diskriminieren, mit oder ohne blaues Licht hatte, verrät nicht einmal die Bild-Zeitung. Vielleicht reicht die Einhornbrille. Das Panel mit …Aktivieren … Konzentrieren … Beruhigen! nimmt er immer mit nach München, wenn er zum Chef muss.

Mein Ampelmann

Nicht verpassen: Sixtinische Kapelle wird eingeweiht!
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Bitte nicht verpassen: Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission wird heute über die Erleuchtung der Sixtinischen Kapelle sprechen. Obwohl ihre SPEECH/14/728 hier erscheinen sollte, bekomme ich gerade Error 404. Wenn das kein Omen ist. Sie hat sich aber bereits schriftlich verewigt: " „Aufgabe der Kunst ist es, inspirierend und erhellend zu wirken. Nachdem wir in der Sixtinischen Kapelle nun LED-Lampen installiert haben, kann Michelangelos Kunst diese Aufgabe noch besser erfüllen, als sie dies bereits über ihre ganze Geschichte hinweg getan hat.“ Armer Michi, ich meine Michelangelo. Sein Werk musste seit dem 15. August 1483 auf die Erleuchtung warten. Heute, ach was, jetzt gerade, geschieht es. 

2014

Konklave in der Sixtinischen Kapelle

Die Bild ist wie immer dabei: 
"Fiat Lux – es werde Licht…!
In der weltberühmten Sixtinischen Kapelle im Vatikan wird das Bibelwort am Mittwoch Realität: Die Fresken Michelangelos werden – 500 Jahre nach ihrer Erschaffung in einem Glanz erstrahlen wie noch nie zuvor.
Und es ist deutsches Licht, das die bisher eher düstere Kapelle in ungekannten Farben leuchten lässt.
Die Münchner Firma Osram hat 7000 LED-Lampen installiert – zehn Mal heller als die bisherigen Leuchten. Bei 90 Prozent weniger Stromverbrauch. …"

Wie sich die Sixtinische Kapelle im Glanze der LED zeigen wird, werden wir spätestens in der Tagesschau erleben. Man sollte sich aber nicht dabei bewenden lassen und nach Rom begeben. Denn Bilder lügen, und niemand lügt besser als das Fernsehen. Das ist keine Anklage, sondern nur eine Feststellung. Denn jeder, der über etwas berichten will, zeigt das Etwas aus seiner Perspektive - egal wie sehr er/sie sich um Neutralität bemüht. 

Was hat ILLUMINATE bislang so erreicht? Das erste - einzige? - Rathaus (der Welt?), das auf jeden wichtigen Tag mit einem neuen Lichtkleid antworten kann, steht in Belfast und sieht - sah - so aus. Aber nicht immer. Es ändert sein Gesicht nach Wunsch. Wie? Das steht in Youtube zu bewundern. Manchmal  sieht es aus wie unten. Wer es schön finden will, bitte!

Blendung am Bildschirm

A propos Belfast. Ein Schiff mit dem Namen H.M.S. Belfast liegt auf der Themse. Es hat bereits auf der Jagd nach Bismarck furchterregend ausgeschaut. Später ballerte sie noch schlimmer im Korea Krieg. In dem Film "Sink the Bismarck" spielte sie die Sheffield, die auf die Bismarck ballert. Hier sieht man, was man mit LED aus einem großen Krieger machen kann. Das rechte Bild wurde Weihnachten 2012 aufgenommen, das linke sieht eher nach Navy-Propaganda aus. 

LED in der Sixtinischen Kapelle

2014

 

Sixtinische Kapelle

ARD heute Abend: Das wohl wichtigste Werk des Renaissancekünstlers Michelangelo erstrahlt in neuem Licht. 7000 LED-Dioden erleuchten die Sixtinische Kapelle im Vatikan in Rom. Die Besucher können soviel mehr Details der Fresken erkennen: Bisher wurde die Kapelle mit Strahlern auf der Außenseite der Fenster durch Kunststoffplatten hindurch beleuchtet.  

"Einige Fresken erscheinen jetzt vom Boden aus betrachtet zum ersten Mal  dreidimensional", berichtete die EU-Kommission, die das Lichtprojekt finanziell unterstützt hat. Konzipiert wurde es von der Firma Osram.

Ich denke, dass wichtigste hier ist die Zahl 7.000. Anstelle von Scheinwerfern mit einer begrenzten Zahl sind hier 7.000 Elemente im Einsatz, was nur mit LED geht. Mit kleinen Glühlampen hätte man es auch tun können. Allerdings hätte man einen extra abstellen müssen, die ausgefallenen Lampen zu ersetzen. Ich denke da an den Funkturm, den früher auch OSRAM beleuchtet hatte. Man sah öfters die ausgefallenen Lampen, die das ganze Bild des Monuments nicht allzu ausgefallen erscheinen ließen. Zudem wäre es in der Kapelle ordentlich warm geworden. Jetzt sind die Scheinwerfer verschwunden. Ein Vorbild für viele monumentale Bauten, die von elektrischen Einbauten eigentlich entstellt werden? Anders als im Wohnraum oder im Büro braucht man in einer Kapelle keine "Lichtmöbel", sondern nur Licht. Viele Wohnraumleuchten sind eher leuchtende Möbel denn Beleuchtung, während ein Strahler möglichst nicht gesehen werden soll. Nicht nur die in der Sixtinischen Kapelle verstießen gegen ihren Auftrag. Jetzt vorbei. 

Presseerklärung der EU-Kommission hier.
Pressenachrichten von OSRAM hier. 
Erklärung vom Goethe Institut hier.

Bitte nicht das Foto von OSRAM angucken. Ich denke, das Original sieht viel besser aus. Oder man projiziert das Bild auf eine große Leinwand. 
Die Beispiele der EU darf man sich angucken. Da sieht man, was ich mehrfach als Geschichte in Bonbonfarben dargestellt habe (hier und dort)

 

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