Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, ich wüsste es nicht. Ich kenne nämlich ein paar Globetrotter, die sich naturgemäß nicht so nennen. Was die sich für ein Lichtambiente wünschen, weiß ich aus gemeinsamer Erfahrung. Wie komme ich aber auf die Idee, diese Frage zu stellen? Einfach: In Licht 5/2015 gibt es einen Artikel zu lesen mit dem Titel: FÜR REISENDE UND ABENTEURER - GLOBETROTTER IN STUTTGART MIT NEUEM LICHTKONZEPT. Dort steht unter der Schlagzeile "EMOTION UND ERSPARNIS" das geschrieben: "Mit halbem Energieeinsatz, gemessen an der bisher verwendeten HIT-Technologie wurde bei Globetrotter Stuttgart mit LED ein authentisches Lichtambiente geschaffen."
Eigentlich denke ich beim Wort authentisches Ambiente für Globetrotter eher an so etwas. Es gibt schon Lichter, die wie kleine LED leuchten. Die hören aber auf den Namen Stern oder Planet. Und die sieht man garantiert nicht, wenn zu viele LEDs ein Ambiente bereiten. Das schönste Ambiente mit denen, den Planeten, erlebte ich, nachdem ich etwa drei Stunden im Dunkeln in einer Goldmine verbracht hatte. Beim Aufstieg sah man vier Planeten auf ihrer Ekliptik, schon aufgereiht.
Von den sechs Planeten, die man mit dem bloßen Auge sehen kann, waren vier in voller Pracht an den Himmel drapiert. Und der Rest? Nach meiner Schätzung etwa 10 Mal so viele Sterne am Himmel, und jeder etwa 10 Mal so groß wie bei uns. Das ist mein Traum vom Ambiente. Was ist ein 5-Sterne-Hotel gegen 1000 Sterne und ein Zelt darunter? Darf man in einem Land, in dem der sehnlichste Wunsch von Führungskräften ein Arbeitsplatz ohne künstliche Lichtquellen ist, den Bürgern, die sich in "Globetrotter" verwandeln wollen, LED als authentisches Ambiente verkaufen? Mit den Sachen, die sie in dem Laden kaufen sollen, gehen sie doch nicht in Las Vegas auf die Pirsch?
Oder nennt man neuerdings Leute, die mit Costa Concordia bzw. mit dessen Nachfahren die Karibik durchpflügen und sich im Bordkino die Piraten der Karibik angucken, Globetrotter?
Warum sagt man eigentlich nicht einfach, dass man mit LEDs die Leute besser zum Kaufen animieren kann, auch wenn sie in einem Laden Objekte kaufen, die nur unter freiem Himmel zu genießen sind? LED-Mania nimmt langsam lächerliche Formen an. Muss das sein?
Zu meiner Sammlung an Hauptstädten, die man durch LED-Anwendung verschandelt hat, hat sich neulich Ottawa hinzugesellt. Ich weiß nicht, was andere Leute davon halten. Mir wurde dieses Objekt von einem kanadischen Professor "empfohlen", dem ich das Wissen über die Southern College in Florida verdanke. Dort hatte Frank Lloyd Wright den gesamten Campus ein einmaliges Ensemble geplant und gebaut. Das, was das Bild zeigt, ist auch ein Ensemble. Ob mir jemand dankbar sein wird, dass ich dieses Objekt zeige, ist hingegen mehr als fraglich. (Oder soll es heißen, weniger als fraglich?)
Man stelle sich vor, zum vierten Mal in Folge gehen Fachleute in eine Konferenz, in der sie von einem Fakt reden, der fest steht wie ein Fels in der Brandung: 50.000 Stunden brennt eine LED - oder? Wer 1.190 € + MWSt + Reisegeld (Düsseldorf Hilton) übrig hat, besucht die VDI-Konferenz "Lebensdauer und Zuverlässigkeit in der LED-Beleuchtung" am 10. - 11- Juni 2015. Vorher sollte man sich das White Paper von Dr. Rafael Jordan herunterladen (kostenlos), aus dem man ableiten kann, warum die 50.000 h manchmal auch 500 sein können. Noch weiter vorher, am 8. Juni 2015, kann man die Veranstaltung besuchen "Lebensdauerbetrachtung an LED-Systemen" für schlappe 890,- € und MWSt. An diesem Spezialtag kann man Folgendes lernen (VDI-Wissensforum):
Warum tun sich die Leute das an? Warum zahlen sie den Gegenwert eines bescheidenen Gebrauchtwagens für etwas, was sie schon längst kennen? Grundlegendes Verständnis zur Lebensdauerbetrachtung zu entwickeln? Ich denke, 50.000 Stunden sind genau 50.000 Stunden bzw. 5,71 Jahre. So lange leuchtet eine LED pausenlos! So erzählt man doch in der Presse. Was den LED während dieser 50.000 Stunden passiert? Eigentlich nichts, sonst wären die 50.000 keine 5... Warum dann "Zeitliche Veränderung lichttechnischer Parameter kennen"? Warum man "Normative Rahmenbedingungen in Bezug auf Alterung zu verstehen" muss? Was alt ist, sieht doch alt aus! Oder?
Ich denke, dass es an der Zeit ist, sich mit der Realität zu beschäftigen als den Werbetrommeln Glauben zu schenken. Ich hatte 2008 in den USA viele ausgefallene LED-Ampeln gesehen. So lange gab es aber keine LEDs für Verkehrsampeln. Meine Erlebnisse mit der LED-Beleuchtung in einer Yacht, wurden auch in diesem Blog veröffentlicht (LED - Bitte woanders!). Warum das so wichtig ist, sich dem Thema Lebensdauer zu widmen, wurde mehr als einmal behandelt (Lügenlicht). Und hier in bezug auf die angebliche Energiesparlampe, von der niemand mehr spricht. Uns haben die Lampenhersteller, ob man die als Monopol, Oligopol oder Gott weiß was nennt, fast ein Jahrhundert belogen, insbesondere mit den Angaben über die Lebensdauer, die niemand nachprüfen konnte. Und über die Leistung, die sie erbringen, den Lichtstrom einer Lampe. Aus unerfindlichen Gründen war der immer 10% zu hoch angegeben. Deswegen sahen Planungsprogramme immer einen Zuschlag vor. Jetzt geben sie auf, und es ein Polipol könnte entstehen. Sich informieren ist die erste Bürgerpflicht, damit der untergehende Oligopol nicht einfach in den Orient auswandert.
Ganz die alte - sie steckt in einer E27-Fassung , sie hängt von der Decke, sie leuchtet. Einzig anders ist - sie glüht nicht. Wenn es etwas Trostloseres gibt als ein amerikanischer Fastfood-Laden, dann bitte hier, einer mit LED-Birnen. Ob ich heute frischer und intelligenter bin, weil ich gerade von diesen Birnen geblendet werde¿
Als ich heute im Radio hörte was von "OSRAM" und "spalten", suchte ich im Internet. Als ich "Osram" und "spalten" getippt hatte, erschien "SIEMENS spaltet OSRAM ab". Das war aber vorletztes Jahr. Heute spaltet Osram was ab. Aber was?
In der guten alten Zeit, als ich glaubte, die Welt wäre um Licht herum gebaut - nicht nur ich, übrigens -, hatte die Regie der Industrie die Sache so geordnet: Siemens verkauft Licht. Dieses kommt aus Leuchten, die Siemens baut. In die verbaut Siemens Lampen, die Osram baut. Und Osram darf nichts anderes bauen. Hie Leuchten, da Leuchtmittel. Gibt Licht, insgesamt. Da war die Welt noch in Ordnung.
Mitten in die gute Ordnung platzte 1997 die Meldung, Siemens spalte die Lichttochter ab, damals Hausgeräte- und Leuchtenwerk der Siemens Elektrogeräte GmbH. Schon damals wurde die Ordnung stark gestört, weil die in die Leuchten eingebauten Vorschaltgeräte aus dem Hause Osram kamen. Nun erlebte man Spaltung #1. Das Spaltprodukt #1 hieß - und heißt noch - SITECO, von der es auf der Website heißt: "Siteco blickt auf 150 Jahre Erfahrung in Sachen Licht zurück." Schnell gerechnet: Der Blick reicht auf das Jahr 1865 zurück. Was war da gewesen? In dem Jahr 1865 wurden gegründet u.a. Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Dynamit Nobel, Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Sektkellerei J. Oppmann, Narrenzunft Gole, Deggendorf–Plattlinger Eisenbahn AG. Von SITECO keine Spur. Aber Geduld! Ich gucke unter Ereignisse 1865 nach. Das Schaufelraddampfer Republic sinkt im Hurricane vor New Orleans. Das kann es nicht gewesen sein. Na, ja! Wenn ich weiter in dem Jahr suche, komme ich bestenfalls auf den Untergang der Sultana, die mehr Tote verursachte als die Titanic. Vielleicht war es das: "Siemens erfindet die Dynamo-Maschine" Die Meldung ist zwar von 1867 von der Pariser Weltausstellung, aber wer wird denn so pingelig sein. Siemens bastelte bestimmt lange an dem Gerät, bevor es auf die Weltausstellung schaffte. Vielleicht! Wir hatten an der Uni gelernt, dass er sein Prinzip am 17 Januar 1867 vor der Akademie der Wissenschaften vorgetragen hatte. Von ihm stand übrigens eine Statue samt Dynamomaschine vor unserem Institut und bis 1972 wurde sein Geburtstag in der ganzen Elektrotechnik gefeiert. Ein Sonderfreitag für alle E-Techniker!
Falls ich mich mit den Zahlen nicht irre - gerechnet habe ich auf Google - reicht die Erfahrung von SITECO mit Licht noch vor die Erfindung der Dynamomaschine. Da die erste brauchbare Glühlampe erst 1880 für Thomas A. Edison patentiert wurde, muss sich SITECO mit anderen Lichtquellen beschäftigt haben. Ich gucke weiter in der Geschichte der jetzigen Mutter OSRAM, die früher die Deutsche Gasglühlicht-Anstalt hieß. Nix, die wurde 1892 gegründet. Ich gebe auf, es wird Kerzenlicht oder Karbidbeleuchtung sein, auf die SITECO zurückblickt.
SITECO kam nach zwei Stationen zu Osram, die seit 1978 eine vollständige Tochter von Siemens war. Jetzt war die Ordnung sogar besser als vorher. Leider, leider wollte Siemens doch beide nicht behalten, weil man zwar aus Kohle Strom, aus Strom Licht und aus Licht wieder Kohle machen kann. Aber nicht so üppig, wie sich manche Konzernoberen vorstellten. Die weitere Geschichte hatte ich hier und da und dort kommentiert.
So wurde Osram an die Aktionäre geschenkt. Spaltprodukt #2. Aber, was glaubten die, was sie da geschenkt bekamen? Osram sagt auf ihrer Website "Licht ist OSRAM - OSRAM ist Licht". "OSRAM ist einer der beiden weltweit führenden Lichthersteller." Seit über 100 Jahren ist OSRAM „Ganz nah am Licht“ - heißt es da. Für mich zuerst Lampenhersteller - später wie oben dargestellt. Mein Doktorvater, dessen Doktorvater, viele Doktoranden von beiden, und viele Kollegen ginge zu OSRAM oder kamen von OSRAM.
Seit heute ist OSRAM nicht mehr OSRAM - jetzt kommt Spaltprodukt #3. Aber was wird daraus, wenn man von einem Lampenhersteller die Lampenherstellung abspaltet? So steht es in der WELT geschrieben: "München - Der Lichttechnik-Hersteller Osram treibt angesichts des dramatischen Wandels auf dem Lichtmarkt den Konzernumbau weiter voran und will das Geschäft mit Lampen - darunter Halogen-, Energiespar- und LED-Lampen - komplett ausgliedern.* (Die wahre Quelle ist dpa) Dahinter steht, das Lampengeschäft wäre schon länger ein Problemfall gewesen. Und Philips hätte das Geschäft mit LED- und Autobeleuchtung an die chinesisch-amerikanische Investorengruppe Go Scale Capital abgegeben (Kommentar hier und dort). OSRAM will gerade die LED und Autobeleuchtung behalten. Oder auch nicht? Schau´n mer mal!
Ich denke, wir erleben den Zusammenbruch des Jahrhunderts des Lichts. Ist es nicht zynisch von der UNESCO, was ganz anderes zu feiern?
Sag' beim Abschied leise 'Servus',
und gibt's auch ein Wiedersehen,
einmal war es doch schön.