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Licht und Open Space

23.03.2014

Mit Zitronen gehandelt

Heute las ich das Heft Nummer 1/2014 der Zeitschrift „dasbüro“, das „Magazin für Office-Excellence“. Meiner Meinung nach dürfte es sie nicht geben, weil wir das exzellente Office bereits Anfang der 1970er Jahre erfunden hatten. Warum gibt es eine offensichtlich überflüssige Zeitschrift immer noch? Oder wieder? Das steht in dem gerade gelesenen Heft auf Seite 6 unter News. Für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die wichtige Nachricht gescannt:Nanu? Warum wollen sie denn nicht dorthin? Nur 1 % der Büromitarbeiter wollen ins Großraumbüro. Wieso fragt man die Menschen nach etwas, das es nicht gibt? Ich wundere mich, weil es bekanntlich nur noch das Open Space gibt. Und das ist nach führender Meinung von Büroexperten zukunftsträchtig. Das Wort Großraumbüro ist als Begriff verbrannt. Deswegen wollen die Kreativen nur noch Open Space bauen. (Die Bilder von alten Großraumbüros stammen alle von dem Architekten, der sie gebaut hatte. Er meint, dass sie schöne Bürolandschaften darstellen.

So dachten wir in der Lichttechnik Ende der 1960er auch. Nur hieß das Traumbüro damals Großraum. Führende Bürohausarchitekten, führende Büroplaner, führende … – ach, was alles, was führend war, kam damals zusammen und war sich darin einig, dass die Zukunft des deutschen Büros im Großraum liegt. Ob wir die Einsicht von oben bekommen hatten, oder eher als Folge der eigenen Unwissenheit über die Geschichte des Büros selbst generiert, sei dahingestellt. Ich denke, der wahre Grund war: Ein Großraumbüro würde ohne Technik nicht funktionieren, und ich war in einem Fachgebiet tätig, in dem führende Köpfe der nötigen Techniken (technische Akustik, Klimatechnik, Lichttechnik, Architektur etc.) führend tätig waren. Es würde für uns viel zu tun geben, und wir fingen früher an, als die Leute das Kommende erahnen konnten.

Wir wollten nicht nur das Herkömmliche nachahmen, so wie es die „Vorfahren“ taten, so z.B. die, die diese Idee entwickelten:oder jene, auch nicht schlecht:

Nein, es sollte alles besser werden, als die Natur es hergibt. Als Erstes sollten die Fenster abgeschafft werden, weil man ohne sie besser klimatisieren und beleuchten kann. Wozu braucht man Fenster? Die einen sagten, für die Sichtverbindung nach außen. Die anderen sagten, die braucht man nicht, man ist ja zum Arbeiten da, nicht um herumzugucken.

Stimmt. So wurde etwa 1970 prophezeit, in fünf Jahren würden alle deutschen Büromenschen in Großraumbüros arbeiten. Das hat nicht einmal diejenige Organisation in Frage gestellt, die für die Sicherheit und Gesundheit der Büromenschen in Deutschland zuständig ist: Die Berufsgenossenschaft der Banken und Versicherungen (VBG). Sie saß selber in einem der Bürohäuser, die nach den damaligen Ideen top waren: In Hamburg, City Nord, Überseering. So wie City Nord sollte es später in ganz Deutschland aussehen.

An dem, was später kam, lässt sich begründen, warum sich nur 1 % der deutschen Büromenschen nach einem Großraumbüro sehnen: Die VBG zog aus City Nord in die Innenstadt, in das Levante Haus, mit einem Paternoster als Hebezeug für alle. Später zog sie in einen Neubaukomplex mit kleinen Zellenbüros. Keine ihrer Dienststellen in der Republik ist in einem Großraumbüro untergebracht.

Und was macht ihr altes Bürohaus? In Wikipedia steht: „2002 gab es einen Senatsbeschluss zur Wiederbelebung der Bürostadt. …“ Und vorher: „Die Veränderung von Arbeitsabläufen, insbesondere durch die Einführung von Bildschirmarbeitsplätzen hervorgerufen, gilt das Konzept des Großraumbüros weitgehend überholt. In den 90er Jahren erlebte die City Nord, deren Gebäude zum Großteil auf Großraum ausgelegt waren, einen Imageverlust. Unternehmen zogen weg, es kam zu größeren Leerständen. Die Eigentümer reagierten mit großen Investitionen in ihre Häuser. Vielorts ist der Großraum Einzelbüros gewichen. Nicht erhaltenswerte Gebäude wurden abgerissen, Neubauten entstanden…“

Wo lag eigentlich das Problem? Was haben wir damit zu tun? Langsam zum Mitschreiben: Die Klimatechnik behauptete seinerzeit, die Bedürfnisse des Menschen seien etwa 1935 bekannt gewesen, es ginge nur um die Umsetzung in Technik. Die Lichttechnik frönte ebenfalls einem Konzept aus den 1930ern: Allgemeinbeleuchtung. Und die Akustik wurde erst gar nicht gefragt. Büroplanung findet traditionell ohne sie statt, sie kommt erst später dran. Und kann daher entsprechend wenig ausrichten.

Was fehlt dem Menschen in Open Space, Pardon, im Großraumbüro: Ich denke: Kontrolle, d.h. effektive Einflussnahme auf relevante Umgebungsbedingungen nach individuellen Bedürfnissen.

Wie bringt man das bloß Leuten bei, dass die Hersteller durch die Normung selbst den Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Gebäude entziehen wollen?

Licht und Architektur

15.03.2014

Asche über mein Haupt

Gestern erlebte ich einen tollen Raum, der mich dazu bewegt, alle Kritik an den lichttechnischen Normen erst einmal zu vergessen, die ich gerne schreibe. Der Raum gehört zu einem preisgekrönten Haus und liegt dort im Vorstandsbereich. Also in den Bereich, in dem man kein Geld spart, damit sich der Vorstand wohlfühlt. Ich musste gestern vor den anderen hinein, um eine Präsentation vorzubereiten. Danach kamen etwa 60 Leute, denen ich auch etwas über schlechtes Licht erzählen wollte.

Man konnte sich alles sparen - oder die Veranstaltung zu einer über die Meriten der Lichttechnik umwidmen. Eine Satireveranstaltung über einen Architekten abzuhalten, der wohl seine Auftraggeber quälen wollte, wäre auch keine schlechte Idee. Dumm nur, dass der Architekt ein Sohn der Stadt ist, auf den sie stolz ist.

Erst einmal der Raum: Großer Saal mit großen Fenstern und Tageslicht sogar von der Dachluke direkt auf den Kopf des Vorsitzenden. Gesundes Licht mit Glühlampen, schön abgeschirmt, damit kein Auge der hohen Herren auch nur näherungsweise Blendung empfindet. Möbel edelst ausgestattet. Damit man Dias oder gar Bilder vom Epidiaskop störungsfrei projizieren kann, alles sogar lichtdicht abdunkelbar. Also schöner geht es nimmer.

Als ich alleine da saß, blendete mich der schöne Frühlingstag draußen fürchterlich. Dabei liebe ich das Tageslicht. Und verbringe zuweilen Mittagstunden auf tropischen Inseln im Freien. Ohne Sonnenbrille. Was war in diesem Raum? Alle Raumbegrenzungsflächen waren entweder schwarz oder fast schwarz oder sahen schwarz aus, weil kein Licht darauf fiel. Ich weiß nicht, wann ich gelernt habe, dass die Leuchtdichten im Gesichtsfeld balanciert sein sollen. Es war aber nicht erst in der dritten Vorlesungsstunde bei Lichttechnik. Ich schätze mal, Innenarchitekten kannten solche Vorstellungen vor meiner Geburt. Chinesen vielleicht im zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt - Feng Shui …

Dass das Auge Flächen über ihre Leuchtdichte sieht und deswegen auf diese geachtet werden möge (Beleuchtungsstärke mal Reflexionsgrad), habe ich spätestens in der vierten Stunde bei unserem Lichtprofessor gelernt. Das war übrigens ca. 9 Jahre vor der Fertigstellung des besagten Raumes.

An der sehr interessant geformten Decke hingen ganze Batterien von Downlights mit Reflektorglühlampen. Schön … teuer und nutzlos, weil das Einzige, was sie können, ist blenden. Ansonsten sieht man ein Glimmen in einem schwarzen Rohr. Als Student hatte ich ähnliche Objekte gemessen und eine Schelte vom Professor eingefangen, weil die Messwerte unmöglich hätten stimmen können. Der Leuchtenwirkungsgrad lag so bei 20%. Da Glühlampen bekanntlich bei der Umwandlung von Strom in Licht nicht gerade kleinlich sind, schätze ich mal, dass etwa 1% der eingespeisten Energie das Gebilde als Licht verlassen kann. Nicht schlecht, wenn man das eine Prozent sinnvoll aufwenden könnte. Auch das war aber nicht möglich, weil der Fußboden fast schwarz war. Zwar kann man auf einem Blatt Papier etwas lesen, wenn es auf einem der Tische platziert ist. Aber angenehm heißt anders.

Noch schöner als die Downlights schienen die Strahler, die nach oben gerichtet waren und somit eine fast schwarze Decke getroffen haben bzw. treffen, bis man sie abschaltet. Besser kann man Energievernichtung nicht darstellen.

Optisch gesehen fühlte sich diese Wohlfühloase an wie unser Lichtlabor, in dem alles Licht so gerichtet ist, dass es keine hellen Flecken verursachen kann, so es überhaupt da sein darf. Nach einem Tag in einer solchen Umgebung weiß man nicht, ob es draußen Winter oder Donnerstag ist. Man verbringt dort aber nicht den ganzen Tag. Zum anderen fehlen dort die Störungen durch das Tageslicht und die Sonne.

Unangenehmer als ein Dunkelraum im Labor - das muss man können! Der Architekt konnte aber noch mehr „Wohlfühl“! Der Raum soll in der wärmeren Jahreszeit etwa Temperaturen wie in Finnland erreichen – ich meine, wie in gewissen Einrichtungen dort. Macht nix, Vorstände sind zwischen April und Oktober eh nur an der Riviera an der Promenade anzutreffen.

Ich lasse meine Normensammlung zu einem dicken Buch zusammenbinden. Den kriegt der nächste Kreative an den Kopf geschmissen, der mit seinen Super-Konzepten mir über den Weg läuft. Wenn er die Sache überlebt, darf er weitermachen. 

Licht und Blendung

28.02.2014

Wenn Kinderräder am helllichten Tag blenden

Heute Morgen wunderte ich mich über ein Sternchen, das auf dem Bürgersteig gegenüber hell aufleuchtete. Neuer Stern von Bethlehem? Nein - es war ein Kleinkind, das auf dem Bürgersteig Rad fahren darf. Es war ein hellichter Tag, und trotzdem wurde ich geblendet. Früher mit dem Glühlämpchen, versorgt von einem altertümlichen Dynamo, würde das Licht des Kindes mir nicht einmal nachts so auffallen. Tagsüber würde kein Mensch daran denken, ein Kleinkind mit Licht fahren zu lassen.

Andere Zeiten - neue Blendungen! LED ist durch und durch eine schlecht beherrschte Technik. Meine Freude über eine wunderbare Meldung in der Zeitung, dass die Lichtverschmutzung in Europa teilweise abgenommen hätte, verflog beim Anblick des Minirads, auf dem das Kind sass. Lichterschein am Weihnachtshimmel oder über der Krippe, ja! Auf dem Asphalt, wenn nötig.

Bitte mitbeten, damit die LED-Lampen möglichst lange möglichst teuer bleiben. Ansonsten stehen uns schlimme Zeiten bevor.

Licht und Unsinn

13.01.2014

Beleuchten, um nicht zu beleuchten …

Etliche Beiträge in diesem Blog drehen sich um den Unsinn, mit Leuchten, d.h. mit Leuchtendesign, Spiegelungen auf dem Bildschirm zu bekämpfen. Es war schon zu Beginn der Welle Unsinn. Leider hatte niemand die Sache so deutlich dargestellt wie einer, der Ergonomie macht (Quelle), und das anno 2014:Die Leuchten beleuchten alles, nur nicht die Stelle, an der der Benutzer Erleuchtung finden will. Dabei hatte ein wichtiger Mensch ein früheres Bild von mir, das diesen Unsinn etwas anders darstellte, als Unsinn bezeichnet. „Wer plant denn so etwas?“ hatte er in die Menge gerufen.

Ja, wer plant denn so etwas? Jeder, der die Normen, die man anwenden sollte, richtig ausführt. Was soll anderes herauskommen, wenn man zwei Leuchtenreihen mit tiefstrahlender Charakteristik parallel zum Fenster in ein übliches deutsches Büro (Höhe 2,50 m bis 2,70 m; Tiefe ca. 6 m) aufhängt und dazwischen die Arbeitstische platziert? Mein Bild stammt von etwa 1995, das obere Bild fand ich gestern auf einer neu aussehenden Website. Eigentlich muss man keine solchen Bilder zeichnen; man sieht die Misere in fast jedem ähnlichen Raum an beiden Seitenwänden.

Mehr z.B. unter Kann Licht töten? Dummheit schon…
oder hier SAP macht seine MItarbeiter krank (macht garantiert nicht)

Licht und Dunkelheit

31.07.2013

Entleuchtungsbirne

Als ich den gestrigen Beitrag mit Realsatiren schrieb, fiel mir ein Buch ein, in dem solche Dinge, allerdings als Satire klar erkennbar, von Wissenschaftlern geschrieben werden, im Journal der Unwiederholbaren Experimente. Für solche Taten gibt es seit einigen Jahren auch einen Nobelpreis. Damit man den nicht mit dem echten Preis verwechselt, heißt er „Ig Noble Prize“. Wie ernst die Sache genommen wird, sieht man daran, dass die Laudatio von echten Nobelpreisträgern gehalten wird. Weniger ernst sieht das Ende mancher Veröffentlichungen aus: Man faltet Papierflugzeuge daraus und lässt sie im Saal steigen.

Eine der prämierten Erfindungen heißt Schwarzbirne, die man zur Entleuchtung von Räumen einsetzt, in denen zu viel Licht installiert ist. Gestresste Bewohner von Großraumbüros, die keinen Besenstiel ergattern können, um die Lampen über ihrem Kopf kaputtzuschlagen, können aufatmen: Die Entleuchtungsbirne gibt es bald zu kaufen. Man installiert sie an passenden Stellen im Raum und hat so seine Ruhe.

Ich kenne viele Leute, die beim Anblick dieser Zeilen den Kopf schütteln werden. So'n Unsinn! Stimmt! Wird aber seit Jahrzehnten von dem Lieblingskonzept der Lichttechnik, der Allgemeinbeleuchtung, überboten. Man hat zwar den Namen getilgt, aber nicht geschafft, das Konzept zu killen. Seit mehr als 10 Jahren heißt es „raumbezogene Beleuchtung“. Damit keiner auf die Idee kommt, davon abweichen zu dürfen, erweitert man die zu beleuchtenden Flächen so, dass am Ende bei jedem Konzept dasselbe herauskommt (mehr dazu: selbstwachsende Flächen).

Wer Praktikern Konzepte verkauft, bei denen der überwiegende Teil des im Raum installierten Lichts auf den Teppich fließt, und der auf den Tisch fallende Teil vornehmlich an beiden Tischenden landet, darf sich über fade Scherze nicht aufregen. Dass die Studien, die zu solchen Konzepten geführt haben sollen, das o.g. Journal bereichern könnten, kann ich mir nicht vorstellen. Wenn die Redakteure unter einer entsprechenden Beleuchtung zu arbeiten haben, werden sie sich verbitten, Scherze über ihr Elend zu treiben.