19.03.2012
Der Mensch ist eitel, so eitel, dass er morgens die Badezimmerwaage nach dem Schneiden der Zehennägel betritt, nicht aber ohne vorher die Luft aus der Lunge zu lassen. Für all jene, die ihr Fett ohne knurrenden Magen loswerden wollen, gibt es wohl eine neue Hoffnung. Jedenfalls wurde sie durch eine internationale Celebrity in die Nachrichten gesetzt. Sie stellte dar, dass man mit Licht nicht nur die Hormone Melatonin und Cortisol durcheinander bringen kann, sondern auch das Hormon Ghrelin beeinflussen. Und dieses Hormon regelt den Appetit.


Nunmehr brauchen wir keine Appetitzügler mehr, müssen auch keinen Pflasterstein verschlucken, um keinen Hunger mehr zu verspüren. So richtige Dosen mit Licht zur rechten Zeit, Timing auf Neuhochdeutsch, und fertig ist der Waschbrettbauch.
Ghrelin ist ein Hormon des Verdauungskanals. Leider, leider beherrscht es sein Feld nicht alleine, da gibt es noch Serotonin, Enkephalin Endorphin, Motilin, Adiponektin, Gastrin, Sekretin, VIP, GIP, Somatostatin und Cholezystokinin. Ob zum Abnehmen nur blaues Licht ausreicht oder eine Girlande aus vielen LEDs mit allen Regenbogenfarben benötigt wird, kann man heute nicht sagen.
Also: Probieren. Wenn es nicht klappt, Lampe nach Lampe zuschalten und gucken, wie die Wampe wegdiffundiert. Pardon, weggeleuchtet wird.
15.03.2012
Neulich hatte ich Michael Holick erwähnt. Der Professor, der der Ketzerei schuldig war, wurde einst von seiner Uni gefeuert. Seine Schuld: Er wollte nachgewiesen haben, dass Menschen ab einem bestimmten Breitengrad im Winter immer ein Vitamin-D-Defizit im Blut haben. Nicht deswegen, weil die Idee nicht neu war. Ein gewisser Luckiesh hatte dies in seinem Buch „Light and Health“ angeprangert, vor geraumer Zeit, sagen wir mal 1926. Er hatte gemeint, es wäre ungesund, wenn Menschen in Innenräumen ohne UV-Strahlung leben müssten, weil sie natürliche Strahlung bräuchten.
So jemanden müsste man eigentlich in die Verbannung schicken. Das hat man Luckiesh wohl nicht gegönnt, weil damals die in der Verbannung lebenden Menschen fröhlich unter der Sonne campierten. Außerdem war er Direktor einer Lampenfabrik. Wie eine richtige Bestrafung aussah, wussten die Folterknechte schon - wurde ja in den alten Märchen erzählt. Man wirft einen in den dunklen Kerker, wo er verrottet. Die Sache wird ja nicht nur in alten Märchen erzählt, deren Wahrheitsgehalt nicht allzu hoch ausfällt, sondern auch in Ausführungen eines ehemaligen Bundespräsidenten über seine Freunde. Auf der Insel Alcatraz kann man die Zelle bewundern, in der einer der härtesten Männer der Welt gebrochen wurde: Al Capone - und zwar durch Dunkelhaft.
Außerdem bestraft man Wissenschaftler nicht mit solchen Mitteln. Letztlich soll sogar Galileo Galilei nach seiner Verurteilung noch ein auskömmliches Leben gehabt haben. Wissenschaftler bestraft man mit spitzen Bemerkungen über ihr Werk. Hier sieht man, wie der Rezensent Luckiesh und seinen Juniorpartner abstrafte: Sie haben sich dem „Thema des Tages“ gewidmet, Ultraviolet. Was soll´s? Andere denken, dass die Ernährung genauso wichtig ist.
Ob man glaubt oder nicht, fast ein Jahrhundert nach dem Erscheinen des Buches, denken die meisten Menschen immer noch so. Vielmehr denken sie überhaupt nicht. Sie sitzen in ihren dunklen Büros, ihre Autos sind mit Glas gepanzert gegen Lärm, aber auch gegen UV. Und wenn sie sich denn in die Sonne bewegen, schmieren sie sich mit Sonnenschutz ein, dessen Prediger stets mit der Frühlingssonne aus ihren Löchern kriechen, um den Menschen Angst vor der Sonne einzuflößen. Mehr als 90% seiner Zeit verbringt ein „moderner“ Mensch hinter Glas oder noch tiefer begraben in dunklen Gebäuden.
Lass sie doch, wenn sie damit glücklich werden! Das ein bisschen erhöhte Krebsrisiko, kardiovaskuläre Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten und noch weitere diverse chronische Erkrankungen - darüber lachen wir lässig hinweg.
Heute war Holick Gast an der TU Berlin und hat einen viel bejubelten Vortrag gehalten. Fachleute, die über den Vortrag nicht so glücklich würden, weil sie „gesundes Licht“ predigen und darunter blaues künstliches Licht verstehen, waren nicht anwesend. Irgendwie hatten sie sich kollektiv abgemeldet. Sei´s drum. Seine Nachricht sprach gegen die Annahme des Herrn, der vor 86 Jahren Luckieshs Aufregung über das fehlende UV-Licht nicht verstehen wollte. Menschen können ihren Bedarf an Vitamin-D nicht über die Nahrung decken - es sei denn, sie hören auf den Namen Inuit. Hand aufs Herz: Wer möchte im ewigen Eis leben und sich von Waltran oder Dorschleber allein ernähren, damit ein Mediziner posthum recht bekommt?
Wer Holick - fast live - erleben möchte, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen. es lohnt sich.
(http://www.youtube.com/watch?v=Cq1t9WqOD-0
16.12.2010
WIE LANGE DAUERT DIE NACHT?
Dumme Frage. Der Tag hat zwei Hälften, eine helle und eine dunkle. Am Äquator sind die „Hälften“ immer gleich lang, in den höheren Breitengraden nur zweimal im Jahr gleich (Äquinox bzw. Tag- und Nachtgleiche), ansonsten ändern sich die Verhältnisse so, dass im Jahresschnitt Tag und Nacht gleich lang sind.
Ist das wahr? Das einzig Wahre hier ist, dass am Äquator die Nacht und der Tag über das Jahr jeweils gleich lang bleiben, aber nicht gleich lang sind. Das liegt daran, dass das Licht der Sonne „um die Ecke“ kriecht, also auch nach ihrem Untergang noch wirksam bleibt. Deswegen gibt es beim Equinox etwa 13 Stunden Licht und 11 Stunden Dunkelheit. Die Dunkelheit bleibt diskriminiert. Sie wird kurz gehalten.
Wie lange sieht man das Licht der Sonne, nachdem man sie selber nicht mehr sehen kann? Bekanntlich ganz kurz am Äquator, so etwa 20 Minuten, und umso länger, je weiter man sich davon entfernt. Und in der Polarnacht? Die soll bis zu 6 Monate dauern, stand in unserem Geografie-Buch. Ich bin heute an einem Ort, an dem die Polarnacht schon vor einem Monat eingezogen ist. Tromsö. Bis sie aufhört, werden noch etwa fünf Wochen vergehen. Wie „Nacht“ ist es denn draußen?
Man kann ohne Probleme für etwa fünf Stunden im Freien sein und die Natur sehen bzw. erahnen. Etwa zwei Kilometer weit über den Fjord kann man schon sehen. Stockdunkle Nacht ist es indes nicht. Letztes Jahr zwei Wochen vor dem Ende der Nacht konnte ich für etwa 6 Stunden ohne Licht filmen und fotografieren. Und vermutlich gibt es nicht 6 Monate Nacht an den Polen, sondern eher 5.
Nur in der Gesetzgebung kann die Nacht wirklich die Hälfte ausmachen. Z.B. fängt in der Seemannschaft die Nacht bei Sonnenuntergang an. Nur im geteilten Berlin war es anders. Dort hatten die Alliierten verfügt, die Nacht möge eine halbe Stunde später anfangen. Wie weise!
06.11.2011
… ohne Waffen. Nicht doch, den Spruch kennt man aus anderen Gebieten. Hier geht es um Standards in der Beleuchtung. Heute habe ich des Rätsels Lösung für eine „Vorschrift“ gefunden, von der niemand weiß, wo sie wohl herkommt. Wo sie drin steht, kann man hingegen häufig erleben. Die „Vorschrift“ lautet: „Die Beleuchtungsstärke an ständig besetzten Arbeitsplätzen muss mindestens 200 lx betragen.“
Vielleicht fällt der Wortlaut etwas anders aus, die 200 stehen aber felsenfest. Wo kommt aber die Zahl her und was bedeutet sie? Wer hat sie begründet?
Die Lösung ist unglaublich: Niemand hat sie ermittelt. Sie wurde beim Übergang von alten physikalischen Einheiten zu den SI-Einheiten von IES (US-amerikanische lichttechnische Gesellschaft) durch Aufrunden gezeugt. Sie hatte in ihrem „Code“ von 1961 eine sog. „amenity value“ von 15 lm/ft² empfohlen. Nach der neuen Größe (Lux) würde das 161,4 lx ausmachen. Auf- oder abrunden? Bei Preisverhandlungen im Großen Basar von Damaskus wäre Abrunden angesagt, bei Mathematikern auch. Aber doch nicht bei Licht. So kam man auf 200 lx. Stand im IES-Code 1968. Zwar haben die Amerikaner bis heute die SI-Einheiten nicht in ihr Herz schließen können, aber bei so einer wichtigen Größe … musste unverzüglich gehandelt werden.
200 lx, aber wofür? Amenity bedeutet so viel wie „Annehmlichkeit“. Den Begriff in Bezug auf Innenraumbeleuchtung hat ein gewisser G.P. Cundall, BSc, CEng, FIEE, FIMechE, FIllumES in seinem Artikel „Value for money—interior lighting“ (Lighting Research & Technology, 1972) erläutert. Er sagt aus, amenity sei eine Sache der Wertschätzung. Was bekomme ich für mein Geld? Heute würde man eher sagen, was bekomme ich für die Energie, die ich verbrauche? Jedenfalls keine Sicherheit. Denn ein gewisser Peter Boyce (s. unten) soll experimentell nachgewiesen haben, dass Menschen im Büro bei plötzlichem Lichtausfall bei etwa 1 lx das Büro sicher verlassen haben. (Wer das nicht glaubt, erntet den Zorn der Sicherheitsexperten, weil die auch der Meinung sind, dass 1 lx reicht).
Man bekommt jedenfalls nicht das, was uns die Normen seit jeher gelernt haben: Mehr = besseres Licht. Denn nach der Schlussfolgerung des Artikels gilt: Die Quantität des Lichts allein wird niemals schlechte Gestaltung aufwiegen, und die beste Wertschätzung wird man erzielen, wenn man den Bedürfnissen der Benutzer entspricht, ohne ungebührliche Energieaufwendungen zu erfordern.
Das hat IES nicht davon abgehalten, aus 161 lx 200 lx zu machen. Später haben die Europäer sogar ihre amerikanischen Vorbilder übertrumpft und aus 500 wieder 500 gemacht, allerdings aus 500 lx Nenn- 500 lx Mindestbeleuchtungsstärke. Macht rund 25% mehr. Macht aber nix, weil es kaum jemand bemerkt hat. Jedenfalls nicht so plump wie aus 161 lx 200 zu generieren.
Hier passt ein Artikel von Peter Boyce, einem britischen Professor für Lichttechnik, der in den USA gearbeitet hat, unheimlich gut. Damit hat er den Kollegen vom IES ins Gewissen geredet, damit sie aufhören, Märchen zu erzählen. Der Artikel trägt den Titel „Festlegung der Beleuchtungsstärke für Sehleistung - Und andere Märchen“.
(Der Artikel ist angehängt, hier download pdf)

28.09.2011
Was ist die unzüchtigste Darstellung, die sich ein deutscher Lichttechniker vorstellen kann? Sozusagen eine pornographische Darstellung im Bereich des Lichts? Meines Erachtens ist sie die Abbildung von etwas, was sich Büromenschen sehnlichst wünschen – eine Tischleuchte. Wie denn das?
Viele „führende“ Lichttechniker behaupten, ohne mit der Wimper zu zucken, die sei verboten. Wer die Tischleuchte wohl verboten haben könnte? Egal. Verboten ist verboten! Eigentlich bin ich derjenige, der das Verbot ausgesprochen hat. Da müssten sie auf mich verweisen, wenn es um die Behauptung geht. Tun sie aber nicht, weil das, was darauf folgt, denen nicht in den Kram passt. Die Sache mit dem „Verbot“ kam so: Ich führte in den 1970er Jahren eine Reihe von Untersuchungen an Arbeitsplätzen mit Computern, damals noch Datensichtarbeitsplätze genannt, durch und stellte fest, dass die damaligen Tischleuchten alles mögliche taten, nur nicht vernünftig beleuchten. Am meisten hatte mir deren Wärmeabgabe angetan, weil damals nicht nur die Tischleuchten, sondern auch die Computer den Leuten schön einheizten. So empfahl ich der Berufsgenossenschaft, die Tischleuchten aus mehreren Gründen mit einem „Bann“ zu belegen. Man hat meinen Rat angenommen und als eine Sicherheitsregel empfohlen, solche Leuchten grundsätzlich nicht zu verwenden, weil …
Nur kurz danach kam jemand zu mir, der Leuchten baute, die keine der von mir festgestellten Nachteile aufwiesen, dafür eine Menge Vorteile. Seine Leuchte und eine Reihe anderer Leuchten bekamen einen Freibrief von der BG. Sieht so ein Verbot aus? Natürlich nicht. Eigentlich wollten die Lichttechniker das ungeliebte Zeug aus einem anderen Grund loswerden. Man war damals der Meinung, alle Lampen in einem Raum müssten die gleiche Lichtfarbe haben, ansonsten würden die Augen der armen Bürobewohner total irritiert werden. Das hat sogar ein Professor in seinem Buch geschrieben, der sich Sehphysiologe nannte. Nach seiner Meinung dürfen Lampen mit unterschiedlicher Lichtfarbe und unterschiedlicher Farbwiedergabe nicht in einem gleichen Raum leuchten. Das gäbe Zwielicht, sagte und schrieb der Professor. Dazu kämen unerträgliche Leuchtdichteunterschiede dadurch, dass Tischleuchten im Allgemeinen nicht so heißen, weil sie den ganzen Tisch beleuchten, sondern lediglich auf dem genannten Objekt stehen und nur einen Teil davon beleuchten. Das ist auch der Sinn davon. Genau diese Unterschiede in der Leuchtdichte ermüden die Menschen. Sagt man seit etwa den 1930er Jahren …
Nun ist trotz intensivster Suche niemandem gelungen, einen Menschen zu finden, der an unterschiedlicher Lichtfarbe seiner Lampen zugrunde gegangen wäre, und das beschleunigt durch zu hohe Unterschiede in der Leuchtdichte in seiner Umgebung. Augenmediziner behaupten sogar, das wäre gut für die Menschen. Selbst welche, deren sonstige Weisheiten häufig zitiert werden. Dennoch lebt die Legende fort, deren eigentlicher Grund ein anderer war: Die Kompaktleuchtstofflampe harrte noch ihrer Erfindung, und mit den damals vorhandenen Stablampen ließen sich nur monströse Objekte gestalten, die keiner in seiner Umgebung haben will. Der damalige Marktführer hat es einmal versucht … und ist grandios gescheitert.
Die bösen Dänen, bekannt durch sonstige unzüchtige Angebote, haben sich bei der Europäischen Normung für Beleuchtung eine Extrawurst braten lassen, die genau auf dem unzüchtigsten lichttechnischen Objekt beruht: Das dänische Gesetz schreibt vor, dass die Beleuchtung von dänischen Arbeitsplätzen nach der dänischen Norm DS 700 erfolgen muss, Und die besagt, dass man Anforderungen, die mehr als 300 lx am Arbeitsplatz erforderlich machen, nicht mit der Raumbeleuchtung, sondern mit einer Arbeitsplatzleuchte genügen muss. Die Dänen wollen das Klima retten, wir noch nicht. Unsere Lichttechniker haben sich die Mär ausgedacht, dass in Deutschland eine andere Arbeitskultur herrsche. In Wirklichkeit schützen die Sozialgesetze in Dänemark die Arbeitenden, während in Deutschland die lichttechnische Normung die Interessen der gleichnamigen Industrie schützt.
Die Sache steht als A-Abweichung in DIN EN 12464-1 von 2011 zu lesen. Und eine A-Abweichung bedeutet, dass die Gesetze eines Landes etwas anderes verlangen als die Beleuchtungsnorm. Bei uns gibt es so etwas wie eine B-Abweichung, eher BG-Abweichung, weil der Arbeitsschutz es anders will, aber es nicht bis zu einem Gesetz geschafft hat. (s. Eintrag vom 26.06.2011) Dann hätten wir endlich eine gesetzliche Grundlage zum Verluxen von mehr Energie.
Zum Thema Arbeitskultur und Beleuchtung: man möge die Arbeitnehmer fragen, die unter der allgegenwärtigen Lichtsoße leben müssen. Auf die Antwort braucht man indes nicht zu warten. Man muss nur das Licht anmachen, wenn noch etwas Tageslicht da ist, und hören, wie die brüllen.