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Tageslichtbelichtung des Dortmunder Bürgers reicht hinten und vorne nicht

11.03.2026

Das Experiment war ein voller Erfolg.
Lediglich die Realität hat sich
geweigert, mitzuspielen.
d. Blogger

Vor 5 Jahren überraschte die internationale Elite der Chronobiologen die Lichtwelt mit einer Erklärung[1]. Sie verordnete allen Menschen ein biologisches Lichtregime, auf dass ihre Körperrhythmen mit dem Verlauf des Tages schwingen mögen.

Screenshot

In einem Beitrag zum 13. Symposium Licht und Gesundheit 2026, mit dem Titel “Wie viel Licht erreicht uns wirklich? Erkenntnisse aus der Dortmunder MeLiDos-Studie”, stellten Kai Broszio, Johannes Zauner und Manuel Spitschan vor, wie die melanopische Beleuchtungswirkung am Standort Dortmund aussieht.

Es wurden drei Größen betrachtet:

  • melanopische Beleuchtungsstärken (mel-EDI, lx)
  • Time-Above-Threshold-Metriken (TAT, Werte über 500 lx und 1000 lx in h/d)
  • zeitliche Lage der Lichtexposition (mittlerer Zeitpunkt der Exposition oberhalb 250 lx).

Die Anforderung der Chronobiologen hieße >TAT250 von 06:00 bis 19:00 Uhr. In Klarschrift: Biologisch gesund ist die lichte Umgebung, wenn das melanopisch wirksame Licht zwischen 06:00 und 19:00 Uhr 250 lx überschreitet. Das sind „melanopische“ Lux und werden nach einer Geheimformel, Pardon nach einer CIE-Norm, berechnet. Die Forschenden wollten aber echte Werte wie im echten Leben messen.

[1] Timothy M. Brown, George C. Brainard, Christian Cajochen, Charles A. Czeisler, John P. Hanifin, Steven W. Lockley, Robert J. Lucas, Mirjam Münch, John B. O’Hagan, Stuart N. Peirson, Luke L. A. Price, Till Roenneberg, Luc J.M. Schlangen, Debra J. Skene, Manuel Spitschan, Céline Vetter, Phyllis C. Zee, Kenneth P. Wright Jr Recommendations for healthy daytime, evening, and night-time indoor light exposure

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Das Ergebnis fällt sehr ernüchternd aus.

Melanopische Beleuchtungsstärken (mel-EDI)
Tageszeit 08:00–18:00 ca. 90 lx – 130 lx
Mittagsfenster 11:00–14:00 ca. 120 lx – 180 lx
Abend 18:00–22:00 ca. 5 lx – 15 lx

Der Grenzwert von 250 lx wurde 0,8 h – 1,4 h/Tag (Median) überschritten, und nicht etwa täglich für 11 Stunden. Melanopische Beleuchtungsstärken von über 1000 lx sahen die Probanden 0,2 h/Tag. An den meisten Arbeitstagen wurden 1000 lx nie überschritten.

In einem Beitrag in licht-formt-leben.de kommentiere ich die Projektergebnisse und erkläre, warum sie zu erwarten waren. Es gibt auch eine Erklärung dafür, warum die Chronobiologie so falsch liegen könnte. Allerdings liegt sie nur mit dem Konzept der Belichtung falsch. Viel mehr Licht als in Innenräumen vorhanden brauchen wir trotzdem.

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Schicht und Licht

09.03.2026

Die Theorie steht bombensicher.
Schade nur, dass die Realität
sich weigert, mitzuspielen.
d. Blogger

Schichtarbeit und atypische Arbeitszeiten stören den Tagesrhythmus und können zu erhöhtem chronischem Stress führen. Da Licht ein wichtiger Regulator des Tagesrhythmus ist, können gezielte Maßnahmen zur Beleuchtung am Arbeitsplatz dazu beitragen, solche negativen Auswirkungen zu mildern. Diese Studie untersuchte, ob dynamische Beleuchtung am Arbeitsplatz den langfristigen physiologischen Stress beeinflusst, gemessen anhand der Cortisolkonzentration im Haar (HCC) als Biomarker für chronischen Stress bei Schichtarbeitern.

So steht es in der Kurzfassung eines Beitrags vom 13. Symposium Licht und Gesundheit, BAuA 2026. Die Autoren Sophie Schümann, Robert Herold, Katarzyna Burek, Dirk Pallapies, Thomas Brüning, Thomas Behrens, Volker Harth, Sylvia Rabstein haben in einer Längsschnittstudie untersucht, ob dynamisches Licht langfristig bei Nacht- und Schichtarbeit stressmindernd wirkt. 

Die Beschreibung der Studie habe ich in licht-formt-leben.de vorgenommen. Andere Berichte zu diesem Projekt sind auf der DGUV-Homepage oder hier zu finden. 

Warum wir wohl noch lange warten müssen, bis wir HCL verstehen

09.03.2026

Ein Bild sagt 1000 Worte.
Mir genügt eins.
d. Blogger

Heute habe ich  einen Artikel gelesen, in dem erklärt wird, wie HCL wirkt. Damit auch solche Leute wie ich die Sache verstehen, hat der Autor netterweise sein Modell mit einem Bild klar gemacht. Die Legende des Bildes macht einen wirklich neugierig: "Theorie- und befundbasiertes HCL-Wirkmodell nach Wessolowski. Das Modell ist empirisch testbar, mittels Strukturgleichungsmodellen optimierbar und konzeptionell erweiterbar. Die numerisch dargestellten Literaturhinweise sind in Wessolowski (2024) sowie in Wessolowski & Ostrowski (2025) dokumentiert."

Um dieses Bild zu verstehen, muss man nur noch zwei Artikel vom Autor lesen und 40 Artikel an 17 Stellen des Diagramms inhaltlich zuordnen. Schon ist man in der Lage, das Ganze mit Strukturgleichungsmodellen zu optimieren. Der Autor hat nur vergessen anzugeben, wofür oder für wen. 

Mit dem Optimieren würde ich erst einmal mit den Farben anfangen. Leider wurde die Norm DIN 66234-5:1978 abgeschafft, in der angegeben wurde, welche Farben für die Schrift gewählt werden dürfen, wenn der Hintergrund dunkelblau oder dunkelgrau ist. Das sieht zwar ein Blinder mit dem Krückstock, aber nicht unbedingt einer, der die gesundheitlichen Wirkungen von Licht modelliert.

Der Autor schreibt: "Licht ist mehr als ein rein visueller Reiz; es moduliert Aufmerksamkeit und kognitive Prozesse." Meine Aufmerksamkeit ist derart moduliert, dass ich schlecht schlafen kann, bis ich die 40 Artikel richtig zuordnen kann. 

Lichtmischen verboten

24.02.2026

Farben mischen? Bloß nicht!
Am Ende entsteht noch Individualität, und
wer will das schon?
d. Blogger

Heute habe ich ein Phantom kommentiert, das zwar mittlerweile verschwunden ist, aber in der Beleuchtung tiefe Spuren hinterlassen hat. Die Rede ist von der Behauptung, Lichter mit unterschiedlicher Farbe würden zu visuellen Störungen und am Ende gar zur Ermüdung führen. Der einstige Guru der Lichtwissenschaft, Erwin Hartmann schrieb dazu in einem Buch: “Im übrigen ist es wohl selbstverständlich, daß in ein und demselben Raum keine Lichtquellen unterschiedlicher Lichtfarbe oder Farbwiedergabe verwendet werden dürfen.“ (Erwin Hartmann, in dem Buch Optimale Beleuchtung am Arbeitsplatz, 1977)

Auch ein schwedischer Psychologe, Olov Östberg, hatte sich dem Thema gewidmet und wollte sogar eine Harmonie zwischen den Schriftfarben auf dem Bildschirm (damals gelb oder grün) und der Beleuchtung des Raumes herstellen, damit sich der Bildschirmarbeiter wohl fühlt.

Dem Wunsch nach Harmonie verdanken wir vermutlich die Lichtfarbe neutralweiß in den Büros, die viele Büromenschen rot sehen lässt. Deutsche Führungskräfte, nach ihrem idealen Büro gefragt, antworteten mehrheitlich mit „Arbeitsplatz ohne künstliche Beleuchtung“.
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LED-Abstände sorgen für mehr Blendungsempfindung

20.02.2026

Die Fülle an Informationen
führt zu einer Armut
an Aufmerksamkeit
Frei nach Herbert A. Simon

LEDs sind sehr energieeffiziente Leuchtmittel, deren Leistung auch mal zu hoch wird. Wenn man eine bestimmte Strecke beleuchten will, wie z.B. ein Warenregal im Supermarkt, und dabei nur eine bestimmte Beleuchtungsstärke einhalten muss, kann man entweder die Elemente dimmen oder auseinanderziehen. Das Letztere wird gerne gemacht, weil man damit viel Geld spart.

Nach der letzten Renovierung des Aldi-Marktes vor ein paar Jahren konnte ich den Laden nicht mehr betreten, weil es mir vor den Augen nur so wimmelte. Dies bezog ich auf die Spiegelbilder auf der Ware, die das Sehen eher behinderten anstelle es zu fördern.

Eine neue Studie, die in Lighting Research und Technology erschienen ist, zeigt, dass diskret erkennbare LED-Elemente die psychologische Blendung erhöhen und auch dazu führen, dass man Nachbilder sieht. Diese sind nicht zu verwechseln mit dem Perlschnur-Effekt, der infolge des Flimmerns bei bewegten Objekten oder beim bewegten Auge auftritt.
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Das Ergebnis der Studie erklärt auch, warum manche Schlusslichter von Autos (z.B. von Smarts) mehr stören als andere, die gleich hell sind. Zwar ist die Studie mit Außenleuchten durchgeführt worden. Es scheint aber wahrscheinlich, dass die Blendung bei Büroleuchten ebenso zunimmt, wenn man die Beleuchtungsstärke nicht durch eine gleichmäßig leuchtende Fläche, sondern durch diskret erkennbare Elemente erzeugt.

Diese Vorstellung ist nicht neu und keine Spezialität von LED. Ich hatte den Effekt bereits 1971 bei meiner Dissertation untersucht, weil ich wissen wollte, ob eine Scheinwerferbatterie mehr stört als ein großer Scheinwerfer mit der gleichen Leistung. Die Idee selbst stammt aus den Studien von S.K. Guth aus den 1950er Jahren, auf dessen Arbeiten die heutige UGR-Methode weitgehend beruht.

Das Ergebnis lässt sich vermutlich verallgemeinern: Je mehr Information in der gesehenen Fläche einer leuchtenden Fläche vorhanden ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Blendung.
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Hier die Kurzfassung des Artikels (übersetzt Deepl)

LED-Leuchten mit Öffnungen, die visuell erkennbare helle Punkte enthalten, werden häufig zur Beleuchtung von Außenbereichen eingesetzt. Der Einfluss des Abstands zwischen den LEDs, der die räumliche Frequenz bei einer bestimmten Betrachtungsentfernung bestimmt, auf die durch diese Leuchten verursachte wahrgenommene Unannehmlichkeit ist jedoch nach wie vor unklar. An dieser Studie nahmen 29 Teilnehmer teil, denen in einer dunklen Laborumgebung 68 Reize mit unterschiedlicher räumlicher Frequenz, Intensität, Diffusionsstufe und Umgebungsbeleuchtung gezeigt wurden. Die Teilnehmer berichteten über ihre Erfahrungen mit Unbehagen durch Blendung, die Fähigkeit, einzelne LEDs zu erkennen, und Nachbilder. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte räumliche Frequenz sowohl das Unbehagen als auch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nachbildern verstärkte. Es wird vermutet, dass die Punktstreufunktion des Auges zu diesen Effekten beitrug, wobei die Lichtquellen als eine einzige größere Quelle mit gleicher oder größerer Intensität wahrgenommen wurden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass bei der Konstruktion von LED-Leuchten Konfigurationen mit niedrigeren räumlichen Frequenzen bevorzugt werden sollten, um das Unbehagen zu minimieren. Zur Vorhersage von Discomfort durch Blendung wird die Verwendung einer einfachen Größe, der direkten Beleuchtungsstärke am Auge, empfohlen, da diese ebenso gut wie andere komplexere Modelle funktioniert.

Abboushi B, Miller N, Royer M, Orman A, Irvin L, Rodriguez-Feo Bermudez E. LED array spatial frequency impacts discomfort and afterimages in a simulated nighttime environmentLighting Research & Technology. 2026;0(0). doi:10.1177/14771535251400286

Blendung