Posts Tagged: Forschung

Der Aufstieg - Idealisten danken ab – Bürokraten übernehmen

10.05.2026

Nicht die neue Lampe
hat die Leistung gesteigert,
sondern das Auge des Chefs.
der Blogger

Dieses Kapitel analysiert den Aufstieg der künstlichen Beleuchtung im Spannungsfeld von Industrialisierung, Scientific Management und arbeitswissenschaftlicher Rationalisierung. Im Zentrum steht die Rekonstruktion der Hawthorne-Experimente, die ursprünglich den Zusammenhang zwischen Beleuchtung und Arbeitsleistung empirisch belegen sollten, jedoch in methodischer, wissenschaftshistorischer und disziplinärer Hinsicht zu Befunden führten, die weit über die Lichttechnik hinauswirkten.

Gezeigt wird, dass die Experimente nicht nur an der Komplexität sozialer und organisatorischer Einflussfaktoren scheiterten, sondern zugleich die Grenzen eines reduktionistischen, auf Quantifizierung und Wirtschaftlichkeit fixierten Forschungsverständnisses offenlegten. Das Kapitel verortet die Hawthorne-Studien im ideengeschichtlichen Kontext des Taylorismus, diskutiert ihre methodischen Voraussetzungen und beschreibt ihre Umdeutung innerhalb des Human-Relations-Ansatzes, in dem physikalische Umweltfaktoren gegenüber sozialen Beziehungen und Führungsstilen in den Hintergrund traten.

Darauf aufbauend wird untersucht, wie die Lichttechnik gleichwohl an produktivitäts- und gesundheitsbezogenen Wirkungsbehauptungen festhielt und wie sich diese in Normen, Planungsprinzipien und institutionellen Strukturen insbesondere in Deutschland verfestigten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der historischen Verknüpfung von Beleuchtung, Arbeitsschutz, Büroorganisation und politischer Instrumentalisierung in den 1930er Jahren sowie dem langfristigen Fortwirken standardisierter Konzepte wie der Allgemeinbeleuchtung. Insgesamt zeigt das Kapitel, dass der „Aufstieg“ der elektrischen Sonne nicht als lineare Erfolgsgeschichte verstanden werden kann, sondern als konfliktreiche Entwicklung, in der wissenschaftliche Unsicherheiten, ökonomische Interessen, normative Setzungen und kulturell-politische Deutungen eng miteinander verflochten sind.

Insgesamt plädiert das Kapitel für ein erweitertes Verständnis von Blendung, das nicht nur das Vermeiden negativer Effekte, sondern die tatsächliche Qualität des Sehens, die Arbeitssituation und die Wahrnehmung des Menschen in realen Umgebungen in den Mittelpunkt stellt.

Inhalt

  • Leistung, Leistung über Alles! Eine kleine Geschichte aus Hawthorne Works
  • Das geistige Umfeld der Hawthorne-Experimente
  • Zur Methode
  • Ablauf der Experimente
  • Lichttechnik allein auf weiter Flur …
  • Gleiches Licht für Alle – Ein unglückliches Erbe der 1930er Jahre

Der Stromkrieg – Kampf der Giganten, bevor sie welche wurden

11.05.2026

Edison hat hart dafür gearbeitet, dass wir heute alle Lampen haben,
aber Tesla hat dafür gesorgt, dass wir sie
nicht alle fünf Meter mit einem neuen Kraftwerk füttern müssen.
der Blogger

Dieses Kapitel analysiert den historischen Stromkrieg zwischen Gleichstrom und Wechselstrom als zentrale technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung der frühen Elektrifizierung.

Im Mittelpunkt stehen die konkurrierenden Konzepte von Thomas Edison, der auf lokal begrenzte Gleichstromnetze setzte, und von George Westinghouse sowie Nikola Tesla, die den Wechselstrom wegen seiner einfachen Transformierbarkeit und seiner Eignung zur verlustärmeren Fernübertragung vorantrieben.

Dargestellt wird, dass sich der Wechselstrom nicht allein aus technischen Gründen durchsetzte, sondern auch im Kontext von Patentkonflikten, unternehmerischer Machtpolitik, öffentlicher Inszenierung und gezielter Propaganda. Zugleich zeigt der Text, wie eng die Entwicklung elektrischer Netze mit der Geschichte des künstlichen Lichts, der Industrialisierung und der modernen Infrastruktur verbunden ist.

Abschließend wird der Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen: Unter veränderten technischen Bedingungen gewinnt Gleichstrom erneut an Bedeutung, etwa in der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, bei LEDs, in der Solartechnik, bei Batteriespeichern und in digitaler Infrastruktur.

Der Stromkrieg erscheint damit nicht nur als abgeschlossenes Kapitel der Technikgeschichte, sondern auch als Ausgangspunkt gegenwärtiger Debatten über Effizienz, Dezentralisierung und Energieversorgung. Für längere Stromtrassen ist der Gleichstrom die bessere Lösung. Für daheim vielfach auch. 
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Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte

10.05.2026

Kontinuität in der Forschung
ist oft nur ein höfliches Wort
für intellektuellen Stillstand.
der Blogger

Dieses Kapitel untersucht den Begriff der Blendung in seinen unterschiedlichen Bedeutungen und konzentriert sich dabei auf jene Erscheinungsformen, die das Sehen durch Licht beeinträchtigen.

Es zeigt, dass Blendung nicht nur als klar messbare physiologische Minderung der Sehleistung verstanden werden kann, sondern auch als psychologisch wahrgenommene Störung, deren Bewertung in Forschung und Normung vielfach auf unsicheren oder veralteten Grundlagen beruht.

Der Text kritisiert insbesondere etablierte Verfahren wie UGR und verwandte Blendungsmodelle, da sie komplexe reale Sehbedingungen, moderne Lichtquellen, Arbeitsaufgaben, Farbwirkungen und dynamische Wahrnehmungsprozesse nur unzureichend erfassen. Darüber hinaus wird argumentiert, dass zahlreiche belastende Lichteffekte – etwa Reflexionen auf Bildschirmen, Kontrastverluste auf Sehobjekten, Umfeldblendung oder sogenannter Lichtdruck – fachlich zwar bekannt, aber normativ kaum angemessen berücksichtigt sind.

Trotz intensiver Forschung sind die Blendungsbewertungsverfahren nie validiert worden. Zwar wird zu einer Leuchte ein UGR-Wert dreistellig angegeben. Mit irgendeiner bestimmten Wirkung hat die Zahl aber nichts gemein. 

Insgesamt plädiert das Kapitel für ein erweitertes Verständnis von Blendung, das nicht nur das Vermeiden negativer Effekte, sondern die tatsächliche Qualität des Sehens, die Arbeitssituation und die Wahrnehmung des Menschen in realen Umgebungen in den Mittelpunkt stellt.

Das Phoebus-Kartell – Gerücht - Legende – Realität

10.05.2026

Ein Kartell ist nichts anderes als das Geständnis,
dass man zu unfähig für echten Wettbewerb ist.
der Blogger

Dieses Kapitel untersucht das Phoebus-Kartell als eines der ersten globalen Kartelle der Wirtschaftsgeschichte und ordnet dessen Bedeutung zwischen technischer Standardisierung, Marktregulierung und geplanter Obsoleszenz ein. Im Zentrum steht die Frage, ob die Festlegung einer Lebensdauer von 1.000 Stunden für Glühlampen als verbraucherorientierte Normung oder als wettbewerbsbeschränkende Absprache zu bewerten ist.

Dazu werden zunächst die Begriffe Kartell, Standardisierung und Normung historisch und begrifflich voneinander abgegrenzt. Anschließend zeigt der Beitrag, dass die Bewertung des Phoebus-Kartells nur vor dem Hintergrund der technischen, wirtschaftlichen und messtechnischen Besonderheiten von Leuchtmitteln möglich ist, da die Bestimmung ihrer Lebensdauer und Lichtqualität komplex und historisch stark von industriepolitischen Entscheidungen geprägt war.

Anhand von Archivquellen, zeitgenössischen Berichten und späteren Deutungen wird deutlich, dass Phoebus nicht nur Marktgebiete aufteilte, sondern auch Qualitäts- und Lebensdauervorgaben verankerte. Das Kapitel arbeitet zugleich heraus, dass bereits internationale Normungsinstitutionen im Bereich des Lichts existierten, wodurch die behauptete Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses kritisch hinterfragt wird.

Abschließend wird das Ende des Kartells sowie der tiefgreifende Wandel der Lichtindustrie skizziert. Insgesamt versteht sich der Beitrag als kritische Einordnung eines industriehistorischen Falls, der bis heute exemplarisch für die Spannungen zwischen Innovation, Standardisierung, Marktbeherrschung und Verbraucherschutz steht.

Inhalt

  • Zum Thema
  • Zum Begriff Kartell
  • Zum Begriff Standardisierung
  • Festlegungen des Phoebus-Kartells
  • Ende des Phoebus-Kartells

Licht macht krank - Licht macht gesund

07.05.2026

Man muss begreifen, dass der Körper kein Objekt ist,
das beleuchtet wird, sondern ein
Echo der Sonne selbst.
der Blogger

In den letzten Monaten habe ich mich viel mit den gesundheitlichen Wirkungen des Lichts beschäftigt und mehrere ergänzende Beiträge zu Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne geschrieben. Würde man sie alle in einem Beitrag zusammenfassen, müsste man die einen Wirkungen (krankmachend) gegen die anderen (gesundmachend, heilend) abwägen oder sie gar relativieren. Dies wäre aber nicht der Bedeutung des Lichts angemessen. Licht ist eben facettenreich.

Falsch ist nur, eine der Facetten zu sehen und die anderen zu ignorieren. Jemand, der Licht gestalten will oder mit Licht gestalten, muss sich auf seinen Gegenstand konzentrieren und dabei weitere Facetten im Hinterkopf behalten. Daher stelle ich hier die einzelnen Beiträge kurz zusammen, um eine Übersicht zu geben.
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Wenn Licht krank macht: Zur langen Suche nach Ursache und Wirkung

Der Beitrag analysiert die komplexen und bislang nur unvollständig geklärten Zusammenhänge zwischen Lichtexposition und menschlicher Gesundheit mit besonderem Fokus auf potenzielle Beziehungen zur Krebsentstehung. Ausgehend von der Feststellung, dass bereits grundlegende Lichtwirkungen – wie die Sehleistung – wissenschaftlich schwer eindeutig zu fassen sind, wird gezeigt, dass sich diese Schwierigkeit bei der Untersuchung langfristiger gesundheitlicher Effekte erheblich verstärkt. Auf Basis arbeitswissenschaftlicher, photobiologischer und medizinischer Ansätze wird ein Wirkmodell vorgestellt, das primäre (direkte), sekundäre (mittelbar vermittelte) und tertiäre (langfristige) Lichtwirkungen unterscheidet. Historische und experimentelle Befunde zur kanzerogenen Wirkung ultravioletter Strahlung werden ebenso diskutiert wie neuere Erkenntnisse zu hormonellen Veränderungen, circadianen Störungen und Licht in der Nacht. Diese indirekten Wirkpfade, etwa über Melatonin und Cortisolregulation, werden als zentral für das Verständnis möglicher Zusammenhänge zwischen Licht und bestimmten Krebserkrankungen herausgearbeitet. Der Beitrag verdeutlicht, dass Licht nur selten als unmittelbarer Krankheitsauslöser wirkt, sondern überwiegend Bestandteil komplexer biologischer Wirkungsketten ist. Abschließend wird betont, dass die Erforschung von Lichtwirkungen auf die Gesundheit zwingend interdisziplinäre Ansätze erfordert und einfache Ursache-Wirkungs-Modelle der Problematik nicht gerecht werden.
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Wunden, die Licht heilt

Wirkungen, die in Sprichwörter eingeflossen sind

Wenn die Rede vom gesunden Licht ist, denken viele an Beleuchtung. Das ist aber nur eine Folge der veröffentlichten Meinung, die die Hersteller dominieren. Lux vita est – Der Slogan der seit 1998 stattfindenden Tagung Licht und Gesundheit (L&G) stammt noch von den Alten Römern. Sie wussten, mit Licht zu heilen.

Jenseits der Sprichwörter und literarischer Verarbeitung, z.B. Licht heilt Krebs – Medizinische Anwendung in PDT, Licht heilt Wunden – Photobiomodulation,

Heilung Jenseits der Physik – Heilende Aussichten

Licht muss nicht in der Form einer Strahlung auf die Haut oder eine Wunde fallen, um eine heilende Wirkung hervorzurufen. Es tut dies auch durch die Information, die es trägt. Nicht umsonst gilt die deutsche Vorschrift (ArbStättV § 7.1) zur Sichtverbindung nach außen so erfolgreich, dass alle neuen Gebäudebewertungen für nachhaltiges Bauen sie übernommen haben (link zu dem Beitrag Wer sorgt für gesundes Licht im Büro?).
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Wunden, die Licht heilt – zusammengefasst

Eine Zusammenfassung heilender Wirkungen von Licht und Sichtverbindung. Beispielsweise: Tageslicht und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, Tageslicht, Schmerzempfinden und Medikation, Tageslicht, Naturbezug und Ausblick korrelierend mit schnellerer Genesung, geringerer Komplikationsrate oder besserem psychischem Wohlbefinden.

Eine enorme Vielfalt an Wirkungen, die viele überraschen. Sie sind nicht nur Expertensache, man kann sie für die eignene Gesundheit verwerten.
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Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong

Der Beitrag fasst zentrale Thesen von Lisa Heschong (14. April 2026) zu einer „zweiten Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit zusammen. Während die erste Forschungswelle vor allem die circadiane Wirkung (Zeitpunkt, Intensität, blaues Licht) betonte, rücken nun weitere nicht visuelle Mechanismen in den Fokus. Große epidemiologische Datensätze deuten darauf hin, dass höhere Lichtexpositionen am Tag langfristig mit besseren Gesundheitsoutcomes assoziiert ist (u. a. weniger psychiatrische Diagnosen sowie geringere Herz Kreislauf , Krebs und Mortalitätsraten). Zugleich wird die Erklärung über Vitamin D als alleinige Ursache relativiert, weil Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nur begrenzt replizieren. Der Beitrag diskutiert zudem spektrale Anteile jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Strahlung (UV), die durch moderne LED-Beleuchtung und Low-E-Verglasung in Innenräumen stark reduziert wird. Diese technischen Veränderungen können unbeabsichtigte Folgen haben, etwa im Kontext der Myopie-Epidemie. Insgesamt bleibt die Evidenz zur wirksamen und sicheren Dosierung lückenhaft; als pragmatische Konsequenz wird empfohlen, tagsüber mehr Zeit bei ungefiltertem Tageslicht im Freien zu verbringen und Tageslicht in Innenräumen stärker als Gesundheitsressource zu berücksichtigen.
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Fundamente der Circadianen Medizin

Der Beitrag stellt die Grundlagen der circadianen Medizin (Chronomedizin) vor: Statt nur, was behandelt wird, rückt wann Diagnostik, Therapie und Lebensstilmaßnahmen stattfinden, in den Mittelpunkt. Im Fokus dieses Beitrags steht das DFG-Programm TRR 418 „Fundamente der Circadianen Medizin“ (u.a. Charité, FU/HU Berlin), das personalisierte, an der inneren Uhr ausgerichtete Medizin erforschen und klinisch nutzbar machen will.

  • Früher von mir beschriebene Lichttherapien (PDT/Photobiomodulation) wirken direkt; die circadiane Wirkung von Licht zielt dagegen auf indirekte Steuerung über den Tagesrhythmus.
    • Circadiane Medizin nutzt Chronobiologie für präzisere Diagnostik und wirksamere, nebenwirkungsärmere Therapien durch zeitlich passgenaue Maßnahmen (z.B. Chronopharmakologie).
    • Sie berücksichtigt Unterschiede zwischen sozialer Uhrzeit und biologischer Uhr sowie individuelle Chronotypen (relevant auch innerhalb Europas).
    • Auch Ernährung ist zeitabhängig: Spätes Essen kann den Stoffwechsel stören; „Intervallfasten“ wird als Anwendung circadianer Prinzipien eingeordnet.
    • Das Projekt zielt auf drei Richtungen: die innere Uhr messen („detecting the clock“), Rhythmen gezielt beeinflussen („targeting the clock“) und Behandlungen tageszeitlich optimieren („exploiting the clock“).
    • Im Dokument werden die Teilprojekte aufgelistet; die offizielle Projektbeschreibung ist am Ende unverändert wiedergegeben.

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