Verlust der Nacht - reloaded

11.06.2026

Die Erde leuchtet, der Himmel verblasst –
wir tauschen die Unendlichkeit gegen Straßenlaternen..
der Blogger

Verlust der Nacht zählt zu den wiederkehrenden Themen dieses Blogs. Ein Beitrag von 2015 trug den gleichen Titel (s. Rettet die Nacht ). In dem Beitrag sind drei Videos von Youtube verlinkt, die man sich auch heute noch angucken sollte.

Das erste Video, das hier wiederholt wird, liegt mir besonders am Herzen, weil …
… es Szenen aus Berlin zeigt, die Stadt der Lichter, die nachts besonders schön scheint
… es die Fledermäuse thematisiert, die von dem nächtlichen Licht zu profitieren scheinen.
… es die damaligen Anfänge eines Projekts des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) (Stand 2014) zeigt, das man 12 Jahre später als Erfolg bezeichnen kann.

Das zweite Video vom DarkSky International beklagt den Verlust “unserer” Nacht aus der Sicht der Astronomen, die sich heute eher in die Atacama-Wüste zurückziehen, wenn sie ferne Galaxien beobachten wollen. Das erste Video handelt von Projekten, die sich ganz nahe bei uns in Westhavelland abspielten; das zweite zeigt die globale Dimension. Allerdings kann kein Video die wahre Dimension des Problems aufzeigen, das die Forschenden von LAN (Light-at-Night) seit Jahrzehnten untersuchen. Deren Arbeit zeigt, wie das Licht in der Nacht nicht nur Tiere und Pflanzen massiv verändert, sondern auch das Leben des Menschen.

Den Videos folgt ein Bild, das Istanbul in der Nacht zeigt, eine Stadt, deren Lichthaube in den Weltraum ragt. Der dünne Kanal Richtung Nord zeigt den Bosporus, auf dem ich als Jugendlicher nachts die gefangenen Fische in meinem Boot mit einem Eimer Wasser suchte. Wenn man Seewasser bewegt, leuchtet es sehr schwach. Das reichte damals aus, um größere Gegenstände sichtbar zu machen. Heute wissen die dortigen Kinder nicht einmal, dass es die Milchstraße gibt.

Das Wort für Meeresleuchten wurde vor etwa 15 Jahren zum schönsten Wort der Welt gewählt, Yakamoz. Wenn man die Menschen am Bosporus danach fragt, werden sie auf eine Kneipe tippen.

Wenn  man sich die linke untere Ecke des Bildes anguckt, wird man kleine leuchtende Punkte entdecken, die die Küste säumen. Das sind keine Inseln, sondern Schiffe, die auf Reede liegen. Sie lassen die ganze Nacht ihre Generatoren laufen. Ihre Beleuchtung lässt sich vom Weltall fotografieren. Dabei reichen für Schiffe ab 50 m Länge als Ankerlieger zwei Rundumlichter, die aber nur von unten zu sehen sind und nicht vom Himmel aus.
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Bei dem besagten Projekt ging es nicht um ein Vermeiden von Licht in der Nacht, sondern um eine Begrenzung auf das Notwendige. Zudem wollte man die Wirkung auf die Insekten minimieren, indem man geeignete Spektren wählte.

Was da alles mittlerweile erreicht worden ist, kann man z.B. auf der Website Tatort Straßenbeleuchtung  sehen. Da steht z.B. „Kunst gegen Lichtsmog – Als Lampe trägst du Mütze

Neben dieser witzigen künstlerischen Lösung gibt es auch technische Lösungen, so auch Full-Cutoff-Leuchten, das sind Leuchten, die die Mütze ab Werk tragen. Das Licht wird dahin gelenkt, wo es gebraucht wird. Dabei wird sogar der eigene Mast ausgespart: Das Licht fällt direkt nach unten, ohne den eigenen Laternenmast zu erhellen, da die Reflexion am Mast zusätzliche Lockwirkung entfaltet. (mehr hier)

Da sich die meisten Straßenleuchten in Deutschland den Mast in den Bauch stehen, bis ein Fußgänger kommt, dem sie den Weg zeigen dürfen – es sind immerhin über 9 Millionen –, werden sie spät in der Nacht gedimmt oder gar nur bedarfsgerecht eingeschaltet, wenn der besagte Fußgänger kommt. Die Idee ist nicht allzu neu, healthylight hatte darüber schon 2014 berichtet (hier Laternarius wieder da - elektronisch. Damals war das Licht nach Meinung eines Journalisten scheußlich kaltkrankes LED-Licht. Am Ende Projekts des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei wird man zum bernsteinfarbenen Licht einer anderen LED raten.

Wer nicht nur lesen, sondern auch mitforschen möchte, kann sich bei Tatort Straßenbeleuchtung melden: “Tatort Straßenbeleuchtung sucht Menschen, die mitforschen möchten! Anwohnerinnen und Anwohner, kleine und große Mitforscherinnen und Mitforscher. Experten und Amateure, Biologen, Astronomen oder Physiker, hier bieten wir Mit-Mach-Aktionen für alle Interessen!” (hier) Weitere interessante Links finden sich hier.

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