01.09.2012
Ob es jemand weiß, wie lange 50.000 Stunden dauern? So lange soll eine LED-Lampe nämlich halten, wenn sie hält, was sie verspricht. Mir war vor 5 Jahren in den USA aufgefallen, dass viele Verkehrsampeln tote LEDs enthielten. So lange gibt es aber keine LEDs, mit denen man Beleuchtung betreibt. Denn 50.000 h sind rund 5,8 Jahre ununterbrochener Betrieb. Da Ampeln ja maximal die Hälfte der Zeit an sind (in der anderen Hälfte ist die andere Farbe dran), dauert es 11,6 Jahre, bis die Ampel ausfallen darf.
Als ich meine Verwunderung einigen Fachleuten erzählte, sagten diese sofort, es gäbe ein thermisches Problem. So kam es wohl bei einer Segeljacht dazu, dass die kaum ein Jahr alten LEDs zu einem erheblichen Teil ausgefallen waren. Die Restlichen glimmten vor sich hin oder flackerten.
Kann ja sein, dass der Besitzer der Jacht Geld gespart hat. Hätte er bei Stiftung Warentest gelesen, bevor er sich an den Einkauf gemacht hat, hätte er was Besseres eingebaut. Die Stiftung hat pünktlich zum Fest, ich meine zur Abschaffung der Glühlampe, einen Testbericht über lohnende Alternativen veröffentlicht. Hätte unser Jachtbesitzer z.B. etwas Geld locker gemacht und eine PAULMANN LED für rund 20,-- gekauft, wüsste er, was Qualität heißt. Das gute Stück hat sein Leben nach weniger als 500 Stunden ausgehaucht. Kein Wunder – LED ist Zukunftstechnik. Erst leuchtet sie ein bisschen, dann wird sie irgendwann mal 50.000 Stunden leuchten.
Also waren 20 € zu wenig, um Qualität zu kaufen. Man greife nach der teuersten LED im Test. Die kostet 26,20 €. Da muss Qualität drin sein. Nicht nur das - die Lampe ist intelligent dazu. Sie hat sich, immer wenn es warm wurde, einfach abgeschaltet. 16East Crystal LED heißt das gute Stück.

Dem Testbericht habe ich noch entnommen, dass es besonders gute Lampen aus früheren Tests gibt. So auch Osram Parathom Pro Classic A 80 für schlappe 42,00 € oder Philips MyAmbiance dimmable für sogar 2 € weniger. Die Letztere lässt sich sogar dimmen.
Da weint keiner der Glühlampe nach, die man im Sixpack für 2 € kaufen konnte und dimmen mit einem trivialen Widerstand. Komfortable Geräte der Marke Intimat (Siemens) kosteten auch nicht die Welt. Man sieht, dass Sparen sich lohnt.
Hier die Links zu den Artikeln im Tagesspiegel und in der Morgenpost:
Nach dem Glühbirnen-Verbot Energiesparlampen enttäuschen
Wie gut die Alternativen zur Glühlampe sind
17.05.2012
Heute Abend war es endlich so weit – der Film Bulb Fiction - Die Lüge der Energiesparlampe erlebte die deutsche Premiere im Babylon vis-a-vis der Volksbühne Berlin. Ich durfte am Ende zusammen mit Helmut Höge („Das Glühbirnenbuch“) den Film kommentieren. Gekommen waren keine Massen, sodass Massenkrawalle nicht zu befürchten waren. Die, die gekommen waren, haben aber fast alle Fragen gestellt.
Wie der Film unten aus Youtube auch zeigt, geht es um das Verbot der Glühlampe, um die sog. Energiesparlampe - in diesem Blog mehrfach kommentiert - und um … ja, den Zirkus drum herum. So gesehen hat der ORF bei der Wahl des Drehortes einen Volltreffer gelandet: Circus Roncalli, wo man sich amüsieren kann und dabei nicht von großen Tieren gestört wird. Bei Roncalli ist der Chef ein Clown, und Tiger, die einem höflich die Tatze reichen, sind arbeitslos.
Da ich einen Großteil der Inhalte kannte, bestand der erhellendste Teil in der Berechnung der Quecksilberproduktion deutscher Kraftwerke. Diese Geschichte (s. „Quecksilber hin, Quecksilber her“ wurmt mich nämlich seit ihrer Entstehung. Geboren wurde sie aus Not: Um ein Produkt zu verbieten, das ökologisch problemlos scheint, damit ein anderes mit einem der schlimmsten Umweltgifte staatlich verordnet werden kann, und das im Namen des Umweltschutzes, musste der Verlust an Quecksilber - oder Gewinn für die deutsche Landschaft? - relativiert werden. So wurde die Story erfunden, dass die Kohlekraftwerke mit jeder kWh ins Netz auch einen feinen Quecksilberfilm über Deutschland sprühen. Die krude Logik: Wenn man beim Betrieb von Lampen Strom spart, erspart man dem Land so viel Quecksilberregen, dass die Bilanz positiv bleibt.
Als Kind war ich zuweilen von meinem Vater gescholten worden, weil meine Entschuldigungen manchmal viel dämlicher waren als die Tat, die relativiert werden sollte. Wenn aber Erwachsene, die glauben, wegen ihrer Intelligenz und Schaffenskraft in die Spitzen von Konzernen und Parteien aufgestiegen zu sein, derart Dummes in die Landschaft setzen, hilft nicht einmal das, was Väter mit dummen Söhnen machen: Hosen stramm ziehen.
Zum Thema Kohle und Quecksilber: Sich herausreden wollte z.B. OSRAM (entstanden 1920), eine Tochter der Siemens AG. Die Kraftwerke, zwar nicht alle, aber viele, die den Quecksilber in die Landschaft pusten, baute die Schwester SBU alias Siemens Bauunion (entstanden 1921). Haben die Jungs denn nicht in 90 Jahren gelernt, wie man Abgase entgiftet? Offenbar nicht, aber messen haben sie gelernt. Woher soll Sigmar Gabriel denn sonst gewusst haben, dass Kraftwerksabgase voll Quecksilber wären? Dieser dämliche Einfall ist nicht einmal dem Deutschen Atomforum gekommen, dem Champion für Greenwashing zugunsten der Kernenergie. Oder habe ich dessen Kampagne „Atomstrom Danke - Endlich atmen ohne Quecksilber“ übersehen? (mehr zum Greenwashing hier) Kaum. Das Atomforum hat sich darauf beschränkt, die CO2-Emissionen zu loben, die der Atomstrom vermeiden soll. Schade, dass Zirkus Roncalli keine großen Tiere in der Manege vorführen will. So kann sich der Ex-Umweltminister auf den Politzirkus konzentrieren. Und die EU-Kommission rühmt sich, nach 90 Jahren die Wahrheit ans Licht gezerrt zu haben: Verstromung von Kohle bedeutet Verströmen von Quecksilber über Land und Flur.
Die Story, die der Film erzählt, endet aber nicht hier. Sie beschreibt noch, wie man Zahlen peppt oder schrumpfen lässt, wie es denn passt. So sollen die Daten über die Quecksilbermenge, die die Kohleverbrennung erzeugt, mit amerikanischer Kohle ermittelt worden sein. Zwar verbrennt man zumindest in Ostdeutschland deutsche Braunkohle und in England bestimmt keine amerikanische Kohle, irgendwie scheint das Ganze etwas mit dem Fluss von Kohle zu tun zu haben. Nachdem die Höhe der Emissionen von Quecksilber so hochgejubelt worden ist, gibt die Sprecherin des EU-Energiekommissars im Film ein Beispiel dafür, wie man andere Dinge kleinrechnet. Ihr (ehemaliger) Chef, der für das Verbot zuständig war, wollte keinen Medienauftritt. Und ihr jetziger, Günter Oettinger? Der kommt im Film auch nicht vor. Vermutlich wollte er das Interview nur in Englisch geben (Kostprobe hier Englisch für Oettinger).
Nicht zur Zahlenpepperei gehört, also zu Verzeihlichem, ein weiteres Kunststück der Politik: falsches Zeugnis ablegen. Es ist ein Straftatbestand – und im Übrigen auch ein Verstoß gegen das achte Gebot Gottes –, falsches Zeugnis abzulegen. Unser (Ex)Umweltminister hat behauptet, man würde ein kleines Kohlekraftwerk einsparen, wenn alle Glühlampen durch - äh - Energiesparlampen ersetzt würden. Dass zur gleichen Zeit eine große Anzahl von großen Kraftwerken (25?) im Bau war, hat er hingegen verschwiegen. Kein deutsches Gericht hätte den Herrn ungeschoren davonkommen lassen. Wer in Deutschland Zeugnis ablegt, wird vorher belehrt, dass er alles sagen muss, was er weiß, und nichts hinzufügen, aber auch nichts weglassen. Lügen darf man ungestraft nur, wenn man sich selbst verteidigt.
Während wir wohl noch geraume Zeit warten müssen, bis unsere Techniker Entschwafelungsfilter für Politiker entwickeln, dürfen wir nicht damit zögern, die Herren zur Rechenschaft zu ziehen. Wie viel Zeit haben von Steuergeldern bezahlte Politiker, Kommissare oder Beamte damit verbracht, eines der wichtigsten Kulturgüter zu beseitigen, womit uns 0,4 Promille des CO2-Ausstoßes erspart werden sollen?
Man muss vorbeugen, denn die EU-Beamten, die an den Grenzen nicht nur Afghanen und Afrikaner aufhalten müssen, sondern auch Glühlampen, wollen sicherlich für diese Heldentat für das Vaterland bezahlt werden. Oder glaubt jemand allen Ernstes, dass die Grenzer die Jagd auf Heatballs und andere polit-pornografische Artikel in ihrer Freizeit betreiben werden?
17.05.2012
Heute Abend war es endlich so weit – der Film Bulb Fiction - Die Lüge der Energiesparlampe erlebte die deutsche Premiere im Babylon vis-a-vis der Volksbühne Berlin. Ich durfte am Ende zusammen mit Helmut Höge („Das Glühbirnenbuch“) den Film kommentieren. Gekommen waren keine Massen, sodass Massenkrawalle nicht zu befürchten waren. Die, die gekommen waren, haben aber fast alle Fragen gestellt.
Wie der Film unten aus Youtube auch zeigt, geht es um das Verbot der Glühlampe, um die sog. Energiesparlampe - in diesem Blog mehrfach kommentiert - und um … ja, den Zirkus drum herum. So gesehen hat der ORF bei der Wahl des Drehortes einen Volltreffer gelandet: Circus Roncalli, wo man sich amüsieren kann und dabei nicht von großen Tieren gestört wird. Bei Roncalli ist der Chef ein Clown, und Tiger, die einem höflich die Tatze reichen, sind arbeitslos.
Da ich einen Großteil der Inhalte kannte, bestand der erhellendste Teil in der Berechnung der Quecksilberproduktion deutscher Kraftwerke. Diese Geschichte (s. „Quecksilber hin, Quecksilber her“ wurmt mich nämlich seit ihrer Entstehung. Geboren wurde sie aus Not: Um ein Produkt zu verbieten, das ökologisch problemlos scheint, damit ein anderes mit einem der schlimmsten Umweltgifte staatlich verordnet werden kann, und das im Namen des Umweltschutzes, musste der Verlust an Quecksilber - oder Gewinn für die deutsche Landschaft? - relativiert werden. So wurde die Story erfunden, dass die Kohlekraftwerke mit jeder kWh ins Netz auch einen feinen Quecksilberfilm über Deutschland sprühen. Die krude Logik: Wenn man beim Betrieb von Lampen Strom spart, erspart man dem Land so viel Quecksilberregen, dass die Bilanz positiv bleibt.
Als Kind war ich zuweilen von meinem Vater gescholten worden, weil meine Entschuldigungen manchmal viel dämlicher waren als die Tat, die relativiert werden sollte. Wenn aber Erwachsene, die glauben, wegen ihrer Intelligenz und Schaffenskraft in die Spitzen von Konzernen und Parteien aufgestiegen zu sein, derart Dummes in die Landschaft setzen, hilft nicht einmal das, was Väter mit dummen Söhnen machen: Hosen stramm ziehen.
Zum Thema Kohle und Quecksilber: Sich herausreden wollte z.B. OSRAM (entstanden 1920), eine Tochter der Siemens AG. Die Kraftwerke, zwar nicht alle, aber viele, die den Quecksilber in die Landschaft pusten, baute die Schwester SBU alias Siemens Bauunion (entstanden 1921). Haben die Jungs denn nicht in 90 Jahren gelernt, wie man Abgase entgiftet? Offenbar nicht, aber messen haben sie gelernt. Woher soll Sigmar Gabriel denn sonst gewusst haben, dass Kraftwerksabgase voll Quecksilber wären? Dieser dämliche Einfall ist nicht einmal dem Deutschen Atomforum gekommen, dem Champion für Greenwashing zugunsten der Kernenergie. Oder habe ich dessen Kampagne „Atomstrom Danke - Endlich atmen ohne Quecksilber“ übersehen? (mehr zum Greenwashing hier) Kaum. Das Atomforum hat sich darauf beschränkt, die CO2-Emissionen zu loben, die der Atomstrom vermeiden soll. Schade, dass Zirkus Roncalli keine großen Tiere in der Manege vorführen will. So kann sich der Ex-Umweltminister auf den Politzirkus konzentrieren. Und die EU-Kommission rühmt sich, nach 90 Jahren die Wahrheit ans Licht gezerrt zu haben: Verstromung von Kohle bedeutet Verströmen von Quecksilber über Land und Flur.
Die Story, die der Film erzählt, endet aber nicht hier. Sie beschreibt noch, wie man Zahlen peppt oder schrumpfen lässt, wie es denn passt. So sollen die Daten über die Quecksilbermenge, die die Kohleverbrennung erzeugt, mit amerikanischer Kohle ermittelt worden sein. Zwar verbrennt man zumindest in Ostdeutschland deutsche Braunkohle und in England bestimmt keine amerikanische Kohle, irgendwie scheint das Ganze etwas mit dem Fluss von Kohle zu tun zu haben. Nachdem die Höhe der Emissionen von Quecksilber so hochgejubelt worden ist, gibt die Sprecherin des EU-Energiekommissars im Film ein Beispiel dafür, wie man andere Dinge kleinrechnet. Ihr (ehemaliger) Chef, der für das Verbot zuständig war, wollte keinen Medienauftritt. Und ihr jetziger, Günter Oettinger? Der kommt im Film auch nicht vor. Vermutlich wollte er das Interview nur in Englisch geben (Kostprobe hier Englisch für Oettinger).
Nicht zur Zahlenpepperei gehört, also zu Verzeihlichem, ein weiteres Kunststück der Politik: falsches Zeugnis ablegen. Es ist ein Straftatbestand – und im Übrigen auch ein Verstoß gegen das achte Gebot Gottes –, falsches Zeugnis abzulegen. Unser (Ex)Umweltminister hat behauptet, man würde ein kleines Kohlekraftwerk einsparen, wenn alle Glühlampen durch - äh - Energiesparlampen ersetzt würden. Dass zur gleichen Zeit eine große Anzahl von großen Kraftwerken (25?) im Bau war, hat er hingegen verschwiegen. Kein deutsches Gericht hätte den Herrn ungeschoren davonkommen lassen. Wer in Deutschland Zeugnis ablegt, wird vorher belehrt, dass er alles sagen muss, was er weiß, und nichts hinzufügen, aber auch nichts weglassen. Lügen darf man ungestraft nur, wenn man sich selbst verteidigt.
Während wir wohl noch geraume Zeit warten müssen, bis unsere Techniker Entschwafelungsfilter für Politiker entwickeln, dürfen wir nicht damit zögern, die Herren zur Rechenschaft zu ziehen. Wie viel Zeit haben von Steuergeldern bezahlte Politiker, Kommissare oder Beamte damit verbracht, eines der wichtigsten Kulturgüter zu beseitigen, womit uns 0,4 Promille des CO2-Ausstoßes erspart werden sollen?
Man muss vorbeugen, denn die EU-Beamten, die an den Grenzen nicht nur Afghanen und Afrikaner aufhalten müssen, sondern auch Glühlampen, wollen sicherlich für diese Heldentat für das Vaterland bezahlt werden. Oder glaubt jemand allen Ernstes, dass die Grenzer die Jagd auf Heatballs und andere polit-pornografische Artikel in ihrer Freizeit betreiben werden?
12.05.2012
Soeben hat der Schiedsrichter Gagelmann das Spiel im Olympiastadion Berlin abgepfiffen. Man hörte aber bereits vor Minuten, dass es den Bayern nicht mehr so gut ging. Die Dortmunder ließen die Böller krachen. Man hörte ihre Schmähgesänge bis zu uns. Aus dem Fenster sah ich die Raketen in den klaren Himmel steigen. Eine dreimalige Genugtuung für mich.
Lassen wir die Begleitumstände beiseite, die z.B. von Magdalena Neuner und Jürgen Klopp personifiziert werden, zwei der Besten des deutschen Sports der letzten Jahre, und die sympathischsten ziemlich ohne Konkurrenz. Beide spielten heute Abend große Rollen. Sie konnten mich nicht vergessen lassen, dass die Verlierer des Abends mir beinahe meine Doktorarbeit versaut hätten. Fußball und Doktorarbeit?
Vor langer Zeit wurden in Deutschland eine Olympiade und eine Fußball-WM geplant. Beide mit Olympiastadion in München im Fokus. Die sollten groß im Fernsehen rauskommen. Dazu brauchte man eine „fernsehgerechte“ Beleuchtung. Viele Leute behaupteten aber, diese wäre kalt und unfreundlich und würde daher die Fans von den Tribünen fegen. Meine Doktorarbeit sollte dies bestätigen und ggf. zeigen, wie man es besser machen könnte.
Nachdem wir viel Arbeit in die Beleuchtung der Münchener Sportstätten investiert hatten, wollte ich diese und andere deutsche Stadien von meinen Studenten bewerten lassen. Zuerst in München. Als ich mein Ansinnen dort vortrug, sagte man mir, der Eintritt für eine halbe Stunde kostete 3.000 DM. Als ich erzählte, ich hätte einen ordentlichen Anteil an der Beleuchtung gehabt, sagte man mir, da könne auch der Allgemeine Deutsche Blindenverband kommen. Njet! So besorgte ich das Geld und fuhr mit 40 Leuten vor das Stadion. Obwohl vertraglich vereinbart und im Voraus bezahlt, kamen wir nicht hinein. Man hatte das Stadion an eine Werbefirma vermietet, die mehr zahlen wollte. Dass 41 Leute von Berlin nach München angereist waren? Wer zahlt, der ist Gast. In München … Ohne uns hätte das Stadion ein Betondach und die Olympiahalle ein Gewächshaus -vor allem sehr, sehr warm! Denn die Idee mit dem Dach aus Plexiglas hat ein ehemaliger Kollege (Udo Fischer) entwickelt. Und die weniger transparente Abdeckung der Sporthalle verdankt München mir persönlich, weil ich dem Architekten vorgerechnet habe, wie warm es in einem Gewächshaus wird. Keine Klimaanlage der Welt kann so viel Wärme an die frische Luft befördern, ohne ordentliche Winde zu entfachen. So bekam die Sporthalle zwar ein Dach aus Plexiglas, darunter wurde aber eine dunkle Decke gezogen. Die heiße Luft wurde aus dem Zwischenraum abtransportiert.
Später hat mir der Präsident des Deutschen Fußballbundes geholfen, in deutsche Stadien Eintritt zu bekommen. In allen 17 der Bundesliga. In das 18. kam ich nicht hinein. Die anderen 17 Vereine hatten mir jeweils 4 Jahreskarten geschickt, damit meine Leute zu jedem geeigneten Spiel Zutritt hatten. Und Zugang in den Innenraum mit Sitz auf der Trainerbank gewährt. Aus München bekamen wir nicht einmal eine Antwort. Daher meine große Liebe für diesen Verein. (Ausgenommen Beckenbauer und Sepp Meyer, beide haben sogar meine Fragebögen brav ausgefüllt, obwohl schon damals Kaiser und König.)
Das ist aber nicht das große Thema. An das erinnerte mich der Anblick der Arena und ihre Beleuchtung heute beim Spiel Bayern gegen Dortmund. Am Ende meiner Doktorarbeit hatte ich ermittelt, dass die gängigen lichttechnischen Vorstellungen bei Sportstätten keine Bedeutung hätten. Man dürfte die Tribünen nicht beleuchten, weil dies nicht nur die Zuschauer blendete, sondern auch das Spiel beeinträchtigte. Und dies ist unwiderlegbar belegt. Man kann es sogar Laien vorführen, sofern sie Ahnung vom Fußball haben.
Das gefiel den Herrschenden der herrschenden Meinung in der Lichttechnik nicht. Die meinten, das gesamte Stadion müsste gleichmäßig beleuchtet werden, weil ansonsten die Spieler durch die Leuchtdichteunterschiede ermüden würden. Wenn man eine solche Erkenntnis hat, nützt halt auch eine Doktorarbeit nix, die das Gegenteil beweist. Ergo? Die Firma, die der herrschenden Meinung wieder Geltung verschaffen wollte, lobte eine Doktorarbeit aus, die wieder Ordnung im Kontor schaffen sollte. Da half es nicht, dass mein Doktorvater, so gutgläubig er war, die Herrschaften informierte, die Sache wäre längst gegessen. Wir hätten nachgewiesen, dass die Blendung, die psychologische, die nunmehr erneut untersucht werden sollte, keine Bedeutung hätte. Und eine große deutsche Firma, die Stadien bereits damals sehr angenehm beleuchtete, hätte großen Gefallen an dem Ergebnis gefunden.
Manchen Firmen kann man aber so nicht kommen. Die Arbeit wurde absolviert, der Doktorand erklomm später die höchsten Weihen in der Firma. Im Jahre 2009, nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft, hielt er einen Vortrag auf der Lux Europa zu Zukunftsaufgaben, die einer Lösung harrten. Eine von dreien, die er aufzählte, war die psychologische Blendung. Zu seinem Glück war es dunkel im Saal. Sonst hätte er gesehen, dass ich ganz schön hässlich grinste.
Heute Nacht fielen mir die über 30 Jahre Ignoranz ein, die erst dann endeten, als ein Architekturbüro genau das baute, was ich einst theoretisch ermittelt hatte. Die Architekten, Gerkan, Marg und Partner, die für den Umbau mehrere Preise, auch einen für die Beleuchtung, eingeheimst haben, haben durch Buchbeiträge ausgewiesen, dass sie sich mit den Lichttechnikern auskennen: „ Ansonsten vertrauten wir den Ingenieuren – zumeist Elektrotechnikern – mit ihren Berechnungen. Diese beschränkten sich – und tun dies auch heute noch – darauf, geforderte Luxzahlen rechnerisch nachzuweisen und dementsprechend Lichtquellen zu verteilen.“ (Meinhard von Gerkan im Jahrbuch Licht und Architektur 2000).
Früher habe ich mich wie viele Kollegen darüber aufgeregt, dass Architekten keine Ahnung von Lichttechnik haben. Heute glaube ich, die wissen sehr genau, warum sie dies auf keinen Fall haben wollen.
05.06.2012
Heute habe ich nach einer Zeitschrift gesucht, die etwas äußerst Wichtiges in Bezug auf Licht zum Thema hat. Sie heißt (oder hieß?) „Licht und Architektur“. Ich konnte sie nicht finden. Auch kein Zeichnen ihres Ablebens. Sie soll vorgehabt haben, mit der „Weltlichtschau“ 1997 online zu gehen. Ich schätze mal, dass die Hannover Messe, die der Weltlichtschau den Stecker gezogen hat, „Licht und Architektur“ mit in den Hades geschickt hat. Besitzt Licht überhaupt eine Relevanz für uns?
Der Bedeutung des Lichts steht das öffentliche Interesse, z.B. von Seiten des Staats, diametral gegenüber. Man stelle sich vor, jemand wollte einem anderen etwas Lebenswichtiges wegnehmen oder vorenthalten. Wie würde der Staat reagieren? Selbst bei üblichen Wertgegenständen ohne lebenswichtige Relevanz und großen Wert ahndet er eine solche Handlung bereits als Diebstahl. Jeder ertappte Ladendieb erhält eine Strafe in der Höhe von mindestens dem Zehnfachen des Preises aufgebrummt, und das beim ersten Mal und ohne Ansehen der Person. Wenn man einer Person ihre Pillendose stiehlt, in der ständig einzunehmende Medikamente aufbewahrt werden, könnte das Urteil „gefährliche Körperverletzung“ lauten. Sollte die Person infolge dieser Handlung gar das Leben verlieren, ist kaum auszumalen, was der Staatsanwalt daraus macht. Was macht dieser Hüter des Gesetzes aber, wenn jemand mir das Licht an meinem Arbeitsplatz nimmt?
Nicht wenn der böse Mensch mich abschattet wie einst Alexander den Diogenes in seiner Tonne, sondern z.B. als Arbeitgeber, der die Fassade des Gebäudes für ein Werbeplakat vermietet, mit der Folge, dass nur noch gefiltertes Licht in den Raum kommt - wenn überhaupt. Oder in der Gestalt der CI-Abteilung des Unternehmens eine dunkle Glasfront verordnet, damit das Gebäude mit meinem Arbeitsraum eine herausragende Gestalt am Platz einnimmt. Wer glaubt, das seien fiktive Vorstellungen, kann leicht etliche Beispiele der gleichen Art in seiner Umgebung finden. Ich möchte das Gesicht des Polizeibeamten sehen, der unter der Rufnummer 110 einen Hilferuf erhält von einem, der sich von Lichtentzug bedroht fühlt. Ich schätze mal, dass er heimlich 112 anruft, damit der hilfesuchende Anrufer in die Geschlossene befördert wird.
Man kann die wahre Bedeutung des Lichts für die Gesellschaft auch an der Zahl der Institute für Lichttechnik an den Universitäten ablesen, wobei man nicht etwa befürchten muss, alle arabischen Ziffern aufbrauchen zu müssen, die es gibt. Hingegen muss man die Ziffern wahrscheinlich dreistellig ansetzen, wenn es um die Zahl der Lehrstühle für Informatik oder Betriebswirtschaft handelt.
Bei Fällen, die die sonstige Gesellschaft nicht angemessen behandelt, fühlt sich die vierte Gewalt dazu berufen, der Sache nachzugehen. Natürlich auch die fünfte. Ein Vertreter der Fünften hat eine Liste veröffentlicht, aus der wir sehen können, wie wichtig das Licht der Medien ist.(http://www.licht.de/de/info-und-service/linktipps/linktipps-zeitschriften/).
Die unter „Fachmagazine Licht und Beleuchtung“ aufgelistete Schar erreicht gerade mal eine zweistellige Zahl im unteren Bereich, auch bzw. erst wenn man Zeitschriften für Installateure oder „Schöner Wohnen“ u.ä. mit aufzählt:
Licht www.lichtnet.de
Highlight www.highlight-verlag.de
LPi Lighting Press International www.l-p-i.de
Licht Kult www.lichtfactor.de
Licht + Wohnen www.lichtundwohnen-magazin.de
DBZ Deutsche Bauzeitschrift www.db.bauzeitung.de
IndustrieBAU www.industriebau-online.de
Weitere, einschließlich „Mein schöner Garten“ bei licht.de. Wer alle Titel abzählt und die endgültige Zahl mit der Zahl der Titel in der Abteilung Handynavifotokeyboardvideospielewebplayerheftchen vergleicht, wird vermutlich begreifen, wie wichtig Licht ist. Oder muss abwarten, bis er mal zwei Tage ohne Licht verbringen muss.