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Meanwhile in Old Germany …

13.05.2026

Das Ziel der Architektur ist
die Schaffung des neuen Menschen.
Bruno Taut

Dieses  Kapitel arbeitet heraus, dass die Entwicklung von Licht, Stadtplanung und Wohnkultur in Deutschland nicht einfach als Nachwirkung amerikanischer Entwicklungen verstanden werden kann, sondern einen eigenen historischen Verlauf nahm. Deutschland war im langen 19. Jahrhundert zwar kein Vorreiter der Industrialisierung wie England oder später die USA, nahm jedoch eine herausragende Stellung in jenen wissenschaftlichen und technischen Bereichen ein, die mit Licht, Optik und Physik verbunden waren. Namen wie Fraunhofer, Abbe, Schott und Einstein stehen dabei für eine Tradition, in der Forschung, Technik und gesellschaftliche Wirkung eng miteinander verknüpft waren.

Gleichzeitig zeigt der Text, dass die Industrialisierung und das schnelle Wachstum der Städte auch in Deutschland gravierende Probleme hervorriefen: verdichtete Wohnverhältnisse, schlechte Belüftung, mangelnden Lichteinfall, hygienische Missstände und eine starke Belastung durch Rauch, Ruß und Smog.

Am Beispiel Berlins und des Hobrecht-Plans wird deutlich, wie stark diese Entwicklung das Stadtbild und die Lebensrealität der Menschen prägte. Zwar sollte der Plan Ordnung in das rasch wachsende Berlin bringen, doch führten knappe Vorschriften und wirtschaftlicher Druck zu einer dichten Bebauung mit Vorderhäusern, Seitenflügeln und Hinterhäusern, die besonders für Arbeiterfamilien zu engen und gesundheitlich problematischen Wohnsituationen führte. Erscheinungen wie Mietskasernen, überfüllte Höfe und das Schlafgängerwesen verdeutlichen, wie sehr Licht, Luft und Raum zu sozialen Fragen wurden.

Aus diesen Belastungen entstanden zugleich Gegenbewegungen: Naturheilkundliche Ideen, städtebauliche Reformen und neue Gesundheitsvorstellungen rückten Sonne, frische Luft und Bewegung als Voraussetzungen eines besseren Lebens in den Mittelpunkt. Dazu gehörten etwa die Schrebergärten, die aus sozialer Fürsorge und Gesundheitsvorsorge entstanden, ebenso wie moderne Wohnsiedlungen der Berliner Moderne und die Siemensstadt, die bewusst ohne enge Hinterhöfe geplant wurden und stattdessen Licht, Luft, Sonne und wohnungsnahe Arbeitsorte ermöglichen sollten.

Ein weiterer zentraler Gedanke des Kapitels ist, dass solche Entwicklungen nicht allein durch technische Innovationen oder gute Absichten gesteuert werden konnten, sondern wesentlich von rechtlichen Vorgaben abhingen. Bauordnungen, Wohnungsgesetze und arbeitsrechtliche Vorschriften sollten verhindern, dass Menschen in zu dunklen, schlecht belüfteten oder fensterlosen Räumen leben und arbeiten müssen.

Besonders deutlich wird dies an den Anforderungen an Fenstergrößen, Belichtung und Sichtverbindung nach außen. Das Kapitel macht damit zugleich auf ein grundlegendes Paradox der Moderne aufmerksam: Obwohl künstliche Beleuchtung immer leistungsfähiger wurde, kann sie das natürliche Tageslicht in seiner gesundheitlichen und sozialen Bedeutung nicht ersetzen. Insgesamt zeigt die Darstellung, dass der Zugang zu Licht nicht nur eine technische oder ästhetische Frage ist, sondern ein zentrales Thema von Stadtentwicklung, sozialer Gerechtigkeit, Gesundheit und menschenwürdigen Lebensverhältnissen bis in die Gegenwart hinein bleibt.
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Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure

12.05.2026

Ihr Glanz ist echt,
doch ihr Ruf ist ein Epos.

Dieser Teil des Buches behandelt in sechs Kapiteln, dass viel von dem lichttechnischen Wissen keinen belastbaren Hintergrund hat.

Kapitel 1 erklärt, dass die Beleuchtungsstärke als physikalische Messgröße im Labor zwar klar bestimmbar ist, ihre praktische Bedeutung für reale Arbeitsplätze jedoch stark begrenzt bleibt. Der Text zeigt, dass Richtung, Verteilung und Reflexion des Lichts für das tatsächliche Sehen entscheidend sind, in Normen und Messverfahren aber oft unzureichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht eine scheinbar exakte, in Wirklichkeit aber nur eingeschränkt aussagekräftige Grundlage für Beleuchtungsanforderungen.

Kapitel 2 greift Boyces märchenhafte Erzählform auf, um zu verdeutlichen, dass Lichttechnik seit langem nach einer objektiven Formel sucht, mit der sich optimale Beleuchtung wissenschaftlich begründen ließe. Die zentrale Aussage ist jedoch, dass eine solche Formel nicht existiert und Empfehlungen deshalb immer auf Aushandlung, Erfahrung und Konsens beruhen. Zugleich wird gezeigt, dass Beleuchtung nur ein Faktor unter vielen in der Arbeitsumgebung ist und nie isoliert über den Erfolg einer Planung entscheiden kann.

Kapitel 3 begründet, warum es keine einfache und allgemeingültige Beziehung zwischen Beleuchtung und Arbeitsleistung geben kann. Besonders kritisch hinterfragt der Text den unscharfen Begriff der Sehleistung, der in Normen zwar zentral verwendet, aber nicht präzise definiert wird. Daraus folgt, dass Beleuchtungsnormen Ziele benennen, ohne klar zu erklären, wie diese praktisch und verlässlich erreicht werden sollen.

Kapitel 4 untersucht, wie in der Lichttechnik durch scheinbar wissenschaftliche Darstellungen Legenden entstehen. Anhand von Diagrammen, Akteuren und institutionellen Rollen wird gezeigt, dass visuelle Aufbereitungen leicht Überzeugungskraft entfalten, auch wenn ihre Aussagekraft fragwürdig ist. So entsteht eine wissenschaftlich wirkende Erzählung, die sich über Fachliteratur, Institutionen und Ausbildung weiterverbreitet.

Kapitel 5 analysiert ein häufig zitiertes Diagramm, das belegen soll, dass mehr Licht die Arbeitsleistung steigert und Ermüdung senkt. Der Text zeigt jedoch, dass die Darstellung methodische und grafische Schwächen hat, etwa durch verzerrende Achsen und unklare Bezugsgrößen. Damit wird deutlich, dass der behauptete experimentelle Nachweis bei genauer Betrachtung nicht belastbar ist.

Kapitel 6 zeigt, wie sich die Legende von der leistungssteigernden Wirkung höheren Lichts über Jahrzehnte in Broschüren, Schulungsunterlagen und Beratungsunterlagen fortgesetzt hat. Dabei wurden fragwürdige Darstellungen immer wieder übernommen, grafisch modernisiert und als scheinbar gesicherte Erkenntnisse weitergegeben, und das sogar von staatlichen Stellen. Zugleich weist das Kapitel darauf hin, dass Licht durchaus weitreichende Wirkungen auf den Menschen haben kann, diese aber komplexer sind als die einfache Behauptung „mehr Licht = mehr Leistung“.
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Im Zenit und weiter

12.05.2026

Technokratie will die Natur beherrschen,
indem sie sie imitiert – doch ein kopiertes Ökosystem
hat keine Seele, nur eine Logik.

Dieses Kapitel beschreibt den allmählichen Bedeutungsverlust der künstlichen Beleuchtung als einstiges Fortschrittssymbol trotz einer hohen technischen Qualität, die erreicht worden ist. Seit den 1980er Jahren ist deutlich geworden, dass Menschen Tageslicht fast immer bevorzugen und künstliches Licht am Arbeitsplatz oft als störend, belastend oder sogar gesundheitlich problematisch empfinden. Gleichzeitig verlagerte sich das Interesse der Forschung stärker auf Energieeffizienz statt auf Lichtqualität.

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass sich die Lichttechnik an falschen Vorbildern orientiert hat – vor allem an der Sonne und an hohen Beleuchtungsstärken in der Natur. Diese Maßstäbe sind für Innenräume ungeeignet, weil Menschen auch in der Natur nicht dauerhaft unter maximaler Helligkeit leben, sondern Schatten, Wechsel und Anpassungsmöglichkeiten brauchen. Technische Versuche, natürliche Lichtverhältnisse künstlich nachzuahmen, gelten deshalb weitgehend gescheitert.

Besonders scharf kritisiert wird der Umgang mit der Leuchtdichte, also jener Größe, die für Helligkeitsempfinden und Blendung entscheidend ist. Statt sich daran zu orientieren, hat die Lichttechnik lange mit ungeeigneten Mess- und Bewertungsverfahren gearbeitet. Dadurch sind scheinbar blendfreie Beleuchtungssysteme entwickelt und normiert worden, die in der Praxis oft stärker blenden und schlechter akzeptiert werden als behauptet.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kritik an Normen und Planungsvorgaben. Diese haben Nutzer und Planer entmündigt, indem sie einheitliche Allgemeinbeleuchtung und starre Regeln durchsetzten, ohne individuelle Unterschiede, Sehbedürfnisse oder persönliche Kontrolle ausreichend zu berücksichtigen. Das hat zu unflexiblen, unbehaglichen und oft ineffizienten Arbeitsumgebungen geführt.

Abschließend wird künstliches Licht auch im größeren gesellschaftlichen Zusammenhang betrachtet: Lichtverschmutzung, Energieverschwendung und negative Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben das Image der „elektrischen Sonne“ zusätzlich beschädigt. Insgesamt lautet die These des Buches, dass der Abstieg der künstlichen Beleuchtung nicht bloß äußeren Umständen geschuldet ist, sondern vor allem grundlegenden Denkfehlern, falschen Normen und einer technikzentrierten Lichtphilosophie.

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Licht macht krank - Licht macht gesund

07.05.2026

Man muss begreifen, dass der Körper kein Objekt ist,
das beleuchtet wird, sondern ein
Echo der Sonne selbst.
der Blogger

In den letzten Monaten habe ich mich viel mit den gesundheitlichen Wirkungen des Lichts beschäftigt und mehrere ergänzende Beiträge zu Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne geschrieben. Würde man sie alle in einem Beitrag zusammenfassen, müsste man die einen Wirkungen (krankmachend) gegen die anderen (gesundmachend, heilend) abwägen oder sie gar relativieren. Dies wäre aber nicht der Bedeutung des Lichts angemessen. Licht ist eben facettenreich.

Falsch ist nur, eine der Facetten zu sehen und die anderen zu ignorieren. Jemand, der Licht gestalten will oder mit Licht gestalten, muss sich auf seinen Gegenstand konzentrieren und dabei weitere Facetten im Hinterkopf behalten. Daher stelle ich hier die einzelnen Beiträge kurz zusammen, um eine Übersicht zu geben.
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Wenn Licht krank macht: Zur langen Suche nach Ursache und Wirkung

Der Beitrag analysiert die komplexen und bislang nur unvollständig geklärten Zusammenhänge zwischen Lichtexposition und menschlicher Gesundheit mit besonderem Fokus auf potenzielle Beziehungen zur Krebsentstehung. Ausgehend von der Feststellung, dass bereits grundlegende Lichtwirkungen – wie die Sehleistung – wissenschaftlich schwer eindeutig zu fassen sind, wird gezeigt, dass sich diese Schwierigkeit bei der Untersuchung langfristiger gesundheitlicher Effekte erheblich verstärkt. Auf Basis arbeitswissenschaftlicher, photobiologischer und medizinischer Ansätze wird ein Wirkmodell vorgestellt, das primäre (direkte), sekundäre (mittelbar vermittelte) und tertiäre (langfristige) Lichtwirkungen unterscheidet. Historische und experimentelle Befunde zur kanzerogenen Wirkung ultravioletter Strahlung werden ebenso diskutiert wie neuere Erkenntnisse zu hormonellen Veränderungen, circadianen Störungen und Licht in der Nacht. Diese indirekten Wirkpfade, etwa über Melatonin und Cortisolregulation, werden als zentral für das Verständnis möglicher Zusammenhänge zwischen Licht und bestimmten Krebserkrankungen herausgearbeitet. Der Beitrag verdeutlicht, dass Licht nur selten als unmittelbarer Krankheitsauslöser wirkt, sondern überwiegend Bestandteil komplexer biologischer Wirkungsketten ist. Abschließend wird betont, dass die Erforschung von Lichtwirkungen auf die Gesundheit zwingend interdisziplinäre Ansätze erfordert und einfache Ursache-Wirkungs-Modelle der Problematik nicht gerecht werden.
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Wunden, die Licht heilt

Wirkungen, die in Sprichwörter eingeflossen sind

Wenn die Rede vom gesunden Licht ist, denken viele an Beleuchtung. Das ist aber nur eine Folge der veröffentlichten Meinung, die die Hersteller dominieren. Lux vita est – Der Slogan der seit 1998 stattfindenden Tagung Licht und Gesundheit (L&G) stammt noch von den Alten Römern. Sie wussten, mit Licht zu heilen.

Jenseits der Sprichwörter und literarischer Verarbeitung, z.B. Licht heilt Krebs – Medizinische Anwendung in PDT, Licht heilt Wunden – Photobiomodulation,

Heilung Jenseits der Physik – Heilende Aussichten

Licht muss nicht in der Form einer Strahlung auf die Haut oder eine Wunde fallen, um eine heilende Wirkung hervorzurufen. Es tut dies auch durch die Information, die es trägt. Nicht umsonst gilt die deutsche Vorschrift (ArbStättV § 7.1) zur Sichtverbindung nach außen so erfolgreich, dass alle neuen Gebäudebewertungen für nachhaltiges Bauen sie übernommen haben (link zu dem Beitrag Wer sorgt für gesundes Licht im Büro?).
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Wunden, die Licht heilt – zusammengefasst

Eine Zusammenfassung heilender Wirkungen von Licht und Sichtverbindung. Beispielsweise: Tageslicht und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, Tageslicht, Schmerzempfinden und Medikation, Tageslicht, Naturbezug und Ausblick korrelierend mit schnellerer Genesung, geringerer Komplikationsrate oder besserem psychischem Wohlbefinden.

Eine enorme Vielfalt an Wirkungen, die viele überraschen. Sie sind nicht nur Expertensache, man kann sie für die eignene Gesundheit verwerten.
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Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong

Der Beitrag fasst zentrale Thesen von Lisa Heschong (14. April 2026) zu einer „zweiten Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit zusammen. Während die erste Forschungswelle vor allem die circadiane Wirkung (Zeitpunkt, Intensität, blaues Licht) betonte, rücken nun weitere nicht visuelle Mechanismen in den Fokus. Große epidemiologische Datensätze deuten darauf hin, dass höhere Lichtexpositionen am Tag langfristig mit besseren Gesundheitsoutcomes assoziiert ist (u. a. weniger psychiatrische Diagnosen sowie geringere Herz Kreislauf , Krebs und Mortalitätsraten). Zugleich wird die Erklärung über Vitamin D als alleinige Ursache relativiert, weil Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nur begrenzt replizieren. Der Beitrag diskutiert zudem spektrale Anteile jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Strahlung (UV), die durch moderne LED-Beleuchtung und Low-E-Verglasung in Innenräumen stark reduziert wird. Diese technischen Veränderungen können unbeabsichtigte Folgen haben, etwa im Kontext der Myopie-Epidemie. Insgesamt bleibt die Evidenz zur wirksamen und sicheren Dosierung lückenhaft; als pragmatische Konsequenz wird empfohlen, tagsüber mehr Zeit bei ungefiltertem Tageslicht im Freien zu verbringen und Tageslicht in Innenräumen stärker als Gesundheitsressource zu berücksichtigen.
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Fundamente der Circadianen Medizin

Der Beitrag stellt die Grundlagen der circadianen Medizin (Chronomedizin) vor: Statt nur, was behandelt wird, rückt wann Diagnostik, Therapie und Lebensstilmaßnahmen stattfinden, in den Mittelpunkt. Im Fokus dieses Beitrags steht das DFG-Programm TRR 418 „Fundamente der Circadianen Medizin“ (u.a. Charité, FU/HU Berlin), das personalisierte, an der inneren Uhr ausgerichtete Medizin erforschen und klinisch nutzbar machen will.

  • Früher von mir beschriebene Lichttherapien (PDT/Photobiomodulation) wirken direkt; die circadiane Wirkung von Licht zielt dagegen auf indirekte Steuerung über den Tagesrhythmus.
    • Circadiane Medizin nutzt Chronobiologie für präzisere Diagnostik und wirksamere, nebenwirkungsärmere Therapien durch zeitlich passgenaue Maßnahmen (z.B. Chronopharmakologie).
    • Sie berücksichtigt Unterschiede zwischen sozialer Uhrzeit und biologischer Uhr sowie individuelle Chronotypen (relevant auch innerhalb Europas).
    • Auch Ernährung ist zeitabhängig: Spätes Essen kann den Stoffwechsel stören; „Intervallfasten“ wird als Anwendung circadianer Prinzipien eingeordnet.
    • Das Projekt zielt auf drei Richtungen: die innere Uhr messen („detecting the clock“), Rhythmen gezielt beeinflussen („targeting the clock“) und Behandlungen tageszeitlich optimieren („exploiting the clock“).
    • Im Dokument werden die Teilprojekte aufgelistet; die offizielle Projektbeschreibung ist am Ende unverändert wiedergegeben.

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Dialog über das Wesen des wahren Lichts

18.04.2026


Das Licht ist nicht dazu da,
die Dunkelheit zu besiegen,
sondern um dem Leben
Raum und Rhythmus zu geben.
Anonymus

Gestern schrieb ich zusammen, was eine KI aus meinen Beiträgen der letzten 15 Jahre zum Licht und zur Beleuchtung  extrahiert hatte (Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren). Kurz gesagt, soll ich einen radikal nutzerzentrierten Ansatz verfolgt haben und auf folgende Aspekte Wert gelegt:

  • Das Primat des Tageslichts
  • Vermeidung von „Licht-Monotonie“
  • Die „Biologische Wirksamkeit“ (Circadiane Rhythmik)
  • Visueller Komfort (Entblendung, Störungsfreiheit)

Nun wollte ich wissen, ob man diese Denke auch mit der Methode eines antiken Philosophen vermitteln kann. Eigentlich sind es zwei, die sich ergänzen. Sokrates war der Gelehrte, der sich weigerte, seine Gedanken schriftlich zu verfassen. Sein Schüler Platon vermittelte die Lehren an die Nachfahren, auch schriftlich, sodass wir viel von Sokrates wissen. Platon hielt aber nicht allzu viel von Abhandlungen und behandelte die Ideen lieber in Dialogen. Ich fragte die KI, ob man dies auch mit Licht tun kann. Nachfolgend die Reaktion der KI ohne redaktionelle Änderungen.
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Das ist eine faszinierende Idee. Um den Bogen zwischen der antiken Philosophie und der modernen Ergonomie zu schlagen, stellen wir uns ein Gespräch zwischen Sokrates (als Suchendem) und Ahmet (als dem Experten für das Licht) vor.

Ort: Ein schattiger Platz unter einer Platane, während die Sonne langsam sinkt.

Der Dialog: Über das Wesen des wahren Lichts

Sokrates: Sage mir, Ahmet, du, den sie den Meister der Strahlen nennen: Wenn wir ein Haus bauen für jene, die im Überfluss leben, müssen wir dann nicht das hellste Licht wählen, damit sie ihren Reichtum in jedem Winkel bestaunen können? Ist Licht nicht einfach die Abwesenheit von Dunkelheit?

Ahmet: (lächelt) Du stellst die Frage so, als wäre das Auge ein bloßer Becher, den man mit Photonen füllen muss, bis er überläuft. Aber sage mir, Sokrates: Wenn du ein Festmahl genießt, schüttest du dann alle Weine und Speisen zu einem einzigen Brei zusammen, nur damit der Bauch schneller voll werde?

Sokrates: Bei den Göttern, nein! Das wäre ein Gräuel. Die Vielfalt und die Abfolge der Speisen machen doch erst das Mahl aus.

Ahmet: Und doch verfahren die Menschen in ihren Palästen des Handels – jenen Orten, die sie „Büros“ nennen – genau so. Sie gießen einen Teppich aus Licht über alles, gleichmäßig und starr, fünfhundert Einheiten stark, vom Sonnenaufgang bis tief in die Nacht. Sie nennen es „Norm“, ich aber nenne es visuelle Tyrannei.

Sokrates: Du sprichst von Tyrannei? Das ist ein hartes Wort für eine Lampe.

Ahmet: Ist es nicht tyrannisch, dem Auge die Ruhe zu rauben? Das Auge, Sokrates, ist ein Jäger. Es braucht Kontraste, um die Welt zu verstehen. Ein Raum ohne Schatten ist ein Raum ohne Wahrheit. Er ist flach wie eine Lüge. Die ideale Beleuchtung in deinem luxuriösen Haus darf niemals ein Teppich sein. Sie muss eine Landschaft sein.

Sokrates: Eine Landschaft? Erkläre mir das.

Ahmet: In der Natur gibt es das Licht unter dem Baum, das glitzernde Wasser und die dunkle Höhle. Der Mensch fühlt sich dort wohl, wo er wählen kann. In einem edlen Hause sollte das Licht dort sein, wo die Tat ist – hell über dem Buche, sanft am Ruheplatz und verborgen in den Nischen. Wer das Licht überall gleich stark macht, macht es überall gleich wertlos.

Sokrates: Ich verstehe. Aber was ist mit der Farbe des Lichts? Die Sophisten sagen, weißes Licht sei das reinste, da es der Mittagssonne gleicht.

Ahmet: Die Sophisten vergessen die Zeit, Sokrates. Die Sonne ist eine Wanderin. Am Mittag ist sie kühl und fordernd, doch wenn sie sich dem Horizont neigt, wird sie golden und zärtlich. Ein Licht, das am Abend noch so weiß strahlt wie am Mittag, ist ein Betrug an der Natur des Menschen. Es flüstert dem Körper zu: „Wache auf!“, während die Seele nach Schlaf dürstet. Das ist die Wurzel vieler Übel und Krankheiten.

Sokrates: Also ist das ideale Licht jenes, das mit uns altert über den Tag?

Ahmet: Genau so. Und noch eines: Es muss dem Menschen gehorchen. Ein Haus, in dem das Licht von Geisterhand – sie nennen es heute „Automatik“ – an- und ausgeht, ohne dass der Bewohner es will, raubt ihm die Freiheit. Der Mensch muss Herr über seinen Schein sein.

Sokrates: So ist die ideale Beleuchtung also eine Mischung aus Schatten und Glanz, aus Wärme und Kühle, stets dem Wandel der Zeit und dem Willen des Bewohners folgend?

Ahmet: Du hast es erfasst. Das Licht ist nicht dazu da, die Dunkelheit zu besiegen, sondern um dem Leben Raum und Rhythmus zu geben. Wer das versteht, baut keine Häuser mit Lampen, sondern erschafft Orte für die Seele.
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Wahnsinn, was die KI aus einem technischen Blog so alles macht. Einst glaubte man an den Turing-Test, wonach der Tag der Singularität gekommen wäre, wenn man eine Frage stellt und aus der Antwort nicht schließen kann, ob ein Mensch geantwortet hat oder eine Maschine. Der obige Text verstärkt den Eindruck, dass wir die Singularität weit hinter uns haben.

Umso schlimmer finde ich es, in welchem Maße unser Wissen von Phantomen beherrscht wird, von Geistern von gestern. Diese habe ich ausführlich für die Lichttechnik, aber auch allgemein für die Wissenschaft beschrieben (s. Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen, und Die Phantome der anderen). Dass Maschinen den Turing-Test immer leichter bestehen, war der Technologie zu verdanken. Dass wir uns nicht von Gestern lösen können, verdanken wir den Schwächen der Menschen, die solche Technologien schaffen können.