23.11.2011
Ösis gehören zu den Bergvölkern des Alpenlandes wie die Bajuwaren und Helvetier. Obwohl alle drei sich besser zusammengeschlossen hätten, um gegen den Rest der Welt anzutreten, haben sie des Öfteren Kriege angezettelt, nicht so blutig, nicht so blutig ernst, aber ganz schön aggressiv beladen gegen den anderen, munitioniert mit Häme. So hatte der Krieg zwischen Helvetien und Ösiland in den 1970er Jahren einen Höhepunkt erreicht, als man behauptete, die Ösis dürften ohne Pass um die ganze Welt reisen, weil Dummheit keine Grenzen kennt. Das war der allerschärfste helvetische Schuss gegen die Ösis seit dem berühmten Apfelschuss, höchstwahrscheinlich motiviert durch die Ereignisse der Geschichte, die auch zum Apfelschuss geführt hatten. Später konterten die Ösis mit der Behauptung, dass der berühmteste Ösi, der eine Grenze ohne Pass überschreiten wollte, Ötzi, nicht etwa dumm war wie Kommissbrot, sondern ein verkappter Helvetier. Niemand sonst würde sich bei einem Spaziergang von einem Gletscher überrollen lassen.
Heute habe ich etwas entdeckt, das den Krieg verschärfen könnte. Allerdings werden diesmal wohl die Ösis glänzend da stehen. Sie müssen nämlich Adleraugen haben, während man den Bajuwaren die Welt mit viel Licht vor die Augen führen muss. Diese, die Bajuwaren, sind vor langer Zeit in einen Bund eingetreten, in dem auch viele Nordgermanen lebten. Das Land frönte einem teuren Hobby, das da hieß, sämtliche Winkel von Arbeitsstätten mit Licht zu fluten. Man lacht zwar gerne über die Bewohner einer helvetischen Stadt, die das Licht in Säcken in ihr Rathaus getragen haben sollen. Dass die Helvetier und Ösis ebenso scharf zurückschießen könnten, kommt den Leuten nicht in den Sinn. Es half auch nicht, dass dem Germanenbund einige einst abhanden gekommene Provinzen wieder beitraten, wo man einen sparsamen Umgang mit Ressourcen lernen musste. Der Lichtteppich wurde nur Richtung Osten verlängert. Da er nicht nur die Arbeitstische belegt, sondern alle Bewegungsräume und der „gesundheitsgerechten Erledigung ihrer Sehaufgaben“ dienenden Lager- bzw. Ablageflächen, watet jeder Beschäftigte täglich durch den in 85 cm Höhe verlegten Lichtteppich.
Nun gibt es wohl einen Anlass, unser Verhältnis zu den Ösis zu überdenken. Wie in dem Beitrag vom 26.07. Selbstwachsende Flächen dargestellt, muss jeder Arbeitsraum von Flensburg bis kurz vor Salzburg mit dem besagten Lichtteppich versehen werden, und zwar so, dass nie und nimmer 500 lx unterschritten werden. Das liest sogar mancher Fachmann so, dass man auch bei Tage das Licht nicht abschalten dürfe, weil es die Vorschrift so wolle (Achtung: Keine Satire). Das, was die Bajuwaren und ihre nordischen Volksgenossen so seitenlang haarklein festgelegt haben, und mit Broschüren in Buchdicke erklärt, passt bei den Ösis auf eine Seite auf dem Bildschirm, wovon drei Viertel aber leer sind. So heißt es zu „Beleuchtung von Arbeitsräumen“:
Arbeitsräume sind mit einer möglichst gleichmäßigen farbneutralen künstlichen Beleuchtung auszustatten.
Bei der Beleuchtung eines Arbeitsplatzes ist zu beachten, dass die
Allgemeinbeleuchtung mindestens 100 Lux beträgt, und
die Arbeitsplatzbeleuchtung entsprechend der Sehaufgabe angepasst wird.
Zu vermeiden sind:
Blendung
•Flimmern
•große Helligkeitsunterschiede
Fertig!
Womit erwiesen wäre, dass die Ösis derart simple Geister sind, dass ihnen nicht mehr zur Beleuchtung einfällt. Oder? Oder, das Gegenteil ist wahr, wie man von Goethe lernt. Er hatte sich bei seinem Freund einst so entschuldigt: „Entschuldige die Länge des Briefes, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.“
Wie dem auch sei. Dass die Ösis Adleraugen haben müssen, steht fest. Sie kommen mit einem Fünftel des Lichts aus, das die Germanen zur „gesundheitsgerechten Erledigung ihrer Sehaufgaben“ benötigen. Es sei denn, sie brauchen wirklich weniger Licht, weil sie viel weniger lesen müssen, um dasselbe zu verstehen. Felix Austria!
12.11.2011
Berlin ist reich an Geschichte. Die ist aber nicht nur schön. Wie man damit umgeht, kann man beim Regierungsviertel bewundern, wo anstelle der Welthauptstadt Germania die Kanzler(innen)waschmaschine steht. Die Architektur dort steht für eine Korrektur des mörderischen Irrtums.
So schlimm wie mit Germania war es mit unserem Olympiastadion nicht. Der Bau hat halt nur den Zeitgeist wieder gespiegelt, der später anders gesehen wurde. Wie er benutzt wurde, um die Massen zu begeistern, kann man in dem Film Olympia von Leni Riefenstahl sehen, der mit dem berühmten Lichtdom von Albert Speer endet. Dieser sollte auch Germania einst als Welthauptstadt aufbauen und bekam deswegen den Titel „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ (GBI) verliehen.
Genau diesen Lichtdom wollte man wohl durch ein Lichtspiel aus den Gedanken vertreiben, das ich heute Abend habe bewundern wollen. Den Nachfolge-Dom konnte ich bereits aus meinem Fenster aus sehen, und er sah vielversprechend aus. Also Kameras eingepackt, und ab zum Stadion. Dort bekam ich einen gehörigen Schreck verpasst, ehe ich das Stadion betreten konnte. Die Denkmal geschützte Monumentalarchitektur hatte man in Bonbonfarben verpackt, die seit einiger Zeit Mode geworden sind, seitdem LEDs nicht mehr nur leuchten, sondern auch beleuchten. Aus Schreck habe ich die Kamera verpackt gelassen.
Dann ließ ich mich auf einer Stelle auf der Tribüne nieder, von wo aus man direkt zum Tor schaut. Von dort aus kann man die besten Bilder schießen, die nachweisen, warum allein der Umbau des Stadions etwa 10 Preise eingeheimst hat, darunter auch den Licht-Architektur-Preis 2005. Dabei war nach meinen früheren Untersuchungen das Olympiastadion Berlin das ungemütlichste in Deutschland gewesen. Nach dem Umbau sprachen die Leute aber nur noch in Superlativen.
Ich saß in der Kälte, filmte die Show, schoss Fotos und wartete auf etwas … Was? Na, ja. Auf den neuen Zeitgeist? Aus den Lautsprechern höre ich die Radioübertragung der letzten Minuten von Bern, 1954. Ab und an gibt es Musik, mal laut, mal leise. Nicht einmal verbunden mit dem Event wie im Sommer am Ende von World Culture Festival 2011. Die Lasershow damals hatte einen nicht unbedingt vom Hocker gehauen, viele Leute fanden sie aber anregend
(http://www.youtube.com/watch?v=pA07j1aH71o&feature=related).
Wie ich die „Night of Lights“ fand? Ich dachte fortwährend an die Fälle von Niagara, die sich am Abend von einem Naturwunder in ein Bonbongewitter verwandeln. Muss man eine großartige Architektur auch so behandeln? Deutsche Geschichte in Bonbonfarben - Nein, danke.

06.11.2011
… ohne Waffen. Nicht doch, den Spruch kennt man aus anderen Gebieten. Hier geht es um Standards in der Beleuchtung. Heute habe ich des Rätsels Lösung für eine „Vorschrift“ gefunden, von der niemand weiß, wo sie wohl herkommt. Wo sie drin steht, kann man hingegen häufig erleben. Die „Vorschrift“ lautet: „Die Beleuchtungsstärke an ständig besetzten Arbeitsplätzen muss mindestens 200 lx betragen.“
Vielleicht fällt der Wortlaut etwas anders aus, die 200 stehen aber felsenfest. Wo kommt aber die Zahl her und was bedeutet sie? Wer hat sie begründet?
Die Lösung ist unglaublich: Niemand hat sie ermittelt. Sie wurde beim Übergang von alten physikalischen Einheiten zu den SI-Einheiten von IES (US-amerikanische lichttechnische Gesellschaft) durch Aufrunden gezeugt. Sie hatte in ihrem „Code“ von 1961 eine sog. „amenity value“ von 15 lm/ft² empfohlen. Nach der neuen Größe (Lux) würde das 161,4 lx ausmachen. Auf- oder abrunden? Bei Preisverhandlungen im Großen Basar von Damaskus wäre Abrunden angesagt, bei Mathematikern auch. Aber doch nicht bei Licht. So kam man auf 200 lx. Stand im IES-Code 1968. Zwar haben die Amerikaner bis heute die SI-Einheiten nicht in ihr Herz schließen können, aber bei so einer wichtigen Größe … musste unverzüglich gehandelt werden.
200 lx, aber wofür? Amenity bedeutet so viel wie „Annehmlichkeit“. Den Begriff in Bezug auf Innenraumbeleuchtung hat ein gewisser G.P. Cundall, BSc, CEng, FIEE, FIMechE, FIllumES in seinem Artikel „Value for money—interior lighting“ (Lighting Research & Technology, 1972) erläutert. Er sagt aus, amenity sei eine Sache der Wertschätzung. Was bekomme ich für mein Geld? Heute würde man eher sagen, was bekomme ich für die Energie, die ich verbrauche? Jedenfalls keine Sicherheit. Denn ein gewisser Peter Boyce (s. unten) soll experimentell nachgewiesen haben, dass Menschen im Büro bei plötzlichem Lichtausfall bei etwa 1 lx das Büro sicher verlassen haben. (Wer das nicht glaubt, erntet den Zorn der Sicherheitsexperten, weil die auch der Meinung sind, dass 1 lx reicht).
Man bekommt jedenfalls nicht das, was uns die Normen seit jeher gelernt haben: Mehr = besseres Licht. Denn nach der Schlussfolgerung des Artikels gilt: Die Quantität des Lichts allein wird niemals schlechte Gestaltung aufwiegen, und die beste Wertschätzung wird man erzielen, wenn man den Bedürfnissen der Benutzer entspricht, ohne ungebührliche Energieaufwendungen zu erfordern.
Das hat IES nicht davon abgehalten, aus 161 lx 200 lx zu machen. Später haben die Europäer sogar ihre amerikanischen Vorbilder übertrumpft und aus 500 wieder 500 gemacht, allerdings aus 500 lx Nenn- 500 lx Mindestbeleuchtungsstärke. Macht rund 25% mehr. Macht aber nix, weil es kaum jemand bemerkt hat. Jedenfalls nicht so plump wie aus 161 lx 200 zu generieren.
Hier passt ein Artikel von Peter Boyce, einem britischen Professor für Lichttechnik, der in den USA gearbeitet hat, unheimlich gut. Damit hat er den Kollegen vom IES ins Gewissen geredet, damit sie aufhören, Märchen zu erzählen. Der Artikel trägt den Titel „Festlegung der Beleuchtungsstärke für Sehleistung - Und andere Märchen“.
(Der Artikel ist angehängt, hier download pdf)

28.09.2011
Was ist die unzüchtigste Darstellung, die sich ein deutscher Lichttechniker vorstellen kann? Sozusagen eine pornographische Darstellung im Bereich des Lichts? Meines Erachtens ist sie die Abbildung von etwas, was sich Büromenschen sehnlichst wünschen – eine Tischleuchte. Wie denn das?
Viele „führende“ Lichttechniker behaupten, ohne mit der Wimper zu zucken, die sei verboten. Wer die Tischleuchte wohl verboten haben könnte? Egal. Verboten ist verboten! Eigentlich bin ich derjenige, der das Verbot ausgesprochen hat. Da müssten sie auf mich verweisen, wenn es um die Behauptung geht. Tun sie aber nicht, weil das, was darauf folgt, denen nicht in den Kram passt. Die Sache mit dem „Verbot“ kam so: Ich führte in den 1970er Jahren eine Reihe von Untersuchungen an Arbeitsplätzen mit Computern, damals noch Datensichtarbeitsplätze genannt, durch und stellte fest, dass die damaligen Tischleuchten alles mögliche taten, nur nicht vernünftig beleuchten. Am meisten hatte mir deren Wärmeabgabe angetan, weil damals nicht nur die Tischleuchten, sondern auch die Computer den Leuten schön einheizten. So empfahl ich der Berufsgenossenschaft, die Tischleuchten aus mehreren Gründen mit einem „Bann“ zu belegen. Man hat meinen Rat angenommen und als eine Sicherheitsregel empfohlen, solche Leuchten grundsätzlich nicht zu verwenden, weil …
Nur kurz danach kam jemand zu mir, der Leuchten baute, die keine der von mir festgestellten Nachteile aufwiesen, dafür eine Menge Vorteile. Seine Leuchte und eine Reihe anderer Leuchten bekamen einen Freibrief von der BG. Sieht so ein Verbot aus? Natürlich nicht. Eigentlich wollten die Lichttechniker das ungeliebte Zeug aus einem anderen Grund loswerden. Man war damals der Meinung, alle Lampen in einem Raum müssten die gleiche Lichtfarbe haben, ansonsten würden die Augen der armen Bürobewohner total irritiert werden. Das hat sogar ein Professor in seinem Buch geschrieben, der sich Sehphysiologe nannte. Nach seiner Meinung dürfen Lampen mit unterschiedlicher Lichtfarbe und unterschiedlicher Farbwiedergabe nicht in einem gleichen Raum leuchten. Das gäbe Zwielicht, sagte und schrieb der Professor. Dazu kämen unerträgliche Leuchtdichteunterschiede dadurch, dass Tischleuchten im Allgemeinen nicht so heißen, weil sie den ganzen Tisch beleuchten, sondern lediglich auf dem genannten Objekt stehen und nur einen Teil davon beleuchten. Das ist auch der Sinn davon. Genau diese Unterschiede in der Leuchtdichte ermüden die Menschen. Sagt man seit etwa den 1930er Jahren …
Nun ist trotz intensivster Suche niemandem gelungen, einen Menschen zu finden, der an unterschiedlicher Lichtfarbe seiner Lampen zugrunde gegangen wäre, und das beschleunigt durch zu hohe Unterschiede in der Leuchtdichte in seiner Umgebung. Augenmediziner behaupten sogar, das wäre gut für die Menschen. Selbst welche, deren sonstige Weisheiten häufig zitiert werden. Dennoch lebt die Legende fort, deren eigentlicher Grund ein anderer war: Die Kompaktleuchtstofflampe harrte noch ihrer Erfindung, und mit den damals vorhandenen Stablampen ließen sich nur monströse Objekte gestalten, die keiner in seiner Umgebung haben will. Der damalige Marktführer hat es einmal versucht … und ist grandios gescheitert.
Die bösen Dänen, bekannt durch sonstige unzüchtige Angebote, haben sich bei der Europäischen Normung für Beleuchtung eine Extrawurst braten lassen, die genau auf dem unzüchtigsten lichttechnischen Objekt beruht: Das dänische Gesetz schreibt vor, dass die Beleuchtung von dänischen Arbeitsplätzen nach der dänischen Norm DS 700 erfolgen muss, Und die besagt, dass man Anforderungen, die mehr als 300 lx am Arbeitsplatz erforderlich machen, nicht mit der Raumbeleuchtung, sondern mit einer Arbeitsplatzleuchte genügen muss. Die Dänen wollen das Klima retten, wir noch nicht. Unsere Lichttechniker haben sich die Mär ausgedacht, dass in Deutschland eine andere Arbeitskultur herrsche. In Wirklichkeit schützen die Sozialgesetze in Dänemark die Arbeitenden, während in Deutschland die lichttechnische Normung die Interessen der gleichnamigen Industrie schützt.
Die Sache steht als A-Abweichung in DIN EN 12464-1 von 2011 zu lesen. Und eine A-Abweichung bedeutet, dass die Gesetze eines Landes etwas anderes verlangen als die Beleuchtungsnorm. Bei uns gibt es so etwas wie eine B-Abweichung, eher BG-Abweichung, weil der Arbeitsschutz es anders will, aber es nicht bis zu einem Gesetz geschafft hat. (s. Eintrag vom 26.06.2011) Dann hätten wir endlich eine gesetzliche Grundlage zum Verluxen von mehr Energie.
Zum Thema Arbeitskultur und Beleuchtung: man möge die Arbeitnehmer fragen, die unter der allgegenwärtigen Lichtsoße leben müssen. Auf die Antwort braucht man indes nicht zu warten. Man muss nur das Licht anmachen, wenn noch etwas Tageslicht da ist, und hören, wie die brüllen.
01.09.2011
Was zeichnet einen Industriekapitän aus, um eben als Kapitän tituliert zu werden? Z.B.: Weitsicht? Ja, er sieht die Felsen, bevor sie am Horizont auftauchen. Vorsicht? Ja, er umschifft die Felsen weiträumig. Wer weiß, vielleicht fällt die Maschine gerade dann aus, wenn man in der Nähe der Felsen ist. Umsicht? Ja, er erfasst die Stimmungslage aller um ihn herum und tariert die Interessen aus. Rücksicht? Ja, er ist stets bedacht, die Betroffenen nicht dumm aussehen zu lassen. Weise Voraussicht? Ja, sonst wäre er ja nicht lange Kapitän und säße auf dem nächsten Felsen.
Wie kommt man an einem 1. September auf die Idee, über Kapitäne und Industrie zu sinnieren? Weil dieser 1. September nicht wie jeder andere ist. Seit 00:00 Uhr morgens, ich meine Mitternacht, ist die Glühlampe weg. Nicht ganz, aber fast. Und just zu diesem Zeitpunkt tickerte die DPA die Nachricht, dass OSRAM die Preise für „Energiesparlampen“ kräftig erhöhe, so um 25% nach "Financial Times Deutschland". Und die Dinger heißen laut Spiegel online jetzt „Öko-Leuchten“.
Den OSRAM-Chef trifft da keine Schuld. Schuld sind die Seltenen Erden. Und an deren Knappheit ist schuld: China! Diese Kommunisten kontrollieren die meisten Vorräte der Welt und wollen das Zeug nicht mehr umsonst verteilen. Das alles hat sich in der Nacht zwischen Mittwoch und Donnerstag herausgestellt oder überhaupt ereignet. Man hätte ja gar nicht vorstellen können, dass die Nachfrage nach dem Öko-Licht so plötzlich aufflammen würde. Denn der Preisaufschlag bei Festplatten, auch Verbraucher Seltener Erden, beträgt nur 5%. 25 % Aufschlag auf den Endpreis wegen Rohstoffen? Das gibt es nicht mal beim Bäcker, wenn sich der Mehlpreis verdoppelt. Da muss jede Menge Seltene Erden in jeder Öko-Lampe stecken. Offensichtlich sind sie nicht so selten. Da wundert es nicht, dass der NDR im April berichtet hatte, Energiesparlampen gäben beim Leuchten giftige Gase ab. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Lampen im Betrieb womöglich Dämpfe freisetzten, darunter insbesondere Phenol - ein Stoff, der im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Die Prüfer hätten in den Lampen "einen ganzen Cocktail an giftigen Substanzen" ausfindig gemacht. Muss man das durch eine Prüfung ermitteln? Nein! Das Umweltbundesamt hat nämlich flugs eingesprochen, dass es zu erwarten gewesen sei, dass Lampen beim Betrieb Gase freisetzten. Aber die Konzentrationen in den Wohnräumen blieben vernachlässigbar gering. So ist unser UBA. Schützt zuverlässig die Umwelt, die industrielle.
Die DPA meldet weiter: „Auch beim niederländischen Konzern Philips sind für Deutschland durchschnittliche Preissteigerungen zwischen 20 und 25 Prozent geplant, sagte ein Sprecher des Unternehmens.“ Die Niederländer sind eben so. Bis die merken, dass die Rohstoffpreise in einer Nacht tsunamiartig anschwellen, dauert es ein Weilchen. Oder haben die etwa einen Wink von einem niederländischen Ölkonzern bekommen, dass Preiserhöhungen mehrerer Firmen im Gleichtakt die Kartellwächter aus dem Tiefschlaf holen? Die haben ja noch nicht einmal das Lichtkartell von 1924 gerochen. Nu soll man nicht gleich neue Lunte unter die Nase reiben.
Die Politik, die so große Stücke auf die „Energiesparlampe“ hielt, dass mancher Parteichef in seinem Wahlkampf die „Öko“-Lampen verteilen ließ, damit es weniger Quecksilber über Deutschland regnet, und andere Parteichefs im Fernsehen einträchtig die CO2-arme Zukunft herbeigetalkt haben, steht ganz schön dumm da. Den Aphorismus von gestern, „Wer den Zeitgeist heiratet, wird bald Witwer sein.“, lasse ich heute stehen. Wer sich von einem Industriekapitän die Zukunft zusammenbasteln lässt, kann froh sein, wenn er auf einem Felsen aufläuft. Besser als einfach absaufen.
Was, wenn die Chinesen ihre Seltenen Erden ganz für sich behalten? Muss uns Angie die Kernkraftwerke wieder anfahren lassen und Glühlampen als Notration verteilen, damit wir nicht in CO2 untergehen?
Nur böse Zungen behaupten, es habe ein Kartell namens Phoebus gegeben, das Lampenhersteller 1924 ins Leben gerufen hätten, um der Glühlampe ihre Lebensdauer zu verkürzen. Ich denke, das ist genauso gelogen wie die Preiserhöhung für Energiesparlampen im Gleichschritt.