Posts in Category: Lichtqualität

Licht und Angst

31.07.2014

Licht steigert erlernte Angst

Als ich ein kleiner Junge war, hatte ich Angst, in die oberste Etage des Hauses zu gehen, um zu schlafen. Man wollte mich daran gewöhnen, dass ich ein Mann werden sollte. Dazu gehört, dass er keine Angst vor Hexen und Ungeheuern hat. Das war extrem schwierig, weil beim Treppensteigen  immer wieder komische Bilder vor meinen Augen in Bewegung gerieten. Später habe ich gelernt, dass dies das Rauschen der Nervenströme ist. Um das Rauschen zu sehen, braucht man Dunkelheit. Und die hatten wir.

Später löste mein Großvater das Problem auf seine Weise. Er hustete mir in die Pijamataschen und sagte, ich soll einfach die Tasche aufmachen, und das Ungeheuer würde schwups die Flucht ergreifen.

Heute habe ich eine faszinierende Studie gelesen, die nachweist, dass Licht erlernte Angst verstärkt. Na ja, für Freunde von Hitchcock-Filmen ist das nicht neu. Dennoch!

Da Forscher - anders als Alfred H. – nicht mit Menschen experimentieren dürfen (was da herauskommt, sieht man an denen, die 1960 Psycho gesehen hatten - keiner hat sich wieder erholt), hat man die Studie mit Mäusen durchgeführt. Und naturgemäß mit LEDs. Denn bei keiner Lichtstudie darf LED fehlen.

Da eine Zusammenfassung vielleicht damit enden könnte, dass man den Sinn der Sache nicht erfasst, lasse ich es sein. Die volle Studie ist hier zu lesen:
Light enhances learned fear

Wer davon nicht genug hat, kann hier lesen, wie hohe Lichtniveaus Ratten erschrecken können.
Anxiogenic effects of high illumination levels assessed with the acoustic startle response in rats

Wie man mit viel Licht Menschen eine Freude machen kann, untersuchen keine Psychiater. Das kann man in Las Vegas erleben. Oder hier (leider findet dies sehr selten statt)

Licht und Fortschritt

30.07.2014

Osram kürzt im Lichtbereich …

Es ist nicht lange her, dass hier berichtet wurde, dass Osram im Lichtbereich kürzt. Heute steht wieder in der Presse, dass es 7.800 Arbeitsplätze sind, die wegfallen. Von 35.000 = 22%! Dabei sollte das Jahr 2015 das UN-Jahr des Lichts werden. Und einer der größten auf der Welt kürzt? Müssen wir mit weniger Licht rechnen?

Ich denke nein. Es wird mehr Licht geben - allerdings nicht mehr von den üblichen Verdächtigen. Warum ich so denke? Das will ich mit einer Statistik erklären. Die Daten stammen aus der Analyse der Festschrift, die die 100 Jahre des Bestehens der LITG dokumentierte:
Als die Lichttechnische Gesellschaft Deutschlands 2012 eine Bilanz der 100 Jahre ihres Bestehens zog, enthielten die Vorträge das Wort Leuchtstofflampe, die Technologie, die Osram und ähnliche großgezogen hatten, 93-mal. Hingegen war LED 1385-mal zu lesen. Und LEDs werden in anderen Küchen gekocht als in den alteingesessenen Laboren der Lichttechnik, wie man sie bei Osram bewundern konnte.

Ich habe die Statistik nach Begriffen gesucht, die mit Licht in engem Zusammenhang stehen. Daraus kann man ableiten, woran man bei der Festschrift nicht gedacht hat, und was vermutlich die nächste Generation zu versäumen gedenkt: 

  • Arbeit: Ohne die Produkte der Lichttechnik – keine 24/7-Gesellschaft, keine Nacht- und Schichtarbeit! In 100 Jahren hat die Technologie des künstlichen Lichts das menschliche Leben auf den Kopf gestellt. Es sind nicht nur die Lampen, die das Arbeiten in der dunklen Zeit ermöglichen, sondern auch Milliarden Lampen und Anzeigen in Geräten und Maschinen. Ohne künstliches Licht – keine moderne Arbeitsorganisation, keine moderne Technik, keine weltweiten Kommunikationsnetze. Was haben die Vorträge darüber erzählt? Nichts!
  • Barrierefreiheit - Jeder darf am öffentlichen Leben teilhaben, jeder darf jedes Gebäude, jeden Raum nutzen, so er will. Die Barrierefreiheit hat ihre Karriere 1965 in den USA in öffentlichen Gebäuden begonnen, im Internet noch lange nicht beendet. Ohne Licht - kein Raum! Stimmt. Wie schafft man aber Raum, damit jeder ihn nutzen kann? Das Wort kam während des ganzen Kongresses nicht einmal vor. Im Tagungsband exakt 0-mal.
  • Wohlbefinden: Licht soll ein Wohlfühlfaktor sein, das Leben und Arbeiten erleichtern, zuweilen überhaupt möglich machen. Ergo soll es zur Arbeitsleistung beitragen. Immerhin wurde das Wort einmal benutzt. Dabei soll es angenehm sein. Das Wort „Annehmlichkeit“ kam 0-mal vor. Ebenso häufig war von Behaglichkeit die Rede – 0-mal!
  • Arbeitsschutz: Der Arbeitsschutz gibt die Zauberformel für das Marketing her, das Licht über Beleuchtungsnormen verkauft - nicht seit gestern, sondern seit etwa 1935! Dieser wurde nicht vergessen - zweimal wurde er in drei Tagen genannt. Immerhin! Noch nie hat die Lichttechnik so klar demonstriert, was sie vom Arbeitsschutz hält: nichts!

Was dürfen wir von einer Branche erwarten, deren 100-Jahre-Bilanz 1.501-mal eine kräftig gepuschte, noch nicht ausgereifte Technik enthält (LED+OLED), aber Komfort nur 10-mal und Behaglichkeit überhaupt nicht?

Die Zukunft hat begonnen. Heute hat mich das Jahrbuch 2013 der besagten Firma erreicht. Dort steht „Licht ist Leben … Licht ist OSRAM“. Und wo gibt es Licht? Z.B. in Sportstätten:Ob es bei Osram noch einen Lichttechniker gibt? Schwer zu sagen. Wenn er da war, hat er bei dem Verfassen des Spruchs oben geschlafen. 

Licht und Krebs

28.07.2014

Endlich in der Tageszeitung

Heute fand ich etwas im Berliner Tagesspiegel, das mich Schmunzeln machte.
An sich nichts Lustiges, Brustkrebs ist eine moderne Geisel. Das Schmunzeln betrifft den Zeitraum, in dem eine wissenschaftliche Erkenntnis tatsächlich zu einer wird. Wenn man nämlich den Artikel durchliest, stellt man fest, dass sich die Forscher wie Forscher benehmen - nicht so forsch. Sie sagen, sie müssten noch weiter forschen.  Als ich etwas Ähnliches vor etwa 10 Jahren in einem Vortrag erwähnte, fragte das Publikum, warum denn die Sache nicht schnell geklärt wird, es ginge ja um Tod und Leben oder umgekehrt.

Ich erklärte die Sache damit, dass Forschung auf dem Gebiet der Medizin keine Schnellschüsse zulässt. Allerdings sagt dies nichts darüber aus, dass es medizinische Experten gibt, die superschnell bestätigen, dass etwas der Gesundheit nicht schadet. Garantiert.

Die Geschichte mit Licht und Krebs ist so neu nicht. Als ich sie zum ersten Mal hörte, war ich Student im zweiten Semester Lichttechnik. Der Herr, der den Verdacht vortrug, kam uns aber komisch vor, weil er von Studien mit juvenilen Erpeln erzählte. Das Licht habe deren Hodenwachstum verändert, erzählte er. Bis dato war uns nicht bewusst, dass Erpel Hoden hätten. Juvenile ERpel waren mir auch neu. Ich kannte nur Entenküken, die Scherzbolde von Hühnern ausbrüten ließen. Wenn die Küken ins Wasser liefen, blieb die Mama erstaunt am Ufer zurück.

Damals wusste ich auch nicht, dass man in der Medizin keine Menschenversuche veranstalten darf und deswegen auf Tiere mit geeigneten Eigenschaften ausweichen muss. Z.B. auf Schweine, deren Physiologie viele Gemeinsamkeiten mit der menschlichen hat. Das gilt wohl nicht in der Psychologie, dort nehmen sie stattdessen Affen.

Da der alte Herr auch noch behauptete, ungeeignetes Licht würde Alzheimer auslösen, wurde die Sache brenzlig, zumal er sich nicht nehmen ließ, mit seinem Wissen vor den Bundestag zu ziehen und das Verbot bestimmter Lampen zu beantragen. Er war streitbar.

So etwas kann man als Lichttechnische Gesellschaft nicht auf sich sitzen lassen. So gab man den Auftrag an einen angesehenen Sehphysiologen, die angegriffene Lampe weiß zu waschen. Die Expertise wurde 1971 veröffentlicht. Zuvor hatte mein Doktorvater, der mit dem alten Herrn ein gutes Verhältnis hatte, mit ihm eine lange Korrespondenz geführt, um ihn zu überzeugen, dass nichts an seinen Behauptungen wäre.

Leider ist die Korrespondenz nicht mehr verfügbar, die damals zwei Leitz-Ordner füllte. Es lief darauf hinaus, dass er sein Modell, das er in den 1940er Jahren aufgestellt hatte, verteidigte.

Die Abbildung zeigt eine schematische Darstellung des „energetischen Anteils der Sehbahn“ nach dem Mediziner Fritz Hollwich (1948). Er hat sie 1980 unverändert präsentiert.

In den 1980ern ging es in eine weitere Runde der Begutachtung. Der Nachfolger des Sehphysiologen und ein Professor für Arbeitsmedizin lehnten wieder alle Behauptungen ab. Das war 1981. (Das Gutachten habe ich an den wichtigsten Stellen annotiert. Es wurde noch bis ins 21. Jahrhundert hinein noch als Literatur vertrieben. Als ich für die LiTG im Technisch-Wissenschaftlichen Ausschuss tätig war, habe ich es aus dem Angebot entfernen lassen.)

Nur wenig später entdeckte man, dass sich die circadiane Rhythmik des menschlichen Körpers durch künstliches Licht verstellen ließe. So ähnlich hatte unser alter Herr bereits in den 1940er Jahren argumentiert. Nur wollte man ihm nicht zuhören, weil er z.B. behauptete, das Spektrum des Lichts sei wichtig für den Menschen. Papperlapapp - stimmt nicht. Im Auge gibt es drei Rezeptoren, und die können das Spektrum nicht riechen.  Nun haben aber später andere Forscher nachgewiesen, was hinter seinem „energetischen Anteil“ der Sehbahn steckt. Ein neuer Rezeptor. Und der kann was mit dem Spektrum anfangen.

Stimmen dann seine Behauptungen über die Krebswirkung? Auch er würde so etwas nicht behaupten. Mittlerweile stellt die eingangs angeführte Studie von Steven Hill nur eine von vielen Studien zur kanzerogenen Wirkung von Licht in der Nacht dar.

Wenn viele Forscher Übereinstimmendes zusammengetragen haben, warum behaupten sie nicht einfach, sie hätten die Ursache ermittelt? Die Sache ist einfach, aber nicht einfach zu verstehen: Die Methodik der Wissenschaft gibt das nicht her. Und Leute, die Behauptungen aufstellen, die ihre Methodik des Studiums nicht hergeben, sind keine Wissenschaftler. Es sei denn, die Gutachter ihrer Arbeiten schlafen oder verbiegen die Regeln der Kunst.

Die Meinungsbildung ist anderen überlassen. Z.B. den Tageszeitungen.

Licht und Raumgestaltung

25.06.2014

LED wieder

Heute Morgen trete ich verschlafen in einen Zug ein, so verschlafen wie man sein kann, wenn man eine Sitzung um 9 Uhr in einer 600 km entfernten Stadt besuchen will, und dazu noch eine Stunde Bahn fahren muss. Mit dieser Bahn fahre ich öfter vom Flughafen nach Stuttgart zum Hauptbahnhof. Vorher fliege ich von Berlin zum dortigen Flughafen. Diese Flieger nennt man Pyjamabomber, weil sie voll Leute sind, aus deren Anzug unten die Pyjama-Jacke noch rausguckt. Arbeitermaschine nennt man sie auch, weil Touristen und Lustreisende so früh nicht aus dem Bett kommen.

Die S-Bahn präsentiert sich immer in Form eines ratternden Ungeheuers. Heute ist sie aber ganz anders. Ein neuer Zug. Was macht ihn aber so angenehm? Ich musste nicht lange rätseln. Die Waggons sind mit LED beleuchtet. Von jemandem, der Ahnung hat, nicht nur von Beleuchtung. Diese beherrscht das ganze Design, ohne allerdings vorzuherrschen. Sie gestaltet den Raum. Beleuchten tut sie auch.

Leuchten und Beleuchten - Das ist, was die LED besser kann als andere Leuchtmittel, nicht nur etwas besser!

Den wahren Wert erkenne ich, als ich abends zurückfahre. Ein guter alter Zug mit einer wunderbaren Beleuchtung mit Leuchtstofflampen. Ich wollte nicht einmal den Zug betreten. Eine wahre Trauerveranstaltung. Frisches Licht war heute Morgen gewesen.

(Anm.: So schön die Bilder auch sind, das Original sieht um Längen besser aus.)

Licht und Alptraum

30.05.2014

Lightmare ist kein Märchen

Über Kinderfahrräder, die bereits am Tage bei Sonnenschein blenden, wurde in diesem Blog schon mehrfach berichtet. Nicht soo schlimm - nur ein bisschen unangenehm? Über die schlimmen Folgen des LED-Hype wurde allerdings nichts erzählt, weil die über das „nicht-so-schlimm“ weit hinausreichen.

Die Rede ist vom Tagfahrlicht, einer Sache. die entschieden schien. Sie kam aus dem Norden zu uns, wo man zu bestimmten Zeiten Tag von der Nacht nicht unterscheiden kann. Also fuhren die Autos dort mit Licht. Später sagte man sich: „Warum nicht immer?“. So wurde das Tagfahrlicht geboren. Dagegen hielten nur diejenigen, die um die Sicherheit der Motorradfahrer besorgt waren. Diese nämlich waren die einzigen Teilnehmer am öffentlichen Verkehr, die auch tagsüber mit Licht fuhren, damit man sie gleich erkennt. Fahren alle Teilnehmer mit Licht, fallen die Motorräder weniger auf bzw. gar nicht. Ach, ja, Motorradfahren ist eh gefährlich. Was machen ein paar Tote mehr schon aus?

Nun will - nein, muss - alles Volk tagsüber mit Licht fahren. Natürlich, sofern man dies kann. Abgesehen von der Schweiz, wo man auch Pferde mit bunten Stopplichtern versehen haben soll, gibt es in Europa Verkehrsteilnehmer, die kein Tagfahrlicht tragen wollen oder können. Dazu gehören Fussgänger, darunter Kinder. Wo liegt das Problem?

Licht ist gut - mehr Licht ist besser … Helles Licht ist gut, helleres Licht ist viel besser … und so weiter, weiter… Am Ende kommt LED oder richtiges Laserlicht – heller, besser, effizienter. Damit kann man Autos so ausstaffieren, dass auch der Dööfste im schlimmsten Tohuwabohu auf der Straße einen sofort sieht. Das steigert die Verkehrssicherheit – so die herrschende Meinung!

Dummerweise gibt es auch eine Theorie über den Informationsgehalt von Objekten, die besagt: „Je seltener ein Ereignis, desto größer der Gehalt an Information“. Will sagen, was seltener vorkommt als andere, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Davon leben z.B. die schrillen Typen, die sich bewusst anders anziehen als das „Volk“ - Paris Hilton oder Boy George oder ähnliche Figuren. Zudem gibt es noch eine Erkenntnis aus dem Fach „Populationsstereotypie“ oder schlicht Ergonomie, die besagt: „heller bzw. kontrastreicher ist bedeutsamer“. So fallen auf unseren Straßen die Autos mit den schicken neuen LEDs oder Lasern jedem sofort auf, was durchaus den Intentionen der Hersteller und deren Käufer entspricht. Zu dumm nur, dass nicht alle gleichzeitig auffallen können. Siehe Informationstheorie bzw. Las Vegas Effekt. Wenn alle glitzern, fällt keiner mehr auf. Oder alle gleichzeitig.

Noch dümmer: Die gefährlichsten Objekte im Straßenverkehr sind nicht notwendigerweise die Autos der Reichen, sondern viele andere Vehikel, die (noch nicht) mit dem gleißenden Licht ausgestattet sind. So z.B. kann ein Fahrrad tödlicher sein als ein Auto, weil man erstens das Fahrrad nicht hört und zweitens dessen Lenker keinen Führerschein besitzt. Zudem fährt dieser womöglich auf dem Bürgersteig und denkt nicht an brüderliches (schwesterliches) Teilen. So scheint es plausibel, dass die schönen hellen Lichter der Autos bei Tage die Verkehrssicherheit untergraben statt zu fördern. Unbeleuchtete Kinder, die zudem in gleißendes Laserlicht schauen, morgens auf dem Schulweg, scheinen doppelt gefährdet.

Eine Initiative, die dies stoppen will, begründet ihre Argumente hier (Link führt zu Lightmare). Artikel zur Förderung der Verkehrsunsicherheit finden Sie da. Warum ein Professor für Augenheilkunde der LED den Heiligen Krieg erklärt hat, kann man hier gut verstehen lernen (Link führt zu Videos über Lichtverschmutzung).

LED - eine strahlende Zukunft? Erst einmal gefährdet sie den Verkehr und die Kinder. So steht es geschrieben. Wer sich ein genaues Bild machen will, kann von diesen Adressen aus weiter forschen:
hier lightmare.org
hier Tirol Kompetenzzentrum für Lichtverschmutzung und Nachthimmel 
Wer nicht forscht, kann bald der Dumme sein: Wer den Zeitgeist heiratet, ist bald Witwe(r).