08.05.2013
Ich weiß nicht mehr, wo der Witz herstammt. Ich finde ihn aber trefflich (zutreffend?):
Frage: Wie viele Lichttechniker braucht man, um eine Glühlampe zu wechseln?
Antwort: Einen. Der hält die Lampe fest und wartet, bis das Universum um ihn herum dreimal dreht.
Vorher müsste sich das Universum allerdings gegen den Uhrzeigersinn gedreht haben, um die vorherige Lampe auszuschrauben. Ein Glück, dass wir jetzt Energiesparlampen haben… Ach, nee, die haben doch auch einen Gewindesockel. Und LED? Die meistens auch. Welche Technik man auch zum Lichtmachen einsetzen will, das Universum muss sich um diese drehen.
Kein Wunder, dass die Lichttechnik als beratungsresistent gilt. So nennt der Berater seine Klientel, an der neues Wissen abprallt, egal wie gut es ist und wie schlecht das Wissen des Klienten. Eigentlich nicht verwunderlich, hat die Lichttechnik doch in etwa 100 Jahren das menschliche Leben auf dem Planeten total umgekrempelt. Und nicht nur das menschliche! Bei meinen Tauchgängen habe ich öfter die Bekanntschaft mit Barrakudas gemacht, die nachts den Tauchern folgen, weil man - fisch - im Lichtkegel der Lampen gut jagen kann. Weniger erfreulich indes fällt die Bilanz für die Insekten aus. Die tappen milliardenfach in die Lichtfalle. Nicht nur die Motten. Trotzdem: Das künstliche Licht hat uns nicht nur Räume erschlossen, in denen man sonst nicht hätte wohnen oder arbeiten können, sondern auch Zeiträume erobern helfen. Keine 24-Stunden-Gesellschaft ohne künstliches Licht. Mit ihm könnte höchstens der Mobilfunk konkurrieren, wenn es um die Ingangsetzung gesellschaftlicher Umwälzungen geht. Aber auch der funktioniert nur mit künstlichem Licht - oder ganz schlecht.
Darf man denn bei allem Stolz gegen die Gesetze einer Gesellschaft handeln, in der man aktiv ist? Ich schätze mal, dass den meisten nicht einmal bewusst ist, dass sie das tun. Sie tun es trotzdem, und trotz Ermahnungen. Die Rede ist vom Umgang mit dem Arbeitsschutzgesetz und seiner BildscharbV, sprich Bildschirmarbeitsverordnung. Das Letztere sollte Folgendes vorschreiben:
„b) Beleuchtung
Die allgemeine Beleuchtung und/oder die spezielle Beleuchtung (Arbeitslampen) sind so zu dimensionieren und anzuordnen, daß zufriedenstellende Lichtverhältnisse und ein ausreichender Kontrast zwischen Bildschirm und Umgebung im Hinblick auf die Art der Tätigkeit und die sehkraftbedingten Bedürfnisse des Benutzers gewährleistet sind.“
So steht es in der für die Bundesrepublik Deutschland gültigen Version der Richtlinie 90/270/EWG in der deutschen Fassung. Die Richtlinie geht ergonomisch richtig auf die Bedürfnisse des Benutzers ein. Was wurde daraus, als die Richtlinie zur BildscharbV wurde? So steht es dort unter Nr. 15:
„Die Beleuchtung muß der Art der Sehaufgabe entsprechen und an das Sehvermögen der Benutzer angepaßt sein; dabei ist ein angemessener Kontrast zwischen Bildschirm und Arbeitsumgebung zu gewährleisten.“ Aus dem Benutzer wurden „die Benutzer“, die „zufriedenstellenden“ Lichtverhältnisse wurden unter den Tisch gekehrt und trafen dort die „spezielle Beleuchtung“ = Arbeitslampen. Diese Lampen hat nämlich ein deutscher Arbeitnehmer nicht nötig. So jedenfalls nach der Meinung der lichttechnischen Industrie. Irgendwie muss diese Meinung bei der Übertragung des Textes der Richtlinie von Deutsch (EU-Version) auf Deutsch (deutsche Verordnung) eingeflossen sein. Fragt sich, wie. Und warum? So missverständlich war der Text doch nicht - oder? Mich würde interessieren, welche Mainzelmännchen einen in Deutsch veröffentlichten Text in einen deutschen Text verwandelt haben, der etwas gant anderes sagt.
Die Sache mit den „Arbeitslampen“ war spätestens 1990 mit der Studie „Licht und Gesundheit“ endgültig einwandfrei belegt worden, so es jemals einer Untersuchung bedurft hätte. Sie fördern die Gesundheit. Und zwar gewaltig, während die Beleuchtung, auf die die Industrie gesetzt hatte, eher das Gegenteil bewirkte. Auch das haben wir mit einer Studie belegt ("Direktbeleuchtung widerspricht dem Arbeitsschutz"). Und diese wurde von allen gelesen und „diskutiert“, was z.B. bei uns eher als unverblümte Drohung ankam. Andernorts behauptete man, wir wären wohl durchgeknallt, um so etwas zu behaupten. Nichts dergleichen - die Veröffentlichung war vorab von einem Professor für Europarecht Buchstabe für Buchstabe geprüft worden, ehe sie gedruckt wurde. Übrigens: Wer hat eigentlich Technikern das Recht gegeben, Leuten bei der Arbeit etwas vorzuenthalten, das sie haben wollen? (mehr hier)
Was ist aber der Unterschied zwischen der und die Benutzer? Ganz einfach: Wenn man die Bedürfnisse des Benutzers befriedigen will, ist das Konzept der Beleuchtung ("Allgemeinbeleuchtung") seit 1972 falsch. Da wurde sie nämlich als (praktisch) alleinige Art der Beleuchtung genormt. Dass sie falsch ist, wurde in der Studie „Licht und Gesundheit“ nach langjährigen Feldstudien und Laboruntersuchungen nachgewiesen. (Richtig ist: Allgemeinbeleuchtung ist geeignet unter Umständen, aber nicht als Vorzugskonzept, schon gar nicht als alleinseligmachendes Rezept.)
Man muss eine flexible Beleuchtung realisieren, um die Bedürfnisse des Benutzers zu befriedigen. Wie so etwas geht? Das hatte der schwedische Architekt Anders Liljefors bereits 1972 veröffentlicht. Später habe ich auch mehrfach gezeigt, wie es geht. Nicht etwa auf dem Papier, sondern in leibhaftigen Beleuchtungsanlagen. An etwa 1500 Arbeitsplätzen haben wir das Funktionieren des Konzepts nachgewiesen. Das Konzept besteht zum einen aus bedarfsgerechten Leuchten, die der Benutzer seinen Vorstellungen entsprechend benutzen kann, und zum anderen aus dem dazu notwendigen Wissen.
Warum muss man auf den Benutzer eingehen? Das steht in der Ergonomie seit Jahrzehnten als Prinzip fest. Wo es in der Ausführung gehakt hat, hat sich meistens auch erledigt. Man muss aber keine wissenschaftliche Literatur lesen, um die Sache zu begreifen. Man muss sich nur die Fahrräder angucken, wie sie etwa seit dem Jahr 1900 gebaut werden. Wie viele Einheitsfahrräder wären wohl verkauft worden, und welcher Anteil davon würde je benutzt werden?
Wie soll man Leute nennen, die wichtige Dinge nicht lesen und, wenn sie gelesen haben, nicht verstehen? Und das über Jahrzehnte! Bei zufriedenen Menschen, die sich und ihre Umgebung im Griff haben, spricht man von Resilienz. Bei anderen, die einfach nicht verstehen wollen, eben von Resistenz. Wie soll man Leute bezeichnen, die schriftlich niedergelegtes Recht - sagen wir mal höflich - beeinflussen wollen, in „passendere Worte“ kleiden, damit sie ihr Geschäft weiter betreiben, anstatt ihr zu einer neuen Blüte zu verhelfen? (Muss ich den Begriff wirklich schreiben?)
24.04.2013
Dass Licht tödlich sein kann, hatte ich mal in dem Institut für wissenschaftlichen Film in Göttingen eindrucksvoll erlebt. Eine arme Fliege, die sich auf ihre Rolle als Hauptdarstellerin freute, zischte einfach ins Jenseits, als die Scheinwerfer mit 500.000 lx auf sie schossen. Da auch das Institut nicht mehr lebt, kommt das nur noch in Star Wars vor. Falsches Licht tötet nicht - es lässt die Menschen nur leiden.
Die wahre Gefahr ist viel subtiler. Sie folgt der unendlichen Langsamkeit der ach so ultraschnellen Gesellschaft. Heute fand ich ein Dokument, dessen Inhalt ich eigentlich kannte, aber nicht dort vermutete, wo ich es fand. Im „Neufert“ - das ist das Buch, wonach deutsche Architekten seit dem Jahr 1936 ausgebildet werden. Immer nach der neuesten Ausgabe, selbstverständlich! Selbstverständlich?
In meiner Ausgabe von der Jahrtausendwende heißt es:

BAP - d.h. Bildschirmarbeitsplatz - in fensterfreien Zonen installieren!
Wer kommt auf eine solche Schnapsidee? Zufällig kenne ich alle Täter - und zwar lückenlos. Aber zuerst zum Töten: Wie man in diesem Blog vielfach lesen kann, ist Tageslicht lebenswichtig. Zu dieser Weisheit bedurfte es keines Blogs, weil dies in der Antike nicht nur bekannt war, sondern tägliche Praxis. Man heilte sogar mit Licht – das Solarium im alten Rom war keine Bräunungs-, sondern eine Heilanstalt. Zwar hatte der deutsche Gesetzgeber die Sache in seiner Arbeitsstättenverordnung vergessen, aber nur, weil die deutschen Länder Vorschriften pflegen, die für alle Aufenthaltsräume - mehr oder weniger - Tageslicht sichern, das sind die Landesbauordnungen. Seit 2004 steht es auch in der Arbeitsstättenverordnung - und in den entsprechenden Gesetzen aller EU-Länder.
Ausgerechnet ein Arbeitsmediziner aus Schweden, der den Menschen Gutes tun wollte, schlug 1974 vor, die Arbeitsräume abzudunkeln, weil die Bildschirme ansonsten schlecht lesbar waren. Schlecht ist die Idee nicht, wie man in - damals - Tausenden von Kinos erleben konnte. Von den Millionen von Diavorträgen bei Kongressen oder quälerisch veranlagten Bekannten ganz zu schweigen. Wer da einschlief, hat die Ursache für seine Unpässlichkeit beim Redner oder bei den unsäglichen Urlaubsdias gewähnt. An Licht hat man weniger gedacht.
Es dauerte nicht sehr lange, und auch in Deutschland hatten Menschen Augenprobleme am Bildschirm. Die Ursache war schwupps gefunden: Das muss der Bildschirm sein. Und? Ja, der reflektiert das Licht immer so komisch. Also? Man baut überall Stellwände auf, hinter denen man die Bildschirme versteckt. Und versetzt die BAP dorthin, wo keiner sitzen will.

Kaum zu glauben, dass dies ein Hersteller von Computern hat zeichnen und veröffentlichen lassen. Dass sein Unternehmen später einging, hat weniger mit dieser schlechten Werbung für seine Produkte zu tun. Er hat den PC verschlafen. Vielleicht weil er immer hinten in der Dunkelzone gearbeitet hat?
Nun konnte der Grösste im Lande sich nicht mehr zurückhalten, weil auch er die Augenbeschwerden auf irgendetwas schieben wollte, nur nicht auf seine Bildschirme. Also gab auch er eine Empfehlung heraus:

Jetzt sieht das Ganze viel hübscher aus. Oder? Man merke: Die Bilder sind in den Corporate Colours der jeweiligen Firma designt. Da mussten selbst die Blumentöppe dran glauben.
Nun hatte dieser außer dem Bildschirmverkauf noch ein Geschäft: Leuchten. Warum soll man nicht ein Geschäft daraus machen? Ergo machte man sich daran, eine neue Leuchte zu kreieren, die allerdings so neu nicht war, aber der Name: BAP-Leuchte. Die ultimative Leuchte für den modernen Bildschirmarbeitsplatz.
Da die Leute nicht so dumm sind, in solche Dinge große Summen zu investieren, musste das Ganze in eine Norm gegossen werden. Und da sah die Bude so aus:
Bildschirme so weit weg wie möglich vom Tageslicht. So weit, so gut. Dass in dem letzten Bild die Blumentöpfe fehlen bzw. die Stellwände, hat mit den Corporate Colours von DIN nichts zu tun. Normen kannten damals Farbe nicht. Aber Bildschirmtische. Und die sahen nie so aus wie in diesem Bild. Die Berufsgenossenschaft hätte deren Betrieb schnell ein Ende gemacht. Die Tische sehen nur deswegen so schmal aus, weil das Konzept sonst theoretisch nicht funktioniert. In der Praxis übrigens auch nicht.
Man hat in der Lichttechnik den Fehler eingesehen - zwar unfreiwillig durch jahrzehntelange Seelenmassage durch uns -, aber immerhin. Die EU hat in den Jahren, als mein Neufert gedruckt wurde, enorm viel Geld in Forschungsvorhaben zu Tageslicht gesteckt. Und dann das!

Verwunderlich ist das Ganze für mich aufgrund mancher Erfahrung nicht. Als mir ein Architekt bei einem Prozess erklärt hatte, er habe den von mir beanstandeten Raum nach A. Dürer gestaltet, hatte ich mich daran gemacht, festzustellen, wer dieser ominöse Mensch sei, den man anstelle einer anthropometrischen Norm (heißt übrigens DIN 33402) heranzieht. Tatsächlich, in meinem Neufert wird er groß herausgestellt als „Masz aller Dinge“, der mit dem Hasen. Herr Albrecht Dürer - gestorben am 6. April 1528.
Menschen, deren Arbeitsplätze mit dem Bildschirm dicht am Fenster stehen, haben weniger Augenbeschwerden als die, die in der Raumtiefe sitzen. So nach meinem Forschungsbericht „Licht und Gesundheit“ vom Jahre 1990. Hingegen leiden Menschen, die unter der Beleuchtung sitzen, die für die „Bildschirmarbeit“ erfunden wurde, gesundheitlich mehr als andere unter jeder anderen Beleuchtung. Mal sehen, wann die Architektur unsere Geschichte des kollektiven Versagens aufgreift und beseitigt. Hoffentlich nicht in weiteren 500 Jahren. Zum 1000. Todestag von A. D.
04.03.2013
Als ich das neueste Heft von Mensch und Büro las, dachte ich, mich trifft der Schlag. Die Zukunft der Büros bei SAP wird durch eine sogenannte Voutenbeleuchtung erhellt. Die sieht so toll aus, weil die Lampen vor den Mitarbeitern versteckt werden. Vielmehr sieht sie gar nicht aus, denn man sieht keine Beleuchtung. Ein Grauen für jeden aufrichtigen Beleuchter. Wäre es gestern gewesen, hätte die SAP bestimmt gegen die Lichtnormen verstoßen. Und das macht bekanntlich die Mitarbeiter krank.
Falls das nicht reicht, steht noch eine Wohnzimmerleuchte im Raum. Igitt! Das sind doch Lichttöter? Wie man es richtig macht, hat uns ein Ing. aus Österreich erklärt. Man nehme einen Bildschirm, der spiegelt, kippe ihn 20° nach hinten, damit er richtig spiegelt. Dann schneide man den Leuchten den Teil des Lichts ab, den sie gerne auf den Bildschirm geworfen hätten, aber nicht mehr dürfen. Fertig ist das Wunderwerk BAP wie Bildschirmarbeitsplatzleuchte. Kein Licht auf dem Bildschirm, keine Spiegelung. Ich meine, theoretisch …
Ich schätze mal, der Österreicher wurde bei uns aktiv, weil die Ösis viel zu klug sind, um den Unsinn zu Ende zu hören. Dieser Österreicher hatte seine Idee einst als „dark light“ erfunden, so etwa anno 1969. Lange bevor die Linken den Marsch durch die Institutionen aufgerufen hatten, hatte er sich auf den Weg gemacht, eben den Marsch anzutreten. Mein Prof. erklärte uns Studenten, jeder flöge hochkant aus der Prüfung, wenn er von dark light spricht, Licht sei hell und es bliebe dabei. Bei ihm war also nichts zu holen. Ab zum Leiter der Leuchtenplanung der - damals - größten Firma. Die ist auch heute noch groß, aber nicht mehr in Sachen Licht (hier mehr).
Dieser und sein Vorstand witterten die Chance zum größten Scoop der Geschichte der Laternenmacherzunft: Ein neuer Name und ab geht die Post. Der Professor, der dark light nicht mochte, war gestorben. Nur noch ein Hindernis war aus dem Weg zu räumen, eine Weisheit im „Handbuch für Beleuchtung“. Die besagte, dass tiefstrahlende Leuchten nur für Sonderaufgaben einzusetzen seien. Zudem hieß es, „Können nur direktstrahlende Leuchten eingesetzt werden, so sollten sie möglichst großflächig sein“. Ansonsten sollte man die Decke und die Wände mit einer Zusatzbeleuchtung aufhellen. Ach, was! Leute, die Leuchten kaufen bzw. einen Elektriker bestellen, um diese an die Decke zu schrauben, lesen nicht das Handbuch für Beleuchtung. Und Lichtplaner, die es lesen, kann man mit einer Beleuchtungsnorm zur Räson bringen. Gesagt, getan! Und dass der Protagonist der direktstrahlenden Zukunft das Handbuch mitgeschrieben hatte? Geschenkt.
So etwa seit 1979 wehrt man sich gegen die tolle Erfindung. Man ist leider nicht alle. Zuerst fanden die Leuchte nur die Erfinder gut, der Rest der Gilde übte sich in Enthaltung oder Kritik. Bis er merkte, dass sich gut Geld machen ließ mit der Wunderleuchte. Und die Beleuchtungsnorm hatte ganzheitlich alle Probleme geregelt: z.B. so: „Anmerkung: Auch helle Oberbekleidung kann zu störenden Spiegelungen auf dem Bildschirm führen. …“ Nur das Feingerippte blieb von der Norm unbehelligt, weil kein Licht in die Hose fällt.
Als alles Jammern nicht half, musste ich die Notbremse ziehen und veröffentlichte einen Artikel, der die mittlerweile genormte Leuchte als Verstoß gegen den Arbeitsschutz auswies (hier zu lesen). Mittlerweile sind auch diejenigen von dessen Wahrheitsgehalt überzeugt, die mich damals am liebsten in die Geschlossene eingewiesen hätten.
Aber dass ein Unternehmen es wagt, den schlimmsten Albtraum des Lichtmenschen zur Zukunftsvision zu erklären? Indirektbeleuchtung? Igitt, ist langweilig und ermüdend. Dazu eine Wohnraumleuchte in einem Arbeitsraum? Kann nicht wahr sein. Ob die noch irgendwo Tischlampen versteckt halten? Ich weiß, dass sie es tun.
SAP war einst von Leuten gegründet worden, die ihrem Arbeitgeber, dem größten EDV-Monopolisten seiner Zeit, nicht gehorchen wollten. Das Ketzertum der Gründer hat sich wohl auf die neuere Generation übertragen. Den Feuertod müssen sie nicht befürchten. Dürfen die SAP-Mitarbeiter jetzt weiße Hemden tragen?
18.01.2013
Nach meiner letzten Tauchreise auf die Malediven wollte ich den dortigen Präsidenten anschreiben und ihn bitten, das, was er von anderen Staaten erwartet, nämlich mit Energie nicht zu aasen, damit sein Reich noch über das Wasser guckt, selbst zu realisieren. Zwei Wochen lang gab es in der einstigen Wildnis keine Nacht. Das Meer war voller Scheinwerfer, die in die dunkle Nacht zeigten, in der sich nichts bewegte; die Schiffe ließen die ganze Nacht massenweise Lichter brennen. Und die Inseln hatten mittlerweile Straßenlaternen, ohne dass es nachts Verkehr oder Menschen gab. Leider hat es mit dem Schreiben nicht geklappt, weil der Präsident gestürzt wurde, ehe ich schreiben konnte.
Weiß einer in Deutschland, dass dort über 9 Millionen Laternen Nacht für Nacht bis zum Morgengrauen brennen und auf Fußgänger warten? Auf neun Deutsche kommt eine Straßenlaterne! Sie stehen in der Landschaft herum und warten, bis einer vorbeikommt, um sich den Weg beleuchten zu lassen. Sie beleuchten sogar Straßen, auf denen man nachts Zeitung lesen kann, Kudamm, Kö und so. Da waren die alten Römer intelligenter. Wollte ein Bürger einen anderen zu später Stund´ besuchen, bestellte er einen Laternarius. Dieser trug ihm die Laterne voran. Leider können wir uns keinen Laternarius mehr leisten, der ein Sklave war. Und Sklaven pflegten auch, einen Sklavenaufstand zu wagen, wenn der Auftrag zu blöd war. Einen Laternenaufstand brauchen wir nicht zu befürchten. Sie stehen eh schon in der Landschaft herum.
Und die Dinger beleuchten nicht nur die Straßen. Man kann sie auch von Satelliten aus fotografieren. Das Bild da oben zeigt eine Stadt, in der man um Mitternacht hat Dinge mit bewegtem Meerwasser beleuchten können (Meeresleuchten reichte zum schematischen Sehen aus). Interessant sind die Lichter links unten im Schwarzen (Meer). Das sind Schiffe, die vor Anker liegen. Und die brauchen eigentlich nur ein kleines Licht oder zwei, je nach Größe. Jetzt kann man sie auf Satellitenbildern gegenüber einer Großstadt noch erkennen.
Wie wäre es damit, den Himmel zu putzen? Licht nur dahin, wo man etwas sehen will? Wie und was man machen kann, kann man z.B. beim Sternenpark in der Schwäbischen Alb lesen. Z.B. Städte ohne Lichtverschmutzung. Zur Schwäbischen Alb einfach hier klicken
Eine recht alte Abhandlung des Themas gibt es hier: Lichtverschmutzung – Die Dunkle Seite des Lichts
Wer sich nicht bis zur Schwäbischen Alb bewegen will, kann auch über Frankfurt und Lichtverschmutzung hier lesen.
Hier ist eine ganze Website dem Thema gewidmet.
Und hier gibt es Infos in Deutsch, Englisch und Niederländisch zu den Einflüssen auf das Leben.
Wer das alles für überflüssig hält, sollte sich überlegen, wann er das letzte Mal eine dunkle Nacht gesehen hat. Und mehr als paar Sterne.
07.10.2012
Nein - es geht nicht um des Kaisers Bart*. Es geht darum, was die jüngst gefeierten 100 Jahre Lichttechnik a la LiTG den Menschen gebracht haben (siehe hier). Das Ergebnis liest sich im Tagesspiegel von heute so an:
„In einer Studie des Businessnetzwerks LinkedIn bestimmen Fach- und Führungskräfte ihren Arbeitsplatz der Zukunft. In der Umfrage hat LinkedIn weltweit über 7000 Arbeitnehmer – 420 davon in Deutschland – nach ihrem „Traumarbeitsplatz“ befragt: Welche Technologien und Rahmenbedingungen wünschen Sie sich für die Zukunft? Die Studie zeigt: 37 Prozent der deutschen Fach- und Führungskräfte bevorzugen einen Arbeitsplatz, der frei ist von künstlichen Lichtquellen.“
Der sehnlichste Wunsch deutscher Führungskräfte besteht darin, dass sie von unseren Produkten unbehelligt bleiben möchten. Und der zweitsehnlichste Wunsch? „Auf Platz zwei folgt der Traum von einer imaginären „Stummtaste“, die alle Gespräche der Arbeitskollegen auf lautlos stellt (21 Prozent).“
Das dumme Geschwätz derer, die man im Augenblick nicht hören möchte, weil man sich konzentrieren muss, um Längen zu toppen! Ist doch klasse – die 100 Jahre haben sich gelohnt. Wer sich 100 Jahre auf Technik nach eigener Vorstellung konzentriert und alle anderen, die etwas beitragen könnten, vergrault, so z.B. Architekten oder Designer, erntet bestenfalls, was er gesät hat. Andere machen es besser. So hat Norwegen eine Gesellschaft, die sich um die Beleuchtung kümmert. Sie nennt sich Lyskultur wie Lichtkultur. In Schweden liest sich nur der Name der zuständigen Gesellschaft etwas anders: Ljuskultur. Die AIDI, das direkte italienische Pendant zur LiTG, versteht sich als wissenschaftlich-technische und kulturelle Vereinigung. Sie konzentriert sich stark auf Lichtkultur, visuelle Ergonomie, Kunst- und Museumsbeleuchtung sowie urbane Identität. Zudem gibt es noch die APIL (Associazione Professionisten dell'Illuminazione): Ein eigenständiger italienischer Verband speziell für unabhängige Lichtdesigner. Der Fokus liegt rein auf dem kreativen, architektonischen Entwurfsprozess, frei von Herstellerinteressen. In Japan verknüpft die Lichtgesellschaft IEIJ technische Forschung extrem stark mit ästhetischen Prinzipien der japanischen Raumwahrnehmung (Schattenwirkung, Materialtextur, Verschmelzung von Innen- und Außenraum).
* „Es ist erreicht“ ist das berühmteste Produkt von Haby, Bartwichse samt Bartbinde für den Kaiser. „Donnerwetter - tadellos“ war eine Bartpomade, „Wach auf“ eine Rasierseife, und „Ich kann so nett sein“ ein Damenshampoo. Man sieht, dass Haby nicht nur dem Kaiser um seinen Bart ging.