Posts in Category: Gesundheit

Licht und Heilung

25.03.2014

Auch healing genannt …

Heute stieß ich auf einen Artikel in einer Zeitschrift, der von „healing“, also Heilung durch Licht, handelt. Gemeint ist nicht eine Lichttherapie, sondern die Wirkung visueller Umwelt - Sichtverbindung nach außen z.B. - auf den Menschen, der in einem Klinikzimmer liegt.

Mir sind zwei Studien bekannt, die man etwa so zusammenfassen kann: Je angenehmer die Aussicht vom Krankenzimmer, desto schneller die Heilung - und desto geringer der Schmerzmittelkonsum. Es gibt zwar mehr davon, aber diese beiden haben es in sich. Sie sind keine Interventionsstudien, bei denen man etwas ändert und guckt, wie sich die Änderungen auswirken. Alle diese Studien sind potenzielle Opfer eines ungeliebten Effekts: Hawthorne-Effekt. Tatsächlich stammt dieser Effekt, der insbesondere die Sozialwissenschaften traumatisiert, aus der Forschung zu Lichtwirkungen. Die von mir bevorzugten Studien sind aber retrospektiv erstellt worden. D.h., man hat bestimmte Wirkungen hypothetisiert, die die Umgebung erzeugen sollen, und frühere Patientendaten ausgewertet. Daher sind diese Studien für mich einfach zuverlässiger, weil das Verhalten der Patienten nicht nachträglich durch die Studie manipuliert werden kann. 

Mehr zum Thema Heilen mit oder durch Licht, Beispiele …
hier zu Roger S. Ulrich, der die Heilwirkung der Aussicht aus dem Krankenzimmer erforscht hat
hier zu Heilwirkung des Lichts bei Kniearthrose
hier Umfassende Übersicht über die biochemischen Kaskaden (ROS-Bildung, NO-Freisetzung, ATP-Steigerung) bei der Gewebereparatur durch rotes und nah-infrarotes Licht

Licht und Stuhl

24.03.2014

Allgemeinbestuhlung als Kunst

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Konzept aus der Lichttechnik in anderen Bereichen Akzeptanz findet. Der letzte Fall, der mir bekannt ist, war die Übernahme des Begriffs Raumwinkel in die Theoretische Elektrotechnik. Der Professor, der ihn übernahm, fand ihn genial. Dieser selbst war nicht minder genial. Trotzdem war weder ihm noch jemandem anders das Konzept eingefallen. Er hat es zufällig von unserem Lichttechnikprofessor beim Kaffee  erfahren. Man darf sich nicht wundern, wenn ein Wissenschaftler aus einem anderen Fachbereich in 100 Jahren Heureka schreit, weil er die Normierung der Außenwelt auf eine Kugel um den Punkt des Interesses herum erfunden haben will. Der wird kurz danach die alten Vorlesungsskripte vom 20. Jahrhundert hassen lernen, die ihm das Patent vermiesen werden.

Ein weiteres Konzept harrte seiner Entdeckung seit den 1930ern. Leider fand sich bis gestern keiner dazu bereit. Die Rede ist von der Allgemeinbeleuchtung. Irgend ein Forscher soll vor etwa 80 Jahren herausgefunden haben, dass Menschen mehr Leistung abgeben, wenn die Beleuchtung um sie herum gleichmäßig ist. Hurra – nicht Heureka – rief das Amt für Schönheit der Arbeit (Deutsche Arbeitsfront) und verkündete einen Slogan – damals noch Lösung genannt – nach Art des Hauses: Gleiches Licht für alle Volksgenossen. Eigentlich nicht falsch, denn  „Gleiches Licht für alle Volksgenossen“ sollte bedeuten, dass an jedem Arbeitsplatz die gleichen visuellen Bedingungen herrschen sollten, sofern die Arbeitsaufgaben und damit auch die Sehaufgaben gleich waren. Falsch wurde die Sache dadurch, dass man sagte, überall müsse die gleiche Beleuchtungsstärke vorhanden sein, wenn man den Zweck des Arbeitsraums und dessen Nutzung nicht kenne. Will heißen: Wenn man nicht weiß, wo man in einem Raum was sehen will oder muss, muss der ganze Raum ausgeleuchtet sein. Und immer in vorauseilendem Gehorsam - weil niemand beim Bau eines Gebäudes wissen kann, wie ein Raum in 20 oder 40 Jahren benutzt wird.

Das Ganze heißt glücklicherweise nicht mehr „Allgemeinbeleuchtung“, sondern „Raumbezogene Beleuchtung“ (übrigens sind die Erfinder dieser Beleuchtungsart ein Freund und ich). In der Normensprache (DIN 5035-7) heißt es: „Unter dem Beleuchtungskonzept .Raumbezogene Beleuchtung. wird eine gleichmäßige Beleuchtung des Raumes oder von Raumzonen verstanden, die an allen Stellen etwa gleiche Sehbedingungen schafft.“

„Das Beleuchtungskonzept .Raumbezogene Beleuchtung. wird empfohlen
-- …
--  wenn Arbeitsbereiche in der Planungsphase örtlich nicht zugeordnet werden können
--  wenn die räumliche Ausdehnung der Arbeitsbereiche in der Planungsphase nicht bekannt ist,
--  wenn eine flexible Anordnung der Bildschirmarbeitsplätze vorgesehen ist.
“

Ehrlich unter uns gesagt: Bitte immer „Raumbezogene Beleuchtung“ alias Allgemeinbeleuchtung! Wer weiß bei einer Planungsphase eines Bürohauses, welche Arbeitsbereiche wie groß sein werden? Wer weiß, wann eine flexible Anordnung der Bildschirmarbeitsplätze vorgesehen ist? Eigentlich jeder, denn niemand will eine unflexible Anordnung der Arbeitsplätze.  

Genau diesen Gedanken hat der chinesische Künstler Ai Weiwei aufgegriffen und lässt im Lichthof des Gropius Baus in Berlin 6.000 Hocker aufstellen, als Allgemeinbestuhlung sozusagen. Das Konzept lässt sich auf die Bestuhlung aller Büros anwenden: Weiß man beim Bau eines Raums nicht, wo die Insassen sitzen werden, stellt man ihn mit Stühlen voll. Dann kann jeder überall sitzen. Ist doch logisch?

Oh, Weiwei!

Anm.: Kann mir einer erklären, warum mir bei lichttechnischen Diskussionen immer dieses Buch einfällt: The Inmates Are Running the Asylum? (Auf Deutsch etwa: Die Irren sind los. oder Die Insassen haben die Anstalt übernommen.

Licht und Open Space

23.03.2014

Mit Zitronen gehandelt

Heute las ich das Heft Nummer 1/2014 der Zeitschrift „dasbüro“, das „Magazin für Office-Excellence“. Meiner Meinung nach dürfte es sie nicht geben, weil wir das exzellente Office bereits Anfang der 1970er Jahre erfunden hatten. Warum gibt es eine offensichtlich überflüssige Zeitschrift immer noch? Oder wieder? Das steht in dem gerade gelesenen Heft auf Seite 6 unter News. Für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die wichtige Nachricht gescannt:Nanu? Warum wollen sie denn nicht dorthin? Nur 1 % der Büromitarbeiter wollen ins Großraumbüro. Wieso fragt man die Menschen nach etwas, das es nicht gibt? Ich wundere mich, weil es bekanntlich nur noch das Open Space gibt. Und das ist nach führender Meinung von Büroexperten zukunftsträchtig. Das Wort Großraumbüro ist als Begriff verbrannt. Deswegen wollen die Kreativen nur noch Open Space bauen. (Die Bilder von alten Großraumbüros stammen alle von dem Architekten, der sie gebaut hatte. Er meint, dass sie schöne Bürolandschaften darstellen.

So dachten wir in der Lichttechnik Ende der 1960er auch. Nur hieß das Traumbüro damals Großraum. Führende Bürohausarchitekten, führende Büroplaner, führende … – ach, was alles, was führend war, kam damals zusammen und war sich darin einig, dass die Zukunft des deutschen Büros im Großraum liegt. Ob wir die Einsicht von oben bekommen hatten, oder eher als Folge der eigenen Unwissenheit über die Geschichte des Büros selbst generiert, sei dahingestellt. Ich denke, der wahre Grund war: Ein Großraumbüro würde ohne Technik nicht funktionieren, und ich war in einem Fachgebiet tätig, in dem führende Köpfe der nötigen Techniken (technische Akustik, Klimatechnik, Lichttechnik, Architektur etc.) führend tätig waren. Es würde für uns viel zu tun geben, und wir fingen früher an, als die Leute das Kommende erahnen konnten.

Wir wollten nicht nur das Herkömmliche nachahmen, so wie es die „Vorfahren“ taten, so z.B. die, die diese Idee entwickelten:oder jene, auch nicht schlecht:

Nein, es sollte alles besser werden, als die Natur es hergibt. Als Erstes sollten die Fenster abgeschafft werden, weil man ohne sie besser klimatisieren und beleuchten kann. Wozu braucht man Fenster? Die einen sagten, für die Sichtverbindung nach außen. Die anderen sagten, die braucht man nicht, man ist ja zum Arbeiten da, nicht um herumzugucken.

Stimmt. So wurde etwa 1970 prophezeit, in fünf Jahren würden alle deutschen Büromenschen in Großraumbüros arbeiten. Das hat nicht einmal diejenige Organisation in Frage gestellt, die für die Sicherheit und Gesundheit der Büromenschen in Deutschland zuständig ist: Die Berufsgenossenschaft der Banken und Versicherungen (VBG). Sie saß selber in einem der Bürohäuser, die nach den damaligen Ideen top waren: In Hamburg, City Nord, Überseering. So wie City Nord sollte es später in ganz Deutschland aussehen.

An dem, was später kam, lässt sich begründen, warum sich nur 1 % der deutschen Büromenschen nach einem Großraumbüro sehnen: Die VBG zog aus City Nord in die Innenstadt, in das Levante Haus, mit einem Paternoster als Hebezeug für alle. Später zog sie in einen Neubaukomplex mit kleinen Zellenbüros. Keine ihrer Dienststellen in der Republik ist in einem Großraumbüro untergebracht.

Und was macht ihr altes Bürohaus? In Wikipedia steht: „2002 gab es einen Senatsbeschluss zur Wiederbelebung der Bürostadt. …“ Und vorher: „Die Veränderung von Arbeitsabläufen, insbesondere durch die Einführung von Bildschirmarbeitsplätzen hervorgerufen, gilt das Konzept des Großraumbüros weitgehend überholt. In den 90er Jahren erlebte die City Nord, deren Gebäude zum Großteil auf Großraum ausgelegt waren, einen Imageverlust. Unternehmen zogen weg, es kam zu größeren Leerständen. Die Eigentümer reagierten mit großen Investitionen in ihre Häuser. Vielorts ist der Großraum Einzelbüros gewichen. Nicht erhaltenswerte Gebäude wurden abgerissen, Neubauten entstanden…“

Wo lag eigentlich das Problem? Was haben wir damit zu tun? Langsam zum Mitschreiben: Die Klimatechnik behauptete seinerzeit, die Bedürfnisse des Menschen seien etwa 1935 bekannt gewesen, es ginge nur um die Umsetzung in Technik. Die Lichttechnik frönte ebenfalls einem Konzept aus den 1930ern: Allgemeinbeleuchtung. Und die Akustik wurde erst gar nicht gefragt. Büroplanung findet traditionell ohne sie statt, sie kommt erst später dran. Und kann daher entsprechend wenig ausrichten.

Was fehlt dem Menschen in Open Space, Pardon, im Großraumbüro: Ich denke: Kontrolle, d.h. effektive Einflussnahme auf relevante Umgebungsbedingungen nach individuellen Bedürfnissen.

Wie bringt man das bloß Leuten bei, dass die Hersteller durch die Normung selbst den Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Gebäude entziehen wollen?

Licht und Architektur

15.03.2014

Asche über mein Haupt

Gestern erlebte ich einen tollen Raum, der mich dazu bewegt, alle Kritik an den lichttechnischen Normen erst einmal zu vergessen, die ich gerne schreibe. Der Raum gehört zu einem preisgekrönten Haus und liegt dort im Vorstandsbereich. Also in den Bereich, in dem man kein Geld spart, damit sich der Vorstand wohlfühlt. Ich musste gestern vor den anderen hinein, um eine Präsentation vorzubereiten. Danach kamen etwa 60 Leute, denen ich auch etwas über schlechtes Licht erzählen wollte.

Man konnte sich alles sparen - oder die Veranstaltung zu einer über die Meriten der Lichttechnik umwidmen. Eine Satireveranstaltung über einen Architekten abzuhalten, der wohl seine Auftraggeber quälen wollte, wäre auch keine schlechte Idee. Dumm nur, dass der Architekt ein Sohn der Stadt ist, auf den sie stolz ist.

Erst einmal der Raum: Großer Saal mit großen Fenstern und Tageslicht sogar von der Dachluke direkt auf den Kopf des Vorsitzenden. Gesundes Licht mit Glühlampen, schön abgeschirmt, damit kein Auge der hohen Herren auch nur näherungsweise Blendung empfindet. Möbel edelst ausgestattet. Damit man Dias oder gar Bilder vom Epidiaskop störungsfrei projizieren kann, alles sogar lichtdicht abdunkelbar. Also schöner geht es nimmer.

Als ich alleine da saß, blendete mich der schöne Frühlingstag draußen fürchterlich. Dabei liebe ich das Tageslicht. Und verbringe zuweilen Mittagstunden auf tropischen Inseln im Freien. Ohne Sonnenbrille. Was war in diesem Raum? Alle Raumbegrenzungsflächen waren entweder schwarz oder fast schwarz oder sahen schwarz aus, weil kein Licht darauf fiel. Ich weiß nicht, wann ich gelernt habe, dass die Leuchtdichten im Gesichtsfeld balanciert sein sollen. Es war aber nicht erst in der dritten Vorlesungsstunde bei Lichttechnik. Ich schätze mal, Innenarchitekten kannten solche Vorstellungen vor meiner Geburt. Chinesen vielleicht im zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt - Feng Shui …

Dass das Auge Flächen über ihre Leuchtdichte sieht und deswegen auf diese geachtet werden möge (Beleuchtungsstärke mal Reflexionsgrad), habe ich spätestens in der vierten Stunde bei unserem Lichtprofessor gelernt. Das war übrigens ca. 9 Jahre vor der Fertigstellung des besagten Raumes.

An der sehr interessant geformten Decke hingen ganze Batterien von Downlights mit Reflektorglühlampen. Schön … teuer und nutzlos, weil das Einzige, was sie können, ist blenden. Ansonsten sieht man ein Glimmen in einem schwarzen Rohr. Als Student hatte ich ähnliche Objekte gemessen und eine Schelte vom Professor eingefangen, weil die Messwerte unmöglich hätten stimmen können. Der Leuchtenwirkungsgrad lag so bei 20%. Da Glühlampen bekanntlich bei der Umwandlung von Strom in Licht nicht gerade kleinlich sind, schätze ich mal, dass etwa 1% der eingespeisten Energie das Gebilde als Licht verlassen kann. Nicht schlecht, wenn man das eine Prozent sinnvoll aufwenden könnte. Auch das war aber nicht möglich, weil der Fußboden fast schwarz war. Zwar kann man auf einem Blatt Papier etwas lesen, wenn es auf einem der Tische platziert ist. Aber angenehm heißt anders.

Noch schöner als die Downlights schienen die Strahler, die nach oben gerichtet waren und somit eine fast schwarze Decke getroffen haben bzw. treffen, bis man sie abschaltet. Besser kann man Energievernichtung nicht darstellen.

Optisch gesehen fühlte sich diese Wohlfühloase an wie unser Lichtlabor, in dem alles Licht so gerichtet ist, dass es keine hellen Flecken verursachen kann, so es überhaupt da sein darf. Nach einem Tag in einer solchen Umgebung weiß man nicht, ob es draußen Winter oder Donnerstag ist. Man verbringt dort aber nicht den ganzen Tag. Zum anderen fehlen dort die Störungen durch das Tageslicht und die Sonne.

Unangenehmer als ein Dunkelraum im Labor - das muss man können! Der Architekt konnte aber noch mehr „Wohlfühl“! Der Raum soll in der wärmeren Jahreszeit etwa Temperaturen wie in Finnland erreichen – ich meine, wie in gewissen Einrichtungen dort. Macht nix, Vorstände sind zwischen April und Oktober eh nur an der Riviera an der Promenade anzutreffen.

Ich lasse meine Normensammlung zu einem dicken Buch zusammenbinden. Den kriegt der nächste Kreative an den Kopf geschmissen, der mit seinen Super-Konzepten mir über den Weg läuft. Wenn er die Sache überlebt, darf er weitermachen. 

Licht und Unsinn

13.01.2014

Beleuchten, um nicht zu beleuchten …

Etliche Beiträge in diesem Blog drehen sich um den Unsinn, mit Leuchten, d.h. mit Leuchtendesign, Spiegelungen auf dem Bildschirm zu bekämpfen. Es war schon zu Beginn der Welle Unsinn. Leider hatte niemand die Sache so deutlich dargestellt wie einer, der Ergonomie macht (Quelle), und das anno 2014:Die Leuchten beleuchten alles, nur nicht die Stelle, an der der Benutzer Erleuchtung finden will. Dabei hatte ein wichtiger Mensch ein früheres Bild von mir, das diesen Unsinn etwas anders darstellte, als Unsinn bezeichnet. „Wer plant denn so etwas?“ hatte er in die Menge gerufen.

Ja, wer plant denn so etwas? Jeder, der die Normen, die man anwenden sollte, richtig ausführt. Was soll anderes herauskommen, wenn man zwei Leuchtenreihen mit tiefstrahlender Charakteristik parallel zum Fenster in ein übliches deutsches Büro (Höhe 2,50 m bis 2,70 m; Tiefe ca. 6 m) aufhängt und dazwischen die Arbeitstische platziert? Mein Bild stammt von etwa 1995, das obere Bild fand ich gestern auf einer neu aussehenden Website. Eigentlich muss man keine solchen Bilder zeichnen; man sieht die Misere in fast jedem ähnlichen Raum an beiden Seitenwänden.

Mehr z.B. unter Kann Licht töten? Dummheit schon…
oder hier SAP macht seine MItarbeiter krank (macht garantiert nicht)