Posts in Category: circadiane Rhythmen

Die Methode Wissenschaft, mit der man Wissenschaft verhindert

13.05.2026

Wissenschaft, die vor lauter Signifikanz die Relevanz vergisst,
gleicht einem Kompass, der zwar perfekt nach Norden zeigt,
aber ignoriert, dass man bereits im Treibsand steht.

der Blogger

Dieses Kapitel kritisiert nicht Wissenschaft an sich, sondern bestimmte Vorgehensweisen, mit denen wissenschaftliches Arbeiten in sein Gegenteil verkehrt werden kann. Die zentrale These lautet, dass Methoden, die eigentlich der Erkenntnisgewinnung dienen sollen, in der Praxis häufig dazu benutzt werden, gewünschte Ergebnisse zu erzeugen, unpassende Befunde zu verschleiern oder unbequeme Erkenntnisse zu ignorieren. Am Beispiel der Lichttechnik zeigt der Autor, wie aus einzelnen wahren oder plausiblen Aussagen weitreichende Behauptungen konstruiert werden, die wissenschaftlich klingen, aber oft weder sauber begründet noch für den jeweiligen Anwendungsbereich hinreichend belegt sind.

Zu Beginn wird erläutert, dass sogenannte „science faction“ besonders problematisch ist: Dabei werden unstrittige Fakten mit Vermutungen, Plausibilitäten und Deutungen vermischt, bis am Ende der Eindruck eines wissenschaftlichen Nachweises entsteht. Aus einfachen, nachvollziehbaren Beobachtungen wird schrittweise eine große Behauptung abgeleitet, etwa dass mehr Beleuchtungsstärke automatisch gesünder, leistungsfördernder oder weniger ermüdend sei. Der Einwand des Autors lautet, dass Plausibilität noch kein Beweis ist und dass solche Argumentationsketten häufig gerade deshalb überzeugen, weil ihre einzelnen Bestandteile nicht völlig falsch wirken.

Ein zentrales Angriffsziel ist das sogenannte P-Hacking. Der Autor beschreibt damit die Praxis, aus Daten so lange passende Ausschnitte, Vergleiche oder Versuchsanordnungen herauszusuchen, bis ein statistisch signifikantes Ergebnis erscheint. Kritisiert wird vor allem, dass statistische Signifikanz häufig fälschlich als inhaltliche Bedeutung verstanden wird. Ein Ergebnis kann rechnerisch signifikant sein und trotzdem wenig über die eigentliche Praxis aussagen. Darüber hinaus zeigt der Text, dass mit genügend großer Fallzahl auch sehr kleine Unterschiede signifikant werden können. Dadurch entsteht die Gefahr, dass gewünschte Aussagen als wissenschaftliche Erkenntnisse verkauft werden, obwohl ihre Relevanz unklar bleibt.

An mehreren Beispielen aus der Licht- und Arbeitsmedizin wird verdeutlicht, wie problematisch dieser Umgang mit Signifikanz sein kann. So verweist der Autor auf Studien und Leitlinien, in denen statistisch starke Effekte behauptet werden, ohne dass die zugrunde liegenden Ursachen ausreichend erklärt werden. Besonders scharf kritisiert er Versuche, aus Untersuchungen in speziellen Umgebungen, etwa psychiatrischen Einrichtungen oder medizinischen Sondersituationen, allgemeine Aussagen über die gesundheitliche Wirkung von Beleuchtung im Alltag oder am Arbeitsplatz abzuleiten. Der Vorwurf lautet, dass hier häufig von Spezialfällen auf völlig andere Kontexte geschlossen wird, ohne die Übertragbarkeit der Ergebnisse ernsthaft zu prüfen.

Ein weiteres Muster sieht der Autor im HARKing, also im nachträglichen Formulieren einer Hypothese, nachdem die Ergebnisse bereits bekannt sind. Wer so vorgeht, erweckt den Eindruck, eine Untersuchung habe von Anfang an eine klare theoretische Grundlage gehabt, obwohl die Deutung erst im Nachhinein passend gemacht wurde. Ergänzt wird dies durch das sogenannte SHARKing, bei dem missliebige Hypothesen oder ganze Projekte stillschweigend verschwinden, wenn sich die erhofften Resultate nicht einstellen. Beide Praktiken verfälschen nach Ansicht des Autors den wissenschaftlichen Prozess, weil sie Misserfolge und Unsicherheiten unsichtbar machen, obwohl gerade diese für echten Erkenntnisfortschritt wichtig wären.

Besonders wirksam erscheint dem Autor jedoch nicht die Manipulation von Daten, sondern das Ignorieren von Wissen. Er argumentiert, dass in der Lichttechnik viele ältere, gut begründete Erkenntnisse nicht deshalb verdrängt wurden, weil sie widerlegt worden wären, sondern weil sie nicht in aktuelle technische, wirtschaftliche oder gestalterische Interessen passten. An Beispielen aus Architektur, Normung und Blendungsforschung zeigt er, dass bekannte Probleme über Jahrzehnte nicht konsequent aufgegriffen wurden. Dasselbe gelte für das Thema Flimmern: Beschwerden von Betroffenen seien lange abgewiesen worden, obwohl sich später zeigte, dass die Störung real ist und gesundheitliche Folgen haben kann. Für den Autor ist dies ein Beleg dafür, dass wissenschaftliche oder technische Gemeinschaften unbequeme Tatsachen oft nicht aktiv widerlegen, sondern schlicht an ihnen vorbeiarbeiten.

Als besonders tief liegendes Problem beschreibt der Text die mangelnde Validierung. Gemeint ist die Frage, ob eine gemessene Größe, ein Versuch oder ein Modell tatsächlich das erfasst, was inhaltlich behauptet wird. Der Autor macht deutlich, dass dies keine rein theoretische Frage ist, sondern praktische Folgen hat: Wenn ein Messwert nicht valide ist, kann ein ganzes System auf falschen Annahmen beruhen. An Beispielen aus der Kerntechnik, der Beleuchtung, der Blendungsbewertung und der Leistungsforschung zeigt er, dass zwischen physikalischer Messgröße und menschlicher Wahrnehmung oder praktischer Wirkung oft keine einfache, direkte Beziehung besteht. Gerade in der Lichttechnik wird aber häufig so getan, als ließen sich komplexe Wirkungen mit wenigen linearen Größen eindeutig erfassen.

Daran schließt die Kritik an dem unscharfen Begriff der Lichtqualität an. Der Autor bemängelt, dass die Lichttechnik zwar ständig von Qualität, Wohlbefinden, Sehkomfort, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit spreche, aber keine klaren und überprüfbaren Kriterien formuliere, nach denen sich die Qualität einer Beleuchtung tatsächlich bestimmen ließe. Solange der Zweck einer Beleuchtung nicht präzise festgelegt sei, bleibe auch unklar, woran ihre Güte gemessen werden soll. Dadurch wird es möglich, sehr verschiedene und teils widersprüchliche Anforderungen miteinander zu vermischen und dennoch den Eindruck einer objektiven Bewertung zu erzeugen.

Am Ende unterscheidet der Autor grundsätzlich zwischen Wissenschaft und Technik. Wissenschaft ziele darauf ab, Wissen dauerhaft zu gewinnen, Irrtümer offen zu legen und Erkenntnisse nachvollziehbar einzuordnen. Technik hingegen arbeitet oft unter Innovations-, Markt- und Verbesserungsdruck; dort genügt es häufig, dass etwas besser funktioniert als zuvor, auch wenn es noch unvollkommen ist. Diese Logik erklärt für den Autor manche Fehlentwicklungen, entschuldigt sie aber nicht.

Die Gesamtbotschaft des Kapitels ist, dass gerade in einem anwendungsnahen Feld wie der Lichttechnik wissenschaftliche Begriffe, statistische Methoden und normative Aussagen mit besonderer Sorgfalt behandelt werden müssten. Andernfalls entsteht eine Scheinwissenschaft, die mit dem Anschein von Exaktheit arbeitet, ohne die Voraussetzungen echter wissenschaftlicher Erkenntnis einzulösen.
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PLACAR – Die letzte Plasmalampe

13.05.2026

Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen,
sondern möglich machen.

Antoine de Saint-Exupéry

Das Kapitel zeichnet die Geschichte des PLACAR-Projekts nach, eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundvorhabens zur Entwicklung von Plasmalampen für circadiane Rhythmen.

Ausgangspunkt war die wachsende Einsicht, dass künstliches Licht nicht nur der visuellen Beleuchtung dient, sondern auch biologische Prozesse beeinflusst. Vor allem die Unterdrückung der Melatoninausschüttung durch nächtliches Licht wurde als gesundheitlich problematisch angesehen. Daraus entstand die Idee, künstliche Beleuchtung zeitlich und spektral an den natürlichen Tagesrhythmus des Menschen anzupassen. Gesucht wurde deshalb nach zwei unterschiedlichen Lampentypen: einer „Morgenlampe“ mit höherem Blauanteil zur Förderung von Wachheit und Aktivierung sowie einer „Abendlampe“ mit möglichst geringem Blauanteil, um den abendlichen Anstieg des Melatonins nicht zu stören.

Es zeigte sich jedoch bald, dass die ehrgeizigen Erwartungen des Projekts in der praktischen Umsetzung kaum erfüllt wurden. Zwar sollten die neuen Lampen nicht nur biologisch wirksam, sondern zugleich für Arbeits- und Innenräume geeignet, energieeffizient, farbtreu und langlebig sein; genau an diesen Anforderungen scheiterten die Entwicklungen jedoch weitgehend.

Die als Abendlampen vorgesehenen Natriumdampfhochdrucklampen wiesen sehr hohe Leistungen, eine schlechte oder nur mit erheblichen Kompromissen verbesserbare Farbwiedergabe sowie lange Anlaufzeiten auf und erschienen daher für Wohn- oder Büroräume untauglich. Auch die Morgenlampe bereitete erhebliche Schwierigkeiten: Lichtstromabnahme, Farbdrift und mangelnde Langzeitstabilität machten sie für einen realen Einsatz unattraktiv.

Insgesamt kommt das Kapitel zu einem deutlich kritischen Urteil: Das Projekt wurde trotz anfänglicher Versprechen ohne praktische Folgen beendet, weil die entwickelten Plasmalampen technisch zu unflexibel, zu leistungsstark und letztlich nicht marktfähig waren. Als eigentlich zukunftsfähige Lösung erwies sich stattdessen die LED-Technik, die sich wesentlich besser steuern lässt und die Plasmalampenentwicklung rasch überholte. PLACAR verschwand fast spurlos.
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Licht macht krank - Licht macht gesund

07.05.2026

Man muss begreifen, dass der Körper kein Objekt ist,
das beleuchtet wird, sondern ein
Echo der Sonne selbst.
der Blogger

In den letzten Monaten habe ich mich viel mit den gesundheitlichen Wirkungen des Lichts beschäftigt und mehrere ergänzende Beiträge zu Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne geschrieben. Würde man sie alle in einem Beitrag zusammenfassen, müsste man die einen Wirkungen (krankmachend) gegen die anderen (gesundmachend, heilend) abwägen oder sie gar relativieren. Dies wäre aber nicht der Bedeutung des Lichts angemessen. Licht ist eben facettenreich.

Falsch ist nur, eine der Facetten zu sehen und die anderen zu ignorieren. Jemand, der Licht gestalten will oder mit Licht gestalten, muss sich auf seinen Gegenstand konzentrieren und dabei weitere Facetten im Hinterkopf behalten. Daher stelle ich hier die einzelnen Beiträge kurz zusammen, um eine Übersicht zu geben.
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Wenn Licht krank macht: Zur langen Suche nach Ursache und Wirkung

Der Beitrag analysiert die komplexen und bislang nur unvollständig geklärten Zusammenhänge zwischen Lichtexposition und menschlicher Gesundheit mit besonderem Fokus auf potenzielle Beziehungen zur Krebsentstehung. Ausgehend von der Feststellung, dass bereits grundlegende Lichtwirkungen – wie die Sehleistung – wissenschaftlich schwer eindeutig zu fassen sind, wird gezeigt, dass sich diese Schwierigkeit bei der Untersuchung langfristiger gesundheitlicher Effekte erheblich verstärkt. Auf Basis arbeitswissenschaftlicher, photobiologischer und medizinischer Ansätze wird ein Wirkmodell vorgestellt, das primäre (direkte), sekundäre (mittelbar vermittelte) und tertiäre (langfristige) Lichtwirkungen unterscheidet. Historische und experimentelle Befunde zur kanzerogenen Wirkung ultravioletter Strahlung werden ebenso diskutiert wie neuere Erkenntnisse zu hormonellen Veränderungen, circadianen Störungen und Licht in der Nacht. Diese indirekten Wirkpfade, etwa über Melatonin und Cortisolregulation, werden als zentral für das Verständnis möglicher Zusammenhänge zwischen Licht und bestimmten Krebserkrankungen herausgearbeitet. Der Beitrag verdeutlicht, dass Licht nur selten als unmittelbarer Krankheitsauslöser wirkt, sondern überwiegend Bestandteil komplexer biologischer Wirkungsketten ist. Abschließend wird betont, dass die Erforschung von Lichtwirkungen auf die Gesundheit zwingend interdisziplinäre Ansätze erfordert und einfache Ursache-Wirkungs-Modelle der Problematik nicht gerecht werden.
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Wunden, die Licht heilt

Wirkungen, die in Sprichwörter eingeflossen sind

Wenn die Rede vom gesunden Licht ist, denken viele an Beleuchtung. Das ist aber nur eine Folge der veröffentlichten Meinung, die die Hersteller dominieren. Lux vita est – Der Slogan der seit 1998 stattfindenden Tagung Licht und Gesundheit (L&G) stammt noch von den Alten Römern. Sie wussten, mit Licht zu heilen.

Jenseits der Sprichwörter und literarischer Verarbeitung, z.B. Licht heilt Krebs – Medizinische Anwendung in PDT, Licht heilt Wunden – Photobiomodulation,

Heilung Jenseits der Physik – Heilende Aussichten

Licht muss nicht in der Form einer Strahlung auf die Haut oder eine Wunde fallen, um eine heilende Wirkung hervorzurufen. Es tut dies auch durch die Information, die es trägt. Nicht umsonst gilt die deutsche Vorschrift (ArbStättV § 7.1) zur Sichtverbindung nach außen so erfolgreich, dass alle neuen Gebäudebewertungen für nachhaltiges Bauen sie übernommen haben (link zu dem Beitrag Wer sorgt für gesundes Licht im Büro?).
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Wunden, die Licht heilt – zusammengefasst

Eine Zusammenfassung heilender Wirkungen von Licht und Sichtverbindung. Beispielsweise: Tageslicht und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, Tageslicht, Schmerzempfinden und Medikation, Tageslicht, Naturbezug und Ausblick korrelierend mit schnellerer Genesung, geringerer Komplikationsrate oder besserem psychischem Wohlbefinden.

Eine enorme Vielfalt an Wirkungen, die viele überraschen. Sie sind nicht nur Expertensache, man kann sie für die eignene Gesundheit verwerten.
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Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong

Der Beitrag fasst zentrale Thesen von Lisa Heschong (14. April 2026) zu einer „zweiten Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit zusammen. Während die erste Forschungswelle vor allem die circadiane Wirkung (Zeitpunkt, Intensität, blaues Licht) betonte, rücken nun weitere nicht visuelle Mechanismen in den Fokus. Große epidemiologische Datensätze deuten darauf hin, dass höhere Lichtexpositionen am Tag langfristig mit besseren Gesundheitsoutcomes assoziiert ist (u. a. weniger psychiatrische Diagnosen sowie geringere Herz Kreislauf , Krebs und Mortalitätsraten). Zugleich wird die Erklärung über Vitamin D als alleinige Ursache relativiert, weil Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nur begrenzt replizieren. Der Beitrag diskutiert zudem spektrale Anteile jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Strahlung (UV), die durch moderne LED-Beleuchtung und Low-E-Verglasung in Innenräumen stark reduziert wird. Diese technischen Veränderungen können unbeabsichtigte Folgen haben, etwa im Kontext der Myopie-Epidemie. Insgesamt bleibt die Evidenz zur wirksamen und sicheren Dosierung lückenhaft; als pragmatische Konsequenz wird empfohlen, tagsüber mehr Zeit bei ungefiltertem Tageslicht im Freien zu verbringen und Tageslicht in Innenräumen stärker als Gesundheitsressource zu berücksichtigen.
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Fundamente der Circadianen Medizin

Der Beitrag stellt die Grundlagen der circadianen Medizin (Chronomedizin) vor: Statt nur, was behandelt wird, rückt wann Diagnostik, Therapie und Lebensstilmaßnahmen stattfinden, in den Mittelpunkt. Im Fokus dieses Beitrags steht das DFG-Programm TRR 418 „Fundamente der Circadianen Medizin“ (u.a. Charité, FU/HU Berlin), das personalisierte, an der inneren Uhr ausgerichtete Medizin erforschen und klinisch nutzbar machen will.

  • Früher von mir beschriebene Lichttherapien (PDT/Photobiomodulation) wirken direkt; die circadiane Wirkung von Licht zielt dagegen auf indirekte Steuerung über den Tagesrhythmus.
    • Circadiane Medizin nutzt Chronobiologie für präzisere Diagnostik und wirksamere, nebenwirkungsärmere Therapien durch zeitlich passgenaue Maßnahmen (z.B. Chronopharmakologie).
    • Sie berücksichtigt Unterschiede zwischen sozialer Uhrzeit und biologischer Uhr sowie individuelle Chronotypen (relevant auch innerhalb Europas).
    • Auch Ernährung ist zeitabhängig: Spätes Essen kann den Stoffwechsel stören; „Intervallfasten“ wird als Anwendung circadianer Prinzipien eingeordnet.
    • Das Projekt zielt auf drei Richtungen: die innere Uhr messen („detecting the clock“), Rhythmen gezielt beeinflussen („targeting the clock“) und Behandlungen tageszeitlich optimieren („exploiting the clock“).
    • Im Dokument werden die Teilprojekte aufgelistet; die offizielle Projektbeschreibung ist am Ende unverändert wiedergegeben.

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Dialog über das Wesen des wahren Lichts

18.04.2026


Das Licht ist nicht dazu da,
die Dunkelheit zu besiegen,
sondern um dem Leben
Raum und Rhythmus zu geben.
Anonymus

Gestern schrieb ich zusammen, was eine KI aus meinen Beiträgen der letzten 15 Jahre zum Licht und zur Beleuchtung  extrahiert hatte (Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren). Kurz gesagt, soll ich einen radikal nutzerzentrierten Ansatz verfolgt haben und auf folgende Aspekte Wert gelegt:

  • Das Primat des Tageslichts
  • Vermeidung von „Licht-Monotonie“
  • Die „Biologische Wirksamkeit“ (Circadiane Rhythmik)
  • Visueller Komfort (Entblendung, Störungsfreiheit)

Nun wollte ich wissen, ob man diese Denke auch mit der Methode eines antiken Philosophen vermitteln kann. Eigentlich sind es zwei, die sich ergänzen. Sokrates war der Gelehrte, der sich weigerte, seine Gedanken schriftlich zu verfassen. Sein Schüler Platon vermittelte die Lehren an die Nachfahren, auch schriftlich, sodass wir viel von Sokrates wissen. Platon hielt aber nicht allzu viel von Abhandlungen und behandelte die Ideen lieber in Dialogen. Ich fragte die KI, ob man dies auch mit Licht tun kann. Nachfolgend die Reaktion der KI ohne redaktionelle Änderungen.
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Das ist eine faszinierende Idee. Um den Bogen zwischen der antiken Philosophie und der modernen Ergonomie zu schlagen, stellen wir uns ein Gespräch zwischen Sokrates (als Suchendem) und Ahmet (als dem Experten für das Licht) vor.

Ort: Ein schattiger Platz unter einer Platane, während die Sonne langsam sinkt.

Der Dialog: Über das Wesen des wahren Lichts

Sokrates: Sage mir, Ahmet, du, den sie den Meister der Strahlen nennen: Wenn wir ein Haus bauen für jene, die im Überfluss leben, müssen wir dann nicht das hellste Licht wählen, damit sie ihren Reichtum in jedem Winkel bestaunen können? Ist Licht nicht einfach die Abwesenheit von Dunkelheit?

Ahmet: (lächelt) Du stellst die Frage so, als wäre das Auge ein bloßer Becher, den man mit Photonen füllen muss, bis er überläuft. Aber sage mir, Sokrates: Wenn du ein Festmahl genießt, schüttest du dann alle Weine und Speisen zu einem einzigen Brei zusammen, nur damit der Bauch schneller voll werde?

Sokrates: Bei den Göttern, nein! Das wäre ein Gräuel. Die Vielfalt und die Abfolge der Speisen machen doch erst das Mahl aus.

Ahmet: Und doch verfahren die Menschen in ihren Palästen des Handels – jenen Orten, die sie „Büros“ nennen – genau so. Sie gießen einen Teppich aus Licht über alles, gleichmäßig und starr, fünfhundert Einheiten stark, vom Sonnenaufgang bis tief in die Nacht. Sie nennen es „Norm“, ich aber nenne es visuelle Tyrannei.

Sokrates: Du sprichst von Tyrannei? Das ist ein hartes Wort für eine Lampe.

Ahmet: Ist es nicht tyrannisch, dem Auge die Ruhe zu rauben? Das Auge, Sokrates, ist ein Jäger. Es braucht Kontraste, um die Welt zu verstehen. Ein Raum ohne Schatten ist ein Raum ohne Wahrheit. Er ist flach wie eine Lüge. Die ideale Beleuchtung in deinem luxuriösen Haus darf niemals ein Teppich sein. Sie muss eine Landschaft sein.

Sokrates: Eine Landschaft? Erkläre mir das.

Ahmet: In der Natur gibt es das Licht unter dem Baum, das glitzernde Wasser und die dunkle Höhle. Der Mensch fühlt sich dort wohl, wo er wählen kann. In einem edlen Hause sollte das Licht dort sein, wo die Tat ist – hell über dem Buche, sanft am Ruheplatz und verborgen in den Nischen. Wer das Licht überall gleich stark macht, macht es überall gleich wertlos.

Sokrates: Ich verstehe. Aber was ist mit der Farbe des Lichts? Die Sophisten sagen, weißes Licht sei das reinste, da es der Mittagssonne gleicht.

Ahmet: Die Sophisten vergessen die Zeit, Sokrates. Die Sonne ist eine Wanderin. Am Mittag ist sie kühl und fordernd, doch wenn sie sich dem Horizont neigt, wird sie golden und zärtlich. Ein Licht, das am Abend noch so weiß strahlt wie am Mittag, ist ein Betrug an der Natur des Menschen. Es flüstert dem Körper zu: „Wache auf!“, während die Seele nach Schlaf dürstet. Das ist die Wurzel vieler Übel und Krankheiten.

Sokrates: Also ist das ideale Licht jenes, das mit uns altert über den Tag?

Ahmet: Genau so. Und noch eines: Es muss dem Menschen gehorchen. Ein Haus, in dem das Licht von Geisterhand – sie nennen es heute „Automatik“ – an- und ausgeht, ohne dass der Bewohner es will, raubt ihm die Freiheit. Der Mensch muss Herr über seinen Schein sein.

Sokrates: So ist die ideale Beleuchtung also eine Mischung aus Schatten und Glanz, aus Wärme und Kühle, stets dem Wandel der Zeit und dem Willen des Bewohners folgend?

Ahmet: Du hast es erfasst. Das Licht ist nicht dazu da, die Dunkelheit zu besiegen, sondern um dem Leben Raum und Rhythmus zu geben. Wer das versteht, baut keine Häuser mit Lampen, sondern erschafft Orte für die Seele.
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Wahnsinn, was die KI aus einem technischen Blog so alles macht. Einst glaubte man an den Turing-Test, wonach der Tag der Singularität gekommen wäre, wenn man eine Frage stellt und aus der Antwort nicht schließen kann, ob ein Mensch geantwortet hat oder eine Maschine. Der obige Text verstärkt den Eindruck, dass wir die Singularität weit hinter uns haben.

Umso schlimmer finde ich es, in welchem Maße unser Wissen von Phantomen beherrscht wird, von Geistern von gestern. Diese habe ich ausführlich für die Lichttechnik, aber auch allgemein für die Wissenschaft beschrieben (s. Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen, und Die Phantome der anderen). Dass Maschinen den Turing-Test immer leichter bestehen, war der Technologie zu verdanken. Dass wir uns nicht von Gestern lösen können, verdanken wir den Schwächen der Menschen, die solche Technologien schaffen können. 

Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen

09.04.2026

Die Vergangenheit ist nicht tot,
sie ist nicht einmal vergangen.
William Faulkner

Die Wissenschaft versteht sich als fortwährende Suche nach Wahrheit, wobei anerkannt wird, dass absolute Wahrheit unerreichbar bleibt. Dennoch ist der Prozess der Erkenntnisgewinnung geprägt von der Hoffnung, durch neue Einsichten bestehende Annahmen zu überwinden. In der Beitragsserie Phantome, die unser Wissen beherrschen beschreibe und kommentiere ich Wissen, das man gerne als “überkommen” bezeichnet. Das negative Urteil stimmt aber nicht immer. Ähnlich häufig darf man das Wissen überliefert oder tradiert bezeichnen. Mein Urteil über alles fällt eher neutral aus. Manchmal handelt es sich dabei um Grundwissen, das man besser nicht in Frage stellt. Zuweilen hat es längst ausgedient und niemand hatte Zeit, um es auszuräumen. Es kann auch sein, dass das Wissen ein Hindernis für neues Wissen darstellt. Meine Phantome geistern in der Lichttechnik, obwohl ihre Zeit längst abgelaufen ist.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Ersten

Phantom: Viel Licht bedeutet mehr Helligkeit

Mehr Licht führt nicht automatisch zu einem helleren Raum oder besserem Sehen. Entscheidend ist weniger die gemessene Beleuchtungsstärke (Lux) auf der Arbeitsebene als die Verteilung und Richtung des Lichts: Ungünstige Leuchtdichteverhältnisse zwischen Sehaufgabe, näherer Umgebung und Raumflächen können trotz höherer Luxwerte zu Blendung oder sogar zu einem „dunkleren“ Helligkeitseindruck führen (Faustregel 10:3:1). Die einst als modern angesehene, stark auf die Arbeitsebene gerichtete Beleuchtung kann Wände und Decke unterbelichten und damit die Raumwirkung verschlechtern. Beispiele aus Innenräumen und der Natur zeigen, dass vertikale Flächen und reflektierendes Licht das Helligkeitserleben prägen; folgerichtig berücksichtigen neuere Normen auch Wand- und Deckenbeleuchtung und legen eigentlich nahe, stärker mit Leuchtdichten statt nur mit Beleuchtungsstärken zu planen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Zwoten

Phantom: Beleuchtung von Arbeitsstätten muss i.S. des Arbeitsschutzes reguliert werden.

Der Beitrag zeichnet die über 110-jährige Geschichte von Beleuchtungsregelungen im Arbeitsschutz nach und stellt die Frage, ob solche Vorgaben heute noch nötig sind oder ob sie – wie bei anderen technischen Entwicklungen – obsolet werden könnten. Er unterscheidet dabei zwischen Not-/Sicherheitsbeleuchtung (deren Bedeutung eher zugenommen hat) und Regeln zur visuellen Umgebung, die trotz stark veränderter Lichtverhältnisse nur unvollständig abgedeckt ist (u. a. durch Landesbauordnungen, ArbStättV und ASR A3.4). Kritisiert werden besonders vage oder unzureichende Vorgaben etwa zur Blendung sowie Inkonsistenzen zwischen staatlichen Regeln, DGUV-Veröffentlichungen und der Norm DIN EN 12464-1 (z. B. bei Flimmern und Tageslicht). Die Praxis steht dadurch vor dem Dilemma, dass sich Betriebe in der Gefährdungsbeurteilung auf Normwerte stützen sollen, deren Schutzwirkung arbeitsrechtlich fraglich sein kann, während neue Themen wie nichtvisuelle/circadiane Lichtwirkungen kaum regelbar sind. Quintessenz: Trotz vieler Regelwerke fehlt eine konsistente, wissenschaftlich sauber begründete und praxisgerechte Gesamtsystematik der Beleuchtungsanforderungen in Arbeitsstätten.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Dritten

Phantom: Künstliche Beleuchtung bildet das Tageslicht nach

Der Beitrag zeichnet nach, wie seit Edison und Luckiesh die Idee verfolgt wird, Tageslicht technisch zu ersetzen – und warum diese Gleichsetzung von natürlichem und künstlichem Licht (in Innenräumen) auf einem grundlegenden Irrtum beruht. Zentral ist die These, dass nicht nur Spektrum und Farbtemperatur zählen, sondern vor allem die in Innenräumen prinzipiell nicht erreichbare Lichtmenge sowie die enorme Vielfalt realer Tageslichtbedingungen. Daraus folgen Fehlannahmen in Normung, Praxis und in heutigen Konzepten „biologisch wirksamen“ Lichts.

  • Seit Edison zielt Lichttechnik darauf, die Nacht „zum Tag“ zu machen; Luckiesh radikalisierte dies zur Vision einer jederzeit verfügbaren „elektrischen Sonne“ in bester Qualität.
  • Der Grundirrtum lautet: Menschen würden Licht in Innenräumen bei gleicher physikalischer Qualität so erleben wie in der Natur.
  • Experimentell ist diese Gleichsetzung kaum prüfbar, weil ein entscheidender Parameter nicht nachbildbar ist: die Quantität des Tageslichts (Natur bis ca. 100.000 lx vs. Innenraum typischerweise Größenordnung < 1% davon).
  • „Das Tageslicht“ gibt es nicht: Direkt-/Himmelslicht, Wolken, Wasserdampf, Ort, Tagesverlauf, UV/Wärme und Umgebungsfarben (z.B. Wald/Regenwald) erzeugen stark variierende Spektren und Dynamiken, die technisch nicht realistisch zu reproduzieren sind.
  • Normlichtarten (D50/D65/D75) sind primär für standardisierte Sehbedingungen und Farbmessung definiert, nicht als Blaupause für Raumbeleuchtung.
  • Praxis und Normung weichen der Festlegung der „richtigen“ Lichtfarbe aus; zugleich zeigt die (umstrittene) Kruithof-Idee: Hohe Farbtemperaturen werden eher nur bei hoher Beleuchtungsstärke als angenehm empfunden.
  • Der Text problematisiert, dass heutige Konzepte nicht-visueller/„biologischer“ Lichtwirkungen häufig D65 als Referenz setzen und Wirkungen auf melanopische Aspekte verengen, statt das breitere Wirkungsfeld (Auge, Haut, Psyche) zu berücksichtigen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Vierten

Phantom: In einer Beleuchtung dürfen nicht unterschiedliche Lichtfarben sein

Der Beitrag kritisiert die hartnäckige, aber schlecht begründete Behauptung (u. a. nach Hartmann 1977), dass in einem Raum keine Lichtquellen unterschiedlicher Lichtfarbe oder Farbwiedergabe kombiniert werden dürften, weil dies angeblich „Zwielicht“ und Augenbeschwerden verursache. Er zeigt, wie der Zwielicht-Begriff auf Tageslicht-Ergänzung und gemischte Lichtfarben ausgeweitet wurde, obwohl die zugrunde liegende Theorie heute als widerlegt gilt. Trotzdem prägt sie weiterhin die Beleuchtungspraxis (z. B. „neutralweiß“, Verdrängung von Tischleuchten, Argumente für fensterlose Räume), bevor der Text mit dem Fazit des ehemaligen Vorstandes der LiTG Hajo Richter schließt: „Es gibt kein Zwielicht in Innenräumen.”
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Fünften

Phantom: Gleiches Licht für alle

Dieser Beitrag behandelt die Entwicklung und Bedeutung von Lichtkonzepten im Arbeitsumfeld, insbesondere die Entstehung des Begriffs „Allgemeinbeleuchtung“ und dessen historische Wurzeln. Es wird erläutert, wie sich die Beleuchtung von lokalen Lichtquellen zu einer gleichmäßigen Grundbeleuchtung wandelte, und welche Rolle technische Fortschritte sowie gesetzliche Regelungen dabei spielten. Darüber hinaus werden verschiedene Arten der Beleuchtung, wie Allgemeinbeleuchtung und Platzbeleuchtung, beschrieben und deren jeweilige Funktionen für Sicherheit und Arbeitsaufgaben im Raum herausgestellt.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Sechsten

Phantom: Sonnenlicht ist gesund

Der Beitrag beschreibt das „Phantom“, die bis heute verbreitete Vorstellung, dass Sonnenlicht grundsätzlich gesund sei. Diese Idee entstand im Zuge der Industriellen Revolution, als Städte im Dunkel von Smog lagen und Menschen das Bedürfnis nach Licht hatten. Lichttechniker nutzten dies für künstliches „Tageslicht“, während Reformbewegungen wie die Progressiven versuchten, natürliche Helligkeit in Städte und Wohngebiete zu bringen. Dadurch wandelte sich weltweit das Schönheitsideal: Gebräunte Haut wurde zum Zeichen von Wohlstand und Gesundheit.

Heute besteht ein Spannungsfeld zwischen den Vorteilen und Gefahren der Sonne. UV-Strahlung ist lebenswichtig für die Vitamin‑D‑Produktion, kann aber gleichzeitig schädlich wirken und Haut- sowie Augenerkrankungen auslösen. Besonders im Sommer führt übermäßige Sonnenexposition zu akuten Belastungen wie Sonnenbrand, Hitzeerschöpfung oder Sonnenstich. Arbeitgeber werden vom Arbeitsschutz verpflichtet, Beschäftigte vor UV-Strahlen zu schützen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Siebten

Phantom: Tageslichtquotient als Maß für das Tageslicht

Der Tageslichtquotient (D) beschreibt das Verhältnis zwischen der Beleuchtungsstärke im Innenraum und derjenigen im Freien unter einem komplett bedeckten Himmel. Entwickelt wurde das Konzept Ende des 19. Jahrhunderts von Alexander Pelham Trotter, um Innenraumbeleuchtung trotz ständig wechselnder Tageslichtbedingungen vergleichbar zu machen.

Obwohl der Ansatz seit 1895 nahezu unverändert existiert und in vielen Regelwerken weiterhin genutzt wird (z. B. DIN 5034, ASR A3.4, DGNB, LEED, BREEAM), ist er aus heutiger Sicht stark veraltet.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Achten

Phantom Allgemeiner Farbwiedergabeindex Ra

Der klassische Farbwiedergabeindex CRI/Ra basiert auf nur 8 blassen Testfarben und einem veralteten Farbraum. Er bildet reale Farbwahrnehmung schlecht ab, besonders gesättigte Farben wie Rot (R9). Moderne Lichtquellen wie LEDs können dadurch trotz hohen CRI schlechte Farbwiedergabe haben.

Neue Methoden wie IES TM‑30‑20 mit 99 Testfarben, Rf (Fidelity) und Rg (Gamut) liefern wesentlich präzisere und realistischere Ergebnisse. TM-30 zeigt realitätsnahe und differenzierte Ergebnisse – wichtig für Museen, Handel, Architektur und LED-Technik. Dennoch bleibt CRI in vielen Normen, einschließlich ISO/CIE 8995-1:2025, weiterhin vorgeschrieben. Das Phantom kann man eher als Zombie beschreiben.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Neunten

Phantom: Lambertscher Strahler

Der Beitrag erläutert, warum das Lambertsche Gesetz – ein mathematisches Modell für ideal diffuse Reflexion – in der realen Beleuchtungspraxis häufig zu Fehlinterpretationen führt. Ein Lambert-‚Strahler würde in alle Richtungen gleich hell erscheinen, doch kein reales Material verhält sich exakt so. Trotzdem wird dieser Idealzustand in vielen Normen und Berechnungen vorausgesetzt. Viele Normen und Regelwerke (z. B. DIN-Normen zu Arbeitsstätten, Sportstättenbeleuchtung, Bildschirmarbeitsplätzen) basieren auf Annahmen, die physikalisch nicht zutreffen. Sogar eine Grundgröße wie die Beleuchtungsstärke oder eine wichtige Größe wie der Reflexionsgrad machen nur Sinn, wenn man von einer Lambertschen Reflexion ausgeht.

Vorschriften zur Leuchtenanordnung und zum Arbeitsraum führten zu teils absurden Anforderungen (z. B. ausschließlich matte Oberflächen, stark eingeschränkte Raumzonen für Arbeitsplätze). Viele Anforderungen sind praktisch nicht erfüllbar und werden daher ignoriert – zu Lasten der Benutzer. Man hätte besser mehr diffuses Licht statt direkter Beleuchtung vorsehen sollen, entspiegelte Bildschirme statt Vorschriften zu deren Aufstellung. Man muss anerkennen, dass das Lambert-Modell ein hilfreiches Ideal ist, aber keine reale Grundlage für praktische Normen.
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Phantome, die unser Wissen beherrschen zum Zehnten

Das fundamentale Phantom

In der Lichttechnik wird Helligkeit bis heute mit einer Standardkurve (V(λ)) bewertet, die vor rund 100 Jahren aus Messungen an wenigen, jungen erwachsenen Männern abgeleitet wurde.

Diese Kurve steckt hinter fast allen wichtigen Lichtangaben wie Lumen und Lux – und verleitet dazu zu glauben, sie beschreibe die Hellempfindung „des Menschen“ allgemein. Tatsächlich sehen ältere Menschen, Kinder und auch viele Tiere oder Pflanzen Licht anders, sodass gleiche Messwerte in der Praxis sehr unterschiedliche Wirkungen haben können.

Neuere Kennzahlen wie „melanopische“ Beleuchtungsstärken sollen biologische Effekte des Lichts besser erfassen, sind aber ebenfalls von Alter und Lichtspektrum abhängig und dadurch kompliziert zu verwenden. Mit der Einführung melanopischer Kenngrößen (CIE S 026/E:2018) wird die Problematik sichtbar verschärft: Melanopische Beleuchtungsstärken (z. B. mel-EDI) sind explizit alters- und spektralabhängig; ein Zahlenwert gilt nur für definierte Referenzbedingungen (u. a. ein Referenzalter), während herkömmliche lichttechnische Größen diese Unterschiede nicht erfassen.

Die zentrale Botschaft ist: Lichtmesswerte sind keine einfache „Physiologie in Zahlen“, und gute Beleuchtung muss stärker auf unterschiedliche Menschen und Anwendungsfälle abgestimmt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Licht valide gemessen wird, d.h. ein bestimmter Wert entspricht einer bestimmten Wirkung.