19.03.2012
Heute hatte ich die große Ehre, der Einladung einer Ministerin zu folgen, die es sich nicht nehmen ließ, das Thema selbst vorzustellen und die Sache so lange zu verfolgen, bis das Amt des Ministers sie wieder in Anspruch nahm. Immerhin war sie etwa einen halben Tag dabei. Das Thema war „psychische Gesundheit“ in den Betrieben, die Ministerin Frau Dr. von der Leyen, der Bundesminister für Arbeit und Soziales. Es trug eine handverlesene Gruppe von Experten vor einer handverlesenen Gruppe von weiteren Experten vor. Gute Veranstaltung. Ich vermisste allerdings die Thematisierung von Licht.
Das Vergessen von Licht als psychische Belastung ist bestimmt nicht der Ministerin oder ihren Fachleuten anzulasten, denn auf Weltkongressen der Ergonomen, das sind Leute, die glauben, die bessere Arbeitswelt zu schaffen, zumindest aber das Schlechte an der existierenden zu analysieren, tragen zuweilen bis zu 2000 Experten vor - und nichts über Licht. Wenn Leute, die alle Aspekte der Arbeitswelt beleuchten, dies ohne Erwähnung von Licht tun, warum sollte eine Ministerin die Sache bei der psychischen Gesundheit hervorheben?
Nach der Veranstaltung trottete ich Richtung U-Bahn und sah eine Schlüsselszene in Sachen Energieeffizienz, die durch das tätige Ignorieren von Licht und dem Bedarf des Menschen nach Licht durch andere entstanden war.

Das Bild zeigt eine Büroetage in voller künstlicher Beleuchtung und mit vorgelagerter „Klimafassade“, die Wärmeverluste eindämmen soll, aber Licht mit eindämmt. In der Bildmitte unten sieht man die Reflexion eines Gebäudes auf der anderen Straßenseite. Zur Verdeutlichung habe ich dieses Gebäude auch getrennt fotografiert. Man sieht den klaren, etwas bewölkten Himmel und den Sonnenschein. Wetten, dass weder der Lichtplaner noch der Architekt wussten, dass die Verglasung einen Farbwiedergabeindex hat? Und diese Verglasung hat garantiert einen schlechten. Solche Fassaden schneiden alle Strahlungen außer Licht vollständig ab.
Man muss also den permanenten Verlust des Tageslichts mit künstlicher Beleuchtung ausgleichen, was zwar die Bilanzen von OSRAM & Co. vergoldet, aber für Umweltschützer ein pechschwarzes Zeugnis ausstellt. Den gleichen Unfug gibt es bereits sehr lange, aber nur im Zusammenhang mit Jalousien. Von Neuseeland bis Taka Tuka Land (Schweden) kann man Leute finden, die ihre Jalousien herunterlassen und Licht einschalten. Die neue Qualität besteht darin, dass man die dummen Scheiben, die man für eine intelligente Lösung für die Klimakatastrophe hält, ständig vor der Nase hat. Und nicht nur die. Das viele Metall, das zur Befestigung benötigt wird, scheint so zwar nicht viel abzuschatten. Wenn man die dadurch verlorene Lichtmenge rechnet, kommt aber allerhand zusammen.
Wie man sich bei solchen Abschätzungen irren kann, weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich hatte mit drei Kollegen zusammen das Dach rechts berechnet. Es sollte ein filigranes Gebilde werden und das olympische Feld von 1972 nur gegen Wind und Regen schützen. Das Licht sollte ungefiltert durchdringen. Wie viel Licht da durch kommt, kann man abschätzen, wenn man die grauen Felder gegen den Himmel (rechts im oberen Bild, in der Mitte im unteren Bild) vergleicht. Es wird nur noch ca. 50 % transmittiert, aber noch dazu wird das Blau des Himmels in Grau verwandelt.
Weiterhin interessant sind die Randfassung (fast einen Meter breit) sowie das Netzwerk zur Befestigung der Acrylglasplatten. An dem Modell, mit dem Behnisch den Auftrag bekommen hat, war dies alles nicht vorhanden, weil das Dach aus einem „Damenstrumpf“ bestanden hatte. Das Gewebe wurde von filigranen Stäbchen gespannt, die im endgültigen Bau die Abmessungen aber auch die Eleganz von Schiffsladebäumen aufweisen.
Man sollte alle, die von Energieeffizienz u.Ä. reden, zertifizieren lassen, bevor sie reden dürfen. Und vorher einer obligatorischen Rechenstunde unterwerfen, die so lange dauert, bis die Herren wissen, was Qualität und was Effizienz bedeuten. Sonst bauen sie immer noch Windmühlen auf der Nordsee und überlassen die Übertragung des Stroms nach Bayern einem WLAN.
19.03.2012
Der Mensch ist eitel, so eitel, dass er morgens die Badezimmerwaage nach dem Schneiden der Zehennägel betritt, nicht aber ohne vorher die Luft aus der Lunge zu lassen. Für all jene, die ihr Fett ohne knurrenden Magen loswerden wollen, gibt es wohl eine neue Hoffnung. Jedenfalls wurde sie durch eine internationale Celebrity in die Nachrichten gesetzt. Sie stellte dar, dass man mit Licht nicht nur die Hormone Melatonin und Cortisol durcheinander bringen kann, sondern auch das Hormon Ghrelin beeinflussen. Und dieses Hormon regelt den Appetit.


Nunmehr brauchen wir keine Appetitzügler mehr, müssen auch keinen Pflasterstein verschlucken, um keinen Hunger mehr zu verspüren. So richtige Dosen mit Licht zur rechten Zeit, Timing auf Neuhochdeutsch, und fertig ist der Waschbrettbauch.
Ghrelin ist ein Hormon des Verdauungskanals. Leider, leider beherrscht es sein Feld nicht alleine, da gibt es noch Serotonin, Enkephalin Endorphin, Motilin, Adiponektin, Gastrin, Sekretin, VIP, GIP, Somatostatin und Cholezystokinin. Ob zum Abnehmen nur blaues Licht ausreicht oder eine Girlande aus vielen LEDs mit allen Regenbogenfarben benötigt wird, kann man heute nicht sagen.
Also: Probieren. Wenn es nicht klappt, Lampe nach Lampe zuschalten und gucken, wie die Wampe wegdiffundiert. Pardon, weggeleuchtet wird.
15.03.2012
Neulich hatte ich Michael Holick erwähnt. Der Professor, der der Ketzerei schuldig war, wurde einst von seiner Uni gefeuert. Seine Schuld: Er wollte nachgewiesen haben, dass Menschen ab einem bestimmten Breitengrad im Winter immer ein Vitamin-D-Defizit im Blut haben. Nicht deswegen, weil die Idee nicht neu war. Ein gewisser Luckiesh hatte dies in seinem Buch „Light and Health“ angeprangert, vor geraumer Zeit, sagen wir mal 1926. Er hatte gemeint, es wäre ungesund, wenn Menschen in Innenräumen ohne UV-Strahlung leben müssten, weil sie natürliche Strahlung bräuchten.
So jemanden müsste man eigentlich in die Verbannung schicken. Das hat man Luckiesh wohl nicht gegönnt, weil damals die in der Verbannung lebenden Menschen fröhlich unter der Sonne campierten. Außerdem war er Direktor einer Lampenfabrik. Wie eine richtige Bestrafung aussah, wussten die Folterknechte schon - wurde ja in den alten Märchen erzählt. Man wirft einen in den dunklen Kerker, wo er verrottet. Die Sache wird ja nicht nur in alten Märchen erzählt, deren Wahrheitsgehalt nicht allzu hoch ausfällt, sondern auch in Ausführungen eines ehemaligen Bundespräsidenten über seine Freunde. Auf der Insel Alcatraz kann man die Zelle bewundern, in der einer der härtesten Männer der Welt gebrochen wurde: Al Capone - und zwar durch Dunkelhaft.
Außerdem bestraft man Wissenschaftler nicht mit solchen Mitteln. Letztlich soll sogar Galileo Galilei nach seiner Verurteilung noch ein auskömmliches Leben gehabt haben. Wissenschaftler bestraft man mit spitzen Bemerkungen über ihr Werk. Hier sieht man, wie der Rezensent Luckiesh und seinen Juniorpartner abstrafte: Sie haben sich dem „Thema des Tages“ gewidmet, Ultraviolet. Was soll´s? Andere denken, dass die Ernährung genauso wichtig ist.
Ob man glaubt oder nicht, fast ein Jahrhundert nach dem Erscheinen des Buches, denken die meisten Menschen immer noch so. Vielmehr denken sie überhaupt nicht. Sie sitzen in ihren dunklen Büros, ihre Autos sind mit Glas gepanzert gegen Lärm, aber auch gegen UV. Und wenn sie sich denn in die Sonne bewegen, schmieren sie sich mit Sonnenschutz ein, dessen Prediger stets mit der Frühlingssonne aus ihren Löchern kriechen, um den Menschen Angst vor der Sonne einzuflößen. Mehr als 90% seiner Zeit verbringt ein „moderner“ Mensch hinter Glas oder noch tiefer begraben in dunklen Gebäuden.
Lass sie doch, wenn sie damit glücklich werden! Das ein bisschen erhöhte Krebsrisiko, kardiovaskuläre Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten und noch weitere diverse chronische Erkrankungen - darüber lachen wir lässig hinweg.
Heute war Holick Gast an der TU Berlin und hat einen viel bejubelten Vortrag gehalten. Fachleute, die über den Vortrag nicht so glücklich würden, weil sie „gesundes Licht“ predigen und darunter blaues künstliches Licht verstehen, waren nicht anwesend. Irgendwie hatten sie sich kollektiv abgemeldet. Sei´s drum. Seine Nachricht sprach gegen die Annahme des Herrn, der vor 86 Jahren Luckieshs Aufregung über das fehlende UV-Licht nicht verstehen wollte. Menschen können ihren Bedarf an Vitamin-D nicht über die Nahrung decken - es sei denn, sie hören auf den Namen Inuit. Hand aufs Herz: Wer möchte im ewigen Eis leben und sich von Waltran oder Dorschleber allein ernähren, damit ein Mediziner posthum recht bekommt?
Wer Holick - fast live - erleben möchte, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen. es lohnt sich.
(http://www.youtube.com/watch?v=Cq1t9WqOD-0