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Licht und Gesundheit

24.04.2013

KANN LICHT TÖTEN? - DUMMHEIT SCHON …

Dass Licht tödlich sein kann, hatte ich mal in dem Institut für wissenschaftlichen Film in Göttingen eindrucksvoll erlebt. Eine arme Fliege, die sich auf ihre Rolle als Hauptdarstellerin freute, zischte einfach ins Jenseits, als die Scheinwerfer mit 500.000 lx auf sie schossen. Da auch das Institut nicht mehr lebt, kommt das nur noch in Star Wars vor. Falsches Licht tötet nicht - es lässt die Menschen nur leiden.

Die wahre Gefahr ist viel subtiler. Sie folgt der unendlichen Langsamkeit der ach so ultraschnellen Gesellschaft. Heute fand ich ein Dokument, dessen Inhalt ich eigentlich kannte, aber nicht dort vermutete, wo ich es fand. Im „Neufert“ - das ist das Buch, wonach deutsche Architekten seit dem Jahr 1936 ausgebildet werden. Immer nach der neuesten Ausgabe, selbstverständlich! Selbstverständlich?

In meiner Ausgabe von der Jahrtausendwende heißt es:

BAP - d.h. Bildschirmarbeitsplatz - in fensterfreien Zonen installieren!

Wer kommt auf eine solche Schnapsidee? Zufällig kenne ich alle Täter - und zwar lückenlos. Aber zuerst zum Töten: Wie man in diesem Blog vielfach lesen kann, ist Tageslicht lebenswichtig. Zu dieser Weisheit bedurfte es keines Blogs, weil dies in der Antike nicht nur bekannt war, sondern tägliche Praxis. Man heilte sogar mit Licht – das Solarium im alten Rom war keine Bräunungs-, sondern eine Heilanstalt. Zwar hatte der deutsche Gesetzgeber die Sache in seiner Arbeitsstättenverordnung vergessen, aber nur, weil die deutschen Länder Vorschriften pflegen, die für alle Aufenthaltsräume - mehr oder weniger - Tageslicht sichern, das sind die Landesbauordnungen. Seit 2004 steht es auch in der Arbeitsstättenverordnung - und in den entsprechenden Gesetzen aller EU-Länder.

Ausgerechnet ein Arbeitsmediziner aus Schweden, der den Menschen Gutes tun wollte, schlug 1974 vor, die Arbeitsräume abzudunkeln, weil die Bildschirme ansonsten schlecht lesbar waren. Schlecht ist die Idee nicht, wie man in - damals - Tausenden von Kinos erleben konnte. Von den Millionen von Diavorträgen bei Kongressen oder quälerisch veranlagten Bekannten ganz zu schweigen. Wer da einschlief, hat die Ursache für seine Unpässlichkeit beim Redner oder bei den unsäglichen Urlaubsdias gewähnt. An Licht hat man weniger gedacht.

Es dauerte nicht sehr lange, und auch in Deutschland hatten Menschen Augenprobleme am Bildschirm. Die Ursache war schwupps gefunden: Das muss der Bildschirm sein. Und? Ja, der reflektiert das Licht immer so komisch. Also? Man baut überall Stellwände auf, hinter denen man die Bildschirme versteckt. Und versetzt die BAP dorthin, wo keiner sitzen will.

Kaum zu glauben, dass dies ein Hersteller von Computern hat zeichnen und veröffentlichen lassen. Dass sein Unternehmen später einging, hat weniger mit dieser schlechten Werbung für seine Produkte zu tun. Er hat den PC verschlafen. Vielleicht weil er immer hinten in der Dunkelzone gearbeitet hat?

Nun konnte der Grösste im Lande sich nicht mehr zurückhalten, weil auch er die Augenbeschwerden auf irgendetwas schieben wollte, nur nicht auf seine Bildschirme. Also gab auch er eine Empfehlung heraus:


Jetzt sieht das Ganze viel hübscher aus. Oder? Man merke: Die Bilder sind in den Corporate Colours der jeweiligen Firma designt. Da mussten selbst die Blumentöppe dran glauben.

Nun hatte dieser außer dem Bildschirmverkauf noch ein Geschäft: Leuchten. Warum soll man nicht ein Geschäft daraus machen? Ergo machte man sich daran, eine neue Leuchte zu kreieren, die allerdings so neu nicht war, aber der Name: BAP-Leuchte. Die ultimative Leuchte für den modernen Bildschirmarbeitsplatz.

Da die Leute nicht so dumm sind, in solche Dinge große Summen zu investieren, musste das Ganze in eine Norm gegossen werden. Und da sah die Bude so aus:Bildschirme so weit weg wie möglich vom Tageslicht. So weit, so gut. Dass in dem letzten Bild die Blumentöpfe fehlen bzw. die Stellwände, hat mit den Corporate Colours von DIN nichts zu tun. Normen kannten damals Farbe nicht. Aber Bildschirmtische. Und die sahen nie so aus wie in diesem Bild. Die Berufsgenossenschaft hätte deren Betrieb schnell ein Ende gemacht. Die Tische sehen nur deswegen so schmal aus, weil das Konzept sonst theoretisch nicht funktioniert. In der Praxis übrigens auch nicht.

Man hat in der Lichttechnik den Fehler eingesehen - zwar unfreiwillig durch jahrzehntelange Seelenmassage durch uns -, aber immerhin. Die EU hat in den Jahren, als mein Neufert gedruckt wurde, enorm viel Geld in Forschungsvorhaben zu Tageslicht gesteckt. Und dann das!

Verwunderlich ist das Ganze für mich aufgrund mancher Erfahrung nicht. Als mir ein Architekt bei einem Prozess erklärt hatte, er habe den von mir beanstandeten Raum nach A. Dürer gestaltet, hatte ich mich daran gemacht, festzustellen, wer dieser ominöse Mensch sei, den man anstelle einer anthropometrischen Norm (heißt übrigens DIN 33402) heranzieht. Tatsächlich, in meinem Neufert wird er groß herausgestellt als „Masz aller Dinge“, der mit dem Hasen. Herr Albrecht Dürer - gestorben am 6. April 1528.

Menschen, deren Arbeitsplätze mit dem Bildschirm dicht am Fenster stehen, haben weniger Augenbeschwerden als die, die in der Raumtiefe sitzen. So nach meinem Forschungsbericht „Licht und Gesundheit“ vom Jahre 1990. Hingegen leiden Menschen, die unter der Beleuchtung sitzen, die für die „Bildschirmarbeit“ erfunden wurde, gesundheitlich mehr als andere unter jeder anderen Beleuchtung. Mal sehen, wann die Architektur unsere Geschichte des kollektiven Versagens aufgreift und beseitigt. Hoffentlich nicht in weiteren 500 Jahren. Zum 1000. Todestag von A. D.

 

Licht und Dauerlicht

15.03.2013

ES IST ERREICHT - DAS LICHT BRENNT DURCH

In den letzten Tagen geschah Unerhörtes. Als so viel los war mit dem alten und neuen Papst, über die so lange berichtet werden musste, ich meine im Öffentlichen, bis dass selbst eingefleischte Feinde des Action-Fernsehens, ich meine des Privaten, lieber Pro7 eingeschaltet haben, als ständig Kardinäle in allerlei Posen zu bewundern, rutsche eine Nachricht ziemlich unbewundert durch: Die erste Arbeitsstätte der Welt, die nach dem Traum des Deutschen Arbeitsschutzes beleuchtet ist, steht, und das Licht brennt durch - ich meine, durchgehend. Es ist der Zukunftsflughafen der Hauptstadt BER, dessen Zukunft in den Wolken geschrieben steht. Steht doch einem Flughafen gut – die Zukunft in den Wolken?

Erst einmal zum Traum: Jeder erwachsene Deutsche, dem ein Arbeitsplatz zugewiesen worden ist, hat per EURO-Norm ein Anrecht auf eine Mindestbeleuchtungsstärke zu seiner Er…, pardon, Beleuchtung. In der zuständigen Norm wird das Recht so definiert: „Die im Abschnitt 5 angegebenen Werte sind Wartungswerte der Beleuchtungsstärke im Bereich der Sehaufgabe auf der Bewertungsfläche, die horizontal, vertikal oder geneigt sein kann. Unabhängig vom Alter und Zustand der Beleuchtungsanlage darf die mittlere Beleuchtungsstärke für die jeweilige Aufgabe nicht unter den im Abschnitt 5 angegebenen Wert fallen.“ Es gibt Experten, die dem so beleuchteten Menschen das Recht absprechen, sogar im Falle übermäßiger Lichtfülle durch die Natur die Beleuchtung zu dimmen oder gar abzuschalten. Zu ihrem Schutz, natürlich. Dass diese den Sinn dieses Schutzes nicht verstehen und einfach zum Schalter greifen, ist unerheblich. Lux muss sein, vor allem 500.

Da eine Norm kein Recht begründet, hat die Arbeitsministerin eine ASR veröffentlicht, die das Ganze nochmals in Beton gießt: „An keiner Stelle im Bereich des Arbeitsplatzes darf das 0,6-fache der mittleren Beleuchtungsstärke unterschritten werden.“ So! Basta! Einen besseren Dienst für das Lichtmarketing hat noch nie eine Bundesministerin erweisen können. 

Bislang haben es deutsche Unternehmen versäumt, dieses Recht in die Praxis umzusetzen. Bisher! Neulich stand in der Zeitung, dass in BER das Licht durchbrennt, weil niemand es abschalten kann. Zwar ist es mit den Arbeitsplätzen noch nicht so weit. Vorglühen wird man doch dürfen … Niemand weiß heute, wann ein Verantwortlicher den Lichtschalter finden wird. Bis dahin wird das Hauptterminal des BER Tag und Nacht hell erleuchtet bleiben.

Licht und SAP

04.03.2013

SAP MACHT IHRE MITARBEITER KRANK

Als ich das neueste Heft von Mensch und Büro las, dachte ich, mich trifft der Schlag. Die Zukunft der Büros bei SAP wird durch eine sogenannte Voutenbeleuchtung erhellt. Die sieht so toll aus, weil die Lampen vor den Mitarbeitern versteckt werden. Vielmehr sieht sie gar nicht aus, denn man sieht keine Beleuchtung. Ein Grauen für jeden aufrichtigen Beleuchter. Wäre es gestern gewesen, hätte die SAP bestimmt gegen die Lichtnormen verstoßen. Und das macht bekanntlich die Mitarbeiter krank.

Falls das nicht reicht, steht noch eine Wohnzimmerleuchte im Raum. Igitt! Das sind doch Lichttöter? Wie man es richtig macht, hat uns ein Ing. aus Österreich erklärt. Man nehme einen Bildschirm, der spiegelt, kippe ihn 20° nach hinten, damit er richtig spiegelt. Dann schneide man den Leuchten den Teil des Lichts ab, den sie gerne auf den Bildschirm geworfen hätten, aber nicht mehr dürfen. Fertig ist das Wunderwerk BAP wie Bildschirmarbeitsplatzleuchte. Kein Licht auf dem Bildschirm, keine Spiegelung. Ich meine, theoretisch …

Ich schätze mal, der Österreicher wurde bei uns aktiv, weil die Ösis viel zu klug sind, um den Unsinn zu Ende zu hören. Dieser Österreicher hatte seine Idee einst als „dark light“ erfunden, so etwa anno 1969. Lange bevor die Linken den Marsch durch die Institutionen aufgerufen hatten, hatte er sich auf den Weg gemacht, eben den Marsch anzutreten. Mein Prof. erklärte uns Studenten, jeder flöge hochkant aus der Prüfung, wenn er von dark light spricht, Licht sei hell und es bliebe dabei. Bei ihm war also nichts zu holen. Ab zum Leiter der Leuchtenplanung der - damals - größten Firma. Die ist auch heute noch groß, aber nicht mehr in Sachen Licht (hier mehr).

Dieser und sein Vorstand witterten die Chance zum größten Scoop der Geschichte der Laternenmacherzunft: Ein neuer Name und ab geht die Post. Der Professor, der dark light nicht mochte, war gestorben. Nur noch ein Hindernis war aus dem Weg zu räumen, eine Weisheit im „Handbuch für Beleuchtung“. Die besagte, dass tiefstrahlende Leuchten nur für Sonderaufgaben einzusetzen seien. Zudem hieß es, „Können nur direktstrahlende Leuchten eingesetzt werden, so sollten sie möglichst großflächig sein“. Ansonsten sollte man die Decke und die Wände mit einer Zusatzbeleuchtung aufhellen.  Ach, was! Leute, die Leuchten kaufen bzw. einen Elektriker bestellen, um diese an die Decke zu schrauben, lesen nicht das Handbuch für Beleuchtung. Und Lichtplaner, die es lesen, kann man mit einer Beleuchtungsnorm zur Räson bringen. Gesagt, getan! Und dass der Protagonist der direktstrahlenden Zukunft das Handbuch mitgeschrieben hatte? Geschenkt.

So etwa seit 1979 wehrt man sich gegen die tolle Erfindung. Man ist leider nicht alle. Zuerst fanden die Leuchte nur die Erfinder gut, der Rest der Gilde übte sich in Enthaltung oder Kritik. Bis er merkte, dass sich gut Geld machen ließ mit der Wunderleuchte. Und die Beleuchtungsnorm hatte ganzheitlich alle Probleme geregelt: z.B. so: „Anmerkung: Auch helle Oberbekleidung kann zu störenden Spiegelungen auf dem Bildschirm führen. …“ Nur das Feingerippte blieb von der Norm unbehelligt, weil kein Licht in die Hose fällt.

Als alles Jammern nicht half, musste ich die Notbremse ziehen und veröffentlichte einen Artikel, der die mittlerweile genormte Leuchte als Verstoß gegen den Arbeitsschutz auswies (hier zu lesen). Mittlerweile sind auch diejenigen von dessen Wahrheitsgehalt überzeugt, die mich damals am liebsten in die Geschlossene eingewiesen hätten.

Aber dass ein Unternehmen es wagt, den schlimmsten Albtraum des Lichtmenschen zur Zukunftsvision zu erklären? Indirektbeleuchtung? Igitt, ist langweilig und ermüdend. Dazu eine Wohnraumleuchte in einem Arbeitsraum? Kann nicht wahr sein. Ob die noch irgendwo Tischlampen versteckt halten? Ich weiß, dass sie es tun.

SAP war einst von Leuten gegründet worden, die ihrem Arbeitgeber, dem größten EDV-Monopolisten seiner Zeit, nicht gehorchen wollten. Das Ketzertum der Gründer hat sich wohl auf die neuere Generation übertragen. Den Feuertod müssen sie nicht befürchten. Dürfen die SAP-Mitarbeiter jetzt weiße Hemden tragen?

Licht und Wahrheit

17.05.2012

BULB FICTION

Heute Abend war es endlich so weit – der Film Bulb Fiction - Die Lüge der Energiesparlampe erlebte die deutsche Premiere im Babylon vis-a-vis der Volksbühne Berlin. Ich durfte am Ende zusammen mit Helmut Höge („Das Glühbirnenbuch“) den Film kommentieren. Gekommen waren keine Massen, sodass Massenkrawalle nicht zu befürchten waren. Die, die gekommen waren, haben aber fast alle Fragen gestellt.

Wie der Film unten aus Youtube auch zeigt, geht es um das Verbot der Glühlampe, um die sog. Energiesparlampe - in diesem Blog mehrfach kommentiert - und um … ja, den Zirkus drum herum. So gesehen hat der ORF bei der Wahl des Drehortes einen Volltreffer gelandet: Circus Roncalli, wo man sich amüsieren kann und dabei nicht von großen Tieren gestört wird. Bei Roncalli ist der Chef ein Clown, und Tiger, die einem höflich die Tatze reichen, sind arbeitslos.

Da ich einen Großteil der Inhalte kannte, bestand der erhellendste Teil in der Berechnung der Quecksilberproduktion deutscher Kraftwerke. Diese Geschichte (s. „Quecksilber hin, Quecksilber her“ wurmt mich nämlich seit ihrer Entstehung. Geboren wurde sie aus Not: Um ein Produkt zu verbieten, das ökologisch problemlos scheint, damit ein anderes mit einem der schlimmsten Umweltgifte staatlich verordnet werden kann, und das im Namen des Umweltschutzes, musste der Verlust an Quecksilber - oder Gewinn für die deutsche Landschaft? - relativiert werden. So wurde die Story erfunden, dass die Kohlekraftwerke mit jeder kWh ins Netz auch einen feinen Quecksilberfilm über Deutschland sprühen. Die krude Logik: Wenn man beim Betrieb von Lampen Strom spart, erspart man dem Land so viel Quecksilberregen, dass die Bilanz positiv bleibt.

Als Kind war ich zuweilen von meinem Vater gescholten worden, weil meine Entschuldigungen manchmal viel dämlicher waren als die Tat, die relativiert werden sollte. Wenn aber Erwachsene, die glauben, wegen ihrer Intelligenz und Schaffenskraft in die Spitzen von Konzernen und Parteien aufgestiegen zu sein, derart Dummes in die Landschaft setzen, hilft nicht einmal das, was Väter mit dummen Söhnen machen: Hosen stramm ziehen.

Zum Thema Kohle und Quecksilber: Sich herausreden wollte z.B. OSRAM (entstanden 1920), eine Tochter der Siemens AG. Die Kraftwerke, zwar nicht alle, aber viele, die den Quecksilber in die Landschaft pusten, baute die Schwester SBU alias Siemens Bauunion (entstanden 1921). Haben die Jungs denn nicht in 90 Jahren gelernt, wie man Abgase entgiftet? Offenbar nicht, aber messen haben sie gelernt. Woher soll Sigmar Gabriel denn sonst gewusst haben, dass Kraftwerksabgase voll Quecksilber wären? Dieser dämliche Einfall ist nicht einmal dem Deutschen Atomforum gekommen, dem Champion für Greenwashing zugunsten der Kernenergie. Oder habe ich dessen Kampagne „Atomstrom Danke - Endlich atmen ohne Quecksilber“ übersehen? (mehr zum Greenwashing hier) Kaum. Das Atomforum hat sich darauf beschränkt, die CO2-Emissionen zu loben, die der Atomstrom vermeiden soll. Schade, dass Zirkus Roncalli keine großen Tiere in der Manege vorführen will. So kann sich der Ex-Umweltminister auf den Politzirkus konzentrieren. Und die EU-Kommission rühmt sich, nach 90 Jahren die Wahrheit ans Licht gezerrt zu haben: Verstromung von Kohle bedeutet Verströmen von Quecksilber über Land und Flur.

Die Story, die der Film erzählt, endet aber nicht hier. Sie beschreibt noch, wie man Zahlen peppt oder schrumpfen lässt, wie es denn passt. So sollen die Daten über die Quecksilbermenge, die die Kohleverbrennung erzeugt, mit amerikanischer Kohle ermittelt worden sein. Zwar verbrennt man zumindest in Ostdeutschland deutsche Braunkohle und in England bestimmt keine amerikanische Kohle, irgendwie scheint das Ganze etwas mit dem Fluss von Kohle zu tun zu haben. Nachdem die Höhe der Emissionen von Quecksilber so hochgejubelt worden ist, gibt die Sprecherin des EU-Energiekommissars im Film ein Beispiel dafür, wie man andere Dinge kleinrechnet. Ihr (ehemaliger) Chef, der für das Verbot zuständig war, wollte keinen Medienauftritt. Und ihr jetziger, Günter Oettinger? Der kommt im Film auch nicht vor. Vermutlich wollte er das Interview nur in Englisch geben (Kostprobe hier Englisch für Oettinger).

Nicht zur Zahlenpepperei gehört, also zu Verzeihlichem, ein weiteres Kunststück der Politik: falsches Zeugnis ablegen. Es ist ein Straftatbestand – und im Übrigen auch ein Verstoß gegen das achte Gebot Gottes –, falsches Zeugnis abzulegen. Unser (Ex)Umweltminister hat behauptet, man würde ein kleines Kohlekraftwerk einsparen, wenn alle Glühlampen durch - äh - Energiesparlampen ersetzt würden. Dass zur gleichen Zeit eine große Anzahl von großen Kraftwerken (25?) im Bau war, hat er hingegen verschwiegen. Kein deutsches Gericht hätte den Herrn ungeschoren davonkommen lassen. Wer in Deutschland Zeugnis ablegt, wird vorher belehrt, dass er alles sagen muss, was er weiß, und nichts hinzufügen, aber auch nichts weglassen. Lügen darf man ungestraft nur, wenn man sich selbst verteidigt. 

Während wir wohl noch geraume Zeit warten müssen, bis unsere Techniker Entschwafelungsfilter für Politiker entwickeln, dürfen wir nicht damit zögern, die Herren zur Rechenschaft zu ziehen. Wie viel Zeit haben von Steuergeldern bezahlte Politiker, Kommissare oder Beamte damit verbracht, eines der wichtigsten Kulturgüter zu beseitigen, womit uns 0,4 Promille des CO2-Ausstoßes erspart werden sollen?

Man muss vorbeugen, denn die EU-Beamten, die an den Grenzen nicht nur Afghanen und Afrikaner aufhalten müssen, sondern auch Glühlampen, wollen sicherlich für diese Heldentat für das Vaterland bezahlt werden. Oder glaubt jemand allen Ernstes, dass die Grenzer die Jagd auf Heatballs und andere polit-pornografische Artikel in ihrer Freizeit betreiben werden?