27.08.2014
Heute fand ich zwei alte Fotos, die mich an ein großes Dilemma erinnerten. Vor langen Jahren hatte ein Kunde von uns das Problem, dass seine Mitarbeiter nicht wie anständige Büromenschen an getrennten Tischen saßen, sondern an einer langen Schlange. Aus einem bestimmten Grund. Und deswegen sollte die Schlange beibehalten werden. Die Schlange war nicht so schlimm wie die Arbeitsplätze am Band (oberes Bild 2005 als zukunftsträchtig gepriesen, unteres Bild real 1975), weil sie einen Sinn hatte: visuelle Kommunikation. Kam jemand in den Raum, guckten alle ihn an. Ging der nach einem Gruß an einen bestimmten Arbeitsplatz, wussten die anderen Bescheid. Gefiel die Sache einem nicht, konnten alle dies an seiner Mimik ablesen. Deswegen sollte die Schlange bleiben und so beleuchtet werden.
Ich drückte den Wunsch des Kunden den Kollegen aus einer bekannten Firma für Lichttechnik in die Hand und sagte noch dazu, seine Planer müssten auch die Norm DIN 5035 (insbesondere Teil 7) adäquat umsetzen, weil wir bei einer schlechten Lösung garantiert vor der Einigungsstelle landen würden. Und der Richter kannte keine Gnade, weil wir ein wichtiges Urteil vom Bundesarbeitsgericht umzusetzen hatten. Das höchste Arbeitsgericht von Deutschland hatte der Firma aufgetragen, alles dem Stand der Technik entsprechend zu gestalten, damit deren Betriebsrat keine MItbestimmung bei der Einführung neuer Arbeit geltend machen konnte. Ich hatte alles zu begutachten und zu bestätigen.
Die gefundene Lösung für die Beleuchtung ließ mich erschauern: Am Ende hingen zwei Lichtbänder fast genau über den Köpfen der Mitarbeiter, was man bereits als falsch propagiert hatte, bevor die Planerkollegen überhaupt mit dem Studium für Lichttechnik begonnen hatten. Wie waren die auf die glorreiche Idee denn gekommen? Sie erklärten, so müssten die Leuchten in einem Raum hängen. Leider stünden die Arbeitsplätze alle falsch. Der Auftrag hatte aber gelautet, genau diese Arbeitsplätze der Norm DIN 5035-7 entsprechend zu beleuchten.
Jahre später hatte ich selber den Auftrag, eine Beleuchtung für eigentlich unmögliche Arbeitsplätze auszudenken. Es saßen eine bis zu sechs Personen auf einer Fläche von 18 m² und wollten alle mit jeweils einem Monitor arbeiten. Eigentlich gesetzwidrig, aber die waren Mitarbeiter der Leute, die die Gesetze machten, gegen die verstoßen wurde. Zudem waren das keine „normalen“ Arbeitnehmer. Ihr Alter konnte zwischen 16 (Azubi) und etwa 77 Jahren liegen, ein Altbundeskanzler.
Geht so etwas? Geht! Wir konnten nicht nur eine hohe Zufriedenheit bei den Erleuchteten ernten. Der Hersteller machte aus unserem Testobjekt später sogar eine erfolgreiche Produktgattung.
Und was war mit der Norm? Die muss man richtig lesen. Sie bestand nämlich nicht nur aus einem Teil 7, sondern aus vielen. Und im Teil 1 stand geschrieben, was eine Beleuchtung zu tun hatte. Diesen Aufgaben entsprechend wurde eine neue Beleuchtung konzipiert, und nicht Leuchten an der Decke verteilt, wie in der Norm Teil 7 eingezeichnet. Wir hatten ja einen Lichtplaner beauftragt und keinen Elektromonteur, der auch mal Leuchten an die Decke heftet.
Einen Mangel hat die Norm dennoch gehabt, der sich in den neuen Versionen (DIN EN 12464-1) fortgesetzt hat: Es heißt: „Diese Europäische Norm legt Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen fest, die den Erfordernissen für Sehkomfort und Sehleistung für Menschen mit normalem Sehvermögen gerecht werden.“ Oder sind es zwei Mängel?
Zum einen wusste man auch vor 50 Jahren, dass Sehleistung für den größten Teil der Arbeitnehmer keine Rolle spielt, was die Beleuchtungsstärke angeht. Das hatte man experimentell festgestellt, so etwa 1961, insbesondere für Büromenschen. Deswegen war die Grundlage deutscher Normen zur Beleuchtung von Arbeitsstätten das Erscheinungsbild des Arbeitsraums. So hieß es 1971 (der Autor war maßgeblich an der Erarbeitung der Normen der Reihe DIN 5035 beteiligt, wenn nicht bestimmend):
Jetzt soll die Grundlage Sehleistung sein? Merkwürdig, wo doch die Angaben über die Beleuchtungsstärke so ähnlich sind? Und ganz ähnlich wie früher klingt die Angabe der Beglückten: „… für Menschen mit normalem Sehvermögen gerecht …?“ Was machen dann die anderen? Gucken sie in die Röhre?
So müsste die Angabe der Zielgruppe in der Norm heißen, wenn sie gesetzeskonform ist: „Die Beleuchtung muss … den Bedürfnissen der Menschen für die Gestaltung der visuellen Umgebung gerecht werden. Im Falle von Arbeitsstätten umfasst die Zielgruppe Personen mit einem Alter zwischen 16 und 65 Jahren, von denen ein überwiegender Teil eine Sehhilfe trägt: …“ Wenn in den kommenden Jahren das Renteneintrittsalter höher wird, muss die Zielgruppe anders heißen. So hat neulich mein Ausschuss eine Norm zu Smart Metern und Elektromobilität verabschiedet, deren Zielgruppe jeder Mensch aus der EU ist, der einen Vertrag mit einem Stromversorger abschließen darf. Es genügt nicht, wenn nur junge Leute mit gesunden Augen ihren Stromzähler ablesen können oder ihre Autobatterie richtig aufladen können.
Wem und was nützen Normen, die für Menschen mit normalem Sehvermögen gelten, wenn in manchen Bereichen bis zu 70% der Arbeitnehmer Brillenträger sind?
07.08.2014
Vorgestern hatte ich mit Zahlen aus einem Buch belegt, wie es um die Beziehung von Lichttechnik und Ergonomie bzw. Human Factors steht (Tabelle wieder unten). Es steht nicht gut. Heute habe ich mir das Zahlenwerk noch einmal angesehen. Für die traditionelle Lichttechnik steht es auch nicht so gut. Wie ich dazu komme?
Wenn hierzulande Experten über Licht reden, dauert es keine ganze Minute und einer sagt etwas von Lux, meistens gefolgt von einer Zahl, nämlich 500. Sie scheint eine Naturkonstante zu sein. Mit dieser Zahl wird die „Stärke“ der Beleuchtung charakterisiert, und deswegen heißt die Größe „Beleuchtungsstärke“. Zwar kann man die Stärke, d.h. die Intensität der Beleuchtung ohne die Richtung des Lichts, woher es kommt oder wohin es fliegt, gar nicht charakterisieren, weil die Menge weniger wichtig ist als die Richtung. Was nützt mir 10.000 Lux auf dem Hinterkopf, wenn ich das Gesicht davor sehen will?
Dennoch hat sich unsere Fachwelt darauf geeinigt, aus einem Vektor einen Skalar zu machen, indem man die Richtung fest vorgibt und nicht mehr erwähnt. Licht kommt immer von oben - und geht nach unten. Da die Lichttechnik Jahrzehnte lang versucht hat, die Natur nachzuahmen, muss diese Richtung etwas damit zu tun haben. Steht die Sonne bei uns nicht dauernd im Zenit? Leider nicht. Das tut sie in den Tropen, aber auch dort recht selten. An den Wendekreisen macht sie es gar nur einmal im Jahr, und das nur mittags. Dafür stehen unsere Sonnen, die elektrischen Leuchten, stets auf dem Zenit, sprich an der Decke. Das ist kein Naturgesetz, und es ist in Wohnräumen lange nicht mehr die Regel. Nur in Arbeitsstätten fällt das Licht immer von der Decke nach unten.
Egal, deutsche Lichttechniker können nicht ohne die 500 lx horizontal! Was denkt wohl der Autor des analysierten Buches? Siehe da! Das Wort Leuchtdichte - d.h. dessen englische Version - ist das zweithäufigste Wort, wenn man von „the“ oder „of“ absieht. Man müsste eigentlich noch zwei oder drei Begriffe hinzuzählen, die in der Tabelle nicht enthalten sind, weil dazu die deutschen Pendants fehlen, z.B. „Lightness“ oder „Luminous exitance“. Dann käme „Leuchtdichte“ oder was die bedeuten soll, an die erste Stelle. In der Straßenbeleuchtung ist sie seit Jahrzehnten das Maß aller Dinge, d.h. die Lichtplanung erfolgt auf der Basis dieser Größe. Immer wenn man Lichtwirkungen beschreiben will, kommt man an der Leuchtdichte nicht vorbei.
Ich bin bislang bei allen Gremien und Fachleuten abgeblitzt mit dem Anliegen, die Leuchtdichte als Maßstab für die Beleuchtung allgemein einzuführen. Die Idee ist weder neu noch von mir. Als sie in der Straßenbeleuchtung eingeführt wurde, war ich noch ein kleiner Schüler. Und mancher, bei dem ich abgeblitzt bin, hatte die damalige Entscheidung mitgetragen oder gar mit herbeigeführt. So what?
Schlichte Erkenntnis: Wenn Du den herrschenden Interessen zuwiderhandelst, blitzt du ab, auch wenn du recht hast. Oder der Blitz trifft dich. Etwas schwerer zu verstehen: Das herrschende Interesse betrifft auch mich, weil es meinen Beruf wahrscheinlich so nicht gegeben hätte, wenn man sich nicht einfache Regeln oder Größen ausgesucht hätte, die den Welthandel mit „Licht“ ermöglichen. Die "wahre" Grundgröße ist Lumen (lm). Daran misst man z.B., ob man seine Energie sinnvoll eingesetzt hat oder nicht (lm/W ist wieder in aller Munde, s LED-Diskussion überall). Ob man die Lumen an der Decke vernünftig auf die Arbeitsplätze verteilt hat (lm/m²), liest man an der Beleuchtungsstärke (lx). Also? Die Größe (Horizontal-)Beleuchtungsstärke dient zum Nachweis der Erfüllung des Auftrags durch den Planer. Mit der Leuchtdichte kann erstens kein Laie etwas anfangen. Und zweitens: sie ist verdammt schwer nachzumessen.
So weit, so gut. Dumm ist nur, dass es nicht erst seit vorgestern fast unwichtig ist, wie viel Licht auf der Arbeitsfläche ankommt, seit wir ein Übermaß an Licht erzeugen können. Das stets angeführte Argument der Sicherheit und des Arbeitsschutzes sollte man am besten auch vergessen. 1 lx (in Worten EIN LUX) reicht, um eine Arbeitsstätte sicher zu evakuieren. Dass die Sehleistung ziemlich egal ist, sofern es sich nicht um anspruchsvolle Sehaufgaben handelt, wusste man bereits 1960 (!). Deswegen suchte man in den 1970ern nach einem Kriterium für die Festlegung von Beleuchtungen und fand als Kriterium…? Das Erscheinungsbild der gebauten Umgebung. Und diese wird nicht durch die Beleuchtungsstärke bestimmt, sondern durch die Verteilung von Leuchtdichten und Farben. Bestimmt! Dumm nur, dass man sich viel Mühe geben muss, um einem Auftraggeber dies zu dokumentieren.
eigentlich sollte man lieber in der Vergangenheitsform sprechen. Moderne Rendering- und Simulationsverfahren auf Basis von Raytracing und Light Tracing (insbesondere Path Tracing und Bidirectional Path Tracing) haben die lichttechnische Planung revolutioniert, da sie die physikalische Ausbreitung von Licht exakt nachbilden. Obwohl Light Tracing Leuchtdichten im Raum punktgenau und fotorealistisch berechnen kann, bleibt die Beleuchtungsstärke (Em in Lux) in Normen wie der DIN EN 12464-1 oder der ASR A3.4 weiterhin der primäre rechtliche Vorgabewert für Arbeitsstätten.
30.05.2014
Über Kinderfahrräder, die bereits am Tage bei Sonnenschein blenden, wurde in diesem Blog schon mehrfach berichtet. Nicht soo schlimm - nur ein bisschen unangenehm? Über die schlimmen Folgen des LED-Hype wurde allerdings nichts erzählt, weil die über das „nicht-so-schlimm“ weit hinausreichen.
Die Rede ist vom Tagfahrlicht, einer Sache. die entschieden schien. Sie kam aus dem Norden zu uns, wo man zu bestimmten Zeiten Tag von der Nacht nicht unterscheiden kann. Also fuhren die Autos dort mit Licht. Später sagte man sich: „Warum nicht immer?“. So wurde das Tagfahrlicht geboren. Dagegen hielten nur diejenigen, die um die Sicherheit der Motorradfahrer besorgt waren. Diese nämlich waren die einzigen Teilnehmer am öffentlichen Verkehr, die auch tagsüber mit Licht fuhren, damit man sie gleich erkennt. Fahren alle Teilnehmer mit Licht, fallen die Motorräder weniger auf bzw. gar nicht. Ach, ja, Motorradfahren ist eh gefährlich. Was machen ein paar Tote mehr schon aus?
Nun will - nein, muss - alles Volk tagsüber mit Licht fahren. Natürlich, sofern man dies kann. Abgesehen von der Schweiz, wo man auch Pferde mit bunten Stopplichtern versehen haben soll, gibt es in Europa Verkehrsteilnehmer, die kein Tagfahrlicht tragen wollen oder können. Dazu gehören Fussgänger, darunter Kinder. Wo liegt das Problem?
Licht ist gut - mehr Licht ist besser … Helles Licht ist gut, helleres Licht ist viel besser … und so weiter, weiter… Am Ende kommt LED oder richtiges Laserlicht – heller, besser, effizienter. Damit kann man Autos so ausstaffieren, dass auch der Dööfste im schlimmsten Tohuwabohu auf der Straße einen sofort sieht. Das steigert die Verkehrssicherheit – so die herrschende Meinung!
Dummerweise gibt es auch eine Theorie über den Informationsgehalt von Objekten, die besagt: „Je seltener ein Ereignis, desto größer der Gehalt an Information“. Will sagen, was seltener vorkommt als andere, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Davon leben z.B. die schrillen Typen, die sich bewusst anders anziehen als das „Volk“ - Paris Hilton oder Boy George oder ähnliche Figuren. Zudem gibt es noch eine Erkenntnis aus dem Fach „Populationsstereotypie“ oder schlicht Ergonomie, die besagt: „heller bzw. kontrastreicher ist bedeutsamer“. So fallen auf unseren Straßen die Autos mit den schicken neuen LEDs oder Lasern jedem sofort auf, was durchaus den Intentionen der Hersteller und deren Käufer entspricht. Zu dumm nur, dass nicht alle gleichzeitig auffallen können. Siehe Informationstheorie bzw. Las Vegas Effekt. Wenn alle glitzern, fällt keiner mehr auf. Oder alle gleichzeitig.
Noch dümmer: Die gefährlichsten Objekte im Straßenverkehr sind nicht notwendigerweise die Autos der Reichen, sondern viele andere Vehikel, die (noch nicht) mit dem gleißenden Licht ausgestattet sind. So z.B. kann ein Fahrrad tödlicher sein als ein Auto, weil man erstens das Fahrrad nicht hört und zweitens dessen Lenker keinen Führerschein besitzt. Zudem fährt dieser womöglich auf dem Bürgersteig und denkt nicht an brüderliches (schwesterliches) Teilen. So scheint es plausibel, dass die schönen hellen Lichter der Autos bei Tage die Verkehrssicherheit untergraben statt zu fördern. Unbeleuchtete Kinder, die zudem in gleißendes Laserlicht schauen, morgens auf dem Schulweg, scheinen doppelt gefährdet.
Eine Initiative, die dies stoppen will, begründet ihre Argumente hier (Link führt zu Lightmare). Artikel zur Förderung der Verkehrsunsicherheit finden Sie da. Warum ein Professor für Augenheilkunde der LED den Heiligen Krieg erklärt hat, kann man hier gut verstehen lernen (Link führt zu Videos über Lichtverschmutzung).
LED - eine strahlende Zukunft? Erst einmal gefährdet sie den Verkehr und die Kinder. So steht es geschrieben. Wer sich ein genaues Bild machen will, kann von diesen Adressen aus weiter forschen:
hier lightmare.org
hier Tirol Kompetenzzentrum für Lichtverschmutzung und Nachthimmel
Wer nicht forscht, kann bald der Dumme sein: Wer den Zeitgeist heiratet, ist bald Witwe(r).
23.03.2014
Heute las ich das Heft Nummer 1/2014 der Zeitschrift „dasbüro“, das „Magazin für Office-Excellence“. Meiner Meinung nach dürfte es sie nicht geben, weil wir das exzellente Office bereits Anfang der 1970er Jahre erfunden hatten. Warum gibt es eine offensichtlich überflüssige Zeitschrift immer noch? Oder wieder? Das steht in dem gerade gelesenen Heft auf Seite 6 unter News. Für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die wichtige Nachricht gescannt:
Nanu? Warum wollen sie denn nicht dorthin? Nur 1 % der Büromitarbeiter wollen ins Großraumbüro. Wieso fragt man die Menschen nach etwas, das es nicht gibt? Ich wundere mich, weil es bekanntlich nur noch das Open Space gibt. Und das ist nach führender Meinung von Büroexperten zukunftsträchtig. Das Wort Großraumbüro ist als Begriff verbrannt. Deswegen wollen die Kreativen nur noch Open Space bauen. (Die Bilder von alten Großraumbüros stammen alle von dem Architekten, der sie gebaut hatte. Er meint, dass sie schöne Bürolandschaften darstellen.
So dachten wir in der Lichttechnik Ende der 1960er auch. Nur hieß das Traumbüro damals Großraum. Führende Bürohausarchitekten, führende Büroplaner, führende … – ach, was alles, was führend war, kam damals zusammen und war sich darin einig, dass die Zukunft des deutschen Büros im Großraum liegt. Ob wir die Einsicht von oben bekommen hatten, oder eher als Folge der eigenen Unwissenheit über die Geschichte des Büros selbst generiert, sei dahingestellt. Ich denke, der wahre Grund war: Ein Großraumbüro würde ohne Technik nicht funktionieren, und ich war in einem Fachgebiet tätig, in dem führende Köpfe der nötigen Techniken (technische Akustik, Klimatechnik, Lichttechnik, Architektur etc.) führend tätig waren. Es würde für uns viel zu tun geben, und wir fingen früher an, als die Leute das Kommende erahnen konnten.
Wir wollten nicht nur das Herkömmliche nachahmen, so wie es die „Vorfahren“ taten, so z.B. die, die diese Idee entwickelten:
oder jene, auch nicht schlecht:
Nein, es sollte alles besser werden, als die Natur es hergibt. Als Erstes sollten die Fenster abgeschafft werden, weil man ohne sie besser klimatisieren und beleuchten kann. Wozu braucht man Fenster? Die einen sagten, für die Sichtverbindung nach außen. Die anderen sagten, die braucht man nicht, man ist ja zum Arbeiten da, nicht um herumzugucken.
Stimmt. So wurde etwa 1970 prophezeit, in fünf Jahren würden alle deutschen Büromenschen in Großraumbüros arbeiten. Das hat nicht einmal diejenige Organisation in Frage gestellt, die für die Sicherheit und Gesundheit der Büromenschen in Deutschland zuständig ist: Die Berufsgenossenschaft der Banken und Versicherungen (VBG). Sie saß selber in einem der Bürohäuser, die nach den damaligen Ideen top waren: In Hamburg, City Nord, Überseering. So wie City Nord sollte es später in ganz Deutschland aussehen.
An dem, was später kam, lässt sich begründen, warum sich nur 1 % der deutschen Büromenschen nach einem Großraumbüro sehnen: Die VBG zog aus City Nord in die Innenstadt, in das Levante Haus, mit einem Paternoster als Hebezeug für alle. Später zog sie in einen Neubaukomplex mit kleinen Zellenbüros. Keine ihrer Dienststellen in der Republik ist in einem Großraumbüro untergebracht.
Und was macht ihr altes Bürohaus? In Wikipedia steht: „2002 gab es einen Senatsbeschluss zur Wiederbelebung der Bürostadt. …“ Und vorher: „Die Veränderung von Arbeitsabläufen, insbesondere durch die Einführung von Bildschirmarbeitsplätzen hervorgerufen, gilt das Konzept des Großraumbüros weitgehend überholt. In den 90er Jahren erlebte die City Nord, deren Gebäude zum Großteil auf Großraum ausgelegt waren, einen Imageverlust. Unternehmen zogen weg, es kam zu größeren Leerständen. Die Eigentümer reagierten mit großen Investitionen in ihre Häuser. Vielorts ist der Großraum Einzelbüros gewichen. Nicht erhaltenswerte Gebäude wurden abgerissen, Neubauten entstanden…“
Wo lag eigentlich das Problem? Was haben wir damit zu tun? Langsam zum Mitschreiben: Die Klimatechnik behauptete seinerzeit, die Bedürfnisse des Menschen seien etwa 1935 bekannt gewesen, es ginge nur um die Umsetzung in Technik. Die Lichttechnik frönte ebenfalls einem Konzept aus den 1930ern: Allgemeinbeleuchtung. Und die Akustik wurde erst gar nicht gefragt. Büroplanung findet traditionell ohne sie statt, sie kommt erst später dran. Und kann daher entsprechend wenig ausrichten.
Was fehlt dem Menschen in Open Space, Pardon, im Großraumbüro: Ich denke: Kontrolle, d.h. effektive Einflussnahme auf relevante Umgebungsbedingungen nach individuellen Bedürfnissen.
Wie bringt man das bloß Leuten bei, dass die Hersteller durch die Normung selbst den Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Gebäude entziehen wollen?
15.03.2014
Gestern erlebte ich einen tollen Raum, der mich dazu bewegt, alle Kritik an den lichttechnischen Normen erst einmal zu vergessen, die ich gerne schreibe. Der Raum gehört zu einem preisgekrönten Haus und liegt dort im Vorstandsbereich. Also in den Bereich, in dem man kein Geld spart, damit sich der Vorstand wohlfühlt. Ich musste gestern vor den anderen hinein, um eine Präsentation vorzubereiten. Danach kamen etwa 60 Leute, denen ich auch etwas über schlechtes Licht erzählen wollte.
Man konnte sich alles sparen - oder die Veranstaltung zu einer über die Meriten der Lichttechnik umwidmen. Eine Satireveranstaltung über einen Architekten abzuhalten, der wohl seine Auftraggeber quälen wollte, wäre auch keine schlechte Idee. Dumm nur, dass der Architekt ein Sohn der Stadt ist, auf den sie stolz ist.
Erst einmal der Raum: Großer Saal mit großen Fenstern und Tageslicht sogar von der Dachluke direkt auf den Kopf des Vorsitzenden. Gesundes Licht mit Glühlampen, schön abgeschirmt, damit kein Auge der hohen Herren auch nur näherungsweise Blendung empfindet. Möbel edelst ausgestattet. Damit man Dias oder gar Bilder vom Epidiaskop störungsfrei projizieren kann, alles sogar lichtdicht abdunkelbar. Also schöner geht es nimmer.
Als ich alleine da saß, blendete mich der schöne Frühlingstag draußen fürchterlich. Dabei liebe ich das Tageslicht. Und verbringe zuweilen Mittagstunden auf tropischen Inseln im Freien. Ohne Sonnenbrille. Was war in diesem Raum? Alle Raumbegrenzungsflächen waren entweder schwarz oder fast schwarz oder sahen schwarz aus, weil kein Licht darauf fiel. Ich weiß nicht, wann ich gelernt habe, dass die Leuchtdichten im Gesichtsfeld balanciert sein sollen. Es war aber nicht erst in der dritten Vorlesungsstunde bei Lichttechnik. Ich schätze mal, Innenarchitekten kannten solche Vorstellungen vor meiner Geburt. Chinesen vielleicht im zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt - Feng Shui …
Dass das Auge Flächen über ihre Leuchtdichte sieht und deswegen auf diese geachtet werden möge (Beleuchtungsstärke mal Reflexionsgrad), habe ich spätestens in der vierten Stunde bei unserem Lichtprofessor gelernt. Das war übrigens ca. 9 Jahre vor der Fertigstellung des besagten Raumes.
An der sehr interessant geformten Decke hingen ganze Batterien von Downlights mit Reflektorglühlampen. Schön … teuer und nutzlos, weil das Einzige, was sie können, ist blenden. Ansonsten sieht man ein Glimmen in einem schwarzen Rohr. Als Student hatte ich ähnliche Objekte gemessen und eine Schelte vom Professor eingefangen, weil die Messwerte unmöglich hätten stimmen können. Der Leuchtenwirkungsgrad lag so bei 20%. Da Glühlampen bekanntlich bei der Umwandlung von Strom in Licht nicht gerade kleinlich sind, schätze ich mal, dass etwa 1% der eingespeisten Energie das Gebilde als Licht verlassen kann. Nicht schlecht, wenn man das eine Prozent sinnvoll aufwenden könnte. Auch das war aber nicht möglich, weil der Fußboden fast schwarz war. Zwar kann man auf einem Blatt Papier etwas lesen, wenn es auf einem der Tische platziert ist. Aber angenehm heißt anders.
Noch schöner als die Downlights schienen die Strahler, die nach oben gerichtet waren und somit eine fast schwarze Decke getroffen haben bzw. treffen, bis man sie abschaltet. Besser kann man Energievernichtung nicht darstellen.
Optisch gesehen fühlte sich diese Wohlfühloase an wie unser Lichtlabor, in dem alles Licht so gerichtet ist, dass es keine hellen Flecken verursachen kann, so es überhaupt da sein darf. Nach einem Tag in einer solchen Umgebung weiß man nicht, ob es draußen Winter oder Donnerstag ist. Man verbringt dort aber nicht den ganzen Tag. Zum anderen fehlen dort die Störungen durch das Tageslicht und die Sonne.
Unangenehmer als ein Dunkelraum im Labor - das muss man können! Der Architekt konnte aber noch mehr „Wohlfühl“! Der Raum soll in der wärmeren Jahreszeit etwa Temperaturen wie in Finnland erreichen – ich meine, wie in gewissen Einrichtungen dort. Macht nix, Vorstände sind zwischen April und Oktober eh nur an der Riviera an der Promenade anzutreffen.
Ich lasse meine Normensammlung zu einem dicken Buch zusammenbinden. Den kriegt der nächste Kreative an den Kopf geschmissen, der mit seinen Super-Konzepten mir über den Weg läuft. Wenn er die Sache überlebt, darf er weitermachen.