Licht und Ökologie

01.09.2012

DAUERLICHT FÜR 50.000 STUNDEN

Ob es jemand weiß, wie lange 50.000 Stunden dauern? So lange soll eine LED-Lampe nämlich halten, wenn sie hält, was sie verspricht. Mir war vor 5 Jahren in den USA aufgefallen, dass viele Verkehrsampeln tote LEDs enthielten. So lange gibt es aber keine LEDs, mit denen man Beleuchtung betreibt. Denn 50.000 h sind rund 5,8 Jahre ununterbrochener Betrieb. Da Ampeln ja maximal die Hälfte der Zeit an sind (in der anderen Hälfte ist die andere Farbe dran), dauert es 11,6 Jahre, bis die Ampel ausfallen darf. 

Als ich meine Verwunderung einigen Fachleuten erzählte, sagten diese sofort, es gäbe ein thermisches Problem. So kam es wohl bei einer Segeljacht dazu, dass die kaum ein Jahr alten LEDs zu einem erheblichen Teil ausgefallen waren. Die Restlichen glimmten vor sich hin oder flackerten. 

Kann ja sein, dass der Besitzer der Jacht Geld gespart hat. Hätte er bei Stiftung Warentest gelesen, bevor er sich an den Einkauf gemacht hat, hätte er was Besseres eingebaut. Die Stiftung hat pünktlich zum Fest, ich meine zur Abschaffung der Glühlampe, einen Testbericht über lohnende Alternativen veröffentlicht. Hätte unser Jachtbesitzer z.B. etwas Geld locker gemacht und eine PAULMANN LED für rund 20,-- gekauft, wüsste er, was Qualität heißt. Das gute Stück hat sein Leben nach weniger als 500 Stunden ausgehaucht. Kein Wunder – LED ist Zukunftstechnik. Erst leuchtet sie ein bisschen, dann wird sie irgendwann mal 50.000 Stunden leuchten.

Also waren 20 € zu wenig, um Qualität zu kaufen. Man greife nach der teuersten LED im Test. Die kostet 26,20 €. Da muss Qualität drin sein. Nicht nur das - die Lampe ist intelligent dazu. Sie hat sich, immer wenn es warm wurde, einfach abgeschaltet. 16East Crystal LED heißt das gute Stück.

Dem Testbericht habe ich noch entnommen, dass es besonders gute Lampen aus früheren Tests gibt. So auch Osram Parathom Pro Classic A 80 für schlappe 42,00 € oder Philips MyAmbiance dimmable für sogar 2 € weniger. Die Letztere lässt sich sogar dimmen.

 

Da weint keiner der Glühlampe nach, die man im Sixpack für 2 € kaufen konnte und dimmen mit einem trivialen Widerstand. Komfortable Geräte der Marke Intimat (Siemens) kosteten auch nicht die Welt. Man sieht, dass Sparen sich lohnt.

Hier die Links zu den Artikeln im Tagesspiegel und in der Morgenpost:

Nach dem Glühbirnen-Verbot Energiesparlampen enttäuschen
Wie gut die Alternativen zur Glühlampe sind

Licht und Kinder

21.07.2012

KINDER ALS VERSUCHSOBJEKT NOCH EINMAL

Gestern hatte ich das Blaue Wunder aus Hamburg dargestellt (das Video steht in der ARD-Mediathek nur noch 6 Tage zur Verfügung, bitte nicht versäumen). Heute habe ich noch Lustigeres erfahren. Wo? Das verrate ich sehr gerne: Ein Professor, der sich „Nutzerzentrierten Technologien“ verschrieben hat, hat in einem seriösen wissenschaftlichen Beitrag eine Literaturstelle zitiert, der ich gerne nachgefolgt bin. Es geht um die Dynamik des Lichts für Schulen. Wie trägt man die doofen deutschen Schüler auf den Pisa-Gipfel? Pardon, es geht nur um die Nordlichter, denn auch dieser Beitrag stammt aus dem hohen Norden, aus Kiel. Macht doch nichts. Auch Nordlichter wollen große Leuchten werden!

Diesmal geht es nicht mehr allein um dynamisches Licht und dynamisierte Schulkinder, sondern auch um die Energieeffizienz. Uns hatten die Leute aus der Hamburger Verwaltung ins Ohr geflüstert, dass das dynamische Licht so etwa 2,5 mal so viel Strom erfordere als die gute alte statische Beleuchtung. Sie müssen sich fürchterlich geirrt haben. Denn die Literaturstelle zeigt, dass die keinen blassen Schimmer von Tuten und auch sonst nicht haben. Der Beitrag „School Vision Dynamisches Licht und energieeffiziente Beleuchtung in Schulen“ auf dem Energieworkshop für Schulen in Kiel (2010) weist eindeutig nach, dass „Die Beleuchtungsanlage Dynamisches Licht EnEV-konform ist!“ Ich weiß zwar immer noch nicht, wie das gehen soll, wenn man blaues Licht erzeugen will, aber man kann es selber lesen. Irgendwie muss es gehen, wenn genug Geld dahintersteckt. Wenn das Projekt "School Vision …" heißt und sich auch noch mit der "energieeffizienten" Beleuchtung beschäftigt, dürfte das Geld kräftig sprudeln. Ich habe den Beweis gefunden, dass der Segen der dynamischen Beleuchtung nicht nur bei den Nordlichtern in Germanien ankommt, sondern über alle Länder niedergeht. "School Vision" soll wohl das Schlagwort für die Schulbeleuchtung allgemein werden.

Was von Hamburger Schülern unter der altmodischen Beleuchtung zu halten ist, hat die Autorin treffend dargestellt:

Nun kommt das EnEV-konforme energieeffiziente dynamische Licht ins Spiel (das Bild gab es schon einmal, aber nie so schön)

Und Nu? Das Wunder ist perfekt: Es heißt: Die Universitätsklinik (UKE) in Hamburg hat eine wissenschaftliche Studie mit Dynamischem Licht in Schulen durchgeführt. Die Beleuchtung kommt von P. ...!

• Das Ergebnis belegt:

Schön, dass die Schulkinder kaum mehr Bewegungsunruhe zeigen. Gestern hatte der Professor, der das Ganze angezettelt hat, noch von 20 % gesprochen. Wer wissen will, welche 20 % er gemeint hat, kann sich das Video noch einmal ansehen. Ist ja richtig sehenswert. Heute sind es satte 35% bei der Lesegeschwindigkeit, und 45% weniger Fehler bei einem Test. Und vor allem: Die Kinder werden endlich ruhiger!

Wer sich für den Test interessiert, bei dem das blaue Licht um 45% besser abschneidet: Es handelt sich hierbei um den d2-Aufmerksamkeits-Belastungs-Test von Rolf Brickenkamp und er ist für Personen von 9 bis 60 Jahren validiert. Nicht für die 8-jährigen Teilnehmer dieser Studie. Ach was, wer wird denn so pingelig sein? Und es ergibt 7 Kriterien, nach denen das Ergebnis bewertet wird, nicht nur die Fehlerhäufigkeit. Wo sind die anderen geblieben? Auch so eine pingelige Frage!

Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass die Fehlerskalen weniger reliabel sind (man frage Prof. Dr. G. H. Franke/S. Jäger, M.Sc. Hochschule Magdeburg/Stendal). Ach was! Solche Leute vermiesen einem aber alles.

Und die beiden Herrschaften, die das Testverfahren geprüft haben, sagen aus: „d2 bildet lediglich Tempo und Sorgfalt des Arbeitsverhaltens bei der Unterscheidung ähnlicher visueller Reize ab." Heißt so viel wie: Der Test ist auch von der visuellen Umgebung abhängig. Hat man den Test unter gleichen visuellen Bedingungen durchgeführt? Wie sollte man denn? Gerade die wurden geändert.

Uns hatte Brickenkamp vor langer Zeit angegeben, dass der Test einen sehr starken Lerneffekt aufweist. So um die 25% …

Wer sich die Studie näher anschaut, wird herausfinden, dass die erforderliche Validität geprüft worden ist, allerdings mit Erwachsenen! Eine Studie mit Grundschulkindern validieren mit Erwachsenen? So viel zur Methodik. (In dem Kasten rechts ist eine Kurzfassung einer US-amerikanischen Replikation der Studie zu lesen. Die Originalquelle ist als Volltext verfügbar.)

Solche Dinge kümmern Leute nicht, die Produkte zu verkaufen haben. Warum sollten sie auch, wenn vom Staat besoldete Professoren im Fernsehen Licht statt Espresso predigen? (Bitte Video noch einmal ansehen) Man nehme an, das stimmt. Wer möchte um die 16 Stunden am Tag einen Espresso trinken? 

 

Dazu sagt die US-amerikanische Replikation der Studie (Illuminating the Effects of Dynamic Lighting on Student Learning von Michael S. Mott, Daniel H. Robinson, Ashley Walden, Jodie Burnette, and Angela S. Rutherford): 

In jüngsten Forschungsarbeiten wurden die Beleuchtungsvariablen Farbtemperatur und Beleuchtungsstärke hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Schlaf, Stimmung, Fokus, Motivation, Konzentration sowie Arbeits- und Schulleistung untersucht. … Insgesamt 84 Drittklässler wurden entweder einer „Fokus“-Beleuchtung (6000 K, durchschnittlich 100 fc) oder einer normalen Beleuchtung ausgesetzt. Die Fokus-Beleuchtung führte zu einem höheren prozentualen Anstieg der Leseflüssigkeit beim Vorlesen (36 %) als die Kontrollbeleuchtung (17 %). Hinsichtlich Motivation oder Konzentration wurden keine Auswirkungen der Beleuchtung festgestellt, 

Bei Fehlern und Intelligenz fand man wohl nichts, weil bereits das Suchen überflüssig war.

Die Schüler haben in der Testsituation schneller gelesen. Bei der dynamischen Beleuchtung lasen sie etwas schneller. das war alles.

Licht und Gesundheit

20.07.2012

KINDER ALS VERSUCHSOBJEKT RELOADED

Gestern Abend zeigte die ARD die neueste Folge der Show der großen Naturwunder. Zu denen gehören die Kinder aus Hamburg, über die in diesem Blog mehrfach berichtet wurde. Die werden durch das Blaulicht einfach um 20 % intelligenter. Wer davor noch geguckt hatte, hatte gelernt, dass das Stachelschwein nicht mit den Stacheln schießt und am liebsten Obst isst.

Der Unsinn hat es in die große ARD-Unterhaltung geschafft. Ein Inder, der es auch ohne Bestrahlung nach oben geschafft hat, Ranga Yogeshwar, interviewt mit total ernsthafter Miene den Professor für Psychiatrie, der den Versuch in immer weitere Kreise verkauft.

Der Traum des deutschen Lehrers wird wahr: Man braucht nur den Knopf „Aktivieren“ zu drücken, schon sind die Kinder 20% intelligenter. Wenn die Saublagen zu viel Krach machen, dann Knopf 4 drücken:: Das beruhigt. Sollen sie sich konzentrieren, dann Knopf 3, z.B. auf den unbeschreiblichen Unsinn, der verbreitet wird: Auf Anfrage von Yogeshwar, dem die Sache nicht so glaubhaft scheint, erzählt der Professor, dass die Umstimmung praktisch sofort erfolgt. Schneller als das Zubereiten einer Tasse Nescafé. Nesstimmung also.

Bleibt noch zu ergänzen: Der Professor erklärte, wodurch das Wunder geschieht, durch Melatoninerzeugung. Als wir ihn vor drei Jahren zu einer Anhörung gezwungen hatten, hatte er dort erzählt, er wüsste nichts von hormonellen Wirkungen. Und das vor großem Publikum. Danach haben wir die zuständige Ethikkommission eingeschaltet, weil es sich um ein medizinisches Experiment mit gesunden Kindern gehandelt hatte. Der muss er auch erzählt haben, dass es sich nicht um ein solches gehandelt hat. Jetzt erzählt er vor 15,6 % des deutschen Fernsehpublikums (Einschaltquote, vermutlich waren alle 15,6% wach, weil dieser Teil ziemlich zu Beginn gezeigt wurde), dass man Hormone per Knopfdruck umstellen kann. Großer Applaus vom Studiopublikum.

Zudem erzählt er in dem Film, dass es drei Schulen mit über 100 Schülern gewesen seien. Das hatte er vor drei Jahren auch erzählt, bis eine der drei Schulen widersprach. Sie hatte den Versuch nicht mitgemacht. Daraufhin wurden die Daten in dem Forschungsbericht reduziert, zwei anstelle von drei Schulen, 116 Kinder anstelle von 166. Dann wurde die Sache in einer ernsthaften Zeitschrift veröffentlicht. Es waren 89 Schüler. Gestern im Fernsehen waren es wieder über 100. Zahlen sind Schall und Rauch. Man soll die Daten nicht überstrapazieren - hatte ich von den Jüngern eines anderen Gurus aus der Medizin erfahren, als ich denen Diskrepanzen in ihren Studien vorgeführt hatte. 

Der Herr Professor erklärt sogar den Erfolg von Talkmastern und Talkmasterinnen mit der Farbe, die immer schön warm ist. Das beruhigt! Von Farbpsychologie hat er wohl nichts gehört. Kann wirklich stimmen, Psychiater studieren keine Psychologie, sondern Krankheiten der Seele als Mediziner. Und Mediziner kennen am besten die Farbe des G… (Verzeihung)

Am Ende fragte der Moderator, Frank Elstner, ob es sein kann, dass er durchs Abi durchgerasselt war, weil er schlechtes Licht hatte. Ob die Hamburger Kinder es so weit kriegen werden wie Frank Elstner? Ach was, 20% besser werden sie allemal sein. Dank einer Blaulichtberieselung. 

Die Sendung ist für 7 Tage in der ARD Mediathek zu sehen. Für wissenschaftliche Zwecke habe ich einen Teil ausgeschnitten und dabei Stachelschwein und die rechnenden Wunderküken weggelassen. Die sind aber sehenswert. Die nachfolgende Szene ist bestenfalls für den Psychiater geeignet, den alle aufsuchen sollten, die den Unsinn glauben.

Licht und Sicht

02.07.2012

MACHT KAPUTT, ABER NICHT ALLES!

Gestern musste ich über die neue Arbeitsstättenverordnung sinnieren. So neu ist sie auch wieder nicht, aber sie ist vielen immer noch fremd, obwohl sie 2004 veröffentlicht wurde. Die Mitarbeiter der DGUV, so heißen die ehemaligen Berufsgenossenschaften heute, die den Betrieben auch mal Auflagen machen müssen, können sich nicht mehr auf die ArbStättV berufen, in der z.B. zu lesen stand: „Die freie unverstellte Fläche am Arbeitsplatz muß so bemessen sein, daß sich die Arbeitnehmer bei ihrer Tätigkeit unbehindert bewegen können. Für jeden Arbeitnehmer muß an seinem Arbeitsplatz mindestens eine freie Bewegungsfläche von 1,50 m² zur Verfügung stehen. Die freie Bewegungsfläche soll an keiner Stelle weniger als 1,00 m breit sein.“, sondern „Die freie unverstellte Fläche am Arbeitsplatz muss so bemessen sein, dass sich die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit ungehindert bewegen können.“ Die Maße sind also entfallen. So etwas nennt man Deregulierung und sie soll Leuten helfen, die von Vorschriften stranguliert wurden. Tolle Sache! Wie sie funktionieren kann, sieht man an den Banken. Durch die Deregulierung der Finanzmärkte hatten sie endlich die Freiheit, nicht nur sich selbst zu versenken, sondern etliche einst stolze Volkswirtschaften mit. Die allergrößte Volkswirtschaft aller Zeiten wackelt immer noch. So musste dieser Tage unsere die Freiheit über alles liebende FDP einer neuen Steuer zustimmen, die Jürgen Trittin im Bundestag mit den Worten kommentierte: „Das ist, als wenn der Papst mit Volker Beck auf Christopher Street Day für sexuelle Selbstbestimmung demonstriert.“ Die grenzenlose Freiheit der Banken dauerte keine zwei Jahrzehnte. Seit 2008 versuchen die Großkopferten der Politik, die Trümmer wegzuräumen. Mal sehen, welche Leichen noch drunter liegen.

Die Täter, die die ArbStättV hingerichtet haben, heißen Edi Stoiber und Wolfgang Clement. Ausgenutzt haben sie die Tatsache, dass die Bundesrepublik Deutschland für drei Jahre keinen Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung hatte. Clement war Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit und verstand seine Aufgaben genau in dieser Reihenfolge. (Mehr über sein Leben nach dem Austritt aus der SPD in Lobbipedia.) Zwar gilt die Neufassung der ArbStättV auch als Novum, weil sie viele überflüssige Festlegungen beseitigte und stattdessen die Gefährdungsanalyse einführte. Wenn man aber lang erprobte Bestimmungen wie "Verkehrswege für Fahrzeuge müssen in einem Abstand von mindestens 1,00 m an Türen und Toren, Durchgängen, Durchfahrten und Treppenaustritten vorbeiführen." durch "(4) Verkehrswege für Fahrzeuge müssen an Türen und Toren, Durchgängen, Fußgängerwegen und Treppenaustritten in ausreichendem Abstand vorbeiführen." ersetzt, erzeugt man innerbetriebliche Diskussionen, die am Ende wieder bei einem Meter enden. 

Bei der Renovierung der ArbStättV wurden nicht nur so überflüssige Maße wie die Breite des Bewegungsraums beseitigt. Wer braucht denn so was? Auch ein Alleinstellungsmerkmal der Republik fiel ihr zum Opfer: Die BRD ist das einzige Land der Erde gewesen, in dem jeder Arbeitnehmer ein gesetzlich verbrieftes Recht auf freie Sichtverbindung nach außen hatte. Seit 2004 gilt das nicht mehr. Wozu auch? Clements Klientel, z.B. die Leiharbeitsbranche, braucht keine Gesetze, die Leute begünstigen, die den ganzen Tag aus dem Fenster gucken. Das sollen die abends zu Hause. Mal sehen, wie lange  der Staat es durchhält, dass alle Deutschen gegen die Abschaffung der Sichtverbindung sind, deren Bedeutung höchstrichterlich bestätigt wurde.

So ganz ist der Coup doch nicht gelungen, die neue Vorschrift heißt immer noch „3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung“. Von Sichtverbindung nach außen ist indes leider, leider keine Rede mehr. Vielleicht darf man in die Röhre gucken? Das tut ein Arbeitnehmer sicherlich, wenn er klagt.

Eigentlich schade, denn als der Herr Ex-Bundesminister noch politischer Redakteur, Ressortleiter und stv. Chefredakteur der Westfälischen Rundschau war, hatte das Bundesland, das er später als Minister und Ministerpräsident lenken sollte, NRW, meinem früheren Chef, Prof. Jürgen Krochmann, viel Geld gegeben, um die Kommunikation mit der Außenwelt zu untersuchen. Die betreffende Studie haben Zeitgenossen auch mal als Zeitenwende bezeichnet.

Und? Was bringt u8ns das? Als das besagte Projekt lief, glaubte man andernorts und in der Wissenschaft, Fenster seien überflüssig, und nicht nur in Amerika, dem Land der unbegrenzten Absurditäten, sondern sogar in Berlin wurden Schulen ohne Fenster gebaut. NRW hingegen wollte eine gute Begründung für Fenster haben. Sie wurde geliefert und kam eben in die ArbStättV von 1975. Anderswo hat man sogar noch schlagkräftigere Argumente pro Sichtverbindung erarbeitet: Sowohl aus Korea als auch aus den USA gibt es Studien, die nachgewiesen haben, dass die Qualität der Aussicht nach außen die Heilung von Kranken beschleunigt, den Krankenhausaufenthalt verkürzt und den Konsum an Schmerzmitteln reduziert. (R.S. Ulrich: View through a window may influence recovery from surgery)

Bei so vielen gegenläufigen Erkenntnissen eine Vorschrift abzuschaffen, war mit Sicherheit nicht dadurch motiviert, dass dem Arbeitnehmer gedient werden sollte. Dem Arbeitgeber nützt die sicherlich auch nicht, weil auch der sich Sorgen um die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter macht. Bleibt die „Wirtschaft“! Wenn man Kranke mit guter Aussicht heilt, bzw. Gesunde gesund hält, wie füllt man die Krankenhäuser und die Kassen der Pharmaindustrie? Kleiner Scherz – der Minister war nie Lobbyist von Bayer Leverkusen, sondern eher des russischen Beratungsunternehmens Energy Consulting – und solche Unternehmen verloren eher durch die neue ArbStättv. Die schreibt nämlich Tageslicht als Beleuchtung vor. Damit spart man Energie. Wie kommt diese aber ohne Fenster in die Arbeitsstätte? Wie es geht, steht in „Das Lalenbuch. Wunderseltsame, abenteuerliche, unerhörte und bisher unbeschriebene Geschichten und Taten der Lalen zu Laleburg“ geschrieben. Das Buch erschien später mit anderem Titel, der den gemeinten Streich genau bezeichnet. Auch Leute, die nie etwas von Lalebuch gehört haben, wissen, was ein Schildbürgerstreich ist.

Licht und Einstein

10.06.2012

WENN EINSTEIN DAS WÜSSTE!

Gerade hatte ich gelesen, dass Einstein doch recht hatte. Es kamen mir aber Zweifel, als ich vor seinem Haus in Caputh stand. Er kann nicht recht gehabt haben. Recht behalten hat er mit seiner Behauptung, nichts auf der Welt, i wo, im Universum, könne schneller sein als Licht. Die Leute in CERN - das sind die, deren Versuchsanlage LHC so mächtig ist, dass Wissenschaftler glaubten, sie sei die Weltmaschine und könnte auch deren Ende, der Welt meine ich, einläuten -, hatten letztes Jahr behauptet, Teilchen entdeckt zu haben, die schneller flögen als Licht es erlaubt. Sie haben vorgestern den Schwanz eingezogen. Die Weltmaschine hatte wohl einige Justierprobleme. Oder, die Gelehrten suchten nach der dunklen Materie, die sich halt den intergalaktischen Gesetzen entzieht. Ehrlich!

Vor zwei Jahren hatte es noch geheißen, wegen CERN drohe der Weltuntergang. Das dort erzeugte Schwarze Loch könnte das Universum verschlingen. Welt Online hat dann die Gemüter beruhigt: „Wegen CERN-Start droht nur Mini-Weltuntergang“, hieß es am 30. März 2010. Und der Chef von CERN hat ausgesagt, es könnten nur sehr kleine schwarze Löcher entstehen. Da war ich beruhigt und hörte auf, meine Konten zu plündern. Dann kam aber doch der Weltuntergang, für die aus CERN. Sie mussten bestätigen, dass Neutrinos doch nicht schneller sind als Licht.

Ich will eine - zugegebenermaßen eigenwillige - Erklärung abgeben. Die in CERN hätten doch recht, wenn man Licht nicht im Universum misst, sondern bei Albert vor der Haustüre. Diese Laterne steht exakt vor seinem Grundstück an der Gartentür. Der Dreck darin und darauf setzt die Lichtgeschwindigkeit, wenn nicht bereits auf Null - erheblich herab. Wenn die CERNäsen ihre Neurionos hier gemessen haben, könnten sie recht haben. Denn Dreck und tote Fliegen sind der Lichtgeschwindigkeit ihr Tod.

Spaß beiseite, wie sieht es mit der Praktikabilität einer der Säulen der Beleuchtungstechnik aus, mit dem Wartungsfaktor? Wenn die Einsteinsche Laterne der Realität entspricht, ist es mit dem Realitätssinn in der Lichttechnik nicht weit her. Was ist aber mit dem Realitätssinn der Lichtkunden? Sind die so dumm, dass ihnen nicht auffällt, dass sie ihr Geld in den Schornstein jagen, wenn sie ihre Lampen nicht putzen? Ganz oben ist ein wenige Wochen altes Bild aus dem Münchner Flughafen. Zeigt, wie Energiesparlampen Energie sparen - nämlich überhaupt nicht. Eine ist tot, und spart 100% Energie, die andere krepelt vor sich rum, und vergeudet 90% Energie, die dritte macht ihrem Namen alle Ehre, und leuchtet um die Wette mit der Sonne. Die Lampe rechts ist zwar nicht tot, die Fliegen darunter, die das Licht filtern, sind es aber. Luxus morbidus - wie es die Lateiner zu sagen pflegten, als sie noch nicht gut Latein konnten.

Da wird manch einer argumentieren, noch weniger Licht käme durch die toten Fliegen durch, wenn da eine Glühlampe wäre. Stimmt aber nicht. Erstens fliegen Fliegen weniger gerne zu Glühlampen als zu diesen. Zweitens passt die Lichtfarbe besser zu den toten Fliegen. Was die Insekten von Leuchtstofflampen halten, sieht man unten. Sie lieben sie.

Was der allgemeine Dreck von der Lichttechnik hält, ist besser bekannt als meine Bilder: Sehr, sehr viel. Deswegen war er begeistert, als Klimaleuchten erfunden wurden, durch die man verunreinigte Büroluft an Lampen und Optiken vorbeisaugt. Da findet jedes Partikelchen Schmutz ein warmes Plätzchen. Unsere Idee, Leuchten wartungsfreundlich zu bauen, hat indes bislang nur ein Hersteller umgesetzt. Hätte ich eine böse Zunge, würde ich behaupten, die Hersteller wollten ihre Rendite sichern. Denn ein schlechter Wartungsfaktor = mehr Umsatz mit Leuchten. Wer wird aber schon so böse denken?