Posts in Category: Lichtqualität

Licht und Verschwendung

30.05.2011

DENN SIE WISSEN NICHT …

Vor einiger Zeit fragte mich jemand, was denn an einer Beleuchtung, die er geplant hatte, falsch wäre. Er hätte sich Mühe gegeben, alle Vorgaben einzuhalten. Nu sind die Leute mit seiner Beleuchtung nicht so glücklich. Ist was falsch?

Ich fragte ihn, was er denn gemacht hätte. Eigentlich, das was jeder tun sollte, will er die Beleuchtungsnormen einhalten. Er hatte die Liste der Beleuchtungsstärken genommen, so-und-so-viel Lux auf dem Bürotisch, so-und-so-viel Lux im Gang, so-und-so-viel im Treppenhaus … Was soll daran falsch sein? Vielleicht das Ziel? Oder das Konzept?

Beleuchtung ist die Anwendung des Lichts, um Objekte sichtbar zu machen. Und Arbeitstische hat man seit jeher beleuchtet, damit man den Papierkram lesen kann, den man darauf bearbeiten soll. Und? Nichts, und es gibt keine Belege mehr, und den Bildschirm muss man nicht beleuchten; er leuchtet selber. Warum beleuchtet man etwas auf dem Arbeitstisch? Vor allem, wieso muss man heute in dem größten Teil der Büroräume mehr als doppelt so viel Licht installieren wie vor zehn Jahren? Und in den restlichen etwa 25 % mehr? (Mehr darüber in http://www.lichtundgesundheit.de/cyberlux/?p=225)- Man muss es nicht. Man muss nur für helle Wände und Decken sorgen. Dann ist es egal, wie viel Licht auf dem Tisch landet. 

Warum beleuchtet man einen Flur und ein Treppenhaus? Und zwar so wie einen Tisch? Guckt einer hin, wo er hintritt, wenn er einen Flur entlang läuft? Hoffentlich nicht! Noch schlimmer wär's, wenn er sich die Treppenstufen ansehen würde, die er gerade betritt. Wenn er schnell genug läuft, landet er dann nämlich garantiert auf der Nase. Wozu beleuchtet man also die Treppe? Auf jeden Fall braucht niemand die Beleuchtungsstärke auf den Treppenstufen, auch wenn die genau dort vorgeschrieben ist und dort gemessen wird. Es ist vorgeschrieben, die Beleuchtung auf den Treppenstufen in 20 cm Höhe zu messen. Hat jemand eine Erklärung dafür, welche Sehvorgänge 20 cm über einer Treppenstufe ablaufen?*

Eigentlich ein bemerkenswerter Fall, weil auch die Verfasser von Beleuchtungsnormen nachts Treppen rauf- und runterlaufen, mal mit, mal ohne Beleuchtung. Als Ingenieure müssten sie sich verpflichtet fühlen, das Licht genau dort einzusetzen, wo es benötigt wird. Sie tun es offensichtlich nicht. Richtige Lichtplaner machen es anders und richtig. Sie zeigen den Weg, den man gehen soll. Nur bekommen sie manchmal Ärger, weil die Luxe auf der Treppe nicht stimmen. Planen sie nur nach den Regeln, dann verlegen sie einen Lichtteppich auf die Stufen, der eine große Verschwendung bedeutet. Manchmal bedeutet der Lichtteppich auch Unfallgefahr, wenn er die Stufen nicht richtig modelliert.

Noch viel schlimmer sieht es mit der Beleuchtung in den Büroräumen aus. Seit etwa 30 Jahren landet der größere Teil des Lichtstroms auf dem Teppich oder an den Enden der Tische. Warum das so ist, kann man aus den Leuchtendaten und den Empfehlungen für die Anordnung von Arbeitsplätzen zwischen den Leuchtenreihen einwandfrei ableiten. Man muss es aber gar nicht, man sieht es an jeder Stirnwand eines Büros. Licht bevorzugt dorthin, wo man es nicht braucht! Gegen dieses Konzept kann kein Kabarettist einen Blumentopf gewinnen, egal wie zynisch er auch argumentiert.

Als ich dies vor vielen Jahren, und zwar mit dem mittleren Bild, das eine echte Installation wiedergibt, bei einem Vortrag thematisierte, wendete der Entwicklungsleiter einer großen Firma ein, gegen Fehlplanungen könne man nichts tun. Etwas derart „Meschuggenes“ kenne er nicht. Pech für ihn - die Planung stammte zufällig aus dem Hause, für das er arbeitete. Und die Leuchten hatte er selbst konstruiert. 

Die Sache fiel mir gerade heute ein, als Merkel und Co. mit ernster Miene den Ausstieg aus der Atomenergie verkündeten. Die Lücke, die die Atommeiler hinterlassen, soll mit einer verstärkten Verspargelung von Deutschland und, weil dies nicht reicht, durch Sparen geschlossen werden. Ob die Herrschaften wissen, wie viel elektrischer Strom in Deutschland auf den Teppich geschüttet wird? Da würden sie dem Arbeitsminister seine demnächst erscheinende ASR 4.3 schnell aus der Hand schlagen. Wenn man deutsche Büros danach prüfen würde, müsste man noch viel mehr Strom verluxen, weil die meisten Arbeitsplätze nach deren Vorstellungen zappenduster sind.

Mehr noch: Die elektrische Beleuchtung muss viel früher eingeschaltet werden als nötig, weil man die Lichtregelsysteme, die bei Abnahme des Tageslichts die künstliche Beleuchtung hochfahren, an den neuen Werten festmacht. Sie sollen die Beleuchtung hochfahren, sobald 500 lx am Arbeitsplatz unterschritten werden. Auch das Energiesparpotential von Gebäuden wird daran gemessen. Und? Kein Mensch mit gesundem Verstand wird je auf die Idee kommen, bei 500 lx Tageslicht am Arbeitsplatz Licht einzuschalten. Dazu muss man Experte sein. Wer glaubt zu wissen, wie hell es bei 500 lx Tageslicht am Arbeitsplatz ist, sollte einfach ein Lichtmessgerät auf die Mitte seines Arbeitstisches stellen und ablesen. 

Egal! Wissen müssten alle, die sich mit Licht befassen, dass ihr Tun Unsinn bedeutet. Bei der hier abgebildeten Beleuchtungsanlage beträgt die Beleuchtungsstärke auf dem Teppich neben dem Tisch und an dessen beiden Enden 700 lx. Dort, wo einer sehen soll, sind 300 lx vorhanden. macht gemittelt etwa 500 lx! Ganz legal, steht in vielen Büchern, Normen etc. Und die BG nimmt die Rechnung ab, weil sie sie vorgibt. Eine ziemlich einmalige Konstellation, bei der eine Berufsgenossenschaft Absatzförderung für die lichttechnische Industrie betreibt. 

Wenn man noch böser ist, müsste man ihnen sogar Unwissenheit vorwerfen. Denn, Licht dort, wo man es nicht braucht, mindert die Wirkung des Lichts auf dem Sehobjekt. Nannte sich einst Umfeldblendung. Aus dem Vokabular gestrichen, weil nicht passend …

  • Die Messung deer Beleuchtung 20 cm über den Treppenstufen hat nichts mit Licht zu tun, sondern mit dessen Messung. Früher lud man den Messkopf auf einen Wagen, um ihn über den Flur zu ziehen. Wagen plus Messkopf ergaben 20 cm. 

Licht und Steinzeit

11.05.2011

STEINZEITKONZEPT

Gerade habe ich in der ARD eine Sendung mit dem Titel „Das Steinzeitkonzept“ gesehen. Es handelt sich darum, dass wir Menschen vor vielen Jahrtausenden entstanden sind, aber nicht unsere Nahrung, nicht unsere Fortbewegung, auch nicht unsere Lebensweise. So werden heute diejenigen dick, die bessere Futterverwerter sind. Früher wäre das im Vorteil, weil der Mensch auch mal hungern musste. Das leckere Brot und das Getreide, aus dem es gebacken wird, entfremden unseren Magen von seiner ursprünglichen Aufgabe. Der gesunde Bürodrehsessel verbiegt unsere Wirbelsäule, der den ultimativen Lordose-Stützpunkt in Höhe des richtigen Wirbels L5/S1 abstützen soll, und die Sportschuhe der Marken Adidas XBums oder Puma SLX schütteln den Bewegungsapparat durch und machen die Füße kaputt; man solle daher barfuss über den Asphaltdschungel laufen.

Nicht meine Welt. Von den Augen hat die Sendung nicht gesprochen. Die Augen von heute sind nämlich auch aus der Steinzeit – oder? Ich denke, noch älter. Sie waren entstanden in der Hochebene von Äthiopien oder in der Savanne, wie man an der Empfindlichkeitskurve des Auges erkennen kann. Und? Mir fiel nur ein, dass ein Experte für Licht in einem Buch schrieb, es wäre unnatürlich, wenn oben heller wäre als unten. Deswegen sei Indirektbeleuchtung unnatürlich. Ach, ja! Ist sie? Der Experte arbeitete einst für die Firma, die die Beleuchtung erfand, die sich nicht in den Bildschirmen spiegeln sollte. Diese Beleuchtung verleiht jedem Büro einen Höhlenlook. Das Buch war eine Auftragsarbeit, deren Ziel es war, diese Beleuchtung schönzureden. Ist oben heller als unten unnatürlich?   

Ja, sie ist. Jede von Ingenieuren geplante Beleuchtung ist unnatürlich, weil es in der Natur keine Lichtsituation gibt, die lange oder immer gleich bleibt. Wenn, dann in der Wüste über viele Stunden hinweg. Das ist natürlich, aber eine Tortur. Wenn man zu dem gleichbleibenden Licht noch die gleichbleibende Temperatur, Luftfeuchte etc. hinzu rechnet, kommen wir zu dem Office-Biotop, das den meisten vorschwebt, die sich Gedanken über eine angenehme Büroumgebung machen. Die haben aber keine Bauanleitungen für Legebatterien gelesen.

Was heute als neues Forschungsergebnis bezüglich der Beleuchtung daherkommt, ist eine Ohrfeige nach der anderen, was Konzepte für Beleuchtung angeht, die man über Jahrzehnte für richtig gehalten hatte. Ob wir es schaffen – zurück zur Steinzeit?

Wohl kaum. Schuld ist ja nicht die Beleuchtungstechnik, die uns ermöglicht, 24 Stunden rund um die Uhr zu arbeiten und zu leben. Wir können aber trotzdem lernen, etwas von der Steinzeit zu retten. In Japan gibt es sogar ein Großinstitut, in dem geforscht wird, wie man in modernen Umgebungen gesund und munter leben kann. Die Japaner verstehen es ja gut, wie man Tradition und Fortschritt verknüpft.

Etwas ist aber schon geschafft: Sowohl die Lichttechniker, die biologisch wirksame Beleuchtung realisieren wollen, als auch das Bundesministerium für Bauwesen haben erkannt, dass es besser ist, wenn oben heller ist als unten. Das wird einem Herrn nicht gefallen, der seit Jahrzehnten einen gnadenlosen Feldzug für tiefstrahlende Leuchten führt, weil er die erfunden zu haben glaubt. Die Menschen, denen die „neue“ Denke zuteil wird, denken da anders. Der Herr hat es von einem einfachen "Ing." in den 1960ern zum Professor geschafft. Den Himmel dunkler werden zu lassen als die Erde, wird auch ihm nicht gelingen. 

Licht und Lichttechniker

12.04.2011

ZURÜCK ZUR BESCHEIDENHEIT

Bis gestern dachte ich, ich hätte einiges an tiefschürfenden Ideen gehabt. Allzu wenig war es ja nicht. Dazu war ich der Meinung, in unserer Zeit würde viel geschehen in der Lichttechnik. Bis ich ein Buch aus dem Regal zog, das ich im Antiquariat gekauft hatte: „Lichttechnik - Lichtbewertung, Lichterzeugung, Lichtanwendung“ von Walter Köhler. Ihn hatte ich zu meiner Studentenzeit kennengelernt. Er hatte uns sogar in seine Wohnung eingeladen, um uns seine Art von Wohnbeleuchtung zu zeigen. Das Buch lag bereits ein Jahr im Regal - ziemlich unberührt.

Köhler nannte sich Lichttechniker, sein Doktortitel war aber Dr. phil. Er hatte Physik, Mathematik, Philosophie und Pädagogik studiert. Oh, weia! Was hat unsereins studiert? Technik ohne Philosophie! Am meisten hat mir sein Bemühen um die Zusammenarbeit von Lichttechnik und Architektur imponiert. Köstlich auch seine Darstellung der Grundempfindungen des Auges und deren Änderung mit den Umgebungsbedingungen. Er stellt nicht etwa eine Tabelle auf, die die Wahrnehmungsgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Beleuchtungsstärke auflistet, oder gar ein kartesisches Diagramm, das die Beziehungen für Ewig zementiert, nein, er beschreibt die Abläufe von der Morgendämmerung über den Mittag bis in die Nacht gespickt mit Versen. Köhler hat Pädagogik wohl nicht nur studiert.

Köhlers Lichttechnik hat ihre Wurzeln nach seinen Aussagen sowohl im Natur- als auch im Geisteswissenschaftlichen. Sie hatte … Wenn ich mir unsere heutige Situation vorstelle, reichen bittere Tränen über den Niedergang des intellektuellen Niveaus bei weitem nicht aus. Man müsste sich eher einer Prozession der Schiiten in Kerbela anschließen, die sich mit scharfen Gegenständen geißeln, um ihrer Trauer den  angemessenen Ausdruck zu verleihen.

Vor 60 Jahren schrieb einer ein Buch, das man mehr als ein halbes Jahrhundert später bewundern muss?

Was ist da zu bewundern? Das: „Der Beleuchtungstechniker kann seine Aufgaben nicht ohne Kenntnis und Berücksichtigung der Physiologie, vor allem aber der Psychologie (der Lehre, welche die Lebensvorgänge erforscht, die der inneren Wahrnehmung zugänglich sind), der seelischen Beeinflussung des Menschen durch Licht, wirklich zufriedenstellend lösen, und dies gilt bei der richtigen Beleuchtung am Tage.“  (Köhler, 1952)

Was mich beschämt, ist, dass es bei mir über 40 Jahre dauern musste, bis ich seine Weisheit erkannt habe. Bis die Gurus unserer Wissenschaft begreifen, wie wichtig die Beleuchtung am Tage ist, wenn man hinter den Mauern eines Betriebs sitzt, wird wohl noch viel Wasser den Rhein runterfließen.

Licht und Visueller Komfort

21.01.2011

DEUTSCHE BEAMTE MIT PROFUNDEM WISSEN

Gestern entdeckten wir etwas, was wir hätten längst wissen müssen. Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat ein sehr  umfangreiches Bewertungssystem für Nachhaltiges Bauen (BNB) entwickelt, was an sich nicht so sensationell ist. Etwas bemerkenswerter ist schon, dass man weiterhin Kriterien für „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude“ entwickelt hat. Denn solche Ansinnen bleiben häufig künstlerisch aktiven Leutchen vorbehalten , die ihre Kreationen vom Büro der Zukunft oder mit Zukunft, egal, Hauptsache Zukunft, hier und da veröffentlichen. Systematische Bücher gibt es selten.

Noch schöner: Das gesamte System ist hierarchisch geordnet nach Hauptkriteriengruppe, Kriteriengruppe und Kriterium. Daher muss jedes Argument, das irgendwo eingetragen wird, „sitzen“. Nicht die falsche Ebene! Wo gehört nach Meinung des Ministeriums visueller Komfort? Andernorts, wo richtige Lichtfachleute urteilen, gehört der in die Abteilung Bla Bla, denn die haben nicht einmal das Hauptziel ihres Tuns, die Sehleistung, definiert. Beim Wort Komfort schlagen sie die Hände überm Kopf zusammen und sagen, das sei eben Psychologie, und Psychologie ist … Na, ja, Sie wissen schon … Wir brauchen knackige Zahlen!

Nicht so bei den ministeriellen Fachleuten: Der Begriff „Visueller Komfort“ gehört zur Hauptkriteriengruppe „Soziokulturelle und funktionale Qualität“, die Kriteriengruppe lautet „Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit“. Womit wir den ministeriellen Segen für das Thema Licht und Gesundheit hätten. Der lautet ausgeführt:

„Der visuelle Komfort an Arbeitsplätzen bildet die Grundlage für effizientes und leistungsförderndes Arbeiten. Darüber hinaus bildet eine gute Tageslichtnutzung ein hohes Energieeinsparpotenzial für künstliche Beleuchtung, und Kühlung. Die Akzeptanz des Raumklimas (thermische Behaglichkeit, Luftqualität, Lärm und Beleuchtung), insbesondere die Lichtbedingungen, steht in starkem Zusammenhang mit der Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Daher muss in allen ständig genutzten Innenräumen eine ausreichende und störungsfreie Beleuchtung gesichert werden.“

Vom Segen kann man zwar glückselig werden, aber bauen danach? Wieder mal Abteilung Bla Bla? Nein - und das ist das Schöne am Ganzen. Im BNB Abschnitt 3.1.5 wird angegeben:

„Für die Beurteilung des visuellen Komforts wurde eine Bewertungsliste erarbeitet, die unterschiedliche Teilkriterien abbildet und am Ende eine Gesamtnote ergibt.

Im Rahmen der Bewertungsliste werden die folgenden Teilkriterien beurteilt:

1. Tageslichtverfügbarkeit Gesamtgebäude (quantitativ)
2. Tageslichtverfügbarkeit ständige Arbeitsplätze (quantitativ)
3. Sichtverbindung nach außen (quantitativ)
4. Blendfreiheit Tageslicht (qualitativ)
5. Blendfreiheit Kunstlicht (quantitativ)
6. Lichtverteilung (qualitativ)
7. Farbwiedergabe (quantitativ)“

Alle Kriterien werden erläutert und vor allem mit quantitativen Werten belegt. So muss man nicht sinnieren, ob ein Bürohaus der ArbStättV genügt, die da vorschreibt: „Arbeitsstätten sind möglichst ausreichend mit Tageslicht zu beleuchten.“

Tacheles statt Bla Bla!

Warum mich dieses Werk so besonders freut, kann man durch ein Studium des Berichts „Licht und Gesundheit“ aus dem Jahre 1990 entdecken: Dort wird zum einen auf Tageslicht abgehoben, zum anderen aber auf die Individualisierung der Beleuchtung. Zudem wird als ein Grund für die geringe Akzeptanz künstlicher Beleuchtung der Mangel an Farbe angeführt. (Den Bericht bekommt man hier unter healthylight.de, und Erklärungen dazu hier)

Zu Farbe meint das Ministerium:

Da erkennt man, dass die Einhaltung von Beleuchtungsnormen nicht ausreicht, um einen Blumentopf zu gewinnen. Denen genügt Ra > 80. Die Geschichte erzählen die Normen seit Jahrzehnten. Und seit Jahrzehnten hat sich da nichts geändert. Vermutlich wird es noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Lichttechnik erkennt, dass die Farbwiedergabe wichtig ist.

Noch schlimmer kommt es für die, die sich zum obersten Ziel setzen, Leuchten gleichmäßig verteilt an die Decke zu schrauben:

Wer keine individuelle Beleuchtung vorsieht, bekommt Null Punkte. Setzen! Wer nur die Normen einhält, kommt mit einem blauen Auge davon.

Was mich besonders freut, ist das Fehlen des Wortes Lux in dem Papier.

Das gesamte Papier ist unter http://www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/zertifizierung_allgemein/bewertungssystem-nb_KE_Stand_18-12-09.pdf erhältlich.

Aus gegebenem Anlass: Hiermit wird versichert, dass alle Gänsefüßchen geistiges Eigentum des Autors sind. Nur der Text dazwischen wurde vom Ministerium verfasst.

Licht und Sehleistung II

12.03.2011

MAGIE DER ZAHL 500

Heute muss ich mich mit einer Broschüre beschäftigen, die ein Experte geschrieben hat. Viele andere Experten haben ihn dabei beraten. Sie handelt vom Tageslicht und beschreibt, wie man Arbeitsplätze angenehmer machen kann, indem man Tageslicht sinnvoll einsetzt. Das ist sinnvoll.

Was mich erschrocken hat, ist das Treffen mit einer uralten Bekannten. Die 500, gefolgt von Lux, treibt auch hier ihr Unwesen. Ich lese, Tagsüber könnte die Beleuchtung viel höher sein, als man mit künstlicher Beleuchtung je erreichen könnte. Stimmt. Ist auch gut so.

Unser Experte meint aber, optimal seien am Schreibtisch 500 lx! Wieso 500? Die Geschichte dieser Zahl hatte ich in diesem Blog früher dargestellt (500). Tolle Sache, früher maß man Kunstlicht am helllichten Tage, d.h. an seinen Beleuchtungsstärken. Jetzt misst man den helllichten Tag an den Funzeln, die man halt nicht anders betreiben kann. Sonst würde in den Büros noch mehr als 40 % des Stroms verluxt. Das können wir uns nach der Rolle rückwärts der Bundeskanzlerin von Gestern nicht mehr leisten. Sie hat ja ihr eigenes Gesetz, das sie gegen den Bundesrat durchgeboxt hat, mir nichts, dir nichts, kassiert. Hoffentlich auch die Geheimabsprachen dazu. Seit gestern ist in Deutschland Atomstrom kein Thema mehr, äh, das Thema … Da das Gesetz letztes Jahr wegen dringenden Strombedarfs erlassen wurde, und es so eilig war, dass der Bundesrat schnell umschifft werden musste, wird uns wohl mächtig an Strom fehlen. Vielleicht fehlt uns womöglich die Kanzlerin, weil um einen Kopf kürzer gemacht.

Aber auch ohne Geheimabsprache sorgt die 500 für Krach im Gebälk. Der ist aber so leise, dass nur Fachleute das Problem verstehen. Es geht so: Um Energie zu sparen, will man die Beleuchtung am Arbeitsplatz am liebsten so regeln, dass Kunstlicht + himmlisches Licht, Pardon, natürliches Licht, immer 500 lx ergeben. Liefert die Sonne mehr als 500 lx, kann die Lampe abgeschaltet werden. Liegt das Tageslicht so bei 200 oder 400 lx, muss halt die künstliche Beleuchtung ihr Scherflein dazu beitragen. Abends leuchtet sie dann allein, so die Leute dann arbeiten wollen. Das ist Teil der Regelungen für die Energieeffizienz von Gebäuden. Das haben ernstzunehmende Leute in ernstzunehmenden Normen so veröffentlicht. Nicht ganz so, aber sinngemäß.

Dumm nur, dass die Sache nicht laufen will. Hätten unsere Öko-Freaks ihre Studien zum Tageslicht oder Null-Energiehaus nicht immer in Freiburg gemacht, hätten sie gewusst, dass in Innenräumen auch am Fenster die 500 lx nicht allzu lange überschritten werden. In Freiburg ist das anders, dort scheint die Sonne länger als anderswo in Deutschland, und die Sonne, so sie scheint, gibt mehr Licht als in Norddeutschland. Und sie scheint auch länger als bei den Nordlichtern. Da sie auch noch eine halbe Stunde später scheint als bei den Ossis, ist Freiburg der optimale Ort für das Öko-Marketing. Und die Experten für künstliche Beleuchtung hätten ihnen geflüstert, dass Anlagen zur Lichtregelung erstens Strom schlucken, und das unentwegt, und zweitens die Lampen und Leuchten außerhalb ihrer optimalen Betriebsbedingungen betreiben. Z.B. sterben sie früher, wenn man sie häufig schaltet, oder ihre Lichtfarbe stimmt nicht, oder ihre „Effizienz“ stimmt nicht, oder oder …

Nun zurück zu der 500 … Wer braucht 500 lx Tageslicht am Schreibtisch? Eine persönliche Antwort dazu kann jeder finden, wenn er ein Luxmeter nimmt und sich an ein paar Tagen seinen Schreibtisch anschaut und danach das Luxmeter. Mal messen!

Was rauskommen wird, hat bereits in den 1980er Jahren ein Doktorand meines Professors haarklein berechnet: Will man die gleiche Güte beim Erkennen von schwierigen Sehobjekten erreichen, braucht man bei Tageslicht die Hälfte der Luxe, die man bei Kunstlicht aufwenden muss.

Ein anderer Experte, ein angesehener Professor aus Karlsruhe, hatte ermittelt, dass man die 500 lx nicht wegen des Sehens von Sehobjekten benötigt, sondern um einen hellen Raumeindruck zu bekommen. Und den bekommt man auch bei 100 lx mit Tageslicht.

Nicht glauben, einfach ausprobieren. Hilft ungemein gegen Verluxen kostbarer Energie.