Das Licht legt sich nicht sanft auf die Haut und Haare, es nimmt den ganzen Kopf ein. Immer mehr habe ich das Gefühl, dass dem LED seine Lasernatur näher ist als sein alter ego als Lampe. Diese Rolle wurde von der Industrie mit vielerlei Geschick angedichtet, weil Laser nach Gefahr riecht. Natürlich wurden die meisten LED seinerzeit in die niedrigste Gefahrenklasse eingestuft.
Auch bei der Frage der Blendung verhält sich die LED nicht wie übliche Lampen. Neulich maß ich bei einer Paneele etwa 4.000 cd/m2, was bei einer üblichen Leuchte mit einer ähnlichen Fläche ordentlich blenden würde. Die Laserleuchte - Pardon LED-Leuchte - sah aber eher erfrischend aus und keineswegs störend. Vor einiger Zeit hatte ich eine S-Bahn beschrieben, die mit LED beleuchtet vollkommen anders aussah als der gleiche Zug mit herkömmlichen Leuchtmitteln. (s. Hier)
Ich denke, es ist Zeit, sich von herkömmlichen Vorstellungen über Licht und Beleuchtung zu verabschieden. LEDs sind keine Lampen, auch wenn man 100mal das Gegenteil behauptet. Wenn man z.B. die fast 100 Jahre alte Vorstellung von Blendung - der T. weiß, was das sein soll - die man ja mit der Forschung über Glühlampenlicht angefangen hatte, um später mit Wannenleuchten fortzuführen, zu deren Ergebnissen die Forschung mit Rasterleuchten zugeflickt wurde, um später zu UGR zusammenzurühren, auf LED anwendet, wird man m.E. nirgendwo ankommen, von "wissenschaftlichen" Berichten abgesehen, die die Anwendbarkeit der Blendungsformel auch für LED bewiesen haben wollen - wieder einmal.
In Berlin sollen das "Festival of Lights" und die Aktion "Berlin leuchtet" helfen, Großstädter und Städtereisenden vor dem Oktoberblues zu bewahren. Wie schön! Wir sind schließlich nicht so mäuschengrau wie Hannover, nicht so weltdörflich wie München, und auch nicht so steif-grau wie Hamburg … Berlin ist (oder vielmehr war?) die "City of Lights". Dummerweise führt Wikipedia uns nicht darunter, dafür z.B. Curepipe als "La Ville-Lumière". Kennt einer Curepipe? Dafür kennt bestimmt jeder zumindest den Namen: "Bright Lights of Hollywood" bzw. Los Angeles. Auch Ohrid (wo ist das zum Teufel nochmal?) hieß schon in der Antike Lychnidos, was so viel wie "City of Light" bedeutet. Auch die Stadt, die Mohammed Asyl geboten hatte und so den Islam überhaupt ermöglicht, heißt "City of Lights", aber auf Arabisch: al-Madīnah l-Munawwarah, was allerdings nicht nur auf Licht hindeutet, sondern auch auf das Ergebnis: Erleuchtung.
Wieviel Erleuchtung hat uns unser "Festival of Lights" gebracht? Bitte ehrlich antworten:
Ich kenne Zeiten, da gab es weniger Gewusel, dafür mehr Atmosphäre. Ich muss allerdings gestehen, dass mein Urteil damals auch nicht so nett war:
http://healthylight.de/deutsche-geschichte-in-bonbonfarben/

Es soll Sprachen geben, bei denen Festival Durcheinander bedeutet …
Den Vorgang kennt jeder, der zur Unzeit Alkohol getrunken hat. Selbst Leute, die mehrere Schnäpse abends einsacken können, ohne dass ihr aufrechter und gerader Gang allzu sehr leidet, kippen morgens bereits nach einem Bier aus den Latschen. Geschuldet ist dies - oder wir verdanken es - der circadianen Rhythmik. Allerdings nicht der allgemeinen, sondern der speziellen.
Mittlerweile weiß so jedes Kind, dass der Mensch einen Tagesrhythmus hat, den das Licht bestimmt. Das ist die allgemeine Rhythmik, die den ganzen Körper betrifft. Das Licht beeinflusst dessen innere Zeit. Weitaus kniffliger ist indes, dass dieser Rhythmus nicht von jedem Organ getragen wird. Vielmehr hat jede Zelle eine eigene innere Uhr. So arbeiten z.B. die Leberzellen ("Die Leber wächst mit ihren Aufgaben") zwar in dem vorgegebenen Rhythmus, haben aber eine andere Zeit. Auch andere Organe achten sehr selbstbewusst auf ihre eigene Zeitvorstellung.
Was lernt uns das? Eigentlich nicht sehr viel. Es sei denn, man guckt sich an, was die Leute daraus machen, die sich mit der Wirkung von Pharmaka auf den Menschen beschäftigen, und zwar in Bezug auf die circadiane Rhythmik. Ihre Kunst nennt sich Chronopharmakologie. Ihre wichtigste Aufgabe: Bestimmen, wann ein Wirkstoff die günstigste Wirkung entfaltet.
Na, ja. So revolutionär scheint die Sache doch nicht zu sein. Letztlich hat der Onkel Doktor schon immer gesagt, diese Pille bitte morgens nehmen … Wo ist die Neuigkeit? Die liegt auf einem anderen Gebiet. Es sind drei Aspekte, die zwar nicht so revolutionär sind wie die Theorie von Einstein, die vorgestern 100 wurde, ohne alt zu werden. Verstecken müssen sie sich aber nicht:
Das wiederum sind wirklich revolutionäre Erkenntnisse, die wir noch verdauen müssen. Wenn man fragt, wie spät es ist, gucken die meisten auf die Uhr. Die Zeit, die man sieht, ist die politische und von Mazedonien bis Galizien gleich. Die Sonne braucht aber etwa 2,5 Stunden, um von Mazedonien bis Spanien zu gelangen. Deswegen wird es in Spanien später spät und in Mazedonien früher morgen. Dass man dazu auch noch lernen muss, dass in seinem Körper eine andere Zeit herrscht als beim Nachbarn am selben Tisch, ist reichlich ungewöhnlich. Einstein hatte was von der Krümmung des Universums erzählt und fand Zugang zu den Gehirnen auch relativ einfacher Leute, die sich um Physik keinen Kopf machen, erst recht nicht um das gekrümmte Universum. Vielleicht schaffen es Chronopharmakologen auch mal. Dann fressen wir tonnenweise weniger Chemie. Licht lohnt sich !
Dummerweise nicht. Wir sind zwar vor Immissionen geschützt, aber nicht, wenn Licht einer "guten" Sache dient, nämlich dem Kommerz. Und wenn ein Normalbürger die Fassade seines Hauses mit LED verschönert, greift der Immissionsschutz vermutlich nicht, wenn er nicht übertreibt. Unsere Städte sehen langsam eh aus, als wären wir im Himmel und der Tag ewig.
Energiesparlampe und Halogen-Leuchten ade! Osram will sein traditionelles Lichtgeschäft in den nächsten sechs Monaten verkaufen und sich auf LED-Chips konzentrieren. So heißt es zu Beginn der fünften Jahreszeit! Närrisches Treiben im Rheinland, in München auch Fasching genannt. Geht das Osramische Reich unter? Oder eher umgekehrt?
Normalerweise sagt man, die Börse nehme die Zukunftsaussichten vorweg, zuweilen halt nicht so nobel. Die Sache erinnert mich an den Witz darüber, wie man Chef eines kleinen Unternehmens werden kann. Antwort: Indem man ein großes übernimmt und es zugrunde wirtschaftet. Niemand wird davon verschont bleiben, selbst ein Weltmarktführer wie IBM nicht. Einst war die Firma in mehr als 190 Ländern Marktführer zwischen 60% und 80% Marktanteil bis alleiniger Monopolist. Dann kam ein kleines Männchen mit einer dafür umso großen Brille. Angeblich ausgesucht, weil er keinen Bart hatte. Der sollte dem Personal Computer, nach eigener Version Erfindung des Hauses, die Seele einhauchen. Nennt sich Betriebssystem, OS unter Nerds & Co. Er kaufte sich ein Produkt, das sich seinen Namen echt verdiente: QDOS alias Quick&Dirty Operating System, ließ das Q weg. Fertig war das Betriebssystem DOS. Da das Ding sich eher für Programmierer und Nerds denn für den Normalbürger aus Fleisch und Blut eignete, konnte es dem großen IBM nicht allzu gefährlich werden. Dann bekam aber das kleine Männchen den Auftrag, QDOS, Pardon DOS, den Menschen anzupassen. Das Ergebnis schmeckte den Oberen von IBM ganz und gar nicht. So beschlossen sie, die Freundschaft zu beenden und das neue System selber zu Ende zu führen. Der Name: OS/2, für Kenner: OS-halbe. Man könnte es als ein Fast-Betriebssystem nennen oder eben halbes. Das Männchen durfte seine Version davon frei vermarkten, weil sie nach der Meinung der Oberen der obersten Instanz in Sachen EDV, einst Vorbild für einen Computer, der besser denken kann als der Mensch, HAL 7000*, eh keine Chance hatte. Das Produkt des Männchens hieß und heißt Windows. Von IBM hingegen hört der Normalbürger nicht mehr viel. Die Firma macht in Server mit einem OS entwickelt von einem Amateur, das er verschenkt hat, Linux. So ähnlich könnte es mit dem Osramischen Weltreich werden, dem Reich, in dem die Sonne nie aufgeht, damit irgendwo immer ein Lichtlein brennt?

Mich stört diese Meldung am meisten. Was haben wir für Kämpfe wegen der Energiesparlampe geführt, die keine war! (s. hier und da und dort). Kaum hat sich der Staub auf dem Kampffeld gelegt, verschwand das Ding aus dem Vokabular, weil das neue "Buzzword" LED wurde. Und LED spart wirklich was, z.B. an Gemütlichkeit, die sich in der Lichtbranche irre lange gehalten hatte. Bei Tagungen der LiTG wurden Kataloge verlesen, für mehrere Jahrzehnte Konzepte aus den 1930er Jahren gepflegt (Allgemeinbeleuchtung), Gemeinplätze ausgetauscht, Tausend-und-eine Geschichte aus dem Osramischen Reich rezitiert, während man wahrlich revolutionäre Ideen wie die von Hollwich niedermachte, weil er mal ein Leuchtmittel nicht Dingsbums-Lampe nannte, wie es sich gehört, sondern Dingsbums-Röhre. Jetzt geht es buchstäblich ans Eingemachte. Mal sehen, wer in die Röhre guckt.
* HAL 9000 Computer war in Odyssee 2001 von Stanley Kubrick der Gegenspieler des Menschen, der bereits in dessen Gesichtszügen erkannte, was dieser dachte. Was sich mit HAL hat, kann man ausrechnen, wenn man die Buchstaben durch den jeweils nächsten im Alphabet ersetzt. 😎