Posts in Category: Energieeffizienz

Licht und Sicherheit

06.11.2011

STANDARDS SCHAFFEN

… ohne Waffen. Nicht doch, den Spruch kennt man aus anderen Gebieten. Hier geht es um Standards in der Beleuchtung. Heute habe ich des Rätsels Lösung für eine „Vorschrift“ gefunden, von der niemand weiß, wo sie wohl herkommt. Wo sie drin steht, kann man hingegen häufig erleben. Die „Vorschrift“ lautet: „Die Beleuchtungsstärke an ständig besetzten Arbeitsplätzen muss mindestens 200 lx betragen.“ 

Vielleicht fällt der Wortlaut etwas anders aus, die 200 stehen aber felsenfest. Wo kommt aber die Zahl her und was bedeutet sie? Wer hat sie begründet?

Die Lösung ist unglaublich: Niemand hat sie ermittelt. Sie wurde beim Übergang von alten physikalischen Einheiten zu den SI-Einheiten von IES (US-amerikanische lichttechnische Gesellschaft) durch Aufrunden gezeugt. Sie hatte in ihrem „Code“ von 1961 eine sog. „amenity value“ von 15 lm/ft² empfohlen. Nach der neuen Größe (Lux) würde das 161,4 lx ausmachen. Auf- oder abrunden? Bei Preisverhandlungen im Großen Basar von Damaskus wäre Abrunden angesagt, bei Mathematikern auch. Aber doch nicht bei Licht. So kam man auf 200 lx. Stand im IES-Code 1968. Zwar haben die Amerikaner bis heute die SI-Einheiten nicht in ihr Herz schließen können, aber bei so einer wichtigen Größe … musste unverzüglich gehandelt werden.

200 lx, aber wofür? Amenity bedeutet so viel wie „Annehmlichkeit“. Den Begriff in Bezug auf Innenraumbeleuchtung hat ein gewisser G.P. Cundall, BSc, CEng, FIEE, FIMechE, FIllumES in seinem Artikel „Value for money—interior lighting“ (Lighting Research & Technology, 1972) erläutert. Er sagt aus, amenity sei eine Sache der Wertschätzung. Was bekomme ich für mein Geld? Heute würde man eher sagen, was bekomme ich für die Energie, die ich verbrauche? Jedenfalls keine Sicherheit. Denn ein gewisser Peter Boyce (s. unten) soll experimentell nachgewiesen haben, dass Menschen im Büro bei plötzlichem Lichtausfall bei etwa 1 lx das Büro sicher verlassen haben. (Wer das nicht glaubt, erntet den Zorn der Sicherheitsexperten, weil die auch der Meinung sind, dass 1 lx reicht).

Man bekommt jedenfalls nicht das, was uns die Normen seit jeher gelernt haben: Mehr = besseres Licht. Denn nach der Schlussfolgerung des Artikels gilt: Die Quantität des Lichts allein wird niemals schlechte Gestaltung aufwiegen, und die beste Wertschätzung wird man erzielen, wenn man den Bedürfnissen der Benutzer entspricht, ohne ungebührliche Energieaufwendungen zu erfordern.

Das hat IES nicht davon abgehalten, aus 161 lx 200 lx zu machen. Später haben die Europäer sogar ihre amerikanischen Vorbilder übertrumpft und aus 500 wieder 500 gemacht, allerdings aus 500 lx Nenn- 500 lx Mindestbeleuchtungsstärke. Macht rund 25% mehr. Macht aber nix, weil es kaum jemand bemerkt hat. Jedenfalls nicht so plump wie aus 161 lx 200 zu generieren.

Hier passt ein Artikel von Peter Boyce, einem britischen Professor für Lichttechnik, der in den USA gearbeitet hat, unheimlich gut. Damit hat er den Kollegen vom IES ins Gewissen geredet, damit sie aufhören, Märchen zu erzählen. Der Artikel trägt den Titel „Festlegung der Beleuchtungsstärke für Sehleistung - Und andere Märchen“.

(Der Artikel ist angehängt, hier download pdf)

Mein AMpelmann

Licht und Porno

28.09.2011

UNZÜCHTIGES GERÄT GESETZLICH VORGESCHRIEBEN

Was ist die unzüchtigste Darstellung, die sich ein deutscher Lichttechniker vorstellen kann? Sozusagen eine pornographische Darstellung im Bereich des Lichts? Meines Erachtens ist sie die Abbildung von etwas, was sich Büromenschen sehnlichst wünschen – eine Tischleuchte. Wie denn das?

Viele „führende“ Lichttechniker behaupten, ohne mit der Wimper zu zucken, die sei verboten. Wer die Tischleuchte wohl verboten haben könnte? Egal. Verboten ist verboten! Eigentlich bin ich derjenige, der das Verbot ausgesprochen hat. Da müssten sie auf mich verweisen, wenn es um die Behauptung geht. Tun sie aber nicht, weil das, was darauf folgt, denen nicht in den Kram passt. Die Sache mit dem „Verbot“ kam so: Ich führte in den 1970er Jahren eine Reihe von Untersuchungen an Arbeitsplätzen mit Computern, damals noch Datensichtarbeitsplätze genannt, durch und stellte fest, dass die damaligen Tischleuchten alles mögliche taten, nur nicht vernünftig beleuchten. Am meisten hatte mir deren Wärmeabgabe angetan, weil damals nicht nur die Tischleuchten, sondern auch die Computer den Leuten schön einheizten. So empfahl ich der Berufsgenossenschaft, die Tischleuchten aus mehreren Gründen mit einem „Bann“ zu belegen. Man hat meinen Rat angenommen und als eine Sicherheitsregel empfohlen, solche Leuchten grundsätzlich nicht zu verwenden, weil …

Nur kurz danach kam jemand zu mir, der Leuchten baute, die keine der von mir festgestellten Nachteile aufwiesen, dafür eine Menge Vorteile. Seine Leuchte und eine Reihe anderer Leuchten bekamen einen Freibrief von der BG. Sieht so ein Verbot aus? Natürlich nicht. Eigentlich wollten die Lichttechniker das ungeliebte Zeug aus einem anderen Grund loswerden. Man war damals der Meinung, alle Lampen in einem Raum müssten die gleiche Lichtfarbe haben, ansonsten würden die Augen der armen Bürobewohner total irritiert werden. Das hat sogar ein Professor in seinem Buch geschrieben, der sich Sehphysiologe nannte. Nach seiner Meinung dürfen Lampen mit unterschiedlicher Lichtfarbe und unterschiedlicher Farbwiedergabe nicht in einem gleichen Raum leuchten. Das gäbe Zwielicht, sagte und schrieb der Professor. Dazu kämen unerträgliche Leuchtdichteunterschiede dadurch, dass Tischleuchten im Allgemeinen nicht so heißen, weil sie den ganzen Tisch beleuchten, sondern lediglich auf dem genannten Objekt stehen und nur einen Teil davon beleuchten. Das ist auch der Sinn davon. Genau diese Unterschiede in der Leuchtdichte ermüden die Menschen. Sagt man seit etwa den 1930er Jahren …

Nun ist trotz intensivster Suche niemandem gelungen, einen Menschen zu finden, der an unterschiedlicher Lichtfarbe seiner Lampen zugrunde gegangen wäre, und das beschleunigt durch zu hohe Unterschiede in der Leuchtdichte in seiner Umgebung. Augenmediziner behaupten sogar, das wäre gut für die Menschen. Selbst welche, deren sonstige Weisheiten häufig zitiert werden. Dennoch lebt die Legende fort, deren eigentlicher Grund ein anderer war: Die Kompaktleuchtstofflampe harrte noch ihrer Erfindung, und mit den damals vorhandenen Stablampen ließen sich nur monströse Objekte gestalten, die keiner in seiner Umgebung haben will. Der damalige Marktführer hat es einmal versucht … und ist grandios gescheitert.

Die bösen Dänen, bekannt durch sonstige unzüchtige Angebote, haben sich bei der Europäischen Normung für Beleuchtung eine Extrawurst braten lassen, die genau auf dem unzüchtigsten lichttechnischen Objekt beruht: Das dänische Gesetz schreibt vor, dass die Beleuchtung von dänischen Arbeitsplätzen nach der dänischen Norm DS 700 erfolgen muss, Und die besagt, dass man Anforderungen, die mehr als 300 lx am Arbeitsplatz erforderlich machen, nicht mit der Raumbeleuchtung, sondern mit einer Arbeitsplatzleuchte genügen muss. Die Dänen wollen das Klima retten, wir noch nicht. Unsere Lichttechniker haben sich die Mär ausgedacht, dass in Deutschland eine andere Arbeitskultur herrsche. In Wirklichkeit schützen die Sozialgesetze in Dänemark die Arbeitenden, während in Deutschland die lichttechnische Normung die Interessen der gleichnamigen Industrie schützt. 

Die Sache steht als A-Abweichung in DIN EN 12464-1 von 2011 zu lesen. Und eine A-Abweichung bedeutet, dass die Gesetze eines Landes etwas anderes verlangen als die Beleuchtungsnorm. Bei uns gibt es so etwas wie eine B-Abweichung, eher BG-Abweichung, weil der Arbeitsschutz es anders will, aber es nicht bis zu einem Gesetz geschafft hat. (s. Eintrag vom 26.06.2011) Dann hätten wir endlich eine gesetzliche Grundlage zum Verluxen von mehr Energie.

Zum Thema Arbeitskultur und Beleuchtung: man möge die Arbeitnehmer fragen, die unter der allgegenwärtigen Lichtsoße leben müssen. Auf die Antwort braucht man indes nicht zu warten. Man muss nur das Licht anmachen, wenn noch etwas Tageslicht da ist, und hören, wie die brüllen.

Licht und Seltene Erden

01.09.2011

AUF SELTENEN ERDEN GEWACHSEN

Was zeichnet einen Industriekapitän aus, um eben als Kapitän tituliert zu werden? Z.B.: Weitsicht? Ja, er sieht die Felsen, bevor sie am Horizont auftauchen. Vorsicht? Ja, er umschifft die Felsen weiträumig. Wer weiß, vielleicht fällt die Maschine gerade dann aus, wenn man in der Nähe der Felsen ist. Umsicht? Ja, er erfasst die Stimmungslage aller um ihn herum und tariert die Interessen aus. Rücksicht? Ja, er ist stets bedacht, die Betroffenen nicht dumm aussehen zu lassen. Weise Voraussicht? Ja, sonst wäre er ja nicht lange Kapitän und säße auf dem nächsten Felsen.

Wie kommt man an einem 1. September auf die Idee, über Kapitäne und Industrie zu sinnieren? Weil dieser 1. September nicht wie jeder andere ist. Seit 00:00 Uhr morgens, ich meine Mitternacht, ist die Glühlampe weg. Nicht ganz, aber fast. Und just zu diesem Zeitpunkt tickerte die DPA die Nachricht, dass OSRAM die Preise für „Energiesparlampen“ kräftig erhöhe, so um 25% nach "Financial Times Deutschland". Und die Dinger heißen laut Spiegel online jetzt „Öko-Leuchten“.

Den OSRAM-Chef trifft da keine Schuld. Schuld sind die Seltenen Erden. Und an deren Knappheit ist schuld: China! Diese Kommunisten kontrollieren die meisten Vorräte der Welt und wollen das Zeug nicht mehr umsonst verteilen. Das alles hat sich in der Nacht zwischen Mittwoch und Donnerstag herausgestellt oder überhaupt ereignet. Man hätte ja gar nicht vorstellen können, dass die Nachfrage nach dem Öko-Licht so plötzlich aufflammen würde. Denn der Preisaufschlag bei Festplatten, auch Verbraucher Seltener Erden, beträgt nur 5%. 25 % Aufschlag auf den Endpreis wegen Rohstoffen? Das gibt es nicht mal beim Bäcker, wenn sich der Mehlpreis verdoppelt. Da muss jede Menge Seltene Erden in jeder Öko-Lampe stecken. Offensichtlich sind sie nicht so selten. Da wundert es nicht, dass der NDR im April berichtet hatte, Energiesparlampen gäben beim Leuchten giftige Gase ab. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Lampen im Betrieb womöglich Dämpfe freisetzten, darunter insbesondere Phenol - ein Stoff, der im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Die Prüfer hätten in den Lampen "einen ganzen Cocktail an giftigen Substanzen" ausfindig gemacht. Muss man das durch eine Prüfung ermitteln? Nein! Das Umweltbundesamt hat nämlich flugs eingesprochen, dass es zu erwarten gewesen sei, dass Lampen beim Betrieb Gase freisetzten. Aber die Konzentrationen in den Wohnräumen blieben vernachlässigbar gering. So ist unser UBA. Schützt zuverlässig die Umwelt, die industrielle.

Die DPA meldet weiter: „Auch beim niederländischen Konzern Philips sind für Deutschland durchschnittliche Preissteigerungen zwischen 20 und 25 Prozent geplant, sagte ein Sprecher des Unternehmens.“ Die Niederländer sind eben so. Bis die merken, dass die Rohstoffpreise in einer Nacht tsunamiartig anschwellen, dauert es ein Weilchen. Oder haben die etwa einen Wink von einem niederländischen Ölkonzern bekommen, dass Preiserhöhungen mehrerer Firmen im Gleichtakt die Kartellwächter aus dem Tiefschlaf holen? Die haben ja noch nicht einmal das Lichtkartell von 1924 gerochen. Nu soll man nicht gleich neue Lunte unter die Nase reiben.

Die Politik, die so große Stücke auf die „Energiesparlampe“ hielt, dass mancher Parteichef in seinem Wahlkampf die „Öko“-Lampen verteilen ließ, damit es weniger Quecksilber über Deutschland regnet, und andere Parteichefs im Fernsehen einträchtig die CO2-arme Zukunft herbeigetalkt haben, steht ganz schön dumm da. Den Aphorismus von gestern, „Wer den Zeitgeist heiratet, wird bald Witwer sein.“, lasse ich heute stehen. Wer sich von einem Industriekapitän die Zukunft zusammenbasteln lässt, kann froh sein, wenn er auf einem Felsen aufläuft. Besser als einfach absaufen.

Was, wenn die Chinesen ihre Seltenen Erden ganz für sich behalten? Muss uns Angie die Kernkraftwerke wieder anfahren lassen und Glühlampen als Notration verteilen, damit wir nicht in CO2 untergehen?

Nur böse Zungen behaupten, es habe ein Kartell namens Phoebus gegeben, das Lampenhersteller 1924 ins Leben gerufen hätten, um der Glühlampe ihre Lebensdauer zu verkürzen. Ich denke, das ist genauso gelogen wie die Preiserhöhung für Energiesparlampen im Gleichschritt. 

Licht und OLED

31.08.2011

LED-NACHFOLGER KOMMT - FRAGT SICH WANN

Heute, am letzten Tag der 60 W Birne, die durch die Energiesparlampe ersetzt werden sollte, die durch LEDs ersetzt werden sollte, berichtet die Presse, dass OSRAM in LED-Nachfolger investiere. Der Berliner Tagesspiegel fängt die Meldung so an: „Noch heißt das Zauberwort bei den Lichtkonzernen LED – das Geschäft mit Leuchtdioden boomt.“ Nun, ja. Boomen tut da was mit LED, das sind die Meldungen. Ein Erfolg jagt die anderen, auf dem Papier. Indes, Geld macht man damit noch nicht. Deswegen steckt Philips in Schwierigkeiten, und Siemens muss OSRAM verkaufen. Ansonsten machen erst einmal andere Kasse, Anwälte, die Patentstreitigkeiten anfachen. Jeder lässt dem anderen den Verkauf von Produkten verbieten, wenn er gewinnt. Vorbild: die Branche mit den intelligenten Telefonen und mitunter weniger intelligenten Ingenieuren. Die sollen mit bis zu 250.000 Patenten geschützt sein, die Telefone. Die Ingenieure, die intelligenten, sind Urheber oder Mitarbeiter, zuweilen ungeschützt. Ein Leckerbissen für Patentanwälte.

Aber ehe sich das Geschäft in ein bread-and-butter-Geschäft verwandelt, sieht man sich bereits nach einem Nachfolger um. Es ist OLED! Der Chef von OSRAM hat - fast merkellike - große Worte in den Lichthimmel fliegen lassen: „Wir erleben einen dramatischen Wandel, wie ihn der Lichtmarkt vielleicht in den letzten 100 Jahren nicht erlebt hat“.

Stimmt. Vor hundert Jahren (und etwas mehr) hat sich Siemens mit Hilfe von Licht zu seinem Kerngeschäft verholfen: Verkauf von Generatoren und Stromkabeln. Denn es gab keine anderen Stromverbraucher. Und OSRAM war ein Warenzeichen der Deutschen Gasglühlichtanstalt. An dem Objekt beteiligten sich später Siemens, AEG und General Electric Company. Erst viel, viel später kaufte Siemens alles auf, weil nicht nur AEG, sondern auch OSRAM hatten angefangen, streng zu riechen. Als dann Siemens anfing, alle Bereiche abzustoßen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, wurde die Lichtsparte an eine Heuschrecke verkauft, während OSRAM wohl zum Kerngeschäft gehörig erkannt und behalten wurde.

Und nun das! OSRAM wird verkauft. Vielleicht um die LEDs besser und schneller zu entwickeln? Ja und nein. Die gestern gestartete Produktion von OLEDs (organische LEDs) ist wahrlich eine Revolution, weil diese Produkte eine scheinbar unaufhaltsame Entwicklung in der Technik der Leuchtmittel total umkehren. Das Gegenstück zu „immer größer, stärker, schneller“ in der Autotechnik hieß in der Lichtbranche immer heller, immer stärker. Je kleiner eine Einheit, aus der man den gleichen Lichtstrom rausholt, und je größer der Lichtstrom, den man aus der gleichen Menge Energie erzeugt, desto stolzer der Entwickler. Bis zur Ankunft der LED, meistens ein Physiker.

Was ist daran zu bemängeln? Das erfahren Leute, die unter einer Leuchtstofflampe arbeiten müssen. Von der einstigen T12-Lampe (Durchmesser 38 mm) zur T5-Lampe wuchs die Leuchtdichte von einigen Tausend auf etwa 40.000 cd/m², also um den Faktor 20. Da die Blendung etwa mit dem Quadrat der Leuchtdichte ansteigt, ist es kein Wunder, dass nur die Techniker die T5-Lampe offen genießen wollen. Für den Rest der Welt gehört die hinter einen Schleier. Der schluckt aber Licht. Die Lampe ist effizienter, eine Beleuchtung damit nicht unbedingt.

Die LEDs gehören in dieser Hinsicht in die gleiche Linie. In ihrem Kern weisen sie Leuchtdichten bis in siebenstellige Höhe auf. Deren Beherrschung ist weniger den Physikern als den Elektronikern übertragen. Die können natürlich vom Beruf Physiker sein. Und auch deren Kern-Kunst ist gefragt, weil das Beherrschen der Thermik derzeit die Hauptaufgabe ist.

Worin besteht die Revolution? Die OLEDs sind flächige Elemente, die sehr niedrige Leuchtdichten aufweisen und somit völlig andere Wege in der Beleuchtung aufzeigen. Das ist die eine Seite der Revolution. Die andere liegt in der Technik der LED, die verhältnismäßig kleine Lumenpakete erlaubt. Somit kann man auch flächig verteilte Beleuchtung realisieren, aber mit Punkten mit hoher Leuchtdichte. So kann man mit der einen Technik. OLED,  gleichmäßige Lichtschleier erzeugen, ohne jemanden zu blenden, und mit der anderen, LED, Glanzpunkte setzen.

Der OSRAM-Chef wird vermutlich Recht behalten. Ob sein bisheriges Personal seine Arbeit behalten kann, ist indes fraglich. LED, mit oder ohne O davor, verlangt nach anderen Fachleuten sowohl in der Technik der Leuchtmittel, als auch in der Technik der Leuchten. Derzeit besteht es vornehmlich aus Elektronik und Kühlkörpern. Es sind halt neue Zeiten.

Licht und Qualität

31.08.2011

SCHON WIEDER GLÜHLAMPENVERBOT

Es ist raus: Für die Verbraucher spielt die Lichtqualität keine Rolle - hat eine Studie von Emnid fachkundig festgestellt: „Vier von fünf Deutschen unterstützen das Verbot der traditionellen Glühlampen ab dem 1. September: In einer am Dienstag veröffentlichten Emnid-Umfrage sagten 79 Prozent, sie fänden es richtig, im Sinne des Umweltschutzes auf effiziente Beleuchtung zu setzen. Beim Kauf suchen demnach zwei Drittel gezielt nach energiesparenden Lampen mit niedrigem Stromverbrauch. Das zweitwichtigste Kriterium ist demnach der Kaufpreis. Lichteigenschaft oder Form und Design der Lampe spielten eine untergeordnete Rolle, ergab die Befragung.“ Jedenfalls in der Meldung vor AFP, die vor genau 20 Stunden durch die Ticker lief. Wer noch richtig tickt, muss nicht einmal raten, wer die Studie in Auftrag gegeben haben könnte. Bestimmt nicht die Chemieindustrie - die gibt nur Studien in Auftrag, deren Ergebnis lautet: Die Verschmutzung des Rheins kommt nicht aus den Abwässern der Industrie, sondern von den Fischen, die tot im Rhein herumschwimmen. (geklaut bei Otto)

Der erste Kommentar zu der Meldung auf der Yahoo-Seite sagt: „Vier von fünf Deutschen hamstern traditionelle Glühbirnen", so wird ein Schuh draus.

Ja, so isses! Den Verbrauchern ist es egal, dass der Sonntagsbraten unter der effizienten Ökofunzel wie Gammelfleisch aussieht. Hauptsache effizient. Wirklich? Warum essen die eigentlich einen Braten? Hat jemand ausgerechnet, was ein deutscher Schmorbraten für eine Verschwendung an Energie bedeutet? Nee, nich? Chinesisch essen würde schon an einem Sonntag mehr Energie sparen als die Glühlampe in einem Monat verbraten könnte. Ein Wok ist etwa 20-mal so effizient wie ein Schmortopf. Oder 10-mal? Oder 30-mal? Ich will nicht feilschen wie die, die die Effizienz von Lampen berechnen. Wer gerne Schweinebraten ist, wird eh nicht auf Chop Suey umsatteln. Und die gute deutsche Bratpfanne wird ewig Energie ins All schleudern - es sei denn, jemand missbraucht diese, um den Leuten, die dem Volk dumme Fragen stellen, eins überzubraten.

Aber das ultimative Sparwunder ist Sushi. Es wird roh gegessen, nur der Reis muss gekocht werden. Sushi ist so ökologisch wie die Energiesparlampe auch.

Sushi zu essen könnte bald die Endlösung der Frage der Verschmutzung der Weltmeere durch Fische bedeuten. Nachdem wenige Völker der Erde 90% des weltweiten Fischbestandes von vor 50 Jahren flugs in Sushi und Hühnerfutter verwandelt haben, überlegen sich Meeresökologen, wie das Weltmeer ohne Fische aussehen könnte. Schön grün, hat man herausgefunden. Algen überall. Der blaue Planet jetzt auch auf dem Ozean grün!

Lassen wir die Esserei. Es gibt noch etwas, was man verbieten könnte, wenn Qualität keine Rolle spielt: das Auto. Auf den Philippinen gibt es Vehikel, die mit einem Mofamotor bis zu acht Leute übereinander gestapelt bewegen. Die sind so energieeffizient, dass sogar die Tuktuks aus Thailand verboten werden müssten. Und bei jeder Steigung müssen die Acht aussteigen und schieben. Hilft ungemein gegen Fettleibigkeit. Also braucht man keine Autos. 

Nehmen wir an, die Emnid-Studie hätte die Wahrheit ans Licht gebracht, sofern danach gefragt wurde. Hat man denn die Verbraucher auch gefragt, was sie davon halten, dass man ein ökologisch unbedenkliches Produkt (Glühlampe) durch eines mit einem der stärksten Umweltgifte ersetzt, ohne ein flächendeckendes Rücknahmesystem zu organisieren? Stiftung Warentest hat im April 2010 angegeben: „Laut Deutscher Umwelthilfe landeten 2007 rund 90 Prozent der privat genutzten Lampen im Hausmüll. Oft zerbrechen sie bei dieser Entsorgung, sodass Quecksilber in die Umwelt gelangt.“ Auch im Jahr 2011 landete Quecksilber aus den "ökologischen" Lampen in der Landschaft. 

2007 war es 22 Jahre nach der Ankündigung des Sparwunders auf der Hannover Messe. Der hohe Herr, der es der Weltöffentlichkeit präsentierte, Alfred Wacker, seines Zeichens Marketingleiter bei Osram, soll dabei gesagt haben: „Im Treppenhaus gern, bei Tisch bitte nicht!“ Sehr dumm, vom hohen Herrn, seine Firma gibt heute zerknirscht zu, dass die Lampen dort nichts zu suchen hätten, wo häufig ein- und ausgeschaltet wird. Sie brauchen sehr lange, bis sie ihre „Effizienz“ erreichen. Im Treppenhaus sind sie längst ausgeschaltet, wenn sie effizient strahlen. Zudem auch nicht sehr lange. Häufiges Umschalten vertragen sie nicht. Wie ökologisch ist es, eine neue Lampe einzuführen, die man auf Dauer eingeschaltet lässt, weil sie nicht ausgeschaltet werden mag?

Also Lichter im Treppenhaus möglichst lange brennen lassen? Dann hat man aber effizient gestrahlt. Ein Treppenwitz, der morgen am 1. September 2011 seine nächste Phase erreicht. Auch die 60-W-Glühlampe muss den Gang in die Geschichtsbücher antreten. Und wer die lesen will, wird künftig eine Energiesparlampe anknipsen müssen. Oder man spart gleich die gesamte Energie und lässt die Funzel kalt und dunkel. Solche Geschichten muss man nämlich nicht lesen. Wozu macht man sonst Licht?