07.08.2014
Vorgestern hatte ich mit Zahlen aus einem Buch belegt, wie es um die Beziehung von Lichttechnik und Ergonomie bzw. Human Factors steht (Tabelle wieder unten). Es steht nicht gut. Heute habe ich mir das Zahlenwerk noch einmal angesehen. Für die traditionelle Lichttechnik steht es auch nicht so gut. Wie ich dazu komme?
Wenn hierzulande Experten über Licht reden, dauert es keine ganze Minute und einer sagt etwas von Lux, meistens gefolgt von einer Zahl, nämlich 500. Sie scheint eine Naturkonstante zu sein. Mit dieser Zahl wird die „Stärke“ der Beleuchtung charakterisiert, und deswegen heißt die Größe „Beleuchtungsstärke“. Zwar kann man die Stärke, d.h. die Intensität der Beleuchtung ohne die Richtung des Lichts, woher es kommt oder wohin es fliegt, gar nicht charakterisieren, weil die Menge weniger wichtig ist als die Richtung. Was nützt mir 10.000 Lux auf dem Hinterkopf, wenn ich das Gesicht davor sehen will?
Dennoch hat sich unsere Fachwelt darauf geeinigt, aus einem Vektor einen Skalar zu machen, indem man die Richtung fest vorgibt und nicht mehr erwähnt. Licht kommt immer von oben - und geht nach unten. Da die Lichttechnik Jahrzehnte lang versucht hat, die Natur nachzuahmen, muss diese Richtung etwas damit zu tun haben. Steht die Sonne bei uns nicht dauernd im Zenit? Leider nicht. Das tut sie in den Tropen, aber auch dort recht selten. An den Wendekreisen macht sie es gar nur einmal im Jahr, und das nur mittags. Dafür stehen unsere Sonnen, die elektrischen Leuchten, stets auf dem Zenit, sprich an der Decke. Das ist kein Naturgesetz, und es ist in Wohnräumen lange nicht mehr die Regel. Nur in Arbeitsstätten fällt das Licht immer von der Decke nach unten.
Egal, deutsche Lichttechniker können nicht ohne die 500 lx horizontal! Was denkt wohl der Autor des analysierten Buches? Siehe da! Das Wort Leuchtdichte - d.h. dessen englische Version - ist das zweithäufigste Wort, wenn man von „the“ oder „of“ absieht. Man müsste eigentlich noch zwei oder drei Begriffe hinzuzählen, die in der Tabelle nicht enthalten sind, weil dazu die deutschen Pendants fehlen, z.B. „Lightness“ oder „Luminous exitance“. Dann käme „Leuchtdichte“ oder was die bedeuten soll, an die erste Stelle. In der Straßenbeleuchtung ist sie seit Jahrzehnten das Maß aller Dinge, d.h. die Lichtplanung erfolgt auf der Basis dieser Größe. Immer wenn man Lichtwirkungen beschreiben will, kommt man an der Leuchtdichte nicht vorbei.
Ich bin bislang bei allen Gremien und Fachleuten abgeblitzt mit dem Anliegen, die Leuchtdichte als Maßstab für die Beleuchtung allgemein einzuführen. Die Idee ist weder neu noch von mir. Als sie in der Straßenbeleuchtung eingeführt wurde, war ich noch ein kleiner Schüler. Und mancher, bei dem ich abgeblitzt bin, hatte die damalige Entscheidung mitgetragen oder gar mit herbeigeführt. So what?
Schlichte Erkenntnis: Wenn Du den herrschenden Interessen zuwiderhandelst, blitzt du ab, auch wenn du recht hast. Oder der Blitz trifft dich. Etwas schwerer zu verstehen: Das herrschende Interesse betrifft auch mich, weil es meinen Beruf wahrscheinlich so nicht gegeben hätte, wenn man sich nicht einfache Regeln oder Größen ausgesucht hätte, die den Welthandel mit „Licht“ ermöglichen. Die "wahre" Grundgröße ist Lumen (lm). Daran misst man z.B., ob man seine Energie sinnvoll eingesetzt hat oder nicht (lm/W ist wieder in aller Munde, s LED-Diskussion überall). Ob man die Lumen an der Decke vernünftig auf die Arbeitsplätze verteilt hat (lm/m²), liest man an der Beleuchtungsstärke (lx). Also? Die Größe (Horizontal-)Beleuchtungsstärke dient zum Nachweis der Erfüllung des Auftrags durch den Planer. Mit der Leuchtdichte kann erstens kein Laie etwas anfangen. Und zweitens: sie ist verdammt schwer nachzumessen.
So weit, so gut. Dumm ist nur, dass es nicht erst seit vorgestern fast unwichtig ist, wie viel Licht auf der Arbeitsfläche ankommt, seit wir ein Übermaß an Licht erzeugen können. Das stets angeführte Argument der Sicherheit und des Arbeitsschutzes sollte man am besten auch vergessen. 1 lx (in Worten EIN LUX) reicht, um eine Arbeitsstätte sicher zu evakuieren. Dass die Sehleistung ziemlich egal ist, sofern es sich nicht um anspruchsvolle Sehaufgaben handelt, wusste man bereits 1960 (!). Deswegen suchte man in den 1970ern nach einem Kriterium für die Festlegung von Beleuchtungen und fand als Kriterium…? Das Erscheinungsbild der gebauten Umgebung. Und diese wird nicht durch die Beleuchtungsstärke bestimmt, sondern durch die Verteilung von Leuchtdichten und Farben. Bestimmt! Dumm nur, dass man sich viel Mühe geben muss, um einem Auftraggeber dies zu dokumentieren.
eigentlich sollte man lieber in der Vergangenheitsform sprechen. Moderne Rendering- und Simulationsverfahren auf Basis von Raytracing und Light Tracing (insbesondere Path Tracing und Bidirectional Path Tracing) haben die lichttechnische Planung revolutioniert, da sie die physikalische Ausbreitung von Licht exakt nachbilden. Obwohl Light Tracing Leuchtdichten im Raum punktgenau und fotorealistisch berechnen kann, bleibt die Beleuchtungsstärke (Em in Lux) in Normen wie der DIN EN 12464-1 oder der ASR A3.4 weiterhin der primäre rechtliche Vorgabewert für Arbeitsstätten.
14.07.2014
Heute las ich in dem Buch eines der größten Koryphäen der Lichttechnik. Interessant ist zum einen, dass er geschrieben hat, die letzte Ausgabe des Buchs hätte er erst 2002 geschrieben und hätte keine so schnelle Überarbeitung geplant gehabt. Nu wäre so viel geschehen in den letzten 12 Jahren … Toll, dass man auf einem Fachgebiet so schön planen kann, dass wichtige Bücher alle 20 oder mehr Jahre überarbeitet werden müssen. Man konnte auch sagen, es passiert nicht viel. Aber diesmal ist auf dem Gebiet der Lichttechnik doch was passiert.
Es wäre ja noch zu ertragen, wenn auf einem Fachgebiet wenig passiert. Was mich aber am Buch interessiert hat – das war der Grund für die Beschaffung – war, was er zu einem bestimmten Thema zu sagen hatte. Das Thema heißt: Können Umadaptationen zwischen dem Bildschirm und anderen Sehobjekten (Papier) den Menschen irgendwie beeinträchtigen. Denn von der Antwort auf diese Frage hing einst die gesamte Computertechnologie ab. Diese hatte den elektronischen Monitor, vulgo Bildschirmterminal, als Zugang zu den Tiefen des gespeicherten Wissens entdeckt. Da die Bildschirme aber nur mit 50 Hz oder 60 Hz betrieben wurden, musste die leuchtende Fläche klein gehalten werden. So kam man auf die Idee mit heller Schrift auf dunklem, häufig sogar schwarzem, Hintergrund. Diese Abbildung war genau das Gegenteil des beschrifteten Papiers, das die Menschen neben dem Bildschirm zu benutzen hatten. Das Leuchtdichteverhältnis zwischen den beiden betrug 1:20 bis 1:100. Die Weisheit der Lichttechnik besagte, dass die wichtigen Sehobjekte etwa die gleiche Leuchtdichte haben müssen. Deren Umgebung durfte dunkler sein (max. 1:3). Die weitere Umgebung durfte noch dunkler sein (max. 1:10)
So hatte ich die Frage, ob die Umadaptationen zwischen dem Bildschirm und anderen Sehobjekten den Menschen beeinträchtigen, 1976 ohne Zögern mit Ja beantwortet. Erstens hatte ich gelernt, dass Umadaptationen viel geringeren Ausmaßes, so etwa wenn ein Fußballspieler vom Feld zur Tribüne guckt, und nur zeitweilig geschehen, so maximal 2 Stunden, Spiel + Verlängerung, zur Ermüdung führen. Deswegen hatten die größten Hersteller von Flutlichtanlagen eine Norm gemacht, die die Beleuchtung der Tribünen auf das gleiche Niveau heben sollte wie auf dem Feld.
Wenn die armen Spieler davon ermüden, dass sie einmal die Woche 2 Stunden auf dunklere Tribünen schielen, was macht ein Büromensch, der am Tage 33.000 Mal zwischen einem hell beleuchteten Papier und einem praktisch schwarzen Bildschirm hin und her guckt? Die Zahl hatten wir berechnet, nachdem wir die Blickbewegungen bei der Arbeit gefilmt und ausgezählt hatten. Und die Augenbeschwerden? Bei den Menschen, die tatsächlich ihre 33.000 Blickbewegungen am Tage hatten, hatten 85% Augenbrennen bis Tränen in den Augen. Wer nur auf dem Bildschirm arbeitete oder nur auf dem Papier, beschwerte sich halb so häufig. So das Ergebnis von 30 Feldstudien mit über 1.000 Beteiligten.
Da die Reaktion darauf für mich klar zu erwarten war, hatte ich keine Messgeräte benutzt, die die Zählung automatisch machten, sondern Aufnahmen von den Augen gemacht, damit man auch später sehen konnte, was mit ihnen dabei passiert. Meine Schlussfolgerung aus dem Ganzen war: Bildschirme müssen einen hellen Hintergrund haben, und auch deren Gehäuse und Tastaturen müssen etwa die gleiche Leuchtdichte aufweisen. Wenn nicht, gibt es ständig erzwungene Pupillenbewegungen im Sekundentakt. Präzise gesagt etwa alle 0,8 Sekunden. So oft guckte eine Datentypisrin oder eine Schreibkraft hin und her.
Aus heutiger Sicht kann sich keiner vorstellen, was die Hersteller dazu bewog, diese Idee heftigst zu bekämpfen. Die Sache ist gegessen. Einfach: Die Hersteller konnten nicht und sie wollten sich nicht nachsagen lassen, Geräte zu verkaufen, die die Menschen belasten. Ergo? Was macht der Hersteller, wenn er nicht kann? Ich kannte die lange Geschichte des Arbeitsschutzes nur zu gut und wusste ziemlich genau, was kommen würde.
Zuerst macht er die Methode madig, die zu der unerfreulichen Erkenntnis geführt hat. Das versuchte ein großer deutscher Hersteller – er stellt heute nichts mehr her, was Menschen benutzen, nur noch Industriegüter - mit einer großen Trickserei. Die von ihr in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass die Sache tatsächlich stimmt, aber erst bei einem Verhältnis von 1:100 zwischen Bildschirm und Papier. Da kein Gerät so dunkel war – falls es doch sein sollte, half eine Prüfstelle etwas mit der Messung nach - war die Sache für diesen Hersteller gegessen.
Ein deutscher Prof. profilierte sich fortan mit den Ergebnissen international und vergaß anzugeben, dass der Auftrag von einem Hersteller gekommen war und das gewünschte Ergebnis erbracht hatte. So etwas nennt man funktionelle Amnesie! In der Community der Wissenschaft wird sie allerdings mit Ächtung bestraft. Wer Interessenkonflikte verheimlicht und Auftragsarbeit als Wissenschaft ausgibt, ist meist bald raus.
Der richtige Widerstand kam aber von einem internationalen Hersteller. Der hatte damals Ergonomie-Labore, deren Experten meine Methoden anzweifelten und daher eigene Studien anstellten. Mein Angebot, sie mögen die Studien Studie sein lassen und sich die Filme angucken, schlugen sie aus. Dann hätten sie das gesehen:
Die hellen und dunklen Objekte in diesem Video unterscheiden sich in der Leuchtdichte nur um den Faktor 3, und das Auge ist helladaptiert wie im richtigen Leben, während der Faktor in der Realität 10 bis 30 betrug. Dass bei solchen Verhältnissen zumindest die Pupille in heftige Bewegungen gerät, konnte man berechnen, vorhersagen oder eben filmen. Die Firma weigerte sich, meine Filme anzusehen.
Die Sache habe ich später verstanden. Hätte sie die Filme offiziell angenommen, hätte sie sehen müssen, dass unterschiedliche Helligkeiten eine erzwungene physiologische Reaktion auslösen. Dann hätte sie ihre Geräte nicht verkaufen dürfen, während die Konkurrenz - so ahnungslos, wie sie war - munter weiterverkaufen durfte. Solche Probleme haben wir in Deutschland zum Glück nicht.
Meine Erkenntnisse kamen zuerst in die Sicherheitsregeln der BG, später sogar in die Gesetzgebung (Bildschirmrichtlinie der EU). Seit 2014 sind sie in der Arbeitsstättenverordnung. Alles schien in Ordnung, so etwa 25 Jahre, während einer Periode, in der auch der besagte internationale Hersteller gelernt hatte, helle Bildschirme zu bauen. Was denn sonst?
Es störte aber immer noch, dass auch die Geräte hell sein sollten und ihre Tastaturen auch. Da kam der Hersteller mit zwei Studien, die zeigen sollten, dass die Anforderung unbegründet war. Zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass dieser Hersteller die Studien als seine Auftragsarbeit präsentiert hat, während andere durch die Landschaft ziehen und sich Profs. aussuchen, die die passenden Ergebnisse liefern. Bis sie einen finden, der die Sache so dreht und wendet, dass sie passt. Ein anderer Hersteller hat sogar einen britischen Professor gefunden, der nachwies, dass ein Gerät nicht glänze, obwohl es zum Glänzen gemacht worden war. Da man nicht nur bei diesem Thema ähnliche Vorgänge erwarten darf, haben wir die Sache gründlich und wissenschaftlich untersucht (mehr hier BAuA Forschungsbericht 1066 und 1067 Einfluss von optischen Oberflächeneigenschaften von IT-Produkten auf Benutzer)
Wie man in diesen Berichten in drei Sprachen lesen kann, zeigte, dass die eine Studie, die der Hersteller präsentiert hatte, das Geld nicht wert war, weil die Randbedingungen so waren, dass eigentlich das Gegenteil des Erwünschten herausgekommen war. Die zweite Studie war besser ausgeführt, weil der Forschungsleiter die besagte Koryphäe war. Seine Schlussfolgerung kurz und bündig: Die Leuchtdichten der Gehäuse der Geräte braucht man überhaupt nicht zu beachten. Alle Stellen, die diesbezügliche Regeln aufgestellt haben, werden aufgerufen, diese wieder zu beseitigen.
Diese Erkenntnis widersprach aber dem, was die Koryphäe in den Jahrzehnten davor veröffentlicht hatte. Und meine ursprüngliche Erkenntnis baute auf den Weisheiten solcher Leute auf. Was sagt unsere Koryphäe nun in seinem Buch dazu? Erstens: Er zitiert sich 30 Mal in dem Buch, und die Zeitschrift, deren Chef er ist, etwa 200 Mal. Die besagte Studie wird aber nicht zitiert. Dafür eine andere von anderen Autoren. Und die besagt? Was so etwa seit 35 Jahren gilt. Was sonst?

Je größer das Helligkeitsverhältnis zwischen dem Bildschirm und dem Papier, desto schlimmer die Augenbeschwerden. Dieses Ergebnis, abgebildet in einem Buch aus dem Jahr 2014, hatte ich 1976 aus dem Wissen abgeleitet, das ich als Student der Lichttechnik erhalten hatte. Warum ein (fast) Krieg über vier Jahrzehnte, in dem u.a. drei Professoren aus drei Ländern Forschungsberichte schrieben, die ihren veröffentlichten Werken widersprachen?
Was bedeutet eigentlich caveat emptor? Das habe ich seinem Buch entnommen, dort, wo er die Studien bemängelt, die eine Verbindung zwischen Leistung und Beleuchtung nachweisen sollten. Der Begriff kommt aus dem Römischen Recht und bedeutet, „Möge der Käufer sich in Acht nehmen“ (ein Rechtsgrundsatz, wonach beim Kaufvertrag der Käufer das Risiko dafür trägt, dass der Kaufgegenstand frei von offenen Sach- und Rechtsmängeln ist. Konnte sie der Käufer erkennen, ist eine Mängelhaftung des Verkäufers ausgeschlossen). Im Volksmund würde man sagen „Wer’s glaubt, wird selig!“
Oder: Augen auf, später hilft Dir keiner! Oder man findet sich einen Prof., der …
30.05.2014
Über Kinderfahrräder, die bereits am Tage bei Sonnenschein blenden, wurde in diesem Blog schon mehrfach berichtet. Nicht soo schlimm - nur ein bisschen unangenehm? Über die schlimmen Folgen des LED-Hype wurde allerdings nichts erzählt, weil die über das „nicht-so-schlimm“ weit hinausreichen.
Die Rede ist vom Tagfahrlicht, einer Sache. die entschieden schien. Sie kam aus dem Norden zu uns, wo man zu bestimmten Zeiten Tag von der Nacht nicht unterscheiden kann. Also fuhren die Autos dort mit Licht. Später sagte man sich: „Warum nicht immer?“. So wurde das Tagfahrlicht geboren. Dagegen hielten nur diejenigen, die um die Sicherheit der Motorradfahrer besorgt waren. Diese nämlich waren die einzigen Teilnehmer am öffentlichen Verkehr, die auch tagsüber mit Licht fuhren, damit man sie gleich erkennt. Fahren alle Teilnehmer mit Licht, fallen die Motorräder weniger auf bzw. gar nicht. Ach, ja, Motorradfahren ist eh gefährlich. Was machen ein paar Tote mehr schon aus?
Nun will - nein, muss - alles Volk tagsüber mit Licht fahren. Natürlich, sofern man dies kann. Abgesehen von der Schweiz, wo man auch Pferde mit bunten Stopplichtern versehen haben soll, gibt es in Europa Verkehrsteilnehmer, die kein Tagfahrlicht tragen wollen oder können. Dazu gehören Fussgänger, darunter Kinder. Wo liegt das Problem?
Licht ist gut - mehr Licht ist besser … Helles Licht ist gut, helleres Licht ist viel besser … und so weiter, weiter… Am Ende kommt LED oder richtiges Laserlicht – heller, besser, effizienter. Damit kann man Autos so ausstaffieren, dass auch der Dööfste im schlimmsten Tohuwabohu auf der Straße einen sofort sieht. Das steigert die Verkehrssicherheit – so die herrschende Meinung!
Dummerweise gibt es auch eine Theorie über den Informationsgehalt von Objekten, die besagt: „Je seltener ein Ereignis, desto größer der Gehalt an Information“. Will sagen, was seltener vorkommt als andere, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Davon leben z.B. die schrillen Typen, die sich bewusst anders anziehen als das „Volk“ - Paris Hilton oder Boy George oder ähnliche Figuren. Zudem gibt es noch eine Erkenntnis aus dem Fach „Populationsstereotypie“ oder schlicht Ergonomie, die besagt: „heller bzw. kontrastreicher ist bedeutsamer“. So fallen auf unseren Straßen die Autos mit den schicken neuen LEDs oder Lasern jedem sofort auf, was durchaus den Intentionen der Hersteller und deren Käufer entspricht. Zu dumm nur, dass nicht alle gleichzeitig auffallen können. Siehe Informationstheorie bzw. Las Vegas Effekt. Wenn alle glitzern, fällt keiner mehr auf. Oder alle gleichzeitig.
Noch dümmer: Die gefährlichsten Objekte im Straßenverkehr sind nicht notwendigerweise die Autos der Reichen, sondern viele andere Vehikel, die (noch nicht) mit dem gleißenden Licht ausgestattet sind. So z.B. kann ein Fahrrad tödlicher sein als ein Auto, weil man erstens das Fahrrad nicht hört und zweitens dessen Lenker keinen Führerschein besitzt. Zudem fährt dieser womöglich auf dem Bürgersteig und denkt nicht an brüderliches (schwesterliches) Teilen. So scheint es plausibel, dass die schönen hellen Lichter der Autos bei Tage die Verkehrssicherheit untergraben statt zu fördern. Unbeleuchtete Kinder, die zudem in gleißendes Laserlicht schauen, morgens auf dem Schulweg, scheinen doppelt gefährdet.
Eine Initiative, die dies stoppen will, begründet ihre Argumente hier (Link führt zu Lightmare). Artikel zur Förderung der Verkehrsunsicherheit finden Sie da. Warum ein Professor für Augenheilkunde der LED den Heiligen Krieg erklärt hat, kann man hier gut verstehen lernen (Link führt zu Videos über Lichtverschmutzung).
LED - eine strahlende Zukunft? Erst einmal gefährdet sie den Verkehr und die Kinder. So steht es geschrieben. Wer sich ein genaues Bild machen will, kann von diesen Adressen aus weiter forschen:
hier lightmare.org
hier Tirol Kompetenzzentrum für Lichtverschmutzung und Nachthimmel
Wer nicht forscht, kann bald der Dumme sein: Wer den Zeitgeist heiratet, ist bald Witwe(r).
24.04.2014
Keine Ahnung! Ich kenne nur den Spruch „Blau macht schlau“. In der Schule kannten wir die Sache in anderer Form: „Sei schlau, mach blau!“ Seit es einigen „Forschern“ gelungen ist, mit unhaltbaren Methoden dem Rest der Welt weiszumachen, dass ein hoher Blauanteil im Licht Schüler schlauer machen soll, schwelgt die Presse in hohen Tönen von Lichtwirkungen wundersamer Art. Eigentlich müsste man die Forscher und die Berichterstatter dazu verdonnern, ein paar Tage unter Blaulicht zu arbeiten. Und dann die Zunahme an Schlauheit, Pardon, Intelligenz messen.
Wenn der Pfeil den Bogen verlassen hat, ist er schwer wieder einzuholen. Eigentlich arbeiten Forscher seit langem an den jetzt verballhornisierten Wirkungen des Lichts. Ein gewisser Hollwich, Professor für Augenheilkunde in der Stadt, aus dem gleich zwei erfolgreiche Krimireihen kommen (Tatort in der ARD und Wilsberg im ZDF), hatte bereits in den 1940er Jahren ermittelt, dass wichtige Körperfunktionen von dem Licht in der Umgebung beeinflusst wurden. Licht und Strahlung als Therapie waren schon viel früher bekannt. Einen Bezug von Krebserkrankungen und Licht hatte man bereits in den 1950er Jahren vermutet. Dass viele Störungen des Menschen in der Arbeitswelt mit Licht zusammenhingen, hatte Hollwich in den 1960er Jahren mit der Leuchtstofflampe begründet.
Aktiv etwas mit Licht zu verbessern, anstatt sich mit Störungen zu beschäftigen, das hatten die Forscher vor, die 1984 nachgewiesen hatten, dass man mit künstlichem Licht die zirkadiane Rhythmik beim Menschen verstellen kann. Damit wollte man die Schichtarbeit, insbesondere in der Kerntechnik, „sicherer“ machen. Leider wären die Mittel zu brachial; man hätte 10.000 lx in die Augen knallen müssen, damit der Mitarbeiter noch morgens um 03:00 Uhr wach bleibt. Mittlerweile ist der „Bedarf“ an Licht, um die Bestrahlten wach zu halten, drastisch gesunken. Man hat sich darauf geeinigt, dass „blau“ im Licht ausreicht, um wundersame Wirkungen auszulösen. Allerdings glauben die Protagonisten wohl selbst der Story nicht, was man deutlich aus ihren Versuchsanordnungen ablesen kann. Sie verändern nämlich die ganze Gestaltung der Beleuchtung, nennen aber später nur die Lichtfarbe als Ursache der von ihnen - angeblich - festgestellten Wirkungen. (links Ausgangssituation, rechts die Testanordnung).
Kann einer von diesen Bildern schlau werden? Die Forschenden wollen die unterschiedliche Wirkung der beiden Szenarien damit erklären, dass der Raum rechts im Bild bläulicheres Licht erhalten hat. Ansonsten nichts? Was ist mit den grellen Lichtleisten auf dem linken Bild? Und die dunkle Decke, die die Blendung steigert? UNten sieht man noch eine andere Szene, ausnahmsweise nicht aus einem Büro:
Wenn es nicht gesagt worden wäre: Wer würde annehmen, dass es sich bei diesen Bildern um die gleiche Warte handelt? Hier sollte nachgewiesen werden, dass eine circadian optimierte Beleuchtung ein Arbeiten ohne Unterdrückung der Melatoninproduktion ermöglicht.
Manche Wirkungen sind tatsächlich erklärungsbedürftig, denn sie beruhen angeblich auf der Melatoninunterdrückung, was man sich nachts gut vorstellen kann; sie treten aber tagsüber auf, wo im Blut kein Melatonin vorhanden ist. Bei dem letzten Bilderpaar würde ich behaupten, die Wirkung beruhe auf der hellen Decke und auf der insgesamt helleren Raumerscheinung.
Mich erinnert die ganze Sache fatal an die Äthertheorie. Diese wurde von hochrangigen Wissenschaftlern wie Huygens oder Newton hochgehalten. Der Äther (griech. αἰθήρ [„aithḗr“], der (blaue) Himmel‘) ist eine hypothetische Substanz, die im ausgehenden 17. Jahrhundert als Medium für die Ausbreitung von Licht postuliert wurde. Man konnte nämlich nicht erklären, warum sich Licht im Universum ausbreiten konnte, denn nach dem damaligen Wissen musste dafür Materie vorhanden sein. So erfand man einen Stoff, der vollkommen durchsichtig war, und elastischer als Stahl, aber die Planeten ungehindert ziehen ließ. Und Gewicht hatte diese Materie auch nicht. Trotz aller Rückschläge in der Erklärung verwarf Newton die Theorie nicht und schrieb lediglich: „Denn was der Äther ist, weiß ich nicht.“. Der war doch der blaue Himmel! Newton und andere haben etwas beobachtet, was sie mit ihrem Wissen nicht erklären konnten. So haben sie den Äther erfunden, den es nicht geben kann, um die Erklärung wissenschaftlich zu untermauern.
Wir wissen häufig nicht, was wir tun. Das aber mit höchster Präzision. Wer sich dafür interessiert, was die Medien daraus machen, kann sich hier amüsieren oder nach Formulierungen wie „Digitaler Jetlag“, „Das blaue Display-Monsterchen“ oder „Schlaflos durch Smartphones“ googeln. Wer die Sache ernst nimmt, kann meine Beiträge in Licht zu den DIN-Expertensymposien lesen, die jährlich stattgefunden haben, und von dort aus die Literatur der angeführten Experten suchen.
23.03.2014
Heute las ich das Heft Nummer 1/2014 der Zeitschrift „dasbüro“, das „Magazin für Office-Excellence“. Meiner Meinung nach dürfte es sie nicht geben, weil wir das exzellente Office bereits Anfang der 1970er Jahre erfunden hatten. Warum gibt es eine offensichtlich überflüssige Zeitschrift immer noch? Oder wieder? Das steht in dem gerade gelesenen Heft auf Seite 6 unter News. Für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die wichtige Nachricht gescannt:
Nanu? Warum wollen sie denn nicht dorthin? Nur 1 % der Büromitarbeiter wollen ins Großraumbüro. Wieso fragt man die Menschen nach etwas, das es nicht gibt? Ich wundere mich, weil es bekanntlich nur noch das Open Space gibt. Und das ist nach führender Meinung von Büroexperten zukunftsträchtig. Das Wort Großraumbüro ist als Begriff verbrannt. Deswegen wollen die Kreativen nur noch Open Space bauen. (Die Bilder von alten Großraumbüros stammen alle von dem Architekten, der sie gebaut hatte. Er meint, dass sie schöne Bürolandschaften darstellen.
So dachten wir in der Lichttechnik Ende der 1960er auch. Nur hieß das Traumbüro damals Großraum. Führende Bürohausarchitekten, führende Büroplaner, führende … – ach, was alles, was führend war, kam damals zusammen und war sich darin einig, dass die Zukunft des deutschen Büros im Großraum liegt. Ob wir die Einsicht von oben bekommen hatten, oder eher als Folge der eigenen Unwissenheit über die Geschichte des Büros selbst generiert, sei dahingestellt. Ich denke, der wahre Grund war: Ein Großraumbüro würde ohne Technik nicht funktionieren, und ich war in einem Fachgebiet tätig, in dem führende Köpfe der nötigen Techniken (technische Akustik, Klimatechnik, Lichttechnik, Architektur etc.) führend tätig waren. Es würde für uns viel zu tun geben, und wir fingen früher an, als die Leute das Kommende erahnen konnten.
Wir wollten nicht nur das Herkömmliche nachahmen, so wie es die „Vorfahren“ taten, so z.B. die, die diese Idee entwickelten:
oder jene, auch nicht schlecht:
Nein, es sollte alles besser werden, als die Natur es hergibt. Als Erstes sollten die Fenster abgeschafft werden, weil man ohne sie besser klimatisieren und beleuchten kann. Wozu braucht man Fenster? Die einen sagten, für die Sichtverbindung nach außen. Die anderen sagten, die braucht man nicht, man ist ja zum Arbeiten da, nicht um herumzugucken.
Stimmt. So wurde etwa 1970 prophezeit, in fünf Jahren würden alle deutschen Büromenschen in Großraumbüros arbeiten. Das hat nicht einmal diejenige Organisation in Frage gestellt, die für die Sicherheit und Gesundheit der Büromenschen in Deutschland zuständig ist: Die Berufsgenossenschaft der Banken und Versicherungen (VBG). Sie saß selber in einem der Bürohäuser, die nach den damaligen Ideen top waren: In Hamburg, City Nord, Überseering. So wie City Nord sollte es später in ganz Deutschland aussehen.
An dem, was später kam, lässt sich begründen, warum sich nur 1 % der deutschen Büromenschen nach einem Großraumbüro sehnen: Die VBG zog aus City Nord in die Innenstadt, in das Levante Haus, mit einem Paternoster als Hebezeug für alle. Später zog sie in einen Neubaukomplex mit kleinen Zellenbüros. Keine ihrer Dienststellen in der Republik ist in einem Großraumbüro untergebracht.
Und was macht ihr altes Bürohaus? In Wikipedia steht: „2002 gab es einen Senatsbeschluss zur Wiederbelebung der Bürostadt. …“ Und vorher: „Die Veränderung von Arbeitsabläufen, insbesondere durch die Einführung von Bildschirmarbeitsplätzen hervorgerufen, gilt das Konzept des Großraumbüros weitgehend überholt. In den 90er Jahren erlebte die City Nord, deren Gebäude zum Großteil auf Großraum ausgelegt waren, einen Imageverlust. Unternehmen zogen weg, es kam zu größeren Leerständen. Die Eigentümer reagierten mit großen Investitionen in ihre Häuser. Vielorts ist der Großraum Einzelbüros gewichen. Nicht erhaltenswerte Gebäude wurden abgerissen, Neubauten entstanden…“
Wo lag eigentlich das Problem? Was haben wir damit zu tun? Langsam zum Mitschreiben: Die Klimatechnik behauptete seinerzeit, die Bedürfnisse des Menschen seien etwa 1935 bekannt gewesen, es ginge nur um die Umsetzung in Technik. Die Lichttechnik frönte ebenfalls einem Konzept aus den 1930ern: Allgemeinbeleuchtung. Und die Akustik wurde erst gar nicht gefragt. Büroplanung findet traditionell ohne sie statt, sie kommt erst später dran. Und kann daher entsprechend wenig ausrichten.
Was fehlt dem Menschen in Open Space, Pardon, im Großraumbüro: Ich denke: Kontrolle, d.h. effektive Einflussnahme auf relevante Umgebungsbedingungen nach individuellen Bedürfnissen.
Wie bringt man das bloß Leuten bei, dass die Hersteller durch die Normung selbst den Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Gebäude entziehen wollen?