Posts in Category: Allgemein

Sehen mit den Ohren - Hören mit den Augen 

26.03.2026

Manche Leute verwechseln
ihren Horizont mit einer Grenze –
und nennen das dann Fachgebiet..
d. Blogger

Auf licht-formt-leben.de wird ein neuer Artikel behandelt, der beschreibt, wie das Klangerlebnis in einem Konzertsaal von der Farbgebung beeinflusst wird. 

Der Beitrag diskutiert neuere Hinweise darauf, dass auditive Wahrnehmung durch visuelle Faktoren mitgeprägt wird, und verknüpft diese Beobachtung mit klassischer Forschung zur Wechselwirkung von Lärm und Blendung. Ausgehend von Berichten zur klanglichen „Färbung“ von Konzertsälen in Abhängigkeit von deren Farbgestaltung werden historische Befunde (unter anderem Östberg sowie Untersuchungen an der TU Berlin) herangezogen, die eine wechselseitige Verstärkung der Wirkung sensorischer Stressoren zeigen. Im Rahmen der Handlungsregulationstheorie werden Lärm und Blendung als Regulationshindernisse beschrieben, deren kombinierte Wirkung Leistungsfähigkeit und Fehlerraten überproportional beeinflussen kann. Abschließend wird die begrenzte Erklärungsleistung rein technischer Parameter (z. B. in der Büroakustik) als Argument für eine zurückhaltendere, interdisziplinäre Gestaltungspraxis herausgestellt.

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Die Zeit an den Haaren ablesen 

08.04.2026

Innovation ist oft nur das Wissen von gestern,
das heute an einem Ort angewendet wird,
an dem es vorher noch nie war.
d. Blogger

Die Forschung um die Lichtwirkungen auf die Biorhythmen des Menschen liefert eine neue Facette, die zunächst die Forschung selbst betrifft: Wie messe ich die Körperzeit eines Menschen? Danach kommt die praktische Anwendung: Studien zufolge kann die Tageszeit, zu der beispielsweise bestimmte Krebsimmuntherapien verabreicht werden, deren Wirksamkeit entscheidend beeinflussen. Man weiß es im Prinzip schon sehr lange, dass der gleiche Wirkstoff morgens anders wirkt als abends. Dass man das Prinzip präzise auf das Individuum herunterbricht, ist hingegen neu

Dies meldete der Berliner Tagespiegel am 08. April 2026. Anders als die UTC, Coordinated Universal Time, die für alle Menschen gilt, oder GMT, die nur noch für die Briten gilt, gilt die Körperzeit für ein einzelnes Individuum. Zwar synchronisiert das Licht der Sonne die circadianen Rhythmen aller Menschen mit dem Rhythmus von 24 Stunden. Aber das Individuum behält seinen Takt. Diesen individuellen Takt der inneren Uhr in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, ist Ziel der sogenannten circadianen Medizin, auch genannt Chronopharmazie.

Die Bestimmung der Körperzeit erfolgt bislang meistens im Speichel. Die Meldung im Tagesspiegel besagt, dass sie nur bei schwachem Licht über mehrere Stunden ermittelt werden kann. Das liegt an der Praxis der Schlafforschung. Der neuartige Test soll die Bestimmung an Haarproben ermöglichen.

Der Protagonist der Studie an der Charité Berlin, Prof. Achim Kramer, steckt hinter Bodyclock, einem Team, das diesen Test auch vermarktet. Das Produkt nennt es “weltweit ersten RNA-Haartest zur Bestimmung der inneren Uhr” : Dieser einzigartige Test hilft unseren Kunden dabei, ihre innere Uhr und ihren Schlaftyp (Chronotyp) kennenzulernen und mit personalisierten Empfehlungen den Schlaf zu verbessern, die Gesundheit zu stärken und Krankheiten zu vermeiden.

In diesem Blog meide ich alles, was nach Werbung aussieht oder klingt. Im vorliegenden Fall erinnere ich mich aber an zwei Personen, die mehrere Monate nicht schlafen konnten. Ihnen wurde mit der circadianen Medizin derart gründlich geholfen, wie ich es eher für gelogen gehalten hätte. Daher gebe ich die Webadresse gerne weiter. Man kann  sich dort ausführlich über circadiane Rhythmen und ihre Bedeutung informieren.

Das folgende Video ist vom ZDF und wird auf der Website von Bodyclock zitiert. Das nächste Video fand ich informativ. Das letzte Video erklärt alles spielerisch-sachlich.

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Hören mit den Augen - Sehen mit den Ohren

08.04.2026

Manche Leute verwechseln
ihren Horizont mit einer Grenze –
und nennen das dann Fachgebiet..
d. Blogger

Auf licht-formt-leben.de wird ein neuer Artikel behandelt, der beschreibt, wie das Klangerlebnis in einem Konzertsaal von der Farbgebung beeinflusst wird. 

Der Beitrag diskutiert neuere Hinweise darauf, dass auditive Wahrnehmung durch visuelle Faktoren mitgeprägt wird, und verknüpft diese Beobachtung mit klassischer Forschung zur Wechselwirkung von Lärm und Blendung. Ausgehend von Berichten zur klanglichen „Färbung“ von Konzertsälen in Abhängigkeit von deren Farbgestaltung werden historische Befunde (unter anderem Östberg sowie Untersuchungen an der TU Berlin) herangezogen, die eine wechselseitige Verstärkung der Wirkung sensorischer Stressoren zeigen. Im Rahmen der Handlungsregulationstheorie werden Lärm und Blendung als Regulationshindernisse beschrieben, deren kombinierte Wirkung Leistungsfähigkeit und Fehlerraten überproportional beeinflussen kann. Abschließend wird die begrenzte Erklärungsleistung rein technischer Parameter (z. B. in der Büroakustik) als Argument für eine zurückhaltendere, interdisziplinäre Gestaltungspraxis herausgestellt.

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Phantom: Lambertscher Strahler

17.03.2026

Wir irren uns lieber nach
bewährtem Muster, als dass wir
nach neuen Regeln Erfolg haben
d. Blogger

In der Phantom-Serie beschreibe ich die Geister von Gestern, die uns noch lange verfolgen werden. Heute geht es um den Tageslichtquotienten. 

Der Beitrag erklärt, warum das Lambertsche Gesetz – ein mathematisches Modell für ideal diffuse Reflexion – in der realen Beleuchtungspraxis häufig zu Fehlinterpretationen führt. Ein Lambert‑Strahler würde in alle Richtungen gleich hell erscheinen, doch kein reales Material verhält sich exakt so. Trotzdem wird dieser Idealzustand in vielen Normen und Berechnungen impliziert.

Hauptaussagen

  • Lambert‑Modell als Phantom:
    Es wird in der Beleuchtungstechnik oft genutzt, obwohl reale Oberflächen (z. B. Papier, Monitore, Rasenflächen) stark davon abweichen. Die meistgebrauchte lichttechnische Größe, die Beleuchtungsstärke, verliert viel an Bedeutung, wenn sich die beleuchteten Oberflächen im Reflexionsverhalten von der Lambert-Reflexion weit unterscheiden.
  • Fehlschlüsse in Normung und Praxis:
    Viele Normen (z. B. DIN‑Normen zu Beleuchtungsstärken, Sportstättenbeleuchtung, Bildschirmarbeitsplätzen) basieren auf Annahmen, die physikalisch nicht zutreffen. So wird z.B. bei der Beleuchtung von Fußballstadien mit der Horizontalbeleuchtungsstärke gearbeitet, die nur wenig Sinn macht. Die Norm für Sportstätten, DIN EN 12193, enthält Anforderungen nur an die Horizontalbeleuchtungsstärke, obwohl die Betrachtungsgeometrien sehr unterschiedlich sind. Vor rund 60 Jahren hatte das Fernsehen die Einhaltung bestimmter Vertikalbeleuchtungsstärken gefordert, was Sinn macht. 
  • Probleme bei Bildschirmreflexionen:
    Man versuchte zwei  Jahrzehnte lang, störende Reflexionen über die Raumbeleuchtung zu vermeiden, statt Monitore zu entspiegeln, obwohl bekannt war, dass ihr Reflexionsverhalten nicht dem Lambert-Modell folgen kann. Die Anforderungen an Bildschirme werden in Abhängigkeit von Beleuchtungsstärken gestellt, obwohl störende Reflexionen nur wenig von der Beleuchtungsstärke abhängen.
  • Arbeitsplatzbeleuchtung:
    Vorschriften zur Leuchtenanordnung und zum Arbeitsraum führten zu teils absurden Anforderungen (z. B. ausschließlich matte Oberflächen, stark eingeschränkte Raumzonen). Der Nutzen, Minderung der Störungen durch Reflexblendung, ist aber mäßig bis nicht vorhanden, weil sich die Oberflächen nicht an das Lambertsche Gesetz halten.
  • Konsequenz:
    Viele Anforderungen sind praktisch nicht erfüllbar und werden daher ignoriert – zu Lasten der Benutzer.

Was hätte man tun sollen?

  • Mehr diffuses Licht statt stark gerichteter Beleuchtung
  • Entspiegelte Bildschirme statt Raumumbauten
  • Anerkennen, dass das Lambert-Modell ein hilfreiches Ideal ist, aber keine reale Grundlage für praktische Normen.

Fazit

Die unkritische Übertragung eines mathematischen Ideals in die Praxis hat zu jahrzehntelangen Fehlentscheidungen in Beleuchtungstechnik und Normung geführt. Statt unrealistische Bedingungen vorzugeben, sollten Beleuchtungskonzepte sich an realen Materialeigenschaften orientieren – und an den Bedürfnissen der Menschen.

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Mehr Licht hilft bei Diabetes

18.02.2026

Wende dein Gesicht der Sonne zu,
dann fallen die Schatten hinter dich.
d. Blogger

Der Berliner Tagesspiegel von heute berichtet von einem Lichtblick für Diabetes-2-Patienten. Die Quintessenz: "Forscher haben Diabetes-Patienten unter Tageslicht und unter Kunstlicht untersucht. Das Ergebnis: Der Stoffwechsel arbeitet stabiler. Das sind immerhin 9 Millionen Menschen in DEutschland, die viel Selbstdisziplin aufbringen müssen: feste Essenszeiten, die korrekte Einnahme der Medikamente, ausreichend Bewegung und Schlaf – all das müssen sie im Auge behalten. nun käme etwas Angenehmeres dazu: Sie sollten auch darauf achten, genug Tageslicht zu bekommen."

Das internationale Forscherteam um Joris Hoeks von der Universität Maastricht ließ 13 Diabetes-Patienten viereinhalb Tage in Räumen verbringen, die entweder mit natürlichem Licht durch große Fenster oder mit künstlichem Licht ausgeleuchtet waren. Es zeigte sich: Unter Tageslicht schwankte der Blutzuckerspiegel der Probanden deutlich weniger. Außerdem lag er in über 50 Prozent der Zeit im Normbereich, was ebenfalls ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den 43 Prozent unter Kunstlicht ist. Zudem sprach der Stoffwechsel unter Tageslicht stärker auf die Fettverbrennung an – auch in den Blutwerten war dieser Unterschied erkennbar. „Die Ergebnisse liefern eine starke Begründung dafür, dass sich die Forschung künftig mehr auf den Zusammenhang von Lichtexposition und Stoffwechselgesundheit fokussieren sollte“, resümiert Hoeks. „Und sie wirft weitere Bedenken hinsichtlich der Verbreitung von Büroumgebungen mit wenig Tageslicht auf.“

Die komplette Studie gibt es in Englisch hier. Die Kurzfassung habe ich durch deeple übersetzen lassen: "Da wir 80 % bis 90 % unserer Zeit in Innenräumen verbringen und Tageslicht der wichtigste Synchronisator der zentralen biologischen Uhr ist, wird der chronische Mangel an Tageslicht zunehmend als Risikofaktor für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes angesehen. In einer randomisierten Crossover-Studie (NCT05263232) wurden 13 Personen mit Typ-2-Diabetes während 4,5 aufeinanderfolgenden Tagen während der Bürozeiten entweder natürlichem Tageslicht durch Fenster oder konstantem Kunstlicht ausgesetzt. Die kontinuierliche Glukoseüberwachung ergab, dass die Teilnehmer mehr Zeit im normalen Glukosebereich verbrachten und sich der Substratstoffwechsel des gesamten Körpers bei Tageslicht stärker in Richtung Fettoxidation verlagerte. Primäre Myotuben, die aus Skelettmuskelbiopsien kultiviert wurden, zeigten nach der Tageslichtexposition eine Phasenverschiebung nach vorne. Multi-Omik-Analysen ergaben durch Tageslicht induzierte Unterschiede in Serummetaboliten, Lipiden und Monozyten-Transkripten. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Exposition gegenüber natürlichem Tageslicht einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel von Personen mit Typ-2-Diabetes hat und die Behandlung von Stoffwechselerkrankungen unterstützen könnte."

Die Autoren sind so nett, dass sie eine bebilderte Kurzfassung geliefert haben. Hier ist sie.

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Gute Nachrichten für alle, die Linderung für ihre Erkrankung suchen. Allerdings ist Licht nicht das Allheilmittel: Es kann, zur falschen Zeit verabreicht, das Gegenteil verursachen. Licht in der Nacht kann nicht nur als krebserregend eingestuft werden, sondern auch als Risikofaktor für Diabetes. Es gibt über 3600 internationale Studien über die Beziehung von Licht und Diabetes. 

Die Wirkung von Tageslicht kann sogar darin gesehen werden, dass Todesfälle bei bestimmten Erkrankungen geringer ausfallen. So haben Forschende aus den USA den Zusammenhang zwischen der Zeit, die bei Tageslicht im Freien verbracht wird, und der Sterblichkeit unter den Teilnehmern der Adventist Health Study 2-Kohorte (das ist eine Gruppe von 83.205 Teilnehmern) untersucht. Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Tageslichtexposition und Mortalität (Gesamtmortalität und ursachenspezifische Mortalität: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Mortalität aufgrund anderer Ursachen als Krebs und HKE). 

Nachzulesen in voller Länge in Environmental Epidemiology.
Neue Studie zur nächtlichen Lichtexposition und Diabetes in The Institute for Functional Medicine
Wirkung von Tageslicht im Büro zur Verbesserung der Glukosekontrolle (voller Artikel) (Basis des Tagesspiegel-Artikels)

 

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