Da man bekanntlich alles auch anders lesen kann, will ich mal eine offizielle Erklärung des ZVEI (Zentralverband der elektrotechnischen Industrie) einfach anders lesen. Gemeint ist das hier:
Das richtige Licht für jede Tageszeit? Was mag das sein? Tagsüber hell, nachts dunkel macht die Sonne schon immer. Was fügt die Lichtindustrie dazu? Sie will uns das HCL - nicht Salzsäure, sondern … - Human Centric Light als Zukunftsperspektive näher bringen.
Und was haben wir davon? Das sollen wir davon haben: "Human Centric Lighting (HCL) unterstützt zielgerichtet und langfristig die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen durch ganzheitliche Planung und Umsetzung der visuellen, emotionalen und insbesondere der biologischen Wirkungen des Lichts."
Ich lese jetzt mal anders: Wenn HCL die Zukunftsperspektive ist, unterstützt das jetzige Licht visuelle, emotionale und insbesondere biologische Wirkungen des Lichts nicht. Ist das wahr? Scheint so: Vor genau 26 Jahren veröffentlichten wir die Studie "Licht und Gesundheit", die die künstliche Beleuchtung von Arbeitsplätzen als Ursache von Gesundheitsstörungen am Arbeitsplatz nachwies. Die Industrie scheute diese Studie wie der Teufel das Weihwasser. Kein Mitgliedsunternehmen durfte sie zitieren. (komplette Studie hier lichtundgesundheit, und in English dort lightandhealth). (Anm.: letzte Ausgabe der Berichte, 3. Fassung)
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Nun will die Industrie für die Zukunft eine Besserung erreichen: "Ein Grundgedanke von HCL ist es, das richtige Licht für jede Tageszeit bereitzustellen. Die Wirkung der Beleuchtung muss ganzheitlich betrachtet werden. Insbesondere wird zwischen der Beleuchtung am Tag und in der Nacht unterschieden." Wetten, dass sie es nie fertigbringen wird, einen Unterschied zwischen der Beleuchtung am Tage und in der Nacht einzuführen?
Ja, jetzt weiß der Unwissende wie der Allwissende, warum die jetzige Beleuchtung ungesund ist. Die unterscheidet nämlich nicht zwischen den Tageszeiten und ist daher nicht "human centric". Licht ist Licht und wird in Lux gemessen. Basta. Steht in jeder Norm zur Beleuchtung, stand in der ASR 7.1 (alt) und steht in ASR A3.4 (neu). Vielmehr noch: In allen Köpfen herrscht dieselbe Meinung.
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Wir hatten im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die Studie "Der Stand von Wissenschaft und Technik bei neuen Beleuchtungstechnologien am Arbeitsplatz und ihre Auswirkungen." verfasst, (Autoren Cakir G., Cakir A., Kramer H., Schierz C. & Wunsch A. (2011)), die u.a. eine unterschiedliche Beleuchtung für den Tag und die Nacht empfahl. Da die Studie eine Vielzahl von Veröffentlichungen verwertete, gibt es wohl keinen Dissens. Die Frage ist, wie man aus dem Schlamassel herauskommt. Denn es ist nicht einfach, nach 125 Jahren künstlichen Lichts und etwa 80 Jahren lichttechnischer Beleuchtungsnormung die Praxis davon zu überzeugen, alles Richtige (oder als richtig Gebetete) auf einmal als falsch zu erklären.
Die Steine, die die Lichttechnik von einem Quantensprung in der Betrachtung der Wirkungen des Lichts abhalten, wurden über Jahrzehnte gelegt, als man sich Stimmen besorgte, die die dunklen Seiten der Beleuchtung mit Gutachten zudecken sollten.
Die Lehmschicht ist etwas Schönes, wenn man sich einen Gartenteich bauen will, ohne auf Produkte aus Leverkusen zurückzugreifen, zum Beispiel. Ich hatte als Jugendlicher die Ehre, Profile von Erdschichten zusammen zu kleben, damit sich die Geologen ein Bild von einer Bohrstelle machen konnten. Damals arbeitete ich als Hiwi für die Firma Deilmann, die auf Ölsuche spezialisiert war. Die Profile sahen aus wie ein Schnitt durch eine Sachertorte, aber meterlang. Sieht man darauf eine Lehmschicht, kann man sich auf Wasser freuen, denn Lehm ist wasserdicht. Lässt nichts von oben nach unten durchsickern, und umgekehrt genausowenig.
Im Arbeitsleben werden aber eher unschöne Sachen als Lehmschicht bezeichnet. Dazu gehört z.B. das mittlere Management, das davon lebt, dass die Oberen nichts von dem mitbekommen, was bei den Mitarbeitern passiert, bzw. umgekehrt. Der Lichtplaner gehört nicht dazu, bildet aber eine besondere andere Art Lehmschicht. Das merkte ich, als wir eine Roadshow für einen großen Leuchtenhersteller organisiert hatten, dessen Klientel der Lichtplaner war. Bei jeder Veranstaltung hatte ein Mitarbeiter aus dem Entwicklungslabor des Herstellers teilgenommen. Die wunderten sich, was die Lichtplaner so alles wussten und wollten, wovon sie selbst keinen blassen Schimmer hatten. Im praktischen Leben erlebte ich dasselbe etwa so: Ich bitte den Chef einer Entwicklungsabteilung um tätige Hilfe bei einer Lichtplanung seiner Firma, der auch zusagt. Trotzdem geht alles daneben, weil in jeder Stadt eine andere Lösung mit den gleichen Leuchten gefunden wird. Mittlere Beleuchtungsstärke so von 350 lx bis 900 lx. 500 sollte es sein. Es musste sogar sein, weil sich der Kunde verpflichtet hatte, genau diesen Wert einzuhalten. (Warum das? Bitte unten lesen, falls Interesse vorhanden) In einem anderen Fall bitte ich den Mann mit der gleichen Rolle bei einem anderen großen Hersteller, er möge mir eine erfolgreiche Planung nennen, die unter üblichen Umständen zustande gekommen sein sollte. Von den fünf Objekten, die er genannt hat, hätte er drei bestimmt nur seinen ärgsten Feinden empfohlen. Meine Intention war eine Dokumentation des Erfolgs eines bestimmten Produkts der Firma. Ich hätte aber das Gegenteil dokumentieren müssen. Zum Glück konnte ich zwischen der Leistung der Firma und dem Unvermögen der Planer deutlich unterscheiden. (Auch das steht unten erklärt.)
Wie kommt es dazu, dass Leute, die Produkte für ihr Unternehmen entwickeln, keine Ahnung davon haben, was mit denen in der Praxis passiert? Ich denke immer an die Lehmschicht. Der Lichtplaner, eine schillernde Persönlichkeit von Elektrotechniker bis esoterischer Künstler mit Architektenausbildung, verhindert, dass die Information aus der Praxis in die Entwicklung fließt. Nicht absichtlich, sondern aufgrund der herrschenden Verhältnisse. Dabei gibt es genügend Beispiele für das genaue Gegenteil: Der Lichtplaner entwickelt eine Leuchte für ein Projekt, eine Sonderleuchte wenn nötig, aus der später ein Serienprodukt wird. Es gibt sogar findige Lichtplaner, auf deren Wunsch hin Leuchtmittel neu konzipiert werden. Wieso funktioniert dennoch die Lehmschicht? Ich denke, das liegt an der Vertriebsstruktur für die Produkte der Lichttechnik. So etwa 90 - 95% der Büroprojekte, die ich kenne, wurden ohne einen qualifizierten Lichtplaner realisiert. Die Leuchten gingen bei dem Elektrogroßhändler über die Theke und wurden irgendwie an den Decken platziert. Sehr häufig nur gleichmäßig verteilt an die Decke geschraubt. Einen eventuellen Misserfolg meldet der Kunde häufig nicht an den Planer, und der meldet ihn nicht an den Hersteller. Dazu müsste der nämlich wissen, was die Ursache des Misserfolgs ist. Wenn die Leute überhaupt merken, dass es sich um einen Misserfolg handelt. Was sie da an die Decke nageln, ist eine Beleuchtungsnorm. Und die kann doch nicht falsch sein? Oder?
Wie sieht die Zukunft aus? Ich denke schlechter als jetzt. Noch kennt der Hersteller seinen Großhandel und umgekehrt gilt es auch. Wenn Komponenten in Korea erstellt, in Gehäuse aus Vietnam eingebaut, in Singapur verkabelt und das Ganze als Leuchten über Thailand nach Rotterdam verschifft werden, wird man sich nach der Lehmschicht sehnen. Vielleicht auch nach der Norm …
In Deutschland gilt die Pflicht, den Stand der Technik einzuhalten. Jedenfalls theoretisch. Am einfachsten ist es, wenn man es schafft, seine Vorstellungen in eine DIN-Norm zu bringen. Die gelten fast immer als Stand der Technik. Natürlich versucht jeder Hersteller, den Stand der Technik in seinem Sinne zu definieren. Im besagten Fall stand ein Anwender von Computern vor dem Arbeitsgericht und musste sich ausdrücklich verpflichten, den Stand der Technik einzuhalten, weil ansonsten der Betriebsrat die Einführung der Technik hätte verhindern können. Computer wurden und werden über Bildschirme bedient. Und bei denen war der Stand der Technik relativ mies. Diesen versuchte ein Hersteller von Bildschirmgeräten dadurch akzeptabel erscheinen zu lassen, indem er Gutachten in Auftrag gab, nach dessen Ergebnis nicht die Geräte schlecht waren, sondern die Beleuchtung. Die Geräte würden funktionieren, wenn die vermaledeite Beleuchtung maximal 500 lx erzeugen würde. Dies fand man so toll, dass es in Zeitschriften und sogar in Büchern propagiert wurde.
Dämlichweise war der "Stand der Technik" in Sachen Beleuchtung ansonsten so definiert, dass der Anwender eine "Mindestbeleuchtungsstärke" einhält, die in einschlägigen Normen angegeben ist. Daher die Zahl 500. Wie hält man aber genau 500 lx ein, wenn man Gebäude in 38 Städten mit den gleichen Leuchten beleuchtet? Wo es doch leichter scheint, bei Zahlenlotto vier Richtige zu tippen als die richtige Beleuchtungsstärke auf 200 lx genau zu projektieren. (Kein Scherz, die Wettervorhersage ist fast immer genauer als die Berechnung der Beleuchtungsstärke.)
Das eigentlich Dämliche war aber die Tatsache, dass sowohl der Hersteller der besagten Bildschirme, einer der größten deutschen Computerhersteller seiner Zeit, und der Initiator der besagten Beleuchtungsnormen, einer der größten Leuchtenhersteller seiner Zeit, derselbe war, der auch die besagte Beleuchtungsplanung hätte erfolgreich durchführen müssen. Auch das Gutachten hatte dieser in Auftrag gegeben. Und die, die Gutachten und die Normungstätigkeiten in beiden Fällen durchsetzten, waren sogar dieselben Personen. Das ist eine andere Art Dreieinigkeit. Oder sollte man lieber Dreifaltigkeit sagen? Irgendwas mit "Falt" war es schon. Vielleicht Ein-.
Die Quadratur des Kreises ist eine aufregende Angelegenheit. Eigentlich eine spielend einfache Sache, weil der Kreis ohnehin ein Quadrat ist, dem es lediglich an Ecken mangelt. Trost für die Nachwelt: Die Firma stellt keine Computer mehr her. Sie stellt auch keine Leuchten mehr her. Und die Norm, die die miesen Bildschirme in besserem Licht hat erscheinen lassen wollen, die gibt es auch nicht mehr. Den vielseitig verwendbaren Gutachter habe ich auch schon länger nicht gesehen.
Bei dem besagten Projekt ging es darum, dass ein Produkt (Leuchtenreihe), die vermutlich günstig beurteilt werden würde, tatsächlich in der Praxis ankommt. Das Vermutliche stammte von mir und würde sehr wahrscheinlich in der Praxis auch so eintreten.
Der Hersteller war der Meinung, dass bei den von ihm genannten Projekten dieses Produkt für die Realisierung der Beleuchtung eingesetzt worden wäre. Insofern stimmte es, das Produkt wurde eingesetzt. Es war eine Stehleuchte mit großem Indirektanteil. In anderen Projekten hatten wir mit ähnlichen Leuchten große Erfolge erzielt. Das besagte Produkt sollte in der Theorie so gut sein, dass die mit ihm erstellte Beleuchtung auch ohne einen großen Planungsaufwand erfolgreich sein würde. Denn ich weiß, dass kaum jemand viel Geld für die Planung ausgibt. Da muss der Planer seine Kohle irgendwie anders ausbaggern.
Als ich die realisierten Objekte sah, dachte ich, mich trifft der Schlag. In einem Fall war es nicht einmal fertig, aber als fertig gemeldet, wovon sogar das Planungsbüro keine Ahnung hatte. Nur der Planer vor Ort kannte den tatsächlichen Zustand. Der größten Geniestreich hatte einer geschafft, indem er zu den Stehleuchten Halogenspots zugeordnet hatte, damit seine Beleuchtungsstärke stimmt. Mit den Stehleuchten kriegte er die vermeintlich erforderliche Gleichmäßigkeit nicht hin, somit auch die Beleuchtungsstärke nicht. Die Spots waren exakt auf die Arbeitsfläche vor dem Benutzer ausgerichtet und machten das Licht eher ungleichmäßig. So weit, so gut. Die so beglückten Leute hatten aber als hauptsächliche Sehaufgabe die Prüfung von glänzenden Objekten, deren gesamte Oberfläche auch noch wegen Fälschungssicherheit gekrizzelt sein musste. Genau deswegen hatte der Hersteller seine Leuchten vorsehen wollen. Die Oberfläche ist absichtlich so schlimm gestaltet, dass es keine Kopierer und keine Scanner schaffen, diese sauber abzulichten. Dafür ist sie nämlich da. Aber wofür braucht man die Beleuchtungsstärke? Sie kann bestenfalls das Sehen verhindern.
Irgendwann mal schaffte ich es, genügend Objekte zu finden, die keiner hatte verhunzen können. Das Ergebnis sah so positiv aus, dass der Auftraggeber meinte, wir hätten es nicht so doll frisieren sollen. Weniger positiv hätte ihm auch gereicht. Wir hatten aber nichts geschönt. Die Beleuchtung war einfach gut.
07.08.2014
Vorgestern hatte ich mit Zahlen aus einem Buch belegt, wie es um die Beziehung von Lichttechnik und Ergonomie bzw. Human Factors steht (Tabelle wieder unten). Es steht nicht gut. Heute habe ich mir das Zahlenwerk noch einmal angesehen. Für die traditionelle Lichttechnik steht es auch nicht so gut. Wie ich dazu komme?
Wenn hierzulande Experten über Licht reden, dauert es keine ganze Minute und einer sagt etwas von Lux, meistens gefolgt von einer Zahl, nämlich 500. Sie scheint eine Naturkonstante zu sein. Mit dieser Zahl wird die „Stärke“ der Beleuchtung charakterisiert, und deswegen heißt die Größe „Beleuchtungsstärke“. Zwar kann man die Stärke, d.h. die Intensität der Beleuchtung ohne die Richtung des Lichts, woher es kommt oder wohin es fliegt, gar nicht charakterisieren, weil die Menge weniger wichtig ist als die Richtung. Was nützt mir 10.000 Lux auf dem Hinterkopf, wenn ich das Gesicht davor sehen will?
Dennoch hat sich unsere Fachwelt darauf geeinigt, aus einem Vektor einen Skalar zu machen, indem man die Richtung fest vorgibt und nicht mehr erwähnt. Licht kommt immer von oben - und geht nach unten. Da die Lichttechnik Jahrzehnte lang versucht hat, die Natur nachzuahmen, muss diese Richtung etwas damit zu tun haben. Steht die Sonne bei uns nicht dauernd im Zenit? Leider nicht. Das tut sie in den Tropen, aber auch dort recht selten. An den Wendekreisen macht sie es gar nur einmal im Jahr, und das nur mittags. Dafür stehen unsere Sonnen, die elektrischen Leuchten, stets auf dem Zenit, sprich an der Decke. Das ist kein Naturgesetz, und es ist in Wohnräumen lange nicht mehr die Regel. Nur in Arbeitsstätten fällt das Licht immer von der Decke nach unten.
Egal, deutsche Lichttechniker können nicht ohne die 500 lx horizontal! Was denkt wohl der Autor des analysierten Buches? Siehe da! Das Wort Leuchtdichte - d.h. dessen englische Version - ist das zweithäufigste Wort, wenn man von „the“ oder „of“ absieht. Man müsste eigentlich noch zwei oder drei Begriffe hinzuzählen, die in der Tabelle nicht enthalten sind, weil dazu die deutschen Pendants fehlen, z.B. „Lightness“ oder „Luminous exitance“. Dann käme „Leuchtdichte“ oder was die bedeuten soll, an die erste Stelle. In der Straßenbeleuchtung ist sie seit Jahrzehnten das Maß aller Dinge, d.h. die Lichtplanung erfolgt auf der Basis dieser Größe. Immer wenn man Lichtwirkungen beschreiben will, kommt man an der Leuchtdichte nicht vorbei.
Ich bin bislang bei allen Gremien und Fachleuten abgeblitzt mit dem Anliegen, die Leuchtdichte als Maßstab für die Beleuchtung allgemein einzuführen. Die Idee ist weder neu noch von mir. Als sie in der Straßenbeleuchtung eingeführt wurde, war ich noch ein kleiner Schüler. Und mancher, bei dem ich abgeblitzt bin, hatte die damalige Entscheidung mitgetragen oder gar mit herbeigeführt. So what?
Schlichte Erkenntnis: Wenn Du den herrschenden Interessen zuwiderhandelst, blitzt du ab, auch wenn du recht hast. Oder der Blitz trifft dich. Etwas schwerer zu verstehen: Das herrschende Interesse betrifft auch mich, weil es meinen Beruf wahrscheinlich so nicht gegeben hätte, wenn man sich nicht einfache Regeln oder Größen ausgesucht hätte, die den Welthandel mit „Licht“ ermöglichen. Die "wahre" Grundgröße ist Lumen (lm). Daran misst man z.B., ob man seine Energie sinnvoll eingesetzt hat oder nicht (lm/W ist wieder in aller Munde, s LED-Diskussion überall). Ob man die Lumen an der Decke vernünftig auf die Arbeitsplätze verteilt hat (lm/m²), liest man an der Beleuchtungsstärke (lx). Also? Die Größe (Horizontal-)Beleuchtungsstärke dient zum Nachweis der Erfüllung des Auftrags durch den Planer. Mit der Leuchtdichte kann erstens kein Laie etwas anfangen. Und zweitens: sie ist verdammt schwer nachzumessen.
So weit, so gut. Dumm ist nur, dass es nicht erst seit vorgestern fast unwichtig ist, wie viel Licht auf der Arbeitsfläche ankommt, seit wir ein Übermaß an Licht erzeugen können. Das stets angeführte Argument der Sicherheit und des Arbeitsschutzes sollte man am besten auch vergessen. 1 lx (in Worten EIN LUX) reicht, um eine Arbeitsstätte sicher zu evakuieren. Dass die Sehleistung ziemlich egal ist, sofern es sich nicht um anspruchsvolle Sehaufgaben handelt, wusste man bereits 1960 (!). Deswegen suchte man in den 1970ern nach einem Kriterium für die Festlegung von Beleuchtungen und fand als Kriterium…? Das Erscheinungsbild der gebauten Umgebung. Und diese wird nicht durch die Beleuchtungsstärke bestimmt, sondern durch die Verteilung von Leuchtdichten und Farben. Bestimmt! Dumm nur, dass man sich viel Mühe geben muss, um einem Auftraggeber dies zu dokumentieren.
eigentlich sollte man lieber in der Vergangenheitsform sprechen. Moderne Rendering- und Simulationsverfahren auf Basis von Raytracing und Light Tracing (insbesondere Path Tracing und Bidirectional Path Tracing) haben die lichttechnische Planung revolutioniert, da sie die physikalische Ausbreitung von Licht exakt nachbilden. Obwohl Light Tracing Leuchtdichten im Raum punktgenau und fotorealistisch berechnen kann, bleibt die Beleuchtungsstärke (Em in Lux) in Normen wie der DIN EN 12464-1 oder der ASR A3.4 weiterhin der primäre rechtliche Vorgabewert für Arbeitsstätten.
13.01.2014
Etliche Beiträge in diesem Blog drehen sich um den Unsinn, mit Leuchten, d.h. mit Leuchtendesign, Spiegelungen auf dem Bildschirm zu bekämpfen. Es war schon zu Beginn der Welle Unsinn. Leider hatte niemand die Sache so deutlich dargestellt wie einer, der Ergonomie macht (Quelle), und das anno 2014:
Die Leuchten beleuchten alles, nur nicht die Stelle, an der der Benutzer Erleuchtung finden will. Dabei hatte ein wichtiger Mensch ein früheres Bild von mir, das diesen Unsinn etwas anders darstellte, als Unsinn bezeichnet. „Wer plant denn so etwas?“ hatte er in die Menge gerufen.
Ja, wer plant denn so etwas? Jeder, der die Normen, die man anwenden sollte, richtig ausführt. Was soll anderes herauskommen, wenn man zwei Leuchtenreihen mit tiefstrahlender Charakteristik parallel zum Fenster in ein übliches deutsches Büro (Höhe 2,50 m bis 2,70 m; Tiefe ca. 6 m) aufhängt und dazwischen die Arbeitstische platziert? Mein Bild stammt von etwa 1995, das obere Bild fand ich gestern auf einer neu aussehenden Website. Eigentlich muss man keine solchen Bilder zeichnen; man sieht die Misere in fast jedem ähnlichen Raum an beiden Seitenwänden.
Mehr z.B. unter Kann Licht töten? Dummheit schon…
oder hier SAP macht seine MItarbeiter krank (macht garantiert nicht)
25.05.2013
Seit einem denkwürdigen Tag im Jahre 1980* sehen viele deutsche Büros abends etwa aus wie oben (2013) oder rechts (1990) abgebildet: Zwei mehr oder weniger scharf ausgeprägte Lichtkegel an jeder Stirnwand. Sie zeigen das, was der Techniker LVK = Lichtstärkeverteilungskurve nennt. Eigentlich sollen sie gar nichts zeigen. Denn wenn ein Gegenstand, z.B. eine Wand, beleuchtet wird, dann gleichmäßig. Es sei denn, man will mit der Ungleichmäßigkeit etwas ausdrücken.
An den beiden Kegeln kann man erkennen, welche Gleichmäßigkeit unten in der Arbeitsebene erwartet werden kann. Schneiden sich die Kegel hoch oben, ist das Licht unten gleichmäßiger als wenn sie sich viel weiter unten oder gar nicht schneiden.
Soweit, so gut. Vor einigen Tagen wurde in diesem Blog ein Thema angeschnitten, das für die Gesundheit der Menschen im Büro eine große Rolle spielt: Arbeiten im Sitzen/Stehen (mehr hier). Jetzt haben wir die Beleuchtungen von bestimmten Räumen ausgewertet, in denen direktes Licht (s. oben) und weitgehend indirektes Licht installiert worden sind.
Das Ergebnis kann niemanden überraschen: Bei weitgehender indirekter Beleuchtung macht die Änderung der Tischhöhe kaum etwas aus. Während die direkte Beleuchtung bei jeder Höhenänderung eine Verschiebung des Tisches erforderlich machen würde, wenn man ähnliche Lichtverhältnisse auf seinem Tisch erzielen will. Tolle Idee!
Lustig vor allem ist die Außerkraftsetzung des Photometrischen Grundgesetzes: Wenn man sich einer Lichtquelle nähert, ändert sich die Beleuchtungsstärke mit dem Quadrat der Entfernung. In einem Büro kann sie aber bei höherem Tisch (= näher an der Leuchte) niedriger liegen als bei niedrigerem Tisch (= weiter weg von der Leuchte). Ein Büro ist halt kein lichttechnisches Labor, auch wenn manche Leute anders denken.
Wer gesündere Arbeitsplätze will, sollte sich mit Indirektbeleuchtung anfreunden. Eine seit Jahrzehnten kolportierte Weisheit besagt zwar, dass sie langweilig und ermüdend ausschauen und wirken kann. Diese beruht aber auf einem Gerücht, dessen Ursprung niemand entdecken will. Sonst käme etwa das heraus, was man von Spinat und Eisen kennt.
* An dem denkwürdigen Tag, 1. April 1980, hielt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung (jetzt BAUA) ihre erste Tagung zur Bildschirmarbeit ab. Dort wurde das Konzept der damals führenden Firma in Licht vorgestellt, von dem sich die meisten Büros bis heute nicht haben erholen können. Die Firma wohl auch nicht.