Posts Tagged: Lichtqualität

Licht und Wissenschaft

04.08.2014

Humor ist, wenn man trotzdem …

… lacht. Wem angesichts der Qualität der Forschung auf dem Gebiet der Lichttechnik der Humor nicht vollends vergangen ist, könnte sich mal damit versuchen. Ich kann es leider nicht mehr, weil der gemeinte Autor vor Jahren offiziell beauftragt wurde, die Qualität der Forschung anderer zu begutachten, weil er so versiert war mit der Methodik. Aus seinem Gutachten weiß ich, dass er die Methodik und die Gepflogenheiten der Wissenschaft sehr präzise anzuwenden weiß. Ob er das bei den eigenen Studien auch so ernst genommen hat?

Gemeint ist nicht James Randy, der ein berühmtes Experiment als Fälschung entlarvt hat. Randy, vom Beruf Magier, Mitglied des Inneren Zirkels, hatte einst seinen Beruf als Wissenschaft erlernt – und nicht als Kunst. Bei dem besagten Experiment ging es immerhin um die Zukunft der Telekommunikation, für die man fortan keine Sender und Drähte benötigen würde, sondern einfach nur die eigenen Gehirnwellen (siehe hier.). Man sollte unerreichbare U-Boote oder Kosmonauten über Telepathie erreichen können. Die US-Navy hatte für die erste Durchfahrt der Nautilus unter dem Nordpol ein Experiment ausgedacht, mit dem die Funktion von Telepathie nachgewiesen werden sollte. Es gelang! Randy sollte später im Auftrag der US-Regierung die Validität der Ergebnisse prüfen. Das Ergebnis: Stimmt, dieser Versuch konnte nur gelingen! Der Navy ging es nicht um die Telepathie, sondern um Forschungsmittel. So kam sie auf die Idee, ein Experiment zu veranstalten, das nur gelingen konnte. 

So etwas muss den Auftraggebern einer anderen Studie vorgeschwebt haben, denen es daran gelegen war, nachzuweisen, dass bestimmte Regeln im deutschen Arbeitsschutz gegenstandslos sind. Nicht alle, aber eine bestimmte. (mehr hier). Es ging um Reflexionsgrade von Geräteoberflächen, die nicht zu hell und nicht zu dunkel sein sollen. Der besagte Autor sollte todsicher nachweisen, dass sie weder zu hell noch zu dunkel sein können, weil man in der Praxis keine Wirkung feststellen kann. Zwar hatte bereits 1924 ein gewisser Leffingwell nachgewiesen, dass zu helle Tische blendeten und zu dunkle störten, aber bekanntlich sind Computer keine Tische. Für die gelten andere Gesetze - nämlich nur solche, die der Hersteller zulässt. Andere Gesetze gelten einfach nicht. Und die Arbeitsschutzvorschrift störte immens. Der Hersteller wollte eigentlich nur schwarze Computer verkaufen, die deutsche Vorschrift ließ die nicht zu. Daher musste für Deutschland eine nicht-schwarze Produktlinie aufgelegt werden. Das kostet! 

Wie stellt man aber das gewünschte Ergebnis her, ohne die Daten zu fälschen? Alles soll sauber ablaufen. Die ganz Dummen versuchen es mit einer logischen Argumentation. So kann man z.B. behaupten, dass 10.000 lx im Schlafzimmer nicht blenden können, weil die Sonne in der Natur 100.000 davon bringt. Obwohl solche Argumente wie Sand am Meer zu finden sind, macht ein guter Fachmann eine bessere Arbeit. So kann man Experimente so planen, dass sie immer das gewünschte Ergebnis bringen - s. oben das Nautilus-Experiment. 

Die ganz Gewieften nutzen wenig beachtete Größen aus der Statistik. Das für die nächsten Jahre noch häufiger anzutreffende Experiment ist z.B. die Bestimmung der Lebensdauer von LEDs. Die beträgt bekanntlich 50.000 h. Keiner kümmert sich darum, wie sie bestimmt worden ist. Und die, die sich kümmern, erfahren es nicht. Eine einheitliche EU-Regelung bzw. Messmethode zur Ermittlung der Nennlebensdauer von LED-Lampen gab es bis September 2013 nicht, aber die genormte Zahl von 50.000. So ähnlich lag es bei der Lebensdauer der Energiesparlampe. Die betrug immer 10.000 Stunden, obwohl es drei Methoden zu ihrer Bestimmung gab. Wie können drei unterschiedliche Methoden die gleiche Zahl ergeben? Wenn das wahr ist, warum braucht man drei unterschiedliche Methoden?

Eine der beliebtesten Größen heißt „power“. Dahinter verbirgt sich die Fähigkeit einer benutzten Skala, zwischen zwei unterschiedlichen Objekten zu unterscheiden. Man stelle sich vor, dass man nachweisen soll, dass Menschen „rot“ nicht angenehmer finden als „grün“. Wenn ich die Streuung der Urteile auf meiner Beurteilungsskala kenne, kann ich rückwärts berechnen, wie viele Testpersonen ich benötige, um überhaupt eine signifikante Aussage zu treffen. Wenn man dann bei der Zahl der Testpersonen darunter bleibt, ist es bereits vor Beginn der Studie (ziemlich) sicher, dass den Menschen rot oder grün ziemlich schnuppe ist, oder Jacke wie Hose. 

Es fehlt nur noch eine Größe, die in dem untersuchten Zusammenhang irgendwie Sinn macht – bei der hier gemeinten Studie ging es um Augenbelastung -, ergo nimmt man eine Größe, die ziemlich unempfindlich ist. Der Autor nahm dazu die Sehschärfe. Wie jeder Mensch weiß, braucht man zum Lesen eine bestimmte Sehschärfe. Hat man die nicht, braucht man eine Brille. Was liegt da näher als, dass man den Einfluss von Reflexionsgraden auf die Sehschärfe von Probanden untersucht? Wenn es, wie geplant, gelingt, nachzuweisen, dass die Reflexionsgrade von Computern die Sehschärfe nicht beeinflussen, kann man verlangen, die Arbeitsschutzvorschrift zu ändern, weil sie nichts bewirkt. 

Nach diesen Vorkehrungen hat man die richtige Gewissheit, dass das Experiment gelingt. Für den Fall, dass irgendwelche Schlaumeier erzählen, die Sehschärfe sei doch ziemlich konstant, wenn man sie unter konstanten Bedingungen misst, braucht man eine zweite Größe. Und diese ist nach der gemeinten Studie das Verstehen von den Texten, die man auf dem Bildschirm liest. Wird dies durch die Farbe des Bildschirmrandes gestört? Könnte sein. Was aber über 100% sicher ist, ist, dass niemand jemals das Gegenteil des erzielten Ergebnisses nachweisen können wird. Denn allein die Lesbarkeit von Texten zu ergründen fällt so schwer, dass man in Experimenten mit Kunstwörtern arbeitet. Sobald man Wörter mit Sinngehalt präsentiert, bringt das Experiment immer das gleiche Ergebnis: Kein Unterschied. Wenn es dazu noch um das Verstehen von Inhalten geht, kann man das Experimentieren sein lassen. Hat man aber nicht, denn es ging ja um den Nachweis, dass man einen gelesenen Text immer gleich gut versteht, egal auf welchem Computer den liest. 

Ganz langsam zum Mitschreiben: In einem Experiment wird gezeigt, dass eine Vorschrift, die (sinngemäß) besagt, dass der Bildschirmrahmen nicht zu hell und auch nicht zu dunkel sein darf, abgeschafft werden kann, weil durch unterschiedliche Bildschirmrahmen weder die Sehschärfe gemindert wird noch das Verstehen von Texten, die man auf dem besagten Bildschirm liest.

Na, ja! Man könnte dies vielleicht noch als groben Unfug durchgehen lassen. Was ist aber damit: Die Testmethode war auch nicht in der Lage, einen Unterschied in der Lesbarkeit von Schriften unterschiedlicher Größe zu ermitteln. Was ja nicht so selten vorkommt, aber so genau? Hier ist das Originalergebnis: Das Bild zeigt, dass die drei Testobjekte (schwarz, grau und weiß) beim Lesen keinen Unterschied machen. Und das immer beim Lesen einer 6-Punkt-Schrift und 12-Punkt-Schrift. Was dem Leser nicht offenbart wird, ist, dass offenbar die beiden Schriften gleich gut gelesen und verstanden werden. 

Es geht darum, ob das Lesen (Genauigkeit) durch die Farbe des Bildschirmgehäuses beeinträchtigt wurde. Wie man sieht, macht die Farbe nichts aus. Nichts, egal wie groß die Schrift auf dem Bild ist.

Die untersuchten Schriften unterschieden sich wie auf diesem Bild:Die experimentelle Methode war also nicht in der Lage, eine Wirkung der oben vergleichsweise dargestellten Schriftgrößen (echte Verhältnisse s. unten) aufzuzeigen. Ist es ein Wunder, dass die Wirkung der Farbe des Rahmens nicht aufgezeigt werden konnte? Nö, das war die Absicht.

Anm.: Da Schriften auf dem Bildschirm sehr unterschiedlich aussehen können, sollte man sich ein eigenes Bild machen, das Bild zeigt nur die Relationen der Schriftgröße:
Der oberste und der unterste Text hatten im Experiment die gleiche Wirkung! Die mittlere Zeile wurde zur Illustration eingefügt. Die Zeile, die wie Krümelkacke ausschaut, ist nach dieser Studie genauso gut lesbar wie die untere. Wann bekommt der Autor den Ig Nobel Award? 

Bitte weiterlesen im Journal der unwiederholbaren Experimente.

Licht und Behaglichkeit

30.08.2014

Energiesparen gegen Behaglichkeit

An vielen Stellen in diesem Blog, und in vielen Blogs an verschiedenen Stellen wird das Thema Lichtqualität thematisiert. Eigentlich eine Diskussion über ein Phantom. Denn das offizielle Wörterbuch der Lichttechnik, das seit 1938 alle wichtigen Begriffe klärt und erklärt, kennt keine Lichtqualität. Wie bei allen Phantomen, gibt es auch hier Widerspruch. Je mehr man an Energie sparen will, desto lauter sind die Gegenstimmen.

Die sog. Energiesparlampe, alias Kompaktleuchtstofflampe, wurde von einem Ingenieur von General Electric erfunden. Nicht zufällig und nicht für irgendeinen undefinierten Zweck: Es war 1973, als die Welt noch in Schockstarre war wegen der ersten (offiziellen) Energiekrise, besser gesagt, Ölkrise. Die Araber wollten ihr Öl nicht mehr für 20 Millionen $$ für den Unterhalt des Palastes von König Saud plus einen Stall voller junger Damen, die wohl den Palast putzten, hergeben. So musste eine Lampe her, die weniger Energie verbrauchte als Edisons Birne. Für Freunde heißt die Lampe CFL.

Es dauerte etwa 12 Jahre, bevor das Ding mit dem Energiesparen ernst machen konnte. Bis dahin, im Jahre 1985, konnte sie nämlich eine der Gütekriterien für Beleuchtung, niedergeschrieben 1935, nicht erfüllen. Die zeitliche Gleichmäßigkeit, sprich Flimmerfreiheit, war nicht gegeben. Um ihr Licht zu messen, mussten wir sie 24 Stunden betreiben, weil sie halt instabil war. Da die meisten Benutzer nicht so lange warten wollten, bis das gute Stück sein Licht uneingeschränkt hergibt, konnte es keinen Raum im Wohnraum erobern. Flimmern ist Geschichte, aber die Lampe denkt nicht daran, hell aufzuleuchten, wenn einer „Fiat Lux“ ruft oder den Schalter drückt. Je nach Preis muss man mehr oder länger warten, bis Licht  wird. 

Wie sieht jemand, der die FCL positiv sieht, den Vergleich der „modernen“ Lampe mit der alten Birne von Edison? So:Die gelben Felder zeigen, wo die Glühlampe besser abschneidet, die weißen das Umgekehrte. Mir fallen da insbesondere zwei Punkte auf: „Power Factor“, alias Leistungsfaktor, ist ein anderes Wort für Blindstrom – unnützer Strom, der die Netze belastet und Energie kostet. Davon haben die Befürworter der Energiesparlampe nie geredet, obwohl man sie und die damit verbundenen Energie- und sonstige Kosten sofort berechnen kann. Wenn der Verbraucher ein Konzern ist, wird der Blindstrom in Rechnung gestellt. Bei Blindstrom waren wohl alle blind, unser Vizekanzler in seiner ehemaligen Eigenschaft als Umweltminister und sogar sein Vorgänger im gleichen Amt, der noch weniger doof ist. Dass die Lampen die Netze nicht nur über Gebühr belasten, sondern auch noch durch ihre Oberwellen verschmutzen … Mit so einem Kinderkram beschäftigt sich doch kein Minister.

Noch schlimmer ist aber der letzte Punkt: Erscheinungsbild. Da steht: Ästhetisch not pleasing. Bei der Queen hieße es: Not amused, not pleased . Another lamp, please.

Die ist tatsächlich im Anmarsch - nicht die Queen, die Lampe: Wie bereits mehrfach betont: Die Techniker der künstlichen Helligkeit reden von LED, aber nicht von Behaglichkeit. Wenn das mal nicht ins Auge geht. 

Licht und Marketing

20.08.2014

Marketing und DIN-geprüfter Lichttechniker

Dieser Tage gibt es viel Aufregung um den zertifizierten Lichtexperten (hatte am 06.08. über dessen Taufe berichtet). Brauchen wir noch mehr Zertifikate bzw. noch mehr „Experten“ mit Zertifikat? Das fragen sich viele. Weiß ich nicht! Mein Gedanke gilt dem Zweck dieser Aktion. Wer und was steckt dahinter?

In der Lichttechnik gehört das Marketing zu den üblichsten Verdächtigen als Initiator, wenn solche Aktionen beobachtet werden. Doch Marketing ist nicht Marketing, und bereits der Urahne aller Lichttechniker, ich meine den Techniker des elektrifizierten Lichts, Thomas A. Edison, hatte vor der Erfindung der Glühlampe, an das Marketing gedacht. Wie üblich schrieb er in sein Notizbuch, dass die zu erfindende Lampe nicht blenden dürfe. Und nach der Erfindung erst recht. Nachdem ihm sein Patent wider Willen abhanden gekommen war, hatte er die famose Idee, nur solche Hotels und Restaurants mit seinem Strom zu beliefern, die seine Lampen in seine Fassungen einschraubten. Kartellbehörden würden heute angesichts solcher Praktiken fassungslos da stehen. Allerdings müssten die Herren dann nur noch tagsüber arbeiten, wenn ihre Behörde im Monopolgebiet von Edison Illuminating Company stünde, die ihnen den Strom abdrehen würde. 

Doch damit nicht genug! Edison wehrte sich gegen eine blendende Idee, Wechselstrom anstelle von Gleichstrom zu benutzen, mit einem ebenso genialen Marketingcoup: Er erfand den elektrischen Stuhl, und zwar betrieben mit Wechselstrom, auf dass das Volk lerne, wie gefährlich dieses Teufelszeug ist. Wenn das alles wäre! Edison schlug auch einen Namen für das elektrifizierte Töten von Häftlingen: to westinghouse. Der Name der Hinrichtung leitete sich von dem Namen des Erfinders des Wechselstroms ab: Westinghouse. (Wechselstrom geht auf Tesla zurück. Aber Westinghouse war der Auftraggeber.) 

Damit kämen wir der Natur des Marketing nicht ganz nahe, denn solche Aktionen werden heute eher unter Wirtschaftskrieg denn unter Marketing abgeheftet. Oder unter „destruktive Verkaufsstrategien“. Marketing ist - im einfachsten Falle - Produkte und Dienstleistungen zum Verkauf anbieten in einer Weise, dass Käufer dieses Angebot als wünschenswert wahrnehmen. Man kann es taktisch betreiben, z.B. indem man die Preise so lange herabsetzt, bis der Konkurrenz die Luft ausgeht. Manchmal geht einem selbst die Luft aus - das erlebt man aber nicht mehr, weil pleite. Kluge Leute betreiben strategisches Marketing. Damit stellt man den Absatz der eigenen Produkte auf viele Beine. Übliche Methoden setzen bereits bei der Überlegung über ein neues Produkt an, der Verkauf läuft später wie geschmiert, manchmal weil geschmiert.

Böse Leute erzählen die Mär, Marketing sei, wenn der Kunde Enten will – und man hat nur Hühner im Angebot, den Hühnern die Füße breit zu klopfen. Solche Leute können aber nicht einmal sagen, ob dies taktisches oder strategisches Marketing ist. Es gab große Industriekapitäne, die auf das Zweite tippten, so z.B. in der amerikanischen Autoindustrie. Eines Tages sah ich den Chef von General Motors im Fernsehen weinen. Er sagte: „Wir haben fünf Jahrzehnte versucht, den Menschen zu erklären, was ein Auto ist. Sie ließen sich aber nicht überzeugen.“ Die späte Reue half nicht, General Motors war am 1. Juni 2009 pleite. Der drittgrößte der amerikanischen Autoindustrie ist heute eine Dependance einer Firma, deren Produkte früher allenfalls als Zubringer zu dem Auto eines Amerikaners eingesetzt worden wären. Es wäre ein Wunder, wenn ein Fiat 500 (Topolino) den Motor eines Plymouth Belvedere (fast 6 Liter Hubraum in 8 Zylindern) hätte überhaupt transportieren können. Doch die Zeiten, die sind anders. Fiat hat nunmehr das Sagen.

Und die Hochburg des amerikanischen Autobaus, Detroit, ist heute eine Geisterstadt. Pleite! Der Käufer von Chrysler wohnt zwar selbst in einer (halben) Ruinenstadt, Turin, das ist aber eine andere Geschichte. 

Was Edison als Marketingstrategie bereits der Erfindung der Glühlampe in die Wiege gelegt hatte – die Blendfreiheit des Lichts –, könnte wieder Auferstehung feiern. Denn das Produkt der Zukunft, die LED, blendet bereits in einer Miniausführung (Fahrradlampe) und das am Tage (siehe lightmare). Ob das als Motiv für den „zertifizierten Lichtexperten“ angenommen werden kann? Ich schätze leider, dass auch der zertifizierte Lichtplaner der LED das Blenden nicht abgewöhnen können wird. Denn LED blendet nicht per se, sondern in bestimmten Anwendungen. So blenden Fahrräder mehr als Autos, obwohl die Scheinwerfer der Autos viel mehr Licht auf den Asphalt bringen. Der Unterschied liegt in der Kontrolle: Die Autos müssen alle zwei Jahre zum TÜV. Die Fahrräder werden nie geprüft. 

Ich denke eher nein. Denn Lichttechniker haben keine Ahnung von Blendung, andere allerdings auch nicht. So las ich in einem jüngst erschienenen Buch „Human factors in lighting“: „Was psychologische Blendung ist, weiß man nicht so genau. Man sagt, sie sei vorhanden, wenn sich Leute bei Vorhandensein von hellen Lichtquellen, Leuchten oder Fenstern visuell gestört fühlen.“ (übersetzt von mir, das Original lautet so: Discomfort glare is not well understood. It is said to be occurring when people complain about visual discomfort in the presence of bright light sources, luminaires or windows.). Nach 100 und mehr Jahren Forschung hört sich das Wiegenlied der elektrischen Beleuchtung etwa so an: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …“ ? Das kommt davon, dass man eine Blendung psychologisch nennt, aber ohne Psychologen untersucht. 

Ich muss die Aussage bezüglich der Lichttechniker relativieren. Es gibt nämlich Lichttechniker, die verdammt viel Ahnung von Blendung haben. Die sind in den Reihen der Gestalter von Wohnraumbeleuchtung zu finden. Igitt - die bauen doch Lichttöter! Stimmt, um Blendung zu vermeiden, muss man jede Menge Licht vernichten. Der neue zertifizierte Lichtexperte könnte z.B. das Töten von Licht mit dem Effizienzgedanken versöhnen helfen. Ob das als Motiv taugt?

Der gute Mann könnte auch lernen, wie man Lichtquellen, denen man zuweilen Zerstörerisches nachsagt, LED, mit der ewigen Marketingstrategie der Lichttechnik, dem Arbeitsschutz, vereinbaren kann. Seit etwa 1935 lebt die Lichtindustrie von der Mär, gutes Licht würde dem Arbeitsschutz dienen. Der Staat und seine diversen Helfer helfen kräftig mit beim Leuchtenabsatz. Obwohl es niemandem gelingen will, eine Beziehung zwischen Beleuchtung und Arbeitsschutz herzustellen, gibt es Leute im Arbeitsschutz, die fest daran glauben. Vielleicht haben die eine andere Beziehung zu Licht oder dessen Machern? Jedenfalls läuft die Sache seit Jahrzehnten wie geschmiert. Wozu dann ein zertifizierter Lichttechniker? Hat sich denn niemand überlegt, dass Wissen bei der Entscheidungsfindung empfindlich stören kann?

Nun, ja. So wie ich die Sache kenne, wird es nicht bei diesem einen zertifizierten Lichtexperten bleiben. Einst wollte ja die verblichene PLDA den Beruf des „Lighting Designers“ definieren. Das schnelle Ende ihrer so hoffnungsvoll begonnenen Karriere ist nicht diesem Bemühen anzulasten. Die lichttechnischen Gesellschaften der deutschschreibenden Länder (AT, CH, DE, NL) wollen auch ihren Lichtexperten definieren, ohne die Extinktion zu befürchten. Vielleicht schreibt die CIE den globalen Lichtexperten auf ihre Fahnen. Fehlt nur noch der intergalaktische. War der nicht der, der „fiat lux“ ausgerufen hatte?

Wie dem auch sei. Das Installieren eines Berufsbildes, das Lichtplaner oder eben Lighting Designer heißen könnte, würde nicht nur dem Marketing helfen, sondern allen arbeitenden Menschen. Denn nichts ist für den Absatz so förderlich wie Qualität. Wenn wir eines fernen Tages Lichtqualität definiert und erfolgreich in die Praxis umgesetzt haben, wird der Planer der Macher sein. Aber auch heute ist der Ersteller einer Beleuchtung deren Hersteller. Die Qualität geben aber die Hersteller des Rohmaterials vor, die Hersteller von Lampen und Leuchten. 

 

Licht und Arbeit

28.08.2014

Die Zeiten, die ändern sich …

Der Grund, warum ich mich mit der Bildschirmarbeit beschäftigte, war die Augenbeschwerden, die Bildschirme verursachten. Tatsächlich! Bis zu 85% der Mitarbeiter, die ich in 30 Unternehmen befragte, hatten Augenbeschwerden. Die unterste Stufe war 45%. Immerhin. 

Woran liegt es, wenn Menschen Augenbeschwerden haben? Richtig! An der Beleuchtung. Oder Fast überall, wo Menschen Augenbeschwerden bei der Arbeit haben, gibt es Beleuchtung. Ergo? Dann ist die Beleuchtung an den Beschwerden schuld. Da fällt mir eine Geschichte ein, mit der ein Statistikbuch beginnt. Es gibt danach eine eindeutige Beziehung zwischen der Abnahme der Geburten in einem Land und der Abnahme der Zahl von Störchen. Noch nie hatte jemand besser nachweisen können, dass Babys von Störchen gebracht werden.

Mein Job war allerdings anfänglich nicht, die Beleuchtung als Missetäter zu identifizieren, sondern den Bildschirm. Dass nachher doch die Beleuchtung der Bösewicht wurde, hing mit den Geschäften einer großen Firma zusammen. Die verkaufte z.B. viel Beleuchtung und wäre folgerichtig böse geworden, wenn ich diese beschuldigt hätte, armen Computernutzern die Augen zu martern. Unter anderen Umständen wäre die große Firma wirklich ganz groß böse auf mich geworden - aber da war noch etwas. Die Sozialpolitiker der großen Firma erzählten dem Vorstand, dass die große Firma eine große Zahl von Computernutzern beschäftigen täte. Wenn die Sache mit den Augenbeschwerden nicht der Beleuchtung angelastet würde, würde sie den Bildschirmen in die Schuhe geschoben werden. Da könne man aber nicht viel machen, weil die Bildschirme auch von der großen Firma hergestellt werden. Und die anderen Kunden der großen Firma, würden die Bildschirme womöglich woanders kaufen oder mieten. Ergo? Die Suche nach der Ursache der Augenbeschwerden musste geschäftsfördernd  modifiziert werden..

Nun war die große Firma so groß, dass sie die Obleute der Normenausschüsse stellte, die Normen über Beleuchtung wie solche über Bildschirme erarbeiteten. Zudem war sie in der Sozialpolitik der Arbeitgeber groß unterwegs. Man sprach vom Hauptarbeitgeber Deutschlands. Ergo? Man stoppte die Normungsarbeit für eine Weile und überlegte sich, was man machen müsse. Der Vorstand trommelte die betroffenen Obleute zusammen und blies ihnen den Marsch: Auf welchem Wege kann die große Firma aus der Misere den größten Gewinn ziehen?

Der Obmann der Lichtleute sang: "Heureka! Wir haben doch schon eine Lösung, die ein Problem sucht. Also konstruieren wir das Problem." So kam es zu der Lösung mit den BAP-Leuchten. Sie leuchten, erstens, und leuchten nicht so stark, dass man sie auf dem Bildschirm sieht, zweitens. Dass man sie auch sonst nicht sieht, sodass die Leute irritiert sind, würde man später merken - nachdem man das Problem, Pardon, die Lösung installiert hatte. Beleuchten, um nicht zu beleuchten (siehe hier), damit nichts blendet. Das ist eine wahre Kunst.

Die wahren Künstler lebten und arbeiteten aber woanders. Die großen Beschwerden, denen abgeholfen werden musste, gesichert per Tarifvertrag, von den Schriftsetzern, die vom Bleisatz zu Bildschirm übergewechselt waren. Hier ein Bild über ihre frühere Arbeitsumgebung:Das war bei Tage, wie man sieht. Was man nicht sieht, sind die Sehobjekte. Das sind kleine Bleiklötzchen, auf denen Buchstaben wie gegossen prangen, die noch kleiner sein können als diese Schrift. Und die wahre Umgebung sah, wenn die Funzeln an der Decke brannten, eher so aus:Oder noch dunkler. Realistisch anzunehmen ist ca. 5 lx (!) und das sehr ungleichmäßig verteilt. Das Bild lügt also erheblich. Es wurde nämlich in der Setzerei einer Abendzeitung aufgenommen. Die meisten Zeitungen erscheinen aber morgens und werden nachts gesetzt. Und die Setzer haben nicht selten ein Utensil aufsetzen müssen, weil die Lampen - im Bild ausgeschaltet, ordentlich blendeten. Zu guter Letzt mussten die Jungs auch noch sehr kontrastarme Schrift verspiegelt lesen.

Später sollten die Arbeitsräume z.B. so aussehen:

Kann man sich vorstellen, dass viele Leute heute noch Augen- und/oder Kopfschmerzen bei der Bildschirmarbeit haben? Eigentlich nicht, wenn man nicht viel arbeitet. Bei den Arbeitnehmern rangieren Augen- und Kopfschmerzen aber recht oben auf der Skala. Und es liegt nicht selten an der Beleuchtung - das Bild oben lügt auch, es ist ein seltenes Exemplar - , z.B. wenn man noch die Lösung der großen Firma betreibt.

Im Wesentlichen liegt es aber an der Hetzarbeit am Computer, der wir uns - nach Feierabend - zusätzlich freiwillig widmen. Und davor wird uns keine große Firma schützen können.

Licht und Arbeit

28.08.2014

Die Zeiten, die ändern sich …

Der Grund, warum ich mich mit der Bildschirmarbeit beschäftigte, war die Augenbeschwerden, die Bildschirme verursachten. Tatsächlich! Bis zu 85% der Mitarbeiter, die ich in 30 Unternehmen befragte, hatten Augenbeschwerden. Die unterste Stufe war 45%. Immerhin. 

Woran liegt es, wenn Menschen Augenbeschwerden haben? Richtig! An der Beleuchtung. Oder Fast überall, wo Menschen Augenbeschwerden bei der Arbeit haben, gibt es Beleuchtung. Ergo? Dann ist die Beleuchtung an den Beschwerden schuld. Da fällt mir eine Geschichte ein, mit der ein Statistikbuch beginnt. Es gibt danach eine eindeutige Beziehung zwischen der Abnahme der Geburten in einem Land und der Abnahme der Zahl von Störchen. Noch nie hatte jemand besser nachweisen können, dass Babys von Störchen gebracht werden.

Mein Job war allerdings anfänglich nicht, die Beleuchtung als Missetäter zu identifizieren, sondern den Bildschirm. Dass nachher doch die Beleuchtung der Bösewicht wurde, hing mit den Geschäften einer großen Firma zusammen. Die verkaufte z.B. viel Beleuchtung und wäre folgerichtig böse geworden, wenn ich diese beschuldigt hätte, armen Computernutzern die Augen zu martern. Unter anderen Umständen wäre die große Firma wirklich ganz groß böse auf mich geworden - aber da war noch etwas. Die Sozialpolitiker der großen Firma erzählten dem Vorstand, dass die große Firma eine große Zahl von Computernutzern beschäftigen täte. Wenn die Sache mit den Augenbeschwerden nicht der Beleuchtung angelastet würde, würde sie den Bildschirmen in die Schuhe geschoben werden. Da könne man aber nicht viel machen, weil die Bildschirme auch von der großen Firma hergestellt werden. Und die anderen Kunden der großen Firma, würden die Bildschirme womöglich woanders kaufen oder mieten. Ergo? Die Suche nach der Ursache der Augenbeschwerden musste geschäftsfördernd  modifiziert werden..

Nun war die große Firma so groß, dass sie die Obleute der Normenausschüsse stellte, die Normen über Beleuchtung wie solche über Bildschirme erarbeiteten. Zudem war sie in der Sozialpolitik der Arbeitgeber groß unterwegs. Man sprach vom Hauptarbeitgeber Deutschlands. Ergo? Man stoppte die Normungsarbeit für eine Weile und überlegte sich, was man machen müsse. Der Vorstand trommelte die betroffenen Obleute zusammen und blies ihnen den Marsch: Auf welchem Wege kann die große Firma aus der Misere den größten Gewinn ziehen?

Der Obmann der Lichtleute sang: "Heureka! Wir haben doch schon eine Lösung, die ein Problem sucht. Also konstruieren wir das Problem." So kam es zu der Lösung mit den BAP-Leuchten. Sie leuchten, erstens, und leuchten nicht so stark, dass man sie auf dem Bildschirm sieht, zweitens. Dass man sie auch sonst nicht sieht, sodass die Leute irritiert sind, würde man später merken - nachdem man das Problem, Pardon, die Lösung installiert hatte. Beleuchten, um nicht zu beleuchten (siehe hier), damit nichts blendet. Das ist eine wahre Kunst.

Die wahren Künstler lebten und arbeiteten aber woanders. Die großen Beschwerden, denen abgeholfen werden musste, gesichert per Tarifvertrag, von den Schriftsetzern, die vom Bleisatz zu Bildschirm übergewechselt waren. Hier ein Bild über ihre frühere Arbeitsumgebung:Das war bei Tage, wie man sieht. Was man nicht sieht, sind die Sehobjekte. Das sind kleine Bleiklötzchen, auf denen Buchstaben wie gegossen prangen, die noch kleiner sein können als diese Schrift. Und die wahre Umgebung sah, wenn die Funzeln an der Decke brannten, eher so aus:Oder noch dunkler. Realistisch anzunehmen ist ca. 5 lx (!) und das sehr ungleichmäßig verteilt. Das Bild lügt also erheblich. Es wurde nämlich in der Setzerei einer Abendzeitung aufgenommen. Die meisten Zeitungen erscheinen aber morgens und werden nachts gesetzt. Und die Setzer haben nicht selten ein Utensil aufsetzen müssen, weil die Lampen - im Bild ausgeschaltet, ordentlich blendeten. Zu guter Letzt mussten die Jungs auch noch sehr kontrastarme Schrift verspiegelt lesen.

Später sollten die Arbeitsräume z.B. so aussehen:

Kann man sich vorstellen, dass viele Leute heute noch Augen- und/oder Kopfschmerzen bei der Bildschirmarbeit haben? Eigentlich nicht, wenn man nicht viel arbeitet. Bei den Arbeitnehmern rangieren Augen- und Kopfschmerzen aber recht oben auf der Skala. Und es liegt nicht selten an der Beleuchtung - das Bild oben lügt auch, es ist ein seltenes Exemplar - , z.B. wenn man noch die Lösung der großen Firma betreibt.

Im Wesentlichen liegt es aber an der Hetzarbeit am Computer, der wir uns - nach Feierabend - zusätzlich freiwillig widmen. Und davor wird uns keine große Firma schützen können.