Beiträge aus dem alten Blog
Licht und Lichtfarbe
21.04.2014
Wer macht die Lichtfarbe?
Dumme Frage! Die Lichtfarbe macht doch die Lichtquelle … oder? Wenn man den Angaben in den Normen glaubt, wird die Lichtfarbe davon bestimmt, wie das Leuchtmittel aus Strom Licht macht. Wenn man dann für seine Arbeitsplätze Lampen sucht, kann man zwischen ww, nw oder tw aussuchen. Echt?
Ich denke, eher nicht! Ein Leuchtmittel ist doch ein physikalisches Objekt, das immer das macht, was man ihm befiehlt. Es ist aber immer noch von der Physik seiner Umgebung abhängig. So sehen Menschen in verschiedenen Teilen der Welt - bei gleichem Leuchtmittel = Sonne - unterschiedliche Farben, wenn sie ins Wasser glotzen. Schlimmer noch, wenn sie in der Brühe schwimmen und fotografieren. Das Meer ist mal schwarz, mal rot. Das kannten schon die alten Römer, daher haben wir das Schwarze Meer und das Rote. Und deren liebstes Meer - Mare Nostrum - leuchtete so blau wie nie ein anderes Meer. Das Geheimnis? Plankton bzw. der Mangel davon! Und als der Nil so komisch mit seinen Farben aussah - Abteilung biblische Plagen - war kurz davor die Insel Santorini in die Luft geflogen. Auch der Name vieler Berge in der Türkei (lila) oder einer Bergkette in Australien (Blue Mountains) steht für die Abhängigkeit der Farbe von der Physik der Umgebung. Die schönen Abendszenen von William Ashcroft in über 500 farbenfrohen Aquarellen waren Folge des Ausbruchs des Krakatau am 27. August 1883. Sogar der „Schrei“ von Munch soll Folge dieser Katastrophe sein.
Lange her? Vor ein paar Tagen habe ich den Nachweis fotografiert, dass die Lichtfarbe in einem Arbeitsraum eher von Dreck bestimmt wird. Wie das? Einfach: Menschen auf der Welt haben sich daran gewöhnt, dass das Licht immer funktioniert – na, ja, fast immer. Auf die Idee, dass Licht einer Wartung bedarf, kommen nur idiotische Fachleute, auf die man nicht hört. Recht so, Fachleute sind eh immer bisschen …
Die Bilder zeigen zwei Räume, in denen die gleiche Beleuchtung installiert ist. In dem einen Raum wurden vor der Aufnahme die Lampen und Leuchten geputzt. Den anderen haben wir seinem Schicksal überlassen. Beide Fotos sind garantiert unphotoshopped und mit der gleichen Kamera in der gleichen Einstellung aufgenommen. Ich schätze mal, dass etwa 1000 K in der Farbtemperatur zusammenkommen. (Wie viele kWh, besser GWh, jagen wir in die Luft, indem wir unsere Lampen nicht putzen? Dabei hat es schon Goethe gewusst, dass die Lampen geputzt werden müssen.)
Licht und Wohlbefinden
19.04.2014
Glück für 10.000 …
… Lux. So ähnlich titulierte die Journalistin Stefanie Maeck ihren Artikel in Spiegel Online vom März 2013. Eigentlich zur Unzeit ist der Artikel erschienen, denn März ist die Saison für Artikel über schlimme Wirkungen der Sonne, Hautkrebs u.ä. Die werden nämlich durch die Industrie der Sonnenmilch gesponsert. Licht gegen Winterdepression hat in November Saison wie die Feiertage, an denen die Tanzveranstaltungen früher immer abgesagt wurden. Die große Frage, der die Journalistin nachging, lautete: „… gibt es auch künstliches Licht, das uns glücklich und gesund macht?“
Offensichtlich ja. Aber der Artikel beginnt mit einer ketzerischen Bemerkung: „Experten empfehlen morgens möglichst viel helles Licht, einen Spaziergang als Wachmacher oder auf dem Weg zur Arbeit.“ Spaziergang auf dem Weg zur Arbeit? Das ist wirklich etwas, was keiner braucht! Ich meine, keiner, der mit Licht Geschäfte machen will. Ansonsten kann ich die Empfehlung nur empfehlen. Ich kenne die Sache nämlich aus früherer Erfahrung aus meiner Schulzeit. Eine Gruppe Schüler meiner Schule musste zunächst einen morgendlichen Spaziergang zum Dampfer machen, dann dort eine Weile auf die Fähre warten. Danach fuhr man etwa 40 Minuten bei Wind und Wetter, um noch einmal 15 Minuten zu Fuss in die Schule zu hetzen. Ach, wie haben wir unsere Mitschüler beneidet, die nur die 15 Minuten von zu Hause in die Schule brauchten. Später habe ich begriffen, dass deren Tag in einem vollen Bus begann, der sie kurz vor dem Schuleingang ausspuckte. Sie sahen manchmal tatsächlich wie ausgespuckt aus. Wir hingegen waren voll Licht und Luft, als wir durch das Schultor spazierten.
Da man die Vorteile der Torturen, die wir erlitten haben, erst viel später erkennt, verbringen wir den Anfang des Tages in Hetze, nicht selten im Stau - Hetze und Stillstand! Und dann brauchen wir die Produkte der Lichtstimmungsmacher. So z.B.: „Die ...-Forscher entwickeln derzeit einen Prototypen, bei dem sich die Lichtfarbe sogar der Stimmung anpasst. Die Idee dahinter: Ein vollbepackter Outlook-Terminkalender könnte ein Indiz für viel Stress und Aufregung sein. Entsprechend könne man ein beruhigendes Licht am Bürohimmel anbieten, erklärt ... Ist der Mitarbeiter müde, könnte das eine Gesichtserkennungssoftware registrieren - zur Aufmunterung würde blaues Licht verabreicht. Auch rosa Licht könnte helfen: Untersuchungen mit besonders aggressiven Häftlingen ergaben, dass diese in einer rosa Zelle "friedlich wie Lämmchen" wurden.“
Man sollte den Artikel schnellstmöglich ins Amerikanische übersetzen. Dann kann man in Guantánamo waterboarding durch lightboarding ersetzen. Grimmige Taliban mit Licht in sanfte Lämmer verwandeln? Ganz neu ist die Sache indes nicht. Ich hatte die Idee bei einem Vortrag vor drei Jahren hübsch illustriert angeboten. Allerdings handelte es sich damals um Satire. Lichtforscher kennen offenbar keine Pietätsfristen, denn zwischen Satire – z.B. Meldung über Bananenzucht in Norwegen in Extra 3 – und der Beschließung von EU-Subventionen für Bananenzüchter in Irland müssen mindestens 5 Jahre vergehen.
Auch ohne ethische Bedenken berichtet Frau Maeck über die nicht totzuschlagende Studie aus Hamburg-Eppendorf mit Grundschülern, die man mit Licht konditioniert haben will, damit sie Pisa-gerecht werden: „Wurden Farbtemperatur und Lichtintensität optimal auf Situationen und Anforderungen im Klassenraum eingestellt, verbesserten sich die Leistungen der Schüler. Unter sehr hellem, bläulichem Licht waren die Schüler schneller beim Lesen und machten weniger Fehler. Durch Beigabe von gelbem Licht konnten sie sich schneller beruhigen. Per Knopfdruck konnte die Lehrerin das passende Ambiente für die Schüler wählen: "Aktivieren", „Beruhigen" oder "konzentriertes Arbeiten". Bald hatten die Schüler sogar Lieblingslichtstimmungen.“
Der Artikel schließt mit einer Bemerkung, die jedem Lichttechniker das Herz höher schlagen lässt: „Licht könnte ein Glücks-Medikament der Zukunft sein.“ Könnte? Ist doch schon längst bei denen, die mit LED handeln. Dummerweise werden die, die das Geschäft heute betreiben, vermutlich morgen zu den Opfern der Revolution zählen. Denn LED braucht zu ihrer Durchsetzung die Künste der Elektroniker eher als die der Lichttechniker. Am Ende könnten die Letzteren in die Röhre gucken. (Hier darf ich ausnahmsweise von Röhre statt Lampe sprechen, ohne gleich exkommuniziert zu werden.)
(Die Sache mit den Kindern wurde in diesem Blog mehrfach behandelt. Z.B.
hier Kinder als Versuchsobjekt noch einmal
hier Blaulicht in HH - AD Acta
hier Kinder als Versuchsobjekt
Wer den Link zu dem Film erfahren möchte, in dem ein Forscher einem Millionenpublikum erklärt, wie man Kinder mit Licht manipuliert, muss mich anschreiben, da der Film nicht öffentlich verfügbar ist. Der Clip ist garantiert nicht manipuliert. Ob er Sachinformation wiedergibt oder eher den realen Irrsinn XXL, muss man selber entscheiden. Ob man nur den Schreiber von solchen Artikeln oder den Chefredakteur gleich mit unter Lichteinfluss setzen soll, muss wohl der Richter entscheiden. Ganz so straffrei dürften die Verfasser solcher Artikel nicht ausgehen, bei aller Liebe zur Pressefreiheit.)
Licht und Gemüse
14.04.2014
Licht im Eimer
Die Wochenzeitung Die Zeit gehört nicht zur Lieblingslektüre deutscher Kabarettisten. Zu Unrecht, wie man jetzt leicht feststellen kann. Zwar trägt auch heute der Herausgeber H. Schmidt, seines Zeichens Bundeskanzler, der Bundeskanzler, mit seinem Zigarettenkonsum erheblich zur Erheiterung der Republik bei. Die Sketchreihe „Loki und Smoky“ musste aber aus traurigem Anlass eingestellt werden.
Im letzten Zeitmagazin fand sich eine sehr bemerkenswerte Lösung des Lichtproblems im Büro, die jeder nach Kräften publik machen sollte. Ich gehe mit gutem Beispiel voran:
ZItat Ende! Den Text habe ich hier als Bild eingesetzt, damit keiner auf die Idee kommt, dem Link zu folgen. Der führt nämlich zu einem Artikel, dessen Titel so aussieht:
Wer also sein Büro angemessen beleuchten will, muss eine blaue Stehleuchte in einen grünen Pflanzentrog stecken. Ich habe die Redaktion gebeten, mir mitzuteilen, ob ich die Leuchte mit dem Kopf oder mit dem Fuss in die Tonne hauen soll. Frau Groll reagierte ihrem Namen entsprechend.
In der BRD wird die Presse durch das Grundgesetz geschützt. Und wer schützt uns vor der Presse? Vielleicht kann die GROKO den Schutzschirm für die Presse etwas lockern, damit uns der Tod durch Lachanfall erspart bleibt.
Licht und Glamour
30.03.2014
Glööckler macht in Licht - die Normung auch …
Was tut ein Mensch, der den Allmächtigen trifft? Früher warf man sich hin und wälzte sich im Staub. Ich schätze, heute wäre das nicht angemessen. Als ich heute dem Meister der Verkleidung begegnet bin, wartete die größte Menschenschar auf der Messe Licht und Bildung, nein, Light & Building, auf eine Erscheinung. Dann kam ER und erteilte seinem Gastgeber, einem Leuchtenhersteller, seinen Segen. „Sie haben Ahnung vom Leuchten, ich bin Meister des Glamours …“ Oder so ähnlich! Ich dachte, das Standpersonal hätte mir Vodka in das Mineralwasser gemischt, und bekniff mich an der Wade. Nein, ich war nüchtern und von dieser Welt. Harald Glööckler präsentierte sein Licht.
Warum eigentlich nicht? Weniger gefährlich für die Gesundheit ist seine Beleuchtung als die TÜV-08/15-Laternen für Arbeitsräume allemal. Auch weniger gefährlich für die allgemeine Kultur als seine Store-Eröffnung (bitte nur anklicken, wenn Sie eine gestandene Persönlichkeit sind, Kinder und Ältere müssen davor geschützt werden.) Die Bild-Zeitung hat dem Event eine ganze Seite gewidmet, wobei oben eine Warnung (oder Entschuldigung?) stand: „Bitte nicht erschrecken, wir erfüllen unseren Bildungsauftrag."
Was man auch von der ganzen Geschichte halten mag. Mir gefiel sein Motto: Jede Frau ist eine Prinzessin und hat ein Recht darauf, gut auszusehen. In Deutschland warten so etwa 11 Millionen Prinzessinnen darauf, dass ihr Büro so beleuchtet wird, dass man sie nicht für Testpiloten in einer Besenfabrik hält. Natürlich ist diese Vorstellung recht übertrieben. Nicht alle 11 Millionen sehen aus, als würden sie sich auf die Walpurgisnacht vorbereiten. Aber alle würden besser aussehen, wenn die Beleuchtung nicht der „Sehaufgabe“ gälte, sondern den Menschen oder ihrer Umgebung. Ist das nicht schon jetzt so? Anscheinend nicht, denn in der Norm EN 15193-1 "Energetische Bewertung von Gebäuden – Energetische Anforderungen an die Beleuchtung – Teil 1: Spezifikationen, Modul M9“ lese ich, dass es drei Klassen der Güte der Beleuchtung gibt: * oder ** oder *** . Bei nur einem * geht es um die „ einfache Erfüllung der Anforderungen“, während ** „gute Erfüllung der Anforderungen“ bedeutet. Erst mit *** ausgezeichnete Beleuchtungen erfüllen die Anforderungen umfassend. Woher die Anforderungen kommen, steht leider nicht zu lesen.
Worin unterscheiden sich ***- von **-Anlagen? Die Norm sagt dazu „Besondere Beachtung der gegenseitigen Blickkommunikation durch beleuchtete Gesichter (Ezylindrisch)“ und „Besondere Beachtung von gesundheitlichen Belangen“. Ergo: Wenn ich gesund bleiben und gesund aussehen soll, muss meine Beleuchtung mit *** ausgezeichnet sein. Dazu muss man den Energieaufwand von 42,1 kWh pro Quadratmeter und Jahr auf 67,1 kWh erhöhen. Also einen Mehraufwand von 59,4% betreiben. Das ist gesund. Dass die Blickkommunikation Wunder bewirken kann, war mir schon bekannt. Dass sie aber 60% mehr Energie kosten muss, ist mir hingegen ganz neu.
Da unsere Beleuchtungsnormen derzeit nicht einmal einfache Anforderungen erfüllen und niemand noch 60% darauf legen möchte, damit die gegenseitige Blickkommunikation gefördert wird, wird es mit dem Aussehen unserer Prinzessinnen nicht allzu gut aussehen. Apropos Blickkommunikation: 60% mehr Energieaufwand heißt auch 60% mehr Leuchten im Raum. Ob die vielen Leuchten dem Blickkontakt zu neuen Höhenflügen verhelfen? Wenn 11 Millionen Prinzessinnen im Büro eine Verschönerung durch die zylindrische Beleuchtungsstärke erfahren sollen, kostet die Sache in Jahr 2.200.000.000,00 kWh (bei einem Verbrauch von 200 kWh/Prinzessin).