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Licht und Smart Meter
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21.01.2011

DER STROMMANN IST WIEDER DA

„Marketing ist, wenn der Kunde Enten will und man nur Hühner hat, sodass man den Hühnern die Füße breit klopft.“ So und ähnlich lauten die üblichen Verunglimpfungen der Abteilung, die jeder Anbieter betreiben muss. Lichttechnische Firmen machen da keine Ausnahme, und betreiben gemeinsam auch noch ein zentrales Marketing. Eines der erfolgreichsten, übrigens. Die Marketingleute müssen ihr Gehirn ständig martern, um Anwendungen für die Produkte der Firma zu finden, wobei manchmal die ulkigsten Dinge erfunden werden.

Die bizarrste Lichtanwendung ist aber keinem Marketingexperten aus der Lichttechnik eingefallen, sondern dem FNN (Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE). Wir können in den nächsten Jahren mit einem regen Absatz von Taschenlampen rechnen, mit denen das deutsche Volk seine - jetzt - intelligenten Stromzähler abliest. Na, ja. Ganz so intelligent sind die Dinger nicht, nur smart. Und heißen deswegen Smart Meter. Wieder mal ein Begriff, der auf die Herzen des einfachen Volkes zielt. 

Abgesehen davon, dass das nicht so einfache Volk beim Lesen der Beiträge zu dem aktuellen Thema und auch beim Studium der Bedienungsanleitungen ebenso doof vorkommen wird wie gläubige Christen vor Martin Luther beim Lesen der Bibel, wird es nie verstehen können, warum man eine zertifizierte Taschenlampe benötigt, um den Stromzähler abzulesen. Was die Bibel davor schützte, von einfachen Menschen gelesen zu werden, die Sprache, wird den Smart Meter davor bewahren, vom Volk verstanden zu werden, auch die Sprache, diesmal nicht Latein sondern Denglish. Allein das Wort smart hat es in sich. Auf Deutsch bedeutet es oft gerissen, gewieft, schlau u.ä., und riecht selten gut. Wenn man nach Bedeutungen in Englischen sucht, findet man z.B. das Brennen, der Schmerz oder wehtun als Verb, oder Besserwisser, Klugscheißer oder Neunmalkluger in Verbindung mit alec. Manche positive Bedeutung wie smart money = klug angelegtes Geld hat sich im Zuge der Bankenkrise eher ins Gegenteil umgewandelt. Sogar in der ganz positiven Bedeutung, z.B. in Verbindung mit card, bedeutet smart „besser als dumm, aber weniger als intelligent“, was man gut in der Computerei verstehen kann - smart Terminals, das waren die halbintelligenten Terminals, die vom PC abgelöst wurden, weil doch zu dumm.

Ganz langsam zum Mitschreiben: Unsere Behausungen, Haus oder Wohnung genannt, sollen zu Smart Homes mutieren. Der Strom in diesen smarten Gebilden kommt nicht etwa aus der Steckdose eines EVU, sondern aus einem Smart Grid. Damit Smart Home am Smart Grid funktioniert, braucht man einen Smart Meter. Was das ist, werden wir noch lernen, wenn der hackende Sohn des Nachbarn nicht mehr die Computer des Pentagons angreift, sondern bei uns den Strom abstellt, aus Versehen oder auch mal absichtlich.

Damit man sich nicht ganz so doof vorkommt, haben sich die smarten Fachleute vom FNN etwas einfallen lassen, die optische Taste. Ein Glück, dass ihnen nicht die akustische Taste eingefallen ist, sonst würde es ganz schön laut werden in den Kellern, wo die Smart Meter aushängen. Was ist das Schöne, die optische Taste, die neue Errungenschaft? „Die optische Taste ist ein lichtempfindlicher Sensor, den Sie mit einer handelsüblichen Taschenlampe bedienen. Leuchten Sie dafür auf die markierte Stelle entsprechend der Abbildung auf Seite 3*.“ Damit man es nicht zu leicht hat, sagt die Bedienungsanleitung, dass der Stern hinter der 3, ein Wahrzeichen unserer Werbekultur („Nur 3,99* € - kann aber auch 99,99 € bedeuten) folgendes besagt: „* Je nach Hersteller kann sich die optische Taste auch an einer anderen Stelle des Zählers befinden.“ Schlicht ausgedrückt, wenn die Taste nicht dort ist, wie auf Seite 3 abgebildet, ist sie eben wo anders. Wenn sie nicht woanders ist, …“.

Ist das so wichtig? Ja - weil man die besagte Taschenlampe genau vor diese Taste halten muss, und unzählige Male drücken. So z.B. „erstes Anblinken - Displaytest über beide Zeilen“. Und dann? Man muss ein zweites Mal anblinken und kommt zur Eingabe der PIN. Gibt es Leute, die noch nicht wissen, was eine PIN ist? Nein! Aber bestimmt viele, die nicht wissen, wie man eine PIN mit einer Taschenlampe eingibt. Das geht so: Um die PIN-Eingabe zu aktivieren, muss man 5 Sekunden auf die optische Taste leuchten. Dann kann die Eingabe der PIN beginnen: „Für die Eingabe der vierstelligen PIN leuchten Sie mit der Taschenlampe zweimal auf die optische Taste: In der 2. Displayzeile erscheint „PIN“ und an der 1. Stelle steht die Ziffer 0.“ Erst mal tief Luft holen, vielleicht ein Gläschen Sekt auf den Erfolg trinken? Es geht weiter und zwar endlos: „Leuchten Sie die optische Taste mehrfach kurz an, bis die 1. Ziffer der vorgegebenen PIN an der 1. Stelle angezeigt wird. Die Ziffernfolge ist gleitend und endlos (0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0, 1, 2, usw.)

Nachdem Sie die gewünschte Ziffer sehen, warten Sie 3 Sekunden.“ Und so weiter, und so weiter, bis alle vier Stellen drin sind, wie ein bekannter Tennisspieler sagen würde. Jetzt steht einem erfolgreichen Ablesen der Daten nichts mehr im Wege. Und zwar ewig, denn die Bedienungsanleitung besagt: „Wenn Sie die PIN-Eingabe an dieser Stelle nicht wieder aktivieren, können Sie jederzeit Ihre persönlichen Stromverbräuche ohne die Eingabe der PIN durch Anleuchten der optischen Taste abrufen.“ Was, wenn man seine Daten doch vor anderen Leuten mit einer Taschenlampe schützen möchte: „Zum erneuten Schutz Ihrer Daten müssen Sie die PIN-Eingabe wieder aktivieren.“ Wieso muss ich die Eingabe wieder aktivieren, wenn ich gar nichts eingeben möchte? Den Sinn dieser Sache kann nur ein Techniker erraten. Offensichtlich ist die optische Taste bistabil. Aktiviert man sie, ist sie aktiviert. Aktiviert man noch einmal, ist sie deaktiviert.

Das erfährt man beim Kundenservice, nehme ich an. Die Mitarbeiter dort sind sehr freundlich und regen sich nicht einmal dann auf, wenn man etwas Dummes tut, wie die PIN zu vergessen. Man muss die angegebene Nummer anrufen und „Gern nennen Ihnen die Mitarbeiter die korrekte PIN für Ihren Zähler.“ steht in der Bedienungsanleitung geschrieben. Man muss diese Bedienungsanleitung unbedingt vor den Kabarettisten schützen. Die erfinden womöglich lustige Dialoge zwischen Hausmeister Krause und der freundlichen Serviceabteilung über die PIN der abwesenden Oma Stein, die die Treppen in den Keller nicht mehr steigen kann.

Die Sache ist benutzerfreundlich wie es nicht mehr geht. Was passiert, wenn man die PIN falsch eingibt? Keine Sorge: „Sie können die Eingabe der PIN beliebig oft wiederholen.“  Was tun, wenn der liebe Nachbar sich die PIN abgeguckt haben könnte? „Die PIN wird einmalig vergeben und kann von Ihnen nicht geändert werden.“ sagt die FAQ aus (Bitte buchstabieren und nicht lautmalerisch aussprechen, man könnte Sie missverstehen.).

Der Verbraucher kann echt souverän darüber entscheiden, was mit seinen Daten wird: „Wenn Sie einmal die PIN eingegeben haben, können Sie selbst entscheiden, ob Sie die PIN-Eingabe wieder aktivieren möchten oder nicht.“

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Ableser, in den meisten Fällen mit älteren Wohnungsbesitzern die Ableserin, nicht nur nicht von Gicht oder ähnlichen Leiden geplagt sein darf, um den Arm so hoch zu halten, dass die Taschenlampe die optische Taste trifft. Sie müsste eigentlich drei Arme haben, wenn sie auch noch das Abgelesene notieren will.

Da die Natur das (vermutlich) nicht hergeben wird, sollte man alternativ die FNN-Experten in zwei Kurse schicken, Grundkurs „Datenschutz für Dummies“ und Fortgeschrittenenkurs „Ergonomie für blutige Anfänger“. Den Grundkurs in Ergonomie kann man ihnen ersparen, denn sie haben offensichtlich gelernt, den Benutzer zu modellieren: Die Bedienung der optischen Taste erinnert verdammt genau an den Stromableser, auf den früher in den Vorstädten die „grünen“ Witwen sehnsüchtig warteten. Jetzt ist er wieder da, modellhaft auferstanden.

Sind die Deutschen technikfeindlich? Vielleicht, aber dann nicht freiwillig. Wenn unsere Experten mit dem Rest des Smart Metering so smart umgehen, wird es wohl nix mit dem Smart Home. Dabei geht es um nichts weniger als eine Vorstellung über den intelligenten Umgang mit Energie. Technik ist zu ernst, als dass man sie Technikern überlassen dürfte.

Wenn die Techniker derart smart sind, wie die Bedienung der optischen Taste sich anhört, werden wir vermutlich ein paar Jahrzehnte warten, bis Smart Meter in Deutschland flächendeckend eingeführt werden. Bis dahin können sich einige mutige Menschen der Technologie bedienen, die z.B. in Norwegen alltäglich geworden ist. 

Mein Ampelmann

Licht und Altern
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30.11.2010

WIE SCHLECHT FUNKTIONIERT DIE LICHT-TECHNIK?

Eigentlich gar nicht so schlecht! Ich drehe den Schalter, und das Licht geht im Keller an. Im Wohnzimmer geht das nicht, da muss man den Schalter umlegen. Denn dort haben wir die Vorkriegsware durch moderne Ausrüstung ersetzt. Ansonsten sind wir glücklich. Dürfen wir aber nicht, lese ich in licht.de.

Dort wird erklärt, warum man immer mehr Licht installieren muss, als man benötigt. Die Lampen und Leuchten verschmutzen und altern dazu noch. Ergo: Man installiere mehr, um später den erwünschten Zustand zu haben. Die Leute, die mein Haus gebaut haben, kannten die Sache wohl noch nicht. Denen hatte man erzählt, dass der Wunsch von Goethe in Erfüllung gegangen wäre: „Sie könnten nichts Besseres erfinden, als wenn die Lampen ohne zu putzen brenneten“. Und nun lese ich: „Um die Beleuchtungsanlage länger ohne zusätzliche Wartungsarbeiten betreiben zu können, muss also ein entsprechend höherer Neuwert (Anfangswert) installiert werden. Dieser wird mit Hilfe des Wartungsfaktors festgelegt.“ Johann Wolfgang muss also noch warten.

Eigentlich ist die Sache ja nicht neu. Man berechnete eine neue Beleuchtung schon immer mit einem Zuschlag, je nach dem, wo sie betrieben werden sollte. Danach gab´s aber Ruhe. Denn niemand konnte präzise ermitteln, wann die Anlage den Ansprüchen nicht mehr genügte. Es war wie mit dem Kupplungspedal. Die Wirkung verschlechtert sich mit der Zeit, reparieren tut man die Kupplung erst, wenn sie nicht mehr tut.

Man hat nunmehr den Wartungsfaktor erfunden, um festzustellen, wann eine Anlage den geplanten Wert nicht mehr liefert: „Die von den europäischen Beleuchtungsnormen, zum Beispiel DIN EN 12464-1, empfohlenen Angaben wie die Höhe der Beleuchtungsstärke sind Wartungswerte. Das heißt, sie dürfen zu keiner Zeit unterschritten werden.“ lese ich in licht.de. Macht Sinn!

Der Haken kommt beim Rechnen: MF = LLMF x LSF x LMF x RMF, so heißt die Formel. LLMF ist der Lampen-Lichtstromrückgang, LSF der Lampen-Lebensdauereinfluss, LMF der Leuchtenverschmutzungseinfluss und RMF der Raumverschmutzungseinfluss, erklärt mir eine Herstellerbroschüre. Sehr schön, aber was kommt unter dem Strich heraus? Auf diese Frage konnte man viele Jahre lang keine Antwort bekommen. Ich erinnere mich noch an einen Vortrag, den ein Mitglied der zu dem Zweck der Festlegung des Wartungsfaktors von der LiTG eingesetzten Arbeitsgruppe gehalten hatte. Nach seiner Berechnung müsste man für ein normales Büro (500 lx) etwas über 3000 lx installieren, wenn man keine Wartung machen wollte. So etwa das Siebenfache des für erforderlich gehaltenen Wertes.

Natürlich wird niemand das installieren, weil … Man wird es meistens gar nicht können, weil der ganze Himmel voller Leuchten hinge. Ein Marketing-Experte eines Herstellers meinte dazu unlängst, man könnte doch zu viel installieren und dann die Anlage gedimmt betreiben. Gute Idee. Leider frisst die dazu erforderliche Elektronik Strom, und die Lampen werden ihre Kennwerte nicht erreichen, weil sie suboptimal betrieben werden. Also noch mehr Ineffizienz.

Wer es beim Alten lassen möchte, also einen Wartungsfaktor von 0,80 = Neuwertfaktor von 1,25 realisieren, muss nach den Angaben des Verbandes der Hersteller (ZVEI) folgendes in die Tat umsetzen: sehr saubere Umgebung, Wartungszyklus 1 Jahr, 2.000 h Brenndauer/Jahr, bei 4.000 h Lampenwechsel, Einzelauswechslung, Leuchten mit geringer Neigung zur Staubansammlung, EVG.

Langsam zum Mitschreiben: Ein Betrieb, der ordnungsgemäß eine Beleuchtung betreiben möchte, und dabei keine Energie zum Fenster hinaus befördern, muss jedes Jahr alle Leuchten putzen, alle zwei Jahre sämtliche Lampen wegwerfen, ständig den Hausmeister die ausgefallenen Lampen ersetzen lassen, und darf nur besondere Leuchten betreiben. Der Raum muss auch sehr sauber sein.

Beim Lesen dieser Daten dachte ich an die Golden Gate Brücke. Dort turnt das Wartungsteam ständig im Gebälk herum, um die rostanfälligen Teile neu zu bepinseln. Das geht seit 1937 so. Entsprechend muss jede Leuchte in einem deutschen Büro einmal im Jahr geputzt werden, oder öfter, wenn man das Weißeln der Wände nicht so häufig durchführt.

Oder? Man wählt einen Faktor von 0,5 und installiert doppelt so viel wie für erforderlich gehalten. Dieser wurde z.B. für Büros mit Raucherlaubnis empfohlen. Das hört sich wieder nach Energieeffizienz an.

War jemandem bewusst, dass Kompaktleuchtstofflampen schlechter sind als die stabförmigen? Die Berufsgenossenschaft gibt (BGI 856, 2010) für die einen Faktor von 0,70 an, für die üblichen 0,75. Man muss dann 48,28 lx mehr installieren. Fast 10 % mehr. Sind die Energiesparlampen nicht Kompaktleuchtstofflampen? Eigentlich ja, aber die sparen offenbar doch nicht so gut. Wie wär´s mit einem Verbotsantrag?

Aus den Daten kann man aber noch mehr lesen: Um nicht zu viel installieren zu müssen, muss man die Kompaktleuchtstofflampen nach 4.000 Stunden wegwerfen, auch wenn man laufend jede ausgefallene Lampe sofort wechselt. Den EU-Politikern, die die Glühlampe verboten haben, wurde aber eine Lebensdauer von 10.000 Stunden angegeben. Die Berechnungen über den Quecksilberfilm über Deutschland wurden auch auf dieser Basis angestellt. Und nun? Soll man bei der „Gruppenauswechslung“, so ist die offizielle Bezeichnung nach 4.000 h auch die gerade ersetzten Lampen mit wegwerfen, damit die sich als zugehörig zur Gruppe empfinden?

Ich kenne, keinen einzigen Betrieb in Deutschland, der einen Wartungsplan dieser Art aufgestellt hätte. Vermutlich würde ein Anbieter für eine Planung mit diesen Randbedingungen das Büro des Kunden nicht durch die Tür verlassen, so er denn überhaupt Einlass bekommen hat. Man wird ihm einfach nicht abnehmen, dass die Lichttechnik so schlecht funktioniert. Tut sie auch nicht!

Nicht nur Lügen haben kurze Beine, sondern auch sachlich scheinende Angaben, hie 4.000 h dort 10.000 h, wenn man die zusammen betrachtet. Dass Dumme ist, dass es Sinn machte, den Wartungswert einzuführen, und auch noch Sinn macht, unterschiedliche Wege zur Erhaltung der Beleuchtung aufzuzeigen. Der eine putzt jeden Tag die Lampe (Goethe), der andere weißelt die Wände, und der dritte installiert mehr.

Übrigens, das Konzept gilt auch für die Tageslichtbeleuchtung. Man muss zwar nicht ständig die Sonne putzen, sie altert auch nicht so schnell. Wartungsfrei ist so eine Tageslichtbeleuchtung aber nicht.

Licht und Heatballs
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30.11.2010

DEUTSCHE BEAMTE MIT HUMOR

Einem nicht endenden Vorurteil zufolge, haben deutsche Beamte keinen Humor bzw. sie haben keinen zu haben. Auch wenn ich das exakte Gegenteil davon mal erlebt habe - ein Beamter hatte unseren Antrag, unsere von Wildschweinen gefressenen Tulpen im Garten vom Berliner Senat ersetzt zu bekommen, derart toll durch den Kakao gezogen, dass nicht nur alle Geschädigten baff waren, sondern auch eine seriöse Zeitung den Brief in vollem Wortlaut veröffentlicht hat -, will ich dem Vorurteil trotzdem in Sachen Heatballs eisern folgen. Kein Auge blieb trocken. Wir haben aber nicht geweint.

Nun ist uns aber ein Beamter böse in die Parade gefahren. Auf einen eher sarkastischen Brief eines deutschen Professors, dem die Kinderlein im Bad ohne Heatballs zu erfrieren drohten, hat dieser unbotmäßige Staatsdiener unbotmäßig schnell, Stunden danach, geantwortet:

„Betreff: AW: Wo bleiben meine bestellten "Hitzebälle"?
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Email zum Thema „Heatballs“.
Das zuständige Fachdezernat der Bezirksregierung Köln versucht derzeit noch, Licht in das Dunkel der wahren Natur der „Heatballs“ zu bringen. Sobald ein Prüfungsergebnis vorliegt und die weiteren juristischen Fragen geklärt wurden, werden Sie sicher aus der Presse oder von Seiten des Vertreibers der „Heatballs“ erfahren, wie es im Thema „Heatballs“ weitergeht.
Zur Klarstellung möchten wir noch darauf hinweisen, dass es bei der Prüfung der „Heatballs“ selbstverständlich nicht um Sprengstoff geht, wie in einigen Zuschriften und Presseartikeln behauptet wird.

Mit freundlichen Grüßen
Die Pressestelle der Bezirksregierung Köln“

Leider, leider hat der Mann jetzt die Oberhand. Und nun müssen wir uns etwas Neues ausdenken. Oder professionelle Hilfe beim Scheibenwischer holen.  Man sollte mal eine Niederlage einstecken können. Oder?

Licht und Energieeffizienz
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19.11.2010

HEATBALLS AUFGEFLOGEN

Soeben kam die Nachricht, dass 40.000 Heatballs aus China vom deutschen Zoll festgehalten werden. Ich glaube, dass die Aktion bereits angekündigt war, die Heatballs sind normale Glühlampen, die in der EU nicht mehr vertrieben werden dürfen, weil sie zu viel Wärme und zu wenig Licht aus dem schönen Strom machen. Ergo? Man verkauft sie als Ofen! Elektroöfen sind nämlich nicht verboten, obwohl sie noch weniger Licht gegenüber der Wärme produzieren. Ein Leuchtofen also …

Die Sache haben angeblich zwei findige Ingenieure eingefädelt, um gegen das Glühlampenverbot vorzugehen. Sie verstehen was von ihrem Beruf. Mittlerweile sind sie selbst im Ausland berühmt geworden. So schlimm hat sich die Sache die EU-Kommission wohl nicht vorgestellt - wie sie durch den Kakao gezogen wird. Dabei ist das Vorgehen der Missetäter nicht einmal sonderlich neu, man denke nur an den Drehspieß! Dieser ist ein Döner, der keiner ist, weil es in Berlin eine Dönerverordnung gibt. Noch viel älter ist der Umgang eines Hühnerzüchters mit der Grenzabgabe für Geflügel zu Zeiten, als die sich EU EWG nannte. Er ließ seine Hühner von einem Auerhahn befruchten, dessen Kinder nach dem damaligen Recht die Staatsbürgerschaft des Vaters annahmen - Wild. Dafür gab es keine Grenzabgabe. Im vorliegenden Fall haben die Erfinder der Heatballs nicht einmal einen Trick angewandt. Sie haben nur die Definition der EU für eine Lichtquelle benutzt. Die Sache wird derzeit als Satire gehandelt. Ist sie auch - fragt sich, was … Das Vorgehen der Erfinder oder das der EU?

Als ich den Artikel las, fiel mir ein Vorfall ein, der zeigt, wie Experten eines Fachs sich lächerlich machen können, wenn sie mal nicht nachdenken. Es geschah in einem Unternehmen, das eine neue Fabrik für extrem hochwertige Gläser aufgebaut hatte. Das sind Gläser, die man für Weltraumteleskope u.ä. braucht.

Der Chef zeigte unserer Gruppe stolz seine neuen „Häfen“, in denen das Glas geschmolzen wurde. Das Ende des Prozesses besteht darin, dass man den Hafen deckelt und gaaaaanz langsam abkühlen lässt, damit das Glas spannungsfrei bleibt. Unter dem Deckel waren unglaubliche Objekte montiert worden, die als Heizung dienen sollten: Kohlefadenlampen, die wir nur aus dem Museum kannten. Hier waren sie echt. Unser Gastgeber erklärte, man würde sie benutzen, weil sie sanfte Wärme abgäben. Diese seien „Wärmebirnen“, während die normalen Glühlampen „Lichtbirnen“ seien. Leider hätte man Probleme mit der Lebensdauer, weil die Wärmebirnen sehr schnell ihren Geist aufgäben. Den Hafen beim Abkühlen so einfach aufmachen, um eine neue Birne einzuschrauben, ginge nicht, weil das Glas einen gehörigen Schreck bekäme. So hätte man Probleme, die noch zu lösen wären. Man würde gut ein Drittel der Produktion des letzten Herstellers von Kohlefadenlampen aufkaufen.

Unser Professor grinste verlegen und sagte, „nehmen Sie zwei Lichtbirnen und schalten Sie sie hintereinander, dann haben Sie zwei Wärmebirnen, die nie wieder durchbrennen werden, solange die Fabrik steht“. Er erklärte außerdem, dass es egal sei, welche Lampe man da einbaut. Wenn der Deckel zu ist, wird alles in Wärme umgewandelt.

Uff! Der Gastgeber war platt. Wieso ist ein Unternehmen, das von der Optik und Physik so viel versteht wie kaum ein anderes, nicht selber auf die Idee gekommen? Ganz einfach: Man denkt zuweilen nicht, auch wenn man ansonsten unheimlich präzise denkt. So erging es mir mit dem elektrischen Strom. Zu meiner Kindheit kam er aus der Steckdose und wurde als die sauberste Form der Energie gehandelt. Tatsächlich kann man einen Holzofen nie völlig ohne Flugasche säubern, während ein Elektroofen nichts dergleichen produziert. Er produziert auch keinen Rauch. Dass der Dreck anderswo entstand, war mir nicht bewusst. Das lernte ich, als ich als Student in einem Kraftwerk arbeitete. Da wurden jeden Tag Berge von Kohlenstaub in Wärme, Rauch und CO2 umgewandelt.  Wie viel Energie bei der Erzeugung von Strom verplempert wird, hätte ich spätestens im sechsten Semester präzise ausrechnen können. So kann die beste Umwandlung in der Thermodynamik nur einen Wirkungsgrad von 66% erreichen (schöne Grüße von Herrn Carnot). Also vergeudet das Kraftwerk erst mal ein Drittel der Energie, die in dem Brennstoff steckt. Der Brennstoff muss aber erst einmal zum Kraftwerk kommen, und der Strom muss nachher an die Steckdose transportiert werden. Wie viel Strom die Leitung vernichtet, hatte ich auch gelernt, exakt zu berechnen. Und? Mir fehlte nichts zu der Schlussfolgerung, dass die konventionelle Art der Stromerzeugung den unwirtschaftlichsten Umgang mit der Primärenergie bedeutet. Das musste ich Jahre später von den Grünen lernen. Primärenergie? Ziemlich neumodisch, früher kannte man so etwas nicht. Auch das lernte ich von den Grünen.

Vielleicht kann ich mich bei denen revanchieren. In ihrer ideologischen Verblendung haben sie am Glühlampenverbot gebastelt und nicht gesehen, womit man massiv Strom sparen kann. Mal in der Geschichte von Beleuchtungsnormen kramen - oder den Vortrag von Peter Boyce lesen, der die Begründung der Beleuchtungsstärkewerte in den Normen als Märchen entlarvt hat. (mehr BoyceFairyTales.pdf) In Deutschland wendet man viel Energie an, um Teppiche in Büros zu beleuchten. Die Idee davon entstand so um 1930, als die Großväter der heute wirkenden Personen über Beleuchtung nachdachten. Im Jahre 2010 feiern ihre Ergüsse feierliche Urständ. Zum Totlachen ist das nicht - oder vielleicht doch?

Zum Thema Heatballs alias Heizkugeln gibt es eine tolle Kolumne von Harald Martenstein (s. unten). Es werden Sponsoren für den Kakao gesucht, durch den man die Initiatoren des Glühlampenverbots ziehen will.  Mit 5€ ist man dabei - oder man importiert dafür die entsprechende Menge an heatballs. Und wenn dies verboten wird, cookballs. Und wenn dies auch noch verboten wird, schau´n wir mal …

 

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