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Licht und OLED

31.08.2011

LED-NACHFOLGER KOMMT - FRAGT SICH WANN

Heute, am letzten Tag der 60 W Birne, die durch die Energiesparlampe ersetzt werden sollte, die durch LEDs ersetzt werden sollte, berichtet die Presse, dass OSRAM in LED-Nachfolger investiere. Der Berliner Tagesspiegel fängt die Meldung so an: „Noch heißt das Zauberwort bei den Lichtkonzernen LED – das Geschäft mit Leuchtdioden boomt.“ Nun, ja. Boomen tut da was mit LED, das sind die Meldungen. Ein Erfolg jagt die anderen, auf dem Papier. Indes, Geld macht man damit noch nicht. Deswegen steckt Philips in Schwierigkeiten, und Siemens muss OSRAM verkaufen. Ansonsten machen erst einmal andere Kasse, Anwälte, die Patentstreitigkeiten anfachen. Jeder lässt dem anderen den Verkauf von Produkten verbieten, wenn er gewinnt. Vorbild: die Branche mit den intelligenten Telefonen und mitunter weniger intelligenten Ingenieuren. Die sollen mit bis zu 250.000 Patenten geschützt sein, die Telefone. Die Ingenieure, die intelligenten, sind Urheber oder Mitarbeiter, zuweilen ungeschützt. Ein Leckerbissen für Patentanwälte.

Aber ehe sich das Geschäft in ein bread-and-butter-Geschäft verwandelt, sieht man sich bereits nach einem Nachfolger um. Es ist OLED! Der Chef von OSRAM hat - fast merkellike - große Worte in den Lichthimmel fliegen lassen: „Wir erleben einen dramatischen Wandel, wie ihn der Lichtmarkt vielleicht in den letzten 100 Jahren nicht erlebt hat“.

Stimmt. Vor hundert Jahren (und etwas mehr) hat sich Siemens mit Hilfe von Licht zu seinem Kerngeschäft verholfen: Verkauf von Generatoren und Stromkabeln. Denn es gab keine anderen Stromverbraucher. Und OSRAM war ein Warenzeichen der Deutschen Gasglühlichtanstalt. An dem Objekt beteiligten sich später Siemens, AEG und General Electric Company. Erst viel, viel später kaufte Siemens alles auf, weil nicht nur AEG, sondern auch OSRAM hatten angefangen, streng zu riechen. Als dann Siemens anfing, alle Bereiche abzustoßen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, wurde die Lichtsparte an eine Heuschrecke verkauft, während OSRAM wohl zum Kerngeschäft gehörig erkannt und behalten wurde.

Und nun das! OSRAM wird verkauft. Vielleicht um die LEDs besser und schneller zu entwickeln? Ja und nein. Die gestern gestartete Produktion von OLEDs (organische LEDs) ist wahrlich eine Revolution, weil diese Produkte eine scheinbar unaufhaltsame Entwicklung in der Technik der Leuchtmittel total umkehren. Das Gegenstück zu „immer größer, stärker, schneller“ in der Autotechnik hieß in der Lichtbranche immer heller, immer stärker. Je kleiner eine Einheit, aus der man den gleichen Lichtstrom rausholt, und je größer der Lichtstrom, den man aus der gleichen Menge Energie erzeugt, desto stolzer der Entwickler. Bis zur Ankunft der LED, meistens ein Physiker.

Was ist daran zu bemängeln? Das erfahren Leute, die unter einer Leuchtstofflampe arbeiten müssen. Von der einstigen T12-Lampe (Durchmesser 38 mm) zur T5-Lampe wuchs die Leuchtdichte von einigen Tausend auf etwa 40.000 cd/m², also um den Faktor 20. Da die Blendung etwa mit dem Quadrat der Leuchtdichte ansteigt, ist es kein Wunder, dass nur die Techniker die T5-Lampe offen genießen wollen. Für den Rest der Welt gehört die hinter einen Schleier. Der schluckt aber Licht. Die Lampe ist effizienter, eine Beleuchtung damit nicht unbedingt.

Die LEDs gehören in dieser Hinsicht in die gleiche Linie. In ihrem Kern weisen sie Leuchtdichten bis in siebenstellige Höhe auf. Deren Beherrschung ist weniger den Physikern als den Elektronikern übertragen. Die können natürlich vom Beruf Physiker sein. Und auch deren Kern-Kunst ist gefragt, weil das Beherrschen der Thermik derzeit die Hauptaufgabe ist.

Worin besteht die Revolution? Die OLEDs sind flächige Elemente, die sehr niedrige Leuchtdichten aufweisen und somit völlig andere Wege in der Beleuchtung aufzeigen. Das ist die eine Seite der Revolution. Die andere liegt in der Technik der LED, die verhältnismäßig kleine Lumenpakete erlaubt. Somit kann man auch flächig verteilte Beleuchtung realisieren, aber mit Punkten mit hoher Leuchtdichte. So kann man mit der einen Technik. OLED,  gleichmäßige Lichtschleier erzeugen, ohne jemanden zu blenden, und mit der anderen, LED, Glanzpunkte setzen.

Der OSRAM-Chef wird vermutlich Recht behalten. Ob sein bisheriges Personal seine Arbeit behalten kann, ist indes fraglich. LED, mit oder ohne O davor, verlangt nach anderen Fachleuten sowohl in der Technik der Leuchtmittel, als auch in der Technik der Leuchten. Derzeit besteht es vornehmlich aus Elektronik und Kühlkörpern. Es sind halt neue Zeiten.

Licht und Qualität

31.08.2011

SCHON WIEDER GLÜHLAMPENVERBOT

Es ist raus: Für die Verbraucher spielt die Lichtqualität keine Rolle - hat eine Studie von Emnid fachkundig festgestellt: „Vier von fünf Deutschen unterstützen das Verbot der traditionellen Glühlampen ab dem 1. September: In einer am Dienstag veröffentlichten Emnid-Umfrage sagten 79 Prozent, sie fänden es richtig, im Sinne des Umweltschutzes auf effiziente Beleuchtung zu setzen. Beim Kauf suchen demnach zwei Drittel gezielt nach energiesparenden Lampen mit niedrigem Stromverbrauch. Das zweitwichtigste Kriterium ist demnach der Kaufpreis. Lichteigenschaft oder Form und Design der Lampe spielten eine untergeordnete Rolle, ergab die Befragung.“ Jedenfalls in der Meldung vor AFP, die vor genau 20 Stunden durch die Ticker lief. Wer noch richtig tickt, muss nicht einmal raten, wer die Studie in Auftrag gegeben haben könnte. Bestimmt nicht die Chemieindustrie - die gibt nur Studien in Auftrag, deren Ergebnis lautet: Die Verschmutzung des Rheins kommt nicht aus den Abwässern der Industrie, sondern von den Fischen, die tot im Rhein herumschwimmen. (geklaut bei Otto)

Der erste Kommentar zu der Meldung auf der Yahoo-Seite sagt: „Vier von fünf Deutschen hamstern traditionelle Glühbirnen", so wird ein Schuh draus.

Ja, so isses! Den Verbrauchern ist es egal, dass der Sonntagsbraten unter der effizienten Ökofunzel wie Gammelfleisch aussieht. Hauptsache effizient. Wirklich? Warum essen die eigentlich einen Braten? Hat jemand ausgerechnet, was ein deutscher Schmorbraten für eine Verschwendung an Energie bedeutet? Nee, nich? Chinesisch essen würde schon an einem Sonntag mehr Energie sparen als die Glühlampe in einem Monat verbraten könnte. Ein Wok ist etwa 20-mal so effizient wie ein Schmortopf. Oder 10-mal? Oder 30-mal? Ich will nicht feilschen wie die, die die Effizienz von Lampen berechnen. Wer gerne Schweinebraten ist, wird eh nicht auf Chop Suey umsatteln. Und die gute deutsche Bratpfanne wird ewig Energie ins All schleudern - es sei denn, jemand missbraucht diese, um den Leuten, die dem Volk dumme Fragen stellen, eins überzubraten.

Aber das ultimative Sparwunder ist Sushi. Es wird roh gegessen, nur der Reis muss gekocht werden. Sushi ist so ökologisch wie die Energiesparlampe auch.

Sushi zu essen könnte bald die Endlösung der Frage der Verschmutzung der Weltmeere durch Fische bedeuten. Nachdem wenige Völker der Erde 90% des weltweiten Fischbestandes von vor 50 Jahren flugs in Sushi und Hühnerfutter verwandelt haben, überlegen sich Meeresökologen, wie das Weltmeer ohne Fische aussehen könnte. Schön grün, hat man herausgefunden. Algen überall. Der blaue Planet jetzt auch auf dem Ozean grün!

Lassen wir die Esserei. Es gibt noch etwas, was man verbieten könnte, wenn Qualität keine Rolle spielt: das Auto. Auf den Philippinen gibt es Vehikel, die mit einem Mofamotor bis zu acht Leute übereinander gestapelt bewegen. Die sind so energieeffizient, dass sogar die Tuktuks aus Thailand verboten werden müssten. Und bei jeder Steigung müssen die Acht aussteigen und schieben. Hilft ungemein gegen Fettleibigkeit. Also braucht man keine Autos. 

Nehmen wir an, die Emnid-Studie hätte die Wahrheit ans Licht gebracht, sofern danach gefragt wurde. Hat man denn die Verbraucher auch gefragt, was sie davon halten, dass man ein ökologisch unbedenkliches Produkt (Glühlampe) durch eines mit einem der stärksten Umweltgifte ersetzt, ohne ein flächendeckendes Rücknahmesystem zu organisieren? Stiftung Warentest hat im April 2010 angegeben: „Laut Deutscher Umwelthilfe landeten 2007 rund 90 Prozent der privat genutzten Lampen im Hausmüll. Oft zerbrechen sie bei dieser Entsorgung, sodass Quecksilber in die Umwelt gelangt.“ Auch im Jahr 2011 landete Quecksilber aus den "ökologischen" Lampen in der Landschaft. 

2007 war es 22 Jahre nach der Ankündigung des Sparwunders auf der Hannover Messe. Der hohe Herr, der es der Weltöffentlichkeit präsentierte, Alfred Wacker, seines Zeichens Marketingleiter bei Osram, soll dabei gesagt haben: „Im Treppenhaus gern, bei Tisch bitte nicht!“ Sehr dumm, vom hohen Herrn, seine Firma gibt heute zerknirscht zu, dass die Lampen dort nichts zu suchen hätten, wo häufig ein- und ausgeschaltet wird. Sie brauchen sehr lange, bis sie ihre „Effizienz“ erreichen. Im Treppenhaus sind sie längst ausgeschaltet, wenn sie effizient strahlen. Zudem auch nicht sehr lange. Häufiges Umschalten vertragen sie nicht. Wie ökologisch ist es, eine neue Lampe einzuführen, die man auf Dauer eingeschaltet lässt, weil sie nicht ausgeschaltet werden mag?

Also Lichter im Treppenhaus möglichst lange brennen lassen? Dann hat man aber effizient gestrahlt. Ein Treppenwitz, der morgen am 1. September 2011 seine nächste Phase erreicht. Auch die 60-W-Glühlampe muss den Gang in die Geschichtsbücher antreten. Und wer die lesen will, wird künftig eine Energiesparlampe anknipsen müssen. Oder man spart gleich die gesamte Energie und lässt die Funzel kalt und dunkel. Solche Geschichten muss man nämlich nicht lesen. Wozu macht man sonst Licht?

Licht und PC

12.08.2011

HUMAN CENTRED DESIGN - MENSCH IM ZENTRUM

Heute ist der Geburtstag des PC. Jedenfalls nach IBM. Die hatten vor 30 Jahren die Idee, eine Blechkiste Personal Computer zu nennen. Personal sollte heißen so viel wie „Dein persönlicher …“, passte aber überhaupt nicht zum Computer. Denn der bewegte sich in Sphären zwischen heiliger Maschine und Gottheit, das war in den 1960ern; und Timesharing-Maschine, das war in den 1970ern. Die machte jedenfalls nie das, was ich wollte. Und die neue Kiste sollte es anders machen. Das hatte ich mir erhofft. Die Namensgeber auch …

Doch andere Herren der Schöpfung dachten nicht so. Wie darf jeder wollen, was er will? Frei nach Kaiser Wilhelm als Erwiderung auf die Nachricht, sein Volk erhebe sich gegen ihn: Ja, dürfen's denn? So wurde der PC bei IBM und bei allen, die damals mächtig waren, schlicht geschnitten. Und dann? Von den damals wichtigen und mächtigen Firmen lebt heute nur noch die IBM. Und kaum ein Mensch weiß heute, dass er dauernd mit einem mächtigen PC telefoniert. Wo ist Nixdorf - der Branchenprimus in Deutschland von einst? Im gleichnamigen Museum. Deren Chef, Heinz N., hatte verkündet, man würde Lastwagen bauen, aber keine Fahrräder! Nun tragen die Fahrräder die hundert- oder tausendfache Last seiner LKW. Wo ist DEC - Liebling aller Ingenieure und Physiker? In keinem Museum - weil das Ende zu prosaisch war. Beerdigung dritter Klasse! DEC, der zweite der einstigen EDV-Welt, starb einfach weg wegen Ideenlosigkeit. Und der einst die Welt beherrschende IBM-PC heißt heute Lenovo - auf Chinesisch. IBM-kompatibel bedeutete einst die Welt. Was ist mit den Underdogs von einst, Apple? Sie war genau heute das wertvollste Unternehmen der Welt, noch vor Exxon mit Ölquellen überall auf dem Globus. Die Apples fördern aber nur Ideen - wertvoller als Öl?

Und was hat das mit Licht zu tun? Viel! Die, die in meiner Jugend unsere Welt des Lichts dirigierten, Siemens Lichttechnik, wurden an eine Heuschrecke verkauft, wieder zurückgekauft, und mal wieder verkauft. Die, die aufstrebende Technik der LED aufbauen sollen, werden gerade von der Mutter verkauft - oder die Mutter steckt in roten Zahlen. Warum? Wir werden sehen. Ob die Mutter die andere Tochter verkauft oder verschenkt, ist nicht ausgemacht, weil die Welt über ihre Verhältnisse gelebt hat.

Für mich liegt die Parallele darin, dass in beiden Fällen eine Kultur des Aufdrängens von Produkten gegen den Willen des betroffenen Menschen der Auslöser war. Lichttechniker haben nicht das Erbe der Vorfahren abschütteln können, die den Menschen die Erleuchtung mit Birnen aufdrängen wollten. Später haben sie sich über solche lustig gemacht, die von Röhren sprachen. Dennoch konnten sie nicht verhindern, dass diese von Neonröhren sprachen, später von Neonfunzeln. Gott verhüt's!

IBM war intelligent genug, sich in das Metier zurückzuziehen, das man beherrschte. Der Rest wurde ausrangiert, ein neues Gesicht mit Milchbart und großer Brille beherrschte fortan die Welt. Wird die Welt des Lichts so etwas erleben? Etwa, dass diejenigen, die menschliche Bedürfnisse in den Vordergrund schieben, selbst in der vordersten Reihe stehen? Ich denke, ja. Denn die IT-Welt war und ist um Längen mächtiger. Und ist trotzdem vor den Bedürfnissen des Menschen in die Knie gegangen. Und die Menschen in der Lichttechnik waren eigentlich die ersten Techniker, die sich Gedanken um die Bedürfnisse der Menschen gemacht hatten. Die muss man gar nicht in die Knie zwingen. Man muss nur deren Ideen in die Praxis umsetzen. Dazu werden die heute herrschenden Lichttechniker genügend Zeit bekommen, nachzudenken, was sie falsch gemacht haben können. So ihre Firmen noch existieren. 

Man muss nur die Asche wegpusten. Und den Spiegel vor die Nase halten.

Licht und Verschwendung

30.05.2011

DENN SIE WISSEN NICHT …

Vor einiger Zeit fragte mich jemand, was denn an einer Beleuchtung, die er geplant hatte, falsch wäre. Er hätte sich Mühe gegeben, alle Vorgaben einzuhalten. Nu sind die Leute mit seiner Beleuchtung nicht so glücklich. Ist was falsch?

Ich fragte ihn, was er denn gemacht hätte. Eigentlich, das was jeder tun sollte, will er die Beleuchtungsnormen einhalten. Er hatte die Liste der Beleuchtungsstärken genommen, so-und-so-viel Lux auf dem Bürotisch, so-und-so-viel Lux im Gang, so-und-so-viel im Treppenhaus … Was soll daran falsch sein? Vielleicht das Ziel? Oder das Konzept?

Beleuchtung ist die Anwendung des Lichts, um Objekte sichtbar zu machen. Und Arbeitstische hat man seit jeher beleuchtet, damit man den Papierkram lesen kann, den man darauf bearbeiten soll. Und? Nichts, und es gibt keine Belege mehr, und den Bildschirm muss man nicht beleuchten; er leuchtet selber. Warum beleuchtet man etwas auf dem Arbeitstisch? Vor allem, wieso muss man heute in dem größten Teil der Büroräume mehr als doppelt so viel Licht installieren wie vor zehn Jahren? Und in den restlichen etwa 25 % mehr? (Mehr darüber in http://www.lichtundgesundheit.de/cyberlux/?p=225)- Man muss es nicht. Man muss nur für helle Wände und Decken sorgen. Dann ist es egal, wie viel Licht auf dem Tisch landet. 

Warum beleuchtet man einen Flur und ein Treppenhaus? Und zwar so wie einen Tisch? Guckt einer hin, wo er hintritt, wenn er einen Flur entlang läuft? Hoffentlich nicht! Noch schlimmer wär's, wenn er sich die Treppenstufen ansehen würde, die er gerade betritt. Wenn er schnell genug läuft, landet er dann nämlich garantiert auf der Nase. Wozu beleuchtet man also die Treppe? Auf jeden Fall braucht niemand die Beleuchtungsstärke auf den Treppenstufen, auch wenn die genau dort vorgeschrieben ist und dort gemessen wird. Es ist vorgeschrieben, die Beleuchtung auf den Treppenstufen in 20 cm Höhe zu messen. Hat jemand eine Erklärung dafür, welche Sehvorgänge 20 cm über einer Treppenstufe ablaufen?*

Eigentlich ein bemerkenswerter Fall, weil auch die Verfasser von Beleuchtungsnormen nachts Treppen rauf- und runterlaufen, mal mit, mal ohne Beleuchtung. Als Ingenieure müssten sie sich verpflichtet fühlen, das Licht genau dort einzusetzen, wo es benötigt wird. Sie tun es offensichtlich nicht. Richtige Lichtplaner machen es anders und richtig. Sie zeigen den Weg, den man gehen soll. Nur bekommen sie manchmal Ärger, weil die Luxe auf der Treppe nicht stimmen. Planen sie nur nach den Regeln, dann verlegen sie einen Lichtteppich auf die Stufen, der eine große Verschwendung bedeutet. Manchmal bedeutet der Lichtteppich auch Unfallgefahr, wenn er die Stufen nicht richtig modelliert.

Noch viel schlimmer sieht es mit der Beleuchtung in den Büroräumen aus. Seit etwa 30 Jahren landet der größere Teil des Lichtstroms auf dem Teppich oder an den Enden der Tische. Warum das so ist, kann man aus den Leuchtendaten und den Empfehlungen für die Anordnung von Arbeitsplätzen zwischen den Leuchtenreihen einwandfrei ableiten. Man muss es aber gar nicht, man sieht es an jeder Stirnwand eines Büros. Licht bevorzugt dorthin, wo man es nicht braucht! Gegen dieses Konzept kann kein Kabarettist einen Blumentopf gewinnen, egal wie zynisch er auch argumentiert.

Als ich dies vor vielen Jahren, und zwar mit dem mittleren Bild, das eine echte Installation wiedergibt, bei einem Vortrag thematisierte, wendete der Entwicklungsleiter einer großen Firma ein, gegen Fehlplanungen könne man nichts tun. Etwas derart „Meschuggenes“ kenne er nicht. Pech für ihn - die Planung stammte zufällig aus dem Hause, für das er arbeitete. Und die Leuchten hatte er selbst konstruiert. 

Die Sache fiel mir gerade heute ein, als Merkel und Co. mit ernster Miene den Ausstieg aus der Atomenergie verkündeten. Die Lücke, die die Atommeiler hinterlassen, soll mit einer verstärkten Verspargelung von Deutschland und, weil dies nicht reicht, durch Sparen geschlossen werden. Ob die Herrschaften wissen, wie viel elektrischer Strom in Deutschland auf den Teppich geschüttet wird? Da würden sie dem Arbeitsminister seine demnächst erscheinende ASR 4.3 schnell aus der Hand schlagen. Wenn man deutsche Büros danach prüfen würde, müsste man noch viel mehr Strom verluxen, weil die meisten Arbeitsplätze nach deren Vorstellungen zappenduster sind.

Mehr noch: Die elektrische Beleuchtung muss viel früher eingeschaltet werden als nötig, weil man die Lichtregelsysteme, die bei Abnahme des Tageslichts die künstliche Beleuchtung hochfahren, an den neuen Werten festmacht. Sie sollen die Beleuchtung hochfahren, sobald 500 lx am Arbeitsplatz unterschritten werden. Auch das Energiesparpotential von Gebäuden wird daran gemessen. Und? Kein Mensch mit gesundem Verstand wird je auf die Idee kommen, bei 500 lx Tageslicht am Arbeitsplatz Licht einzuschalten. Dazu muss man Experte sein. Wer glaubt zu wissen, wie hell es bei 500 lx Tageslicht am Arbeitsplatz ist, sollte einfach ein Lichtmessgerät auf die Mitte seines Arbeitstisches stellen und ablesen. 

Egal! Wissen müssten alle, die sich mit Licht befassen, dass ihr Tun Unsinn bedeutet. Bei der hier abgebildeten Beleuchtungsanlage beträgt die Beleuchtungsstärke auf dem Teppich neben dem Tisch und an dessen beiden Enden 700 lx. Dort, wo einer sehen soll, sind 300 lx vorhanden. macht gemittelt etwa 500 lx! Ganz legal, steht in vielen Büchern, Normen etc. Und die BG nimmt die Rechnung ab, weil sie sie vorgibt. Eine ziemlich einmalige Konstellation, bei der eine Berufsgenossenschaft Absatzförderung für die lichttechnische Industrie betreibt. 

Wenn man noch böser ist, müsste man ihnen sogar Unwissenheit vorwerfen. Denn, Licht dort, wo man es nicht braucht, mindert die Wirkung des Lichts auf dem Sehobjekt. Nannte sich einst Umfeldblendung. Aus dem Vokabular gestrichen, weil nicht passend …

  • Die Messung deer Beleuchtung 20 cm über den Treppenstufen hat nichts mit Licht zu tun, sondern mit dessen Messung. Früher lud man den Messkopf auf einen Wagen, um ihn über den Flur zu ziehen. Wagen plus Messkopf ergaben 20 cm. 

Licht und Quecksilber

07.04.2011

WOHIN MIT DEM QUECKSILBER - WIEDER MAL

In diesem Blog wird das arme Quecksilber bis in den letzten Winkel der Welt verfolgt, wo es sich auch verstecken mag. Heute habe ich erfahren - wo! Das Quecksilber der Energiesparlampen geht nicht zur Hölle, wo es hin gehört, sondern nach Hessen, ganz nahe bei der Hölle, in eine alte Kaligrube. Nach Spiegel Online aus Kostengründen. Der Beitrag endet damit, dass die große Energiesparlüge entlarvt sei, wie einst bei der Atomkraft. Am besten das Video selbst ansehen (Einbetten leider nicht möglich):

http://www.spiegel.de/video/video-1112211.html

Wie war es denn mit der Atomgeschichte? Davon habe ich viele Szenen live erlebt. Die erste, ganz im Nebel meiner Erinnerungen. Ich sehe bei der Wochenschau im Kino, das Atomzeitalter sei angebrochen. Auch Deutschland habe einen Atomminister bestellt, der heute (1958) den Grundstein eines Atommeilers für die friedliche Nutzung der Atomenergie gelegt habe. Etwa 30 Jahre später sollte ich dort als Gutachter einziehen, der die Sicherheit nicht nur dieses Meilers prüfen sollte. Davon hatte ich aber nicht die geringste Ahnung, von meinen Zukunftsplänen schon: Physiker werden. Denn die Welt brauchte kostenlose Energie, die Reaktoren sollten nicht nur in Schiffe (etwa Otto Hahn) oder Flugzeuge gebaut werden, sondern auch in Autos. Mann! Jahrzehntelang Auto fahren ohne zu tanken!

10 Jahre später, April 1968: Wir stehen vor einem Brunnen mit dem klarsten Wasser, das ich je im Leben gesehen habe. Es ist aber kein Brunnen, sondern ein Wasserbecken in der Physikalisch Technischen Bundesanstalt Braunschweig, wohl mein erster Blick in den PTB-Reaktor. Faszinierend! Der Chef der PTB sagte aber, es werde nur langsam vorangehen mit der Kernenergie, weil die Bestimmungen für die Sicherheit alles bremsen täten. Warum nur? Ist doch nicht gefährlicher als die Chemie, die man nicht so belästigt.

An den Mann sollte ich mich wieder erinnern, als es in Tschernobyl losging. Im Fernsehen redeten sich an jenen Tagen einige Mitglieder der Reaktorsicherheitskommission um Kopf und Kragen. Irgendwie hieß es, dass die Kernkraft sicher sei, aber … die dummen Russen … Dachte ich auch, nur mit der Sicherheit war da so eine Sache. Ein Cousin von mir war mit von der Partie, als der erste Kernreaktor der Türkei geplant werden sollte. Nach seinen Unterlagen hatte ein deutsches Unternehmen ein billiges Angebot gemacht, ohne den Sicherheits-Schnickschnack à la Germany. So sinngemäß hieß es im Angebot. Und mir hatte ein britischer Kollege, der beim TÜV gearbeitet hatte, gesteckt, so doll wäre nach seiner Meinung nicht mit der Sicherheit in Deutschland. Er hatte auch in Windscale gearbeitet (heute Sellafield, damit keiner an den Skandal denkt). Dass es dort nie zu ernsten Unfällen gekommen sei, ist eine Legende, die dadurch entstehen sollte, dass die Regierung die Berichte eigenhändig retuschiert hatte.

So kam ich auf die Idee, dass man auch deutsche KKW überprüfen sollte. Und die fand tatsächlich statt, und ich war einer der Gutachter. Über den Inhalt kann ich naturgemäß nichts sagen, aber über Erlebnisse im Rahmen dieser Prüfungen. Die decken sich fast vollkommen mit der obigen Story über Quecksilber aus der Energiesparlampe: Öffentlich wird geschworen, dass das Menschenmögliche für die Sicherheit getan werde, in der Ausführung schlägt der Koofmich zu, der meint, dass Sicherheit einfach zu teuer sei. Der sitzt jedem Reaktorfahrer im Nacken, wenn er den entscheidenden Knopf drücken möchte, um einen Reaktorschnellschluss einzuleiten. Ein Knopfdruck - eine Woche Stillstand mit etwa 1 Mio. Verlust am Tag. Willst Du das? Noch besser: Wenn das Ergebnis der Überlegung lautet „Anlage vernichten, um die Umwelt zu schützen“, muss ein armer Teufel eine Anlage für mehrere Milliarden Euro zum (hauptamtlichen) Teufel jagen. Ernsthaft. Auch ohne den Kaufmann im Nacken hat man da so seine Probleme.

Natürlich gibt es keine Anweisung, kostenbezogen zu denken, wenn die Sicherheit im Spiel ist. Und kein Lampenhersteller wird je angeordnet haben, das Quecksilber heimlich im Hades, Pardon, in Hessen, verschwinden zu lassen. Es geschieht halt. Und hätte ich ein Auto gekauft, das nie mehr betankt werden muss, weil nuklear-angetrieben, würde ich garantiert nicht jeden Tag die Reifen wechseln, damit mein kleiner Reaktor sicher auf der Chaussee fährt.