
… hilft LED. Diese Produkt spricht die Damen an, und zwar solche, deren Göttergatten es mit dem Zielen nicht so genau hinkriegen. Das Wunder der Technik ist die Toilettensitzbeleuchtung Panasonic DL-GWN. Der Hersteller sagt dazu: "Das Licht schafft zudem ein Ziel auf das die männlichen Mitglieder des Haushalts zielen können." Das eigentliche Angebot möchte die Damen davor bewahren, sich in "den John", auf Englisch in die Schüssel, zu setzen, wenn zuvor ein eben männliches Mitglied den Deckel hochgeklappt und so hinterlassen hatte. Zudem wärmt das Licht den Sitz. Sagt Panasonic, natürlich alles auf Englisch (hier). Da sehen frühere Kreationen alt aus, richtig alt (rechts).
Wenn man das DL-GWN in Arbeitsstätten installiert, ich meine, in die entsprechenden Zellen, braucht man keine 200 lx mehr auf der task area, weil nunmehr diese, die task area, selbst leuchtet. Zudem erinnert sie an laue Sommertage am Meer. Ein wunderschönes Beispiel für die Energieeffizienz. Orte, die man nicht einmal eine halbe Stunde am Tag sucht, leuchten 24/7, will sagen dauernd, immer und ewig. Wie die Berliner Flughafenruine, auf der man seit Jahren das Licht nicht ausschalten kann. Oder 9 Millionen Straßenlaternen in Deutschland, die die ganze Nacht auf Fußgänger warten, die in einem der 40 Millionen PKW unterwegs sind. LED macht´s möglich. Ist ja energieeffizient.


Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beschäftigt sich neuerdings mit der Zukunft des Büros bzw. mit dem Büro der Zukunft. So schrieb der Berliner Tagesspiegel. Ihr Labor heißt "Living Lab smart office space". Dort soll es etwa so zugehen wie auf dem Bild - also vollkommen praxiswidrig. Anstelle von künstlichen Intelligenzen sitzen darin allerdings ziemlich echt aussehende Figuren. Vermutlich Menschen. In der Realität sieht es etwas besser aus als auf dem Bild rechts.
Als ich das echte Bild das erste Mal sah, rätselte ich, wo wohl die Beleuchtung versteckt wäre. Zuerst dachte ich, die wäre vergessen worden. Schließlich will ja 37% deutscher Führungskräfte einen Arbeitsplatz ohne künstliche Beleuchtung (unglaublich, aber hier zu lesen). Das Vergessen musste ich gleich vergessen, denn in der ersten Reihe sitzt nur einer, und der tut nix. Oder denkt, was dasselbe bedeuten kann. Für die dahinter würde bei der besten Befensterung nicht sehr viel Licht auf den Tisch kommen, zumal die Decke bestimmt nicht den erforderlichen Reflexionsgrad aufweist. Sie ist eher so ´ne Art Licht-Schluck-Decke.
Dann las ich, in der Hoffnung, dass der Text dazu was hergibt, weiter. Unsere KI-Kämpfer denken natürlich zuerst an die Stelle, auf der jeder sitzt, wenn er sitzt. Und der (Entschuldigung) Hintern erfährt eine besondere Behandlung: Er wird gekühlt. Heizung und Lüftung im Stuhl für schlappe 987 Euro! Der ist durch Einsatz von echter künstlicher Intelligenz optimiert worden, weil früher die Ventilatoren zu laut waren. Gott verhüt's - mit welchem Körperteil sitzt man denn im Büro der Zukunft? Man sagt, man lege sich aufs Ohr, wenn man einen erfrischenden Büroschlaf einlegt. Aber aufs Ohr setzen? Die Soundfunktion des Stuhls, womit nicht das Quietschen gemeint ist, wären wir losgeworden, steht in dem Artikel drin. Die Rolle soll nämlich einem anderen technischen Produkt zukommen.
Der wahre Geniestreich sollte sich mir aber erst später erschließen, weil die die Randnotiz zu dem oben angegebenen Bürodesign überlesen hatte: Es gibt tatsächlich eine Beleuchtung - und zwar mit integrierter Soundfunktion, Antilärmlampe genannt. Wow! Auf die Idee muss man erst kommen! Mir fiel da ein, wie die altmodisch-doofen Lichttechniker seit Jahrzehnten versuchen, den Lärm aus den Leuchten zu bekommen. Und zwar so, dass niemand an Lärm denkt, wenn von einer Leuchte die Rede ist. Nun untersucht DFKI, wie man den mühsam aus den Leuchten herausgetriebenen Lärm da wieder hineinbekommt: "In einer weiteren Studie wird untersucht, wie eine Arbeitsplatzleuchte mit integrierter Soundfunktion im Großraumbüro ankommt. Das mannshohe Gerät kann über dem Schreibtisch ein monotones Lüftungsgeräusch produzieren, das wie ein "Rausch-Schleier" störende Stimmen von Kollegen im Büro überdecken soll."
Gaaanz langsam zum Mitschreiben: Man stellt ein mannshohes Gestell auf den Arbeitsplatz, das als lokaler Lärmsender funktioniert. Da das Ding ja als Leuchte gilt, muss vorher der Lichtingenieur dessen Lärmentwicklung bremsen. Danach emittiert die Kiste Licht und Lärm. Fehlt nur noch Luft, die kommt aber aus dem Stuhl, dessen Lärm ja beseitigt worden ist. Ganz im Sinne des Menschen: "Die Dämpfung soll lokal erfolgen und nicht zentral über ein Lautsprechersystem - das störe die Menschen, sagt Hoffmann - die leitende Professorin - mit Verweis auf Versuche. "Die Leute wollen ihre Umgebungsbedingungen kontrollieren können." Recht so!
Wie, bitte schön, sorgt man dafür, dass mein Lärm nicht den Nachbarn erreicht? Der will nämlich seine Umgebungsbedingungen auch kontrollieren. Wenn ich mir die abgebildete Leuchte angucke, kann der Nachbar sich nicht einmal gegen mein Licht wehren.
Und jetzt stelle man sich vor, man wäre nicht im Wolkenkuckucksheim wie hier abgebildet mit 30 - 40 Quadratmeter Bürofläche wie hier, sondern mit 7, wie es den Facility-Managern lieb ist! Den Quatsch, jedem seine Umgebung zu kontrollieren zu ermöglichen, hatte die längst verblichene Dresdner Bank in ihrem Bürotower 1978 realisiert. Am Ende kontrollierte keiner mehr irgend etwas. Chaos war Alltag. Leider nicht das creative, das das Büro der Zukunft auszeichnen soll. So war denn das Ende der Dresdner Bank besiegelt, bevor die Zukunft des Büros begonnen hatte.
Mir ist rätselhaft, wieso ich seit Jahren Satire und Kritik über Licht und Beleuchtung schreibe. Es gibt offenbar viel ergiebigere Bereiche, wo Satire ausgiebig gelebt wird. Soll ich diesen Blog etwa schließen? Vielleicht warte ich, bis die Lichttechniker sich auch mit künstlicher Intelligenz statt mit künstlicher Bestrahlung befassen. Oder sollte ich lieber eine Theorie aufstellen, dass Menschen, die weitgehend unter künstlicher Beleuchtung aufgewachsen sind, manche ihrer geistigen Fähigkeiten einbüßen? Genügend Beweise hätte ich ja. Einmal die Forscher, und dazu noch der Journalist, der offensichtlich an die künstliche Zukunft glaubt.
Lieber so: In der KI-Forschung gilt der Tag, an dem die künstliche Intelligenz der Maschine die natürliche des Menschen einholt, als "Singularity", der Tag, an dem der Mensch seine Einzigartigkeit verliert. Die ganz Doofen arbeiten an der Verbesserung der künstlichen Intelligenz. Wer sagt aber, dass das Ziel nur so erreicht werden kann? Wie wäre es mit der Reduzierung der natürlichen Intelligenz? Ist um Längen einfacher. Vielleicht haben wir Singularity erreicht und wissen es noch nicht.
(weitere Quellen z.B. SZ vom 3. Februar 2017 Lampe schluckt Lärm. Mannheimer Morgen Mit Klimastuhl und Lampe gegen Unbehaglichkeit DFKI das living lab smart office space Office Space Living Lab)
Anm.: Unser Akustik Professor hatte uns mit Prügel gedroht, sollte einer von uns versuchen, Lärm mit Lärm zu bekämpfen. Er meinte, dass man Dreck nicht mit Dreck bekämpfen kann. Schade, dass er nicht mehr lebt. Als unterdurchschnittlich begabter Akustiker hatte er so minderwertige Arbeiten abgeliefert wie die Akustik der Berliner Philharmonie. (Dass die nach einem halben Jahrhundert noch berühmt ist, wird dem Glück zu verdanken sein.). Und der doofe Lichtingenieur, das waren einige Kollegen, die ganze Arbeit ganz ohne künstliche Intelligenz geliefert haben. Deswegen macht keine deutsche Leute piep, wenn sie nicht soll. Nicht zu vergessen, die unbekannten Ingenieure, die das deutsche Normenwerk für Bauakustik geschaffen haben. Und daaaan kommt einer mit einer Lärmlaterne ...
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15.12.2016
Der legendäre Ort Schilda, den die bösen Nachbarn eines alpinen Staats im Norden und im Osten gerne dorthin verlegen, damit sie mehr Witze reißen können über Jogger, die vom Gletscher überholt werden, wird bei uns am häufigsten mit dem Bau des Ratshauses erwähnt, bei dem man die Fenster vergessen hatte. Zwar gab es später noch bessere Möglichkeiten, sich über die realen Geschichten lustig zu machen. So etwa über die Hochrheinbrücke, die auf der Schweizer Seite etwas zu hoch geplant wurde (54 cm), so dass in der Flussmitte eine Treppe hätte vorgesehen werden müssen. Das, aber ist eine andere Geschichte. So bleiben wir beim Vergessen der Fenster und den Folgen davon, Licht in Säcken hinein zu tragen.
Natürlich kommt so etwas in der realen Welt der High-Tech Nation nicht vor. Oder? Ach, was, wir schaffen lässig eine Mega-Version davon. Was, berichtet Licht (Heft 11-12, 2016). Über Details kann ich leider nicht berichten, da die wichtigsten Daten nicht lesbar weil gelb auf weiß gedruckt sind, aber den Tenor. Roman Jacobiak hat Gebäude untersucht, deren Hülle thermisch saniert worden war. Ergebnis: Das Tageslichtniveau ist im Schnitt 28% gesunken. In 15 von untersuchten 18 Fällen war eine ausreichende Tageslichtversorgung nach der Fassadensanierung nicht mehr gegeben. Die Abnahme betrug in einem Fall sogar 48%.
Langsam zum Mitschreiben: Eine energetische Sanierung von Gebäuden geschieht, um deren "Energieeffizienz" zu erhöhen. Und Effizienz heißt, dass man das gleiche Ziel mit weniger Aufwand erreicht. Wie viel Heizenergie muss ich einsparen, um 1 W Mehraufwand für die Beleuchtung auszugleichen? Das hängt ganz und gar davon ab, wie man heizt:
Bezieht man seine Heizung aus Nahwärmequellen, muss man für den Betrieb von Beleuchtung (Strom) 24 Mal so viel Primärenergie aufwenden. Bei Holz immer noch 12 Mal. Dabei ist der Strom bei EnEV 2014 noch gnädig weggekommen, weil man in Deutschland mittlerweile die Landschaft so weit verspargelt hat, dass ein erheblich Teil des Stroms aus Windmühlen kommt. Früher betrug der Faktor 3,0, was dem Umwandlungsprozess in einem Kraftwerk entspricht: Mindestens ein Drittel der Primärenergie geht bei der Umwandlung in elektrische zum Schornstein, ein Drittel fressen die Leitungen, die die Landschaft heizen, sowie diverse Prozesse. Und nur das letzte Drittel kommt an der Steckdose an. Die großen Kraftwerksblöcke müssen die Verlustwärme an die Luft oder an Oberflächengewässer abgeben. Deren Wirkungsgrad liegt deswegen bei 30% bis 45%.
Ergo: Man spart Heizenergie ein, und man muss deswegen elektrische Energie zum Beleuchten einsetzen. Anders als bei Schilda kann man über diesen Witz nicht lachen. Vor allem dann nicht, wenn man hinter der verdusterten Fassade arbeiten muss. Ach, ja, gestern wurde die neue Arbeitsstättenverordnung (endlich) veröffentlicht. Die sagt:
(1) Der Arbeitgeber darf als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben.
Und in ihrer ASR A3.4 wird die Anforderung so konkretisiert:
(3) Die Anforderung nach ausreichendem Tageslicht wird erfüllt, wenn in Arbeitsräumen
- am Arbeitplatz ein Tageslichtquotient größer als 2 %, bei Dachoberlichtern größer als 4 % erreicht wird oder …
Nach Jacobiak wird es nicht erreicht … oder?
… und wer schützt mich? Dieses Gerät ist angeblich Militärtechnik. Neue Autos werden für zivile Zwecke gebaut - aber leider unzivilisiert benutzt. Könnte sich Herr Minister Dobrindt der Sache annehmen, wenn er mit seiner Mautstory zu Ende kommt?

Es könnte in naher Zukunft schlimmer kommen. Eine Weiterentwicklung der oben gezeichneten Technologie ergibt Laser, mit denen man Bäume stutzen kann. Die Dinger sind gefährlicher als übliche Waffen des kleinen Mannes. Sie machen keine Geräusche und man kann die Waffe nach einer Tat nicht wiederfinden.
Das ...licht ist zu rein für das menschliche
Auge, und unsere Enkel werden blind werden.
Ludwig Börne
Ich wette, nicht wenige werden bei ... auf LED tippen, denn Gefahren sehen viele und gerne, wenn sie LED hören. Börne hat aber lange vor der Erfindung des elektrischen Lichts gelebt und (vor)urteilte über das Gaslicht. Als Kind durfte ich Gaslicht noch bei Nachbarn erleben, die in alten Häusern lebten. Bei uns gab es eher Petroleumlampen, die aber eher selten in Gebrauch waren. Eher was für den Stromausfall.
Was ich erleben durfte, war die Gefahr des Verlusts des Augenlichts durch das Fernsehen. Die zählte zu den Highlights der bürgerlichen Horror-Lyrik über die Gefahren der Technik. Die Stories waren etwa so alt wie die Technik, und sie wurden nach der Erfindung von Computerbildschirmen neu aufgewärmt. Der Onkel, der die Gefahr am heftigsten zu Herzen genommen hatte, kaufte sich noch einen der letzten Schwarz-Weiß-Fernseher aus Angst. Seinen Lebensabend verbrachte er aber vor einem Farbfernseher, notgedrungenermaßen. In hohem Alter war sein Augenlicht tatsächlich stark eingeschränkt. Aber an seine alten Worte bezüglich der Gefahren für das Auge durch den Fernseher hat er nie wieder erinnert.
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Ähnlich wie mein Onkel hatte mein Vater Angst um seine Augen, und zwar exakt seit jenem Tag, an dem er nach Hause gekommen war, um über seine Augenbeschwerden zu klagen. Er hatte gesagt: "Heute haben wir neue Neonbeleuchtung im Büro bekommen. Mir tun die Augen weh." Da war ich gerade zehn geworden. Mein Vater hatte noch 25 Jahre mit dieser Beleuchtung zu leben. Seine Augen wurden im Laufe der Jahrzehnte schlechter, die Beschwerden nahmen nicht ab, aber die Frequenz, mit der er sie ausdrückte. Als er pensioniert wurde, hatten wir auch zu Hause "Neonlicht". Irgendwie hatte sich mein Einfluss durchgesetzt, den mehrere Gutachten hochgestellter Professoren im Auftrag der Lichttechnischen Gesellschaft verursachten. Die hatten jegliche negative Einflüsse des Leuchtstofflampenlichts ins Reich der Märchen verwiesen. Auch den Vorwurf, dieses verursache potentiell Krebs. Da ich sie alle persönlich kannte, und das als honorige Persönlichkeiten, war mir jeder Zweifel an ihren Ansichten fremd. Der Vorwurf, Licht können etwas mit Krebs zu tun hätte, wiese auch der Normalbürger von sich, hätte er was davon gehört.
Wie ich später feststellte, kannte ich auch die Person, auf die sich die Gutachten allesamt bezogen: Prof. Hollwich, ein Augenmediziner, der so ziemlich alles, was heute als biologische Wirkung des Lichts vermarktet wird, kurz nach dem Krieg erforscht und veröffentlicht hatte. Der Professor war unter uns Studenten durch seinen Vortrag über den Einfluss des Leuchtstofflampenlichtes auf das Hodenwachstum von juvenilen Erpeln bekannt geworden. Da wir zwar an einer Universität studierten, aber die Usancen in der medizinischen Forschung nicht kannten, waren somit alle seine Erkenntnisse uns suspekt. Wie könnte sich das schöne Licht an den Hoden von Erpeln zu schaffen machen? Was wenn die Sache doch stimmte? Hoden von Erpeln und Menschen? Die einschlägige Industrie machte ohnehin alle seine Erkenntnisse nieder, weil er mal "Leuchtstoffröhre" gesagt hatte. Für einen Eingeweihten hätte es sich gehört, "Leuchtstofflampe" zu sagen. Welch ein Verbrechen!
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Dazu muss ich noch ergänzen, dass wir jegliche Probleme mit Licht gerne verneinten. Dort, wo wir arbeiteten, gestalteten wir das Licht mehr oder weniger selbst. In den Hörsälen machten wir eher die Klimatisierung denn das Licht für unsere Wehwehchen verantwortlich. Tatsächlich hatte ich nach den Ferien oder dem Urlaub eine Woche lang rasende Kopfschmerzen. Der Name dafür harrte noch der Erfindung: Sick building syndrome. Er fiel mir ein, als ich in der Zeitung las, der Gruner & Jahr Verlag gäbe die vor 25 Jahren gebauten Häuser seiner Zentrale auf. Vor 24 Jahren hatten die mich gefragt, ob ich bei denen die Ursachen für das sick building syndrome untersuchen wollte. Ich war der Meinung, man solle nach Bezug neuer Büros erst einmal paar Monate verstreichen lassen, damit sich der Mief im Neubau legt. Hat wohl offensichtlich nicht. Jetzt übernimmt die Stadt Hamburg die Gebäude. Ob sich der Verlag traut, noch einmal neu zu bauen? Sollte ich mich als Petze betätigen und die Stadt Hamburg warnen?
Vielleicht doch. Denn die Angestellten von heute sind nicht mehr die von Gestern. Angeblich sind sie viel fortschrittlicher, aber meistens nur zeitlich befristet beschäftigt. Da nimmt man manchen Kopfschmerz in Kauf und fristet sein Dasein in Gebäuden, die krank machen. Man kann ja schnell den Arbeitgeber wechseln. Und dann? Der neue wird wie der alte LED-Licht haben, weil spätestens in 2022 in der EU keine anderen Leuchtmittel mehr zugelassen werden. So es die EU noch gibt …
So macht es Sinn, sich mit den Gefahren des LED-Lichts zu beschäftigen. Das haben lustigerweise zunächst die Marketingleute getan. Bereits im letzten Jahrzehnt gaben sie Studien in Auftrag, die die Vorteile des Technologie bedingten Blaustichs des LED-Lichts herausstreichen sollten. Macht schlau, aktiviert die Alten, beruhigt Schulkinder u.ä. Später hat sich die französische Arbeitsschutzbehörde für die Gefahren von LED alias Laserdiode stark gemacht (in diesem Blog hier). Da musste die LED ihren Namen als Laser ändern (Erläuterungen zu den Gefahrenklassen hier). Eine Lampe ist doch etwas anderes als ein Laser, von der keine photobiologische Gefahr ausgeht! Ob Lampe oder Laserdiode, ohne Risiko eingestuft, ist zwar dasselbe. Aber Menschen handeln irrational, wenn sie das Wort Strahlung hören. Und noch dazu der Name Laser, Laser, mit dessen Licht man 50 mm Stahl schneiden kann wie Butter.
Die ganz Gewieften haben gar die HCL erfunden. Das ist nicht Salzsäure, sondern human centric lighting. Und gesund. So jedenfalls nach Aussagen der Industrie. Allerdings war normgerechte Beleuchtung gemäß dieser Quelle seit 70 und mehr Jahren gesund. Sehr gesund sogar. Jetzt plötzlich nicht mehr? Sagen wir mal, HCL ist gesünder. Man kann z.B. die Lichtfarbe dem Tagesverlauf anpassen. Die Idee ist zwar älter als die LED in der Beleuchtung, verspricht aber ungeahnt hohe Umsätze. Hat jemand früher ein Sixpack an Glühlampen für € 1,50 im Baumarkt gekauft, muss er oder sie jetzt mindestens ein Steuergerät zu der nicht allzu billigen LED-Leuchte einsetzen. Wenn man noch auf die sehr sachkundigen Gebäuenergieffizienzsteigerungsfachleute hört, kauft man noch viel mehr Equipment, das das Ganze okölogisch tageslichtabhängig steuert. Dessen Energiekonsum soll angeblich den Verbrauch für die Lichterzeugung übersteigen. Aber, man darf nicht so kleinlich sein. Es geht um eine Zukunftstechnologie!
Ob LED-Licht der Gesundheit schadet oder nicht, werden wir eher in einigen Jahrzehnten merken. Anders als bei der Leuchtstofflampe, die man zumindest in Deutschland aus Wohnbereichen herausgehalten hatte, wird man bei LED in allen Lebensbereichen in den Genuss des Lichts kommen. So wird man die Gefährdung, sollte sie real sein, gar nicht feststellen können. Vielleicht machen wir es wie bei der Alterung des Gehörs, von der alle betroffen sind, mit Ausnahme der Naturvölker, die nicht einem ständigen Lärmeinfluss ausgesetzt sind. Wie man weiß, altern deren Ohren nicht wie bei den Industrienationen, deren Angehörige in allen Lebenslagen Lärm ausgesetzt sind. Leider wird auch der Weg wohl nicht funktionieren, weil es keine Naturvölker mehr geben wird. Übrigens, die Gebäude von G&J in Hamburg sind nicht die einzigen, die wg. sick building syndrome verlassen wurden. In ganz City Nord von Hamburg waren aus den modernen Großraumbürohäusern der 1970er Jahre zu Beginn des 21. Jhdts entweder Ruinen oder Sanierungsobjekte übrig geblieben. Über so ein syndrome lässt sich trefflich reden, bis der Bagger kommt. Das LED-Syndrome wäre doch ein schönes Schlachtfeld für das kultivierte Halbwissen!