Warum wir wohl noch lange warten müssen, bis wir HCL verstehen
09.03.2026
Ein Bild sagt 1000 Worte.
Mir genügt eins.
d. Blogger
Heute habe ich einen Artikel gelesen, in dem erklärt wird, wie HCL wirkt. Damit auch solche Leute wie ich die Sache verstehen, hat der Autor netterweise sein Modell mit einem Bild klar gemacht. Die Legende des Bildes macht einen wirklich neugierig: "Theorie- und befundbasiertes HCL-Wirkmodell nach Wessolowski. Das Modell ist empirisch testbar, mittels Strukturgleichungsmodellen optimierbar und konzeptionell erweiterbar. Die numerisch dargestellten Literaturhinweise sind in Wessolowski (2024) sowie in Wessolowski & Ostrowski (2025) dokumentiert."

Um dieses Bild zu verstehen, muss man nur noch zwei Artikel vom Autor lesen und 40 Artikel an 17 Stellen des Diagramms inhaltlich zuordnen. Schon ist man in der Lage, das Ganze mit Strukturgleichungsmodellen zu optimieren. Der Autor hat nur vergessen anzugeben, wofür oder für wen.
Mit dem Optimieren würde ich erst einmal mit den Farben anfangen. Leider wurde die Norm DIN 66234-5:1978 abgeschafft, in der angegeben wurde, welche Farben für die Schrift gewählt werden dürfen, wenn der Hintergrund dunkelblau oder dunkelgrau ist. Das sieht zwar ein Blinder mit dem Krückstock, aber nicht unbedingt einer, der die gesundheitlichen Wirkungen von Licht modelliert.
Der Autor schreibt: "Licht ist mehr als ein rein visueller Reiz; es moduliert Aufmerksamkeit und kognitive Prozesse." Meine Aufmerksamkeit ist derart moduliert, dass ich schlecht schlafen kann, bis ich die 40 Artikel richtig zuordnen kann.
Lichtmischen verboten
24.02.2026
Farben mischen? Bloß nicht!
Am Ende entsteht noch Individualität, und
wer will das schon?
d. Blogger
Heute habe ich ein Phantom kommentiert, das zwar mittlerweile verschwunden ist, aber in der Beleuchtung tiefe Spuren hinterlassen hat. Die Rede ist von der Behauptung, Lichter mit unterschiedlicher Farbe würden zu visuellen Störungen und am Ende gar zur Ermüdung führen. Der einstige Guru der Lichtwissenschaft, Erwin Hartmann schrieb dazu in einem Buch: “Im übrigen ist es wohl selbstverständlich, daß in ein und demselben Raum keine Lichtquellen unterschiedlicher Lichtfarbe oder Farbwiedergabe verwendet werden dürfen.“ (Erwin Hartmann, in dem Buch Optimale Beleuchtung am Arbeitsplatz, 1977)
Auch ein schwedischer Psychologe, Olov Östberg, hatte sich dem Thema gewidmet und wollte sogar eine Harmonie zwischen den Schriftfarben auf dem Bildschirm (damals gelb oder grün) und der Beleuchtung des Raumes herstellen, damit sich der Bildschirmarbeiter wohl fühlt.
Dem Wunsch nach Harmonie verdanken wir vermutlich die Lichtfarbe neutralweiß in den Büros, die viele Büromenschen rot sehen lässt. Deutsche Führungskräfte, nach ihrem idealen Büro gefragt, antworteten mehrheitlich mit „Arbeitsplatz ohne künstliche Beleuchtung“.
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LED-Abstände sorgen für mehr Blendungsempfindung
20.02.2026
Die Fülle an Informationen
führt zu einer Armut
an Aufmerksamkeit
Frei nach Herbert A. Simon
LEDs sind sehr energieeffiziente Leuchtmittel, deren Leistung auch mal zu hoch wird. Wenn man eine bestimmte Strecke beleuchten will, wie z.B. ein Warenregal im Supermarkt, und dabei nur eine bestimmte Beleuchtungsstärke einhalten muss, kann man entweder die Elemente dimmen oder auseinanderziehen. Das Letztere wird gerne gemacht, weil man damit viel Geld spart.
Nach der letzten Renovierung des Aldi-Marktes vor ein paar Jahren konnte ich den Laden nicht mehr betreten, weil es mir vor den Augen nur so wimmelte. Dies bezog ich auf die Spiegelbilder auf der Ware, die das Sehen eher behinderten anstelle es zu fördern.
Eine neue Studie, die in Lighting Research und Technology erschienen ist, zeigt, dass diskret erkennbare LED-Elemente die psychologische Blendung erhöhen und auch dazu führen, dass man Nachbilder sieht. Diese sind nicht zu verwechseln mit dem Perlschnur-Effekt, der infolge des Flimmerns bei bewegten Objekten oder beim bewegten Auge auftritt.
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Das Ergebnis der Studie erklärt auch, warum manche Schlusslichter von Autos (z.B. von Smarts) mehr stören als andere, die gleich hell sind. Zwar ist die Studie mit Außenleuchten durchgeführt worden. Es scheint aber wahrscheinlich, dass die Blendung bei Büroleuchten ebenso zunimmt, wenn man die Beleuchtungsstärke nicht durch eine gleichmäßig leuchtende Fläche, sondern durch diskret erkennbare Elemente erzeugt.
Diese Vorstellung ist nicht neu und keine Spezialität von LED. Ich hatte den Effekt bereits 1971 bei meiner Dissertation untersucht, weil ich wissen wollte, ob eine Scheinwerferbatterie mehr stört als ein großer Scheinwerfer mit der gleichen Leistung. Die Idee selbst stammt aus den Studien von S.K. Guth aus den 1950er Jahren, auf dessen Arbeiten die heutige UGR-Methode weitgehend beruht.
Das Ergebnis lässt sich vermutlich verallgemeinern: Je mehr Information in der gesehenen Fläche einer leuchtenden Fläche vorhanden ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Blendung.
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Hier die Kurzfassung des Artikels (übersetzt Deepl)
LED-Leuchten mit Öffnungen, die visuell erkennbare helle Punkte enthalten, werden häufig zur Beleuchtung von Außenbereichen eingesetzt. Der Einfluss des Abstands zwischen den LEDs, der die räumliche Frequenz bei einer bestimmten Betrachtungsentfernung bestimmt, auf die durch diese Leuchten verursachte wahrgenommene Unannehmlichkeit ist jedoch nach wie vor unklar. An dieser Studie nahmen 29 Teilnehmer teil, denen in einer dunklen Laborumgebung 68 Reize mit unterschiedlicher räumlicher Frequenz, Intensität, Diffusionsstufe und Umgebungsbeleuchtung gezeigt wurden. Die Teilnehmer berichteten über ihre Erfahrungen mit Unbehagen durch Blendung, die Fähigkeit, einzelne LEDs zu erkennen, und Nachbilder. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte räumliche Frequenz sowohl das Unbehagen als auch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nachbildern verstärkte. Es wird vermutet, dass die Punktstreufunktion des Auges zu diesen Effekten beitrug, wobei die Lichtquellen als eine einzige größere Quelle mit gleicher oder größerer Intensität wahrgenommen wurden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass bei der Konstruktion von LED-Leuchten Konfigurationen mit niedrigeren räumlichen Frequenzen bevorzugt werden sollten, um das Unbehagen zu minimieren. Zur Vorhersage von Discomfort durch Blendung wird die Verwendung einer einfachen Größe, der direkten Beleuchtungsstärke am Auge, empfohlen, da diese ebenso gut wie andere komplexere Modelle funktioniert.
Abboushi B, Miller N, Royer M, Orman A, Irvin L, Rodriguez-Feo Bermudez E. LED array spatial frequency impacts discomfort and afterimages in a simulated nighttime environment. Lighting Research & Technology. 2026;0(0). doi:10.1177/14771535251400286
Mehr Licht hilft bei Diabetes
18.02.2026
Wende dein Gesicht der Sonne zu,
dann fallen die Schatten hinter dich.
d. Blogger
Der Berliner Tagesspiegel von heute berichtet von einem Lichtblick für Diabetes-2-Patienten. Die Quintessenz: "Forscher haben Diabetes-Patienten unter Tageslicht und unter Kunstlicht untersucht. Das Ergebnis: Der Stoffwechsel arbeitet stabiler. Das sind immerhin 9 Millionen Menschen in DEutschland, die viel Selbstdisziplin aufbringen müssen: feste Essenszeiten, die korrekte Einnahme der Medikamente, ausreichend Bewegung und Schlaf – all das müssen sie im Auge behalten. nun käme etwas Angenehmeres dazu: Sie sollten auch darauf achten, genug Tageslicht zu bekommen."
Das internationale Forscherteam um Joris Hoeks von der Universität Maastricht ließ 13 Diabetes-Patienten viereinhalb Tage in Räumen verbringen, die entweder mit natürlichem Licht durch große Fenster oder mit künstlichem Licht ausgeleuchtet waren. Es zeigte sich: Unter Tageslicht schwankte der Blutzuckerspiegel der Probanden deutlich weniger. Außerdem lag er in über 50 Prozent der Zeit im Normbereich, was ebenfalls ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den 43 Prozent unter Kunstlicht ist. Zudem sprach der Stoffwechsel unter Tageslicht stärker auf die Fettverbrennung an – auch in den Blutwerten war dieser Unterschied erkennbar. „Die Ergebnisse liefern eine starke Begründung dafür, dass sich die Forschung künftig mehr auf den Zusammenhang von Lichtexposition und Stoffwechselgesundheit fokussieren sollte“, resümiert Hoeks. „Und sie wirft weitere Bedenken hinsichtlich der Verbreitung von Büroumgebungen mit wenig Tageslicht auf.“
Die komplette Studie gibt es in Englisch hier. Die Kurzfassung habe ich durch deeple übersetzen lassen: "Da wir 80 % bis 90 % unserer Zeit in Innenräumen verbringen und Tageslicht der wichtigste Synchronisator der zentralen biologischen Uhr ist, wird der chronische Mangel an Tageslicht zunehmend als Risikofaktor für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes angesehen. In einer randomisierten Crossover-Studie (NCT05263232) wurden 13 Personen mit Typ-2-Diabetes während 4,5 aufeinanderfolgenden Tagen während der Bürozeiten entweder natürlichem Tageslicht durch Fenster oder konstantem Kunstlicht ausgesetzt. Die kontinuierliche Glukoseüberwachung ergab, dass die Teilnehmer mehr Zeit im normalen Glukosebereich verbrachten und sich der Substratstoffwechsel des gesamten Körpers bei Tageslicht stärker in Richtung Fettoxidation verlagerte. Primäre Myotuben, die aus Skelettmuskelbiopsien kultiviert wurden, zeigten nach der Tageslichtexposition eine Phasenverschiebung nach vorne. Multi-Omik-Analysen ergaben durch Tageslicht induzierte Unterschiede in Serummetaboliten, Lipiden und Monozyten-Transkripten. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Exposition gegenüber natürlichem Tageslicht einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel von Personen mit Typ-2-Diabetes hat und die Behandlung von Stoffwechselerkrankungen unterstützen könnte."
Die Autoren sind so nett, dass sie eine bebilderte Kurzfassung geliefert haben. Hier ist sie.

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Gute Nachrichten für alle, die Linderung für ihre Erkrankung suchen. Allerdings ist Licht nicht das Allheilmittel: Es kann, zur falschen Zeit verabreicht, das Gegenteil verursachen. Licht in der Nacht kann nicht nur als krebserregend eingestuft werden, sondern auch als Risikofaktor für Diabetes. Es gibt über 3600 internationale Studien über die Beziehung von Licht und Diabetes.
Die Wirkung von Tageslicht kann sogar darin gesehen werden, dass Todesfälle bei bestimmten Erkrankungen geringer ausfallen. So haben Forschende aus den USA den Zusammenhang zwischen der Zeit, die bei Tageslicht im Freien verbracht wird, und der Sterblichkeit unter den Teilnehmern der Adventist Health Study 2-Kohorte (das ist eine Gruppe von 83.205 Teilnehmern) untersucht. Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Tageslichtexposition und Mortalität (Gesamtmortalität und ursachenspezifische Mortalität: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Mortalität aufgrund anderer Ursachen als Krebs und HKE).
Nachzulesen in voller Länge in Environmental Epidemiology.
Neue Studie zur nächtlichen Lichtexposition und Diabetes in The Institute for Functional Medicine
Wirkung von Tageslicht im Büro zur Verbesserung der Glukosekontrolle (voller Artikel) (Basis des Tagesspiegel-Artikels)
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Lichtwirkungen – Vom Augenblick bis ewig
16.02.2026
Wir lernen erst nach und nach,
dass das 'Ewige' nicht das Unendliche ist,
sondern das, was in jedem Moment mitschwingt.
d. Blogger
Die Lichtbiologie und Chronobiologie untersuchen die vielfältigen Einflüsse des Lichts auf lebende Organismen. Licht steuert nicht nur grundlegende Lebensprozesse wie Wachstum und Ernte in der Landwirtschaft, sondern beeinflusst auch auf verschiedenen Zeitskalen Wahrnehmungen und physiologische Anpassungen beim Menschen.
Während das Auge in Millisekunden auf Lichtreize reagiert und sich innerhalb von Minuten an unterschiedliche Helligkeiten und Farben adaptiert, benötigen tiefgreifendere biochemische Anpassungen, wie die vollständige Dunkeladaption, deutlich länger. Auch die Haut zeigt auf Licht unterschiedliche Reaktionen von akuten Sonnenbränden bis hin zur Vitamin-D-Synthese, die Wochen bis Monate nachwirkt.
Circadiane Rhythmen, gesteuert durch das Molekül Melatonin, sind evolutionär tief verankert und synchronisieren biologische Prozesse mit dem Tag-Nacht-Wechsel – selbst in lichtlosen Tiefseezonen. Die Speicherung von Lichtwirkungen im Körper, etwa durch Vitamin D oder das „Hautgedächtnis“ gegenüber Sonnenstrahlung, illustriert die nachhaltige und vielschichtige Wirkung des Lichts auf das Leben. Dieses Zusammenspiel von Licht und Lebewesen steht im Mittelpunkt der Lichtbiologie und Chronobiologie und zeigt, wie elementar Licht für die biologische Zeit und Gesundheit ist.