Licht macht krank - Licht macht gesund
07.05.2026
Man muss begreifen, dass der Körper kein Objekt ist,
das beleuchtet wird, sondern ein
Echo der Sonne selbst.
der Blogger
In den letzten Monaten habe ich mich viel mit den gesundheitlichen Wirkungen des Lichts beschäftigt und mehrere ergänzende Beiträge zu Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne geschrieben. Würde man sie alle in einem Beitrag zusammenfassen, müsste man die einen Wirkungen (krankmachend) gegen die anderen (gesundmachend, heilend) abwägen oder sie gar relativieren. Dies wäre aber nicht der Bedeutung des Lichts angemessen. Licht ist eben facettenreich.
Falsch ist nur, eine der Facetten zu sehen und die anderen zu ignorieren. Jemand, der Licht gestalten will oder mit Licht gestalten, muss sich auf seinen Gegenstand konzentrieren und dabei weitere Facetten im Hinterkopf behalten. Daher stelle ich hier die einzelnen Beiträge kurz zusammen, um eine Übersicht zu geben.
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Wenn Licht krank macht: Zur langen Suche nach Ursache und Wirkung
Der Beitrag analysiert die komplexen und bislang nur unvollständig geklärten Zusammenhänge zwischen Lichtexposition und menschlicher Gesundheit mit besonderem Fokus auf potenzielle Beziehungen zur Krebsentstehung. Ausgehend von der Feststellung, dass bereits grundlegende Lichtwirkungen – wie die Sehleistung – wissenschaftlich schwer eindeutig zu fassen sind, wird gezeigt, dass sich diese Schwierigkeit bei der Untersuchung langfristiger gesundheitlicher Effekte erheblich verstärkt. Auf Basis arbeitswissenschaftlicher, photobiologischer und medizinischer Ansätze wird ein Wirkmodell vorgestellt, das primäre (direkte), sekundäre (mittelbar vermittelte) und tertiäre (langfristige) Lichtwirkungen unterscheidet. Historische und experimentelle Befunde zur kanzerogenen Wirkung ultravioletter Strahlung werden ebenso diskutiert wie neuere Erkenntnisse zu hormonellen Veränderungen, circadianen Störungen und Licht in der Nacht. Diese indirekten Wirkpfade, etwa über Melatonin und Cortisolregulation, werden als zentral für das Verständnis möglicher Zusammenhänge zwischen Licht und bestimmten Krebserkrankungen herausgearbeitet. Der Beitrag verdeutlicht, dass Licht nur selten als unmittelbarer Krankheitsauslöser wirkt, sondern überwiegend Bestandteil komplexer biologischer Wirkungsketten ist. Abschließend wird betont, dass die Erforschung von Lichtwirkungen auf die Gesundheit zwingend interdisziplinäre Ansätze erfordert und einfache Ursache-Wirkungs-Modelle der Problematik nicht gerecht werden.
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Wirkungen, die in Sprichwörter eingeflossen sind
Wenn die Rede vom gesunden Licht ist, denken viele an Beleuchtung. Das ist aber nur eine Folge der veröffentlichten Meinung, die die Hersteller dominieren. Lux vita est – Der Slogan der seit 1998 stattfindenden Tagung Licht und Gesundheit (L&G) stammt noch von den Alten Römern. Sie wussten, mit Licht zu heilen.
Jenseits der Sprichwörter und literarischer Verarbeitung, z.B. Licht heilt Krebs – Medizinische Anwendung in PDT, Licht heilt Wunden – Photobiomodulation,
Heilung Jenseits der Physik – Heilende Aussichten
Licht muss nicht in der Form einer Strahlung auf die Haut oder eine Wunde fallen, um eine heilende Wirkung hervorzurufen. Es tut dies auch durch die Information, die es trägt. Nicht umsonst gilt die deutsche Vorschrift (ArbStättV § 7.1) zur Sichtverbindung nach außen so erfolgreich, dass alle neuen Gebäudebewertungen für nachhaltiges Bauen sie übernommen haben (link zu dem Beitrag Wer sorgt für gesundes Licht im Büro?).
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Wunden, die Licht heilt – zusammengefasst
Eine Zusammenfassung heilender Wirkungen von Licht und Sichtverbindung. Beispielsweise: Tageslicht und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, Tageslicht, Schmerzempfinden und Medikation, Tageslicht, Naturbezug und Ausblick korrelierend mit schnellerer Genesung, geringerer Komplikationsrate oder besserem psychischem Wohlbefinden.
Eine enorme Vielfalt an Wirkungen, die viele überraschen. Sie sind nicht nur Expertensache, man kann sie für die eignene Gesundheit verwerten.
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Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong
Der Beitrag fasst zentrale Thesen von Lisa Heschong (14. April 2026) zu einer „zweiten Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit zusammen. Während die erste Forschungswelle vor allem die circadiane Wirkung (Zeitpunkt, Intensität, blaues Licht) betonte, rücken nun weitere nicht visuelle Mechanismen in den Fokus. Große epidemiologische Datensätze deuten darauf hin, dass höhere Lichtexpositionen am Tag langfristig mit besseren Gesundheitsoutcomes assoziiert ist (u. a. weniger psychiatrische Diagnosen sowie geringere Herz Kreislauf , Krebs und Mortalitätsraten). Zugleich wird die Erklärung über Vitamin D als alleinige Ursache relativiert, weil Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nur begrenzt replizieren. Der Beitrag diskutiert zudem spektrale Anteile jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Strahlung (UV), die durch moderne LED-Beleuchtung und Low-E-Verglasung in Innenräumen stark reduziert wird. Diese technischen Veränderungen können unbeabsichtigte Folgen haben, etwa im Kontext der Myopie-Epidemie. Insgesamt bleibt die Evidenz zur wirksamen und sicheren Dosierung lückenhaft; als pragmatische Konsequenz wird empfohlen, tagsüber mehr Zeit bei ungefiltertem Tageslicht im Freien zu verbringen und Tageslicht in Innenräumen stärker als Gesundheitsressource zu berücksichtigen.
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Fundamente der Circadianen Medizin
Der Beitrag stellt die Grundlagen der circadianen Medizin (Chronomedizin) vor: Statt nur, was behandelt wird, rückt wann Diagnostik, Therapie und Lebensstilmaßnahmen stattfinden, in den Mittelpunkt. Im Fokus dieses Beitrags steht das DFG-Programm TRR 418 „Fundamente der Circadianen Medizin“ (u.a. Charité, FU/HU Berlin), das personalisierte, an der inneren Uhr ausgerichtete Medizin erforschen und klinisch nutzbar machen will.
- Früher von mir beschriebene Lichttherapien (PDT/Photobiomodulation) wirken direkt; die circadiane Wirkung von Licht zielt dagegen auf indirekte Steuerung über den Tagesrhythmus.
• Circadiane Medizin nutzt Chronobiologie für präzisere Diagnostik und wirksamere, nebenwirkungsärmere Therapien durch zeitlich passgenaue Maßnahmen (z.B. Chronopharmakologie).
• Sie berücksichtigt Unterschiede zwischen sozialer Uhrzeit und biologischer Uhr sowie individuelle Chronotypen (relevant auch innerhalb Europas).
• Auch Ernährung ist zeitabhängig: Spätes Essen kann den Stoffwechsel stören; „Intervallfasten“ wird als Anwendung circadianer Prinzipien eingeordnet.
• Das Projekt zielt auf drei Richtungen: die innere Uhr messen („detecting the clock“), Rhythmen gezielt beeinflussen („targeting the clock“) und Behandlungen tageszeitlich optimieren („exploiting the clock“).
• Im Dokument werden die Teilprojekte aufgelistet; die offizielle Projektbeschreibung ist am Ende unverändert wiedergegeben.
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Wenn Licht krank macht: Zur langen Suche nach Ursache und Wirkung
05.05.2026
Man muss begreifen, dass der Körper kein Objekt ist,
das beleuchtet wird, sondern ein
Echo der Sonne selbst.
der Blogger
Ohne Licht gibt es kein Leben. Licht macht den Raum erlebbar. Aber Licht kann auch krank machen. Das Buch Genesis 2.0 - Schöpfung der elektrischen Sonne erzählt den langen Weg vom Stehlen des Feuers vom Himmel bis zur LED-Beleuchtung, entlang dessen man immer wieder die Frage nach der Gesundheit erhoben hat. Licht wurde in der Antike zum Heilen eingesetzt. Die Lichtlosigkeit der Städte während der Industriellen Revolution ging mit vielen Krankheiten der Finsternis einher. Später wurde es in Großraumbüros und anderswo in der Arbeitswelt zum Stressor. Die Hintergründe der Wirkungen des Lichts auf den Menschen hatte ich vor fast 30 Jahren anlässlich der Tagung Licht und Gesundheit dargelegt („Licht als Stressor oder Stimulans - Psychophysiologische Wirkungen der Beleuchtung auf den arbeitenden Menschen“, hier)
Der neue Beitrag zu Genesis 2.0 analysiert die komplexen und bislang nur unvollständig geklärten Zusammenhänge zwischen Lichtexposition und menschlicher Gesundheit mit besonderem Fokus auf potenzielle Beziehungen zur Krebsentstehung. Ausgehend von der Feststellung, dass bereits grundlegende Lichtwirkungen – wie die Sehleistung – wissenschaftlich schwer eindeutig zu fassen sind, wird gezeigt, dass sich diese Schwierigkeit bei der Untersuchung langfristiger gesundheitlicher Effekte erheblich verstärkt.
Auf Basis arbeitswissenschaftlicher, photobiologischer und medizinischer Ansätze wird ein Wirkmodell vorgestellt, das primäre (direkte), sekundäre (mittelbar vermittelte) und tertiäre (langfristige) Lichtwirkungen unterscheidet. Historische und experimentelle Befunde zur kanzerogenen Wirkung ultravioletter Strahlung werden ebenso diskutiert wie neuere Erkenntnisse zu hormonellen Veränderungen, circadianen Störungen und Licht in der Nacht. Diese indirekten Wirkpfade, etwa über Melatonin‑ und Cortisolregulation, werden als zentral für das Verständnis möglicher Zusammenhänge zwischen Licht und bestimmten Krebserkrankungen herausgearbeitet.
Der Beitrag verdeutlicht, dass Licht nur selten als unmittelbarer Krankheitsauslöser wirkt, sondern überwiegend Bestandteil komplexer biologischer Wirkungsketten ist. Abschließend wird betont, dass die Erforschung von Lichtwirkungen auf die Gesundheit zwingend interdisziplinäre Ansätze erfordert und einfache Ursache‑Wirkungs‑Modelle der Problematik nicht gerecht werden.
Von der Sprachlosigkeit zwischen Architekt und Lichtingenieur
20.04.2026
Man muss nicht am selben Strang ziehen,
um im selben Boot zu sitzen –
aber man muss
in die gleiche Richtung rudern.
Anonymus
Nachdem der Dialog mit Sokrates über das wahre Wesen des Lichts erfolgreich verlaufen war, wollte ich von dem Orakel, pardon von der KI, noch wissen, warum sich Architekten und Lichtingenieure nicht so gut verstehen. Bis auf zwei kleine Mängel kann ich mit der Antwort leben. Zum einen war Phidias ein Bildhauer und kein Architekt. Zweitens kannte Phaedon, der Strahlende, die Arbeitsstättenverordnung vermutlich nicht. Bei der Suche nach Αρμπαϊτς-στετεν-φερ-ορντ-νουνγκ im Internet habe ich nur herausfinden können, dass ein Grieche es (annähernd) deutsch so aussprechen würde. Im modernen Griechisch würde man korrekterweise Κανονισμός Χώρων Εργασίας schreiben. Allerdings sehen die modernen Griechen die Sache nicht so eng wie die Nachfahren der Germanen.
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Ein sonniger Nachmittag auf einer unfertigen Dachterrasse. Phidias, der Architekt, starrt verzweifelt auf eine nackte Betonwand. Phaedon, der Lichtingenieur, nähert sich mit einem Luxmeter und einem dicken Ordner voller Datenblätter.
Phidias: Siehst du diese Wand, Phaedon? Sie ist ein Gedicht aus Schatten und Textur. Das Sonnenlicht streichelt den Beton genau im Winkel von 42 Grad. Es ist... Metaphysik. 42 ist die Antwort auf alle Fragen …
Phaedon: Ich sehe eine Oberfläche mit einem Reflexionsgrad von 0,35. Und wenn die Sonne weg ist, Phidias, haben wir dort eine Beleuchtungsstärke von null Lux. Man knallt mit dem Kopf dagegen. Das ist nicht Metaphysik, sondern ein Haftungsrisiko.
Phidias: Du sprichst immer von Zahlen! Kannst du denn nicht die Seele des Raumes fühlen? Ich möchte, dass das Licht hier „atmet“. Ich will eine Atmosphäre, die wie ein leiser Seufzer am Abend wirkt.
Phaedon: Ein Seufzer hat leider keine Lumen-Werte. Wenn ich dir ein „atmendes“ Licht plane, sagt mir der Bauherr am Ende, dass die Arbeitsstättenrichtlinie 500 Lux auf dem Schreibtisch vorschreibt. Dein Seufzer ist nach DIN EN 12464-1 schlicht illegal.
Phidias: Das ist das Problem mit euch Ingenieuren. Ihr wollt die Dunkelheit besiegen, aber ihr versteht nicht, dass die Dunkelheit der Partner des Lichts ist. Du klatschst mir diese hässlichen LED-Panels in meine saubere Decke, als wären es Pickel im Gesicht einer Muse!
Phaedon: Und du, mein lieber Phidias, zeichnest „Lichtfugen“, in die physikalisch gesehen nicht einmal ein Glasfaserkabel passt, geschweige denn ein Treiber, der nicht nach zwei Wochen wegen Hitzestau den Geist aufgibt. Du willst das Unsichtbare, aber du vergisst die Kabelführung.
Phidias: Weil Technik der Schönheit dienen sollte, nicht umgekehrt! Warum muss ein Strahler aussehen wie ein Industriescheinwerfer? Kann er sich nicht demütig in die Fuge zurückziehen?
Phaedon: Er würde sich liebend gerne zurückziehen. Aber die Physik ist ein strenger Lehrer. – Wärme entsteht nun mal. Wenn ich das Licht so verstecke, wie du es willst, schmilzt deine „Muse“ einfach weg. Du planst für das Auge, ich plane für das Photon.
Phidias: Aber das Auge ist doch das Tor zur Wahrnehmung! Wenn alles gleichmäßig hell ist, stirbt die Hierarchie des Raumes. Ein Wald ist auch nicht mit 500 Lux schattenfrei ausgeleuchtet.
Phaedon: Ein Wald hat aber auch keine Notausgangsbeschilderung, die ich im Grundriss unterbringen muss. Weißt du, was das Problem ist? Du betrachtest Licht als einen Zustand der Gnade. Ich betrachte es als ein technisches Gewerk mit Wartungsintervallen.
Phidias: Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns nie verstehen. Ich suche das Ereignis, und du suchst die Gleichmäßigkeit.
Phaedon: (seufzt und blickt auf sein Luxmeter) Vielleicht. Aber denk dran: Ohne meine „hässlichen“ Berechnungen würde niemand dein „Gedicht“ aus Beton sehen, sobald die Sonne untergeht.
Phidias: Und ohne meine Vision hättest du nichts weiter als eine sehr helle, sehr teure Garage.
Warum die Kluft besteht: Eine Zusammenfassung
| Aspekt | Der Architekt (Phidias) | Der Ingenieur (Phaedon) |
| Fokus | Ästhetik, Emotion, Raumwirkung | Normen, Energieeffizienz, Sehaufgabe |
| Sprache | "Atmosphäre", "Immateriell", "Klarheit" | "Lumen/Watt", "UGR-Wert", "Farbort" |
| Feindbild | Sichtbare Leuchten, Technik-Clutter | Dunkle Ecken, Blendung, mangelnde Wartbarkeit |
| Ziel | Das Licht soll den Raum formen. | Das Licht soll das Sehen ermöglichen. |
Dialog über das Wesen des wahren Lichts
18.04.2026
Das Licht ist nicht dazu da,
die Dunkelheit zu besiegen,
sondern um dem Leben
Raum und Rhythmus zu geben.
Anonymus
Gestern schrieb ich zusammen, was eine KI aus meinen Beiträgen der letzten 15 Jahre zum Licht und zur Beleuchtung extrahiert hatte (Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren). Kurz gesagt, soll ich einen radikal nutzerzentrierten Ansatz verfolgt haben und auf folgende Aspekte Wert gelegt:
- Das Primat des Tageslichts
- Vermeidung von „Licht-Monotonie“
- Die „Biologische Wirksamkeit“ (Circadiane Rhythmik)
- Visueller Komfort (Entblendung, Störungsfreiheit)
Nun wollte ich wissen, ob man diese Denke auch mit der Methode eines antiken Philosophen vermitteln kann. Eigentlich sind es zwei, die sich ergänzen. Sokrates war der Gelehrte, der sich weigerte, seine Gedanken schriftlich zu verfassen. Sein Schüler Platon vermittelte die Lehren an die Nachfahren, auch schriftlich, sodass wir viel von Sokrates wissen. Platon hielt aber nicht allzu viel von Abhandlungen und behandelte die Ideen lieber in Dialogen. Ich fragte die KI, ob man dies auch mit Licht tun kann. Nachfolgend die Reaktion der KI ohne redaktionelle Änderungen.
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Das ist eine faszinierende Idee. Um den Bogen zwischen der antiken Philosophie und der modernen Ergonomie zu schlagen, stellen wir uns ein Gespräch zwischen Sokrates (als Suchendem) und Ahmet (als dem Experten für das Licht) vor.
Ort: Ein schattiger Platz unter einer Platane, während die Sonne langsam sinkt.
Der Dialog: Über das Wesen des wahren Lichts
Sokrates: Sage mir, Ahmet, du, den sie den Meister der Strahlen nennen: Wenn wir ein Haus bauen für jene, die im Überfluss leben, müssen wir dann nicht das hellste Licht wählen, damit sie ihren Reichtum in jedem Winkel bestaunen können? Ist Licht nicht einfach die Abwesenheit von Dunkelheit?
Ahmet: (lächelt) Du stellst die Frage so, als wäre das Auge ein bloßer Becher, den man mit Photonen füllen muss, bis er überläuft. Aber sage mir, Sokrates: Wenn du ein Festmahl genießt, schüttest du dann alle Weine und Speisen zu einem einzigen Brei zusammen, nur damit der Bauch schneller voll werde?
Sokrates: Bei den Göttern, nein! Das wäre ein Gräuel. Die Vielfalt und die Abfolge der Speisen machen doch erst das Mahl aus.
Ahmet: Und doch verfahren die Menschen in ihren Palästen des Handels – jenen Orten, die sie „Büros“ nennen – genau so. Sie gießen einen Teppich aus Licht über alles, gleichmäßig und starr, fünfhundert Einheiten stark, vom Sonnenaufgang bis tief in die Nacht. Sie nennen es „Norm“, ich aber nenne es visuelle Tyrannei.
Sokrates: Du sprichst von Tyrannei? Das ist ein hartes Wort für eine Lampe.
Ahmet: Ist es nicht tyrannisch, dem Auge die Ruhe zu rauben? Das Auge, Sokrates, ist ein Jäger. Es braucht Kontraste, um die Welt zu verstehen. Ein Raum ohne Schatten ist ein Raum ohne Wahrheit. Er ist flach wie eine Lüge. Die ideale Beleuchtung in deinem luxuriösen Haus darf niemals ein Teppich sein. Sie muss eine Landschaft sein.
Sokrates: Eine Landschaft? Erkläre mir das.
Ahmet: In der Natur gibt es das Licht unter dem Baum, das glitzernde Wasser und die dunkle Höhle. Der Mensch fühlt sich dort wohl, wo er wählen kann. In einem edlen Hause sollte das Licht dort sein, wo die Tat ist – hell über dem Buche, sanft am Ruheplatz und verborgen in den Nischen. Wer das Licht überall gleich stark macht, macht es überall gleich wertlos.
Sokrates: Ich verstehe. Aber was ist mit der Farbe des Lichts? Die Sophisten sagen, weißes Licht sei das reinste, da es der Mittagssonne gleicht.
Ahmet: Die Sophisten vergessen die Zeit, Sokrates. Die Sonne ist eine Wanderin. Am Mittag ist sie kühl und fordernd, doch wenn sie sich dem Horizont neigt, wird sie golden und zärtlich. Ein Licht, das am Abend noch so weiß strahlt wie am Mittag, ist ein Betrug an der Natur des Menschen. Es flüstert dem Körper zu: „Wache auf!“, während die Seele nach Schlaf dürstet. Das ist die Wurzel vieler Übel und Krankheiten.
Sokrates: Also ist das ideale Licht jenes, das mit uns altert über den Tag?
Ahmet: Genau so. Und noch eines: Es muss dem Menschen gehorchen. Ein Haus, in dem das Licht von Geisterhand – sie nennen es heute „Automatik“ – an- und ausgeht, ohne dass der Bewohner es will, raubt ihm die Freiheit. Der Mensch muss Herr über seinen Schein sein.
Sokrates: So ist die ideale Beleuchtung also eine Mischung aus Schatten und Glanz, aus Wärme und Kühle, stets dem Wandel der Zeit und dem Willen des Bewohners folgend?
Ahmet: Du hast es erfasst. Das Licht ist nicht dazu da, die Dunkelheit zu besiegen, sondern um dem Leben Raum und Rhythmus zu geben. Wer das versteht, baut keine Häuser mit Lampen, sondern erschafft Orte für die Seele.
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Wahnsinn, was die KI aus einem technischen Blog so alles macht. Einst glaubte man an den Turing-Test, wonach der Tag der Singularität gekommen wäre, wenn man eine Frage stellt und aus der Antwort nicht schließen kann, ob ein Mensch geantwortet hat oder eine Maschine. Der obige Text verstärkt den Eindruck, dass wir die Singularität weit hinter uns haben.
Umso schlimmer finde ich es, in welchem Maße unser Wissen von Phantomen beherrscht wird, von Geistern von gestern. Diese habe ich ausführlich für die Lichttechnik, aber auch allgemein für die Wissenschaft beschrieben (s. Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen, und Die Phantome der anderen). Dass Maschinen den Turing-Test immer leichter bestehen, war der Technologie zu verdanken. Dass wir uns nicht von Gestern lösen können, verdanken wir den Schwächen der Menschen, die solche Technologien schaffen können.
Prüfbare Lichtqualität
16.04.2026
Halbe Sachen sind
ganze Verschwendung
orientalisches Sprichwort
Dieser Beitrag erzählt vom paradoxen Schicksal der „elektrischen Sonne“: Während die Erde insgesamt heller wird, verliert künstliches Licht zugleich kulturellen Glanz. Aus der einst bestaunten Lunapark-Beleuchtung ist vielerorts Lichtmüll geworden – ein Bewusstseinswandel, befeuert durch Debatten um Lichtverschmutzung und Energiesparen. Doch der Niedergang verläuft nicht überall gleich. Im Privaten, lange von der Lichttechnik gering geschätzt, eröffnet die LED ein neues Spiel aus Atmosphäre, Akzenten und Ritualen (man denke an Weihnachtslichter). Dagegen wirkt professionelle Beleuchtung, besonders im Büro, wie eine Normmaschine: 500 Lux, Gleichmäßigkeit, steriler „Zahnarztpraxis-Effekt“.
Sichtbar wird das beim Trend, Bürohäuser in Wohnungen umzuwidmen: Fast nichts an der alten Beleuchtung passt zur neuen Logik des Wohnens und Arbeitens. Spätestens mit Homeoffice und New Work bröckelt die alte Gewissheit, dass Normlicht gute Beleuchtung und gute Beleuchtung bessere Arbeit bedeutet. Zwischen Wohlbefinden und Sehleistung rückt die Frage nach prüfbarer, brauchbarer Lichtqualität erneut ins Zentrum.
Bei dem Bestreben, die Menschen zurück ins Büro zu locken, wird Licht eine große Rolle spielen. Es wird aber nicht von Leuchten kommen, die man in langen Reihen an die Decke pflastert.