Phantom: Sonnenlicht ist gesund
11.03.2026
Gnade und Gericht liegen im selben Strahl:
Die Dosis macht die Sonne
zum Gott oder zum Henker
d. Blogger
In der Phantom-Serie beschreibe ich die Geister von Gestern, die uns noch lange verfolgen werden. Heute geht es um den Glauben, das Sonnenlicht sei gesund.
Der Beitrag beschreibt das „Phantom“, die bis heute verbreitete Vorstellung, dass Sonnenlicht grundsätzlich gesund sei. Diese Idee entstand im Zuge der Industriellen Revolution, als Städte im Dunkel von Smog lagen und Menschen das Bedürfnis nach Licht hatten. Lichttechniker nutzten dies für künstliches „Tageslicht“, während Reformbewegungen wie die Progressiven versuchten, natürliche Helligkeit in Städte und Wohngebiete zu bringen. Dadurch wandelte sich weltweit das Schönheitsideal: Gebräunte Haut wurde zum Zeichen von Wohlstand.
Heute besteht ein Spannungsfeld zwischen den Vorteilen und Gefahren der Sonne. UV-Strahlung ist lebenswichtig für die Vitamin‑D‑Produktion, kann aber gleichzeitig schädlich wirken und Haut- sowie Augenerkrankungen auslösen. Besonders im Sommer führt übermäßige Sonnenexposition zu akuten Belastungen wie Sonnenbrand, Hitzeerschöpfung oder Sonnenstich. Arbeitgeber müssen Beschäftigte vor UV-Strahlen schützen, die sich danach im Urlaub unter die Sonne des Mittelmeers legen.
Vitamin D ist zentral für Knochen, Muskulatur, Immunsystem und Nervengesundheit. Dennoch warnen Dermatologen vor UV‑Strahlung und empfehlen hohe Lichtschutzfaktoren, was Kritiker als riskante Einschränkung der körpereigenen Vitamin‑D‑Bildung sehen. Die Debatte wird seit Jahrzehnten kontrovers geführt, etwa im Fall des Forschers Michael Holick, der für die Empfehlung maßvollen Sonnenbadens kritisiert wurde.
Der Beitrag schließt mit dem Fazit, dass die Sonne sowohl Quelle allen Lebens als auch potenzielle Gefahr ist. Ein ausgewogener Umgang – das rechte Maß – ist entscheidend.
Tageslichtbelichtung des Dortmunder Bürgers reicht hinten und vorne nicht
11.03.2026
Das Experiment war ein voller Erfolg.
Lediglich die Realität hat sich
geweigert, mitzuspielen.
d. Blogger
Vor 5 Jahren überraschte die internationale Elite der Chronobiologen die Lichtwelt mit einer Erklärung[1]. Sie verordnete allen Menschen ein biologisches Lichtregime, auf dass ihre Körperrhythmen mit dem Verlauf des Tages schwingen mögen.

Screenshot
In einem Beitrag zum 13. Symposium Licht und Gesundheit 2026, mit dem Titel “Wie viel Licht erreicht uns wirklich? Erkenntnisse aus der Dortmunder MeLiDos-Studie”, stellten Kai Broszio, Johannes Zauner und Manuel Spitschan vor, wie die melanopische Beleuchtungswirkung am Standort Dortmund aussieht.
Es wurden drei Größen betrachtet:
- melanopische Beleuchtungsstärken (mel-EDI, lx)
- Time-Above-Threshold-Metriken (TAT, Werte über 500 lx und 1000 lx in h/d)
- zeitliche Lage der Lichtexposition (mittlerer Zeitpunkt der Exposition oberhalb 250 lx).
Die Anforderung der Chronobiologen hieße >TAT250 von 06:00 bis 19:00 Uhr. In Klarschrift: Biologisch gesund ist die lichte Umgebung, wenn das melanopisch wirksame Licht zwischen 06:00 und 19:00 Uhr 250 lx überschreitet. Das sind „melanopische“ Lux und werden nach einer Geheimformel, Pardon nach einer CIE-Norm, berechnet. Die Forschenden wollten aber echte Werte wie im echten Leben messen.
[1] Timothy M. Brown, George C. Brainard, Christian Cajochen, Charles A. Czeisler, John P. Hanifin, Steven W. Lockley, Robert J. Lucas, Mirjam Münch, John B. O’Hagan, Stuart N. Peirson, Luke L. A. Price, Till Roenneberg, Luc J.M. Schlangen, Debra J. Skene, Manuel Spitschan, Céline Vetter, Phyllis C. Zee, Kenneth P. Wright Jr Recommendations for healthy daytime, evening, and night-time indoor light exposure
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Das Ergebnis fällt sehr ernüchternd aus.
| Melanopische Beleuchtungsstärken (mel-EDI) | |
| Tageszeit 08:00–18:00 | ca. 90 lx – 130 lx |
| Mittagsfenster 11:00–14:00 | ca. 120 lx – 180 lx |
| Abend 18:00–22:00 | ca. 5 lx – 15 lx |
Der Grenzwert von 250 lx wurde 0,8 h – 1,4 h/Tag (Median) überschritten, und nicht etwa täglich für 11 Stunden. Melanopische Beleuchtungsstärken von über 1000 lx sahen die Probanden 0,2 h/Tag. An den meisten Arbeitstagen wurden 1000 lx nie überschritten.
In einem Beitrag in licht-formt-leben.de kommentiere ich die Projektergebnisse und erkläre, warum sie zu erwarten waren. Es gibt auch eine Erklärung dafür, warum die Chronobiologie so falsch liegen könnte. Allerdings liegt sie nur mit dem Konzept der Belichtung falsch. Viel mehr Licht als in Innenräumen vorhanden brauchen wir trotzdem.
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Warum wir wohl noch lange warten müssen, bis wir HCL verstehen
09.03.2026
Ein Bild sagt 1000 Worte.
Mir genügt eins.
d. Blogger
Heute habe ich einen Artikel gelesen, in dem erklärt wird, wie HCL wirkt. Damit auch solche Leute wie ich die Sache verstehen, hat der Autor netterweise sein Modell mit einem Bild klar gemacht. Die Legende des Bildes macht einen wirklich neugierig: "Theorie- und befundbasiertes HCL-Wirkmodell nach Wessolowski. Das Modell ist empirisch testbar, mittels Strukturgleichungsmodellen optimierbar und konzeptionell erweiterbar. Die numerisch dargestellten Literaturhinweise sind in Wessolowski (2024) sowie in Wessolowski & Ostrowski (2025) dokumentiert."

Um dieses Bild zu verstehen, muss man nur noch zwei Artikel vom Autor lesen und 40 Artikel an 17 Stellen des Diagramms inhaltlich zuordnen. Schon ist man in der Lage, das Ganze mit Strukturgleichungsmodellen zu optimieren. Der Autor hat nur vergessen anzugeben, wofür oder für wen.
Mit dem Optimieren würde ich erst einmal mit den Farben anfangen. Leider wurde die Norm DIN 66234-5:1978 abgeschafft, in der angegeben wurde, welche Farben für die Schrift gewählt werden dürfen, wenn der Hintergrund dunkelblau oder dunkelgrau ist. Das sieht zwar ein Blinder mit dem Krückstock, aber nicht unbedingt einer, der die gesundheitlichen Wirkungen von Licht modelliert.
Der Autor schreibt: "Licht ist mehr als ein rein visueller Reiz; es moduliert Aufmerksamkeit und kognitive Prozesse." Meine Aufmerksamkeit ist derart moduliert, dass ich schlecht schlafen kann, bis ich die 40 Artikel richtig zuordnen kann.
Schicht und Licht
09.03.2026
Die Theorie steht bombensicher.
Schade nur, dass die Realität
sich weigert, mitzuspielen.
d. Blogger
Schichtarbeit und atypische Arbeitszeiten stören den Tagesrhythmus und können zu erhöhtem chronischem Stress führen. Da Licht ein wichtiger Regulator des Tagesrhythmus ist, können gezielte Maßnahmen zur Beleuchtung am Arbeitsplatz dazu beitragen, solche negativen Auswirkungen zu mildern. Diese Studie untersuchte, ob dynamische Beleuchtung am Arbeitsplatz den langfristigen physiologischen Stress beeinflusst, gemessen anhand der Cortisolkonzentration im Haar (HCC) als Biomarker für chronischen Stress bei Schichtarbeitern.
So steht es in der Kurzfassung eines Beitrags vom 13. Symposium Licht und Gesundheit, BAuA 2026. Die Autoren Sophie Schümann, Robert Herold, Katarzyna Burek, Dirk Pallapies, Thomas Brüning, Thomas Behrens, Volker Harth, Sylvia Rabstein haben in einer Längsschnittstudie untersucht, ob dynamisches Licht langfristig bei Nacht- und Schichtarbeit stressmindernd wirkt.
Die Beschreibung der Studie habe ich in licht-formt-leben.de vorgenommen. Andere Berichte zu diesem Projekt sind auf der DGUV-Homepage oder hier zu finden.
Lichtmischen verboten
24.02.2026
Farben mischen? Bloß nicht!
Am Ende entsteht noch Individualität, und
wer will das schon?
d. Blogger
Heute habe ich ein Phantom kommentiert, das zwar mittlerweile verschwunden ist, aber in der Beleuchtung tiefe Spuren hinterlassen hat. Die Rede ist von der Behauptung, Lichter mit unterschiedlicher Farbe würden zu visuellen Störungen und am Ende gar zur Ermüdung führen. Der einstige Guru der Lichtwissenschaft, Erwin Hartmann schrieb dazu in einem Buch: “Im übrigen ist es wohl selbstverständlich, daß in ein und demselben Raum keine Lichtquellen unterschiedlicher Lichtfarbe oder Farbwiedergabe verwendet werden dürfen.“ (Erwin Hartmann, in dem Buch Optimale Beleuchtung am Arbeitsplatz, 1977)
Auch ein schwedischer Psychologe, Olov Östberg, hatte sich dem Thema gewidmet und wollte sogar eine Harmonie zwischen den Schriftfarben auf dem Bildschirm (damals gelb oder grün) und der Beleuchtung des Raumes herstellen, damit sich der Bildschirmarbeiter wohl fühlt.
Dem Wunsch nach Harmonie verdanken wir vermutlich die Lichtfarbe neutralweiß in den Büros, die viele Büromenschen rot sehen lässt. Deutsche Führungskräfte, nach ihrem idealen Büro gefragt, antworteten mehrheitlich mit „Arbeitsplatz ohne künstliche Beleuchtung“.
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