Licht und Lebensqualität

11.07.2013

Lebensqualität mit dem Luxmeter messen

In der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Cebra, nach eigenen Angaben eine für die effiziente Beschaffung rund um Büro und Arbeitsplatz, fand ich endlich die Weisheit, die mir zu mehr Lebensqualität verhilft: Mehr Lux! Die Quelle ist licht.de, hinter der die Fördergemeinschaft Gutes Licht steht. Rechts von dem Text ist etwas abgebildet, das vielen Menschen tatsächlich zu mehr Lebensqualität im Büro verhilft, eine Arbeitsplatzleuchte. Mich wundert nur, dass dieses Objekt angeführt wird, das bei Leuten, die dauernd von Lux reden, die gleiche Wertschätzung genießt wie Weihwasser beim Teufel. Bei einem ordentlichen Lichttechniker hat es die gleichen Chancen wie ein Schneeball in der Hölle. Und jetzt steht es für Lebensqualität!

Den Umgang mit der Arbeitsplatzleuchte in der Lichttechnik vergleiche ich oft mit der einzigen Schnittmenge von Phantasien und Dummheit: Beide kennen keine Grenzen. Ein unzüchtiges Gerät, die Beschäftigung mit dem ich vor zwei Jahren als eine Art Pornografie bezeichnet hatte (Unzüchtiges Gerät gesetzlich vorgeschrieben) … Und nun soll es zu Lebensqualität werden? Wie denn? Z.B. so:Obwohl ich den Titel mit „Mehr Lux = mehr Lebensqualität“ heftigst ablehnen würde, kommt mir die von licht.de vorgeschlagene Lösung sehr bekannt vor. Wegen solcher Vorstellungen musste ich mir für Jahrzehnte diverse Komplimente von Nestbeschmutzer bis Sozialromantiker gefallen lassen. Noch schlimmer wäre es für die Ausschüsse gekommen, die mich unterstützten. Der für Licht zuständige Ausschuss beim DIN hatte von mir ultimativ verlangt, diese für unfähig zu erklären und deren Wirken sofort zu stoppen. Deren Mitglieder (damit auch ich) würden Irrlehren verbreiten. Lange davor hatte das Organ der LiTG abgelehnt, eine Untersuchung mit dem Vorläufer der abgebildeten Leuchte zu veröffentlichen. 

Mit der Indirektbeleuchtung, d.h. mit deren Propagierung, hatte ich um 1980 angefangen, mit Stehleuchten etwas später. Zu Tischleuchten hatte ich bereits in den 1970ern eine Meinung gebildet. Die war allerdings vorerst nicht positiv, weil damals keine vernünftigen Objekte existierten. Die vorhandenen wären für mich bereits elektrisch nicht sicher, man konnte sich daran die Finger verbrennen, im Sommer brägenklöterich werden, wenn man damit länger arbeitete, und zudem die ganze Nachbarschaft fröhlich blenden. Zudem konnte man ein wunderbares Bild von der Lampe auf dem eigenen Bildschirm geniessen. Später haben mir Leute vorgeführt, dass dies alles nicht sein muss. Und mit deren Produkten habe ich nachweisen können, dass Arbeitsplatzleuchten tatsächlich mehr an Lebensqualität im Büro bedeuten. Zwar dies für alle, und nicht nur für Alte, auf die sich der zitierte Artikel bezieht. Dieser Mehrwert an Lebensqualität lässt sich nicht mit einem Gerät messen. Was er bedeutet, zeigt das Bild genau: selber Hand anlegen. Man bestimmt selbst, wann und wie man Licht einsetzt.

Man muss nur Lux durch Lichtqualität ersetzen und Lichtqualität als Erfüllung der Bedürfnisse der Menschen zum Sehen umschreiben. Dann wird ein echter Schuh daraus. 

Warum braucht man so lange, bis man Offensichtliches anerkennt? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Man kann nur vermuten, dass die Regeln, nach denen Menschen Licht genießen dürfen, von Schattenmännern gemacht werden, die sich nicht allzu häufig mit Beleuchtung beschäftigen. Sonst ginge ihnen sehr schnell ein Licht auf. So z.B., dass Menschen wichtige Dinge in ihrem Arbeitsfeld am liebsten selbst bestimmen.

Mein Ampelmann

Licht und Rückschritt

31.05.2013

Auf wie vielen Augen darf man blind sein? 

Wie nennt man es, wenn viele Leute, die unterschiedliche Charaktere haben, und viele Musikinstrumente mit jeweils anderem Klang spielen, dazu gebracht werden, so zu spielen, dass es sich toll anhört? Man nennt es Konzert gemeinhin, es ist also allgemein das Zusammenklingen vokaler und instrumentaler Chöre gemeint. So etwas geht bei bestimmten Gruppen, z.B. bei den Berliner Philharmonikern, ganz von selbst, angeblich. Andere brauchen einen Dirigenten. Die Berliner Philharmoniker übrigens auch, nur nicht so bitter nötig.

Einem solchen Konzert kann man zurzeit beiwohnen auf dem Gebiet der Lichttechnik. Das gespielte Stück hört auf den Namen LED. Wer die erste Geige spielt, lässt sich genauso wenig ausmachen wie bei Thrillern über Drogenhandel, bei denen nur die kleinen Fische gefangen werden. Ist auch nicht so wichtig. Hauptsache, alles klingt harmonisch. So hat man z.B. die ansonsten allzu launische Presse dazu gebracht, die Eigenschaften der LED zu loben, die sie aufweisen wird, irgendwann mal in der Zukunft. Z.B. die tolle Farbwiedergabe. Ich schätze mal, dass die Damen und Herren von der (allgemeinen) Presse die Sache aus Firmenprospekten kennen und nicht aus eigener Erfahrung. Die kann nämlich so doll nicht sein.

Nun bleibt die Fachpresse. Was sagt die dazu? Leider gibt es auf diesem Gebiet keine Fachpresse, weil es das Gebiet nicht gibt. Nehmen wir an, das Gebiet hieße Lampenentwicklung, was derzeit bestimmt relevant wäre. Dort werden viele Ingenieure berichten, dass es viele Probleme gibt. Das ist normal, … selbst bei Produkten wie Reifen oder Kühlschränken, die wir nun seit vielen Jahrzehnten kennen. Ingenieure berichten meistens über Probleme, weswegen man nicht jeden Ingenieur als Vertriebsmann beschäftigen kann. Manche schon. Sie können auch Marketing. Gibt es eine Fachpresse für Lampenentwicklungsmarketing? Wäre auch zu schön.

Man kann solche Betrachtungen beliebig fortsetzen, ohne eine bestimmte Fachpresse ausfindig machen zu können, deren Fokus dem jetzigen Entwicklungsstand von LED angemessen wäre: Baustelle. Bleibt also eins: Man muss alle nehmen, die irgendwie berichten könnten, und zum Konzertieren bringen. Da die professionelle Presse bestimmt nicht ausreicht, nimmt man auch Amateure hinzu und versucht, einen Dirigenten zu installieren. Amateure sind z.B. Leute, die Fachartikel schreiben, so für die bekannten berufständischen Organisationen auf dem Gebiet Licht & Lichtanwendung. Selbst Blogger ins Internet zu schicken, ist nicht verpönt. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Das angestimmte schöne Konzert hat bereits große Erfolge zu verzeichnen, z.B. glauben Arbeitsschützer in Deutschland, dass LEDs nicht flimmern. Angehörige anderer Berufsgruppen versuchen eine Methode zu finden, wonach die LED nicht blendet. Denen könnte ich eine mittlerweile arbeitslose Gruppe von „Flickerlookern“ empfehlen, die einst der damaligen Marktführer in Sachen Computer beschäftigte, besser gesagt den Weltmarktführer vom ganzen Computerbusiness. Da dessen Bildschirme flimmerten, haben seine Wissenschaftler eine Methode ausgearbeitet, wonach keines dieser tollen Geräte flimmerte. Die Leute sind jetzt arbeitslos, weil der einstige Weltmarktführer anderen Geschäften nachgeht, und die Produkte von Chinesen gebaut und verkauft werden. Auch in Sachen Blendung gibt es eine empfehlenswerte Gruppe von Wissenschaftlern in Großbritannien, die nachgewiesen hat, dass glänzende Bildschirme doch nicht glänzen. Warum sollen wir da zurückstehen?

Konzert - das war erst der Anfang. Später kam das Concerto grosso dazu, bei dem eine Concertino genannte Instrumentalgruppe gegen ein größeres Orchester spielt. So eine habe ich ausgemacht. PNNL - Pacific Northwest National Laboratory, dessen Spuren seit 1940 überall in der Geschichte der Technik und Wissenschaften der USA zu finden sind. Von dort stammt eine wissenschaftliche Abhandlung über das Flimmern von LED. Und das hat eine völlig andere Qualität. Mit dieser kann die konventionelle Lichttechnik nicht umgehen.

Am besten liest es jeder Interessierte selber. Poplawski and Miller CIE Flicker Paper 2013 shorter-1.pdf. Info über deren Institution findet sich hier: http://www.pnnl.gov/.

Das Dumme an der Sache: Man sieht LED genauso wenig flimmern wie einst Leuchtstofflampen, von denen die Industrie schlappe 40 Jahre behauptete, sie könnten nicht flimmern, weil sie mit 100 Hz betrieben würden. Manche LEDs werden sogar viel höher getaktet als mit 100 Hz. Ergo? Auch sie könnten nicht flimmern, es sei denn, einer weist die Störung und deren Mechanismen nach. Und der Nachweis liegt bei LED erstaunlich schnell vor.

Und der Wirkungsweg ist ähnlich wie einst bei der LL-Lampe: Ein statisch guckendes Auge kann Frequenzen über etwa 47 Hz nicht wahrnehmen. Wahr. Nun gibt es statisch guckende Augen nur bei Toten. Das normale Auge liest in Sakkaden – das ist noch ähnlich wie beim statischen Gucken. Ansonsten bewegt es sich über den Raum oder über den Bildschirm. Dann kann auch 300 Hz flimmern. Bei LEDs erst recht, weil deren Licht trägheitslos moduliert werden kann. 

Wo ich das her kenne? Aus dem Physikunterricht in der Schule. Damals hatte unser Lehrer Glimmlampen aufgestellt und uns gebeten, mit dem Kopf zu wackeln. Dann sah man die Sinusform der Welle des Stroms. Jetzt muss ein hochdekoriertes Staatslabor uns die Sache noch einmal unter die Augen reiben. Chapéu!

Licht und Unsinn

25.05.2013

Tiefstrahler Ade - Hoffentlich endgültig

Seit einem denkwürdigen Tag im Jahre 1980* sehen viele deutsche Büros abends etwa aus wie oben (2013) oder rechts (1990) abgebildet: Zwei mehr oder weniger scharf ausgeprägte Lichtkegel an jeder Stirnwand. Sie zeigen das, was der Techniker LVK = Lichtstärkeverteilungskurve nennt. Eigentlich sollen sie gar nichts zeigen. Denn wenn ein Gegenstand, z.B. eine Wand, beleuchtet wird, dann gleichmäßig. Es sei denn, man will mit der Ungleichmäßigkeit etwas ausdrücken.

An den beiden Kegeln kann man erkennen, welche Gleichmäßigkeit unten in der Arbeitsebene erwartet werden kann. Schneiden sich die Kegel hoch oben, ist das Licht unten gleichmäßiger als wenn sie sich viel weiter unten oder gar nicht schneiden.

Soweit, so gut. Vor einigen Tagen wurde in diesem Blog ein Thema angeschnitten, das für die Gesundheit der Menschen im Büro eine große Rolle spielt: Arbeiten im Sitzen/Stehen (mehr hier). Jetzt haben wir die Beleuchtungen von bestimmten Räumen ausgewertet, in denen direktes Licht (s. oben) und weitgehend indirektes Licht installiert worden sind.

Das Ergebnis kann niemanden überraschen: Bei weitgehender indirekter Beleuchtung macht die Änderung der Tischhöhe kaum etwas aus. Während die direkte Beleuchtung bei jeder Höhenänderung eine Verschiebung des Tisches erforderlich machen würde, wenn man ähnliche Lichtverhältnisse auf seinem Tisch erzielen will. Tolle Idee!

Lustig vor allem ist die Außerkraftsetzung des Photometrischen Grundgesetzes: Wenn man sich einer Lichtquelle nähert, ändert sich die Beleuchtungsstärke mit dem Quadrat der Entfernung. In einem Büro kann sie aber bei höherem Tisch (= näher an der Leuchte) niedriger liegen als bei niedrigerem Tisch (= weiter weg von der Leuchte). Ein Büro ist halt kein lichttechnisches Labor, auch wenn manche Leute anders denken.

Wer gesündere Arbeitsplätze will, sollte sich mit Indirektbeleuchtung anfreunden. Eine seit Jahrzehnten kolportierte Weisheit besagt zwar, dass sie langweilig und ermüdend ausschauen und wirken kann. Diese beruht aber auf einem Gerücht, dessen Ursprung niemand entdecken will. Sonst käme etwa das heraus, was man von Spinat und Eisen kennt.

* An dem denkwürdigen Tag, 1. April 1980, hielt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung (jetzt BAUA) ihre erste Tagung zur Bildschirmarbeit ab. Dort wurde das Konzept der damals führenden Firma in Licht vorgestellt, von dem sich die meisten Büros bis heute nicht haben erholen können. Die Firma wohl auch nicht.

Licht und Unsinn

21.05.2013

Licht von unten?

Heute fiel mir ein ganz altes Bild in die Hände. Es hat nicht nur historische Bedeutung, denn damit hat die Suche nach einem Plätzchen für Leuchten an der Decke eines Büroraums angefangen, aber nie wieder aufgehört. Beraten durch die Fachleute eines befreundeten Unternehmens in Sachen Licht, hat die verblichene Firma Nixdorf Computer eine Vorstellung davon entwickelt, wo es an einem Bildschirmarbeitsplatz herkommen darf. Vielmehr, wo es nicht herkommen darf. Wenn man sich die Lösung ansieht, kann man ihre Schöpfer nur bewundern, wie sie mit der Physik umzugehen wissen. So sieht die Lösung aus:

Also: Von hinten dürfen die Leuchten nie leuchten. Da sind ohnehin meistens Fenster. Das ist erstmal gestrichen. Von hinten oben dürfen sie auch nicht kommen. Spiegelungen auf dem Bildschirm sind zu befürchten.  Von oben vorne dürfen sie auch nicht leuchten, da gibt es direkte Blendung. Ganz von vorne dürfen sie auch nicht sein, die Leuchten oder die leuchtenden Fenster. Übrig geblieben ist der winzige Bereich über dem Tisch. Der ist OK. Sagt das Bild. Ein richtiger Lichttechniker wird sagen, um Gottes Willen. Wenn die Leuchten dort angebracht werden, gibt es Reflexblendung. Gibt es auch. Von wo sollen die armen Dinger denn leuchten?

Die geniale Lösung, die ein schwedischer Arbeitsmediziner gefunden hatte, Abdunkeln, mag ich gar nicht. Menschen brauchen Licht. Bleibt also die Lösung, dass die Leuchten von unten nach oben leuchten. Solche Einfälle, d.h. Lichteinfälle sind zwar üblich, aber nur im Theater, um die Hexe noch böser aussehen zu lassen. Im Büro nur für wenige Arbeitsplätze geeignet.

Eine weniger geniale Lösung hatte mein Institut so etwa Ende 1986 entwickelt. Die Leuchten sollen, wenn sie denn leuchten wollen, gerade mal so hell leuchten, dass sie weder Direkt- noch Reflexblendung verursachen. Die Idee dazu hatte eine Firma für Lichttechnik entwickelt, aber sie war umständlich mit einer teuren Optik gekoppelt, die die Leuchten dicker machte. Unsere Lösung: Fliegengitter oder Lochblech. Leider wollte die Industrie nicht überall „hochwertige“ Optik durch Lochblech ersetzt sehen. Wie respektlos muss man denn sein, um das wertvolle Licht durch ein Fliegengitter gesiebt auf den deutschen Bildschirmarbeiter rieseln zu lassen? 

Was tun? Die radikale Lösung hatte ich bereits etwa 1976 entwickelt und den Leuten von der Computerindustrie auch verklickert: Man möge den Bildschirmhintergrund hell machen, dann sieht man die Spiegelungen nicht (mehr so deutlich). Und so hell, dass der noch sichtbare Rest nicht stört. Zudem sollen die Bildschirme eine gerade und entspiegelte Oberfläche haben. All das steht in einem Buch von mir geschrieben, das Jahre nach der Entwicklung der Idee gedruckt wurde, weil eine bestimmte Firma ihr Geld mit Leuchten machen wollte anstatt mit Entspiegelungen an ihren Bildschirmen. Die Firma sollte damit zum Überdenken ihrer Strategie angeregt werden. So sah übrigens der Deckel des Buches aus:

Die rechten Bildschirme auf dem Deckel entsprechen den damaligen Produkten der gemeinten Firma. Damit sie nicht spiegeln, wurde eine Leuchte kreiert, deren Name mit Bildschirm anfängt. Sie überzeugte andere, die auch mit Leuchten Geld machen wollten, anstatt dem Problem zu helfen. Vielleicht wollte man auch nicht. Denn selbst im Jahre 2013 heißt es im Internet: „… Ein weiterer großer Vorteil von Glossy-Displays sind die geringen Kosten bei Produktion und Herstellung. Die Entspiegelung von TFT-Panels ist kostenintensiv.…“ (Quelle hier) Die Lösung, die die zuletzt gemeinte Firma vor ein paar Tagen angekündigt hat, wurde übrigens bereits 1975 angeboten. OCLI lautete ihr Hersteller, und das Produkt hieß λ/4-Beschichtung, in der Physik länger bekannt als Einstein. Allgemein bekannt als Dünnschichttechnik, üblich in der Fotografie seit etwa 1930.

So gucken viele viele Menschen seit mehreren Jahrzehnten dumm in die Röhre. Es gibt zwar mittlerweile nicht nur kleine Monitore wie oben auf dem Bild, die eine ebene Oberfläche besitzen, die auch noch entspiegelt ist. Monitore mit ebenen Oberflächen sind seit langem Standard. Positivdarstellung ist zudem seit Ewigkeiten Standard. Was fehlt, ist, dass die Fachleute anerkennen, dass ihre Lichtlösungen ein Märchen aus der guten alten Zeit sind. Jeder kann seine Beleuchtung längst ohne Rücksicht auf den Bildschirm wählen, wenn dessen Designer Rücksicht auf dessen Benutzer genommen haben. Was sonst? Da zurzeit mindestens drei Normenausschüsse mit Glanz und Gloria beschäftigt sind, darf man auf baldige Lösung hoffen, ich meine, auf die Anerkennung der Lösungen von Anno Tobak. Vielleicht zum 50. Jubiläum des obigen Bildes von Nixdorf?

Danach sieht es aber nicht aus. In der vor zwei Jahren veröffentlichten Beleuchtungsnorm DIN EN 12464-1:2011-08 wird immer noch auf Grenzwerte für die mittlere Leuchtdichte von Leuchten verwiesen, die man dem Bildschirm entsprechend auswählen muss, wie man aufgrund eines Versuchs von 1978 tun sollte, anstatt die Entspiegelung des Bildschirms an die erste Stelle zu setzen. Wer weiß bei der Planung einer Beleuchtung, welcher Bildschirm unter dieser Beleuchtung zum Einsatz kommen wird? Wenn es einem Planer gelingen sollte, das zu wissen: Wie lange wird die Planungsgrundlage, der besagte BIldschirm, im Einsatz bleiben?

Mein Ampelmann

Licht und Dusche

20.05.2013

Energiesparen mit LED - aber clever!

Hier soll nicht die gängige Geschichte erzählt werden, dass der LED die Zukunft gehöre, weil sie Energie spare beim Leuchten. Bei dieser Sache spielt die LED eine mittelbare Rolle. Mich fasziniert diese aber, weil damit ein persönliches Problem gelöst wird, das mich seit meiner Kindheit quält. Die Einsparung an Energie kommt als Zusatz obendrauf. Mindestens zweifach, der ökologische Nutzen.

Das Problem, mit dem ich lange gekämpft hatte, bestand in Thermen und Badezimmeröfen, die bekanntlich ihr wohliges Warmwasser nicht am Wasserhahn produzieren, sondern woanders. Von da muss es an den Wasserhahn kommen, bzw. aus demselben. Zu meiner Kindheit sah das so aus, dass ein höher gelegener Wasserkasten das kalte Wasser in den Ofen drückte, und dieser das warme Richtung Hahn. Bei mir war es meistens die Dusche. An der Mischbatterie drückte aber das Stadtnetz das kalte Wasser auch dahin.

Sofern alle Verhältnisse gleich bleiben, kann der duschende Mensch die Mischung einstellen und sich in aller Seelenruhe einseifen. Die bleiben aber nicht so. Wenn der Nachbar seine durchaus menschlichen Bedürfnisse von sich gegeben hat, und diese nun endgültig entsorgen will, bekommt der Duschende einen Schock, einen heißen. Umgekehrt, einen eiskalten, wenn er die Mischbatterie eingestellt hatte, als der Nachbar …

Später hatte unsere Familie eine Therme, die in den Jahren nach 1973 „druckgesteuert“ hieß. Vorher hieß sie gar nichts, weil alle Thermen immer druckgesteuert waren. Man musste das Verhältnis zwischen kalt und warm in einer Weise einstellen, die kein Mensch verstehen kann. Also, man versucht, seine Wunschtemperatur einzustellen, indem man schnell kalt und warm auf- und zu dreht. Dummerweise kommt die Nachricht bei der Therme mit einer Zeitverzögerung an, die ihr Wasser mit einer weiteren an den Hahn abgibt. Wenn die Nachricht überhaupt als die gemeinte Wunscherklärung ankommt, ist man ja noch zufrieden. Wenn man nämlich von einer Wassersorte - kalt oder warm - zu viel gibt, denkt die Therme, d.h. ihre Drucksteuerung, man hätte den Wasserhahn zugedreht. Daher stellt sie die Produktion von Warmwasser ein. Schock! Eiskalte Dusche! Dies passiert auch mal, wenn man sein Haar eingeseift hat. Da nützt einem die Beleuchtung im Bad nichts, weil man mit geschlossenen Augen durch die Gegend wankt. Solche Dinge passieren einem häufiger, wenn die Nachbarn etwa gleichzeitig duschen oder in die Badewanne steigen. Man kann zwar deren Gepflogenheiten studieren, um den günstigsten Zeitpunkt für das eigene Duschen auszubaldowern. Das gilt aber als nicht fein. Womöglich erfährt man, dass die Störungen unter der eigenen Dusche ausbleiben, weil die Nachbarn gar nicht …

Wie unangenehm die Sache auch sein mag, unangenehmer ist die Nebenwirkung, dass man jede Menge Wasser und Energie verbraucht, bis  die Therme geregelt ist. Oder zeitweilig richtig eingestellt. Dies wurde in der ersten Energiekrise des Jahres 1973 erkannt. Rufe nach dem Thermentod wurden laut. Irgendwann hat ein Ingenieur das Problem so gelöst, dass man die Therme sogar im Voraus für Mann und Frau getrennt einstellen kann, und auch gradgenau. Und die Regelung findet in der Therme statt, elektronisch. Seine geistige Leistung erspart uns bestimmt mehr CO2 als das ganze Glühlampenverbot.  Trotzdem wird man kein Denkmal zu seinen Ehren finden. Ingenieure „ehrt“ man nur, wenn sie Mist gebaut haben. Oder kennt etwa jemand ein Denkmal mit dem Namen des Mannes, der die Zwangskühlung von Automotoren abgeschafft hat? Er hatte gemessen, dass etwa 5% der Motorenleistung von Autos auf den Propeller entfielen, der sich unablässig drehte. Seit etwa 1970 dreht dieser sich nur, wenn er gebraucht wird. Und das passiert sehr selten. Bis dato hatte man das Problem übersehen, weil die führende Autonation die Leistung von Motoren ohne Nebenaggregate maß. Das ist so, als wenn man die Effizienz von Lampen ohne Vorschaltgeräte misst. (Nehme zurück, schlechtes Beispiel).

Durch die Leistung unseres unbekannten Ingenieurs reduzierte sich der Verlust an Wasser und Energie drastisch, aber nicht ganz. Mich ärgerte es immer noch, dass ich erst das Wasser anstellte und wartete, bis es warm genug war. Ich könnte vorher unter die Dusche gehen und warten, bis das Wasser warm wird. Das tun aber nur wenige Hartgesottene. Ich schätze, ich verliere etwa drei Liter Warmwasser zu diesem Zweck. Es scheint wenig zu sein, ist aber nicht. Denn man kann sich mit etwa 10 l Wasser sauber bekommen, wenn man sparen muss. Ein Verlust von 30% ist nicht gerade wenig. Auch sonst braucht man nicht viel mehr Wasser, um sauber zu werden. Wenn man mehr verbraucht, ist es Luxus.

Das Tüpfelchen auf dem I lieferte ein - wieder - unbekannter Ingenieur. Seine LEDs leuchten kalt, wenn die Dusche kalt ist. Man sieht, wie das Wasser warm wird, und kann so seine Schritte in die Duschkabine vorausplanen. Und den Strom produziert der Duschkopf selbst. Dazu nimmt er dem Wasserstrahl etwas Energie weg, was aber keinen Verlust bedeutet.  Denn der Strahl wirkt sanfter. Wenn man vom Nass getroffen wird, ist es ein Wohliges. Fehlt nur noch, dass der Duschkopf die „Forelle“ einstimmt. Genug Energie hat er ja. Es lohnt sich, sich einen Kopf zu machen.

Die ultimative Lösung meines Problems mit der Therme verdanken wir einer Eigenschaft der LED, die kaum eine andere Lichtquelle bieten kann: Eine Nano-LED misst 0,00009 mm (90 nm). Eine Subminiatur-Glühlampe aus dem Modellbau ist mit 1,5 bis 3,0 mm etwa 33.000-mal größer. Die kleinste LED ist somit etwa so groß wie ein Virus und kann mit dem bloßen Auge nicht gesehen werden. Auch ein Novum: Eine Lichtquelle, die man nicht sehen kann.